Hacking TeamWirecard-Manager ließ sich offenbar Spionagesoftware vorführen

Interessante Windungen und Wendungen im Wirecard-Skandal. Offenbar hatte der jetzt flüchtige Manager Jan Marsalek Interesse an Überwachungssoftware des umstrittenen italienischen Anbieters Hacking Team.

Luftbild St. Georges auf Grenada
Wirecard-Manager als Repräsentant des Karibik-Kleinstaates Grenada? Das Bild zeigt die Hauptstadt St. Georges. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Hugh Whyte

Der flüchtige Wirecard-Manager Jan Marsalek versuchte offenbar, bei der italienischen Überwachungsfirma Hacking Team einen Kauf von Spionagesoftware anzubahnen. Das legen Recherchen von Spiegel und Motherboard nahe.

Die Hinweise auf Marsalek finden sich in Unternehmensdaten von Hacking Team, die 2015 im Netz veröffentlicht wurden. Durch diesen Leak kamen unter anderem Kunden des Unternehmens an die Öffentlichkeit, unter ihnen eine ganze Reihe autoritärer Staaten.

In den Korrespondenzen von Hacking Team findet sich im Jahr 2013 auch der Name Marsalek. Einige Monate vorher wurden auf Marsaleks Namen und mit seiner Adresse und Telefonnummer Websites mit staatlich klingenden Namen wie stateofgrenada.org registriert, deren Server nach Informationen des Spiegels in Deutschland betrieben wurden.

„Brief“ aus Grenada an Hacking Team. - Alle Rechte vorbehalten E-Mail Anhang

Als Vertreter des Karibikstaates Grenada taucht der Name Marsalek in einer Korrespondenz vom 31. Oktober 2013 auf. Einige Wochen später gibt es eine Produktvorstellung für Marsalek, die Mitarbeiter von Hacking Team in den internen Mails als „fruchtbare Besprechung“ bezeichnen, berichtet Spiegel Online.

In den Unterlagen von Hacking Team findet sich auch ein Schreiben mit Briefkopf des Karibikstaates, in dem der ehemalige Außenminister Nicolas Steele das Interesse von Grenada an der Software bestätigt. Gegenüber Spiegel Online spricht Steele von einer Fälschung, er selbst habe sich aber zuvor mit Marsalek getroffen. Auch das im Schreiben genannte Unternehmen Encryptech bezeichnet das Dokument als gefälscht.

Laut Spiegel könnte es sein, dass Marsalek die Grenada-Geschichte vorgab, weil er so einfacher Zugang zu Hacking Team erlangen konnte. Memento Labs, das Nachfolgegunternehmen von Hacking Team, sagt, dass damals kein Vertrag mit Marsalek oder Grenada zustande kam. Wofür der Wirecard-Manager die Spionagesoftware nutzen wollte, ist unbekannt.

Wirecard ist ein börsennotiertes Unternehmen für Zahlungsdienstleistungen, das in der Startup-Economy 1999 häufig zur Abwicklung von Porno- und Glückspielzahlungen gegründet wurde. Das Unternehmen mit 5.800 Mitarbeitern weltweit wickelt als Bindeglied zwischen Händlern und Kund:innen Zahlungen ab. Dafür werden Gelder auf Treuhandkonten deponiert. Auf diesen Treuhandkonten fehlen derzeit 1,9 Milliarden Euro, es existieren keine oder gefälschte Bescheinigungen, die Rede ist von Betrug. Mittlerweile hat das Unternehmen Insolvenz angemeldet.

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3 Ergänzungen

  1. Das Bundeskanzleramt hatte seit Ende 2018 mehrfach Kontakt zum inzwischen insolventen Dax-Konzern Wirecard sowie zu Beratern des Unternehmens. Dabei spielten auch der Ex-Beauftragte für die Nachrichtendienste des Bundes, Klaus-Dieter Fritsche, sowie wie bereits bekannt Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg eine Rolle, wie ein Regierungssprecher am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

    Quelle: https://dev.theworldnews.net/de-news/insolventer-dax-konzern-wirecard-hatte-mehrfach-kontakt-mit-kanzleramt

    Und wieder wird „der talentierte Herr“ Guttenberg in einem Atemzug mit einer Person genannt, die den Nachrichtendienste nahe stand. Mal bitte mal intensiv darüber nachdenken, wie nützlich FinTech für Spionagezwecke sein kann.

    Das Beziehungsgeflecht des „talentierten Herrn“ Guttenberg könnte durchaus auf die eine oder andere Verwicklung deutscher Nachrichtendienste in dubiose Geschäfte hinweisen. Die Häufung von Personen, die mit dem einen oder anderen Dienst zu tun hatten, ist ebenso augenfällig wie Häufung von nicht legalem Gebaren.

  2. Ohne es jetzt genauer zu wissen … im Umfeld elektronischer Zahlungsverkehr tauchen ‚Hacks‘ oder Zugriffe auf Metadaten immer wieder auf. Nicht um Leuten nachzuspionieren, sondern um Indentitäten zu bestätigen.

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