Radikalisierung auf Imageboards

Wie 8chan unter neuem Namen zurückkehren soll

Auf dem Imageboard 8chan sollen sich die Attentäter von El Paso, Christchurch und Halle radikalisiert haben. Inzwischen ist die Seite offline. Der Betreiber kämpft mit allen Mitteln darum, das zu ändern. Doch er hat einen starken Gegner.

Jim Watkins in einem YouTube-Video
Der 8chan-Betreiber Jim Watkins verkündet neue Pläne. Alle Rechte vorbehalten Screenshot: YouTube/Watkins Xerxes | Bearbeitung: netzpolitik.org

Der Mann, der einen der dunkelsten Orte des Internets wiederbeleben will, steht zwischen blühenden Bäumen und singt: „Go tell it on the mountain, over the hills and everywhere.“ Es ist Ende Oktober und Jim Watkins hat etwas anzukündigen. Er kichert in die Kamera seines Smartphones, mit dem er live bei YouTube streamt. „8kun ist online, aber es ist schwer, es zu finden. Denn man kann es nicht sehen.“ Kaum einer seiner Zuschauer:innen scheint zu verstehen, was er meint.

Dabei soll 8kun der Nachfolger des berüchtigten Imageboards 8chan werden. Seit August ist es nicht mehr erreichbar, eine Million Nutzer soll es dem Betreiber zufolge gehabt haben. Watkins wird später behaupten, er habe es freiwillig aus dem Netz genommen. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit.

15. März, Christchurch, Neuseeland: Ein weißer Mann erschießt in einer Moschee 51 Menschen und verletzt 49 weitere.

27. April, Poway, Kalifornien: Ein weißer Mann erschießt in einer Synagoge einen Menschen und verletzt drei weitere.

3. August, El Paso, Texas: Ein weißer Mann erschießt in einem Walmart 22 Menschen und verletzt 24 weitere.

Die Taten wurden auf 8chan angekündigt

Die Taten sind Akte rechtsextremistischen Terrors. Alle drei haben außerdem gemeinsam, dass sie zuvor bei 8chan angekündigt wurden. Einen Tag nach dem Massaker in El Paso werden sie auch für Jim Watkins zum Problem. Für den Mittfünfziger mit dem Schnauzbart, der sein Geld mit einer japanischen Pornoseite verdient hat, beginnt ein Kampf um das, was er für Meinungsfreiheit hält.

Für seine Gegner:innen ist es ein Kampf gegen eine Website, auf der Menschen einander in ihren rassistischen, sexistischen und homophoben Weltanschauungen bekräftigen. Unter dem Schutz der Anonymität hat sich eine düstere Subkultur aus Manga-Mädchen, Nazi-Memes und Gewalt gebildet. Es gibt Hinweise darauf, dass sich auch der mutmaßliche Attentäter von Halle hier radikalisiert hat.

In einem von dem Tatverdächtigen veröffentlichten Dokument bezieht sich dieser an einer Stelle namentlich auf den ehemaligen Betreiber des 8chan-Unterforums für Videospiele, eine außerhalb der Szene gänzlich unbekannte Person.

All die Vorfälle lassen kaum Zweifel daran: 8chan ist zu einer globalen Gefahr geworden.

Der Gründer zerstört sein eigenes Werk

Wegen dieser Entwicklung macht sich am 4. August Watkins’ früherer Angesteller Fredrick Brennan daran, sein eigenes Werk zu zerstören. 2013 hatte er 8chan gegründet. Die Katastrophe begann mit dessen Prämisse: Zugedröhnt mit psilocybinhaltigen Pilzen hatte Brennan, der wegen einer Erbkrankheit im Rollstuhl sitzt, nach eigenen Aussagen die Idee, ein Imageboard zu programmieren, in dem unendliche Freiheit herrschen würde: „Infinite Chan“, also 8chan.

„Ich war nicht naiv. Ich hatte erwartet, dass es seltsame Pornografie oder gelegentlich Todesdrohungen geben würde“, sagt der 25-Jährige. „Aber ich hätte nie gedacht, dass die Foren voll sein würden von Leuten, die zu Attentaten aufrufen und Nutzer zu einer Art internationaler Terroristen-Armee werden.“

Schon vor den Anschlägen ist er ausgestiegen und hat die Website Watkins überlassen, der sie weiter von den Philippinen aus betreibt. „Ich fühle mich verantwortlich, weil ich 8chan diesem Typen gegeben habe, der es nutzt, um in den USA als Bösewicht wahrgenommen zu werden“, so Brennan. Watkins hatte 8chan übernommen, weil Brennan das Geld gefehlt habe, um das Imageboard alleine zu betreiben.

Nach dem Anschlag in El Paso geht der Gründer in die Offensive. In diesen Stunden macht ein Gerücht in den sozialen Netzwerken die Runde: Der Attentäter habe seine Tat in Wirklichkeit gar nicht bei 8chan angekündigt.

Brennan sitzt an seinem Computer in der philippinischen Hauptstadt Manila und verfasst einen Post, den er über die Plattform Pastebin veröffentlicht. Es wird der Auftakt einer mehrmonatigen Jagd durchs Netz sein, bei der er IP-Adressen zurückverfolgen und Internetdienstleister auf drei Kontinenten vor Jim Watkins warnen wird.

CloudFlare kündigt 8chan

Brennan schreibt, es sei völlig ausgeschlossen, dass jemand nachträglich ein falsches „Manifest“ veröffentlicht habe. Er verweist auf einen sogenannten Hash-Algorithmus, der ihm zufolge die Authentizität des Dokuments belegt. „Ich habe dieses Feature programmiert – ich muss also wissen, wovon ich rede!“ Einige Stunden vergehen. Dann ist 8chan offline.

Das Unternehmen CloudFlare hat dem Imageboard gekündigt und dieses so aus dem Netz befördert. „Sie haben bewiesen, dass sie gesetzwidrig sind und das hatte viele tragische Tode zur Folge“, erklärt CloudFlares CEO Matthew Prince in einer Stellungnahme. 19 Millionen Websites auf der ganzen Welt schützt der Dienstleister nach eigenen Angaben vor sogenannten DDoS-Attacken. Bei solchen schicken Angreifer einem Server mithilfe von Bot-Netzen so viele Anfragen, bis dieser überlastet wird und dadurch nicht mehr erreichbar ist.

Doch der Schritt, den CloudFlare unternommen hat, gilt als heikel. Das Unternehmen hat nicht staatliche Anweisungen befolgt, sondern unter öffentlichem Druck nachgegeben. Erst einmal zuvor hatte es Vergleichbares getan, als es die amerikanische Neonazi-Website The Daily Stormer vor die Tür setzte. „Die sind schnell zurückgekehrt, indem sie einen Konkurrenten von CloudFlare genutzt haben“, schreibt Prince. „Ich habe kaum Zweifel daran, dass das Gleiche mit 8chan geschehen wird.“

Wenig deutet zunächst darauf hin, dass das sogenannte Deplatforming tatsächlich funktionieren kann. Binnen kürzester Zeit zieht das Imageboard um. Wie schon The Daily Stormer kommt 8chan bei dem Unternehmen BitMitigate unter. Dieses wirbt damit, die Meinungsfreiheit schützen zu wollen. Aber Brennan und andere schlagen erneut zu: Sie bemerken, dass BitMitigate für seinen DDoS-Schutz auf Technik des amerikanischen Dienstleisters Voxility zurückgreift und benachrichtigen diesen. Darauf schaltet Voxility wesentliche Teile von BitMitigate mitsamt dessen Kunden ab. 8chan verschwindet erneut.

„Die Menschen stellen sich das Internet als etwas vor, das in der Cloud existiert“, sagt Brennan. „Aber in Wahrheit besteht es aus Routern und Leitungen, die relativ wenigen Firmen gehören. Diese können beeinflussen, was online bleibt und was nicht.“

Eine Ansprache wie ein Militärbegräbnis

Jim Watkins meldet sich mit einer Ansprache per YouTube-Video zu Wort. Im Hintergrund erklingt eine Trompete wie bei einem Militärbegräbnis. Watkins stellt sich als Opfer dar. „Große Unternehmen schieben die Schuld auf kleine!“, schimpft er. „Unsere Firma hat immer mit den Strafverfolgungsbehörden zusammengearbeitet.“

Gegen seine Behauptung spricht, dass die philippinische National-Polizei ihn über die Medien auffordert, er möge sich endlich bei ihr melden. Der Ausschuss für Heimatschutz des amerikanischen Repräsentantenhauses schickt ihm zudem eine Vorladung: Watkins soll nach Washington kommen und zu dem Imageboard aussagen.

„Ich bin kein Extremist“, schreibt er dem Ausschuss per Email, bevor er ins Flugzeug steigt. Die Anhörung findet hinter verschlossenen Türen statt. Trotzdem lässt sich erahnen, was sich in den Räumen des Kongresses am 5. September abspielt. Über seinen Anwalt hat Watkins schon im Voraus eine Stellungnahme eingereicht. „Mein Unternehmen hat nicht die Absicht, von der Verfassung geschützte Hassrede zu löschen“, heißt es darin. Schon seit einem Monat ist 8chan zu jenem Zeitpunkt offline. Falls die Website wieder online gehe, wolle er zusätzliche Schritte unternehmen, um gegen Inhalte vorzugehen, die illegal sind – allerdings nur nach den Gesetzen der USA.

Ein Buchstabe am Kragen: Q

Warum er diesen Ärger überhaupt auf sich nimmt, darauf gibt er einen Hinweis, als er kurz nach der Anhörung ein Foto veröffentlicht. Es zeigt ihn vor dem Kapitolgebäude, am Hemdkragen trägt er einen Anstecker mit einem einzelnen Buchstaben: Q.

8chan steht im Zentrum einer Art Superverschwörungstheorie, die außerhalb der USA kaum jemand wahrnimmt. Sie beruht auf mehr als 3.000 Posts einer unbekannten Person oder Gruppe, die sich QAnon nennt, kurz Q. Es geht um Insider beim Militärgeheimdienst, einen Staat im Staat, die „Mächtigen“ wie Hillary Clinton und US-Präsident Donald Trump. Dessen Feinde sollen demnach am Tag der „Großen Erweckung“ ausgeschaltet werden.

Qs Nachrichten sind kryptisch, häufig enthalten sie Prophezeiungen, die nicht eintreten. Zunächst hatte Q sie auf dem Imageboard 4chan veröffentlicht, nach wenigen Wochen aber zu 8chan gewechselt. Knapp zwei Jahre ist das jetzt her. „Menschen mögen Geschichten und QAnon ist wie ein Thriller“, sagt der Verschwörungstheorie-Forscher Mike Rothschild, der die Entwicklung von Anfang an beobachtet.

Das Phänomen beschränkt sich nicht mehr nur auf das Internet. Rothschild schätzt, dass QAnon inzwischen 50.000 bis 100.000 treue Anhänger hat. Regelmäßig tauchen sie mit „Q“-Schildern bei Wahlkampfveranstaltungen von Donald Trump auf. Der Forscher hält die Verschwörungstheorie für gefährlich. „Man kann die Leute mit dieser Idee eines Kriegs zwischen Gut und Böse nicht ewig bei Laune halten. Irgendwann wird jemand die Sache selbst in die Hand nehmen.“

Doch für QAnon führt kein Weg an 8chan vorbei. Und so herrscht Funkstille, seit das Imageboard offline ist. Nur dort kann Q bei neuen Posts seine Identität belegen – mithilfe eines sogenannten Tripcodes, einem technischen Erkennungsmerkmal, das eng mit der Website verknüpft ist. Wann immer Jim Watkins an die Öffentlichkeit geht, betteln QAnon-Anhänger:innen um Neuigkeiten. „Die Community ist immer noch sehr aktiv“, sagt Mike Rothschild. „Deshalb ist Watkins wohl so heiß darauf, die Website zurückzubringen.“

8kun: Das alte Imageboard unter neuem Namen

Am 11. September unternimmt Jim Watkins einen weiteren Anlauf, um genau das zu tun. Mithilfe einer Art Briefkastenfirma gründet er im US-Bundesstaat Mississippi ein neues Unternehmen: Is It Wet Yet, Inc. Es soll sich von nun an um alle Angelegenheiten kümmern, die mit 8chan zu tun haben. Anfang Oktober kündigt er dann eine Nachfolge-Website an: 8kun.

Die wenigen Minuten, die 8kun tatsächlich im Netz ist, hinterlassen kaum Zweifel daran, dass Watkins seinem alten Imageboard lediglich einen neuen Namen verpasst hat. Wesentliche Teile sind identisch. Über 8chans Twitter-Konto werden zudem frühere Betreiber von Unterforen aufgefordert, sich per Email bei 8kun zu melden. Mehr als 200 sollen diesem Aufruf gefolgt sein. Doch das größte Problem bleibt bestehen.

„DDoS-Angriffe sind so billig, dass es ohne einen DDoS-Schutzfilter schwer bis unmöglich ist, im Internet eine kontroverse Seite zu betreiben“, sagt Kolja Weber. Aus dem europäischen Ausland betreibt der Deutsche den Internetdienstleister FlokiNET. „Nachdem 8chan damals von CloudFlare rausgeschmissen wurden, hat es keine 48 Stunden gedauert, bis sie bei uns angeklopft haben. Wir haben ihnen unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass ihre Seite illegal ist.“

Watkins versucht dennoch alles. Bei mindestens sieben unterschiedlichen Hosting-Unternehmen meldet er in den folgenden Wochen Webserver an. Fredrick Brennan sitzt in dieser Zeit vor seinem Computerbildschirm und sieht zu, wie die von ihm programmierten Skripte 8kun nachspüren. Wann immer er einen Treffer landet, geht er an die Öffentlichkeit. „Ich habe dazu beigetragen, dieses Imageboard aufzubauen – also bin ich die geeignetste Person, um es zu zerstören.“

Er twittert eine IP-Adresse, die nach London zu dem Anbieter Zare führt. Als er feststellt, dass 8kun Technik der Konzerne Alibaba und Tencent angemietet hat, schreibt er einen offenen Brief und lässt ihn auf Chinesisch übersetzen. Einer nach dem anderen scheint das Imageboard zu deplatformen. „Die Macht, die die großen Internetdienstleister haben, ist enorm“, sagt Brennan. „Aber wenn Menschen sterben, ist es nicht zu rechtfertigen, dass sie diese Macht nicht auch eingesetzten.“ Am 25. Oktober taucht 8kun bei Selectel in Russland auf. Wieder schlägt Brennan Alarm. Und wieder führt Watkins’ Domain wenig später ins Nichts.

„Wenn ihnen in den USA niemand Platz bietet, werden sie woanders auch keinen finden“, sagt Kolja Weber. Dennoch bezweifelt er, dass es möglich sein wird, eine Website endgültig aus dem Netz zu verbannen. „Niemand hält 8chan davon ab, seinen eigenen Dienstleister zu starten.“

Tatsächlich betreibt Watkins mit seinem Unternehmen N.T. Technology an der amerikanischen Westküste seit rund 20 Jahren einen Webhoster. Ein DDoS-Schutzfilter gehört nicht zu dessen Angebot. „Dazu braucht es Infrastruktur im großen Stil, außerdem Wissen und Geld“, so Weber. Es ist unklar, ob Watkins selbst die finanziellen Mittel hierfür aufbringen könnte. Gerade erst hat er für T-Shirts geworben, die er mit dem 8kun-Logo bedrucken lassen und verkaufen möchte.

Das unsichtbare 8kun als dezentrales Netzwerk

Eine Interview-Anfrage von Netzpolitik.org lässt Jim Watkins unbeantwortet. Aber als er am vergangenen Samstag zwischen den blühenden Bäumen steht und YouTube-Zuschauer:innen ihn fragen, warum genau man 8kun nun eigentlich nicht sehe könne, kommt er ins Plaudern. „Wir haben ein Programm geschrieben, das ihr auf eurem Computer installieren könnt.“

Sein Plan sieht so aus: 8kun soll erst mal als dezentrales Netzwerk starten, so schnell wie möglich. Glücklich scheint er damit noch nicht, denn diese Technik könnte die Anonymität der Nutzer:innen gefährden. „Es gibt ein paar Schwachstellen: Wenn ihr die Seite besucht, könnten die Leute, die einen 8kun-Knoten betreiben, herauskriegen, wer ihr seid.“ Vielleicht lässt 8kun deshalb weiter auf sich warten. Etwas geschieht aber doch, allerdings in El Paso.

Die Angehörigen von Angelina Silva Englisbee, die bei dem Terroranschlag getötet wurde, reichen Klage ein. „Wir wollen den Hass stoppen“, sagt ihr Anwalt am Dienstag bei einer Pressekonferenz. „Wir versuchen einen neuen Maßstab zu setzen und zu zeigen, dass diejenigen, die solche Aktivitäten unterstützen, finanziell alles verlieren können.“ Die Klage richtet sich gegen die Familie des Attentäters, aber auch gegen 8chan-Eigentümer Jim Watkins, Gründer Fredrick Brennan und CloudFlares CEO Matthew Prince. Sie alle trügen eine Mitschuld an der Tat.

Korrektur: In der Bildunterschrift wurde korrigiert, dass Watkins nicht Gründer, sondern Betreiber ist.

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9 Ergänzungen
  1. Ich befürchte ja das solche Seiten wie 8kun irgendwannmal als P2P Dezentral im TOR/I2P Netz betrieben werden um es zu anonymisieren. Das hätte dann auch zur Folge es mehr politische Angriffe auf das Darknet bzw. Anonymität im Internet allgemein zur folge hat. Denn auf solche Nazi Terrorplattformen hat ja schließlich niemand bock.

    D.h hoffe ich das es auch in Zukunft gewaltige DDoS Attacken darauf geben wird so das solche Plattformen down bleiben. Nur so liese sich verhindern das der Gesetzgeber ansonsten hier irgendwannmal tätig wird und die Internetfreiheit für alle weiter einschränkt.

  2. „Der 8chan-Gründer Jim Watkins verkündet neue Pläne.“
    und mehrere andere Stellen im gleichen Bezug sind falsch, Watkins ist, wie ihr an anderen Stellen auch gesagt habt, nicht der Gründer.

  3. Hallo Daniel,

    warum verschweigst du, dass Watkins absolut mit den Behörden kooperiert hat, zugesagt hat noch enger mit den Behörden zusammenzuarbeiten und dass der Chairman of the Committee on Homeland Security Herrn Wtakins ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit gedankt hat? (Quelle: https://homeland.house.gov/news/press-releases/thompson-and-rogers-joint-statement-after-8chan-deposition )

    Du stellst 8Chan wie ein Nazi-Hort da, obwohl es da von Links bis Rechts und von Oben bis Unten ALLES gab. Der Attentäter von El Paso war auch ein absoluter Öko-Spinner und kein Nazi. 8Chan war nichts anderes als 4Chan oder Facebook und Twitter. Eine Online-Platform auf der User ihren Content veröffentlichen können.

    Grundsätzlich sieht man deinem Text deutlich an, dass du nicht wirklich weißt, was 8chan war, dich dort nie richtig umgesehen hast und dich hauptsächlich auf die nachweislich ( https://twitter.com/infinitechan/status/1160518101798047744 ) oft völlig falsche Berichterstattung der großen Medien stützt.

    Wenn du 8chan jemals benutzt hättest, dann wüsstest du, dass die Jungs illegalen Scheiß echt schnell gelöscht haben. Schneller als es auf Facebook und Twitter regelmäßig der Fall ist.

    Der Anschlag in Neuseeland wurde live auf Facebook gestreamed und Halle (das du vollkommen ohne jede Grundlage mit 8Chan in Verbindung bringst) wurde auf Twitch (?) gestremed. Auf Facebook und Twitter werden täglich gigabyteweise Gewaltvideos aus Schulen und von anderen Orten geshared, wie z.B. Kinder, Jugendliche, Obdachlose usw. zusammengeschlagen werden und das wird von unzähligen Spinnern gefeiert. Genauso teilen Terroristen dort ihre Botschaften und Anschlagsvideos.

    Warum soll also 8chan für all das Elend verantwortlich sein und verschwinden, aber Twitter und Facebook dürfen unbehelligt weitermachen?

    8Chan war und 8Kun ist, genau wie 4chan, einer der wenigen Plätze im Internet, wo noch wirkliche MEINUNGS- und REDEFREIHEIT herrschen, im Rahmen der US-Definition dieser Begriffe. Alles was darüber hinausgeht, wird ganz normal moderiert, also gelöscht.

    Das schätzen übrigens nicht nur „Rechte“, sondern auch Anti-Kriegsaktivisten, Kommunisten, Transsexuelle und viele andere, die man in Deutschland ignorant als „Links“ über einen Kamm schert. Die haben auf Twitter, Facebook und YouTube nämlich auch oft kein leichtes Leben.

    Ohnehin, ist die Diskussion absolut idiotisch. Zu behaupten, dass eine Webseite für Anschläge verantwortlich ist, ist genauso bescheuert, wie wenn Trump Videospiele dafür verantwortlich macht.

    Übrigens, deine Aufzählung mit „Ein weißer Mann…“ hat ein Geschäckle: Anscheinend sind Hautfarbe und Geschlecht sehr relevante, Attribute für dich. Ich erwarte jetzt von dir, dass du JEDES MAL, wenn du über einen anderen Menschen schreibst, die Hautfarbe und das Geschlecht der Person nennst. Anderenfalls musst ich dir offensichtlichen Sexismus und Rassismus unterstellen. Merkst du nicht von selbst, dass du hier genau das machst, was man regelmäßig Nazis vorwirft?

    Wenn man auf Netzpolitik.org geht, weiß jeder mit welchen Bias man es zu tun hat und das ist auch ok. Objektive News gibt es ohnehin nicht. Dennoch hätte ich von dir bzw. euch deutlich bessere Recherche erhofft und nicht bloßes Wiederkäuen von Washington Post und Co. Ihr seid verdammt nochmal „NETZpolitik.org“ und habt die Kompetenz gerade solche Themen richtig zu recherchieren. Dazu gehört jedoch auch respektvoll die Klappe zu halten, wenn man nicht mehr recherchieren kann, weil die Primärquelle nicht mehr zur Verfügung steht. Alternativ hätte man am Anfang transparent machen müssen, dass man sich hier weitgehend oder vollständig auf Sekundärquellen stützt.

    Übrigens: Man hätte auch mal investigativ werden können und einen oder mehrere (fairerweise Medienbegabte) Pro-8Chan-Nutzer ausfindig machen können, quasi als Gegenpol zu den sonstigen Sekundärquellen. Ist halt sehr aufwendig, aber wer hat behauptet, dass Journalismus einfach ist?

    1. Hallo „8Chan Nutzer“,

      > Du stellst 8Chan wie ein Nazi-Hort da, obwohl es da von Links bis Rechts und von Oben bis Unten ALLES gab.

      Das Unterforum /pol/, in dem die drei Terroranschläge angekündigt wurden und ein entsprechendes Klima herrschte, hatte die meisten aktiven Nutzer und war mit 13.575.873 Posts nach dem Unterforum für Videospiele das mit Abstand größte.

      >> Der Attentäter von El Paso war auch ein absoluter Öko-Spinner und kein Nazi.

      Der zweite Satz des Dokuments, das der Attentäter von El Paso vor der Tat verfasst hat, lautet: „Dieser Angriff ist eine Antwort auf die hispanische Invasion von Texas.“ Im ersten Satz erklärt er seine Solidarität mit dem Attentäter von Christchurch, der Muslime getötet hat.

      > 8Chan war nichts anderes als 4Chan oder Facebook und Twitter. Eine Online-Platform auf der User ihren Content veröffentlichen können.

      Ein wesentlicher Unterschied: Moderiert haben bei 8chan Jim Watkins zufolge in erster Linie Ehrenamtliche. So hat er das dem Kongress geschrieben. Das Unterforum /pol/ hatte demnach fünf ehrenamtliche Moderatoren.

      > Grundsätzlich sieht man deinem Text deutlich an, dass du nicht wirklich weißt, was 8chan war, dich dort nie richtig umgesehen hast und dich hauptsächlich auf die nachweislich ( https://twitter.com/infinitechan/status/1160518101798047744 ) oft völlig falsche Berichterstattung der großen Medien stützt.

      Der Tweet, den du verlinkst, bezieht sich auf den Anschlag in Oslo – mit keinem Wort habe ich jenen im Zusammenhang mit 8chan erwähnt. Ich kenne 8chan zur Genüge aus der Zeit, als es online war, und selbst heute lassen sich noch problemlos archivierte Inhalte finden, die exemplarisch belegen, was für eine Website das war. Ich habe auch ausführlich mit dem Gründer von 8chan Fredrick Brennan gesprochen, und aufgeschrieben, was er hierzu zu sagen hatte. Aber vielleicht zweifelst du ja auch daran, dass er sich bei 8chan jemals richtig umgesehen hat.

      > Wenn du 8chan jemals benutzt hättest, dann wüsstest du, dass die Jungs illegalen Scheiß echt schnell gelöscht haben. Schneller als es auf Facebook und Twitter regelmäßig der Fall ist.

      Der Original-Post zum Anschlag in Christchurch (51 Tote) war bei 8chan 2 Stunden und 49 Minuten lang online. Quelle: Watkins’ Schreiben an den Kongress.

      > 8Chan war und 8Kun ist, genau wie 4chan, einer der wenigen Plätze im Internet, wo noch wirkliche MEINUNGS- und REDEFREIHEIT herrschen, im Rahmen der US-Definition dieser Begriffe. Alles was darüber hinausgeht, wird ganz normal moderiert, also gelöscht.

      8chan war radikaler als 4chan. Als langjähriger Nutzer wirst du selbst wissen, dass 8chan einen Schub bekommen hat, als es die den 4chan-Betreibern zu sexistischen Gamergate-Diskussionen zugelassen hat. Darüber hinaus muss man sich als Nicht-Amerikaner ja nicht an der US-Definition von Meinungsfreiheit orientieren, genauso wenig wie an der Chinas.

      > Alternativ hätte man am Anfang transparent machen müssen, dass man sich hier weitgehend oder vollständig auf Sekundärquellen stützt.

      Das hast du dir leider ausgedacht.

  4. was mir in den Berichten, sowohl hier als auch beim Logbuch Netzpolitik, etwas fehlt, ist noch mal die technische Einordnung, was genau 8Chan aus dem Netz befördert hat. Den meistens Stammlesern/hörern dürften die technischen Zusammenhänge bekannt sein, aber andere Menschen, die durch Verlinkungen etc auf den Artikel stoßen, vielleicht nicht.

    Also, so weit ich es verstanden habe: der Dienstleister, der 8Chan rausgeschmissen hat, ist nicht der eigentliche Serverbetreiber, sondern bietet Mitigationdienste an – eine Art Zwischenschicht auf Netzebene, durch die DDoS Attacken (fast) unmöglich gemacht werden. Nach dem dieser Schutz weg war, haben irgendwer (TM…. wahrscheinlich eher linke Teile von Anonymous, Hacktivists, sonstige Menschen, die so was halt 4 the lulz machen) die Seite durch Angriffe „aus dem Netz geschossen“ – also so überlastet, dass sie faktisch nicht mehr erreichbar ist.

    achja, und infinityChan…naja… die englische Aussprache von 8, eight, klingt zufälligerweise auch ganz ähnlich zu der Aussprache von hate…

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