NPP 235 zu Sorgearbeit im NetzDie digitale Hausfrau

Hinter den Kulissen von Facebook, Twitter und Tiktok arbeiten Millionen von Nutzer*innen, die mit ihren Posts, Likes und Kommentaren die Medienmaschinen überhaupt am Laufen halten. Sie tun dies täglich, massenweise, unbezahlt. Marxistische Feministinnen haben dafür die Idee der „Digitalen Hausfrau“ entwickelt – wir schauen uns in dieser Folge an, wer sich dahinter verbirgt.

Eine Abbildung einer Frau mit roten Haaren und Schürzen in einer Küche im 50er-Jahre Magazin Stil. Collage mit einem Matrix-Effekt.
Wir ziehen eine Linie von den Hausfrauenstreiks der 70er in die digitalen Medien unserer Zeit. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Markus Spiske | Collage netzpolitik.org


Wir laden Fotos hoch, verteilen Likes oder kommentieren unter den Posts unserer Freund:innen. Bezahlt werden wir dafür nicht, trotzdem tun wir das täglich und massenweise. Mit diesem freiwilligen Arbeitseinsatz halten wir Plattformen wie Facebook, Twitter, Reddit oder AirBnB überhaupt erst am Leben. Was wäre, wenn wir anfangen über dieses Engagement als digitale Sorgearbeit nachzudenken?

So wie Frauen lange Zeit – und bis heute – mit ihrer unbezahlten Care-Arbeit im Haushalt den Kapitalismus am Laufen halten, halten wir heute als digitale Hausfrauen den Online-Laden am Laufen und machen viele Ecken des Plattformkapitalismus ein kleines bisschen schöner und interessanter. Das ist die Metapher der Medienwissenschaftlerin Kylie Jarrett und dieser Idee gehen wir in dieser Folge nach.

Dazu schlagen wir den Bogen von den Hausfrauenstreiks und feministischen Aufständen der 1970er bis zu den Menschen, die auf Reddit unbezahlt haushalten. Wir sprechen mit der Soziologin Ute Kalender, die zur Digitalen Sorgearbeit schreibt. Mit der Wiener Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl, deren endlos lange Threads zu rechter Rhetorik zum besten gehören, was Twitter zu bieten hat. Und mit zwei Moderatoren des größten deutschen Reddit-Forums r/de.


Hier ist die MP3 zum Download. Es gibt den Podcast wie immer auch im offenen ogg-Format.


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Unsere Gäste

Feministische Kritik aus den 1970ern

Feministische Kritik & Digitale Sorgearbeit heute

 


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Quellen

Moderiert von Chris Köver und Serafin Dinges. Produziert von Serafin Dinges. Zusätzlicher Schnitt von Övünç Güvenisik.


Gesamtes Transkript

Bevor’s losgeht noch ein kurzer Hinweis. In der Folge heute wird unter anderem das Thema Suizid angesprochen. Wir weisen darauf später nochmal hin. Passt auf euch auf.

Wir legen heute los zu einer Zeit da gab es das Internet noch gar nicht so richtig. 1970er! Ich fange mal an mit Selma James. Selma James ist eine Aktivistin aus den USA. Das ist so eine von den Menschen, wenn man ihren Namen online sucht, findest du gefühlt hunderte Podiumsdiskussionen und Vorträge. Also sie ist wahnsinnig aktiv – und das auch schon richtig lange. Sie ist 1930 geboren und jetzt gerade vor ein paar Tagen erst 91 geworden. Sie hat antirassistische, anti-imperialistische, marxistische und feministische Bücher geschrieben. Aber der Grund warum ich jetzt auf sie aufmerksam geworden bin, ist eine 30-minütige Doku, die sie 1971 für die BBC gemacht hat. Die heißt People for Tomorrow „Selma James: Our Time Is Coming Now. In den 30 Minuten legt sie den Grundstein für eine Bewegung, die ein paar Jahre später auf der ganzen Welt Konsequenzen haben.

Ausschnitt People for Tomorrow: „The only way our kind of family can survive is for women to be tied to the home. They must deny to themselves that they have needs and capacities clamoring to be fulfilled. Inside each of us there is a conflict between what we feel we can be and what we are supposed to be.“ – „We want to change everything, the way society is. At the moment everything is geared to possessions. The man possesses his wife, his family, his home. The woman possesses her household gadgets, her children.“

Serafin: Sie kritisieren also die Rolle die Frauen zugeteilt wird, als Leute die sich um die Familie kümmern müssen. Und damit ganz viel Arbeit leisten – unbezahlt. Selma James hat dann ein Buch geschrieben, das heißt “Women, the Unions and Work or What Is Not to Be Done” und eine der Forderungen darin war, dass Frauen für ihre Hausarbeit bezahlt werden sollten. Und daraus, also nicht nur daraus natürlich, ist dann eine Bewegung entstanden, die in ganz vielen Ländern zu Protesten von Hausfrauen geführt hat. Du hast ein Manifest aus Italien bei dir, oder?

Chris: Ja, das ist wirklich lustig. Ich habe schon seit Monaten dieses Buch von Silvia Federici im Regal über meinem Schreibtisch stehen, das heißt „Aufstand aus der Küche“ oder auf Englisch „Counterplanning from the kitchen“. Das war noch aus der Zeit des ersten und zweiten Lockdowns, als ich an der ganzen Situation mit Arbeit und Haushalt verzweifelt bin und eine politische Antwort darauf suchte, da habe ich mich daran festgehalten. Und darin geht es um genau diese politische Forderung „Lohn für Hausarbeit“, die damals auch von italienischen Feministinnen wie Mariarosa Dalla Costa und Silvia Federici mitentwickelt wurde. Interessant finde ich: Bei der Kampagne “Lohn für Hausarbeit” damals ging es weniger um eine realpolitische Forderung, sondern eher um die Idee, diesen Umstand überhaupt erst mal zu skandalisieren, diese Arbeitsteilung im Kapitalismus. Da ging es darum, diese Arbeit überhaupt erst mal als Arbeit sichtbar zu machen, und diese Ausbeutung der unbezahlten Arbeit von Frauen anzuprangern. Hier sind die ersten Sätze, mit dem Federici damals 1975 ihren Text „Lohn für Hausarbeit“ einleitete: „Sie nennen es Liebe. Wir nennen es unbezahlte Arbeit. Sie nennen es Frigidität. Wir nennen es Schwänzen. Jede Fehlgeburt ist ein Arbeitsunfall…“

Serafin: Und warum sprechen wir jetzt darüber?

Chris: Weil wir bei der Recherche gesehen haben, dieses Konzept haben Aktivist:innen vor ein paar Jahren ins Internet geholt. Unter wagesforfacebook.com wurde ein anonymes Manifest veröffentlicht, das genau die gleiche Sprache verwendet, wie vor 50 Jahren.

Sie sagen es ist Freundschaft. Wir sagen es ist unbezahlte Arbeit. Mit jedem Like, Chat, Tag oder Poke wird unsere Subjektivität zu ihrem Profit. Sie nennen es sharing, wir nennen es Diebstahl. Zu lange wurden wir von ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen gefesselt. Es ist Zeit für unsere Bedingungen.

Serafin: Wir sprechen heute über die digitale Hausfrau. Und fragen uns, ob und wie sich diese feministische Kritik an unbezahlter Sorgearbeit aus den 70ern auf unsere moderne digitale Welt anwenden lässt.

Chris: Wir lassen uns das Konzept mal ein bisschen genauer erklären.

Serafin: Du kannst mal mit deinem Namen anfangen.

Ute Kalender: Genau, Ute Kalender. Es ist ein Kartoffelname.

Chris: Das ist Ute Kalender. Sie ist Soziologin und Forscherin

Ute Kalender: Kulturwissenschaftlerin, Medizinsoziologin so ja, also ich habe eben auch eine klassisch soziologische Ausbildung, aber eben auch eine klassisch Cultural studies Ausbildung. Also ich habe mit Marx angefangen und das ist natürlich Thema des heutigen Abends.

Chris: Ute ist schon lange von dieser Idee der digitalen Hausfrau fasziniert. Der Begriff selbst kommt von der australischen Medienwissenschaftlerin Kylie Jarrett, die hat 2016 ein Buch mit diesem Namen veröffentlicht. Und gerade im vergangenen Jahr hat Ute oft über dieses Konzept nachgedacht.

Ute Kalender: Also wir sind jetzt irgendwie wirklich mit Corona komplett durch digitalisiert worden. Wir waren vorher schon durch digitalisiert, also wenn wir vorher den Wasserhahn aufgemacht hatten, das war auch schon digital, oder es kann eigentlich niemand mehr der Digitalisierung entkommen. Ja, also das ist sozusagen die zweite Haut geworden, oder? Das ist so, aber Fabric of Life, um jetzt nochmal so ein tolles marxistisch feministisches Bild zu verwenden. Wir können der Digitalisierung eigentlich nicht mehr entkommen.

Chris: Ute interessiert sich für Wege, mit denen wir alte Theorien auf diese neue Situation anwenden können. Was können wir von Marx über die Digitalisierung lernen – so ungefähr.

Ute Kalender: Mich hat diese ja eigentlich soziale Figur der digitalen Hausfrau angesprochen, weil sie das Unsichtbare sichtbar machen will. Na und weil sie auch feministisch solidarisch ist. Also sie sagt das Ganze, was hier doch eigentlich passiert mit der Digitalisierung. Das Ganze, was hier passiert, wenn wir morgens um 6 Uhr morgens in die sozialen Medien gehen. Wenn wir abends nochmal ein Youtube-Video hören, wenn wir Airbnb die Sachen hochladen, wenn wir auf Twitter gehen. Das sind doch eigentlich Praktiken, die wir schon kennen. Das ist doch eigentlich was, was schon diskutiert wurde. Und das taucht doch eigentlich überhaupt nicht in den ganzen Diskussionen auf.

Und die digitale Hausfrau ist eigentlich eine soziale Figur, die wir jetzt prüfen müssen ob die Bestand hat. Aber im Grunde ist es eine Figur, die uns sagen will, wir machen jeden Tag ganz, ganz viel Arbeit.

Chris: Und durch diese Arbeit hauchen wir – also die digitalen Hausfrauen – den sozialen Medien überhaupt erst Leben ein. Und noch viel mehr: Wir schaffen einen Mehrwert für die, denen diese Plattformen gehören.

Ute Kalender: AirBnb, Twitter, Facebook also wir haben da erst einmal sehr viel Freude dran und da will ich auch nicht sagen, dass wir da entfremdet sind. Oder ich will da auch nicht immer an so eine Abwertung gehen, aber es ist doch eigentlich ein Skandal, dass wir die ganze Zeit Fotos hochladen, dass wir Likes verteilen, dass wir uns durch diese Sphären durchklicken und auch sehr begeistert sind und affiziert. Und wir werden dafür nicht kompensiert. Aber es wird total viel Mehrwert geschaffen. Ja, es wird total viel Geld geschaffen. Warum lebt Mark Zuckerberg irgendwie in seinen tollen Kondominium? Und wir eigentlich nicht?

Chris: Du schreibst ja auch an der Stelle, genau das. Dass dieses Sachen posten oder liken auf Twitter, Instagram, ticktack, wo auch immer. Das ist ja eigentlich eine Form von digitaler Sorge Arbeit. Aber was hat denn das Posten auf Insta, oder wenn ich jetzt was retweete oder mit Sorge zu tun?

Ute Kalender: Ja, weil wir natürlich die Plattform am Leben erhalten. Und da könnte man dann schon sagen, dass das Entfremdung ist. Also wenn niemand auf Instagram irgendwas hochladen würde oder wenn niemand seine Wohnung vorher putzen würde oder wenn niemand im Stande wäre, schöne Fotos zu machen. Oder wenn niemand irgendwie auf Agistri, wo ich mit meiner Partnerin immer hinfahre, irgendwie schöne Fotos hochladen würde. Und die weiß genau, wie sie das fotografieren muss und die weiß genau, wie sie das beschreiben muss. Aber der Mehrwert geht, vermittelt natürlich an sie, aber der Mehrwert oder die wirklichen Gewinne, die gehen doch an die Inhaber von Instagram. Und das ist doch eigentlich ein Skandal. Weil wir könnten die Welt doch eigentlich, jetzt werde ich sozialromantisch, sorry, aber wir könnten die Welt doch eigentlich gerechter gestalten, weil da wird ein Raum geschaffen. Wir sind in der vollen Digitalisierung. Da wird ein Raum geschaffen, wo wahnsinnig viel Geld gemacht wird. Und wir sitzen hier in unseren kleinen Wohnungen in Neukölln und laden die Sachen hoch. Und warum kriegen wir nicht 3000 Euro im Monat?

Chris: 3000 Euro wäre schon ein recht guter Stundenlohn für ein paar Posts und Likes und Kommentare im Monat. Aber bei der Kritik der Digitalen Hausfrau und von Wages For Facebook geht es erst mal überhaupt darum, diese Arbeit zu skandalisieren und anzuerkennen. Also den Wert, den wir da erschaffen. Und dabei geht es nicht nur darum, wie man es sonst oft hört, dass wir mit unseren Daten bezahlen. Sondern wir bezahlen auch mit unserer Zeit, mit unserer affektiven, also emotionalen, Arbeit, die wir da reinstecken. Dass Twitter so eine wichtige Rolle zum Beispiel bei der Entstehung von Black Lives Matter gespielt hat, oder auch dem Arabischen Frühling, oder dass TikTok so eine weltweit erfolgreiche App geworden ist … das alles hängt weniger damit zusammen, dass Twitter oder TikTok so eine tolle Technologien sind, sondern dass die Menschen, die sie benutzen und ihr durch ihre Arbeit und Zeit Leben schenken.

Serafin: Das sind Menschen, die auf Instagram ihren Freund:innen Komplimente machen, die Bewertungen auf Amazon schreiben, oder die sich im Golem-Forum um die Netiquette kümmern. Und diese digitalen Hausfrauen… das müssen nicht unbedingt Frauen sein.

Chris: Nein, man denkt das vielleicht als erstes, aber das sagt auch Kylie Jarrett, die diese Figur der Digitalen Hausfrau als Metapher überhaupt entwickelt hat. Aber die Digitale Hausfrau ist nicht zwingend eine Frau, das kann jede Person sein, die in den digitalen Medien unbezahlt arbeitet. Die diese feminisierte Sorgearbeit macht.

Serafin: Ich hab mal ein paar Zahlen für dich. Auf vielen sozialen Netzwerken sind mehr Frauen als Männer unterwegs – also zB Instagram, TikTok, WhatsApp – nicht viel mehr, aber doch einige Prozentpunkte mehr. Die Zahlen kommen großteils aus einer Studie von ARD/ZDF von 2020. Eine große Ausnahme ist Twitter. Da sind für jede Frau vier Männer unterwegs. Das heißt aber nicht unbedingt, dass mehr Tweets, die du in deiner Timeline siehst, von Männern als von Frauen sind. Eine ganze Menge Studien haben nämlich belegt, dass Frauen in den sozialen Netzwerken viel aktiver sind als Männer. Das legt also schon nahe, dass zumindest in den größten sozialen Netzwerken fernab von irgendwelchen Nischenforen auch Frauen die meiste Sorgearbeit machen.
Chris: Auch bei mir ist es so, dass ich sehr gerne und viel Zeit auf Twitter unterwegs bin und dort bewusst versuche Frauen zu folgen. Und eine der Frauen der ich dort sehr gerne und lange folge, ist Natascha Strobl.

Natascha Strobl: Mein Name ist Natascha Strobl. Ich bin Politikwissenschaftlerin aus Wien und beschäftige mich mit der extremen Rechten, vor allem mit neuen Rechten, den Identitären, und bin sehr aktiv auf Twitter, wo ich ad hoc Analysen zu rechter Sprache mache.

Chris: Wie lange bist du schon auf Twitter?

Natascha Strobl: Ich bin seit 2008 auf Twitter.

Chris: Wie würdest du denn sagen, sieht so ein typischer Tag für dich aus, wenn du Twitter oder generell Social Media benutzt?

Natascha Strobl: Also eigentlich – in der Früh kümmere ich mich um meine Kinder. Schau, dass du in den Kindergarten kommen. Aber dann setze ich mich hin mit einem Kaffee, frühstücke und fang an, Twitter zu checken oder die Nachrichtenlage zu checken und beginne da eigentlich meinen Tag auf Social Media. Ich hab natürlich noch einen Haufen andere Dinge zu tun. Artikel schreiben, Vorträge vorbereiten, all dieses Zeug. Aber ich checke oft Twitter am Tag. Also das ist ein ganz selbstverständlicher Teil meines Tages.

Serafin: Natascha ist wohl, was man als eine echt Power-Userin bezeichnen könnte. 5-6 Stunden ist sie an manchen, nicht so seltenen Tagen so unterwegs.

Chris: Zu ihren 130 Tausend Follower:innen ist sie vor allem durch Analysen von neurechter Rhetorik in langen Twitter-Threads gekommen.

Chris: Machst du mit dieser komplexen und mit diesen vielgelesenen Analysen, Twitter auch wertvoller würdest du sagen und hast du den Eindruck, dass du Twitter deine Arbeitszeit, die du dort verbringst, dann auch schenkst?

Natascha Strobl: Es ist ganz schwierig zu beantworten, weil einerseits es ehrt mich sehr, wenn Leute das so sehen, und ich bekomme immer wieder wirklich schöne Zuschriften, dass die Leute meine Analysen als Unterrichtsmaterial verwenden, was ich wirklich das schönste Kompliment finde, das sie dadurch selbst begonnen haben, sich zu beschäftigen, dass sie in ihrer Familie bessere Argumente haben. Also all das, was Bildungsarbeit eigentlich leisten sollte, sehe ich, dass es dieses Feedback gibt. Und das freut mich sehr, weil das ist genau das, was ich erreichen möchte und. Ich hab noch nie, ehrlich gesagt groß drüber nachgedacht, aber eigentlich hat Twitter auch was davon. Durch die Größe des Accounts und durch die Qualität, die ich jetzt mal unbescheiden behaupte, die da zur Verfügung gestellt wird. Aber ich hab’s bis jetzt immer nur als Interaktion zwischen mir und anderen Menschen gesehen. Und das freut mich, wenn da etwas mitgenommen wird. Aber dass Twitter selbst auch etwas davon hat, das habe ich bis jetzt nicht in den Vordergrund gestellt. Meine Überlegungen.

Serafin: Was sagst du denn zu der Idee, dass man eigentlich sagen könnte, das wäre zumindest das Argument dieser Theorie: Twitter ist ohne Leute wie dich, aber auch uns, die irgendwie liken und kommentieren und lesen, eigentlich wertlos. Also die verdienen ihr Geld damit, dass du das postest, unter anderem und Millionen andere und dass Leute das dann auf der Plattform lesen.

Natascha Strobl: Das stimmt. Und man sieht, wenn sich Leute zurückziehen, die sehr viel getweetet haben und die tolle Sachen getweetet haben, wenn die sich zurückziehen, dann fehlt was, dann ist das wie so ein Loch, das da auf einmal geschlagen wird, in den Alltag. Also ich vermiss noch immer Alice Hasters zB. Und und dann fehlt was und dann wirds trister Abend das ganze, vor allem wenn es dann gefühlt wird. Von so ganz von so Trollbubbles, die nur darauf aus sind, Leute zu zerstören, Leute fertigzumachen und dann sieht man ja in den Qualitätsunterschied unten die Atmosphäre, die sich verändert auf Twitter. Und dementsprechend wird es dann für viele noch unbenutzbarer. Das ist nicht das, was Twitter wollen kann, sondern die Leute, die viel posten, die gut posten, die Qualitätsvoll posten sind der Selling Point quasi für Twitter und dementsprechend arbeiten wir eigentlich alle für Twitter. Ich kann dem schon etwas abgewinnen.

Natascha Strobl: Es geht ja dabei auch immer darum, wer schaut, dass es Menschen gut geht. Wer ist die Person, die dann doch noch eine Direct Message schreibt und sagt: “Hey, das war heut bisschen wild. Wie geht’s dir? Wollen wir reden? Wollen wir telefonieren?” Wer sind die Personen, die schauen, wenn jemand Geld braucht, das die Fundraisings zustande kommen? Das sind ja viele so große und kleine persönliche Dramen, die sich täglich abspielen auf Twitter. Ich kann es nur anekdotisch aus meinen Welten berichten, aber ich glaube schon, dass es überproportional Frauen sind, die das machen oder weiblich gelesene Personen.

Chris: Siehst du da diese Parallele, dass wir eben gerade in Bezug auf Sorgearbeit oder eben das was, was Frauen in der Familie in unbezahlte Arbeit leisten, ist ja ganz stark eben konnotiert als Arbeit aus Liebe. Überhaupt zu sagen, dass es Arbeit ist, war ja in gewissen Kontexten schon ein Affront, weil das macht man doch aus Liebe ist es etwas, was wir analog zur feministischen Bewegung, die ja angefangen hat, das zu skandalisieren und dann überhaupt darauf hingewiesen hat. Es ist aber Arbeit und wenn die nicht erledigt wird, dann funktioniert die Gesellschaft nicht. Dass wir da stärker die Sorgearbeit, die wir im Digitalen leisten, auch wegkommen sollten von diesem ja, das ist ja auch Arbeit aus Spaß, oder? Das tun wir, weil wir dort eben mit unseren Communities, mit unseren Freundinnen interagieren. Dass wir da Reflektion drüber brauchen und auch dort darüber nachdenken sollten, was ist das jetzt für eine Arbeit, die dort vermeintlich aus Liebe stattfindet? Wie sprechen und denken wir über die nach?

Natascha Strobl: Es braucht auf jeden Fall eine Reflexion, also dass das überhaupt als Carearbeit gesehen wird, wo sind die Grenzen zwischen. Information Bildung, Fürsorgearbeit, Sorgearbeit, Freundschaft, Bekanntschaft, professionelles Verhältnis. Das verschwimmt ja alles in den digitalen Medien und das auch mal einzuordnen und zu ordnen und darüber zu reflektieren. Und wer hier welche Rollen einnimmt und wer hier wem was abverlangt. Weil dann wird die Sorgearbeit auch sichtbar und dann wird auch die Art der Sorgearbeit sichtbar. Denn was ist Sorgearbeit, was ist Aktivismus? Was ist sich politisch einsetzen für etwas? Ganz schwierig, weil ein – jetzt habe ich vorhin das Beispiel Fundraising und es geht mir durch den Kopf. Weil natürlich, wenn ich für eine Demonstration stattfinden kann oder für eine politische Sache fundraise, dann ist das politischer Aktivismus. Wenn ich fundraise, das eine Person, die völlig verzweifelt ist, mit der man im Austausch ist, in einem Monat noch Miete zahlen kann und dass die wieder auf die Beine kommt. Ist es dann auch politischer Aktivismus, ist es Sorgearbeit, weil man ein guter Mensch ist? Ist es ein Freundschaftsdienst? Ich glaube, das sind die Sachen, die die Verschwimmenden und Timmermann reflektieren und bewerten sollte.

Serafin: Es gab in den 70ern, also es gibt ja immer noch Hausfrauen, Streiks, Frauenstreik. Könntest du dir im Digitalen irgendwelche analogen Widerstandsmöglichkeiten vorstellen, um auf diese Sorgearbeit hinzuarbeiten?

Natascha Strobl: Das wäre sehr interessant, wenn mal alle weiblich gelesenen Personen, alle Menschen, die Sorgearbeit leisten oder das von sich glauben, es zu tun, wenn die mal einen Tag auf Twitter streiken würden. Ich glaube, es wäre sehr leer und ich glaube, es wäre sehr unangenehm. Aber ich könnte mir das schon vorstellen, nach einer Reflexion und nach einer genauen Betrachtung der Verhältnisse, aber sicherlich sollten überall dort, wo es Ungleichheiten gibt, überall dort, wo es Ausbeutung gibt, überall dort, wo die Dinge nicht in Ordnung sind, muss man sich Widerstandsmöglichkeiten überlegen.

Chris: Aber es muss nicht immer nur um Twitter gehen. Serafin, Für unser nächstes Kapitel hast du dir eine Plattform angeschaut, über die man in der Öffentlichkeit viel seltener hört.

Serafin: Genau! Reddit. Anfang des Jahres haben plötzlich alle über Reddit gesprochen, als die den Börsenmarkt mehr oder weniger lahmgelegt haben. Das war diese /r/wallstreetbets Geschichte. Da hat Reddit es sogar bis in die Tagesschau geschafft.

Tagesschau: „Es war ein Angriff auf das alte System. Auf der Internetplattform Reddit haben sich tausende Kleininvestoren verabredet, Gamestop Aktien zu kaufen.“

Serafin: Reddit ist eigentlich eines der beliebtesten sozialen Medien weltweit. So eine halbe Milliarde Nutzer:innen verwenden die Website jeden Monat. Aber die Community von Reddit kann ein bisschen schwer zugänglich zu sein und die Nutzer:innen bleiben ganz gern unter sich. Drum hört man viel seltener von der Plattform. Aber Leute die auf Reddit unterwegs sind, sind da auf jeden Fall immer ziemlich lang und viel unterwegs. Ich habe mit zwei deutschen Moderatoren gesprochen, die sich auf Reddit um das Haushalten kümmern. Also quasi diese Sorgearbeit machen.

Chris: Okay. Aber bevors losgeht, was muss ich über Reddit wissen, um alles zu verstehen?

Serafin: Also: Reddit ist eigentlich einfach an Aggregator von News und Bildern und Links. Das heißt User posten zum Beispiel einen Artikel oder auch einfach nur einen Text oder eine Frage oder ein Mem und dann kann man sich unter dem Link unterhalten. Was Reddit besonders macht, ist dass jeder Kommentar einen eigenen Gesprächsverlauf starten kann. Das heißt es wird viel mehr in die Tiefe gegangen und diskutiert als zum Beispiel auf Twitter. Es gibt Millionen Subreddits zu allem möglichen. Memes, Kultur, Datenjournalismus, Pornos, Bilder von süßen Tieren, Politik. Jeder Subreddit mit eigenen Regeln, die von freiwilligen Moderator:innen betreut werden. Mal mehr mal weniger.

Chris: Na dann, los geht’s!

Serafin: Noch kurz vorweg – ich spreche mit den Mods auch kurz über Suizid und andere sensible Themen. Menschen, für die das retraumatisierend sein könnte, sollten die nächsten 20 Minuten also vielleicht überspringen.

Serafin: Also: Reddit an sich ist nicht unbedingt ein schöner Ort. Es gibt dort eine ganze Menge Schwachsinn – wie fast überall im Internet. Viel Trolling, viele dumme Memes, Sexismus, Rassismus und schlechte Ideen. Dadurch, dass man sich ohne Probleme komplett anonyme Accounts machen kann, gibt es Teile von Reddit in denen die User:innen ihren niedrigsten Instinkten freien Lauf lassen können – und Gleichgesinnte finden. Neben dem Messageboard 4Chan war Reddit lange der Ort an dem sich sogenannte Incels lange ungestört radikalisieren konnten, also die Gruppe, aus der zuletzt auch der Attentäter von Halle hervorgegangen ist – an dem sich die neue Rechte ausgetauscht und gegenseitig angestachelt hat.

Dabei sind unterschiedliche Subreddits aber auch im Ton komplett unterschiedlich. Reddit bildet also so ein bisschen eine eigene, facettenreiche Gesellschaft ab – mit guten und schlechten Seiten – eine Gesellschaft, die zu 2/3 männlich ist und überwiegend zwischen 20 und 30 Jahre alt ist. Aber so richtig hilfreich sind solche Aussagen über Reddit insgesamt oft gar nicht. Die meisten Nutzer:innen sind in ihrer eigenen Sammlung an Subreddits unterwegs und umgeben sich so dann mit ihren eigenen Themen und Communities. Der größte deutschsprachige Subreddit (ich hab zumindest keinen größeren gefunden) ist r/de. Ich hab den Subreddit jetzt eine Weile mitverfolgt und bin fasziniert davon, wie gut und respektvoll dort großteils miteinander umgegangen wird. Obwohl es dort auch oft um Politik oder andere ideologische Fragen geht und die meisten Leute komplett anonym oder pseudonym unterwegs sind. Und das liegt vor allem den Moderatorinnen und Moderatoren.

Felix: Ja genau. Ich wollte jetzt meinen Namen nicht sagen. Ist das okay?

Serafin: Den hier nennen wir Felix. Und den hier…

Serafin: Also wie darf ich dich denn nennen?

Känguru: Känguruh Am besten.

Serafin: Felix macht gerade eine Ausbildung zum Fachinformatiker und Känguru schreibt gerade an seiner Bachelorarbeit in Kommunikationsdesign. Die beiden sind zwei von rund 30 Mods im deutschen Subreddit. Beide sind schon seit mehreren Jahren in dem Subreddit aktiv und seit ungefähr zwei Jahren als Mods aktiv. Wir hören gleich von beiden über ihrer Arbeit als Moderatoren auf Reddit. Die Geschichten, die mir die beiden darüber erzählt haben, wie sie zu dem Subreddit gekommen sind, waren erstaunlich ähnlich.

Känguru: So für freizeitliche Sachen und Memesachen hatte ich damals immer nur 9Gag – oh Gott, was waren jung?

Felix: Ganz früher hab ich angefangen damit auf 9Gag Memes anzugucken. Aber dann irgendwann hab ich festgestellt, dass die ganzen Memes, die auf 9Gag sind, alle nur von Reddit geklaut sind.

Känguru: Und gemerkt so, das ist ja das ist ja der gleiche lustige Shit. Aber halt auch noch mit den Leuten dazu, die man halt wo man merkt, die machen das und die haben da auch Interesse dran, die kommentieren dazu.

Felix: Und irgendwann hab ich dann auch angefangen, da Kommentare zu schreiben und an den Diskussionen mitzuwirken.

Känguru: was halt sofort quasi für mich den Switch bedeutet hat. Aus allen anderen sozialen Netzwerken raus und nur noch so Reddit. Ich hab kein Facebook mehr.

Serafin: Nachdem die beiden dann über Jahre aktiv in der Community waren, wollten sie sich auch daran beteiligen, diese Gemeinschaft zu erhalten.

Felix: am Anfang, merkt man das nicht unbedingt, dass es überhaupt Moderatoren gibt, weil die meistens im Hintergrund arbeiten, dafür sorgen, dass die Kommentare und Beiträge von Leuten, die einfach nur Scheiße im Kopf haben oder Werbung machen wollen oder so. einfach entfernt werden. Und irgendwann hab ich aber halt gemerkt, dass ja doch einiges an Arbeit hinter steckt. Und als dann hd. einen Aufruf gemacht hat, um Moderatoren zu suchen, hab ich mich da einfach beworben, weil ich dachte eigentlich, ich genieße hier die Vorzüge dieses Forums sehr und kommentiere hier jeden Tag viel und freue mich darüber, dass in den ganzen Kommentaren hauptsächlich nette Kommentare sind und oder konstruktive Dinge und der ganze Scheiß sozusagen aussortiert ist. Und dachte mir, es ist ja vielleicht auch ganz nett, wenn ich, wenn ich dann da mithelfen, dass das für andere auch so ist, dann hab ich mich beworben und beim ersten Mal bewerben wurde ich abgelehnt. Da bin ich sozusagen nur in die letzte Auswahl runter gekommen.

Serafin: Ach was, so ein komplizierter Aufnahmeprozess ist das?

Felix: Es ist nicht unbedingt kompliziert, aber es geht halt darum, Leute herauszufiltern, die zum einen die mentale Stärke besitzen, sich den Scheiß jeden Tag anzugucken und zum anderen Leute zu finden, die, die auch aktiv genug sind in der Community und um, um da halt Ahnung zu haben, was sozusagen erlaubt ist und was nicht. Und woran es jetzt in der ersten Runde gescheitert ist, weiß ich nicht genau.

Serafin: Ungefähr die Hälfte der Moderationsarbeit besteht darin, sich gemeldete Posts und Kommentare anzuschauen. Känguru hat mich mal in diese Ansicht mitgenommen.

Känguru: Also wenn ich es jetzt gerade aufmache. Die ersten beiden Sachen sind erstmal einmal ein Post, der einfach ein Triggerwort benutzt hat, das in unseren Auto-Moderator reinkommt, welches darf ich da nicht sagen. Aber es sind halt die üblichen Sachen, Diffamierungen und und und. Beleidigungen jetzt nicht. Persönliche Beleidigungen also Arschloch ist glaub ich nicht da drin oder so. Aber z.B. jetzt Minderheitenslurs sind da alle drin.

Serafin: Mods bewerten diese Posts dann nach einem relativ strengen Regelwerk. Persönliche Angriffe sind da zum Beispiel nicht erlaubt. Rassismus, Sexismus, Homo- und Transphobie werden gelöscht. Auch Werbung und Verschwörungsmythen sind verboten. Fast eine halbe Million User:innen hat der Subreddit – die Mods haben also eine ganze Menge zu tun.

Känguru: Also größtenteils uns wirklich harmlose Sachen. Es sind. Ja, kontroverse Sachen natürlich auch dabei. Ich werde jetzt kurz still, weil ich mich immer kurz einlesen muss, was sie selbst dann auch immer den Kontext dabei gucken und so weiter. Weswegen ist das reporten worden? Ja, ich hier z.B. jemand, der jemand sucht, hat eine Frage über eine psychiatrische Behandlung und über Psychopharmaka, die dabei verschrieben werden könnten oder die empfohlen werden oder sonst was. Und dann wird halt in den Kommentaren vorgeworfen, dass jemand nur billig happy Drogen abgreifen möchte und sich quasi irgendeine Validation dafür im Subreddit sucht. Das ist dann der Vorwurf, den der Kommentar macht. Sowas löschen wir dann halt. Es hat dann nichts zu tun.

Serafin: Das heißt, der Post ist okay, aber die Kommentare in der Diskussion darunter.

Känguru: Denn der eine Kommentar jetzt nicht. Genau.

Serafin: Die zweite Hälfte der Mod-Arbeit besteht aus der Organisation und Diskussion über die Regeln – dem Austausch mit den anderen Mods. Eine große Änderung des letzten Jahres war eine Qualitätsoffensive – damit wollten die Mods dafür sorgen, dass alle Posts, die in dem Subreddit kommen dürfen einem gewissen Standard entsprechen.

Känguru: Genau, und die zweite große Änderung, die es noch gar nicht so alt, ich glaub ein halbes Jahr erst ist, dass wir einen viel größeren Fokus darauf machen, dass weibliche Nutzerinnen sich bei uns wohler fühlen, indem wir Sexismus wesentlich härter angreifen. Haben wir uns ein paar Richtlinien geschrieben interne und das ist halt besonders so Sachen, das haben wir auch einen großen Post verfasst, welche auf welche Sachen wieder achten, z.B. dass halt in jedem, in jedem Post, der ansatzweise irgendwie Frauenthemen oder Sexismus oder sonst was behandelt hat, bei uns wurde immer irgendwo in den Kommentaren “Aber die Männer!” geschrie und dann halt einfach Whataboutism betrieben. Und wie haben es denn die Männer auf auf andere Art und Weise schwer? Was halt einfach bei uns als Derailing fällt, weil das halt Überhand nimmt. Der ganze Thread wird dann damit dominiert und dadurch, dass halt weibliche Nutzerinnen immer noch in der uns Unterzahl sind, werden die dann quasi ertränkt, könnte man sagen, die Stimmen von ihnen werden halt ertränkt. Genau. Ja und halt ganz andere Sachen. Jegliche Objektifizierung von Frauen. Sexualisierung, wo es nicht gewünscht ist oder so fliegt halt einfach. Das ist eigentlich eine, der ich glaube, eine der besten Änderungen, die wir in letzter Zeit so hatten.

Serafin: Zwischen 1-3 Stunden verbringen die beiden jeden Tag etwa mit der Arbeit auf Reddit. Wobei das sehr unterschiedlich sein kann. Je nach Auslastung auf der Arbeit oder des sonstigen Soziallebens. Das haben mir auch einige andere Mods bestätigt.

Felix: Also es gibt Monate, wo viele Moderatoren aktiv sind. Es gibt Monate, wo die Arbeit von acht Leuten gemacht wird und dann andere eher weniger machen. Und es hängt natürlich auch sehr davon ab, was wie die mental sozusagen gerade drauf sind, weil jeden Tag sich den gesammelten Müll anzugucken, den die Leute ins Internet schreiben. Ist halt schon auch eine starke mentale Belastung. Vor allem, wenn halt wieder irgendwie das Thema Flüchtlinge ist oder irgendwo ein anderes, wenn es mal wieder darum geht, wie gegendert werden soll und so. Das sind immer sehr kontrovers diskutierte Themen bei uns. Und da sind dann halt auch viele Leute dabei, die schwierige Meinungen haben und sich das sozusagen den ganzen Tag anzugucken und dann zu bewerten. Ist das eine Meinung, die noch akzeptabel ist oder ist das einfach schon Transphobie oder ähnliches? Das ist schon auch sehr belastend zuteil.

Serafin: Sind auch viele dabei, die einfach trollen und dann müsst ihr die halt lesen und löschen. Also wer, was wie wie häufig ist sowas was erzählen, wenn mal ein bisschen mehr darüber?

Felix: Also Trolls hält sich in Grenzen, würde ich sagen. Das sind auch nicht die Problem Kommentare, weil es halt relativ klar ist, dass es halt einfach jemand ist, der andere Leute ärgern möchte. Das liest man relativ schnell raus, aber das Problem sind halt vor allem Leute, die sowas ernst meinen, weil dann sitzt du halt da und dann denkt man sich wie kann jemand sowas ernst meinen und dann auch noch das so ernst meinen, dass er der Meinung ist, dass das andere Leute gut finden und ins Internet zu schreiben. Da fällt mir dann manchmal ein bisschen auf den Boden der Realität zurückgeholt, weil es dann doch harte Meinungen sind, die die da geäußert werden. Und das das ist dann das Schwierige, also die Trolls. Damit kommt man klar, weil den gibt man dann den Bann für ein paar Tage. Und dann entweder werden die wieder auffällig, dann werden sie für immer gebannt oder sie halten sich dann an die Regeln und sparen sich das mit dem Trollen. Aber da weiß man halt, dass sie das nicht ernst meinen. Das Problem sind halt die Leute, von denen man auf jeden Fall annehmen muss, dass sie es ernst meinen, weil das sind die einen sind halt echte Leute, deren deren Meinung halt einfach nicht unbedingt kompatibel mit der mit meinem Weltbild ist. Und dann muss ich mir das halt trotzdem geben.

Serafin: Ich wollte auf einen konkreten Post vor ein paar Tagen oder Wochen. Ich glaube, das war ein paar Tage kürzer. Sprechen kommen. Und zwar ging es da um jemanden, der darüber gesprochen hat, dass er hin und wieder Selbstmordgedanken hat. Da habt ihr dann so ein Flag drunter gepostet. Hast du da zufällig mitbekommen, was du da dabei oder nicht dabei?

Felix: Also ich kann mich jetzt nicht an einen speziellen Post erinnern, weil sowas passiert häufiger. Okay, also Selbstmordankündigung würde ich sagen zwischen ein bis drei Mal im Monat, dass jemand vor allem gerne spät abends sagt Ja, das war’s jetzt. Und wir haben nicht nur diesen Text, den wir da dann immer da drunter posten, sondern wir haben auch theoretisch einen Kontakt zur Polizei, die das sozusagen schon einmal mit uns gemacht haben, der wir das dann melden und die kümmern sich dann darum. Das Problem ist immer, wenn wir bei irgendeiner Polizeistelle anrufen, also wenn jetzt der Nutzer sagt oder wenn aus dem restlichen Profil erkennbar ist, dass der Nutzer z.B. aus Köln kommt. Wir rufen in Köln an bei der Polizei und sagen Hallo, er hat sich gerade die manden Selbstmord angekündigt. Er kommt wahrscheinlich aus Köln. Dann sagen die die. Was ist denn dieses Reddit? Und wie benutze ich denn dieses Internet? Und das hilft uns nicht unbedingt weiter. Und deswegen haben wir da einen. Eine Stelle, die wir anrufen, die schon häufiger sozusagen mit uns da zusammengearbeitet hat. Aber wir wissen natürlich auch nicht, ob dann da jemals noch was draus wird. Also die wir verfolgen das zum einen nicht, ob die Nutzer dann später nochmal posten oder nicht, das kontrollieren wir nicht. Und von der Polizei kriegen wir natürlich auch keine Informationen, weil das ja deren Polizei internes Ding ist und da halt auch die persönlichen Daten von anderen Nutzern oder Menschen kennen. Aber das ist also je nachdem, wie ernst gemeint diese Ankündigung ist, ist das sehr belastend. Und wir haben auch Moderatoren, die sagen Das mach ich nicht, ich ruft nicht bei der Polizei an und ich möchte damit nichts zu tun haben. Und das ist natürlich auch vollkommen in Ordnung. Also niemand hat sich sozusagen dafür gemeldet, Selbstmordfälle zu bearbeiten. Und wenn jemand sagt das kann ich heute nicht oder das mache ich generell nicht, dann ist das vollkommen in Ordnung.

Serafin: Ganz schön viel emotionale Sorge, die man da als Reddit-Moderator:in also leisten muss. Je mehr und je genauer ich im Subreddit dann hingeschaut habe, umso mehr bemerkt man, wie an jeder Ecke jemand irgendwo was zurechtrückt, schöner macht und so weiter. Als uns am Montag die erschreckenden Nachrichten aus Kabul erreicht haben, waren sofort Mods am Start, die einen Sammelthread angelegt haben, in dem sich Nutzer:innen über Nachrichten austauschen und Informationen sammeln konnten. Regelmäßig werden Community-Events veranstaltet, Gäste zu Fragestunden eingeladen. Und das alles ehrenamtlich. Teilweise sogar ohne große Anerkennung. Ich wollte dann natürlich wissen, wie die beiden das sehen, mit der Arbeit. Ist das Arbeit auf Reddit zu sein? Als User:in? Als Moderator:in?

Serafin: Wie nimmst du, findest du da? Kannst du dem was abgewinnen? Zu sagen aktiv als nur als User, nicht als Moderator. In so einer Community zu sein ist auch irgendwie eine Form von Arbeit.

Känguru: Ja. Das kommt immer ganz auf den Nutzer an, auf die Posts, Sachen, die ich häufig selbst einreiche. Ich hab jetzt noch nicht Posts gesehen gemacht, selber wo ich mir denke, boah da habe ich ja auch richtig. Dann müsste ich eigentlich Geld verdienen. Ich selbst nicht. Haben wir aber immer wieder. Wir haben einen Therapeuten, einen Psychotherapeuten in unserer Community. Der hat jetzt schon zwei Versionen eines Guides geschrieben, wie man in Deutschland an Therapieplätze kommt. Das ist so ein unfassbar wertvoller Post für unsere Community. Für uns als Moderatoren. Das steht in mehreren Macros, die wir haben drin verlinkt. Und das muss Stunden gedauert haben, denen zusammen zu schreiben. Das kann man dann halt nur mit Reddit, Gold und irgendwelchen Awards, die wir auch als Moderator vergeben dürfen, als Community Awards vergolden oder so. Aber mehr bekommt die Person davon nicht.

Serafin: Okay, und dann für dich selbst, deiner an deiner Arbeit als Moderator. Inwiefern? Als was für eine Art Arbeit würdest du das bezeichnen?

Känguru: Ich würde sagen, es ist schon ähnliche Arbeit wie jetzt jemand, der im Low-Tier Tech-Support arbeitet. Dementsprechendes könnte schon vergütet werden, wenn das vergütet werden würde, dann würde Reddit sofort pleite gehen. Aber natürlich ohne Moderatoren würde Reddit glaub ich nicht laufen. Da könnten die einpacken. Auf einer ideologischen Ebene absolut, also auf einer ideologischen Ebene, auf jeden Fall müsste das vergütet werden.

Serafin: Felix sieht das grundsätzlich so ähnlich wie Känguru. In der Bezahlung sieht er aber einen Unterschied. Für ihn hätte das einen anderen Effekt.

Felix: Und klar, das ist auf jeden Fall. Dadurch wird ein Wert geschaffen. Und ich hab. Also ich würde es ja nicht machen, wenn ich diesen Wert nicht sehen würde. Weil einer der Hauptgründe dafür, dass ich das überhaupt mache, ist ja, dass ich einen Mehrwert hatte von diesem Forum oder auch immer noch habe und den für andere Leute erhalten möchte. Und das ist auf jeden Fall einen Wert. Aber ich. Also natürlich wird er nicht bezahlt, aber die Frage also für mich müsste es glaube ich nicht bezahlt werden. Dadurch würde es. Dadurch würde halt eine Verpflichtung entstehen und auf die hätte ich keine Lust.

Serafin: Aber warum das Ganze? Ich muss echt zugeben, dass ich es zeitweise schwierig gefunden habe, das nachzuvollziehen. Und ich glaube, es ist eine Mischung aus Gründen. Die Mods haben in Reddit und dann in der Gruppe der Mods fast alle eine Community gefunden. Nicht unbedingt eine Gleichgesinnte, aber eine, die sie anregt, die sie interessiert und unterhält. Felix hat zum Beispiel erzählt, dass sein Umfeld als IT-Fachkraft von der Pandemie kaum betroffen war. Die Arbeit ist nicht weniger geworden und das meiste lässt sich gut von zuhause aus machen. Auf Reddit ist er Leuten begegnet, denen ging es ganz anders. Mit denen wäre er sonst nie in Kontakt gekommen, sagt er.

Serafin: Ich war selbst ganz lange Pfadfinder – erst als kleines Kind, Wölflinge hießen die bei uns – dann später mit 18 selbst als Leiter einer kleinen Gruppe. Und wenn man lange Teil von so einer Gemeinschaft ist, dann will man später einfach was zurückgeben. Man will das erhalten, was einen selbst so geprägt hat. Und als so ein Ehrenamt hat diese Reddit-Moderation dann für mich Sinn gemacht.

Serafin: Gibt’s irgendwelche konkreten Werte oder Stimmung oder Atmosphäre irgendetwas, was du ganz bewusst bewahren willst und wo du mithelfen willst, dass das so bleibt?

Känguru: Ja vor allen Dingen, dass r/de ein guter Diskussions Raum ist ohne die ganzen Astroturfing, Faschos und und was weiß ich für konservativ rechtsnational was auch immer seit 2015 aufgekommen ist. Ich finde r/de war schon immer relativ sauber davon und das ist mir eine der wichtigsten Sachen, dass es so bleibt, dass es davon sauber bleibt. Wir haben ganz selbstverständlich Regeln gegen Sexismus natürlich, aber wir gehen halt auch weiter und schließen komplett Homophobie aus oder oder Transphobie aus. Was halt relativ cool ist, finde ich. Und nicht selbstverständlich ist. Mein Gott, laut Reddit ToS darfst du ganz offen Transphobie sein auf Reddit. Und es ist halt einfach. Es ist kein linker Safe Space. Es wird uns oft vorgeworfen, aber mein Gott, ist es bei weitem nicht. Wir haben auch viele Liberale, wir haben weniger, aber einige Konservative. Und das ist das, was ich eigentlich bewahren möchte. Ich möchte nicht, dass es eine enge Bubble wird. Auf keinen Fall. Aber ich möchte halt vor allen Dingen nicht, dass es der große Marktplatz der Ideen wird, der im Internet aktuell immer noch immer überlaufen wird und unterwandert wird. Sei es jetzt jede Idee, jeder Ort auf Reddit, wo versucht wird, hier unter Free Speech Deckmantel und allem Drum und dran Regeln so weit wie möglich zu fassen wird unterwandert, sei es jetzt 4chan oder oder andere Subreddit, die halt wesentlich lockerer sind.

Serafin: Glaubst du, es braucht auch online vielleicht einfach Moderatoren, um eine Gesprächskultur zu ermöglichen, die so ähnlich ist wie die offline? Also Leute haben halt einfach weniger weniger Hemmungen online offensichtlich. Oder wie erlebst du das?

Känguru: Wo braucht es denn keine Moderation? Du kannst Akademiker auf einer großen Bühne gegeneinander diskutieren lassen. Es braucht Moderation als Žižek gegen Jordan Peterson diskutiert hat. Das gab’s auch einen Moderator. Also irgendeine Art Moderation werden Sie bei Maybrit Illner oder What ever sitzen. Dann sitzt da jemand, der moderiert, also selbst im echten Leben, wenn es bestimmte Themen angezählt. Man weiß so, wie die Weihnachtsfeier endet, wenn es auf Politik kommt. Da wird nicht moderiert und es streiten sich am Ende ziemlich heftig Leute. da können auch Sachen fallen, die einem nachher leid tun. Das ist natürlich nochmal komplizierter, wenn es komplett Fremde ohne Gesicht und nur einen Text treffen. Ja, es ist schlimm im Internet. Aber ja, die Moderation braucht es.

Serafin: Ja, legitimer Punkt. Für dich ist es sozusagen mit einem sowas wie ein Ehrenamt das machst, bei dem die Community wichtig ist. Und weil du die so am Leben und aktiv erhalten willst.

Känguru: Ja, richtig, das war der Grund, warum ich als so Moderator geworden bin. Weil ich für die Community etwas machen möchte und zurückgeben möchte und Beteiligung möchte. Und das ist auch immer noch die Motivation. Ja.

Chris: Was war denn das, was du aus der Folge mitgenommen hast, Serafin?

Serafin: Also ich glaube vor allem hat es erst mal geholfen meinen Blick so ein bisschen zu schärfen. Es gibt halt wirklich an jeder Ecke, in jeder Lücke im Internet Menschen, die sich darum kümmern, dass alles gut läuft. Und wir haben da ja nur an der Oberfläche gekratzt – ich les immer wieder mal ganz gerne Diskussionen in Open-Source Projekten auf GitHub zum Beispiel. Oder wenn ich gleich diesen Podcast schneide und irgendeine Frage zu irgendeinem Effekt oder so habe. Dann finde ich eigentlich immer irgendjemanden, der die gleiche Frage schon mal hatte und beantwortet hat. Oder direkt ein YouTube-Video in dem das erklärt wird. Oder so Portale wie gutefrage.net. Man belächelt das manchmal so ein bisschen, wenn man da so Fragen á la Doktor Sommer gestellt werden und die dann als Memes geteilt werden. Aber die Tatsache ist, dass Doktor Sommer in der Bravo bezahlt wurde. Während so viele Teile vom Internet nur funktionieren, weil sich nette Menschen Zeit für vollkommen fremde Leute nehmen. Und ich finde es total wichtig, da hinzuschauen und das sichtbar zu machen und auch anzuerkennen. Und da sieht man ja auch ganz klar die Parallele zu feministischen Bestrebungen aus den 70ern. Was meinst du?

Chris: Ich glaube für mich war es vor allem erst mal sehr ernüchternd, diese ganzen feministischen Kritiken aus den 70ern wieder zu lesen und zu sehen, wie unvollendet diese ganze Revolution ist. Dass im Grunde genau das eingetreten ist, was Federici und ihre Mitstreiterinnen gefürchtet hatten und nicht wollen: Dass Frauen heute zwar oft nicht mehr im Haus feststecken, aber neben ihrer Lohnarbeit trotzdem noch weiter von ihnen erwartet wird, auch die unbezahlte Sorgearbeit zu machen. Und dass diese Rechnung im Kapitalismus nicht aufgehen kann, wenn wir nicht mehr an den sonstigen Strukturen ändern und Arbeit insgesamt neu denken.

Und in Bezug auf die Idee der digitalen Hausfrau habe ich mich gefragt, mit welchen politischen Forderungen wäre so ein Streik dann verbunden? Weil wir reden jetzt oder sie waren ja bisher sehr viel auf dieser privaten Ebene. Was können wir alle individuell tun? Aber am Ende geht es ja auch oft darum, bei politischen Bewegungen gemeinsam sich für Ziele zu organisieren. Und frage mich gerade, wie diese Ziele, wenn dann quasi der Hausfrauen Frauenstreik stattfindet mit dem Ziel, eben auf unbezahlte Sorgearbeit hinzuweisen und dann konkrete Dinge zu fordern. Politische Instrumente, die da eben Ungleichheit lindern. Was wären diese politischen Forderungen dann, die wir auf Twitter oder generell in den sozialen Medien stellen würden? Oder brauchen wir die gar nicht und es reicht erst mal aus, auch diese Arbeit zu skandalisieren, die da geleistet wird aus Liebe, so wie Federici und Co. es in den 70ern mit Sorgearbeit getan haben?

Ich finde die Idee nützlich, um über unsere Rolle als Konsumentinnen/Produzentinnen von Social Media nachzudenken. Finde aber auch, dass die Analogie schief hängt: Was in den Debatten um Social-Media-Arbeit als Care-Arbeit fehlt, ist die Wut und die Dringlichkeit, mit der viele der feministischen Debatten um das Thema in den 70ern geführt wurden. Der Leidensdruck für Frauen war und ist einfach ein anderer. Siehe Mariarosa Dalla Costa: „Das Verhältnis von Zeit für Hausarbeit und Zeit-frei-von Hausarbeit muss sofort gestürzt werden. Es ist nicht nötig, Betttücher und Gardinen zu bügeln, glänzende Fußböden zu haben, jeden Tag Staub zu wischen. Doch tun das viele Frauen. Offensichtlich nicht, weil sie dumm sind, sondern weil sie nur in jenen Arbeitenihre Identität verwirklichen können…“ Das gilt für Digitale Care Work nicht in diesem Ausmaß.

Serafin: Eine Sache habe ich noch. Wenn man die Forderung jetzt wirklich zu Ende denkt, dann ist die Idee ja, dass wir für unsere Zeit auf Twitter auf Reddit auf gutefrage.net auch eine Bezahlung verdienen. Für mich war aber eben immer dieser Vergleich mit dem Ehrenamt da. Und ich glaube im Gegensatz zur Hausfrau wird man gesellschaftlich weniger dazu gedrängt, ein Ehrenamt zu machen – da gibt’s sicher auch Machtstrukturen und gesellschaftliche Erwartungen, die da eine Rolle spielen – aber am Ende kann ich mir ein Ehrenamt ja aussuchen. Sollte man dafür dann trotzdem bezahlt werden – besonders wenn man ja selber auch was zurück bekommt? Das hab ich das Känguru gefragt.

Känguru: Die Moderatoren sollten zusätzlich Geld bekommen gegen die Akkumulation des Kapitals in eine Richtung.

Serafin: Aber grundsätzlich ist es jetzt nicht so, dass man für alle soziale Arbeit oder Gemeinschaftsarbeit bezahlt werden sollte. Oder doch?

Känguru: Ich will Brot und Rosen. Warum nicht? Ich weiß nicht warum sollte das eine. Also. Nein, sie sehe ich nicht, warum das nicht noch monetär unterstützt werden sollte? Also praktisch ja, weil dann Reddit pleite geht, aber auf einer ideologischen Sicht. Ne. Ich ich hoffe für für sehr viele Leute, dass sie mehr als nur das Geld aus ihrer Arbeit bekommen. Das wünsche ich mir für jeden.

9 Ergänzungen

  1. Ihr verlinkt auf einen Artikel auf jetzt.de, in dem es u.a. darum geht, dass Natascha Strobl ihren Twitter Accout gelöscht hat. Übernächster Link: Der auf Natascha Strobls Twitter Account, angelegt im April 2009.

    Zum Rest des Podcasts: Wer nicht will, dass Menschen wie Zuckerberg von den eigenen Inhalten profitieren, nutzt freie und dezentrale Netze wie das Fediverse. Lange Threads auf Twitter oder auch im Fediverse nerven eigentlich nur, die sind in einem eigenen Blog besser aufgehoben.

  2. Rein zufällig habe ich bemerkt, dass die MP3-Datei zumindest dieser und der Folge 232 mit 320 kbit/s bereitgestellt wird. Die ogg-Datei bleibt hingegen bei ~112 kbit/s. Somit sind die Dateigrößen der genannten MP3-Dateien etwa dreimal größer als sonst und verglichen mit den ogg-Dateien (~150MB statt ~50MB).
    Vielleicht achtet ihr bei der nächsten Folge auf dieses Detail. Ich wünsche mir, dass die ogg-Version wieder in einer vergleichbaren Tonqualität wie die MP3-Version verfügbar ist.

    1. Tatsächlich habe ich gerade festgestellt, dass die konstante Bitrate beim Konvertieren der .mp3 zu .ogg nicht berücksichtigt wurde – vermutlich weil .ogg diese nicht unterstützt. Ich habe den Prozess jetzt für die Zukunft entsprechend geändert und die .ogg für die aktuelle Folge direkt ausgetauscht.

      Vielen lieben Dank für das aufmerksame Feedback!

  3. Mir ist aufgefallen, dass viele von den angesprochenen Arbeiten auch bezahlt werden. Z.B. beschäftigen die großen Plattformen wie Facebook und Youtube ja durchaus Moderatoren, wenn auch meines Wissens zu sehr schlechten Bedingungen. Außerdem werden auch „conten creators“ bezahlt, bzw. gibt es Möglichkeiten der Bezahlung, wie z.B. Werbung, Spenden oder sogar durch Rundfunkbeiträge o.ä. (z.B. FUNK).
    Entsprechend wäre interessant, genauer zu schauen, warum manche dieser Arbeiten bezahlt werden und andere nicht.
    Leider wurde darauf kaum eingegangen.

    Trotzdem toller Podcast. Vielen Dank an euch.

  4. Entschuldigung aber das ist mir ein wenig zu absurd: Menschen, die auf Instagram sind und das dann als sozialen Beitrag zur Gesellschaft wahrnehmen und Anerkennung einfordern. Da komme ich nicht mit inhaltlich. 2021 sollten wir uns wohl eher über Alternativen zu zentralen sozialen Netzwerken unterhalten, als Instagram und Facebook zu pushen. Die Menschen bedienen sich der Plattformen, um Ihre reichweite zu erhöhen. Aber im Fediverse findet man sie nicht. 🤔

  5. Ich habe den Podcast eben entdeckt und reingehört. Die Fragestellung und die Ausführungen haben mich so verärgert, dass ich nach kurzer Zeit den Podcast abgestellt habe.

    Was ist das für eine verquere Denke?
    Facebook & Co. stellen die Dienste kostenlos (zumindest monetär) zur Verfügung und verdienen damit Geld, so umstritten dies auch sein mag. Und die Frage, ob der (monetäre) Preis für die NutzerInnen angemessen ist, steht auf einem anderen Papier. Aber, keinE NutzerIn ist gezwungen, diese Dienste zu nutzen!

    Wo pushen denn diese kritischen NutzerInnen den Wechsel z.B. zum Fedivers, zu sicheren Messengern?

    Wo bliebt die kritische Stimme von netzpolitik.org?

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