Verrückte Idee

Wie ich einmal online Bahntickets nach Polen und zurück kaufen wollte

Bahntickets für eine Reise ins benachbarte Ausland online zu kaufen, das scheint auch 2020 eine große Herausforderung zu sein, wie ein unfreiwilliger Test offenbart. Eine Glosse.

Alte Dampflok im Schuppen
Symbolbild Online-Ticketkauf bei der Deutschen Bahn. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Photo by cmophoto.net on Unsplash

An einem entspannten Sonntag mit Sonnenschein hatte ich eine irrwitzige Idee: Ich wollte eine Reise mit der Bahn nach Polen planen. Polen ist nahe, zumindest von Berlin aus gesehen. Mit der Regionalbahn kommt man bequem dorthin, mit dem Auto ist es knapp eine Stunde an die Grenze.

Eine Reise in eine polnische Stadt sollte es werden. Dahin kommt man auf verschiedenen Wegen: Etwas über eine Stunde Flug mit einer Billiglinie, acht Stunden mit dem Auto oder ebenso lange mit der Bahn. Schön, dass es eine ökologische Alternative gibt, das sollte ja kein Problem sein. Dachte ich zumindest am Anfang.

Es fing damit an, dass ich zumindest für eine Fahrt einen Nachtzug nehmen wollte. Der fährt bequem direkt von Berlin aus. Aber da die Deutsche Bahn, weitsichtig wie immer, nicht an eine Zukunft von Nachtzügen glaubte, fährt man eben mit der Österreichischen Bundesbahn von Berlin aus, ohne überhaupt der Staatsgrenze von Österreich irgendwie nahe zu kommen. Diesen Zug kann man natürlich nicht über die Webseite der Deutschen Bahn buchen.

Kein Problem, dachte ich, klicke ich mich einfach durch oebb.at durch. Da steht ja zumindest alles auf deutsch. Das ging so lange gut, bis der Sicherheitscheck für meine Kreditkarte eine Bestätigung haben wollte und dann der mobile Screen einfror. Weitere Versuche, den Kaufvorgang zu wiederholen, scheiterten. Also Hotline angerufen. Dank europäischer Roaming-Regeln geht das heute ja ohne halben Herzinfarkt, wenn die Hotline-Melodie neu ansetzt und immer noch nicht der versprochene nächste Mitarbeiter dran ist.

Der Hotline-Mitarbeiter konnte helfen, erklärte mir so halbwegs das Problem mit der Webseite und nach einer halben Stunde hatte ich dann zumindest ein Ticket für die Hinfahrt. Der Rest sollte schneller gehen, da ich tagsüber zurück wollte. Dachte ich zumindest.

Irrfahrt durch Hotlandia

Da diesmal die Österreichische Bundesbahn nicht involviert war, probierte ich es wieder mit der Deutsche Bahn. Immerhin wollte ich ja einfach nur zurück nach Deutschland. Online wurde ich an eine Telefon-Hotline verwiesen. Wieder warten, bis ich jemand am Telefon hatte und mein Anliegen schilderte. Es war natürlich die falsche Ansprechpartnerin, kein Problem, sie schaltet mich weiter. Die nächste fühlte sich auch nicht zuständig, ich hätte die falsche Nummer angerufen und sie gab mir eine weitere Nummer, wo mir dann endlich geholfen werden sollte. Warteschleifen lauschen – was man Sonntags halt macht.

Die nächste Hotline-Mitarbeiterin wusste gar nicht, warum ich sie anrief: Dies wäre die falsche Nummer. Sie gab mir die Nummer, mit der ich angefangen hatte. Ich sagte, dass mir das etwas kafkaesk erscheine. Und ich einfach nur die Schnapsidee gehabt hatte, ein fucking Bahnticket von Polen nach Deutschland online kaufen zu wollen.

Das konnte die Hotline-Dame verstehen. Aus dem Gespräch nahm ich mit, dass die Deutsche Bahn 2020 leider immer noch unfähig ist, die technische Infrastruktur dafür anzubieten, online bei ihr ein Ticket für eine Fahrt aus dem Nachbarland zu kaufen. Ich solle doch zum Schalter oder zum Reisebüro gehen.

Ich hab jetzt zwar immer noch kein Ticket, aber zumindest glaube ich verstanden zu haben, warum die beiden Reisebüros gegenüber von unserem Büro noch existieren. Ich geh mal gleich rüber.

Warum der Online-Ticketkauf ins europäische Ausland noch so schwer sei, wollte ich von der Pressestelle der Deutschen Bahn per Mail wissen. Ich hab keine Antwort erhalten. Vielleicht hätte ich ein Fax schicken sollen.

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24 Ergänzungen
  1. Vieles klappt auch in Deutschland nicht vernünftig. Wenn man z. B. ein Fahrrad in einem reservierungspflichtigen Zug innerhalb von Deutschland mitnehmen will, kann man die Reservierung für das Fahrrad erst nach dem Kauf des Tickets für einen selbst durchführen! Das wurde mir auch von den Bahnmitarbeitern bestätigt. Es gibt in diesen Zügen nur sehr wenige Stellplätze für Fahrräder, die oft schnell besetzt sind. Hat man ein nicht stornierbares, nicht umbuchbuchbares, günstiges Ticket für sich selbst erstanden und erfährt anschließend, dass das Fahrrad in dem Zug nicht mitgenommen werden kann, darf man das gekaufte Ticket in die Tonne schmeißen. Es wird nicht umgetauscht. Nur die Mitarbeiter der Bahn, vielleicht auch im Reisebüro, können vor dem Kauf festgestellen, ob das Fahrrad mitfahren darf.

  2. Das klingt zwar mal wieder nach einer Geschichte passend zur Deutschen Bahn, ich kann die Erfahrung aber so nicht teilen. Ich bin im letzten Jahr per Bahn von Österreich und Deutschland aus nach Polen, Tschechien, Italien und in die Slowakei gereist (teilweise auch Nachtzug) und es war für alle Fahrten problemlos möglich Tickets online zu buchen (größtenteils bei der DB oder ÖBB). Einzig für Extrawünsche bei der Sitzplatzreservierung musste ich mich einmal durch die nur teilweise in deutsch gehaltene Website der tschechischen Bahn kämpfen.

    Für deine nächste Fahrt ins europäische Ausland wünsche ich dir daher mehr Glück!

  3. Ich hab‘ ein bisschen ein Problem mit den Labels ‚Glosse‘ und ‚Technologie‘. Denn du beschreibst eher dokumentarisch, und nimmst nicht eine Situation um sie ins absurde zu treiben. Und es definitiv kein Technologieproblem einen Online Shop für Tickets und ein Resevierungssystem anzubieten das über Anbietergrenzen hinaus funktioniert.

    Es sei denn, man will nicht. Oder verdient kein Geld damit. Oder die Regulation hat versagt. Oder usw.

    Digitalisierung heisst halt heute nicht, es ist digital nutzbar, sondern du wirst digitalisiert und benutzt.

    1. Glosse ist ein journalistisches Format, das unser Meinung nach zu diesem Text passt. Wir schreiben so etwas ja auch zur transparenten Einordnung für unsere Lesenden: https://de.wikipedia.org/wiki/Glosse.

      Technologie ist eine von acht Kategorien bei uns, die meiner Meinung nach am besten passte. Es geht ja hier um das Erlebnis von Technologie bzw. einer digitalen Transformation, die dann doch noch analoger ist als man das denken könnte.

      1. Es fällt mir schwer deinen Artikel zu glauben.
        1. Was hat es mit Roaming zutun wenn du von DE nach AT telefonierst? Das ist ein normales Auslandsgespräch.
        2. Ich bin letztes Jahr mit den Nachtzug von Essen mit Umstieg nach Wien. Mit dem ICE wieder zurück
        Von Essen mit Umstieg sowohl Antwerpen, London und Amsterdam und jeweils auch zurück. All diese Tickets wurden online bei der DB gekauft nicht einmal war ich in einer Verkaufsstelle der DB.
        Einziger Nachteil Auslandstickets müssen ausgedruckt werden die App reicht bei einer Kontrolle nicht.

  4. Die Mühen mit der Bahn mache ich mir nicht bei der Reise in andere EU Länder, endweder gehts da mit Flixbus oder Easyjet los. Das funktioniert dann auch online problemlos. Das ist für mich insbesondere dann wichtig wenn ich backpacke und meine Tickets eben ohne großen Aufwandt spontan kaufen will. Auf die Bahn mit ihrem unübersichtlichen Tarifjungle der fast immer teurer ist als die Busfahrt habe ich da schon lange keine Böcke mehr.

    Schade eigentlich, dabei wäre die Bahn eine gute Ökologische alternative wenn Sie nur unkompliziert funktionieren würde.

  5. 1.: Ich kann über die DB-Website Tickets für den ÖBB-Nachtzug Berlin-Wien buchen, jedenfalls im Sitzwagen.

    2.: Ich weiß nicht, warum du deine Vorwürfe nur an die DB adressierst. Warum hast du nicht bei der polnischen Bahn geguckt, ob sie dir ein Online-Ticket von Polen nach Deutschland verkaufen können?

    Die DB kann dir nicht erst seit gestern für quasi jede Verbindung, an der nur sie beteiligt ist, Tickets verkaufen. Die DB kann dir mittlerweile für fast jeden Verkehrsverbund mobile Tickets verkaufen; und wer je mit Verkehrsverbünden zu tun hatte, weiß, was da für ein Chaos herrscht. Die DB kann dir auch nach Polen Online-Tickets verkaufen, problemlos, zum Beispiel nach Warschau, nach Stettin, nach Posen, nach…

    Hast du die Möglichkeit auch nur in Erwägung gezogen, dass das Problem auf polnischer Seite liegt?

    1. Herzlichen Glückwunsch zum Buchungsversuch, in meinem Fall klappte das aber halt nicht. Und ich hab auch auf polnischer (Web-)Seite geschaut, aber die Webseite sprang zwischen Sprachen hin und her und ich spreche einfach kein polnisch.

      Und möglicherweise liegt das Problem auf polnischer Seite, aber das scheint ja generell ein europäisches Problem zu sein, bzw. ein Politikversagen, einen (digitalen) Binnenmarkt auch im Bahnbereich herzustellen. Abgesehen davon erschließt sich mir noch nicht die Logik, warum ich am Schalter ein Ticket kaufen können soll, was online nicht geht. Darum handelt ja zentral diese Glosse.

        1. „ich sehe das auch als europaeisches politikversagen, dass es kaum moeglich ist, bei irgendeinem bahnunternehmen grenzueberschreitende tickets online zu kaufen“

          Das ist schlicht falsch. Für die DB-Seite gilt: von fast allen DE-Bahnhöfen

          -> CH geht zu fast allen Bahnhöfen
          -> AT geht zu fast allen Bahnhöfen
          -> NL geht zu fast allen Bahnhöfen
          -> CZ geht zu allen Bahnhöfen, die die Tschechen als Tarifpunkte definiert haben
          -> DK geht zu fast allen Bahnhöfen
          -> SV geht zu vielen Bahnhöfen
          -> F geht mit den HGV-Verbindungen aus Deutschland
          -> UK geht nach London via Brüssel
          -> BE geht zu fast allen Bahnhöfen
          -> LUX geht zu fast allen Bahnhöfen
          -> PL geht zu vielen Bahnhöfen und auf vielen Verbindungen, solange die Polen das freigeben.
          -> HU geht (via AT oder via CZ/SK) zu allen Bahnhöfen, die die Ungarn als Tarifpunkte definiert haben
          -> HR geht nach Zagreb
          -> SLO geht zu fast allen Bahnhöfen

          Das ist verdammt viel. Raus fallen viele Verbindungen, für die Sondertarife gelten – u.a. die Nachtzüge. Die ÖBB betreiben diese nicht mehr nach dem „normalen“ Tarif, sondern nach einem ÖBB-Spezialtarif. Da steigt irgendwann die Durchtarifierbarkeit aus.

      1. Die Logik ist ganz einfach:
        Es gibt einen internationalen Tarif für durchgehende Fahrkarten. Schon wirklich sehr lange, aufgrund einer uralten Vereinbarung zwischen den damaligen Staatseisenbahnen. Das ist heute der sogenannte SCIC-Tarif, mehr dazu steht bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinsamer_Internationaler_Tarif_f%C3%BCr_die_Bef%C3%B6rderung_von_Personen.

        Nach diesem Tarif kann dir jeder DB-Schalter Fahrkarten verkaufen und umgedreht kann dir jede andere beteiligte Bahn darüber Fahrkarten ausstellen. Du kannst in Prag zum CD-Schalter gehen und dir eine Fahrkarte für den ICE Berlin-Hamburg kaufen. Gar kein Problem. Das System wurde in den letzten Jahr(zent)en an vielen Stellen untergraben, ja, übrigens eher weniger durch die DB und mehr durch andere Bahnen, aber es funktioniert meistens noch. Du kriegst ne durchgehende Fahrkarte.

        Allerdings akzeptieren bis heute nicht alle beteiligten Bahnen diese Tickets als Onlinetickets. Der Grund ist manchmal ganz banal, z.B. fehlende Kontrollgeräte oder Desinteresse. Dann bleibt nur der gemeinsame Nenner, das ist das Papierticket, das jeder Schaffner ohne zusätzliche Technik kontrollieren kann.

        „einen (digitalen) Binnenmarkt auch im Bahnbereich herzustellen.“

        „Binnenmarkt“ ist glaube ich nicht das richtige Wort. Natürlich könnte man fordern, dass
        a) digitale Tickets europaweit akzeptiert werden und
        b) durchgehende Tickets zu jedem Punkt für alle Züge in der EU angeboten werden müssen. Man könnte das wie die SCIC-Logik machen: man addiert einfach die Preise der Einzeltickets aller beteiligten Bahnen. Bei Verspätungen haftet der Anbieter, der die Verspätung auslöste, das machen die Bahnen aber dann unter sich aus.

        Insgesamt sehe ich aber wirklich nicht, warum du dich so auf die DB eingeschossen hast. Die DB ist alles, aber kein Bremser bei diesen internationalen Digitalgeschichten.

        1. schoen wenn man in prag am bahnhof berlin-hamburg kaufen kann. was z.b. nicht geht ist am bahnhof in innsbruck ein ticket venedig-innsbruck zu kaufen, wenns nicht ein DB/ÖBB-eurocity ist, weil die armen leute am schalter genausowenig italienische zuege im system haben wie unsereiner auf der website. – na gut, IT fehlt in deiner liste; ist halt bloederweise hier um die ecke.

          letztlich will ich doch nur fuer ein paar hundert kilometer im zug auf einmal ein ticket kaufen und nicht auf mehreren websites zusammenklicken; dabei sind mir irgendwelche vereinbarungen aus dem 19.jahrhundert auch eher egal, und wenn das die bahngesellschaften nicht fertig bringen brauchts halt die politik dazu.

          1. Jüngst plante ich eine Reise von Hannover über Polen nach Lviv/Ukraine mit Schlafwagen der ÖBB ab Berlin (Umsteigen in Berlin und an der polnisch/ukrainischen Grenze).

            Über die Online-Auskunft der DB wurde mir die vollständige Verbindung angezeigt. Für eine Buchung muss man online zunächst ein Angebot anfordern. Dieses erhielt ich per E-Mail am folgenden Tag für die gesamte Reise. Es war für mich für 24 Stunden hinterlegt. In diesem Zeitraum hätte ich das Angebot online oder telefonisch (24/7) annehmen können und dann die Fahrkarte erhalten. (Aus terminlichen Gründen habe ich es dann nicht gemacht.)

            Ich war positiv überrascht über diese zwar etwas indirektere aber doch schnelle und umfassende Lösung. – Mein Praxistest steht natürlich noch aus. :-)

          2. „na gut, IT fehlt in deiner liste; ist halt bloederweise hier um die ecke.“

            Italien ist weitgehend aus dem gemeinsamen internationalen Tarif ausgestiegen. Oder, wie Wikipedia es schreibt: „Achtung: In allen reservierungspflichtigen Binnenzügen sind TCV-Streckenfahrscheine nicht gültig!“ (TCV ist hier der Name des int. Tarifs) Fast alle ital. Schnellzüge sind reservierungspflichtig.

            DB/ÖBB-Züge kann dir die ÖBB natürlich verkaufen, die betreibt sie ja selbst und auf eigene Rechnung.

            „dabei sind mir irgendwelche vereinbarungen aus dem 19.jahrhundert auch eher egal“

            Ich wollte dir den Hintergrund skizzieren. Wenn du dich nur beschweren willst, bist du hier falsch, glaube ich. ;)

            „und wenn das die bahngesellschaften nicht fertig bringen brauchts halt die politik dazu.“

            Naja, dann mach‘ halt entsprechend Druck. Ich seh‘ den Bedarf und die Lösung ist ja auch machbar. Sie läuft nur etwas der Liberalisierung der letzten Jahre entgegen. Anders als du es in deinem Blog-Post schreibst, hat das auch wenig mit „Grenzen“ zu tun und mehr mit verschiedenen Anbietern, die teilweise untereinander im (politisch gewollten) Wettbewerb stehen. Kleines Beispiel: Die DB verkauft keine Flixtrain-Tickets und die ÖBB verkaufen keine Tickets für die Westbahn. Analog: Lufthansa verkauft auch keine Tickets für Air-France-Flüge. Das ist für den Endkunden auf längeren Trips natürlich Mist, aber das muss dann eben notfalls reguliert werden.

        2. Die Bahn war mein Ansprechpartner beim Versuch, über sie meine Reise zu planen. Ich hab mit drei unterschiedlichen Menschen am Support-Telefon gesprochen, dazu App und Webseite genutzt. Wenn die Bahn nicht in der Lage ist, mir das bei den diversen Kontaktversuchen zu erklären, dann hat sie offensichtlich dabei ein Kommunikationsproblem.

          Eine ganz kurze Beantwortung meiner Anfrage an die Presseabteilung kam auch erst nach drei Tagen (und im Anschluss an diese Glosse).

          1. „Wenn die Bahn nicht in der Lage ist, mir das bei den diversen Kontaktversuchen zu erklären, dann hat sie offensichtlich dabei ein Kommunikationsproblem.“

            Dass der Sachverhalt selbst verbesserungswürdig ist: d’Accord. Dass die DB besser hätte reagieren können: d’Accord.

            Aber:

            Du möchtest von der DB – und nur von der DB – Fahrkarten für eine Fahrt nach Polen erwerben. Die DB kann dir, das ist ja unstrittig, problemlos Tickets für die von ihr selbst verantworteten Zügen ausstellen. Auch online. Auch nach Polen. Deine Probleme beginnen mit dem Wunsch, von der DB auch eine Fahrkarte für Züge zu kaufen, die von einer polnischen Bahngesellschaft betrieben werden. Rein logisch könnte man jetzt denken, dass das Problem ganz eventuell nicht allein auf DB-Seite liegt. Das ignorierst du.

            Jetzt kann man natürlich ’ne Glosse drausmachen und im Prinzip darstellen, wie die DB (!) aus einem ja durchaus legitimen Wunsch (durchgehende Fahrkarte zu einem europ. Ziel kaufen) ein FAIL macht. Dass die Hotlinemitarbeiter überfordert waren, dass du zum Schalter geschickt wurdest. Aber, mal ehrlich, wäre es nicht sinnvoller, wenigstens 1-2 Hintergründe zu recherchieren? Leute, die dich nicht kennen, interessiert doch nicht die Bohne, dass Du kein Ticket nach Polen kaufen konntest. Sie interessiert vielleicht etwas mehr, dass der ganze Prozess für Fahrkarten von DE nach PL schlecht läuft, dass man keine Onlinetickets kriegt, wohl aber beim Schalter. Und so richtig interessant wird’s, wenn man schreibt, warum das so ist. Ist ja keine Raketenwissenschaft, und die DB-Pressestelle nicht die einzige Stelle weit und breit, die etwas dazu weiß. Das Problem ist alles andere als tagesaktuell, nichts, was nicht hätten warten können. Das Thema bietet gerade au Digitalpolitik so viel: Warum gibt es diese Tickets denn nur am Schalter, warum geht das nicht online? Wenn man bei der Bahn nochmal Statements kriegt, ob sie dran arbeiten oder warum sie es nicht tun, wenn man bei der PKP oder PR nachfragt, wie das so läuft, wenn man nochmal bei Leuten nachfragt, die sich für internationale Bahnfahrten engagieren… am Ende hat man einen Text, der dem Leser wirklichen Mehrwert bietet, weil man den Sachverhalt wenigstens grob sachkundig beurteilen- und sich sein eigenes Bild machen kann.

            Stattdessen holst du die ollen DB-Klischees raus. Das ist schade.

  6. Die Idee ist wirklich verrückt. Oder zumindest dreist. Angeblich sind wir als Kunden und einfache Menschen ja auch in der EU. Genau so wie die Unternehmen, die ungehemmt ihr Geld durch die Gegend schieben.

    ABER: Außer EU-Grenzen als Person einigermaßen ungestört zu überqueren geht eigentlich nichts so richtig: Roaming mittlerweile halbwegs, aber nur im Kurzurlaub und sehr eingeschränkt. Kreditkarten und Geld damit abheben – Vorsicht, das kann gehörig schief gehen und wenn es geht dann richtig teuer. TAN auf Mobiltelefon? Haha. Nur auf eine deutsche SIM. Etc. …

    Also: Ticket am besten analog, dinglich, am Schalter.

  7. So richtig kann ich das Problem nicht nachvollziehen. Ich bin im letzten Jahr von Berlin nach Stockholm (via Hamburg, Kopenhagen) gefahren, nach Paris, nach Sion (Schweiz) und nach Zagreb. Die Tickets habe ich alle problemlos online buchen können.
    Interessanterweise hatte ich die bemerkenswerte Erfahrung, dass am Schalter auch nicht mehr Informationen/Optionen verfügbar zu sein scheinen, als für den Endkunden online zu sehen sind.
    Damit man das Problem nachvollziehen kann, wäre es schon spannend gewesen, wohin es konkret hätte gehen sollen.

    1. Du hattest Glück nach Schweden :-)

      Ich bin letzten Herbst von Hamburg nach Norwegen gefahren, durch Schweden natürlich. Hier gibt es online keine durchgehenden Tickets mehr. Du musst online ein zweites Ticket bei SJ (schwedische Bahn) buchen. Dieses Ticket kann auch die DB dir verkaufen, aber nur am Schalter.

      Du kannst bis nach Schweden ein durchgehendes DB-Ticket online buchen, auch mit Sparpreis. Aber es gibt für die Strecke Kopenhagen-Malmö zwei verschiedene Anbieter (Öresundtog/DSB und SJ) und der DB-Sparpreis ist nur ausstellbar, wenn du in Schweden beim gleichen Anbieter bleibst, mit dem du über die Grenze gefahren bist. Das ist für Fahrten nach Stockholm blöd, weil nach Stockholm nur SJ fährt. Viele SJ-Fahrten nach Stockholm beginnen in Malmö, und bis Malmö fährt Öresundtog alle 20 Minuten, SJ nur alle paar Stunden mal. Das heißt, viele eigentlich mögliche Verbindungen von Deutschland nach Stockholm lassen sich nicht mit einem Sparpreis abbilden.

      „Interessanterweise hatte ich die bemerkenswerte Erfahrung, dass am Schalter auch nicht mehr Informationen/Optionen verfügbar zu sein scheinen, als für den Endkunden online zu sehen sind.“

      Der Schalter kann, wie oben geschrieben, SCIC-Tickets ausstellen, weil das ganz problemlos nur auf Papier geht. Ansonsten hat online bei der DB im letzten Jahr ziemlich aufgeholt, weil die neue int. Buchungsplattform anlief. Das ist das System, das du über „Preis ermitteln“ bekommst. Darüber verkauft die DB nun Tickets von anderen Bahnen, die ihre eigenen Tarife haben – jedenfalls, solange die anderen Bahnen beim DB-Vertrieb kooperieren wollen.

  8. Ich wollte mit meinem Interailticket durch Frankreich und Spanien nach Portugal fahren. Ich hatte es mir zu leicht vorgestellt und alls ich online die Sitzplätze reservieren wollte bin ich komplett gescheitert. Schlussendlich bin ich ins DB reisezentrum gegangen und der Bahnmitarbeiter hat sich vorbildlich um mich gekümmert und durch die verschiedenen internen Seiten durchgeklickt, schlussendlich waren wir damit 3 Stunden beschäftigt. Er meinte nach der Turtur ich hätte das niemals als Privatperson schaffen können, da ich garnicht die Bahninternen seiten aufrufen hätte können.

  9. Im Gegensatz zur DB ist die korrekte Bezeichnung ÖBB nicht in Einzahl, sondern in der Mehrzahl, also nicht Österreichische Bundesbahn, sondern Österreichische Bundesbahnen.

  10. Die Strecke Berlin-Warschau-Berlin lässt sich schon seit Monaten nicht buchen, da „technische Probleme“ mit der Reservierungspflicht für Sitzplätze bestehen.

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