GeldwäscheEU will Zugriff auf anonymes Krypto-Geld erschweren

Im Kampf gegen Geldwäsche könnten neue EU-Regeln es künftig sehr schwierig machen, auf anonyme Wallets zuzugreifen. Dafür sollen Kryptobörsen zur Transparenz gezwungen werden.

Krypto-Wallets
Krypto-Währungen (Symbolbild) Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Old Money

Die Europäische Union soll bald Kryptobörsen zum Sammeln von Informationen über ihre Kundschaft verpflichten, geht es nach den EU-Ländern. Damit soll die Nachvollziehbarkeit von Krypto-Geld sichergestellt werden, heißt es in einem gestern verabschiedeten Verhandlungsmandat des Rates. Die Bestimmungen dürften den Gebrauch anonymer Wallets erheblich erschweren.

Im Sommer hatte die EU-Kommission ein Gesetzespaket gegen Finanzkriminalität vorgelegt. Ziel ist es, im Kampf gegen Geldwäsche und organisierte Kriminalität verdächtige Transaktionen besser identifizieren und gegebenenfalls blockieren zu können. Die EU-Staaten haben sich am gestrigen Mittwoch auf eine gemeinsame Position dazu festgelegt. Darin fordert der Rat der Mitgliedsstaaten insbesondere eine Pflicht zur Registrierung von Transfers zwischen Kryptobörsen und sogenannten „unhosted wallets“. Das sind anonyme virtuelle Geldbörsen, die den Zugriff auf eine Kryptowährung erlauben und nicht von einem registrierungspflichtigen Dienstleister verwaltet werden.

EU-Staaten möchten „Lücken im Finanzsystem“ schließen

Es gebe ein „dringendes Bedürfnis“ der EU-Staaten, Transaktionen in Kryptowährung besser nachverfolgbar zu machen. „Die heutige Einigung ist ein wichtiger Schritt zur Schließung der Lücken in unseren Finanzsystemen, die von Kriminellen böswillig zum Waschen unrechtmäßiger Gewinne oder zur Finanzierung terroristischer Aktivitäten genutzt werden“, sagte Sloweniens Finanzminister Andrej Šircelj, dessen Land gerade den Vorsitz im Rat der EU-Staaten führt.

In den vergangenen Monaten stieg die Zahl der Ransomware-Attacken, wie etwa aus dem aktuellen Lagebericht des deutschen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hervorgeht. Fast immer bestehen die Erpresser:innen dabei auf Zahlungen in Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum.

Auch in den USA wächst die Sorge über Erpressungsattacken: Rund 5,2 Milliarden Dollar an Zahlungen wären allein auf die zehn gängigsten Ransomware-Varianten zurückzuführen, schätzt ein Bericht des US-Finanzministeriums. Die US-Regierung plant daher Sanktionen gegen Ransomware-Profiteure und – wie die EU – neue gesetzliche Transparenzpflichten für Kryptowährungsbörsen, berichtet das Wall Street Journal. Eine vollständige Anonymität und Sicherheit gewähren Kryptowährungen wie Bitcoin ohnehin nicht, steigern den Aufwand für Ermittlungsbehörden jedoch erheblich.

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7 Ergänzungen

  1. Zitat: „Die Bestimmungen dürften den Gebrauch anonymer Wallets erheblich erschweren.“

    Ich hoffe nicht, dass es auf dieses Ergebnis hinausläuft. Das Problem dabei ist, das Wort „erschweren“, was bedeutet, dass manche es weiterhin können, weil sie Fähigkeiten besitzen, die meisten hingegen nicht.

    1. Es klingt für mich nicht so, als ob die technische Nutzung von solchen Wallets behindert werden soll. Man will aber den „Rechtfertigungsdruck“ erhöhen. Crypto-Currency aus Wallets kann dann kaum mehr in echtes Geld getauscht werden (oder umgekehrt), wenn jeder jedesmal erst be- bzw. nachweisen muss woher das Geld stammt, sich identifizieren muss, etc.

      1. Zitat: „Crypto-Currency aus Wallets kann dann kaum mehr in echtes Geld getauscht werden (oder umgekehrt), wenn jeder jedesmal erst be- bzw. nachweisen muss woher das Geld stammt, sich identifizieren muss, etc.“

        Der Kommentar ist so nicht richtig.

        Kryptowährungen können in Deutschland in jeder Großstadt anonym gegen Bargeld getauscht werden und umgedreht(ohne abgezogen zu werden). Und Bargeld ist echtes Geld, hehe. Das war und ist das Grundprinzip von Kryptowährungen, Dezentralisierung.

        Nur die Interaktion mit Kryptobörsen ist zentralisiert und wird durch neue Gesetze stärker reguliert.

        Kryptowährungen untereinander kann man in dezentralen Exchanges wie Uniswap, PancakeSwap problemlos tauschen.

        Für den Ottonormalverbraucher spielt das allerdings keine Rolle. Die Gesetze treffen also (wie immer), die unbescholtenen Bürger meiner Meinung nach.

        1. „Kryptowährungen können in Deutschland in jeder Großstadt anonym gegen Bargeld getauscht werden und umgedreht“

          kann man auch mal schnell illegal machen. dann gibts den umtausch nur noch nach identifizierung. und das finanzamt weiß dann auch wo sie nachfragen können wenn sie wissen wollen woher das geld kommt.

  2. Das ist doch wieder nur Symptome Bekämpfen.
    Es muss an der Sicherheit und Prävention gearbeitet werden.
    Wenn die Software und Systeme kein löchriger Schweizer Käse wären, käme man gar nich erst in die Lage Lösegeldzahlungen zu verhindern.
    Würden die Leute anderswo in der Welt gut Leben können, müssten sie einen nicht Hacken und auch keinen Terror veranstalten.

    Geldströme zu überwachen und auszutrocknen ist auch nicht die einzige Möglichkeit Straftaten zu verfolgen. Wenn auch eine sehr „bequeme“ anscheinend.

    Dafür die Unschuldsvermutung aufzuheben und ALLE Leute pauschal beim Bezahlen zu beobachten ist wie bei Vorratsdatenspeicherung abzulehnen.
    Wenn ich mir den Kampf ums Bargeld anschau wunder ich mich dass ich meine Semmeln noch mit Münzen bezahlen darf.

  3. Unter Informatikern gibt es ja einige, die grundsätzlich erstmal jedes staatliche Interesse an Datenerhebung komplett ablehnen.
    Ich bin bei jeder Datenerhebung auch erstmal kritisch und bin auch der Meinung, dass u.A. verschiedene Innenminister konstant in die falsche Richtung arbeiten was den Trade-Off Privatsphäre-Ermittlungsarbeit angeht.
    Allerdings ist es ein großer Unterschied, ob ich finde, dass verschiedene Behörden einen beschränkteren und kontrollierteren oder vllt auch gar keinen Zugriff auf meine Bankdaten haben sollten, und ich deswegen bei Bedarf auf Ausweichmöglichkeiten zurückgreife, oder ob ich einen Blödsinn wie Bitcoin als technische und freiheitliche Errungenschaft feiere, wie das ja doch recht viele machen.

    Bitcoin ist wie alle Kryptowährungen als Währung überflüssig, weil zu instabil. Um Stabilität halbwegs garantieren zu können, braucht man eine Währungsbehörde und sobald man die hat, keine Blockchain.
    Es ist technisch nicht zu Ende gedacht (oder einfach ein Scam): begrenzt auf 21 MIllionen BC und 7 Transaktionen/s.
    Und es verbrät für nix mehr Energie als die Niederlande.

    Andere Kryptowährungen machen es besser, sind aber genauso überflüssig. Außer eben als Spekulationsobjekt und für Verbrecher. Spekulationsobjekte gibt es genug andere.

    Zur Frage, ob die Kontoverkehrsdaten für Behörden so essentiell wichtig sind, dass u.A. der Eingriff in die Privatsphäre gerechtfertigt ist (das ist ja die eigentlich Frage bei solchen Maßnahmen; wird aber leider oft ignoriert in den Argumenten): Bei einer gut aufgestellten Polizei wäre der Rest (https://www.freiheit.org/sites/default/files/2021-03/uberblickstabelle-uberwachungsszenarien_dez2020.pdf) mehr als genug (viel zu viel), aber es macht irgendwie Sinn, sozusagen Parität zwischen normalen Bankkonten und Kryptowallets herzustellen.
    Wenn das einem bei normalen Bankkonten zuviel ist, ist die richtige Forderung, dass es da weniger wird und nicht dass Kryptowährungen außerhalb des Systems bleiben.

  4. Wahrscheinlich werden Monero und andere Kryptowährungen die Transaktionen verschleiern dann komplett verboten sein. Immerhin wären sie das perfekte Gegenmittel.

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