MobilitätsüberwachungFahrende Knöllchenscanner sollen 2024 eingeführt werden

In Deutschland wollen mehrere Bundesländer Parksünder:innen mit fahrenden Nummernschild-Scannern erfassen. Datenschützer befürchten den Aufbau einer weiteren Überwachungsinfrastruktur.

Fahrender Nummernschild-Scanner an einer Kreuzung in Amsterdam.
Mit solchen fahrenden Nummernschild-Scannern, wie hier in Amsterdam, sollen Falschparkende überführt werden. – Alle Rechte vorbehalten IMAGO / Thomas Frey

Immer mehr Städte in ganz Europa überwachen Parkscheine mit Scannern, die auf Autos montiert sind. Diese fahrenden, automatisierten Scanner erkennen die Nummernschilder der geparkten Autos und gleichen ab, ob das Auto einen Parkschein hat. Zuletzt wollten in Deutschland Hamburg und Berlin solche Systeme einführen. Das Land Hamburg hat eine Gesetzesinitiative dafür angestoßen.

Während sich die Städte Einsparungen bei der Parkraumkontrolle, höhere Einnahmen durch Knöllchen, mehr Sicherheit für andere Verkehrsteilnehmende sowie mehr freie Parkplätze erwarten, befürchten Datenschützer eine weitere Sammlung von Auto-Kennzeichen und Standorten verbunden mit einem Anstieg der Überwachung von Mobilität.

Weitere Überwachungsinfrastruktur

So sagt beispielsweise Konstantin Macher von der Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage gegenüber netzpolitik.org: „Das bedeutet eine Infrastruktur zur Massenüberwachung aller Fahrzeuge aufzubauen, welche die Bewegungsprofile weiter Teile der Bevölkerung erfassen könnte.“ Man befürworte zwar das Ziel, weniger falsch geparkte Autos in Innenstädten anzustreben. „Mehr Überwachungssensorik auf zusätzlichen Autos in den Innenstädten, um systematisch alle Autos und ihre Kennzeichen zu erfassen, ist dafür aber kein geeignetes oder verhältnismäßiges Mittel“, so Macher weiter.

In Hamburg muss die Einführung der automatisierten Knöllchen nach einer Testphase noch warten, denn für die Einführung solcher Systeme braucht es laut dem NDR ein Bundesgesetz. Und hier hat laut dem Medienbericht das Verkehrsministerium auf die Bremse getreten, es hat noch Klärungsbedarf in Sachen Datenschutz.

„Alle Halter unter Generalverdacht“

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte, Thomas Fuchs, sieht bei dem Vorhaben zwar einige Datenschutzprobleme, er glaubt aber, dass diese gelöst werden können, heißt es in einem Artikel auf Merkur.de. Durch das Scannen aller am Fahrbahnrand stehenden Fahrzeuge würden auch korrekt parkende Verkehrsteilnehmer erfasst, nur um relativ wenige Verkehrssünder zu ermitteln. „Damit werden alle Halter quasi unter einen Generalverdacht gestellt und ihre Daten verarbeitet“, so Fuchs in dem Medienbericht. Er pocht deswegen darauf, dass alle Nichttrefferfälle sofort wieder gelöscht werden müssen. Zudem müsse sichergestellt sein, dass andere Personen wie Radfahrer oder Passanten nicht aufgenommen würden.

„Wir hoffen, dass wir die entsprechende gesetzliche Grundlage, um die Fahrzeuge fahren zu lassen, im ersten Halbjahr 2024 in Hamburg haben“, so der Hamburger Verkehrsbehördensprecher Dennis Krämer gegenüber der dpa.


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48 Ergänzungen

  1. Endlich.

    Und diese „Generalverdacht“ Argumentation ist die gleiche wie bei IDs fuer Polizisten: Taeterschutz zur Privilegienwahrung.

    1. Danke für diesen Kommentar.
      Ich denke dass derartige Kommentare zeigen, wie wichtig es ist, darüber zu informieren, warum Überwachung generell schlecht ist, sowie über den Unterschied zwischen öffentlichen und privaten Daten.

      1. Ueberwachung ist nicht generell schlecht, ohne Ueberwachung koennen Regeln nicht durchgesetzt, Fehler nicht erkannt und behoben und Prozesse nicht etabliert und verbessert werden. Grenzwerte werden ueberwacht, Arbeitsschutzregeln werden ueberwacht, jede Menge kritischer Ablaeufe und Taetigkeiten werden ueberwacht. Und ja, auch Verhalten werden auf Gesetzesverstoesse ueberwacht.

        Man will eine definierte, angemessene und kontrollierte Ueberwachung mit klarem Zweck. Das ist schlicht ein notwendiger Baustein von Zivilisation und Gesellschaft. Fehlen von notwendiger Ueberwachung ist ebenso schaedlich oder gefaehrlich wie unkontrollierte oder unangemessene Ueberwachung.

        Falschparker sind ein massives Problem, von der Stoerung ueber die Behinderung bis zur klaren Gefaehrdung von Menschen, von materiellen Schaeden nicht zu reden. Falschparken ist ohne Ueberwachungsdruck nur durch bauliche Massnahmen zu bekaempfen, das ist wesentlich aufwendiger, teurer und bringt diverse unschoene Nebeneffekte.

        Und man komme nicht mit DSGVO, das geht zB in den Niederlanden auch problemlos.

        1. Überwachung ist aber nicht alles. Es gibt gute Gründe viele Sachen so zu regeln, dass ein Grund zur Ermittelung bestehen muss, z.B. eine Anzeige. An anderen Stellen wiederum…

          1. Wenn ich Falschparker anzeige werfen einem die gleichen Leute, die auf einmal, wenn es um die heilige Kuh Auto geht den Datenschutz als Argument für sich entdecken, einem Blockwartmentatlität und Denunzianntentum vor.

            Also lassen wir alles so weiter laufen wie bisher, sollen die die behindert werden doch Kuchen fressen, oder wie?

      2. Das Problem an Überwachung ist, dass sie gerne ausgeweitet wird. Die Parkraum-Überwachung wird garantiert sofort dahingehend ausgeweitet, dass Nicht-Treffer mit Sicherheitsbehörden abgeglichen werden.

        Zuerst natürlich nur wegen Terrorismus & Co., später dann auch bzgl. Nachrichtendienst.
        (Wer parkte öfter vor einem vermeintlichem Linksextremisten-Szene-Treffpunkt ?)

      1. Ich kenne zB Leute, die Strafzettel fuer grob 100EUR im Monat einfach als Parkflatrate fuer ueberall hinnehmen und bezahlen, Peanuts. Muss man sich leisten koennen, aber dann steht der 6-Zylinder BMW halt auch immer, wo man will, egal, wen oder was man damit behindert oder gefaehrdet.

        Andere koennen ihre Kids nicht 4 Blocks mit dem Rad zur Schule schicken, denn die eigentlich gut geeigneten Wege und Ueberwege dorthin sind permanent zugeparkt und damit unpassierbar. Passt auch weder Rollator noch Kinderwagen durch. Und ueber SUV gucken auch viele Erwachsene nicht mehr drueber.

        1. Wobei die Statistik den Vielfalschparker hier kriegen würde, denn so viele Tickets könnte man per Gesetz ja auch erklärungsbedürftig machen. Das Gesetz ist da der Schwachpunkt, nicht dass irgendwer irgendwohinkacken kann.

      2. Die Belastung und damit Verschleiß geht übrigens mit der vierten Potenz der Achslast. Falschparker zerstören jede Menge nicht für sie ausgelegte Verkehrsflächen, die damit für die eigentlichen Nutzer unbenutzbar werden und deren Reparaturen Zeit und Geld kostet. Von zerstören Grünflächen ganz zu schweigen.

        Die Falschparker rumpeln da einfach drüber, nicht so mobile Fußgänger nicht.

        Das Privileg, gegen das überschaubare Risiko einer unwahrscheinlichen und kleinen Strafe überall rücksichtslos sein Auto abzustellen. Einfach mal mit offenen Augen durch eine Stadt gehen, es ist der Wahnsinn.

    2. Es ist normal und nicht ein „Privileg“, nicht überwacht zu werden.
      Welcher unbescholtene Bürger möchte schon mit Verdächtigen in einen Topf geworfen werden.

      …dieses „ich habe nichts zu verbergen“ eröffnet Einblicke in meine Intimsphäre, die Freiheitsgedanken widerstrebt.

      1. Da werden halt keine Buerger ueberwacht, sondern Parkverbote, und erfasst werden die dagegen verstossenden Kfz.

        Wer sinnvolle Regelungen nicht durchsetzen will, der will das Recht der Staerkeren ausleben, viel Spass.

        Meine Kollegen aus NL und CH lachen sich jedesmal tot und sind froh, nicht hier zu wohnen.

        1. Wenn man es richtig macht, werden Verstöße erfasst.

          Und dann fragen wir uns alle, von was du nachts träumst? In der Covid-Zeit wurden anfangs Personen an Orten (Gaststätten) registriert, nur auf Grund des Infektionsschutzgesetzes.

          Kurze Zeit später fing die Polizei an, das aus anderen Gründen auszuwerten. Es ist in Deutschland leider lange Tradition Daten nicht zu löschen.

          1. Ja, dann müsste man mal Leute wählen, die das anders machen.

            Dumm nur: die Totalblockade führt zu Leidensdruck und der öffnet den Radikalen bis Extremen die Tür.

            Und wer in der Regierung wirklich Überwachung will und die Regeln anpassen oder brechen kann, hat in 6 Monaten eine umfassende Überwachungsflotte auf der Straße und ein Backend mit UI. Das kann man samt Betrieb beauftragen, und mal eben 100Mio im Jahr ausgeben ist für eine Bundesregierung trivial, wenn sie einfach will.

          2. Eine derart eingeführte invasive Überwachung würde auf massiven Widerstand der Bevölkerung stossen.

            Eine Parkraum-Überwachung die über Zwischenstufen wie „Terror“ hin zu einer nachrichtendienstlichen Überwachung oder der Ausweitung in Richtung Kleinstkriminalität führt nicht.

            Die Gefahr bei Überwachung ist oft nicht die Massnahme selbst, sondern die Tür, die sie für viele weitere Massnahmen öffnet bzw. die technischen Vorraussetzungen, die geschaffen werden.

        2. „Da werden halt keine Buerger ueberwacht, sondern Parkverbote, und erfasst werden die dagegen verstossenden Kfz.“
          -> Das kommt ja mal drauf an, was da wann erfasst wird. Die Kapabilitäten so eines Systems reichen vermutlich viel weiter als Nummernschilder und Parkposition, und erhobene Daten werden gerne mal von der Polizei gesichtet, auch nach Gesichtern. Ohne Rahmen sind wir da schnell um die Ecke.

          „Wer sinnvolle Regelungen nicht durchsetzen will, der will das Recht der Staerkeren ausleben, viel Spass.“
          -> Und was ist sinnvoll?

          „Meine Kollegen aus NL und CH lachen sich jedesmal tot und sind froh, nicht hier zu wohnen.“
          -> Ja gut, aber woran liegt’s tatsächlich?

  2. Wichtiger als allgemeine Kritik wäre doch eine technisch saubere Umsetzung:
    – Der Scanner darf ausschließlich Fotos und keine Videos speichern, ggf. müssen aus dem Videobild unmittelbar Fotos isoliert werden bevor eine Speicherung erfolgt
    – Andere Personen und Verkehrsteilnehmer sind unmittelbar zu detektieren und automatisiert aus den Aufnahmen zu entfernen
    – Solange kein Verstoß festgestellt wurde, müssen die Fotoaufnahmen verschlüsselt gespeichert werden, wobei für jede Aufnahme ein individueller Schlüssel zu verwenden ist, der auch das Kennzeichen enthält
    – Ebenfalls sind die Kennzeichen zunächst nur als Hashwert mit täglich wechselndem Pepper zu speichern
    – Erst nach Feststellung eines Verstoßes werden die Daten separat gespeichert und erst dann mit einem Schlüssel der Bußgeldstelle verschlüsselt

      1. Nicht richtig gelesen. Das Konzept wäre ja, immer einen individuellen Schlüssel zu nutzen, und erst bei (berechtigter) Anfrage, die Daten mit dem gebotenen Schlüssel der Anfragestelle verschlüsselt zu senden.

        Also Sicherheit in der Datenhaltung. Da gibt es dann auch weitere Details, weil ja die ganzen Schlüssel irgendwo lagern müssen, also bietet sich eine Vermittlungsstelle an, die Berechtigungen prüft, wäre vielleicht sogar als allgemeine Behörde machbar. Hier könnten auch unregistrierte oder falsche Anfragerschlüssel abgelehnt werden (usw. usf.).

        Allerdings heißt das dann, dass eine zentrale Stelle über Schlüssel verfügen muss (direkt oder indirekt). Das Gerät würde sonst ja auf „jede“ Anfrage freudig antworten müssen, was nicht der Sinn der Sache sein kann. Ob die Daten dann in der Behörde liegen, oder woanders, ist noch eine weitere Frage. (Wer kann löschen, wer kann lesen…)

        Jedenfalls bildet sich fast zwangsweise eine Mittlerposition heraus, die unabhängig agieren müsste. So eine Stelle könnte geballte Kompetenz darstellen, auch wenn es um Anfragen ausländischer Polizeien und Dienste geht. So wären auch Richtlinien umsetzbar. Z.B. würde der Durchsuchungsantrag Bayrischer Behörden für Telefone in Berlin gegen Verfassungsbestandteile gegengeprüft, und bevor die Telekom z.B. etwas herausgeben kann, die entsprechende Stelle in Berlin aktiviert. All solche Sachen…

  3. Technologischer Fortschritt dient weniger dazu, dass Familien ein weniger beschwerliches Leben führen können, das nicht von Armut bedroht ist.

    Der Fortschritt in Elektronik und Kommunikation wird vor allem dazu benutzt, Bürger zu überwachen, und zu Klassifizieren.

    Die automatisierte Parkraumüberwachung mittels Scan-Mobil lediglich ein Milestone zum Social-Scoring-Mobil.

    1. Uebersetzt: „Ich will weiter gegen Regeln verstossen und Leute behindern und gefaehrden, denn ich kann mir die gelegentliche Strafe leisten“.

      1. Diese Übersetzung ist nur eine Interpretation von so vielen.

        In Sachen Datenschutz sollte man aber schon ein True Scotsman sein. Da kann man nicht META oder Apple für ihren miserablen Datenschutz boykottieren oder Google Street View im Allgemeinen kritisieren aber gleichzeitig ein flaches, sechseckiges Monster auf dem Dach eines Wagens der Ordnungsbehörde gut finden mit der Begründung, es können Verkehrsteilnehmer, auch Fußgänger, behindert werden. Widersprüche gehen einfach nicht.

        Ja, Falschparker blockieren. Nein, Parkraumüberwachung ist die falsche Methode.

        1. Diese Haltung ist ein Grund für das Scheitern des Datenschutzes wie auch der sinnvollen Digitalisierung in Deutschland: man blockiert alles, ist dann solange völlig handlungsunfähig, bis jemand sich darüber hinwegsetzt, und die leidende Allgemeinheit kennt „Datenschutz“ primär als problematische Ideologie.

          1. Nein, Ihre Haltung bei Entscheidern ist der Grund, falls es überhaupt scheitert.

            Datenschutz ist Prinzipal, im Digitalen ist es sofort umfassend allgemein (so). Da geht es kaum anders. Datenschutz im Sinne von Menschenschutz wird aktive torpediert, und wir tun so, als wäre es eine faire Diskussion.

          2. Nunja, neben durchaus vernuenftigen Datenschutzaktivisten gibt es halt die auch hier sehr sichtbare sehr laute Fraktion der libertaeren Datenschutzschrate, mit denen halt woertlich kein Staat zu machen ist. Und dann bekommt man halt entweder keine Loesungen oder ueberlaesst den Autoritaeren das Feld, oder in der Reihenfolge.

          3. „Nunja, neben durchaus vernuenftigen Datenschutzaktivisten gibt es halt die auch hier sehr sichtbare sehr laute Fraktion der libertaeren Datenschutzschrate, mit denen halt woertlich kein Staat zu machen ist. Und dann bekommt man halt entweder keine Loesungen oder ueberlaesst den Autoritaeren das Feld, oder in der Reihenfolge.“

            Dann gibt es noch Proagandaposts. Man könnte jetzt mutmaßen aus welcher Ecke das kommt, und welche Rolle KI und welche Rolle Vorgaben dabei spielen. Sollen alle genannten nivelliert oder obfuskiert werden (typ. Russland, aber kein Beweis), oder sollen Libertäre netter aussehen, weil sie keinen Datenschutz nötig haben? O.ä…

            Verstehen Sie überhaupt das Post darüber? „Prinzipal und passiert automatisch“ betrifft die Natur des Digitalen bzgl. Daten (Als KI dürften sie sich jetzt beschweren, denn das war eine fiese Stolperfalle!).
            Zur Güte: es ist ein verkürztes Post, denn es geht um die Natur der Probleme mit Daten (-Schutz). Diese betreffen immer gleich das ganze Feld, und man wartet dann nicht darauf, dass ein Polizist in einem anderen Landesteil ein Auge zudrückt, Daten über mich immer besonders langsam fließen, o.ä., sondern es ist dann bereits prinzipiell flächendeckend passiert, deswegen „Prinzipal“, was hier eine Verkunstformung verschiedener Bedeutungen eben dieses Begriffes andeuten soll. Wir können also nicht beliebige Kompromisse ohne Kompetenz beschließen. Wir hätten sonst direkt die Daten nicht im Griff. (Mögliche Folgen sind dann Zauberlehrlingsszenarien u.ä., Manipulation von irgendwem, Kontrollszenarien, Erpressungsszenarien, Nukleardatenschlag, je nach Inkompetenz dann auch mal flächendeckend, etc.).

            Aber Danke, dass es laut Ihnen auch „durchaus vernuenftige Datenschutzaktivisten“ irgendwo im „Neben“ gibt. Oder meinten Sie Nebel? Jedenfalls welche, die nicht sichtbar aufmucken.

          4. Oh, ich bin seit 30 Jahren im Bereich IT Infrastruktur inklusiver gesellschaftlicher Auswirkungen unterwegs, beruflich mit einem Schwerpunkt auf Informationssicherheit und auch Datenschutz und ehrenamtlich lange Zeit Kommunikationsstrukturen fuer das, was man heute so Zivilgesellschaft und Aktivisten nennt.

            Und die Naivitaet vieler Technikferner ist nicht problematischer als die sture Blockade der Datenschutzschrate. Nur das ersteres dann noch Dinge „fuer die Sache“ auf die Reihe bekommen und letztere von vollstaendiger Selbststaendigkeit traeumen und im Ergebnis jede handlungsfaehige Struktur torpedieren.

          5. Manchmal sind ae, oe und ue die Bits, die einen Unterschied zwischen Texten machen.
            Meistens aber reicht schon die Qualität des Beitrags, um einschätzen zu können, welcher Anonymous das fabriziert hat. Vielleicht sollten die Streithähne sich auch noch darüber verständigen, welche Zeichenkette sie einheitlich im Email-Feld hinterlassen wollen. -{

          6. „Manchmal sind ae, oe und ue die Bits, die einen Unterschied zwischen Texten machen.
            Meistens aber reicht schon die Qualität des Beitrags, um einschätzen zu können, welcher Anonymous das fabriziert hat. Vielleicht sollten die Streithähne sich auch noch darüber verständigen, welche Zeichenkette sie einheitlich im Email-Feld hinterlassen wollen. -{“

            KI kann Vorposter und fehlerhafte Tastaturen inzwischen spielend imitieren. Sie wissen also nichts. Aber was posten Sie da?

            Streithähne -> Verklammerung. Inhalt egal.
            Verständigen -> Verklammerung. Beide gleich.
            Email-Feld -> Beide Fake, oder beide gleich.

            Inhaltsanalyse -> Offensichtlich nicht der Fall.

    2. Die Familien und andere Leute, denen Falschparker die Gehwege, Radwege, Kreuzungen, Rettungswege und sonstiges blockieren, vom Sucherkehr ganz abgesehen, führten mit signifikant weniger Falschparkern in der Tat ein signifikant weniger beschwerliches Leben.

  4. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte sagt irgendwas? Ist das nicht der, der festgestellt hatte, dass Datenschutz nicht mehr zeitgemäß ist und die Gesellschaft zerstört? Nur sehr sinngemäß zitiert.
    Fuchs „fordet“ irgendwas, was man ohnehin einfach wieder abstellen kann? Das kennt man doch. Wie lange werden wir dann warten müssen, damit, wie bei der Kennzeichenüberwachung auf Autobahnen, die Überwachung doch ausgeweitet wird? Terroristen überall.

  5. Zu „Überwachung und Zivilisation“ – hier gehört aber Kompetenz dazu und Schutz vor Mißbrauch, wovon kein System bisher gezeigt hat, dazu imstande zu sein. Lippenbekenntnisse und „gut gemeinte Gesetze“ nützen da nichts, denn dann landet ihr im Orkus der Geschichte, nicht in einer Zivilisation. Insofern: Frisch zu!

    1. Wir haben unzählige Prozesse für Kontrollen und Sanktionen in Betrieb, und die funktionieren trotz Missbrauchspotenzial idR, einigermaßen transparent und kontrollierbar. Wir wissen ziemlich gut, wie man sowas macht, man muss halt wollen und entsprechend agieren.

      Wer das leugnet, sollte man eine Zeit in einem wirklich kaputten Staat gelebt haben, oder sich nur mal mit Leuten von dort unterhalten.

      Und der Grundsatz „traue niemandem und dem Staat erst recht nicht“ führt erst nach sowas wie Somalia und dann auf Grund des Leidensdrucks in ein autoritäres Regime.

      1. Ich schreibe von ZIVILISATION, mit dem Schwenk weg von der archäologischen Begutachtung ausgestorbener Spezies oder Lebensweisen, hin zu Daurhaftigkeit eines zivilisierte Zustandes.

        Daran gemessen sind wir nicht so gut. Als erstes bei Datenverarbeitung frage ich die „Zivilisation“: „Könnt ihr mit Daten umgehen?“. Dann erklären Sie mir mal, wie mein Urteil aussehen kann, wenn nicht von Anfang an das Abhandenkommen von Daten im Allgemeinen, sowie Privatsphärenkonzepte im Design stecken? Ich rede nicht von einer technischen Bierdeckelrechnung bzgl. der Machbarkeit einer Sache, mit eingegrenztem Blick auf eben diese Sache. Technisch legetim, politisch unzureichend, zivilisatorisch legetim… auf dem Bierdeckel, in einem Paper, einer technischen Diskussion, nicht aber als Konzept, dass sich in die Zukunft einzufügen vermag.

        Ansonsten, vor dem Somaliavergleich bitte die USA noch bringen, sonst wirkt es wie billige Propaganda. Der Anteil der Staatgefährlichfinder ist dort ziemlich hoch, während die Polizeien Cloudkameras anzapfen und Drohnen zunm Spass an der Freud‘ über Privatgrundstücke fliegt.

        Einigermaßen irgendwas reicht nicht. Schutz ist nicht, wenn Bayern im Digitalen das Grundgesetz für die ganze Republik aushebelt, und man nun in Berlin auf den Schutz Berlins vor den Bayern hoffen muss. Da gehören Systematiken zu, wie sowas abgestellt wird, wenn eine Behörde durchdreht, dann Sanktionen, erzwungene Nachbesserung der Gesetze und Regeln, sowie real verwendbare Entschädigungen, damit Mißbrauch in irgendeiner Form eindämmbar ist. Hier sind derzeit zu viele Stellschrauben zu locker.

        In „schlechter verwalteten“ Ländern gibt es z.T. dann wiederum mehr Freiheiten. Irgendwann ist es hier schlechter, wenn man da so lobhudelnd umherstolpert.

      2. „Dazu imstande zu sein“ – vermutlich haben Sie das im Fokus, also dieser Winkel:
        – Längeren Zeitraum betrachten. Wir wollen keine Pfahlbauten an ausgetrockneten Seen als „Zivilisation“ haben. Das wäre so wie KI mit alten, toten, stinkenden Datenfischen zu füttern, um die Zukunft vorherzusagen. Das klappt bei Menschen nur, wenn man das Korsett um die Menschen herum entsprechend eng schnallt, und auch nur für so und so lange.
        – Ja, Deutschland hat schon einiges gezeigt. Aber die Richtung die wir nehmen, reißt das alles effektiv ein, besonders übers Digitale. Das ist nicht alles nicht mehr so sicher, wie es in bzw. nach den 80ern noch schien. Wesentliche Teile der Politik sind geradezu in extremisticher Art und Weise darum bemüht, den Verantwortungsteil abzuschaffen, und ohne Hürden in die totale Überwachung zu gleiten, DEU wie EU.
        – Somalia hat ein Kriegsproblem an erster Stelle. Langanhaltende Zivilisation ist da nicht machbar. Alles wird an den Krieg angepasst, wie wenn man um Resourcen kämpft. Natürlich kann sich etwas entwickeln, aber allzu weitreichende Prognosen bedeuten da in der Regel unseriöse Glaskugelherumschmeißerei. Andererseits, Länder mit weniger wirtschaftlichen Zwängen, trotz weniger Möglichkeiten, können sich schneller positiver entwickeln, wenn sie auf Stabilität treffen. Allein die verworrene Gesetzgebung in Deutschland nicht im Weg zu haben, sondern eleganter neu aufsetzen zu können, sofern man aus anderen Negativbeispielen zu Lernen imstande ist, kann da zu interessanten Entwicklungen führen.

  6. Also, zu „Datenschutz hält auf“:
    Es ist ganz einfach: wenn ihr es nicht könnt, könnt ihr keinen Raumkreuzer bauen. Also, warum macht ihr es nicht einfach so früh wie möglich richtig, und vermeidet Folgefehler und Kompetenzverlust?

    1. Tja, und dann baut man halt keinen Raumkreuzer, denn perfekt risikolos geht ja nicht, und dann kommt Darth Vader mit seinem vorbei und übernimmt das Ruder.

      1. „Tja, und dann baut man halt keinen Raumkreuzer, denn perfekt risikolos geht ja nicht, und dann kommt Darth Vader mit seinem vorbei und übernimmt das Ruder.“

        Hach:
        – Es gibt eine Defintiion von perfekter Sicherheit. Schön oder nicht. Und nun?
        – Raumkreuzer sind realität (demnächst).
        – Darth Vader ist Fiktion. Niemand von Verstand baut einen Raumkreuzer, den ein sterblicher mit einem entfernten Würgegriff unter Kontrolle bringen kann. (Vgl. Battlestar Galactica.)
        – Raumkreuzer haben keine Ruder (demnächst jedenfalls nicht).

    2. Beim Postnichtgelesenhabenwettbewerb will ich aber dabei sein!

      Darth Vader: In dem Szenario hat Darth Vader Daten vielleicht im Griff (z.B. wer ist wessen Vater?). Die Menschen vielleicht eher nicht (kein Kampfschiff gebaut).

      Versuchen wir eine Synthese: Ihr wollt also ein Datenkampfschiff bauen, habt ihr denn Daten im Griff?

  7. Zur Debatte:

    „ich bin seit 30 Jahren im Bereich IT Infrastruktur […] unterwegs […].“

    Authoritätsargumente zählen leider nicht!
    Zu allem Überfluss werden die Kids auch noch die Authorität in Frage stellen:
    – Haben Sie nach 30 Jahren nicht mal Ihre eigene Kompetenz, strukturellen Fortschritt zu erreichen, in Frage gestellt?

    „Und die Naivitaet vieler Technikferner ist nicht problematischer als die sture Blockade der Datenschutzschrate.“
    – Wie gesagt fehlt eine Einordnung, was denn angemessen ist. Dumme Vorhaben kann man erst mal ganz ablehnen. Wenn das alles so Profis sind wie Sie, haben die auch nicht unendlich Zeit zum Schnacken.
    – Fragen wir nach dem Prozess, wie Vorhaben diskutiert und technisch begleitet werden, stellt man fest, dass zu viele Technikferne bedeuten, dass Mist geschieht. Also schon sogar DAS Problem.
    – Wo sehen Sie „Schrate“? Der Klassiker ist, Sachen die man nicht will, unter vorgeschobenen Argumenten abzulehnen.

    „Nur das ersteres dann noch Dinge „fuer die Sache“ auf die Reihe bekommen und letztere von vollstaendiger Selbststaendigkeit traeumen und im Ergebnis jede handlungsfaehige Struktur torpedieren.“
    Klassiker der Diktatur:
    – Für die Sache.
    – Handlungsfähigkeit.
    – Schrate sind durch Datenschutz selbständig? Hier stelle ich mehrere Fragezeichen hin. Nicht dass jetzt irgendwas mit „libertär“ kommt.

    Frage ist, was Sie wie erreichen wollen? Soll es jetzt ganz schnell ohne Datenschutz gehen? Fangen wir bei „alle Daten immer für alle“ an, und erlauben einem „vernünftigen Datenschützer“ ein paar kosmetische Einschränkungen?

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