N26

Eine Bank gegen fast alle Werte, an die wir glauben

Mit fiesen Tricks geht nicht nur Amazon gegen Betriebsratsgründungen vor. Auch die Bank N26 wollte eine Mitbestimmung im Unternehmen verhindern – und fiel damit auf die Schnauze. Ein Kommentar.

Valentin Stalf in Lederhosen und Tracht auf der Wiesn im Rahmen der Technologie-Konferenz Bits&Pretzels
Betont locker: N26-Gründer Valentin Stalf in Lederhose bei einem Event in München. CC-BY 2.0 Marco Verch

Die Führungsriege der Online-Bank N26 hat unter fadenscheinigen Gründen, nämlich über Hygienebestimmungen und eine einstweilige Verfügung versucht, die Gründung eines Betriebsrates im Unternehmen zu verhindern. Gleichzeitig meldete sich die Führung gegenüber ihren Mitarbeiter:innen mit der bemerkenswerten Aussage zu Wort, die Betriebsratsgründung stünde „gegen fast alle Werte, an die wir bei N26 glauben“. Die Betriebsratsgründung würde zudem das Unternehmen hierarchischer machen.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die Mitbestimmung der Angestellten macht das Unternehmen hierarchischer. Sagen die Chefs dieses Unternehmens, die gerade versuchen, Mitbestimmung zu verhindern. Man muss wirklich zu lange im Buzzword-Nebel der Start-up-Szene verbracht haben, um dieses Balla-Balla-Gewäsch von angeblich flachen Hierarchien selber noch zu glauben.

N26 ist kein kleines, nettes Hinterhof-Start-up, sondern hat 1.500 Mitarbeiter:innen weltweit. Investoren wie Peter Thiel oder der chinesische Tech-Konzern Tencent hängen mit Millionenbeträgen bei der Direktbank drin. Da kann man nicht mehr mit der abgeschmackten Leier vom tollen Kicker, bunten Konferenzräumen, ein paar kostenlosen Bio-Müsliriegeln, der Barista-Espressomaschine oder sonstigen ganz, ganz großartigen Incentives als Blendwerk ankommen.

Die Mitarbeiter:innen von N26 berichten von Angst vor der Nichtverlängerung befristeter Arbeitsverträge, hohem Arbeitsdruck und Löhnen, die individuell und  intransparent sind. Da passt es natürlich, dass mit allen Registern gegen die Betriebsratsgründung gekämpft wird.

Extra noch eine Gegenveranstaltung angesetzt

Mit einem Trick ist es gelungen, die heutige Einberufung des Wahlvorstandes zur Gründung des Betriebsrates durchzuführen. In letzter Minute hatte die Führung von N26 zeitgleich noch ein Kick-Off-Meeting für eine „alternative Mitarbeitervertretung“ angesetzt, um die Organisation des Betriebsrates zu behindern und die Belegschaft zu spalten. Was für nette Arbeitgeber diese Gründer doch sind!

Nun ist die Bank, die sich selbst als „Die Bank, die du lieben wirst“ verkauft, auch auf anderen Feldern als der Mitarbeiter:innenbestimmung ganz und gar nicht liebenswürdig. Beim Chaos Communication Congress 2016 zeigten Sicherheitsforscher, wie unsicher die App von N26 damals war und es gibt auch Berichte über einen schlechten Support, der auch schonmal Menschen über Wochen hängen lässt.

Am Freitag werden Mitarbeiter:innen einer weiteren GmbH von N26 ihren Wahlvorstand wählen können. Einem Betriebsrat steht dann nichts mehr im Wege. Was bleibt, ist der schale Geschmack eines weiteren Unternehmens, das demokratische Werte und soziale Errungenschaften mit den Füßen tritt.

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12 Ergänzungen
  1. Zitat: „Investoren wie Peter Thiel oder der chinesische Tech-Konzern Tencent hängen mit Millionenbeträgen bei der Direktbank drin.“

    Nicht nur dass der Peter überall seine Nase hineinsteckt, er bläst auch jeden übel riechenden Haufen auch noch auf.

    Hat jemand eine aktuelle Liste/Link von Thiels Beteiligungen?

  2. Diese Art Bestrebungen gibt es indes auch bei fast jedem größeren, deutschen IT-Unternehmen und das seit mindestens 20 Jahren. Das ist also nix Neues. Leidtragende waren und bleiben da die Mitarbeiter. Irgendwann sind die Verhältnisse dann auf dem Niveau der Fleischindustrie.

  3. Mehr Sachlichkeit, weniger Polemik – das vermisse ich immer mehr in der Berichterstattung.

    Aber Phrase wie „und fiel damit auf die Schnauze“, „Balla-Balla-Gewäsch“ oder „mit der abgeschmackten Leier vom“ sind unter dem erforderlichen Niveau, um den weiteren Aussagengehalt hinreichend ernst nehmen zu können. Es schwingt derart viel Emotionalität mit, dass man zwangsläufig dazu genötigt ist, persönliche Missgunst und dementsprechende Übertreibung zu unterstellen. Schade. Ehrlich! Mit weniger Groll und mehr Sachlichkeit hätte hier echter Journalismus betrieben werden können. Doch so ist es nichts weiter als Wutgeplapper…

  4. Hallo in die Runde,
    wir waren bei keiner Start-UP-Bank, wechseln jetzt aber zur GLS-Bank… In der Hoffnung, damit einen minikleinen Beitrag für eine gerechtere Welt zu leisten…
    Man kann durch sein (Konsum-)Verhalten tatsächlich mitbestimmen, was man unterstützen will..

    1. Gute Sache. Aber die Bank existiert auch nur, weil die Anderen so viel Quatsch machen und ist natürlich auch ein Bestandteil des Systems und daher mit dem anderen Quatsch vernetzt. Eine bessere Option ist aber derzeit in Deutschland nicht zu bekommen.

  5. Zur fehlenden Sachlichkeit. Dass das ein Kommentar ist, habe ich erst rausgefunden, nachdem es in der Kommentarspalte gesagt wurde und selbst dann habe ich noch die Suchfunktion gebraucht. Jeder weiß, dass der einleitende Absatz überlesen wird, insbesondere dessen Schluss, weil es nur unsinniges Gewäsch ist. Deswegen steht Kommentar da auch am Ende, statt gut sichtbar am Anfang. Und ja, es ist unsachlich, tendenziös, einfach nur schlecht und zeugt von fehlendem Fachwissen und einer Grundeinstellung, die ich einfach nur zum Kotzen finde. Ein Journalist, der den Namen verdient, würde sich der Magen umdrehen, wenn er sowas schreiben würde.

    Stellen wir uns doch mal vor du hast eine Firma. Damit verdienst du deinen Lebensunterhalt. Du schaffst die Arbeit nicht allein und stellst Leute ein. Die arbeiten für dich, werden dafür bezahlt und alles ist gut (sie haben Geld, du hast Geld, alle glücklich). Jetzt kommt eine Gewerkschaft, eine Form des organisierten Verbrechens. Die wiegelt deine Mitarbeiter auf, sich gegen dich und deine Firma zu organisieren. In Folge dessen bezahlst du deine Mitarbieter nicht mehr damit sie die Arbeit erledigen, sondern dass sie für die Gewerkschaft arbeiten und weitere Mitarbeiter von der Arbeit abhalten, dass sie die Arbeit niederlegen, mehr Geld fordern, obwohl sie weniger machen als vorher und dann auch noch, wenn sie tendenziöse und uninformierte Möchtegern-Journalisten finden, schlechte Presse für deine Firma verursachen, Vorsätzliche Schädigung, Nötigung, Erpressung, üble Nachrede, alles strafbar, obwohl du nichts falsch gemacht hast und sie die einzigen sind, denen man Fehlverhalten vorwerfen muss.

    Da kannst du nur noch hoffen, dass es irgendwo Firmen ohne Gewerkschaften gibt, die die nötige Arbeit machen. Denn Gewerkschaften schaffen nichts, die erhalten nichts aufrecht, die schädigen nur vorsätzlich.

    Und das findest du gut? Gewerkschaften sind nichts als organsierters Verbrechen. Sie sind noch unnötiger und fast genauso nutzlos, unerwünscht wie der Staat.

    1. Fehlende Sachlichkeit in einem Kommentar vorwerfen, aber die demokratische Institution der Gewerkschaft als organisiertes Verbrechen bezeichnen. Ich musste dann doch lachen.

    2. „.. nutzlos, unerwünscht wie der Staat.“

      Bankenrettung, TUI-Rettung, Lufthansa-Rettung, exzessive direkte und indirekte (z.B. Radwege, Autobahnen, keine Geschwindigkeitsbegrenzungen, Unterdrückung der Bahn, Unterwanderung der Bahn, Steuerprivilegien, …) Autoindustriesubventionen, …

  6. Diese Bewertungen der Firma N26 sprechen für sich.
    https://www.kununu.com/de/number-26/kommentare

    Ist offtopic, aber die Kritik an Gewerkschaften ist teilweise berechtigt. Ich arbeite selber bei einer Firma bei dem eine „gelbe Gewerkschaft“ das Sagen hat. Wie kann es zu gewissen negativen und teilweise unrechtmäßigen Entwicklungen/Zuständen bei Firmen/Konzernen kommen, obwohl Betriebsräte und auch Aufsichtsräte installiert sind. Ermittlungen von Staatsanwaltschaften, gegen Gewerkschaftsfunktionäre oder Aufsichtsräte die ihren Aufgaben nur unzureichend oder konträr nachkommen, gibt es und das freut mich und meine Kolleg:innen.

    Meine Kolleg:innen und ich sind überzeugt davon, dass sich in Zukunft Einiges zum Positiven in der Arbeitswelt entwickeln wird.

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