An einem entspannten Sonntag mit Sonnenschein hatte ich eine irrwitzige Idee: Ich wollte eine Reise mit der Bahn nach Polen planen. Polen ist nahe, zumindest von Berlin aus gesehen. Mit der Regionalbahn kommt man bequem dorthin, mit dem Auto ist es knapp eine Stunde an die Grenze.
Eine Reise in eine polnische Stadt sollte es werden. Dahin kommt man auf verschiedenen Wegen: Etwas über eine Stunde Flug mit einer Billiglinie, acht Stunden mit dem Auto oder ebenso lange mit der Bahn. Schön, dass es eine ökologische Alternative gibt, das sollte ja kein Problem sein. Dachte ich zumindest am Anfang.
Es fing damit an, dass ich zumindest für eine Fahrt einen Nachtzug nehmen wollte. Der fährt bequem direkt von Berlin aus. Aber da die Deutsche Bahn, weitsichtig wie immer, nicht an eine Zukunft von Nachtzügen glaubte, fährt man eben mit der Österreichischen Bundesbahn von Berlin aus, ohne überhaupt der Staatsgrenze von Österreich irgendwie nahe zu kommen. Diesen Zug kann man natürlich nicht über die Webseite der Deutschen Bahn buchen.
Kein Problem, dachte ich, klicke ich mich einfach durch oebb.at durch. Da steht ja zumindest alles auf deutsch. Das ging so lange gut, bis der Sicherheitscheck für meine Kreditkarte eine Bestätigung haben wollte und dann der mobile Screen einfror. Weitere Versuche, den Kaufvorgang zu wiederholen, scheiterten. Also Hotline angerufen. Dank europäischer Roaming-Regeln geht das heute ja ohne halben Herzinfarkt, wenn die Hotline-Melodie neu ansetzt und immer noch nicht der versprochene nächste Mitarbeiter dran ist.
Der Hotline-Mitarbeiter konnte helfen, erklärte mir so halbwegs das Problem mit der Webseite und nach einer halben Stunde hatte ich dann zumindest ein Ticket für die Hinfahrt. Der Rest sollte schneller gehen, da ich tagsüber zurück wollte. Dachte ich zumindest.
Irrfahrt durch Hotlandia
Da diesmal die Österreichische Bundesbahn nicht involviert war, probierte ich es wieder mit der Deutsche Bahn. Immerhin wollte ich ja einfach nur zurück nach Deutschland. Online wurde ich an eine Telefon-Hotline verwiesen. Wieder warten, bis ich jemand am Telefon hatte und mein Anliegen schilderte. Es war natürlich die falsche Ansprechpartnerin, kein Problem, sie schaltet mich weiter. Die nächste fühlte sich auch nicht zuständig, ich hätte die falsche Nummer angerufen und sie gab mir eine weitere Nummer, wo mir dann endlich geholfen werden sollte. Warteschleifen lauschen – was man Sonntags halt macht.
Die nächste Hotline-Mitarbeiterin wusste gar nicht, warum ich sie anrief: Dies wäre die falsche Nummer. Sie gab mir die Nummer, mit der ich angefangen hatte. Ich sagte, dass mir das etwas kafkaesk erscheine. Und ich einfach nur die Schnapsidee gehabt hatte, ein fucking Bahnticket von Polen nach Deutschland online kaufen zu wollen.
Das konnte die Hotline-Dame verstehen. Aus dem Gespräch nahm ich mit, dass die Deutsche Bahn 2020 leider immer noch unfähig ist, die technische Infrastruktur dafür anzubieten, online bei ihr ein Ticket für eine Fahrt aus dem Nachbarland zu kaufen. Ich solle doch zum Schalter oder zum Reisebüro gehen.
Ich hab jetzt zwar immer noch kein Ticket, aber zumindest glaube ich verstanden zu haben, warum die beiden Reisebüros gegenüber von unserem Büro noch existieren. Ich geh mal gleich rüber.
Warum der Online-Ticketkauf ins europäische Ausland noch so schwer sei, wollte ich von der Pressestelle der Deutschen Bahn per Mail wissen. Ich hab keine Antwort erhalten. Vielleicht hätte ich ein Fax schicken sollen.
