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KW 16Die Woche, als Europas „digitales Grundgesetz“ vor der Tür stand

Die 16. Kalenderwoche geht zu Ende. Wir haben 11 neue Texte mit insgesamt 96.786 Zeichen veröffentlicht. Willkommen zum netzpolitischen Wochenrückblick.

  • Sebastian Meineck
– : Fraktal, generiert mit MandelBrowser von Tomasz Śmigielski

Liebe Freund:innen von netzpolitik.org!

Schön, dass ihr da seid. Hier hat sich ein bisschen was verändert. Ab dieser Woche beginnt der netzpolitische Wochenrückblick mit dem persönlichen Editorial eines Mitglieds aus der Redaktion. Heute bin ich das. Hallo! Als zweites gibt es eine Übersicht mit den Artikeln der Woche.

Während ich diesen Newsletter an einem bewölkten Freitagnachmittag in Berlin schreibe, verhandeln in Brüssel Vertreter:innen von EU-Staaten und EU-Parlament. Es geht um die letzten Details eines wohl historischen Gesetzes. Das Digitale-Dienste-Gesetz, kurz: DSA, kann unseren digitalen Alltag maßgeblich prägen. Nachrichtenmedien und einige Politiker:innen nennen es auch „digitales Grundgesetz“.

Einen weniger spektakulären Eindruck macht die typische Bebilderung für Berichte über den DSA. Immer wieder sehe ich Handy-Touchscreens oder Finger auf der Tastatur. Mit Eingabegeräten hat das Gesetz aber herzlich wenig zu tun. Was ich beim DSA vor Augen habe, sind Menschen. Zum Beispiel Leute, die nachts nicht einschlafen können, weil sie das Ziel organisierter Hasswellen sind. Hassrede ist eines der Themen, die der DSA angehen will.

Ich denke an marginalisierte Gruppen, für die Schutz vor Online-Überwachung auch Schutz vor Gewalt und Verfolgung bedeutet. Hoffnungen auf ein umfassendes Verbot von Dark Patterns und Überwachungswerbung durch den DSA werden voraussichtlich nicht erfüllt.

Ich denke auch an Menschen, deren Nacktaufnahmen gegen ihren Willen im Netz kursieren, und die sich jeden Tag fragen, ob irgendjemand auf der Straße sie vielleicht wiedererkennt. Ein weiteres Thema, das der DSA anpacken könnte – die teils problematische Regulierung von Pornoseiten stand bis zuletzt auf der Kippe.

Heute habe ich mit meinem Kollegen Alexander Fanta gespannt verfolgt, ob wir die erwartete Einigung noch vor Feierabend vermelden können, oder ob sich die Verhandlungen länger ziehen. Stellt sich heraus: Sie ziehen sich. Das Wichtigste zum DSA gibt es also ab nächster Woche bei netzpolitik.org.

Ich wünsche ein schönes Wochenende und alles Gute
Sebastian

PS: Habt ihr Feedback zum neuen Wochenrückblick? Wie gut ist er in euren E‑Mail-Clients lesbar? Schreibt gern eine E‑Mail mit Beobachtungen und gegebenenfalls einem Screenshot an newsletter-feedback@netzpolitik.org. Meine lieben Kolleg:innen Jocca und Ole schauen sich das dann an. Vielen Dank!

Unsere Artikel der Woche

StaatstrojanerBritische Regierung im Visier von Pegasus

Offenbar war der skandalträchtige Staatstrojaner sogar gegen die britische Regierung im Einsatz. Hinweise darauf fand das kanadische Forscher:innenteam Citizen Lab. In Brüssel nahm unterdessen ein EU-Untersuchungsausschuss zu Pegasus seine Arbeit auf.

eBay-StalkingskandalEinschüchterung nach Mafia-Art

Im Ebay-Stalkingskandal will sich laut Medienberichten ein weiterer, hochrangiger Täter schuldig bekennen. Es geht um Einschüchterungsversuche aus dem Jahr 2019. Mit bizarren Methoden ist der Konzern gegen ein Ebay-kritisches Blogger:innen-Paar vorgegangen.

Kampf gegen sexuelle GewaltAnonyme Pornos in Gefahr

Wer Pornos veröffentlicht, hat ein Recht auf Anonymität – zugleich sollen Plattformen prüfen, dass Nacktaufnahmen einvernehmlich sind. Beides wäre möglich. Doch es gibt Kritik an den geplanten EU-Regeln im Digitale-Dienste-Gesetz.

Interne DokumenteEU tüftelt an Bitcoin-Verbot

Bitcoin ist ein Stromfresser. Hinter verschlossenen Türen denken Beamt:innen von EU und Bundesregierung über ein Verbot nach. Wie sie Argumente von Bitcoin-Fans einschätzen, zeigen bislang unveröffentlichte Dokumente.

KinderschutzfunktionApple startet Nacktscanner in seinem Messenger

Apple kann per Messenger verschickte Nacktbilder jetzt erkennen und automatisch unkenntlich machen. Die zunächst nicht in Deutschland verfügbare Kinderschutzfunktion ist eine deutlich abgespeckte Version der ursprünglich geplanten Chatkontrolle.

Über die Autor:innen

  • Sebastian Meineck
    Philipp Sipos

    Sebastian Meineck ist Journalist und seit 2021 Redakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen aktuellen Schwerpunkten gehören digitale Gewalt, Databroker und Jugendmedienschutz. Er schreibt einen Newsletter über Online-Recherche und gibt Workshops an Universitäten. Das Medium Magazin hat ihn 2020 zu einem der Top 30 unter 30 im Journalismus gekürt. Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem zweimal mit dem Grimme-Online-Award sowie dem European Press Prize.

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