Corona-Pandemie

Wenn die Eltern plötzlich an Verschwörungstheorien glauben

Seit dem Ausbruch des Coronavirus glauben viele Menschen an Verschwörungserzählungen – auch solche, die bislang nicht dadurch auffielen. Die Folgen können verheerend sein. Wie können Angehörige den Betroffenen helfen?

Häufig schotten sich Menschen ab, wenn sie in eine Welt aus Verschwörungserzählungen abgerutscht sind. (Symbolbild)
Häufig schotten sich Menschen ab, wenn sie in eine Welt aus Verschwörungserzählungen abgerutscht sind. (Symbolbild) Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Nick Cooper | Bearbeitung: netzpolitik.org

Die Pandemie ist die Stunde der Verschwörungserzählungen. Die beste Freundin teilt sie auf Facebook. Der eigene Vater schickt ein YouTube-Video, das vor angeblich finsteren Hintergedanken der Regierung warnt. Alte Bekannte installieren die Messenger-App Telegram und treten dort Gruppen bei, in denen ständig neue Mythen zum Coronavirus in die Welt geschleudert werden. Was ist mit diesen Menschen passiert, die man zu kennen glaubte?

Die Erklärungen für die Corona-Pandemie, die im Netz kursieren, sind mindestens abenteuerlich. Hinter dem Virus stecke der Milliardär Bill Gates, heißt es etwa. Der verfolge einen Geheimplan, um der gesamten Menschheit durch Impfungen einen Mikrochip zu implantieren. Auch einen Zusammenhang mit Mobilfunkstrahlung, die das Immunsystem schwäche, wollen einige ausmachen.

Angebliche Belege, die Verschwörungsideolog:innen für ihre Behauptungen liefern, beruhen auf Missverständnissen oder sind schlichtweg erfunden. Dass Tausende Menschen sie nun dennoch glauben, scheint geradezu lachhaft. Die Pandemie, sie wird begleitet von einer „Infodemie“, wie die Weltgesundheitsorganisation es nannte. Doch die Lage ist ernst. Denn die Mythen sind nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit, sondern auch für das soziale Umfeld der Betroffenen.

Zahl der Verschwörungsgläubigen nimmt wohl rasant zu

Der Verein Sekten-Info NRW betreut vor allem Angehörige von Menschen, die sich sogenannten Sekten angeschlossen haben, befasst sich aber auch mit Verschwörungsgläubigen. 40 Fälle hat er nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr gezählt. Seit dem Ausbruch der Pandemie beklagt Leiterin Sabine Riede einen rasanten Anstieg. Inzwischen erreichten sie und ihre Kolleg:innen täglich Hilfegesuche. Früher hätten vor allem jüngere Menschen Verschwörungserzählungen angehangen. Heute meldeten sich häufig Angehörige, die sich um die Eltern sorgen, die längst über 60 sind.

Giulia Silberberger, die mit ihrer Organisation „Der goldene Aluhut“ über Verschwörungsideologien aufklärt, berichtet ähnliches. Über Nacht seien schon wieder sechs Beratungsanfragen eingegangen, erzählt sie netzpolitik.org Anfang Mai.

„Ich höre gerade von allen Ecken und Enden, dass Menschen sich plötzlich zu solchen Inhalten hinwenden, wie sie sie vorher nie geteilt haben“, sagt auch die Psychologin Pia Lamberty, die an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz zu Verschwörungsideologien forscht. Sie hat ein Buch zum Thema geschrieben, das am Freitag erscheint („Fake Facts: Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen“, gemeinsam mit Katharina Nocun). Das Phänomen lasse Angehörige von Verschwörungsgläubigen ratlos zurück. „Es gibt noch viel Unsicherheit, wie man mit dem Thema umgehen soll.“

Die Angehörigen müssen erkennen, wie groß die Bedrohung wirklich ist, die von den Mythen ausgeht. Um Freund:innen oder Familienmitgliedern helfen zu können, sollten sie verstehen, was diese dazu verleitet, plötzlich die seltsamsten Dinge zu glauben.

Menschen demonstrierten gegen die Corona-Maßnahmen, wie hier in Freiburg
Menschen demonstrierten gegen die Corona-Maßnahmen, wie hier in Freiburg Alle Rechte vorbehalten sbamueller | Bearbeitung: netzpolitik.org

Ein weltweites Phänomen

Die „Mitte-Studie“ der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem vergangenen Jahr, an der auch Pia Lamberty beteiligt war, hat gezeigt, dass 46 Prozent der deutschen Bevölkerung glauben, es gebe geheime Organisationen, die Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen. Das deutet auf ein großes Potenzial für Verschwörungsmythen in der Gesellschaft hin.

Ein Problem, das nun neue Ausmaße annimmt, weil es offensichtlich viele Menschen betrifft, die zuvor nie in einem solchen Zusammenhang aufgefallen sind. Menschen, die auch nicht in den Kreisen verkehren, an denen sich solche Erzählungen üblicherweise verbreiten.

Es geht nicht mehr um Menschen, die Stunden in dubiosen Unterforen auf Reddit verbringen. Durch die Pandemie verbreiten sich die Inhalte zum Coronavirus auf Facebook oder YouTube viral, massenhaft. Einige Plattformen löschen sie, kommen aber kaum hinterher. Dann verlagert sich ihre Verbreitung zum Beispiel auf den Messenger-Dienst Telegram, der gerade viele neue Nutzer:innen zu gewinnen scheint, und dem Treiben freien Lauf lässt.

Selbst diejenigen, die nicht in den sozialen Medien aktiv sind, bekommen Wind von den vermeintlichen Verschwörungen rund um das Coronavirus. Die Pädagogin Sabine Riede von der Sektenberatung erzählt von älteren Menschen, die in Telefongesprächen mit Verschwörungserzählungen in Kontakt gekommen seien, durch Freund:innen, die irgendwo irgendetwas gehört haben wollen. „Und dann gehen sie selbst ins Internet und gucken.

Ein Superverschwörungsmythos wird Mainstream

Die Dimensionen, die dieses Phänomen dieser Tage erreicht, sind für Deutschland neu. Ein Blick in die USA zeigt, welche gravierenden Folgen diese Entwicklung haben könnte. Im Netz verbreitete Verschwörungserzählungen haben dort bereits den Weg in den Mainstream gefunden, in Form von QAnon, einer Art Superverschwörungsmythos.

Dabei geht es um angebliche Insider im Militärgeheimdienst, Satanismus oder einen „Staat im Staat“, vermischt mit vielen weiteren Erzählungen. Seinen Ursprung hat QAnon unter Anhänger:innen von US-Präsident Donald Trump. Seit 2017 erschienen Verschwörungsgläubige immer wieder in Scharen bei seinen Wahlkampfveranstaltungen.

Der US-amerikanische Verschwörungserzählungs-Forscher Mike Rothschild hat QAnon von Anfang an beobachtet. Nun sieht er deutliche Überschneidungen zwischen der Bewegung und den kruden Mythen, die sich um das Coronavirus ranken. „QAnon fand man zunächst in den schlimmsten Ecken des Internets. Aber dann stieß die Generation der Baby-Boomer darauf und teilte diese Inhalte auf Facebook.“ Rothschild zufolge verbreiten heute große QAnon-Gruppen die Lügen zum Coronavirus. Teilweise finden sie sich auch in einem vermeintlichen Aufklärungsvideo namens „Plandemic“ wieder, das gerade im englischsprachigen Raum viral ging.

Eine Strategie, um Ängste zu bewältigen

Eine entscheidende Rolle spielt die Verunsicherung, die viele Menschen in der gegenwärtigen Situation empfinden. Das Coronavirus löst eine schwere Wirtschaftskrise aus, Existenzen sind bedroht. Eine Gefahr, die große Ängste erzeugt, verständlicherweise. „Wir können das Virus nicht beherrschen, es beherrscht uns“, sagt Giulia Silberberger vom „Goldenen Aluhut“. „Für viele geht es jetzt darum, das Gefühl der Kontrolle zurückzugewinnen.“

Manchem dienen die Verschwörungserzählungen wohl dazu, diese unsichtbare Bedrohung greifbar zu machen. Psychologin Lamberty zufolge sind Krisen ein typischer Auslöser dafür, dass Menschen in solche Welten abrutschen. Hinter großen Ereignissen vermuteten sie auch große Ursachen, sie suchen mitunter einen Schuldigen.

Oft geht es dabei um vermeintliches Geheimwissen: Man glaubt, durchschaut zu haben, was wirklich passiert, während alle anderen blind sind. Das verringert den Eindruck der Machtlosigkeit und steigert das Selbstwertgefühl. „Wir merken, dass Leute anfälliger sind, die selber ängstlich sind“, sagt Sabine Riede.

Häufig gibt es den Expert:innen zufolge eine Vorgeschichte. Etwa ein Hang zu alternativen Heilmethoden wie Homöopathie oder massive Vorbehalte gegenüber Impfungen. Vorzeichen einer beunruhigenden Entwicklung, die sich jetzt erst so richtig in Gang setzt.

Expert:innen raten davon ab, Verschwörungsgläubige für ihr abstruses Weltbild auszulachen.
Expert:innen raten davon ab, Verschwörungsgläubige für ihr abstruses Weltbild auszulachen. Alle Rechte vorbehalten sbamueller | Bearbeitung: netzpolitik.org

Deutliche Parallelen zum Beitritt zu einer sogenannten Sekte

Vieles von dem, was mit den Betroffenen geschieht, erinnert an den Beitritt zu einer sogenannten Sekte. „Es fängt ähnlich an“, sagt Giulia Silberberger, die selbst jahrelang bei den Zeugen Jehovas war, bis sie den Ausstieg schaffte. „Sekten predigen draußen, Verschwörungsideologen im Netz. Und Menschen, die in einer emotionalen Notlage sind, springen darauf an.“ In einem solchen Umfeld neige man dazu, verstörende Elemente der Wirklichkeit einfach auszublenden und Dinge zu glauben, die vollkommen widersprüchlich sind.

Wie bei sogenannten Sekten werden auch bei Verschwörungsideologien komplexe Sachverhalte auf einfache Erklärungen reduziert. Die Toleranz für anderslautende Meinungen schwinde, sagt Sabine Riede von Sekten-Info NRW. Mitunter würden Gläubige sogar aggressiv. Ein typisches Merkmal für beide sei die Unterteilung der Welt in Gut und Böse. „Das sollte einen schon misstrauisch machen.“

Am Ende schotten sich Betroffene womöglich ab und bleiben unter Gleichgesinnten. „Menschen können von einer Verschwörungstheorie so überzeugt sein, dass sie ihr ganzes Leben verändern und den Kontakt zu ihren Lieben abbrechen“, so Riede. „Das sind die gleichen Symptome, wie wenn jemand in eine sogenannte Sekte gerutscht ist.“

QAnon führte zu Gewalttaten und zerstörte Familien

Die Entwicklung der Anhänger:innen von Verschwörungsmythen rund um das Coronavirus steht erst am Anfang. Einen düsteren Ausblick auf ihre möglichen Folgen bietet indes die Erfahrung aus den USA mit QAnon.

Mike Rothschild berichtet von Angehörigen Verschwörungsgläubiger, die ihn kontaktiert hätten. Beziehungen, die darunter gelitten haben, Familien, die auseinander gerissen wurden. „Eine Frau hat mir erzählt, sie lasse ihre Tochter nicht mehr zu ihrer Schwiegermutter, weil diese ihr sonst QAnon-Videos vorspielt“, sagt Rothschild.

Das FBI warnte 2019, QAnon könnte Gewalttaten zur Folge haben. Geschehen ist das längst. In New York tötete ein Mann einen Mafiaboss mit sechs Schüssen, für seine Anhörung vor Gericht malte er sich ein Q auf die Handfläche. In Arizona blockierte ein Mann mit einem gepanzerten Auto eine Brücke, um das Justizministerium zu zwingen, einen Bericht zu veröffentlichen, im Namen von QAnon. Polizist:innen fanden in seinem Wagen Schusswaffen.

Seit dem Ausbruch des Coronavirus schreiten auch in Europa Verschwörungsgläubige zur Tat. In Großbritannien setzten sie 5G-Masten in Brand. „Verschwörungserzählungen sind handlungsleitend“, sagt Lamberty. Wer an vermeintliche Verschwörungen glaube, neige auch stärker zu Gewalt. Manche sehen darin auch eine Rechtfertigung, um politische Ziele mit Gewalt zu erreichen.

Gemeinsam über die dubiosen Informationen sprechen

Angehörige von Menschen, die neuerdings diesen Ideologien anhängen, sind regelrecht verzweifelt, sagt Sabine Riede. „Sie rufen unsere Beratungsstelle an und würden am liebsten ein Zauberwort hören, mit dem sie ihre Mutter oder ihren Vater wieder auf die rechte Bahn holen können.“ Aber so einfach ist es natürlich nicht.

Zunächst müssen Angehörige erkennen, wie weit die Entwicklung bei den Betroffenen fortgeschritten ist. Denn nicht jeder, der einen Link zu einer Verschwörungserzählung weiterschickt, ist bereits abgerutscht in die gefährliche Welt, die sich dahinter verbirgt.

Stehen die Angehörigen erst am Anfang, kann eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Mythen ein wirksames Mittel sein.

Riede rät, danach zu fragen, woher die Informationen stammen und sie zusammen aufzurufen, auch über die Quellen zu sprechen. Dazu gehört unter Umständen auch sich anzusehen, welche Inhalte auf der entsprechenden Website oder auf dem YouTube-Kanal darüber hinaus zu finden sind. Aus dem Zusammenhang kann den Angehörigen dann klar werden, dass sie einer Lüge aufgesessen sind – etwa weil es sich bei den Verfasser:innen der Artikel um bekannte Verschwörungsideolog:innen handelt, die sich selbst bereichern wollen.

Faktenchecks können helfen – aber nur zu Beginn

Häufig verbreiten sich die Erzählungen, weil Menschen die nötige Medienkompetenz fehlt. Sie können schlichtweg nicht einschätzen, wie glaubwürdig bestimmte Internetangebote sind. Um entgegen zu steuern, sollte man gemeinsam seriöse Nachrichtenangebote besuchen.

Tag für Tag nehmen Medien wie Correctiv oder Mimikama die Lügen rund um das Coronavirus mit Faktenchecks auseinander. Viele der Behauptungen, die durchs Netz geistern, haben sie bereits widerlegt.

So abstrus die Mythen aber auch sein mögen: Riede warnt davor, die Verschwörungsgläubigen für ihre Ansichten auszulachen oder wütend darauf zu reagieren. Stattdessen sollte man mit den Angehörigen auf Augenhöhe sprechen, sie ernst nehmen – auch dann, wenn es schwer fällt. Wem das nicht gelingt, der erreicht womöglich das Gegenteil des gewünschten Effekts. „Das wird eher zu einer Verhärtung der Fronten führen“, so Riede.

Dann wenden sich die Angehörigen womöglich von einem ab und einer anderen Gruppe zu. „Am Rande unserer Gesellschaft sind Verschwörungsideologen, die nur darauf warten, dass wir diese Menschen aus unserer Mitte ausschließen, damit sie sie aufnehmen können“, sagt Giulia Silberberger vom „Goldenen Aluhut“.

Das Ziel ist deshalb nicht, für jede falsche Aussage einen Gegenbeleg zu finden. Angehörige müssen geduldig sein. Die Meinung zu ändern, ist etwas, das Zeit braucht. Zudem will sich niemand vor anderen Menschen blamieren. Gerade Eltern könnte es Riede zufolge peinlich sein, vor ihren erwachsenen Kindern zugeben zu müssen, dass sie auf einen Verschwörungsmythos hereingefallen sind.

Verschwörungserzählungen haben mehr mit Gefühlen zu tun als mit dem Verstand

Ist die Entwicklung schon zu weit fortgeschritten, bringt auch das gut gemeinte Dagegenreden nichts mehr. Angehörige können dann nur noch an der Ursache ansetzen. Eben weil der Glaube an Verschwörungserzählungen eine Strategie ist, um Ängste zu bewältigen, hat er wenig mit dem Verstand zu tun, und viel mit Gefühlen.

Sabine Riede von der Sektenberatung zufolge gibt es verschiedene Merkmale, die darauf hindeuten, dass Angehörige diesen Punkt erreicht haben könnten. Zum Beispiel, wenn sie von einem kollektiven „Wir“ sprechen, das sich gegen „die“ stellt, häufig eine anonyme Elite, die vermeintlich im Hintergrund die Fäden zieht. Die Vorstellung deutet auf die „Neue Weltordnung“ hin, das angebliche Ziel der Verschwörer:innen. Bei dieser Ideologie verlaufen die Grenzen zum Antisemitismus fließend.

Die Behauptung, dass diese Schattenmacht längst Politiker:innen und sogenannte Mainstream-Medien kontrolliere, ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass jene nächste Phase des Verschwörungsglaubens erreicht ist. Oft konsumieren die Gläubigen zu diesem Zeitpunkt schon keine seriösen Nachrichten mehr, sagt Riede. Denn diese würden ihre Ängste bloß verstärken.

Sie beginnen damit, sich zu isolieren, begehen Realitätsflucht. Aus den anfänglichen Zweifeln ist ein neues Weltbild geworden. Für Argumente sind sie nun kaum noch zugänglich, weil sie sogenannte Bestätigungsfehler begehen: Informationen, die nicht ihren gefestigten Vorstellungen entsprechen, werden ausgeblendet. „Wer dann von außen mit einem Faktencheck kommt, ist der Feind“, so Silberberger. „Fakes werden dagegen als weitere Bestätigung für das schon bestehende Weltbild genommen.“

Das eigene Weltbild dekonstruieren

Also investieren die Betroffenen immer weiter in die Verschwörungserzählung, wollen andere von deren Richtigkeit überzeugen. Jeder Link, den sie auf Facebook oder Telegram teilen, mache es unwahrscheinlicher, dass sie bereit sein werden, sich davon zu lösen, wenn man sie mit gegensätzlichen Belegen konfrontiert, so die Psychologin Pia Lamberty. Sie schlägt vor, stattdessen vor allem Fragen zu stellen. Und den Angehörigen damit zu helfen, ihr eigenes Weltbild selbst zu dekonstruieren.

Die Sektenberatung verfolgt eine ähnliche Strategie. „Wir sprechen mit Menschen dann gerne über andere Ideologien, zum Beispiel Scientology. So lassen wir sie selber erkennen, was daran falsch ist“, sagt Riede.

Wer Angehörigen helfen will, muss herausfinden, warum sie Verschwörungserzählungen anhängen, was dieser Glaube ihnen bedeutet, und letztlich, was er ihnen bringt. „Im Gespräch merkt man, ob es beispielsweise eine Angst vor Impfungen gibt oder ob sich jemand vor allem wichtig machen will“, so Riede. „Wenn sich ältere Menschen wichtig machen wollen, sind sie oft schon sehr einsam und haben Angst, hilflos dazustehen.“

Menschen demonstrierten gegen die Corona-Maßnahmen, wie hier in Freiburg
Menschen demonstrierten gegen die Corona-Maßnahmen, wie hier in Freiburg Alle Rechte vorbehalten sbamueller | Bearbeitung: netzpolitik.org

Geschichten erzählen, Ängste abbauen

Viel lasse sich zudem mit emotionalen Anekdoten erreichen, am besten mit Bezug zu einem selbst. Schauermärchen über die angeblichen Folgen von Impfungen könnte man zum Beispiel begegnen, indem man klar macht, wie wenig man sich selbst vor diesen fürchtet, und welche gefährlichen Konsequenzen das Coronavirus für viele Menschen hatte, die daran erkrankt sind, weil es noch keinen Impfstoff gibt.

Schlussendlich geht es darum, den Betroffenen ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln, das sie sich andernfalls im Verschwörungsglauben verschaffen. Riede rät, ganz ruhig mit den Angehörigen zu sprechen. „Anteilnahme beruhigt einen Menschen mehr und löst ihn eher aus seinem Gedankengut als dagegen zu reden.“

Aber auch diese Strategie kann scheitern. Oft geschehe dies, wenn man anfangs zu lange gezögert habe und die Betroffenen bereits zu tief in diese Welt abgerutscht seien, so Riede.

Aber was dann? Besteht die Möglichkeit, zu akzeptieren, dass Angehörige dem Verschwörungsglauben verfallen sind?

Am Ende droht die Trennung

„Man kann das durchaus ausblenden“, sagt Silberberger. Im Fall ihrer eigenen Mutter bei den Zeugen Jehovas habe sie das schlussendlich getan. „Die Frage ist: Lässt einen die Person dann wirklich in Ruhe?“

Riede indes hält das höchstens für eine Übergangslösung. Sie rät dazu, zwischenzeitlich auch über andere Dinge zu sprechen, damit sich die Gemüter beruhigen können. Notfalls selbst eine Pause vorzuschlagen. Und dann womöglich abzuwarten, bis die Angehörigen von alleine wieder auf ihren Verschwörungsglauben zu sprechen kommen.

Eine Voraussetzung, um Betroffenen helfen zu können, ist Riede zufolge die emotionale Bindung zu ihnen. Deshalb sollte man diese nicht riskieren. „Wenn dieser Mensch sich schon mehr seinen vermeintlichen Freunden im Netz verbunden fühlt, kann man nicht mehr viel machen.“

Ist irgendwann schließlich eine Grenze erreicht, könne auch Sekten-Info NRW nur noch dazu raten, sich zurückzuziehen. Der Eintritt in sogenannte Sekten habe auch Scheidungen zur Folge. „Weil man irgendwann erschöpft ist und nach all den Versuchen, den anderen zu retten, nichts mehr geht“, sagt Riede. „Dann muss man mit der Trennung klarkommen – selbst, wenn es um ältere Leute geht, die überraschend in so etwas reingerutscht sind.“

Gegenrede im Netz

Am vergangenen Wochenende gingen in Deutschland Tausende auf die Straßen. Sie verharmlosen die Krankheit und fördern demokratiefeindliche Bestrebungen. Als Teil sogenannter „Hygiene-Demos“ protestierten sie gegen die Coronavirus-Maßnahmen der Regierung, Bill Gates oder 5G.

Diese Menschen sind ein wesentlicher Teil des Problems. Sie tragen das Virus der „Infodemie“ in sich, wie die Weltgesundheitsorganisation die Lügen schon Anfang Februar nannte. Ein Virus, mit dem sich auch die eigenen Angehörigen sprichwörtlich anstecken könnten wie mit Corona selbst.

Womöglich gibt es einen Weg, die Ausbreitung der „Infodemie“ zumindest zu verlangsamen. Auch wer selbst keine Angehörigen hat, die an die Verschwörungserzählungen glauben, kann die Kanäle aufsuchen, auf denen sie verbreitet werden – und dagegen halten.

Sabine Riede bezweifelt, dass man fremde Menschen so von ihrem Verschwörungsglauben abbringen kann. Die emotionale Bindung dazu fehlt. Aber die Mythen dürfen auch nicht unwidersprochen im Netz stehen bleiben. „Andere, die das lesen, merken so, dass doch nicht alle einer Meinung sind.“

Du möchtest mehr kritische Berichterstattung?

Unsere Arbeit bei netzpolitik.org wird fast ausschließlich durch freiwillige Spenden unserer Leserinnen und Leser finanziert. Das ermöglicht uns mit einer Redaktion von derzeit 15 Menschen viele wichtige Themen und Debatten einer digitalen Gesellschaft journalistisch zu bearbeiten. Mit Deiner Unterstützung können wir noch mehr aufklären, viel öfter investigativ recherchieren, mehr Hintergründe liefern - und noch stärker digitale Grundrechte verteidigen!

 

Unterstütze auch Du unsere Arbeit jetzt mit deiner Spende.

82 Ergänzungen
  1. Ich verstehe das nicht wirklich. Mit meinen 58 Jahren gehe ich stramm auf die 60 zu und habe eher den Eindruck, immer weniger Verschwörungfantasien zu glauben. Mir ist Erkenntnis wichtiger als ideologische Sicherheit.
    Meiner Erfahrung nach führt direkte Konfrontation nie zum Umdenken, ich halte sie in öffentlichen Medien aber dennoch für wichtig, da man dadurch vielleicht den einen oder anderen (nicht direkt angesprochenen) Mitläufer/leser erreicht.
    Am ehesten wird man im direkten Kontakt einen Menschen mit Methoden der „Street Epistemology“ erreichen, die auf gegenseitiges Verständnis und Hinterfragung der eigenen Philosophie ausgerichtet sind.
    Langfristig wird meiner Meinung nach nur helfen, wenn es an allen Lehreinrichtungen ein Fach „Kritisches Denken“ oder wenigstens ein Fach „Medienkompetenz“ gibt.

    1. „[…]Langfristig wird meiner Meinung nach nur helfen, wenn es an allen Lehreinrichtungen ein Fach „Kritisches Denken“[…]gibt.“

      Der war gut…
      Damit würde sich ja das Verwertungssystem, welches in der Schule bereits in die jungen und relativ schutzlosen, weil meist orientierungslos, Hirne eingetrichtert wird selbst zerstören.

  2. Das Problem der Verschwörungstheorien halte ich nur in wenigen Fällen für ein „hausgemachtes“ diverser Esoteriker. Solche Theorien hat es schon immer gegeben, weil das Unerklärliche das Unheimliche nährt („Hexenverfolgung“, „Ufo-Mythen“ usw.). Heute dominiert das aufgrund der doch im Gegensatz zu früher vermehrt vorhandenen Aufklärungsmöglichkeiten zwar nicht so, stattdessen gibt es einige andere, wesentliche Aspekte, die eine Rolle spielen:
    1. Die (zu schnelle) Entwicklung des technischen Fortschritts – im Gegensatz zum gesellschaftlichen.
    Jahrzehntelang, und in den letzten Jahren durch den Neoliberalismus besonders extrem, haben Regierungen (auch unsere) das „höher, schneller, weiter, immer besser“ ausschliesslich auf diesen Bereich fokussiert. Wenn alle drei Monate ein neues Smartfone schon fast sektiererisch (an)gepriesen wird, es aber 50 Jahre dauert, bis LSGBTI gleichberechtigt werden und gleichzeitig humanistische Gymnasien aus „Effizienzgründen“ in naturwissenschaftlich-technologische umstrukturiert werden, dann kann etwas in der vielzitierten Bildungslandschaft nicht stimmen. Sachanalyse des Neuen, Argumentationsfähigkeit, Konfliktlösung, Erziehung zu Toleranz, Gemütsbildung, Erziehung zu analytischer Diskussionsfähigkeit schon im Schulalter, und andere doch sehr wichtige, gerade für unsere seit 1949 demokratische Gesellschaft sich als elementar erweisende Werte wurden und werden zugunsten dieses rein profitorientierten Effizienzdenkens eminent vernachlässigt. Es ist aber erwiesen, dass die eben angesprochenen Erziehungskriterien Menschen davon abhalten, blindlings alles zu glauben, was Werbung, Medien, Mystiker usw. gerne als „Wahrheit“ verkaufen, sondern sie dazu bringen, die Inhalte mit gesundem, nach Kenntnis strebendem Verstand kritisch zu prüfen und zu hinterfragen. Hier tragen (Bildungs-)Politiker eine erhebliche Mitschuld – beispielhaft sei die (mittlerweile wieder rückgängig gemachte) Verkürzung der Gymnasialschulzeit auf acht Jahre genannt, nur um zugunsten der Wirtschaft durch einen Lehrplan zu hetzen anstatt Zeit für oben genannte Ziele zur Verfügung zu stellen.
    2. Die (wieder) vermehrte Mischung politischer Inhalte mit religiösen bzw. die Idealisierung letzterer.
    Wenn aus rein parteipolitischen Gründen der Papst im Bundestag spricht, ist das für eine Gesellschaft, die eine Trennung von Kirche und Staat vorsieht, ein denkbar falsches Signal. Religion, Mythen und sektenartige Strukturen samt Theorien sind für viele Menschen oft schwer voneinander zu trennen. Es wäre sehr hilfreich, wenn in Politik, Gesellschaft und vor allem den Schulen darauf geachtet würde, diese Themen neutral, wissenschaftlich-aufklärend durch ausgebildete Fachkräfte für alle (!) Religionen und Konfessionen zu behandeln. Mit „Fachkräften“ sind keine Pfarrer, Imame oder Mönche gemeint, sondern Religionslehrer, die objektiv und glaubensneutral sämtliche Aspekte des Religiösen, Sektenhaften und Mythischen thematisieren und zu kritisch-reflektierendem Denken darüber zu erziehen.

    3. Warum nehmen Verschwörungstheorien überhand?
    Weil sie imho aus einem Ohnmachtsgefühl resultieren. Wenn wirtschaftlich-kapitalistische Strukturen zu einer immer größeren Machtfülle einzelner Personen führen, wenn ein größerer Konzern aus reiner Gier alle anderen schluckt, wenn damit wenige Personen mit ihren Vorstellungen und Produkten über unendlich viele Menschen entscheiden bzw. sie zu beeinflussen versuchen, wenn die Politik das auch noch gutheisst und begünstigt („TTIP“), wenn dies auch noch im Geheimen geschieht und dadurch der Eindruck des „Mysthischen“ entsteht, gegen das man sich nicht wehren kann, wenn Kontrollgesetze geschaffen werden, die den Bürger langfristig in den Punkt 1 beschriebenen Bildungsfunktionen mental einschränken, dann resultiert daraus ein OHNMACHTSGEFÜHL gegenüber genau diesen sog. „Entscheidern“, denen sich der Einzelne konsequenterweise völlig ausgeliefert sieht. Die Verschwörungstheorien sind daher nur in den seltensten Fällen ein Syndrom bestimmter Einzelpersonen, sondern vielmehr ein Symptom einer ganzen Reihe Fehlentwicklungen, die von der Politik geflissentlich ignoriert und sogar gefördert werden – sei es aus Starrsinn, Unkenntnis oder beidem!

    Solange in der Politik darüber nicht nachgedacht wird und der Wille zur Erkenntnis über gesellschaftliche, komplexe Prozesse nicht reift, wird sich an der Situation nichts ändern – im Gegenteil!

    1. Teile der Politik haben kein Interesse an einer Aenderung: Leute wie Trump, Johnson, Orban, Bolsonaro sind ja durchaus sehr erfolgreich und gut fuers Geschaeft. Die eigenen Verrueckten waehlen einen und die gegnerischen Verrueckten sind halt alle verrueckt und damit ein klasse Feindbild, und alle sonstwie gegnerischen Leute natuerlich auch.

      Man sollte da mE nicht zu sehr auf „die Politik“ bauen, das muss schon massiv aus der Zivilgesellschaft kommen. Dann passt sich Politik dem (wieder) an.

      Man sollte leider auch nicht zu sehr auf „die Medien“ bauen. Denn die leben primaer von moeglichst zugespitzten Positionen und Konflikten, und zumindest die meisten privaten haben klare eigenen Interessen zu vertreten.

      1. Schließe mich den Vorrednern an! (Schöne Kommentare)

        Das Problem ist das Widerstreiten von mehreren in ihren eigenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zwängen gefangenen Gruppen. Eine recht komplexe Gemengelage, die man gerne vereinfacht indem man lustigerweise den wenigen, die sich entgegen der üblichen Zwänge verhalten, die Rolle des „Bösen“ in der Geschichte unterjubelt.
        Denn wenn Gates und Soros sich nicht nach 0/815 Marktideologie verhalten, muss ja etwas nicht stimmen? (Der eine versucht Polio weltweit zu heilen? Der andere tritt für allgemeine Menschrechte ein. Da muss was anderes dahinter stecken)1!11 . Neoliberale Ideologen (FAZ-Wirtschaftsredakteure, DIW und Co.) und dazu passende popkulturelle Erzählungen (hier spielen Filme, Bücher, Endzeit-Serien und Spiele ein große Rolle) preisen und verbreiten ja – offensichtlich recht erfolgrich -, dass jeder Mensch ausschließlich egoistisch handeln würde.

    2. „Mit „Fachkräften“ sind keine Pfarrer, Imame oder Mönche gemeint, sondern Religionslehrer, die objektiv und glaubensneutral sämtliche Aspekte des Religiösen, Sektenhaften und Mythischen thematisieren und zu kritisch-reflektierendem Denken darüber zu erziehen.“

      Soll das ein Witz sein?
      Religion, Esoterik, Sekten, das ist alles das selbe!
      Religionslehrer mit kritisch-reflektierendem Denken gibt es nicht, sonst wären sei ja keine Religionslehrer!

      Dieser Gehirnwäsche-Unterricht muss endlich aus allen Schulen verbannt werden, das fordern humanistische Verbände schon seit Jahrzehnten.
      In der Politik ist das auch angekommen, bei den Piraten in Hessen z.B.:
      https://www.piratenpartei-hessen.de/blog/2020/05/11/bekenntnisgebundener-religionsunterricht-ist-gescheitert/

      Es ist einfach nur lächerlich und zeugt von Evolutionsverweigerung, wenn 100 Jahre nach Einführung der sogenannten „Weltlichen Schule“ Leuten immer noch blöken, dass man Wahnhafte Leute als Lehrer bräuchte!
      https://hpd.de/artikel/startschuss-fuer-jubilaeumsjahr-weltliche-schule-18053

      Hier noch was medizinisches zu Leuten wie Naidoo:
      https://hpd.de/sites/hpd.de/files/field/popup_bild/naidoo_perscheid.jpg

      1. Ich selber hatte Religionsunterricht in der Mittelstufe bei einer Angehoerigen einer evangelikalen Freikirche, in der Oberstufe dann freiwillig bei einem katholischen Priester. Letzteres haben noch ein paar andere Schueler mit atheistischem oder nicht-christlichen Hintergrund gemacht.

        Beide Lehrer waren zutiefst von ihrem Glauben ueberzeugt und gleichzeitig voellig fern von missionarischen Einfluessen. Wir haben in der Mittelstufe ausfuehrlich und sehr offen die Weltreligionen durchgenommen, dazu viel Ethik, viel Reflektion, sehr viel auch kontroverse Diskussion. Die Oberstufe war dann mehr Theologie, mit einem intellektuell fordernden Konservativen als Lehrer, der regelmaessig die Hirtenbriefe des eher reaktionaeren lokalen Bischofs verriss.

        Bewertet wurde letztlich Wissenserwerb, Reflektion und Diskursfaehigkeit. Nicht bewertet wurden eigene Ueberzeugungen oder gar Glauben. Vermutlich habe ich Glueck gehabt, jedenfalls habe ich dort viel gelernt, im Bezug auf Wissen, Bildung und Persoenlichkeit.

        Nichtsdestoweniger plaediere ich klar fuer einem Ersatz des Religionsunterrichts durch Ethik, wobei die Grundlagen und Grundzuege der Weltreligionen natuerlich weiterhin im Unterricht abgedeckt und diskutiert werden muessen: es sind wichtige Teile von Weltgeschehen und Weltverstaendnis.

        1. hs, ultima ratio: Genauso meinte ich das auch. Man könnte auch den im letzten Absatz von hs beschrieben Vorschlag in einem kombinierten Ethik-Religionsunterricht umsetzen. Mit den im ersten Post beschriebenen Religionslehrern meine ich keineswegs „wahnhafte“ Indoktrinierer, sondern die – wie hs es richtig beschreibt – neutral und wissenschaftlich unterrichten sowie alle Aspekte des Themas kritisch beleuchten.

  3. Warhead
    Medienkompetenz ist ungemein wichtig.
    Ich hab beim Film Requisite gemacht,früher hab ich Kunstvideos und Installationen erstellt.
    Die hatten das Thema Tarnung,Täuschung,Manipulation,Verwirrung und Kaschierung.
    Wenn man erzählt das die Chaostage von Hannover nichts anderes waren als ein zusammengezimmerter Hoax,der erdacht war von einem lockeren Zusammenhang von vielleicht zwei dutzend Leuten die ihren schrägen Phantasien freien Lauf liessen,sich das zuschickten und ergänzten und irgendwann Nagel den ganzen Unsinn auf seiner Seite veröffentlichte,dann muss einem im Nachhinein Angst und bange werden.
    Die Presse übernahm den ganzen irren Scheiss,druckte das,die schrieben voneinander ab,erfsnden sogar noch Sachen dazu,Flugblätter die die Vergewaltigung von Polizistinnen ankündigten.Die hat nur niemand gesehen

  4. Das grosse Leitbild der westlichen Politik ist der Neoliberalismus, also eine Sekte mit irrationalem Glaubenskern und dem Ziel der Bereicherung der Sektenfuehrer. Politiker wie Axel Voss kommen mit voellig irrationalen Zielen durch. Jemand wie Trump ist POTUS. Die NRW-Landesregierung laesst sich von einer PR-Agentur engagieren, ein Bundesminister Scheuer verschenkt gleich 500Mio. Die vermeintlichen VT zur Ueberwachung durch Geheimdienste haben sich als Tatsache herausgestellt. Das wird von Medien wie der Politik als voellig normal und letztlich unausweichlich und „gut“ positioniert. Wenn jemand das so gewohnt ist: warum sollte irgendeine andere irre Vorstellung da weniger plausibel sein?

    Das Erzaehlen irrationaler und widerspruechlicher Narrative ist ebenso wie das Nutzen jeder Chance zum eigenen Vorteil unter Vorspiegelung des Gegenteils zur Normalitaet weiter Teile der gesellschaftlichen Eliten geworden.

    Und natuerlich gibt es die VT, dass VT gerade so massib gehypt wird, damit man alle Abweichler vom Mainstream als VT disqualifizieren kann ;-)

  5. Man darf nicht vergessen das die Verschwörungstheorie von einer angeblichen „Jüdischen Weltverschwörung“ zum Holocaust geführt hat. Diese Verschwör-Schwurbel Theorie war fester Bestandteil der Nazi Ideologie.

    VTs sind daher als etwas anzusehen das extrem gefährlich ist für die Demokratie und die Freiheit und deshalb hart bekämpft werden müssen.

  6. Die Entwicklung bei Betroffenen folgt an sich im Wesentlichen gängigen Modellen der Konflikteskalation, z.B. nach F. Glasl.
    Es handelt sich jedoch um eine Vielzahl an Individuen mit z.T. erheblicher Ungleichzeitigkeit der Entwicklungsschritte, gleichzeitig bildet die sozialmediale „Szene“ einen gemeinsamen Rahmen, so dass hier nichtlineare Verläufe und insgesamt eine starke Entwicklungsdynamik beim Einzelnen begünstigt werden. Als überindividuelles und öffentliches Geschehen ist erwartungsgemäß die Positionierung („wir/die“, Dämonisierung…) früh und stark ausgeprägt, sie funktioniert in diesem gesellschaftlich-öffentlichen Rahmen als Selbstvergewisserung einfach zu gut und wird auch in besonderem Maße benötigt.
    Selbstkritisch ist zu bemerken, dass zB pauschale und geringschätzige Zuschreibungen (Aluhut, Verschwörungstheoretiker…) bei Licht betrachtet genau die gleichen Eskalationsmechanismen bedient…

    1. Nach deiner Theorie ist also ein Arzt, der eine Krankheit bei einem Kranken diagnostiziert, selbst ebenfalls an dieser Krankheit erkrankt und zwar deshalb weil er die Diagnose getätigt hat… ja nee is‘ klar digga… *facepalm*

  7. …momentan von älteren Menschen zu sprechen die ’sich abschotten‘ ist eine Frechheit unter dem Anbetracht der Tatsache, dass vor allem ältere Menschen durch politische Maßnahmen gezielt isoliert wurden. Eine sachlich fundierte Auseinandersetzung zur Verhälnismäßigkeit der derzeitigen Maßnahmen wäre angebracht. Dein nächster Artikel kann nur besser werden Daniel.

  8. Ich hatte die Erfahrung in Bezug auf Klimawandel mit einem guten Bekannten (und mittlerweile auch Kollegen) gemacht. Auf jedes Dekonstruieren der Behauptungen folgt nicht etwa eine Auseinandersetzung mit den Argumenten, sondern neue wirre „Belege“, bis ich dann aufgegeben hab. Und da waren nahezu alle namentlich dabei, von denen ich in diesem Zusammenhang schon gehört/gelesen hatte. Irgendwann gibt man auf, weil man einfach nicht durchdringt und eben keine Diskussion stattfindet.

    Aber mich stört in dem Zusammenhang der Terminus „Verschwörungstheorie, und das gleich doppelt: zum einen ist die „conspiracy theory“ als Begriff zur Verleumdung in die Welt gesetzt worden, zum anderen edelt „Theorie“ das krude Gedankengebilde in Anlehnung an wissenschaftliche Theorien, mit denen das nun gar nichts zu tun hat. Verschwörungsmystik (hab ich irgendwo aufgeschnappt) ist imho viel passender.

    Und (nicht ganz ernst gemeint) wie kann ein Mike Rothschild dazu sachlich forschen? Der muss doch Teil der Verschwörung sein!!!einself!!!

    1. Als ich gelesen habe, dass ein Mike Rothschild zu Verschwörungstheorien forscht, habe ich spontan Mitleid mit dem Redakteur der Kommentarsektion bekommen… ;-D

      Musste da an ein Gespräch mit einem irischen Farmer in einer spanischen Sauna vor zwei Jahren denken:
      Nachdem er erklärt hat, dass die EU mit seinem Land im Krieg stehen würde, kamen alle anti-jüdischen Verschwörungstheorien auf den Tisch, die man sich nur vorstellen kann. Natürlich durfte der Name Rothschild nicht fehlen.
      Unnötig zu erwähnen, dass er keinerlei Ahnung von der Entstehung des modernen Bankwesens in Italien, die Bedeutung und den politischen Einfluss deutscher Handelshäuser (Fugger etc.) oder das Ausboten von jüdischen Hoffinanziers seit dem späten Mittelalter durch deren Auslöschung und Pogrome (u. a. unter König Karl IV. oder Friedrich II. von Sachsen) hatte.
      Die Diskussion gipfelte in seiner Aussage, dass Hitler ja mit der Vernichtung der Juden wenigstens ‚etwas Gutes getan‘ hätte, das würde ‚man später noch erkennen‘.

      Hier sieht man m. E. die Verkettung von zwei Motiven:
      Das nicht anerkennen wollen, der eigenen Mitschuld, welche die Iren bzw. die Wirtschaftspolitik ihrer mehrheitlich gewählten Regierung (Steueroase für Black Boxes, laxe Aktienmarktaufsicht/-regulierung, Förderung des Verkaufs von Schrottaktien etc.) am Schuldencrash trägt und gleichzeitig das Bemühen, die Schuld möglichst etablierten Feindbildern in die Schuhe zu schieben. Im katholischen Irland kann das freilich nur eine Gruppe sein…

  9. Ein wichtiger Punkt ist, dass Verschwörungstheorien meistens auf einer realen Fragestellung oder einem realen Problem beruhen. Nehmt die Story von den Impf-Implantaten: Ich stelle mal ein paar Fragen in und Leute, entscheidet mal wo die Wahrheit aufhört und wo die Verschwörung beginnt: 1) haben wir Vermögensungleichheit in dieser Gesellschaft? 2) bewirkt diese Ungleichheit eine ungleiche Teilhabe an der Gesellschaft? 3) kann sich diese Ungleichheit auch auf die Medienlandschaft auswirken? 4) beeinflussen Medien gezielt die Meinung im Interesse einer vermögenden Oberschicht? 5) Steuert Bill Gates die Medien? 6) will er mit Impf-Implantaten und Geheim-Gefängnissen die geheime Weltherrschaft an sich reißen?

    Was ich mit dieser Kette an Fragen verdeutlichen möchte: Es gibt meistens eine reale Wurzel, ein reales Problem für Verschwörungstheorien. Zieht die reale Wurzel, dann werden auch keine seltsamen Gewächse mehr an die Oberfläche treiben. Wer jedoch Neoliberalismus und Privatisierungstriaden vehemment verteidigt und sich gleichzeitig dann über zunehmende Popularität von Populismus, verkürzten Darstellungen und Verschwörungstheorien aufregt, macht sich aus meiner Sicht unglaubwürdig. Würden die Medien die soziale Ungleichheit und konkret jetzt, die problematischen Auswirkungen der Beschränkungen der Demokratie und Grundrechte offener und kritischer diskutieren, wäre das ganze Verschwörungsgedöns wahrscheinlich erst gar nicht aufgekeimt. Also JA, Verschwörungstheorien muss man bekämpfen, aber JA dazu zählt auch Selbstkritik der großen Medienhäuser und eine ehrliche Hinterfragung möglicher gesellschaftlicher Ursachen, sprich Kapitalismuskritik. Es ist seit jeher eine Kernaussage linker Kapitalismuskritik, dass starke Vermögensungleichheit zu Demokratie- und Teilhabedefiziten führt, und damit zu sozialen Spannungen die wiederum Nährboden für Nationalismus, Rechtspopulismus und Verschwörungstheorien sind.

  10. Warum soll man sich wundern, dass Verschwörungstheorien eine solche Hochkonjunktur haben, wenn es nachweisliche „Massenlügner“ in Positionen von Minister- und US-Präsidenten schaffen?

    Das Problem ist doch ganz offensichtlich, dass Wahrheit und Lüge für einen Großteil der Bevölkerung entweder belanglos oder ununterscheidbar geworden sind.

    Und wie weit diese Inkompetenz der Masse geht, könnte sie auch selbst erkennen: Was ist mit Assange, Manning und Snowden? Die haben Wahrheiten verbreitet und wurden mittelalterlich wie Ketzer oder Schwerverbrecher von „unseren“ Rechtsstaaten verfemt und aus der öffentlichen Wahrnehmung verbannt. Die Wahrheit wurde für jeden sichtbar eingesperrt (Manning, Assange) oder konnte sich aus dem Westen in den Osten flüchten. Und gleichzeitig erklären höchste Politiker Skandale für beendet und die veröffentlichte Wahrheit für irrelevant. Oder es werden kriege mit Millionen Toten angefangen(!), die nachweislich auf Lügen basierten. Die Lügner (z.B. Herr Powell) geben ihre Lügen sogar offen zu und bleiben trotz angeblicher Rechtsstaatlichkeit sarkosant.

    Wie kann das offenkundige Versagen des westlichen Rechtsstaats-Versprechen folgenlos bleiben? Die Wahl eines kognitiv benachteiligten Herrn Trump zum US-Präsidenten (und die Akzeptanz seiner Person als Welt-Führer ..) setzt dem ja nur die Spitze auf.

    Wenn man schon am Psychologisieren ist, dann darf man nicht unterschätzen, welche Unsicherheit mit der offenkundigen Erosion unseres Rechtssystems einher geht – indem die Lüge nicht nur hoffähig ist, sondern auf der wirtschaftlichen Ebene auch Teil von Unternehmensstrategien sind (a-soziale „Steuervermeidungen“ oder ganz dreist „too big to fail“-Strategien als USP ..).

    Mit der

    * ökonomischen Einhegung der traditionellen Medien,
    * der fehlenden Transparenz des Staates,
    * den mauernden Beamten-Zeugen,
    * seitenweise geschwärzten Akten in Gerichtsprozessen,
    * bei „Watchdogs mit Maulkorb“ und
    * öffentlich kastrierten Whistleblowern

    und der Tatsache, dass mächtige Menschen in Rechtsstaaten(!) sowohl öffentlich als auch unsanktioniert lügen können, wirft unlösbare Widersprüche aus.

    Ist es also nicht die Erosion des „westlichen Wertesystems“, die labile Menschen keinen Unterschied zu irgendwelchem Quatsch über Chemtrails oder einer 6000-jährigen Menschheitsgeschichte erkennen lässt?

    1. Du hast ja in vielem Recht, deine Kritik ist mir aber zu pauschal. Lügen in der Politik gibt es nicht nur im „westliche Wertesystem“. Weite Teile der Weltpolitik bauen darauf, unabhängig von ideologischen Standpunkten. Dass „der Osten“ Whistleblowern aus dem Westen Asyl gewährt, wäre möglicherweise kurz nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ ganz anders entschieden worden, es kam aber in diesem Fall Putin (der ja bekanntlich immer die Wahrheit sagt) in der gegebenen Situation sehr entgegen – zum Glück für Snowden.

      Ich kann auch nicht so pauschal das „offenkundige Versagen des westlichen Rechtsstaats-Versprechen“s erkennen. Es gibt auch keinerlei Einheitlichkeit oder Vergleichbarkeit der Justizsysteme. Die angelsächsisch geprägte Rechtsprechung basiert im Zweifel auf Präzedenzfällen, in den USA herrscht darüber hinaus das Denken von Sieg oder Niederlage. In Deutschland mahlen
      die Mühlen oft zu langsam, einige Mühlsteine mögen sogar in ihrer Wirkrichtung vorgeprägt sein, aber in Summe ist die postulierte Unabhängigkeit der Justiz dennoch erkennbar. Was mir mehr Sorgen bereitet, ist das Wahlverfahren für unsere höchsten Richter.

      Ja, ich gebe dir auch Recht hinsichtlich des von zunehmender Schamlosigkeit, Machtgeilheit und offenkundig vom Gefühl der eigenen Unverletzlichkeit geprägten Verhaltens einiger (ja, auch etlicher) Vertreter der politischen Kaste. Wenn ich über die Grenzen schaue ist das aber nicht auf das westliche Wertesystem beschränkt. Fast überall sind Macht und Reichtum die Transmissionsriemen dieses Verhaltens. In Systemen mit halbwegs funktionierender Freiheit der Berichterstattung werden die Brüche zwischen dem ideologischen Überbau und der schnöden Realität lediglich offenkundiger.

      Das Prinzip der Lüge in der Politik ist tief verwurzelt und wir brauchen daher möglichst viel Transparenz. Gesellschaftliche Kontrolle und unabhängige Medien, die mit unterschiedlichen Standpunkten die Aussagen hinterfragen und bewerten, gehören auf jeden Fall dazu. Würden wir alle aber jederzeit unseren Gegenüber unverblümt mitteilen oder zeigen was wir gerade so denken…

      Letztlich unterliegt auch die Justiz der Opportunität. Gesetze werden immer interpretierbar sein und sind damit der Sicht des vorherrschenden Zeitgeistes ausgesetzt. „Eierdiebe“ können davon genauso profitieren (die Gefängnisse sind viel zu voll, die Justiz überlastet) wie jene, die Bestandteil des politischen Balanceaktes einer Koalition sind.

      Wenn Menschen offenkundig und objektivierbar irren Ideen anhängen, dann ist das Phänomen mit Sicherheit nicht die Folge unseres Wirtschafts- oder Rechtssystems. Lautstärke war schon immer gut für den Erfolg, beim Verkauf, wie bei der der Propagierung von Meinungen. Das war schon bei den (fast ausgestorbenen) Marktschreiern so. Bildung mag zwar bei hilfreich sein, ist aber kein absoluter Schutz vor Irrwegen des Denkens.

      Ob Trump nun gaga ist oder nicht (nur als Beispiel), spielt keine Rolle. Er versteht offenkundig hervorragend die Bedienung der Trigger seiner Wählerschaft, das Wahlsystem (the winner takes it all) hat auch einen Beitrag an seinem Erfolg und letztlich ist er gewählt worden. Egal, die Verweildauer ist endlich.

  11. Guter Artikel, der gibt Impulse. Ja, darüber reden hilft, um Ängste zu nehmen.
    Unsere Gesellschaft sollte sich derzeit nicht wundern, wenn es zu Verschwörungen kommt. Denn die Politik hat ein Meinungsvakuum- und im übrigen auch ein Faktenvakuum- geschaffen. Frau Merkel hat Kritiker*innen der Corona-Massnahmen in Grund und Boden geredet. Sogar die Oppositionsparteien im Bundestag waren auf Regierungslinie (entnehme ich den Sitzungsprotokollen des Bundestages). Diskurs über Corona und die Massnahmen waren TABU. Die Medien haben dieses Credo auch übernommen. Das jetzt diese Diskussionen übersteigert werden, zeigt für mich, dass sich bei vielen Menschen eine Menge auch an Frust und Angst aufgestaut hat.
    Ich denke, dass müssen wir jetzt aushalten. Wir sollten als Gesellschaft aber auch eine Gegenöffentlichkeit schaffen und die wirklichen relevanten Kritikpunkte an den Corona-Massnahmen herausarbeiten. Sonst kommen wir zu nix!

  12. „[…]Langfristig wird meiner Meinung nach nur helfen, wenn es an allen Lehreinrichtungen ein Fach „Kritisches Denken“[…]gibt.“

    Der war gut…
    Damit würde sich ja das Verwertungssystem, welches in der Schule bereits in die jungen und relativ schutzlosen, weil meist orientierungslosen, Hirne eingetrichtert wird selbst zerstören.

  13. Was mich an diesem Artikel ein wenig stört, ist die Pathologisierung des Begriffs Verschörungstheorie. So als wäre es eine Krankheit wie Alzheimer oder Depression, mit einem klar definierten Befund.
    Ich meine, wer entscheidet denn, wo investigativer Journalismus aufhört und Verschörungstheorie anfängt? Da wird oft alles in einen Topf geworfen.
    Ich meine: Die Warscheinlichkeit dass ein Bill Gates vielleicht doch nicht der ist, der er vorgibt zu sein, ist schon etwas größer als dass wir morgen erfahren werden, dass die Erde tatsächlich eine Scheibe ist. Da wird oft überhaupt nicht differenziert.
    Ja, man kann die Welt nicht in Gut und Böse oder Schwarz und Weiß einteilen, dazu ist sie viel zu komplex. Und genau aus diesem Grund kann eine heute abenteuerlich wirkende Theorie, wie schon so oft in der Geschichte, sich durchaus letztendlich als wahr erweisen

    1. Wer sollte Bill Gates denn dann sein, wenn nicht der, „der er vorgibt zu sein“? Ein Echsenmensch? Nirgendwo in dem Artikel werden Verschwörungserzählungen mit Krankheiten gleichgesetzt. Höchstens mit dem Beitritt zu einer sogenannten Sekte.

      Weil du gefragt hast: Verschwörungserzählungen beruhen auf vermeintlichen Belegen, die sich allerspätestens auf den zweiten Blick als erfunden entpuppen, als Fehlschlüsse, Missverständnisse. Für investigativen Journalismus ist das zu dünn.

      1. Man kann es sich natürlich immer leicht machen, wenn man sich ausschließlich an das bislang Belegte (und in der Corona-Krise das Vermutete (!) ) hält und alles andere als dummen Quatsch abtut. Mit Sicherheit bergen fantastisch anmutende Spekulationen und Mutmaßungen das Potenzial, unhinterfragt als faktisch wahr angenommen zu werden und völlig unangemessenes Denken und Handeln zu motivieren.
        Die Frage ist bloß: Möchte man sein (kritisches) Denken gänzlich abschalten, um in keinem Fall auf „böse“ Gedanken zu kommen, oder wäre es ein Kompromiss, in unterschiedliche Richtungen zu denken, mit dem Grundsatz, dass nicht alles was argumentativ schlüssig ist, auch Realität ist und es mehr als die beiden Kategorien „naheliegend und logisch“/ „verschwörungstheoretisch und abwegig“ gibt?
        Sonst kann man sich natürlich auch freiwillig Scheuklappen aufsetzen und alles, was nicht dem Kanon der vernünftigen Mehrheit entspricht und inhaltlich „schwierig“ ist, in die Peripherie des Sagbaren verbannen. Man beschneidet damit aber in jedem Fall das unzensierte, hinterfragende Denken, das sich eben nicht daran orientiert, welches politische Lager oder welche Gesellschaftsschicht sich ähnlicher Gedanken bedienen könnte, sondern das danach fragt, was denkbar und vielleicht möglich ist.
        Wenn man kritisches Denken zulässt, kommt man zu Schlüssen, wie dem, dass es keinen vernünftigen Anhaltspunkt dafür gibt, dass die Corona-Pandemie „von oben“ gesteuert wird und dass man Bill Gates in Frieden lassen kann. Aber dass es sehr wohl denkbar ist, dass in einer Zeit der allgemeinen Verunsicherung und Anspannung, dem Bedürfnis nach Sicherheit und Orientierung, fragwürdige Entscheidungen in der Politik gefällt werden. Und dass es auch ohne einen zweifelhaften großen Plan (plandemie) immer Profiteure gibt und man sich fragen sollte, wen man da etwas genauer unter die Lupe nehmen sollte.
        Wenn aber das kritische Denken, das vernunftbasierte Inbetrachtziehen möglicher Nebenwirkungen sofort mit anrüchigen Ettiketten versehen und aussortiert wird, betreibt man eine geistige Selbstbeschneidung, die einem mündigen Menschen nicht gerecht werden kann.

        Zum Thema Verschwörungstheorien und Plausbilität noch ein kleiner Verweis:
        Hätte man mit dem unbedingten antiverschwörungstheoretischen Mindset von heute im Jahr 1972 von der Behauptung gehört, dass der Verfassungsschutz höchstpersönlich an den RAF-Anschlägen mitgewirkt hat, wie wäre da wohl das Urteil ausgefallen…?
        Und wie schaut es heute aus, wenn man nach langjährigen Nachforschungen zu genau diesem Schluss kommen darf, mit dem Okay der anständigen Wissenschaft?
        Nur weil etwas gegenwärtig abstrus erscheint, macht es das nicht unmöglich. Das ist in einer komplexen Welt, die nicht auf Schienen läuft, nun mal so.
        Sapere aude!

        1. Niemand redet davon, nicht kritisch zu hinterfragen. Meine Artikel-Historie belegt, dass auch ich mich mit Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus kritisch beschäftigt habe, z. B. der Übermittlung von Coronalisten an die Polizei, über die wir für zwei Bundesländer hier als Erste berichtet haben. Aber darum geht es in diesem Artikel nicht: Es geht um Bill Gates, um 5G, um angebliche große Geheimpläne zu Zwangsimpfungen usw., die beim näheren Hinsehen in sich zusammenkrachen – wenn man noch klar sieht. Eine Pandemie ist doch keine Einladung zu Ratespielchen. Wer dann trotz fehlender Belege an solchen Erzählungen festhält, ist Verschwörungsmythen verfallen.

      2. Werter Herr Laufer,

        er, Steffen, meint sicherlich, daß die Beweggründe des Herrn Gates weniger altruistisch sind, als sie dargestellt werden. Das ist so offensichtlich, daß ich die „Echsenmensch“-Erwiderung nur bedauerlich finden kann.
        Natürlich erweckt der Artikel den Eindruck, Anhänger von Verschwörungstheotien haben geistige Defizite, krankhafte Abweichungen, da sie sonst der Theorie nicht folgten.
        Letztlich sind die hochgelobten seriösen Medien doch nur seriös, weil sie es selbst von sich behaupten. Es gibt auch den schönen Begriff der Leitmedien. Es stellt sich die Frage, warum ein selbständig denkender Geist der Leitung bedarf?
        Es ist ähnlich wie bei den Religionen. Jede bezichtigt die andere der Falschheit mit der Begründung: die einzig wahre Religion zu sein. Aber welche ist es denn nun?
        Wer so istabil ist, daß er einer Verschwörungstheorie folgt, könnte eben aufgrund dieser Instabilität auch der öffentlich Meinung folgen. Natürlich werden die Maßnahmen der Regierung, die Einschränkung der Freiheit mit der Angst vor dem Virus begründet. Das Ausmaß der Angst mag angemessen sein oder auch nicht, die Bewertung richtig oder falsch. Wer weiß das schon genau? Fakt ist: Hier wird Politik mit der Angst der Menschen betrieben. Ein Spruch, den man gern dem bösen politischen Gegner an den Kopf wirft. Als ob das neu wäre! So ist Politik schon immer. Keiner kann sich dem entziehen.

        1. Lieber Herr Bollmer, wenn Steffen das meint, kann er das schreiben, anstatt unheilvoll zu raunen, Bill Gates sei „vielleicht doch nicht der ist, der er vorgibt zu sein“. Denn das ist der Stoff, aus dem Verschwörungserzählungen gemacht sind. Und: Selbst dann bleibt es, bis er stichhaltige Belege anführt, Spekulation.

  14. Verschwörungstheorien entstehen, weil die 4. Gewalt im Staat, die Presse, ihren Job nicht mehr macht. Denn VTs waren früher einmal ein essentieller Bestandteil des sogenannten „investigativen Journalismus“, lang, lang ist es her.

    Fast identische Artikel wie dieser hier sind zeitgleich z.B. auch im Focus zu lesen:
    https://www.focus.de/familie/eltern/familie-heute/hilfe-meine-familie-glaubt-an-verschwoerungen-psychologin-erklaert-was-sie-tun-sollten_id_11987468.html

    Und im Spiegel:
    https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/cornelia-betsch-verschwoerungstheorien-und-impfgegnertum-hingen-schon-vor-corona-zusammen-a-acf0ec6d-abff-4d6e-b8d6-9b055c5c4e60

    Und in der Zeit:
    https://www.zeit.de/2020/21/verschwoerungstheorien-corona-angst-kontollverlust-misstrauen

    und, und, und… sie alle kommen zeitgleich mit einer „psychologischen Analyse“, was wohl bei Verschwörungstheoretikern im Kopf so alles schief läuft. Ich gebe Ihnen nun exklusive Einblicke in das Gehirn eines Aluhut-Trägers: Wenn zig Medien zeitgleich mit fast identischen Artikeln auflaufen, dann sind nicht dutzende Redaktionen unabhängig voneinander zufällig auf dieselbe Idee gekommen, sondern diese Idee wurde getriggert (<– und schon ist sie in der Welt, die VT!).

    Wenn es also ihr Anliegen ist, etwas *gegen* VTs zu unternehmen, dann ist es absolut kontraproduktiv, einfach noch einen fast identischen Artikel (wie diesen hier) zu publizieren. Logisch, denn der bewirkt ja genau das Gegenteil, er ist ja nur ein weiteres Indiz für eine "geheime Verschwörung der Presse zur Unterdrückung der Wahrheit" usw…

    Was sollte also ein Journalist stattdessen tun, der mit seinem Artikel etwas *gegen* VTs bewirken will? Nun, zum Beispiel einen investigativen Artikel darüber schreiben, wie solche Zufälle passieren. Oder zumindest in der Einleitung transparent und offen erklären, warum der Autor ausgerechnet jetzt den Drang verspürt, zum identischen Thema mit dem identischen Ansatz und dem identischen Ergebnis zu schreiben wie ein dutzend andere Personen zeitgleich auch. DAS wäre aktive Bekämpfung von VTs.

    Kurz gesagt: Verschwörungstheoretiker besetzen die klaffenden Argumentationslücken, die die Qualitätspresse selbst erschafft, indem sie bestimmte Aspekte eines Themas ausblendet. Schließt diese Lücken in den Argumentationen, dann bekämpft ihr VTs. Arbeitet euch nicht daran ab, VT'ler mit "Faktenchecks" zu widerlegen, das führt zu nix, denn diese "Faktenchecks" (hallo Correctiv & Co.) sind genauso eindimensional und ideologisch wie die VTs. Schreibt ausgewogene Artikel, listet alle Pro und Contra Argumente auf, sagt auch das, wo die Gegenseite Recht hat(te), und zeigt nicht immer nur eine Seite der Medallie. Dann bleibt für Verschwörungsschwurbler kein Raum mehr!

    1. Davon abgesehen, dass die drei genannten Artikel bei ZEIT, SPIEGEL und Focus Online den Zeitstempeln zufolge _nach_ diesem hier erschienen sind: Vermutlich berichten sie darüber zeitgleich, weil sich Verschwörungserzählungen gerade jetzt als akutes Problem herausstellen, weil es durch die Pandemie eine neue Dimension erreicht. Menschen, die Angehörige Betroffener beraten, bestätigen das.

      „Oder zumindest in der Einleitung transparent und offen erklären, warum der Autor ausgerechnet jetzt den Drang verspürt, zum identischen Thema mit dem identischen Ansatz und dem identischen Ergebnis zu schreiben wie ein dutzend andere Personen zeitgleich auch.“

      Im ersten Absatz dieses Artikels wird erklärt, warum ich gerade jetzt darüber schreibe. Gern geschehen!

      1. An erster Stelle danke ich für die Antwort.

        >>> „Vermutlich berichten sie darüber zeitgleich, weil sich Verschwörungserzählungen gerade jetzt als akutes Problem herausstellen, weil es durch die Pandemie eine neue Dimension erreicht.“

        Ihre Vermutung teile ich nicht. Glauben mehr Menschen an Corona-5G-Strahlung als an eine Gefährdung durch WLAN? Gibt es mehr Corona-Impfgegner als Globuli-Schlucker? Gibt es mehr Coronaleugner als 9/11-Truthler? Ich wäre mir da nicht so sicher, dass da akut eine neue Dimension erreicht ist. Ich denke sogar, dass Sie da selbst einer VT aufgesessen sind, zumindest halte ich die Aussage „Wer an VTs glaubt, neigt zu mehr Gewalt“ für falsch, denn das folgt der wissenschaftlich hundertfach widerlegten These, „Videospiele schaffen Killer“. Möglicherweise nutzen gewaltbereite Menschen VTs/Videospiele als Ausrede zum Ausleben ihrer Gewalt – aber Kausalität und Korrelation darf man dabei eben nicht vertauschen.

        Die Häufung von nahezu identischen Presseberichten kann man am Wandel des Terminus ‚Verschwörungstheorie‘ zu ‚Verschwörungsmyten‘ nachvollziehen. Den Begriff Verschwörungsmythos bzw. -erzählung gab es bis vor ein paar Tagen in der Presse praktisch nicht. Jetzt steht er in fast jedem Artikel zu dem Thema. Die ehrliche Antwort lautet, dass es bei den Leitthemen und beim Wording Meinungsführer gibt, an denen sich Journalisten offensichtlich gerne bedienen. Hier ist die Vorlage zum neuen Wording, vom 11.5.2020:
        https://www.deutschlandfunk.de/sagen-meinen-warum-es-nicht-verschwoerungstheorie-heissen.2907.de.html?dram:article_id=476460

        >>> „Menschen, die Angehörige Betroffener beraten, bestätigen das.“

        Na dann muss es stimmen. Meine (natürlich genauso subjektive) Wahrnehmung ist trotzdem eine komplett andere. Ich kenne keine Menschen, die an Reptiloide, flache Erden oder Chemtrails glauben und sehe auch viel wichtigere, unbeantwortete Fragen, als die YouTube-Videos einiger Verirrter, die in Bill Gates die Reinkarnation des Satans sehen. Ich halte die Angst vor VT’lern für völlig übertrieben.

        Wir stehen vor einer möglichen 2. Welle im nächsten Frühjahr, einem wirtschaftlichen Schaden von ca. 1,2 Billionen Euro und einer nicht zu vernachlässigende Zahl an Todesopfern, die erst durch den Lockdown entstehen (z.B. verschleppte Herzinfarkte). Vor diesem Hintergrund halte ich es für angebracht, viele kritische Fragen zu den Corona-Maßnahmen zu stellen. Auch ein paar „verschwörerische“, das schadet nix.

        1. Wenn eine Sektenberatungsstelle eine rasante Zunahme von Fällen meldet, in denen sich Betroffene melden, weil Angehörige neuerdings an vermeintliche Verschwörungen glauben, habe ich für die Vermutung eines akuten Problems eine Quelle. Und Sie? Nur das Gefühl, dass das nicht stimme. Okay, na gut.

          Zum „neuen Wording“: Es ist nicht neu. Thematisiert wurde das zum Beispiel schon in einer Folge unseres Podcasts im November 2018: https://netzpolitik.org/2018/npp158-die-chemtrails-gmbh-verschwoerungsmythen-fuer-einsteiger-und-fortgeschrittene/

          Und von „Verschwörungsmythen“ habe ich zum Beispiel schon im Februar geschrieben, im Zusammenhang mit dem Attentat in Hanau: https://netzpolitik.org/2020/der-perfekte-verschwoerungstheoretiker-hanau-whatsapp-sprachnachrichten/

          Sie scheinen hier also an eine Verschwörung zu glauben :)

          1. Ja, ich glaube tatsächlich an ganz viele Verschwörungen :) Um ein paar davon zu nennen: Iran-Contra, Guillaume, Kohls Schwarzkassen, Contergan, Brutkästen in Kuwait, Massenvernichtungswaffen im Irak, Edward Snowden, NSA hört das Handy der Kanzlerin ab, ungepatchte Day-One-Backdoors in Windows oder von Berliner zu Berliner: Bankenskandal um Diepgen oder der Verkauf der Berliner Wasserwerke. Diese Liste könnte man seitenweise fortsetzen. Alles Beispiele von Verschwörungen gegen die Interessen der normalen Bevölkerung, auch wenn es schwer zu ertragen ist, was manche Menschen für Geld und Macht bereit sind zu tun.

            >>> Wenn eine Sektenberatungsstelle eine rasante Zunahme von Fällen meldet, (…) habe ich für die Vermutung eines akuten Problems eine Quelle.

            Oder Sie haben einen Beleg, dass die Panikmache bzgl. der scheinbar allgegenwärtigen VT’ler tatsächlich wirkt. Die Beratungsstelle sagt es doch selbst: „… dass der Glaube an Verschwörungserzählungen eine Strategie ist, um Ängste zu bewältigen, hat er wenig mit dem Verstand zu tun, und viel mit Gefühlen.“ Der Glaube daran, dass ganz plötzlich um uns herum viele Menschen, sogar engste Freunde und Familie, den Verstand verlieren, weil sie die Corona-Maßnahmen kritisch hinterfragen, ist eine Angstbewältigung! Angst davor, die Maßnahmen könnten tatsächlich in dieser Form übertrieben gewesen sein. Schlimmer: Es ist ein selbstunterstützendes System: Je mehr Leute Angst vor VT’lern haben, desto mehr Menschen sehen auch VT’ler und fürchten sich noch mehr. Dann schauen diese Menschen in vertrauenswürdige Medien, wo ihre Angst durch die permanente Wiederholung weiter befeuert wird. Es steht doch in Ihrem Artikel, wie der Bestätigungsfehler funktioniert.

            Ich zitiere:
            „Ein typisches Merkmal sei die Unterteilung der Welt in Gut und Böse.“ // Genau das passiert in diesem Artikel. Gut ist das Correctiv. Böse ist, wer „keine seriösen Nachrichten mehr konsumiert“.

            „Am Ende schotten sich Betroffene womöglich ab“ // Was war die Empfehlung am Ende des Artikels? Ach ja, „irgendwann könne auch Sekten-Info NRW nur noch dazu raten, sich zurückzuziehen.“

            „…werden auch bei Verschwörungsideologien komplexe Sachverhalte auf einfache Erklärungen reduziert.“ // Aha, wer ruft bei der Beratungsstelle an? Moment… „Sie rufen unsere Beratungsstelle an und würden am liebsten ein Zauberwort hören, mit dem sie ihre Mutter oder ihren Vater wieder auf die rechte Bahn holen können.“

            Die Symptome sind alle da. Nun fragen Sie sich bitte selbstkritisch:
            Was ist wahrscheinlicher? Dass plötzlich durch Corona Millionen Menschen den Verstand verloren haben und an verschwurbelte Theorien glauben? Oder dass wir hier einen Medien-Effekt sehen, den wir schon häufig erlebt haben: Nach Meldungen von Flugzeugabstürzen steigt die Angst vorm Fliegen, nach Busunglücken die Angst vorm Busfahren, nach Terroranschlägen die Angst vor Terroristen… und nach Meldungen über VTs die Angst vor, naja, Sie wissen schon.

            >>> Zum „neuen Wording“: Es ist nicht neu. Thematisiert wurde das zum Beispiel schon in einer Folge unseres Podcasts im November 2018

            netzpolitik.org ist nicht „die Presse“, sondern oft genug der einsame Fels in der Brandung – gerade deswegen bin ich enttäuscht von diesem #metoo-Artikel. Seit wann steht netzpolitik für das willfährige Löschen von unbequeme Inhalte auf Youtube oder kritisiert verschlüsselte/freie Kommunikation? Was sollte denn Telegram Ihrer Meinung nach konkret gegen das „Treiben“ tun – etwa jeden privaten Chat mitlesen?

            Und ich sagte ja nicht, dass es den Begriff Verschwörungsmythos vorher nicht gab, sondern dass er „praktisch nicht vorkam“, im Sinne von: selten. Nun ist der Begriff Standard von der Tagesschau bis Bildzeitung. Ist das eine Verschwörung? Nein, denn es gibt sicher keine allumfassende Absprache zwischen allen Medien, allein der Aufwand wäre ja völlig irrational. Es reicht vollkommen, wenn Leitmedien einen Begriff einführen (dpa, Deutschlandfunk, Bundespressekonferenz, Claus Kleber usw.). So wird aus Idlib von heute auf morgen eine „Enklave“, ein Präsident wird zum „Machthaber“, aus Terroristen werden „Rebellen“, aus einem Militärbündnis eine „Koalition“ und aus positiv Getesteten die „Zahl der Infizierten“. Die Macht der Worte ist die Ohnmacht der Journalisten, die voneinander abschreiben.

  15. Ich würde sagen, ein nicht kleiner Teil dieses Problems ist „hausgemacht“, würde also zum Beispiel M. Blum – bei Frage in den Kommentaren durchaus zustimmen.

    Ich denke, es ist ein Mix aus schlechter Bildung, gesellschaftlicher Ungleichheit, politischer Intransparenz, vermindertem Selbstwertgefühl, Angst vor Unbedeutsamkeit… Sicher gibt es noch eine Menge anderer „Brandbeschleuniger“, man könnte diese Liste wohl lange fortführen und natürlich trifft nicht alles auf jeden zu. Vieles dafür hat aber reale und auch bekannte Gründe innerhalb unserer Gesellschaft. Dazu kommt eben, dass viele Theorien auch einen wahren Kern haben.

    Ein Beispiel aus dem Artikel lautet: „[…] 46 Prozent der deutschen Bevölkerung glauben, es gebe geheime Organisationen, die Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen.“
    Nun, dies ist ja tatsächlich gar nicht so verkehrt, nur dass diese Organisationen eben nicht geheim sind. Sie nennen sich Lobbyverbände und machen ja genau das genannte und in nicht zu verachtendem Umfang. Womit wir bei der oben genannten Intransparenz wären. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Verschwörungstheorien in solche Richtungen recht schnell entkräften ließen, wenn die Politik etwas transparenter gestaltet würde und nicht so viele unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschlossen würde. Der Sprung von Lobbyist zu Geheimorganisation ist auch gar nicht so weit, denn so wahnsinnig transparent sind eben viele Organisationen nicht, dass man direkt Rückschlüsse auf Motivationen schließen könnte. Dazu trägt meiner Meinung nach auch bei, dass viele der Interessanten „Aufklärungssendungen“ im TV zu unmöglichen Uhrzeiten laufen und so nur wenige Menschen erreichen. Auch ein klein wenig mehr direkte Demokratie könnte dazu beitragen – zumindest finde ich nach kurzer Recherche recht wenig zu dem Thema in der Schweiz, obwohl natürlich auch nicht „nichts“. Ständig neue Überwachungs- und Polizeigesetze gegen Terrorismus machen es sicher auch nicht besser in einem Land, in dem es wahrscheinlicher ist, einen Sechser im Lotto zu haben, als bei einem Terroranschlag auch nur verletzt zu werden.

    Die mangelnde Bildung, ganz speziell aber die mangelnde Medienkompetenz sind vermutlich aber auch von nicht geringer Bedeutung. Das dürfte schlicht an der mangelnden Kompetenz der Lehrer liegen, die – zumindest während meiner Schulzeit – vieles zum Thema „Internet“ von ihren Schülern beigebracht bekommen haben. Ich habe in meiner Zeit als Student einige Kommolitonen gehabt, die auf die Chemtrail-Geschichten aufgesprungen sind, trotz guten Abiturs. Aber wen wundert das, wenn Medienkompetenz an vielen deutschen Schulen ein Fremdwort ist und es auch nur sein kann, wenn Lehrer unterrichten, die Grafiktabletts nicht von Campingkochern unterscheiden können, salopp gesagt? Das soll nun sicher keine Kritik an den Lehrern sein, sondern an dem vielerorts kaputt gesparten Bildungssystem. Vor kurzem habe ich einen wirklich sehenswerten Dokumentarfilm (Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen) gesehen, in dem das finnische Schulsystem vorgestellt wurde. Da frage ich mich schon: Wieso schafft es ein wirklich armes Land wie Finnland, hochmoderne Schulen zu bauen und 15 Schüler mit zwei Lehrern zu unterrichten während in einem reichen Industrieland wie Deutschland manche Lehrer ihren Beamer aus eigener Tasche zahlen, um überhaupt einigermaßen zeitgemäß unterrichten zu können? Da passt doch etwas nicht zusammen und das Ergebnis sehen wir jetzt. In den USA – wo flächendeckende Bildung ja noch ein viel größeres Problem ist – sind Verschwörungstheorien noch viel weiter verbreitet.

    Wie schon geschrieben, man könnte das wohl nahezu endlos weiter führen. Aber mal ehrlich: Wundert mich diese Entwicklung? Eher nein. Wir müssen doch nur mal am Nachmittag wochentags einen nahezu beliebigen Privatsender einschalten, um uns vom gegenwärtigen Bildungsniveau zu überzeugen. Denn das, was dort gezeigt wird, wird ja von vielen geschaut – sonst würde man es nicht zeigen. Mich persönlich wundert da gar nichts mehr. Obwohl doch, was mich wirklich wundert: Dass erfolgreiche Leute wie Xavier Naidoo munter mitmachen und der TV-Koch Attila Hildmann sich bewaffnet im Keller verbunkert und „bereit ist Kopfschüsse zu kassieren und als Samurai zu sterben“. Dafür fällt mir auch beim besten Willen keine Erklärung ein, außer einer ernsthaft durchgebrannten Sicherung. Und mich wundert, dass das nicht schon viel früher zum Problem geworden ist, denn viele der Plattformen, auf denen diese Theorien verbreitet werden, gibt es ja schon über 10 Jahre.

  16. Netzpolitik-typisch zeichnen Sie hier ein Szenario des Grauens.

    Die tatsächliche Statistik sieht ganz anders aus:
    https://uebermedien.de/49125/viel-aufmerksamkeit-fuer-wenige-verschwoerungsglaeubige/

    „12 Prozent (stehen) hinter der Aussage „Wenn das so weitergeht, sehe ich schwarz für Deutschland“. Mitte April war der Anteil der Pessimisten mit 24 Prozent noch doppelt so groß.“

    Die hohe Frequenz an Verschwörungs-Bullshit lässt unsere Gesellschaft langsam aber sicher immun werden gegen diesen Qutasch.

    1. Der war gut! Das ist ja fast als wolle man eine Verschwörungstheorie mit „Fakten“ einer Verschwörungstheoretikerseite widerlegen :-)

      Zugegeben aber auch nur fast, denn der Herr Niggemeier und seine Schreiberlinge sind ja keine Verschwörungstheoretiker. Sondern einfach Leute, die ihre Pressekritik für 3,99€ pro Leser an den Mann bringen wollen, die man in sehr ähnlicher Form auch en masse für lau findet. Kann man ihnen auch nicht übelnehmen, denn jeder muss von irgendetwas leben und die Nachfrage ist anscheinend vorhanden. Außerdem ist Kritik (fast) immer gut und trägt zur Meinungsvielfalt bei.

      Aber kommen wir zum eigentlich interessanten Teil, dem Inhalt. Zumindest soweit ich diesen beurteilen kann, denn nach einigen Absätzen ist Schluss und bezahlen werde ich da jetzt nichts für, bzw. – noch schlimmer – ein Probeabo abschließen, dass sich dann vermutlich automatisch verlängert.

      Also: Frau El Quassil schreibt, es gäbe weder Spaltung der Gesellschaft, noch Verschwörungstheoretiker. Von dem Teil mit den „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ sehe ich mal ab, denn zumindest ich habe in seriösen Medien noch keine Hinweise auf drohende Bürgerkriege gelesen. Mag allerdings sein, dass diese sich finden lassen, wenn man denn sucht. Um Boulevardmedien mache ich persönlich einen großen Bogen, dazu könnte ich also eh nichts sagen oder schreiben.
      Ihre These begründet sie mit kurzen Auszügen aus einem Papier der Konrad-Adenauer-Stiftung. Dabei lässt sie es recht geschickt so aussehen, als würden sich das Krisenbarometer und die enthaltenen Befragungsergebnisse tatsächlich mit Verschwörungstheorien beschäftigen, allerdings ist das nun ja gar nicht der Fall. Befragt werden wöchentlich 300 Wahlberechtigte in einer „repräsentativen Zufallsauswahl deutschlandweit“ (Quelle: verlinktes Krisenbarometer, Folge 3). Dort darf man schon einmal die Repräsentativität hinterfragen: Um die Meinung der Bevölkerung eines Landes wie Deutschland mit halbwegs akzeptablem Fehler abbilden zu können, geht man normalerweise eher von einer Stichprobengröße von mindestens 500 Befragten aus, häufig wird die runde Zahl 1000 gewählt, nicht selten auch mehr. Schaut man sich z.B. die Tabellen zur Sonntagsfrage an, so sieht man, die niedrigste gewählte Stichprobengröße aller Institute liegt bei 1002 (GMS), die höchste bei 2503 (Forsa):
      https://www.wahlrecht.de/umfragen/

      Gefragt werden im Krisenbarometer Fragen nach folgendem Schema:
      – Sind die jetzt ergriffenen Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise angemessen?
      – Was würden Sie sagen: Die Corona-Krise wird auf mich langfristig große/mäßige oder kleine/keine Auswirkungen haben.
      – Wie häufig haben Sie gestern Nachrichten über die Corona-Krise verfolgt?

      Sie stellen nun vermutlich selbst schon fest: Diese Fragen haben alle nicht wirklich etwas mit Verschwörungstheorien zu tun. Auch nicht mit der Spaltung der Gesellschaft oder ähnlichem, sondern einzig und allein mit dem eigenen Befinden zum Thema Corona. Wir wissen zudem auch nicht, wie genau diese Fragen gestellt werden – die Umfragewerte können in Bezug auf Verschwörungstheoretiker tatsächlich auch das genau Gegenteil bedeuten und ich erkläre auch gern, warum. Anhand genau des genannten Beispiels, unter Zuhilfenahme der exakten, bereitgestellten Fragen und Antworten.

      Nehmen wir an, ich werde angerufen und gefragt: „Welcher Aussage würden Sie in Bezug auf Corona eher zustimmen:
      a) Wenn das so weiter geht, sehe ich schwarz für Deutschland.
      b) Man weiß ja nie, was die Zukunft bringt, aber ich glaub alles wird gut.“

      Dann interpretieren Sie und auch Frau El Quassil die Antwort b) so, dass ich kein Verschwörungstheoretiker bin. Nun ist es ja so, dass gerade die Verschwörungstheoretiker in der Regel glauben, Corona wäre erfunden. Da die gesamte Befragung in Bezug auf Corona durchgeführt wird, müsste ich eigentlich als Verschwörungstheoretiker sogar mit b) antworten – sonst würde ich ja meine eigene Verschwörungstheorie in Frage stellen – schließlich ist ja Bill Gates an allem schuld, und nicht irgendein erfundenes Virus.

      Auch die nachfolgende Schlussfolgerung von Frau El Quassil ist prinzipiell ziemlich absurd. Sie schreibt: „Die vielleicht interessanteste Erkenntnis ist aber folgende: Die Bevölkerung in Deutschland ist im Frühling 2020 trotz Corona insgesamt (noch) optimistischer als im Frühling 2017. „.
      Dabei fragt die gesamte Umfrage ja mit keiner Frage nach allgemeinem Befinden, sondern ausschließlich in Bezug auf Corona, deshalb heißt sie ja auch „Krisenbarometer“. Somit ist es schlicht und ergreifend falsch, aus den Antworten daraus irgendeinen Trend zum Gesamtbefinden zu schlussfolgern. Eigentlich erstaunlich für ein Portal, dass dafür bekannt ist, anderen Journalisten handwerkliche Fehler anzukreiden.

      Weiter schreibt sie, der Wunsch zu stärkerer Beachtung der Wissenschaft laut einer DBU-Umfrage stünde der These der aktuell vielen Verschwörungstheorien entgegen. Nun ja, ganz direkt sagt sie das nicht, weist aber in dem Artikel auf das Umfrageergebnis hin – in diesem Fall hegten 93% diesen Wunsch. Mein Eindruck beim Anschauen einiger „Hygienedemo“-Videos war allerdings von vornerein nicht, dass es den Menschen da wirklich um die Wissenschaft geht. In den Interviews ging es in erster Linie um Diktatur, Bill Gates als Weltherrscher und ähnliche Kuriositäten. Da kann man zwar den Umkehrschluss herleiten, dass Wissenschaftler böse seien – muss man aber nicht. Ganz einfach, weil Verschwörungstheoretiker das allgemein nicht besonders genau nehmen mit Kausalität und logischen Zusammenhängen. Der arme Herr Drosten hat nun zwar sogar schon Morddrohungen bekommen, aber das muss ja nicht von einem Verschwörungstheoretiker gekommen sein. Ein verzweifelter Kleinunternehmer am Rande des finanziellen Ruins wäre genauso denkbar.

      Das aber nur am Rande, denn es gibt da einen Punkt, der mich noch weitaus mehr stört: Die nächste Frage im Krisenbarometer nämlich, direkt nach der oben genannten im Beispiel. So sagen nämlich 78% der Befragten, sie erwarten mäßige oder große persönliche Auswirkung auf ihre eigene Zukunft. Dies finde ich persönlich im Zusammenhang mit den Verschwörungstheorien viel interessanter, denn darum geht es doch den V-Theoretikern im Kern: Die Angst, dass wir in Zukunft alle kontrolliert werden und einen Chip eingepflanzt bekommen zum Beispiel – was zweifellos eine recht große persönliche Auswirkung wäre, zumindest für mich. Die „Unterschlagung“ dieses einen Umfrageergebnisses kippt meinen ganzen Eindruck des Artikels – von „fehlinterpretiert“ zu „bewusst verschleiert“. Das ist natürlich eine persönliche Vermutung, die ich nicht belegen kann. Es sieht aber schon sehr nach Rosinenpickerei aus – passend zu der eigenen Meinung, bzw. der eigenen Überschrift – und hat mit Journalismus wirklich gar nichts mehr zu tun. Ein Versehen kann ich mir jedenfalls kaum vorstellen, da sich dieser Punkt im Krisenbarometer direkt auf der nachfolgenden Seite befindet und nicht etwa am Ende oder im Kleingedruckten – selbst dann wäre es aber noch ein grober Fehler. Wenn man sich schon auf eine Erhebung beruft, dann eben auch auf die ganze – und nicht nur die Stellen, die einem persönlich gefallen.

      Ich hoffe Frau El Quassir nimmt mir diese Kritik nun nicht zu übel, sollte sie sich einmal hierher verirren. Falls doch: Das nächste Mal einfach besser machen! Denn eigentlich macht sie auf mich nach kurzem Googlen einen sehr vernünftigen und auch sympathischen Eindruck. Besonders der Titel ihres Buches brachte mich schon sehr zum Schmunzeln ;-)

  17. Die Lobbyisten Verbände die Politik beeinflussen im Dienste von Investoren und Firmen sind durchaus im Nebel verbogen und agieren nicht offen. Das muss nicht zwingend eine Verschwörungstheorie sein wenn man auf die Frage am Anfang mit ja antwortet. Man muss da nichts mit Gates und Illuminaten glauben.

    Hoffe die Studie is da genau genug

  18. Ich finde es sehr befremdlich das alle Menschen die zB. an Naturheilkunde glauben und deren heilsame Wirkung mehrmals erfahren haben, als Verschwörungstheroretiker angemacht werden.
    Sie sollten mal überlegen was Sie da schreiben. Sicher gibt es viele krude Aussagen, die auch ein gesunder Menschenverstand ab tut. Es ist aber durchaus nicht alles nur aus der Luft gegriffen. Sie suggerieren, glaubt alles was wir die Medien so von uns geben und wir wissen ja, das da auch vieles so gedreht wird das es gut in den Mainstream passt. Es ist wichtig eine gesunde Skepsis an den Tag zu legen, denn Politik und Geld Leute sind nicht immer daran interessiert die wirkliche Wahrheit kund zu tun.

    1. Im Artikel steht doch gar nicht, dass alle Menschen, die z. B. an Naturheilkunde glauben und deren angeblich heilsame Wirkung mehrmals erfahren haben wollen, zugleich Verschwörungsgläubige sind. Aber mehrere Expert:innen – also Menschen, die sich intensiv mit diesem Phänomen beschäftigt haben und deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit wissen, wovon sie reden – sagten mir: Auffällig bei Betroffenen sei, dass diese vor ihrem Verschwörungsglauben häufig einen Hang zu alternativen Heilmethoden wie Homöopathie haben. Ich traue skeptischen Leser:innen zu, mit diesem Satz umgehen zu können.

    2. Allein das Wort „Naturheilkunde“ ist schon mehr als tendenziös…
      Alles ist Natur, basiert auf Naturgesetzen.
      Es gibt nur Medizin und Sachen die von irgendwelchen Leute als Medizin bezeichnet werden, aber nichts mit Medizin zu tun haben!

      1. Naturheilkunde zu verwenden ist nicht tendenziös, sondern ein definierter Begriff. Und im Gegensatz zu Hömeopathen bezeichnen die meisten NAturheilkundler sich auch nicht als „Alternativmediziner“. Letzterer ist nämlich Tendenziös.

  19. Steffen, Jan, lembert: Volle Zustimmung zu diesen Aspekten. Insbesondere die meist bedingungslose Huldigung des oft intransparenten bzw. abgeschotteten Lobbyistentums durch die Politik trägt sicher dazu bei, den Glauben der Bürger an illustre Zirkel aller Art zu verstärken.
    Auch massenpsychologische Phänomene sind tun das Übrige dazu:
    Wenn am Tag der Markteinführung eines neuen I-Phones Menschenmassen vor den Elektronikmärkten nächtigen und unter Weinkrämpfen „ihren“ Steve Jobs als „Messias“ feiern, um dann zur Öffnungszeit die ersten zu sein, die die „göttliche Gabe“ in Empfang nehmen dürfen, ist es bis zum Glauben an die „Illuminaten“ nicht mehr weit…

  20. Ein schöner Artikel, allerdings fehlt, – wieder einmal – eine Definition des Begriffes Verschwörungstheorie und eine Trennung zwischen „Verschwörungstheorien“ und real existierenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Einflüssen u. a. Lobbyismus, politischen Lügen, Intrigen und Verschwörungen.
    Oder anders gesagt, Gaius Julius Ceasar – selbst ein Meister der wahrheitsbeugenden Selbstdarstellung, des Militärputsches und der Intrige – ist nicht an einer Verschwörungstheorie, sondern an einer recht realen Verschwörung gestorben.

    Wenn beklagt wird, dass 46 % der Bundesbürger an einen nicht offiziellen Einfluss auf Entscheidungsgremien der Politik glauben und diese Bürger als verschwörungsgläubige definiert werden, bekommen sicherlich viele Soziologen und Historiker, die sich mit Machtstrukturen und politischen Netzwerken beschäftigt haben, Schreikrämpfe und Anfälle – aber die sind ja dann per Definition ‚der Experten‘ nur Verschwörungstheoretiker. Wer hat eigentlich diese Studie bezahlt und durchgeführt?

    Andere Kommentatoren haben daher mit Recht auf ein z. T. unglaubwürdiges Verhalten von Politik und Medien verwiesen. M. E. hat man in beiden Bereichen viel zu lange dringend notwendigen Reformen der Selbstkontrollgremien der Systeme verschleppt.
    Es handelt sich um ein systemisches Versagen, wenn Teile der Politik und Medienlandschaft Normen, Werte und Qualitätskriterien fordern und vor sich her tragen, welche sie selbst längst dem Markt geopfert haben
    „Wer hat Angst vorm Presserat?“ – Alle Axel-Springer-Preisträger rufen: „Niemand. Und wenn er rügt, kommt das auf Seite 2 links unten, ganz klein“.
    Ich liebe guten investigativen Journalismus und ausführliche Recherchen und sehe mit Bedauern wie seit Jahren genau dieser für boulevardesken Clickbait-Sch… geopfert wird, weil der Geld bringt.

    Diejenigen, die als frei Mitarbeiter mit Zeilen- oder Werklohn prekär beschäftigt sind, werden für gründliche Recherchen und ausgewogen formulierte Beiträge quasi bestraft, während Kollegen, die unsauber und in gut verkäuflichen Klischees arbeiten, schneller und erfolgreicher mit ihrer Arbeit sind. Letztlich erhält man dann unter den festangestellten und prämierten Journalisten ebenjene Scharlatane und Windbeutel, die Wind auf die Segel aller ‚Lügen-Presse-Rufer‘ sind.

    Was die Politik angeht, möchte man hier gar nicht von erfolgreichen bayerischen Steuerprüfern anfangen, die von ihren Landesvätern verraten und in geschlossene Irrenanstalten eingeliefert wurden, weil sie dafür gesorgt haben, dass Polizei, Lehrer und Gesundheitsämter finanziert werden können. Während jene, die seit Jahren „den Gürtel“ aller anderen „enger geschnallt“ haben, auffällig still sind, wenn die Folgen ihrer Politik bei mangelnder Ausstattung von Gesundheitsämtern, Polizei, Schulen, Lehrern oder Ausländerbehörden deutlich werden (Hauptsache die Hoteliers haben ihre Steuerbonus bekommen…).

    Man muss hier nicht jede einzelne tatsächlich existierende und vormals aus Unwissenheit oder Überzeugung als Wahrheit verteidigte Lüge der letzten Jahre nennen, aber man sollte sich schon die Frage stellen, welchen Eindruck so etwas auf Menschen macht, die im Kalten Krieg aufgewachsen sind, als beide Seiten mit Lügen, Desinformation und Verfolgung ihr Weltbild verteidigten. Natürlich wird man dann besonders misstrauisch gegenüber offiziellen Verlautbarungen.

    Was sollen entsprechend geprägte Beobachter denn heute glauben: nach den in guter amerikanisch-deutscher Tradition stehenden Irakkriegslügen (Babymord- und Atomwaffenlüge der deutschen, amerikanischen und britischen Geheimdienste vor der UN, vgl. Spanisch-Amerikanischer Krieg, Vietnamkrieg, „Polen/Russland hat uns angegriffen“ etc.), systematischer Desinformation aus Russland (es gibt keine russischen Truppen auf der Krim und keine Homosexuellen in Russlang etc.) und den vom Weißen Haus aus verbreiteten Verschwörungstheorien (‚Pizza-‚, ‚Obamagate‘, „the Chinese flu will disappear in May“) und dem offensichtlichen Wirtschaftslobbyismus von Teilen der Bundesregierung (Glöcknerscher PR und Scheuerscher Maut) und einiger Landesregierungen (Proteste gegen Steuerhinterziehungs-CDs = Förderung von organisierter Kriminalität gegen die Steuerzahler).

    Traurig ist halt nur, wenn dann diese Misstrauischen ausgerechnet den schlimmsten Scharlatanen auf den Leim gehen und „drain the swamp“ und „Gedankenfreiheit“ brüllend und grölend den aller durchsichtigsten und lobbyistischsten Lügnern nachrennen.

  21. Also ich hätte mich ja bisher nicht zu den Verschwöhrungstheoretiker*innen gezählt, dennoch bin ich nachhaltig – sagen wir – irritiert,
    dass die entscheidende Frage: Was ist denn unser Ziel ist im Umgang mit Corona:
    • „Lockdown“ bis es einen Impfstoff gibt – whatever it takes?
    • Das „ausrotten“ des Virus – was die theoretische Strategie hinter „R unter 1“ sein könnte aber aus offensichtlichen Gründen wie die hohe Dunkelziffer der tatsächlich Infizierten, die globale Verbreitung des Virus usw. nicht funktionieren kann.
    • Oder haben wir es hier glücklicherweise doch nicht mit einem so aggressiven und tödlichen Virus zu tun, wie allenthalben suggeriert wird, und wir können und müssen lernen damit zu „leben“ (das ist die Strategie der Schweden)?
    Am meisten aber irritiert mich, dass es praktisch keine kritische Berichterstattung und keine politische Opposition gibt, die Fragen stellt und auf Antworten drängt – z.B. nach der Verhältnismäßigkeit und den sozialen, gesundheitlichen und meinetwegen auch wirtschaftlichen Folgen. All die kleinen (Masken sind sie medizinisch sinnvoll oder nicht – und gabs da nicht mal eine „Verschleierungsdebatte“?) und großen Ungereimtheiten und Widersprüche (Welche Datengrundlage hat denn die auf zwei Nachkommastellen berechnete Reproduktionsrate „R“ – welchen Aussagewert hat sie? oder: wenn es um Menschenleben ginge – warum verbietet man nicht den Einsatz von Antibiotika im Allgemeinen und Reserveantibiotika im Besonderen in der Massentierhaltung und selbige gleich mit? 10 – 20.000 Menschen fallen laut RKI jährlich Multiresistenten Keimen zum Opfer …u.v.a.) werden nirgends thematisiert.
    Ja da kann selbst eine nicht Ängstliche und nicht Verunsicherte, immer noch seriöse (?) Nachrichten Konsumierende, nicht Esoterikerin, nicht an Homöopathie und auch nicht an Gott Glaubende nachhaltig irritiert sein!
    Also langer Rede kurzer Sinn: nicht die Verschwörungstheoretiker*innen sind das Problem, sondern der Totalausfall jedweder kritischer Berichterstattung der seriösen Presse und der Opposition und in Folge dessen ein fehlender Diskurs und fehlende demokratische Kontrolle (wenn nicht die Judikative gelegentlich dazwischen grätscht, wie bei den Demonstrationsverboten…).

    1. Das Ziel ist ein Impfstoff gegen Covid-19 und im günstigsten Fall auf dem Weg dorthin ein oder mehrere wirksame Medikamente, das ist auch hinlänglich bekannt, wenn man sich ein bisschen ernsthaft mit der Thematik beschäftigt.

      Und die von dir so vermisste politische Oppositon sorgt gerade dafür, dass Kinder wieder in die Schulde müssen, Konsumtempel wieder geöffnet werden und nun sogar die Quarantänepflicht bei Infektion oder Verdacht auch solche in NRW zurückgenommen wurde und in anderen Bundesländern zurückgenommen werden wird.
      Denn wenn die Berufspolitiker egal welcher Partei in der Regierung sitzen wählen müssen Menschenleben oder den Kapitalismus zu retten, entscheiden sie sich stehts für’s letztere, es sei denn ersteres bewirkt letzteres.

      Und dann gibt es noch die Opposition der Idioten über die hier im Artikel geschrieben wird und die z.B. Menschen anspucken, welche daraufhin an Covid-19 sterben, Kamerateams angreifen usw.

      Dein Kommentar liest sich eher wie ein als ein Einflussversuch jener letzteren genannten ala „ich bin auf eurer Seite aber…“.
      Kenne ich sehr gut aus jenem, als auch aus dem Nazilager.

      1. Ultima Ratio.. hmm..
        Zumindest kommt es ja von oben herab was du schreibst.
        Ansonsten ist echt ein Musterbeispiel an neg. „Framing“ und Unausgewogenheit.
        Nicht verstehen zu wollen.. ok. Aber dann bitte auch nicht mitdiskutieren
        oder beim vorgetäuschten Antworten schlicht beleidigend werden.
        Die Vorschreiberin mal eben mit „Opposition der Idioten“
        und Nazis in einen Topf zu werfen ist schon ein starkes Stück.
        Kenne ich sonst vielfach von pseudolinken Trollen
        und übertrieben selbstgerechten Apperatschicks.
        Sei Einer bist du ja wahrscheinlich nicht.
        Wohl aber Einer der
        meint ein Systemwechsel
        würde keine Menschenleben kosten.

        Apropos System, was für eine Alternative zu Kapitalismus oder Kommunismus
        hättest du denn anzubieten?

  22. Die in diesem Text fließend ineinander übergehende Liste an Eigenschaften der Verschwörungstheoretiker erinnert mich an die Symptomliste von psychischen Krankheiten wie z.b Schizophrenie, paranoide Schizophrenie. (wenn man mal nachschauen will, was ein Verschwörungstheoretiker sein soll: guckt doch mal ins Buch der Diagnosen.). Wobei hier eine Tendenz zur Gewaltbereitschaft im Zusammenhang mit Verschwörungstheoretikern genannt wird, was höhere Staatsorgane derzeit zum Anlass nehmen, die vermeintliche allgegenwärtige Gefährlichkeit der Verschwörungstheorien besonders auf Linke oder Rechtsextreme zu beziehen. (Die Liberalen sind natürlich außen vor) Sie sind also NICHT gewaltbereit, (schön dass dies jetzt mal klar ist) dieses Prädikat ist somit den Liberalen vorbehalten.
    Es haben sich beim Lesen leider sehr viele Frames geöffnet, die mich Nichtwissenden dazu verleiten, mir nun ein sehr genaues Bild von VT zimmern zu können. In der Vorstellung anderer interessierter Nichtwissender, die woanders Artikel zu dem gleichen Thema lesen, verfestigen sich nun die Frames zu unumstößlichen Glaubenssätzen. Gewaltbereit. Ungebildet. Medienfremd. Sicherlich auch Arm. Also linksextremistisch und vermutlich arbeitslos. Die Medien haben großen Anteil daran, was von der öffentlichen Wahrnehmung aufgesogen wird und sich in den Köpfen der Menschen für immer festsetzen wird.
    Daher ist es sehr gefährlich die Eigenschaften von VT wie hier zu verallgemeinern, die sich meiner Meinung nach erst zu Vorurteilen mausern bei Menschen, die sich nicht viel mit dem Thema beschäftigen. VT – seien wir ehrlich – sind de facto wissbegierig, sie sind flexibel, andersdenkend, andersfühlend – aber sind sie wirklich gefährlich? Ist dies nicht wieder typisch manipulative Lobbyarbeit, so etwas zu verbreiten? iCH BIN KEIN VT, habe aber Tendenzen, nicht alles zu glauben, was ich sehe. Einem Agnostiker kann man auch nicht Bildungsferne unterstellen, nur weil er die Existens Gottes nicht ausschliesst. Im Gegenteil. Zweifler sind im Geiste ambivalent aber flexibel und VT sind im Groben nun mal Zweifler, die sich nicht entscheiden können, was sie denken sollen und sich nicht täuschen lassen wollen von den gefährlich-manipulativen, gedruckten Worten der Presse. Ist es also wirklich nötig – alle – VT über einen Kamm zu scheren und ihnen das Anfangsstadium einer Sektenbereitschaft zu unterstellen? Und bietet Corona nicht gerade ein wenig Anlass dazu, nun gegen die Verbreiter von T vorzugehen?

    1. Werden hier verschiedene Texte für verschiedene Leser angezeigt? :-)

      Spaß beiseite – irgendwie kann ich nicht wirklich nachvollziehen, wie du zu deiner Meinungsbildung kommst. Ich spiele da auf das genannte „sehr genaue Bild“ an, wie so ein Verschwörungstheoretiker wohl aussieht.
      Allein die Überschrift suggeriert doch schon, dass es ganz normale Leute sind. Direkt darunter geht es weiter mit dem eigenen Vater, der besten Freundin. Etwas später mit den Zeugen Jehovas, besonders in dem Zusammenhang auch mit starker sozialer Ausgrenzung, in beide Richtungen. Einsamkeit und Unverständnis bei Angehörigen, aber auch fehlende Bildung und/oder Medienkompetenz. Ein 70-jähriger kann doch durchaus gebildet sein und trotzdem auf so etwas herein fallen, wenn die Medienkompetenz in Richtung Twitter/Facebook/etc. fehlt und der Sohnemann ihm ein Tablet schenkt, damit sie häufiger in Kontakt sein können, z.B. per Videochat – ich sehe da nichts Verwerfliches.
      Alles in allem empfinde ich es eher als traurig beschrieben. Wenn du sagst, du kämst nach dem Lesen des Artikels zu dem Schluss, das wären alles gewaltbereite, arme, ungebildete Menschen, die man sofort in eine Schublade stecken kann… Nun ja, dann solltest du eventuell an deiner Lesekompetenz arbeiten – und das ist jetzt nicht böse gemeint. Denn im Artikel steht oft das genaue Gegenteil und das fängt bei der Überschrift an. Deine beschriebene Kausalität, dass ein armer Mensch auch automatisch linksextrem und vermutlich arbeitslos sein muss, spricht übrigens auch nicht unbedingt für dich – denn solche Stigmatisierungen kennt man eigentlich nur aus dem jeweils entgegengesetzten Lager, in diesem Fall dem der Rechtsextremen. Nichts für ungut, ich sage nicht dass es tatsächlich so ist. Ich sage nur, wie es sich für Außenstehende liest…

  23. 22.01.20, SZ: Die Gefahr für Deutschland durch das Coronavirus werde von Fachleuten momentan als „sehr gering“ eingeschätzt, sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn
    24.01.20, Tagesschau: Bislang gibt es keinen Corona-Verdachtsfall in Europa. Für Deutschland mahnt Gesundheitsminister Spahn umsichtige Reaktionen an – und lobt die Informationspolitik der chinesischen Regierung.
    27.01.20, RP Online: Spahn: Deutschland ist gut vorbereitet
    28.01.20, ZDF: Spahn ruft zu Gelassenheit auf
    28.01.20, MDR: Spahn weitet Meldepflicht aus
    Soll ich noch mehr reinkopieren????
    Es ist unfassbar, dass Sie, Herr Journalist, weiter spalten. Das Wort „Verschwörungstheorie“ schuff der CIA, um die Kritiker der offiziellen Version zur Ermordung JFK zu disqualifizieren.
    Es sei Ihnen gesagt, das Netz vergisst nichts.

  24. Dieser Artikel ist ein einziges Armutszeugnis.
    Alleine bei der Überschrift musste ich mir die Augen reiben.
    Ihnen muss klar sein, dass Sie in vielen Familien einen Keil zwischen die Generationen treiben wenn Sie den Jüngeren suggerieren, dass Ihre Eltern falsch informiert, verblendet etc sind.
    Über Ihre Intention dahinter kann ich nur spekulieren.
    Billiger geht es nicht: Menschen, die das gegenwärtige Geschehen kritisch hinterfragen, werden kurzerhand als Verschwörungstheoretiker abgestempelt., um die man sich kümmern muss. Achtung, das war mal wirkungsvoll, wird aber von immer weniger Menschen abgekauft.
    Ich weiß aus eigener Erfahrung und aus vielen ersten Händen, wie friedlich und positiv die Demonstrationen in Stuttgart abliefen und wie klar und offen sich die Menschen dort verhielten.

    1. Meinen Sie die gefährlichen Demonstrationen in Stuttgart, die die Wirksamkeit vorausgegangener Corona-Maßnahmen aufs Spiel gesetzt haben, weil sie wissenschaftliche Befunde nicht wahrhaben wollten?

      1. Sehr geehrter Herr Laufer: Demonstrationen als gefährlich zu bezeichnen, ist nun wirklich das Letzte. Das Demonstrationsrecht ist eines der höchsten Grundrechte einer Demokratie. Ich bin entsetzt, das derartiges unter dem Logo von netzpolitik.org gepostet wird. Habe Sie eine seriöse Quelle dafür, dass diese Demonstration die Verbreitung des Corona Virus erhöht hat? Wenn ja, dann sollten Sie diese hier verlinken. Angst war und ist der schlechteste Ratgeber, den es gibt.

        Zu Ihrer Information: Mein Vater (Jahrgang 1925) saß unter der NS-Diktatur im KZ, weil er für Demokratie, sowie genau diese Freiheits- und Grundrechte eingetreten ist, und sich gegen die Diktatur gestellt hat.

      2. Witzigerweise meldet selbst die der Staatsferne sicherlich unverdaechtige Polizei, dass sich die Stuttgarter Demoteilnehmer hinreichend gut an die Auflagen wie Abstand und Masken gehalten haben.

        Die durchaus sehr unterschiedlichen Aussagen der Demoteilnehmer und die auf der Buehne Auftretenden kann man beunruhigend finden, aber die Demo selber ist nicht gefaehrlich sondern halt die Wahrnahme eines Grundrechts. Ist immer erstaunlich, wie schnell das mit den Grundrechten ueber Bord geht, sobald es die anderen betrifft…

        1. „…dass sich die Stuttgarter Demoteilnehmer hinreichend gut an die Auflagen wie Abstand und Masken gehalten haben“:

          Wohl nicht: „Bei der letzten Demonstration habe man festgestellt, dass Teilnehmer ohne vorgeschriebene Maske in Bussen und Bahnen unterwegs waren.“
          https://www.rnd.de/politik/corona-demo-mit-500000-teilnehmern-nicht-zulassig-stuttgart-verscharft-auflagen-BZKUOMPYULRW3HLHPSZDC3IXTU.html

          Für dieses Wochenende hatten die Veranstalter:innen dann ursprünglich eine Demo mit 500.000 Teilnehmer:innen angemeldet. An welchem Ort in Stuttgart hätte eine solche unter Berücksichtigung des Mindestabstands denn bitte stattfinden können?

          1. Ich schrieb ja nicht umsonst „hinreichend“. Aber klar, wenn einem die Demo nicht passt, ist jede Abweichung sofort absolut und nicht hinnehmbar. Immer erstaunlich, wie schnell die proklamierte Linke sich nicht mehr von der reaktionaeren rechten unterscheidet 8)

      3. >>> Meinen Sie die gefährlichen Demonstrationen in Stuttgart, die die Wirksamkeit vorausgegangener Corona-Maßnahmen aufs Spiel gesetzt haben, weil sie wissenschaftliche Befunde nicht wahrhaben wollten?

        Da wären wir bei einem dieser Narrative, die ungeprüft und unkritisch kolportiert werden. Damit wir über dieselben Fakten reden, hier der tagesaktuelle Situationsbericht des RKI zur Corona-Lage:
        https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-05-16-de.pdf

        Fakt 1:
        Auf Seite 3 finden Sie den Verlauf der Erkrankungen. Sie erkennen, dass sich der exponentielle Anstieg der Erkrankungen seit dem 11.3. verlangsamt und am 16.3. sein Maximum erreicht. Seitdem sinkt die Zahl der täglichen Erkrankungen.

        Fakt 2:
        Auf Seite 7 finden Sie den Verlauf der Fallzahlen, die zur Berechnung des R-Werts dienen. Sie erkennen, dass die Fallzahlen am 12.3. die exponentielle Phase verließen. Das Maximum war am 18.3. erreicht. Seitdem sinken die Fallzahlen kontinuierlich.

        Fakt 3:
        Corona hat eine Inkubationszeit von 4-14 Tagen, bis die ersten Symptome auftreten. Da nur symptomatische Personen getestet wurden und durch den Vorlauf zur Testanmeldung, Testdurchführung bis zur Ergebnismeldung entsteht eine Zeitverzögerung von ca. 14 Tagen. Jede Maßnahme, egal ob Lockerung oder Verschärfung, kann erst nach ca. 14 Tagen in den Fallzahlen sichtbar werden.

        Fakt 4:
        Bei den Sterbezahlen nennt Herr Drosten eine Verzögerung von 1 Monat. Laut RKI Bericht, Seite 4, war das Maximum der Todesfälle am 8. April erreicht, bezieht sich also auf Infektionen, die vor dem 8. März stattfanden.

        Fakt 5:
        Eine Wirkung kann niemals vor der Ursache eintreten!

        THESE:
        – Sinkenden Fallzahlen sind mit den Maßnahmen der Bundesregierung zu begründen.
        – Lockerungen gefährden die Wirksamkeit und führen zu steigenden Zahlen.

        PRÜFUNG:
        Die erste Maßnahme der Bundesregierung war das Versammlungsverbot von mehr als 1000 Menschen am 9.3., bis zum Lockdown am 22. März. Folglich müsste der (exponentielle) Anstieg in den Fallzahlen bis Ende März, sogar bis 7. April stattfinden, denn erst ab dem 7. April könnte der Lockdown in den Fallzahlen sichtbar werden. Die Todesfälle müssten bis zum 22. April ansteigen. Tatsächlich sind zu den jeweiligen Zeitpunkten die Fallzahlen alle längst gesunken, der R-Faktor war bereits am 20. März unter 1. Da eine Wirkung niemals vor der Ursache eintreten kann, kann die These nicht stimmen.

        Was sagt der „Faktencheck“ von Correctiv dazu:
        https://correctiv.org/faktencheck/2020/04/24/coronavirus-ist-der-lockdown-unwirksam-die-behauptungen-ueber-die-reproduktionszahl-im-faktencheck

        Dort steht wörtlich: „Demnach ist die Reproduktionszahl des Coronavirus Anfang März auf über 3 angestiegen und flachte dann ab. Um den 20. März sank R unter 1 und pendelte sich dort seitdem mit leichten Schwankungen ein“ und weiter „in dem überarbeiteten Epidemiologischen Bulletin vom 23. April erklären die Autoren: Unter anderem die Einführung des bundesweit umfangreichen Kontaktverbots führte dazu, dass die Reproduktionszahl auf einem Niveau unter 1/nahe 1 gehalten werden konnte.

        Klartext:
        Der R-Wert ist ohne EInfluss der Maßnahmen unter 1 gesunken und wurde dann durch die Maßnahmen der Bundesregiertung bei 1 gehalten. Die Begründung, warum der Wert nach den Maßnahmen aber bei 1 pendelt und nicht weiter gesunken (!) ist, steht bis heute aus – genau wie die Antwort, wie die Zahlen ohne Maßnahmen überhaupt so weit sinken konnten.

        Aber sicher wissen „informierte Kreise“ da mehr als ich… wahrscheinlich gab es eine Geheimwaffe im Kampf gegen Corona, deren Existenz die Bevölkerung verunsichern könnte… :]

      4. „Demonstrationen als gefährlich zu bezeichnen, ist nun wirklich das Letzte. Das Demonstrationsrecht ist eines der höchsten Grundrechte einer Demokratie.“

        Natürlich können Demonstrationen gefährlich sein, diese Bewertung erfolgt schließlich ganz unabhängig von ihrer Bedeutung als Grundrecht.

  25. Nicht alles is eine Verschwörung. Die Wirklichkeit is schlimmer als alle Verschwörungen zusammen, denn Verschwörungen lenken nur ab. Sie lenken ab von der Wirklichkeit. Was noch keine Journalist berichtet hat ist, dass das COVID19 das alte SARS virus von 2003 ist. Das ist keine Verschwörung, sonder nur ein Skandal, da die SARS-Forschung 2008 eingestellt wurden–obwohl man durch die Chineses für neue Ausbrüche gewart wurden in 2013 und 2015. Die wissenschaftlichen Fetails beweisen es:
    https://www.researchgate.net/publication/341120750_A_SARS-like_Coronavirus_was_Expected_but_nothing_was_done_to_be_Prepared
    Was auch keine Verschwörung ist, ist dass der COVID19 RKI test, so entwurfen wurde, damit es auch das alte SARS Virus detektiert und diese Tatsache weiterhin wird: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6988269/pdf/eurosurv-25-3-5.pdf
    Drosten selber schreibt hier: „The intended cross-reactivity of all assays with viral RNA of SARS-CoV (SARS2003) allows us to use the assays without having to rely on external sources of specific 2019-nCoV (COVID19) RNA.“

    M vr Gr,
    Dr. P. Borger

    1. Die Organisation, für die Sie hier „forschen“ (Sie sollten schon dazuschreiben, dass Sie Ihre eigene sogenannte Forschung verlinkt haben und nicht „die Wissenschaft“ per se), vertritt laut der Beschreibung auf Wikipedia „einen auf der wörtlichen Auslegung der Bibel basierenden Schöpfungsglauben (Kreationismus)“ – in anderen Worten: Sie zweifeln an der Evolution. Ich bin kein Wissenschaftler, ich kann, was Sie schreiben, nicht abschließend beurteilen. Aber dass nun ausgerechnet Sie, der für diese Organisation tätig ist, mit Ihrer sogenannte genetischen Forschung als Erster sozusagen diesen Code geknackt haben wollen, das stimmt mich ehrlich gesagt ein wenig skeptisch.

  26. Man merkt den Wortmeldungen in dieser Kommentarspalte an wie verbreitet dieser Bullshit in den Köpfen doch ist.
    Ich meine, wie viele Leute lesen dieses sogenannte „Horoskop“?
    Antwort: sehr viele und selbst solche die behaupten sie glauben nicht daran…
    Religion, Esoterik, Verschwörungswahn… das ist alles das selbe!

    Was mich richtig ankotzt, ist das von Verschwörungstrotteln praktizierte Gegenüberstellen von Verschwörungsidioten auf der einen und Berufspolitikern und Wirtschaftsleuten (die beide meist zusammenspielen) auf der anderen Seite.
    Ich gehöre keiner der beiden Fraktionen an, sondern bin aufgekärt und aufklärerisch.
    Stellt einer eine Behauptung auf, liegt die Beweislast der Behauptung bei dieser Person, die drei oben genannten Fraktionen hingegen maßen sich an die Beweislast umzukehren.
    Bei den Verschwörungstrotteln kein Problem, aber bei den beiden anderen meist schwierig, da die notwendigen Informationen von exakt diesen Personen unter Verschluss gehalten und oder zensiert werden (Beispiel: BND-NSU-Affäre).

  27. Bin ich bereits Verschwörungstheoretiker, wenn ich annehme, dass der Spiegel wohl nichts Kritisches über Impfungen schreiben wird, wenn er über 2,5 Millionen von der Bill und Melinda Gates Stiftung erhalten hat?
    Auch das RKI, die Charité (Prof. Dorsten) und die WHO haben viel Geld von der Stiftung erhalten (alles direkt nachweisbar durch Sucheingabe auf der Seite der Gates Foundation). Können die sich überhaupt kritisch mit Impfungen auseinandersetzen?
    Bei der Schweinegrippe, die ja von Drosten total überschätzt wurde in ihrer Gefährlichkeit, was zu Unsummen unnötiger Impftstoffausgaben geführt hat, gab es viele Fälle von Narkolepsie, schwerwiegenste Nebenwirkungen (allergischer Schock, Gesichtslähmungen, Zuckungen, Gefäßentzündungen und Gehirnentzündungen) der Impfungen. Betroffenen Menschen erhielten teilweise Entschädigungen.
    Verschwörungstheorien? Oder doch eher Augen öffnen und nicht naiv sein.
    Übrigens: Menschen, die an sogenannt Verschwörungstheorien glauben, sind vernünftiger, wie ene Studie nachweist, nachzulesen auf der Seite von „Forschung und Wissen“.

    1. SPIEGEL wie Professor Drosten können sich kritisch mit Impfungen auseinandersetzen, natürlich. Wenn Sie Gegenteiliges behaupten, müssen Sie schon Belege dafür liefern. Bis Sie das tun, können wir nun wohl davon ausgehen, dass es nicht stimmt. Und, weil Sie gefragt hatten: dass Sie ein Verschwörungsgläubiger sind.

  28. Wer Menschen helfen will, wie die Überschrift dieses Artikels ankünigt, der muss sie zuerst einmal verstehen und vor allem verstehen wollen. Der erste Schritt dafür wäre zu versuchen, die Gedankenwelt dieser Menschen zu erfassen, und bereits daran scheitert dieser Artikel geradezu grandios in seiner – Verzeihung – vulgärrationalen Pose.

    Das Phänomen Verschwörungstheorie ist nicht schwer zu begreifen.

    Erstens: es gibt Verschwörungen im hier relevanten Sinne. Die weltweite, drastische staatliche Überwachung des Internet inklusive der jeweils eigenen Länder durch NSA/GCHQ/Five Eyes, die jahrelang erfolgreich geheim gehalten werden konnte, ist nur das offensichtlichste aller Beispiele. Das ist eine grundsätzliche Wahrheit, die man unbedingt Ernst nehmen muss, will man Verschwörungstheoretiker verstehen.

    Zweitens: es gibt bzgl. vieler Verschwörungshypothesen einen rationalen Kern, der eine Verschwörung nicht auf den ersten Blick als unmöglich erscheinen lässt (die umfassende Überwachung des Internet ist technisch möglich und liegt im Interesse von Geheimdiensten). Hier versagt mE der Artikel. Es ist nämlich keineswegs so, dass sämtliche im Zuge von Corona aufgetauchten Verschwörungstheorien spätestens auf den zweiten Blick Quatsch sind; vielmehr bedarf es teilweise großer Sachkenntnis, um die Theorie inhaltlich überzeugend zurückweisen zu können.

    Beispiel (ohne Wertung): Das Handelsblatt u.a. begleiten seit mehreren Jahren journalistisch bestimmte Ansätze des Weltwirtschaftsforums unter Beteiligung der Gates-Stiftung zur Implantierung von Mikrochips zur Impfkontrolle (vor allem in der Dritten Welt). Es ist auch eine Tatsache, dass dieses Weltwirtschaftsforum zusammen mit der Gates-Stiftung noch im Oktober 2019 mit „Event 201“ eine Corona-Pandemie-Simulation durchgeführt hat. Es ist auch eine Tatsache, dass sich zahlreiche Think Tanks und Stiftungen seit Jahren in Thesenpapieren darüber ergehen, inwieweit man die disruptiven Kräfte von möglichen Krisen unbedingt für dieses oder jenes nutzen sollte (zB: eine Pandemie ist eine Möglichkeit, Bevölkerungen durch Schock an autoritärere Herrschaftsausübung zu gewöhnen, vgl. Rockefeller/GBN Scenarios for the Future of Technology and International Development, 2010).

    Will man nun Verschwörungshypothesen, die aus diesem Dunstkreis an Fakten entstehen, wirksam entgegen treten, reicht eine oberflächliche Beschäftigung bereits offensichtlich nicht mehr aus, um einer unterkomplexen Verschwörungstheorie (Gates will die Welt durchimpfen um uns alle zu kontrollieren!1) mehr entgegen zu setzen als ein ebenso unterkomplexes das-ist-alles-Quatsch-was-soll-denn-Event-201-sein?!1

    Wer nicht bereits ist, sich auf die jeweilige Materie inhaltlich einzulassen, die ob ihrer Komplexität und Undurchsichtigkeit zu Theoriebildung führt, wird in den Augen von Verschwörungstheoretikern immer derjenige bleiben, für den Unwissenheit ein Segen der konstitutionell heilen Welt ist. Objektiv findet derjenige auf die jeweiligen Fragen eine ebenso einfache Antwort, wie der Verschwörungstheoretiker, nur von der anderen Seite.

  29. Nun gut: Ich würde meinen Kindern sicher zugestehen, mich nicht mehr für „voll“ zu halten, wenn ich mit Theorien über die flache Erde, Chemtrails, Illuminaten oder Echsenmenschen daherkäme. Solche gibt es natürlich auch, trauriger Weise. Da spielen dann sicher auch die psychologischen Beweggründe, die hier in diesem und ähnlichen Artikeln genannt werden eine Rolle.
    Aber als Mensch mit etwas mehr Lebenserfahrung habe ich (leider) herausfinden müssen, dass bei vielen Themen mehr dahintersteckt, als offiziell erzählt wird. Angefangen bei der Religion, der Wirtschaft, den Banken, der Politik. Kaum fängt man an, etwas kritisch zu hinterfragen, stößt man auf Widersprüche und Halbwahrheiten. Hat man dann herausgefunden, dass da etwas nicht stimmt, fragt man sich, „Wieso machen die das?“ Was, zum Beispiel, könnten die Beweggründe eines Politikers sein, gegen seinen Amtseid zu handeln? Erst da beginnt dann die Theorie, ob Verschwörung, oder nicht.
    Wenn aber Menschen, die einfach nur Fragen stellen und „Fakten“ hinterfragen, gleich auf eine Stufe mit „Flach-Erdlern“ und anderen Spinnern, gestellt werden, ist das nichts weiter als Diffamierung. Da hilft es auch nichts, ein psychologisches Konstrukt als „Beweis“ anzuschleppen.
    Denn auf der anderen Seite gibt es auch ein psychologisches Konstrukt für den Mainstream-Anhänger, der nur den offiziellen Verlautbarungen glaubt und andere Fakten als nicht fundiert abtut.

    1. Die wohlfeile Psychologisierung, die hier – wieder einmal – um sich greift, ist in der Tat selbst nur Ausweis tiefsten Unverständnisses bzgl. der beobachteten Phänomene gepaart mit dem unbedingten Wunsch, eine Erklärung entlang der eigenen Urteile und Vorurteile über die Funktionsweise unserer Gesellschaft zur Verfügung zu haben.

      Ihr letzter Satz scheint mir das außerordentlich gut auf den Punkt zu bringen: Wenig schmeichelhafte psychologische Deutungen sind ohne Probleme für alle Gruppen möglich. Das nutzt nur der Selbstvergewisserung. Erkenntnisgewinn kann nur die inhaltliche Auseinandersetzung bringen.

  30. Ich denke das Problem dieses Artikels ist, dass unterschiedslos praktisch Alle, die nicht die offizielle Darstellung der Gefährlichkeit dieses Virus teilen, unter Psychotherapeutische Therapie der gesamten familiären- und Freundes-Umgebung gestellt werden.
    Das ist eine Tendenz die die Betroffenen Kritiker mit einem „Nebel von geheucheltem Verständnis“ umgibt oder umgeben soll, und sie praktisch in Watte wegpackt.
    Versteht sich wohl von selbst, dass das kein reifer kommunikativer Umgang zwischen Erwachsenen Menschen sein kann, die sich „ganz einfach“ gegenseitig für voll nehmen.
    Und bestenfalls nachvollziehbare Argumente austauschen.
    Fraglich bleibt mir, was der Autor davon halten würde, wenn dabei die Gefährlichkeit und der praktizierte Umgang (Maßnahmen!) mit dem Virus zunehmend anders als der von Regierungs- und Virologenseite (deutscher!) dargestellt sowie die Maßnahmen zunehmend kritischer gesehen werden würden. Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass diese Entwicklung unter Einbeziehung der Ergebnisse international anerkannter Forscher und Wissenschaftler. die jedweder Verschwörung unverdächtig sein müssen, zustande käme.
    Wäre es guter demokratischer Umgang, auf Menschen, die das zu ihrer Meinung machen, praktisch die gesamte soziale Umgebung als unprofessionelle Therapeuten und Pädagogen loszulassen?
    Oder habe ich da was ganz falsch verstanden?
    Es wird doch geradezu aufgerufen, diese Menschen nicht ernstzunehmen (am besten garnicht hinzuhören -weils gefährlich sein könnte?) und „beruhigend“ auf sie einzuwirken, eben so wie in der Psychiatrie auf einen Kranken.
    Tut mir sehr leid – so kann ich, obwohl oder weil(?) ich Arzt bin, nicht mit meinen Mitmenschen umgehen. Was sollte mich denn berechtigen zu denken dass ich sowieso und alleine im Besitz der „Wahrheit“ bin und mein Gegenüber krank und therapiebedürftig sei?
    Geht der Autor so mit seinen Kollegen um oder diese mit ihm?
    Wie auch immer – ohne mich. Ich werde derartige Pseudotherapeutische Artikel wo immer möglich als -nicht so bitte – markieren und wo ich kann diskutieren.
    Bislang bin ich da auf viel Zustimmung gestoßen, bei Anhängern aller Richtungen und Berufe.
    Grüße
    Peter

  31. Ich bin sehr irritiert über eine Verallgemeinerung in diesem Text, die mich mit meinen 62 Jahren laut E-Mail Autor schon zu einem Infodemie- Risikopatienten macht. Ich bin aufgewachsen mit einem aufgeklärten, humanistischen Weltbild, bin politisch und gesellschaftlich aktiv und bin wissenschaftlichen Argumenten gegenüber ausgesprochen aufgeschlossen.
    Ich habe jetzt einige Wochen beruflich ganz direkt mit Infizierten zu tun gehabt, habe Maßnahmen eingeleitet und durchgeführt und dies auch durchaus erfolgreich. Aus eigener Anschauung habe ich Respekt vor dieser Infektion, aber keine Angst. Und ich werde mich eindeutig nicht gegen das Virus impfen lassen, wie ich es auch nicht gegen Grippe zugelassen habe oder Hepatitis. Hinzu kommt, dass ich mich mit alternativen Heilmethoden auseinandergesetzt habe und einiges Gutes daran finden kann, was die naturwissenschaftlich-mechanistische Medizin nicht oder nicht ausreichend bieten kann. Ich leiste mir den Luxus, dass ich das beste von beiden Seiten für meine Gesundheit nutze, sozusagen eklektisch.
    Es gerät mir in der letzten Zeit zu sehr aus dem Blick, dass unsere Medizin Schattenseiten hat, die starke Ökonomisierung etwa, oder das völlig aus den Fugen geratene Antibiotika-Problem. Und auch die z. T. Schlimmen Folgen der Maßnahmen, die zur Eindämmung des Virus zugunsten einer Ideologie „Hauptsache keine Verbreitung“ billigend in Kauf genommen werden, machen mich wütend. Das sehe ich kritisch, kritisch sehe ich auch, dass abweichende Meinungen schnell zu Verschwörungstheorien umgedeutet werden.
    Gut, genug um zu sagen, was ich eigentlich anbringen will: bin ich auch schon verdächtig mit den von mir geschilderten Auffassungen und Überlegungen, in die Ecke „Verschwörung“ gestellt zu werden? Wenn ja, wie kann das sein, ich habe schon immer so gedacht und gut funktioniert in diesem Land. Verschiebt sich Wahrheit und was dafür gehalten wird? Ist kritischer Geist, der immer gut und wichtig war, langsam immer mehr anrüchig? Wer erdreistet sich, jemand anderes schnell mal in die Ecke der Verschwörung oder Sekte zu stellen?
    Wir sollten gut aufpassen, dass wir nicht alle zu hart urteilen statt zuzuhören. Ich persönlich finde den Artikel jedenfalls ziemlich verhärtet in seiner Aussage, das gefällt mir nicht
    Hans

  32. Hm.. hier werden kritische Beträge nicht freigeschaltet. Schlage Namensänderung in netzzensur.com vor. Ehrlich währt schießlich am längsten. Außerdem bin ich der Meinung, daß Propaganda-Schleudern nichts gemeinnütziges an sich haben. Ganz im Gegenteil. Ich halte es für angebracht, den Stil hier mal im größeren Kreis öffentlich zu diskutieren.

    1. Was ist kritisch in diesem Falle? Ihr Post ist sehr allgemein gehalten, mit ziemlich spezifischer und umfassender Folgerung.

      Teils wird nach längerer Zeit freigeschaltet, vermutlich weil mehrere Leute durchgucken, und nicht alle mit jedem Post etwas anfangen können.

      Dass nicht alles Theorien sind und nicht allles Verschwörungstheorien sollte schon klar sein, leider wird derzeit recht systematisch versucht, Kritik mit Verschwörungstheorie und am Besten gleich extremer (Rechte) zu verklammern (nicht unbedingt hier, aber man findet die Tendenzen öfters, z.B: Spiegel, Tagesschau). Allerdings trifft man durchaus auf Menschen, die sich vielleicht gar keine Meinung gebildet haben, aber als Themenansatz ersteinmal Zweifel mit zufällig nicht tragfähgier Begründung vorwählen. Dagegen ist viel schlimmer, was (vor allem in irgendeinem Amt befindliche) Politiker so argumentativ verbrechen.

      Die Fresse halten und sich im Gespräch mit anderen eine Meinung bilden geht halt nicht vollumfänglich gleichzeitig.

  33. Leider habe ich in meinem Umfeld auch zunehmend mit Menschen zu tun, die hinter den Corona-Schutzmaßnahmen eine weltumspannende Organisation vermuten, die die Demokratie abschaffen wollen. Ich persönlich habe tatsächlich versucht, nachzufragen, um zu verstehen, wo solche Ansichten auf einmal herkommen. Tatsächlich – und da muss ich dem Autoren Recht geben – ist so ein Gespräch sehr kräfteraubend. Meine Erfahrung ist leider, dass solche Menschen nicht wirklich ein Gespräch wollen. Sie wollen vielmehr mich davon überzeugen, die Augen zu öffnen und hantieren mit vielen „Argumenten“, die sie in Social Media von irgendwelchen Leuten aufgeschnappt haben.

    Ich denke tatsächlich, dass viele dabei weder prüfen, wer der Absender von Statements ist noch um den Algorithmus wissen, dass einem verstärkt dann immer wieder Videos und Statements gezeigt werden, die genau in die selbe Richtung gehen. Damit verstärkt sich der Eindruck, man gehöre zu einer großen Gruppe.

    Ich vermute auch, dass manche nicht mehr mit den verschiedenen Formen der Berichterstattung im TV, Radio und in den Zeitungen umgehen können. Sehr oft wird nur die Überschrift und die Bildunterschrift wahrgenommen. Dass eine Nachricht neutral abbildet, was … wann und wo und durch wen verkündet wurde oder passiert ist – und dass ein Kommentar dann tatsächlich eine persönliche Einordnung vermittelt – oder eine Reportage eben ein Stück Wirklichkeit abbilden will …. und und und … dieses Wissen fehlt leider oft.

    Es mangelt auch an einem Verständnis für Wissenschaft. Natürlich gehört in der aktuellen Phase dazu, dass zum Beispiel die Virologen sich widersprechen. Sie sind gerade dabei das Virus zu erforschen. Da sind verschiedene Ansichten sogar hilfreich, weil als Folge davon … gezielt weiter nach Antworten gesucht wird.

    Und meiner Meinung nach gibt es auch ein Missverständnis, was den Staat angeht. Einerseits gibt es oft einen großen Aufschrei, wenn Dinge durch Gesetze geregelt werden. Aktuell hoffen aber viele, dass der Staat für wirklich alles einspringt und alle Probleme löst.

    Stattdessen muss doch jeder auch so flexibel bleiben, Probleme selbst anzugehen. Das ist Selbstverantwortung. Und Lösungsangebote und Hilfestellungen gibt es in Deutschland wirklich zahlreich. Dafür muss man sich aber informieren und selbst aktiv werden – aber dahingehend, tatsächlich etwas zu tun … und nicht dahingehend, die ganze Kraft in Verschwörungstheorien zu stecken, die dann ja auch als Totschlag-Argument dafür gelten, warum Menschen von sich aus die Hände in den Schoß legen, meckern – aber grundsätzlich ja nichts für ihr eigenes Leben tun.

    1. „Und meiner Meinung nach gibt es auch ein Missverständnis, was den Staat angeht. Einerseits gibt es oft einen großen Aufschrei, wenn Dinge durch Gesetze geregelt werden. Aktuell hoffen aber viele, dass der Staat für wirklich alles einspringt und alle Probleme löst.“

      Einerseits ist genau das Aufgabe des Staates, andererseits kommen Aufschrei und Forderung nicht immer und vor allem nicht bei allen Themen von denselben Leuten.

      Und beides ist durchaus mal richtig. Einerseits gibt es durchkorrumpierten Quatsch zum Nachteil vieler, wie die D-Maut oder die EU-Urheberrechtsreform, andererseits gibt es dezidiert Untätigkeit z.B. bzgl. Internetkonzernen. Die gesetzgeberische Tätigkeit scheint in einigen Bereichen mit an „fast immer“ grenzender Häufigkeit obskuren Gesetzmäßigkeiten zu folgen.

      Probleme selbst angehen: Was denn, wie denn? Einerseits ist es ja richtig, und Menschen Motivation zum Handeln geben, ist ja auch schön und gut, realistisch ist es in der Pauschalität vielleicht jedoch nicht.

      Teil einer Problemlösung für in 100 Jahren werden, während auf allerlei Ebenen dagegengearbeitet wird, dass 1. das Problem gelöst wird, sowie das 2. einzelne Menschen überhaupt an Lösungen teilnehmen können? Es gibt ja tatsächlich Ausschlussprozesse, gegen die man einen Kuhfladen weit effektiv angehen kann, sowie sich entkoppelnde Ebenen (um das Wort Zirkel zu vermeiden). Die politische Landschaft müsste sich radikal zu Vernunft hin orientieren, um dann vielleicht festzustellen dass z.B. die US-Amerikaner am Ende halt doch nur Weltkrieg können, egal wer anfängt.

  34. Würde man den Begriff „Verschwörungstheorie“ als „Verschwörungsthese“ bezeichnen, kämen wir zu einer Versachlichung der Diskussion:

    Eine These ist eine zu beweisende oder zu widerlegende Behauptung. Eine in der Wissenschaft übliche Methode. Demnach muss jemand, der ein „Veschwörungsthese“ aufstellt, diese zunächst mal schlüssig begründen und dann beweisen. Jeder andere kann die Gegenthese oder einen Gegenbeweis liefern. Und damit hätten wir einen echten Diskurs!

    Ich will damit sagen:
    Verschwörungstheorien sind nur deshalb geeignet, Vertrauen in die politischen Organe zu zerstören, weil Menschen es verlernt haben, schlüssig zu argumentieren und Argumente methodisch auf ihre Schlüssigkeit zu hinterfragen. Dazu braucht es Methodenkompetenz zur Textanalyse und zum Textverständnis.

  35. Theorien ohne Theorie sind wie Krankheiten ohne Symptome das herausragendste Merkmal dieser Zeit.
    Verdammt – die Theorie ist verschwört – schwört er – also muss es eine Verschwörungstheorie sein – es kann aber gar keine Verschwörung in der Theorie sein – schwört sie – Verschwörungen sind doch etwas Geheimes und nicht so etwas ins Netz gestreutes Gemeines.

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.