Smartphone-TrackingBritischer Datenhändler sammelt keine Standortdaten mehr in der EU

Eine britische Firma hat die Handys von Tausenden Menschen in Europa getrackt. Jetzt hört sie nach einer Untersuchung der britischen Datenschutzaufsicht auf, weiter Daten in der EU zu sammeln.

Menschen auf einer Einkaufsstraße in Glasgow
Brit:innen wie hier in Glasgow darf Tamoco in Zukunft nicht mehr per Handy tracken, von anderen Märkten in der EU hat sich die Firma freiwillig zurückgezogen. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Artur Kraft

Eine britische Firma, die mit Standortdaten aus Handys handelt, sammelt ab jetzt keine Daten mehr in der EU oder in Großbritannien. Die britische Datenschutzaufsicht hat der Firma untersagt, die Daten von Briten zu sammeln und angeordnet, dass alle bisherigen Daten gelöscht werden sollen. Daraufhin hat sich Tamoco freiwillig auch aus dem Geschäft in Norwegen und der EU zurückgezogen. Das berichtet der norwegische Sender NRK.

NRK hatte im Jahr 2019 von Tamoco Standortdaten im Wert von 35,000 Norwegischen Kronen gekauft. Dafür bekamen Journalisten des Senders Daten von mehr als 140,000 Handys und Tablets in Norwegen. In solchen Daten sind keine Namen und Telefonnummern enthalten, sie werden von den Firmen vermeintlich anonymisiert. Dennoch konnten die Journalisten nachweisen, dass sich mit Hilfe der Daten die Bewegungsmuster von Menschen detailliert nachvollziehen lassen. Letztlich konnten sie Personen damit auch namentlich identifizieren, darunter Angehörige des Militärs und die konservative Abgeordnete Lene Westgaard-Halle. Der beteiligte Journalist Martin Gundersen nannte das „furchteinflößend“.

Abgewatscht von der Datenschutzaufsicht

Nach der Berichterstattung von NRK begann die Britische Datenschutzaufsicht ICO, Tamoco zu untersuchen. Dies endete nun mit einer Rüge für den Datenhändler, berichtet die BBC. Die Firma habe britische Staatsbürger:innen nicht ausreichend darüber informiert, wie ihre Daten genutzt werden, und muss nun ihre Datenschutzregeln überarbeiten. „Wir haben Tamoco außerdem zum Datenschutz beraten“, sagt ein Sprecher der ICO, „um sicherzustellen, dass die Daten von britischen Staatsbürger:innen nicht länger verarbeitet werden und dass alle bisherigen Aufzeichnungen gelöscht werden.“

Wie sich die Entscheidung auf Handynutzer:innen außerhalb Großbritanniens auswirkt, dazu wollte die ICO gegenüber NRK zunächst nichts sagen. Ein Mitarbeiter der norwegischen Datenschutzaufsicht bestätigte dem norwegischen Sender aber, dass sich Tamoco auch aus Norwegen und der EU zurückzieht und dort keine Standortdaten mehr sammeln wird. Das habe man in einer Telefonschalte mit der britischen ICO erfahren. „Tamoco scheint eine dubiose Firma zu sein, die bestenfalls in Grauzonen operiert,“ sagte der Mitarbeiter zum Sender. Man halte es daher für richtig, dass sich Tamoco aus Europa zurückzieht.

Datenhändler wie Tamoco sammeln die Standortdaten mit Hilfe vermeintlich harmloser Android-Apps, die Nutzer:innen auf ihren Handys installieren, darunter Apps zur Navigation oder Wetter-Apps. NRK hatte gemeinsam mit Motherboard in einer weiteren Recherche offengelegt, wie diese Daten entlang einer langen Kette von Firmen gesammelt und weiterverkauft werden. In einem Fall landeten die Daten aus den Handy-Apps zum Schluss sogar bei einem Unternehmen, das Informationen an US-Behörden wie das FBI oder die Grenzschutzpolizei ICE liefert.

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