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ÜberwachungskapitalismusFacebook finanziert Schmutzkampagne gegen TikTok

Eine Agentur versucht im Auftrag von Facebook, schlechte Nachrichten über den Konkurrenten TikTok zu lancieren und diesen als gefährlich für Kinder und die Gesellschaft darzustellen. Es geht offenbar auch darum, von eigenen Problemen abzulenken.

  • Markus Reuter
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Facebook (links) versucht, TikToks (rechts) Erfolg aufzuhalten. (Symbolbild) – Alle Rechte vorbehalten: IMAGO / Mika Volkmann

Im Kampf um Marktanteile im Überwachungskapitalismus wird mit harten Bandagen gekämpft. Facebooks Muttergesellschaft Meta bezahlt laut Recherchen der Washington Post die PR-Firma Targeted Victory, um die Öffentlichkeit gegen die chinesische Videoplattform TikTok aufzubringen. Die Lobby- und Medienkampagne soll TikTok als gefährlich für Kinder und Gesellschaft in den Vereinigten Staaten darstellen.

In der Washington Post heißt es unter Berufung auf interne Mails:

Die Kampagne umfasst die Platzierung von Meinungsbeiträgen und Leserbriefen in großen regionalen Medien, die Förderung von dubiosen Geschichten über angebliche TikTok-Trends, die in Wirklichkeit von Facebook stammen, und das Bemühen, politische Reporter und Lokalpolitiker dazu zu bringen, bei der Zerschlagung des größten Konkurrenten [von Facebook] zu helfen.

Ablenken von Themen wie Datenschutz und Kartellrecht

Es solle die Botschaft vermittelt werden, dass Meta zwar der aktuelle Sandsack sei, auf den alle einschlagen, TikTok aber die wirkliche Bedrohung darstelle, schrieb ein Manager von Targeted Victory laut der Washington Post in einer E‑Mail. Zudem solle man die Bekanntheit von TikTok nutzen, um von Datenschutz- und Kartellrechtsfragen bei Meta abzulenken.

In einer anderen Mail werden Mitarbeiter von Targeted Victory aufgefordert, Geschichten mit gefährlichen TikTok-Trends an lokale Medien zu schicken. Die Zeitung zitiert aus einer E‑Mail: „Ein Traum wäre es, Geschichten mit Schlagzeilen wie ‚Von Tänzen zur Gefahr: Wie TikTok zum schädlichsten Social-Media-Bereich für Kinder geworden ist’ zu bekommen“.

Hierfür sammelte die Agentur, die viel für die US-Republikaner arbeitet, laut dem Medienbericht auch Links zu zweifelhaften Artikeln über angeblich gefährliche Trends auf der Videoplattform. Im vergangenen Oktober versuchte die Agentur dann offenbar einen angeblichen Trend zu lancieren, eine „Schlage Deinen Lehrer“-Challenge. Diesen Trend gab es aber nie auf TikTok, Gerüchte über ihn kursierten hingegen auf Facebook.

Falsche Leserbriefe 

Targeted Victory bediente sich dabei auch Undercover-Taktiken: So erschien zum Beispiel in der Denver Post am 12. März ein Leserbrief von „besorgten Eltern“, bei dem Mitarbeiter der Agentur mitgewirkt haben sollen. In diesem Brief wurden Datenschutzmängel angeprangert und behauptet, dass TikTok der psychischen Gesundheit von Kindern schade. Ähnliche Briefe fand die Washington Post auch bei anderen Medien.

Auf die Kampagne angesprochen, sagte Targeted Victory gegenüber dem Medium nur, dass sie seit Jahren mit Facebook zusammenarbeiten. Meta-Sprecher Andy Stone verteidigte die Kampagne hingegen mit den Worten, dass „alle Plattformen, einschließlich TikTok, ein Maß an Kontrolle erfahren sollten, das ihrem wachsenden Erfolg entspricht.“ Bei TikTok zeigte man sich über die Kampagne und das „Befeuern von lokalen Medienberichten über angebliche Trends, die nicht auf der Plattform zu finden sind“ besorgt.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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