Desinformation

So penetrant empfiehlt Amazon den Kauf von Verschwörungsliteratur

Wer sich vom mächtigsten Buchhändler der Welt beraten lässt, bekommt schnell Desinformation vorgeschlagen. Unsere Recherche zeigt: Amazon ist eine Schleuder für Verschwörungsmythen – auch zur Corona-Pandemie.

Strudel der Verschwörungserzählungen
Unsere Auswertung zeigt: Wer auf Amazon stöbert, den lockt die Plattform womöglich geradewegs in einen Kaninchenbau. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Patrick Tomasso | Bearbeitung: netzpolitik.org

Kein Buchhändler auf der Welt ist so mächtig wie Amazon. Aber wenn es um seriöse Buchempfehlungen geht, ist Amazon alles andere als Spitzenklasse. Die Plattform preist Verschwörungserzählungen, Antisemitismus und Desinformation ebenso an wie wissenschaftlich fundierte Sachbücher. Amazon, eines der wertvollsten Unternehmen der Welt, hat diese Bücher nicht einfach nur im Sortiment, seine Algorithmen setzen sie Kund:innen auch noch prominent vor die Nase.

Davon geht eine gesellschaftliche Gefahr aus. Nicht nur Rechtsterroristen wie die von Christchurch und Hanau beziehen sich auf Verschwörungsmythen. Die Mythen verbinden auch die heterogene Gruppe der Coronaleugner:innen, die am vergangenen Wochenende zu Tausenden durch Berlin zogen und offen davon träumten, das Reichstagsgebäude zu „stürmen“. Neben Neonazis und Holocaustleugner:innen gehörten zu den Protestierenden auch Esoteriker:innen und Impfgegner:innen wie der Verschwörungsideologe Robert Kennedy Junior.

Vor zwei Jahren hielt Amazon einer Studie zufolge mit rund 20 Prozent einen erheblichen Anteil am deutschen Buchmarkt. Die Empfehlungen der Plattform haben damit einen bedeutsamen Einfluss.

Corona-Suche
Amazon-Suche nach Corona - Alle Rechte vorbehalten Screenshot netzpolitik.org

Die Amazon-Suche nach „Corona“ – ausgeführt, ohne eingeloggt zu sein – zeigte bei unserem Test gleich mehrere problematische Bücher unter den ersten Suchergebnissen. Auf Platz 1 stand ein Buch mit dem Titel „Corona Fehlalarm?“. Dabei kann der Verdacht eines „Fehlalarms“ bei inzwischen weltweit rund 850.000 gemeldeten Todesfällen in Verbindung mit Covid-19 zweifellos als widerlegt betrachtet werden. „Die prägenden Stilmittel dieses Buchs sind das Geraune, die rhetorische Frage, die Unterstellung und die Andeutung“, fasst Deutschlandfunk Kultur zusammen. Der Autor des Buches, Sucharit Bhakdi, steht Verschwörungserzählungen mindestens offen gegenüber, immerhin ließ er sich im April diesen Jahres vom Verschwörungsideologen Ken Jebsen interviewen.

Zu den ersten Suchergebnissen auf Amazon gehörte auch ein Buch des Verlags Kopp, bei dem das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg schon 2015 eine „weltanschauliche und geschäftliche Nähe zu rechtspopulistischen und zum Teil offen rechtsradikalen beziehungsweise antisemitischen politischen Akteuren“ sah. Bereits auf dem Cover wird behauptet, im Schatten der Pandemie werde ein „totalitärer Staat“ aufgebaut – eine Erzählung, die auch zahlreiche Verschwörungsideolog:innen verbreiten. Insgesamt gibt es auf der ersten Suchergebnisseite mehrere Sachbücher, die die Pandemie leugnen oder anzweifeln, etwa: „Corona: Die pure Lüge“.

Doch es geht noch abstruser: Das erste Ergebnis bei der Suchanfrage „Flache Erde“ ist bei unserem Test Mitte August nicht etwa ein Buch, das die Verschwörungserzählung entlarvt, sondern eines mit dem anscheinend ernstgemeinten Titel: „Die flache Erde ist die einzige Wahrheit“.

Amazon-Suchergebnis Holocast Lüge
Das erste Suchergebnis zum antisemitischen Verschwörungsmythos einer Holocaust-Lüge - Alle Rechte vorbehalten Screenshot netzpolitik.org

Ähnlich problematisch sind die Amazon-Suchergebnisse zu „Holocaust Lüge“, ein Begriff für die antisemitische Verschwörungserzählung, die den Mord an Millionen Jüd:innen anzweifelt. Das erste Suchergebnis stammt ausgerechnet vom verschwörungsideologischen Autor Thorsten Schulte und wird auch noch als „Bestseller“ beworben. Sein Buch hat dem vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Rapper Chris Ares offenbar so gut gefallen, dass er ein Lied darüber gesungen hat und Schulte im Musikvideo auftreten ließ. Ein Schreckensszenario des Buches ist eine Zukunft, in der es nur noch People of Colour und keine Weißen mehr gibt: Baustein einer durch und durch rassistischen Verschwörungserzählung über die vermeintliche Bedrohung eines weißen „Volks“.

Amazons Defizite zeigen sich auch bei Themen, über die schon seit Jahrzehnten seriöse Sachbücher erscheinen. Unter den ersten Suchergebnissen über „Krebs“ gibt es zum Beispiel Bücher über alternative Heilmethoden und Ernährungstipps gegen die Krankheit. Das ist nicht automatisch Desinformation, könnte Patient:innen aber zu möglicherweise lebensgefährlichen Entscheidungen für die eigene Behandlung verleiten.

Nicht nur die Amazon-Suche konfrontiert Leser:innen mit fragwürdigen Inhalten. Auch auf den Produktseiten von renommierten Sachbüchern kann das passieren, und zwar mittels Empfehlungen. Das heißt: Selbst wer sich schon genau informiert hat und gezielt ein fundiert recherchiertes Buch kaufen möchte, den kann Amazon dazu verleiten, eventuell doch noch etwas Desinformation in den Einkaufswagen zu legen. Das zeigt unsere Recherche, für die wir Hunderte Buchempfehlungen ausgewertet haben.

Amazon verbietet Produkte, die Hass und Gewalt fördern – eigentlich

Amazon hat eigentlich strenge Richtlinien, was auf der Plattform verkauft werden darf und was nicht. Nicht erlaubt sind demnach „Produkte, die Hass oder Gewalt gegenüber Personen oder Gruppen fördern, dazu anstiften oder verherrlichen.“ Noch allgemeiner heißt es: „Führen Sie keine Produkte auf, die Amazon-Kunden schädigen könnten.“ Nicht nur sind diese Regeln sehr vage, Amazon behält sich darüber hinaus das alleinige Recht vor, „zu entscheiden, welche Inhalte zu einer schlechten Kundenerfahrung führen, und diese aus dem Verkauf zu nehmen.“

Diese Regeln gibt es nicht nur in der Theorie: Im Jahr 2015 nahm Amazon, neben vielen anderen deutschen Buchhändlern, die Bücher von Akif Pirinçci aus dem Sortiment. Der Rechtsaußen-Schriftsteller hatte auf einer Pegida-Rede unter anderem gesagt: „Die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb“; zudem hat er den Verschwörungsmythos der „Umvolkung“ heraufbeschworen. Heute bietet Amazon seine Bücher wieder an.

Hunderte Empfehlungen analysiert

Amazon macht Bücher mit Desinformationen nicht nur denjenigen zugänglich, die womöglich gezielt nach ihnen suchen. Die Plattform schlägt sie Kund:innen sogar aktiv vor, wie unsere Recherche und eine Stichprobe zeigen. Dies geschieht auch unter wissenschaftlich fundierten Sachbüchern.

Wer sich auf Amazon ein Buch ansieht, bekommt im Bereich „Weitere Artikel entdecken“ andere Bücher empfohlen. Mit einem Klick auf eine solche Empfehlung öffnet sich die entsprechende Produktseite, die dann eine neue Palette an Empfehlungen enthält. Anhand von Amazons Vorschlägen zu dem Sachbuch „Corona: Geschichte eines angekündigten Sterbens“ haben wir untersucht, wohin die Plattform ihre Kund:innen mithilfe der Lesetipps führt. Das Sachbuch erscheint als eines der ersten Ergebnisse bei der Amazon-Suchanfrage „Corona“. Geschrieben hat es ein Kollektiv von 19 Journalist:innen des Recherchezentrums Correctiv.

Auswertung der Empfehlungen
Amazon-Buchempfehlungen ausgehend von „Corona: Geschichte eines angekündigten Sterbens“. Rot markiert sind eindeutig verschwörungsideologische Buch-Empfehlungen. Orange markiert sind Empfehlungen aus dem Spektrum der Impfskeptiker und -gegner. Blau markiert sind sonstige Bücher. - Alle Rechte vorbehalten netzpolitik.org (mit einer Grafik von Correctiv/dtv)

Insgesamt haben wir 355 Empfehlungen ausgewertet, die auf Amazon in direkter oder indirekter Verbindung zu diesem Buch stehen. Es waren 97 unterschiedliche Titel, von denen uns Amazon einige mehrfach vorgeschlagen hat. Jede Buchempfehlung ist durch einen Kreis im Schaubild dargestellt.

Die 355 untersuchten Buchempfehlungen teilen sich in drei Ebenen. Die erste Ebene besteht aus den ersten sieben Amazon-Empfehlungen zu „Corona: Geschichte eins angekündigten Sterbens“.

 

Weitere Artikel
Amazons Vorschläge, die uns angezeigt wurden zu dem Buch Corona: Geschichte eines angekündigten Sterbens

Die zweite Ebene besteht aus den mit diesen sieben Empfehlungen verknüpften Empfehlungen. Zuletzt haben wir wiederum deren Empfehlungen erfasst – die dritte und unterste Ebene im Schaubild. Damit haben wir die möglichen Klickwege von Amazon-Kund:innen simuliert, die von Empfehlung zu Empfehlung stöbern.

Um die Empfehlungen nicht händisch anklicken zu müssen, haben wir ein Programm geschrieben, das diese Aufgabe automatisch erledigt hat. Die Erfassung erfolgte Ende August ohne Browser-Cookies oder einen Amazon-Login. Sie ist auch deshalb nur als Stichprobe zu verstehen, weil sich die Zusammenstellung von Amazon-Empfehlungen jederzeit ändern kann und von weiteren Faktoren wie dem Standort der Nutzer:innen abhängen kann.

Sämtliche Bücher haben wir anhand eines zuvor festgelegten Regelwerks klassifiziert. Im Schaubild rot markiert ist einschlägige Verschwörungsliteratur – also Bücher, die allein anhand ihrer Produktbeschreibung und Leseprobe eindeutig sogenannte Verschwörungstheorien verbreiten, die bereits in traditionellen Nachrichtenmedien als solche diskutiert wurden. Orange markiert sind Bücher, die sich anhand der Produktbeschreibung als impfskeptisch bis impffeindlich einordnen lassen.

Unsere Auswertung zeigt: Wer auf Amazon stöbert, den lockt die Plattform womöglich geradewegs in einen Kaninchenbau.

124 Empfehlungen für Verschwörungsliteratur

Mehr als die Hälfte der untersuchten Lesetipps bezieht sich auf Bücher mit problematischem Inhalt. In 124 Fällen schlug Amazon Bücher vor, die eindeutig verschwörungsideologisch sind. Viele von ihnen propagieren zudem rechtsextreme oder rassistische Erzählungen.

Bereits unmittelbar auf der Produktseite des Corona-Buchs der Correctiv-Journalist:innen schlug Amazon uns einen Titel vor, der die staatlichen Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie mit der „Neuen Weltordnung“ in Verbindung bringt, einem antisemitischen Verschwörungsmythos. Der Autor behauptet auch, Flugzeuge versprühten „Chemtrails“, die das Verhalten von Menschen beeinflussen sollten, außerdem wolle der Milliardär Bill Gates die Weltbevölkerung „drastisch reduzieren“.

Auf der zweiten Empfehlungsebene folgte ein Titel, der Enthüllungen über eine „verbotene Wahrheit über die beiden Weltkriege“ und „die Existenz von Außerirdischen“ verspricht. Auf der dritten Empfehlungsebene schlug uns Amazon ein Buch vor, das aus den Visionen von einhundert Seher:innen bestehen soll. Schon in seinem Vorwort verknüpft der Autor den Ersten, den Zweiten und einen angekündigten Dritten Weltkrieg mit dem Zionismus.

Zwei dieser Bücher sind im Verlag von Jan Udo Holey erschienen, das dritte hat dieser selbst verfasst. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnete ihn in einem 2005 erschienenen Papier als „rechtsextremistischen Esoteriker“. Holey schreibt die Behörde auch eine Vorreiterrolle für antisemitische Verschwörungsliteratur zu. Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelte gegen ihn wegen Volksverhetzung, einzelne seiner Schriften stehen auf dem Index. Sein Pseudonym Jan van Helsing tauchte in unserem Datensatz in Verbindung mit 37 Amazon-Empfehlungen auf.

Ab der zweiten Empfehlungsebene schlug Amazon uns zudem Bücher von Impfgegner:innen und -skeptiker:innen vor, insgesamt 56 Mal.

Das Spektrum reicht von kritischen Berichten über Impfschäden bis zu radikaler Impfgegnerschaft. Mindestens ein Teil der Bücher ist pseudo-wissenschaftlich, etwa eines, das eine „Impf-Illusion“ anprangert und beispielsweise das Polio-Virus verharmlost. Während wohl Milliarden Menschen auf einen wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hoffen, säen diese Amazon-Empfehlungen Zweifel gegenüber Impfungen im Allgemeinen.

„So macht der Konzern die Welt kaputt“

Ab der dritten Empfehlungsebene sind verschwörungsideologische und impffeindliche Bücher in der Überzahl. Das ist offenbar kein Zufall: Der Klick auf ein solches Buch fördert in den Empfehlungen gleich noch mehr ähnliche Bücher zu Tage. Das spricht dafür, dass Amazon-Algorithmen durchaus eine Verbindung zwischen diesen Büchern erkennen können.

David Schraven ist Geschäftsführer von Correctiv und Mitherausgeber des Corona-Buchs, das auf Amazon mit zahlreichen Verschwörungsbüchern verknüpft ist. Schraven kritisiert Amazon scharf: „Da macht man sich viel Arbeit und dann wird die Recherche mitten im Müll platziert, der nur nach Aufmerksamkeit hascht“, sagt er gegenüber netzpolitik.org. Anstelle von Aufklärung würden Hass, Dummheit und Zwietracht hervorgehoben. „Amazon sollte sich überlegen, ob das so eine tolle Idee ist. So macht der Konzern die Welt kaputt.“

Wir haben unsere Stichprobe auch mit Sachbüchern über Verschwörungsmythen erhoben, unter anderem „Fake Facts“ von Pia Lamberty und Katharina Nocun und „Nichts ist wie es scheint“ von Michael Butter. In diesen Fällen führten die Amazon-Empfehlungen etwas später zu Desinformation: Erst in der dritten Ebene der Empfehlungen erschienen einschlägig verschwörungsideologische Bücher – sie sind damit nur drei Klicks von dem Buch entfernt, mit dem wir die Stichprobe begonnen haben.

Einmalige Konfrontation mit Verschwörungsmythen kann Verhalten ändern

Welch schwerwiegende Auswirkungen solche Amazon-Empfehlungen haben könnten, legt die Forschung von Sozialpsycholog:innen aus Großbritannien nahe. An der Universität in Kent zeigten Untersuchungen von Daniel Jolley und Karen M. Douglas, dass bereits einmaliger Kontakt mit Verschwörungserzählungen einen Unterschied machen kann.

Die Forschenden legten 60 Menschen aus den USA einen Text mit erfundenen Behauptungen zu den negativen Folgen von Impfungen vor. Anschließend sollten sich die Testpersonen vorstellen, ein Kind namens Sophie zu haben, und unter anderem beantworten, ob sie dieses Mädchen impfen lassen würden. Und tatsächlich: Menschen, die mit den Verschwörungserzählungen konfrontiert wurden, waren weniger bereit, Sophie impfen zu lassen als Menschen in einer Kontrollgruppe. Der meiste Zuspruch zum Impfen kam von einer dritten Gruppe, die zuvor einen Text gelesen hatte, der Verschwörungserzählungen von Impfgegner:innen widerlegte. Wie die 2014 veröffentlichte Studie ergab, waren die Impf-Skeptiker:innen zudem misstrauischer im Bezug auf Behörden.

Der Sozialpsychologe Jolley warnt gegenüber netzpolitik.org auch vor den Auswirkungen der Amazon-Algorithmen, die Bücher von Impfgegner:innen neben seriösen Sachbüchern empfehlen. „Es ist zweifellos plausibel, dass der Glaube an solche Erzählungen stärker werden kann, wenn Menschen ihnen wiederholt ausgesetzt sind. Das kann sich wiederum auf ihr Verhalten auswirken.“

Empfohlene Bücher könnten zudem eine verschwörungsideologische Weltanschauung von Nutzer:innen bekräftigen. „Es ist gewiss möglich, dass durch die Konfrontation mit mehreren Buchempfehlungen zu einem bestimmten Thema der Eindruck entsteht, es gebe einen Konsens, den tatsächlich viele Menschen und Organisationen teilen.“ Das könne Menschen wiederum ermutigen, sich weiterhin mit solchen Inhalten auseinanderzusetzen. „Amazon hat dieselbe Verantwortung wie andere Social-Media-Plattformen, ethisch zu handeln“, sagt Jolley.

Attentate wie das in Hanau am 19. Februar 2020 oder in El Paso am 3. August 2019 zeigen, wie Verschwörungserzählungen bei der Radikalisierung von Terroristen eine Rolle gespielt haben. In diesen und weiteren Fällen haben die Täter ihre Gewalt unter anderem mit Verschwörungsmythen legitimiert. Erzählungen wie QAnon können Menschen zu der Überzeugung bringen, dass diabolische Gruppen im Geheimen Böses gegen die Bevölkerung unternehmen. Eine vermeintliche Bedrohung, die Verschwörungsgläubige unter Druck setzen kann, dagegen zu handeln und eine Gewalttat zu begehen. Auch das FBI warnte davor.

Amazon möchte keine einzige unserer Fragen beantworten

Wir haben Amazon per E-Mail die Ergebnisse unserer Recherche vorgelegt und eine Liste mit zehn Fragen geschickt. Unter anderem wollten wir wissen, ob dem Konzern das Ausmaß von rechtsextremen und verschwörungsideologischen Inhalten in seinen Suchergebnissen und Empfehlungen bekannt sei. Wir fragten auch, inwiefern Amazon die Verbreitung dieser Bücher eindämme. Keine einzige unserer Fragen wollte der Konzern beantworten.

Deshalb wissen wir nicht, ob sich Amazon überhaupt in der Verantwortung sieht, wenn Kund:innen durch Top-Suchergebnisse und Empfehlungen ihrer Gesundheit schaden, etwa weil sie impffeindliche Bücher gelesen haben. Oder wenn sich Kund:innen durch rechtsextreme Bücher politisch radikalisieren. Amazon wollte auch nicht sagen, wie die Vorschläge im Bereich „Weitere Artikel entdecken“ zu Stande kommen.

Neben einem Verweis auf die öffentlichen Richtlinien ließ der Konzern durch eine Sprecherin lediglich mitteilen: „Wir investieren viel Zeit und Ressourcen, um sicherzustellen, dass unsere Richtlinien befolgt werden, und entfernen Produkte, die nicht im Einklang mit unseren Richtlinien stehen. Über unsere proaktiven Maßnahmen hinaus prüfen wir auch umgehend jeden Hinweis, den wir erhalten.“

Dass Amazon Hinweise prüft, können wir in unserem Fall bestätigen: Amazon wollte von uns noch einmal genau wissen, welche Produkte uns bei den Suchanfragen „Flache Erde“, „Holocaust Lüge“ und „QAnon“ angezeigt wurden. Wir haben der Pressestelle entsprechende Screenshots geschickt. Geändert hat das bislang aber nichts. Noch immer bekommen Nutzer:innen bei diesen Suchbegriffen zunächst einmal Verschwörungsmythen zu sehen.

All das dürfte Rechtsextremen und Verschwörungsideolog:innen sehr gefallen. Der Verschwörungsautor Jan Udo Holey kommentiert auf Amazon süffisant, wie gut ihm die Plattform bei der Verbreitung seiner Bücher helfe. „Amazon macht es möglich, daß jeder meine Bücher schnell und kinderleicht bestellen kann“, heißt es in einem Autorenkommentar unter einer seiner Veröffentlichungen. „Herzlichen Dank an dieser Stelle an das Amazon-Team.“


Anmerkung: Wir haben Akif Pirinçcis Aussage „Die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb“ um einen Link zu einem Beitrag des Medienjournalisten Stefan Niggemeier ergänzt, der den genauen Kontext des Zitats näher erläutert.

44 Ergänzungen
  1. Im Umkehrschluss kann ein Konzern wie Amazon oder Facebook dann eben auch hingehen und anfangen „Extremistische“ Literatur zu filtern. In Bezug auf die erfundenen Verschwörungsmythen mag das dann sicherlich sehr wünschenswert sein. Jedoch, besteht dann immer auch die Gefahr das z.B. Linke oder anderswertig Gesellschaftskritische Inhalte mit aussortiert werden. Ein Neoliberaler Konzern hätte ja eher wenig Interesse daran diese prominent zu verbreiten.

    Es fällt eben schon auf das im Internet rational kritische Inhalte kaum zu finden sind dafür aber massiv Verschwörungslügen und Rechtspopulismus auf den Plattformen nach oben gespült wird. Dies könnte natürlich auch wiederum im Interesse des Neoliberalen Kapitals sein, das jene die unzufrieden sind eben dahin geleitet wird wo Sie solchen Müll zu lesen bekommen anstatt rational bzw. wissenschaftlich belegbare Gesellschaftskritik welche dann eben auch für die Konzerne gefährlicher wäre als der wirre Verschwörungsschwurbel.

  2. Das auslisten von politisch nciht genehmen Büchern oder Magazinen ist in Deutschland nicht ohne Grund verboten (§ 21 GWB) und mittels Pressegrosso (§ 30 GWB) hat man auch ein EU-genehmigtes Monopolsystem um dem zumindest im Pressegeschäft zu begegnen.

    Das muss man als Demokrat dann auch mal aushalten (im Gegensatz zu einer Demo die offenbar gesundheitsgefährdend ist).

    1. Ein Teil des Artikels handelt ja davon, dass solche verschwörungstheoretischen Bücher nicht nur angezeigt werden, sondern von den Algorithmen sogar bevorzugt werden, wie man aus der Darstellung der 1, 2, und 3. Ebene unschwer erkennen kann. Das muss man nicht aushalten, sondern das kann man und sollte man kritisieren.

      1. Facebook generiert sein Einkommen auch nicht durch den Vertrieb von Artikeln.

        Amazons Hauptinteresse ist es so viel Umsatz wie möglich zu generieren.
        Facebook wiederum verfolgt eine gesellschaftspolitische Ziele bei denen diese eine möglichst große Echokammer erzeugen.

        Persönlich sehe ich Facebook sogar als gefährlicher – Denn schon jetzt weichen viele Menschen die der sehr politisch gefärbten Berichterstattung müde sind auf Plattformen aus die nicht weiter kontrolliert werden kann.

  3. Corona Fehlalarm? ist ein schlechtes Beispiel für eine von Verschwörungserzählung.
    Wenn man nur einen kurzen Blick hinein geworfen hätte würde man feststellen, dass es zum Großteil aus Verweisen auf Studien/Statistiken aus bekannten Quellen (u.a. RKI, und Pendants aus anderen Ländern) besteht und sich der Leser selbst eine Meinung bilden soll ob es nun ein Fehlalarm ist oder nicht.
    Dem Autor wegen einem Interview mit Ken Jebsen Verschwörungserzählungen zu unterstellen halte ich für ziemlich oberflächlich und unseriös.

    1. „Corona Fehlalarm?“ haben wir in unserer Auswertung auch gar nicht als Verschwörungsliteratur klassifiziert und es in der ersten Empfehlungsebene unter „Corona: Geschichte eines angekündigten Sterbens“ – siehe Schaubild – auch nicht als solches gekennzeichnet. Das einzige eindeutig Verschwörungsmythen verbreitende Werk in der ersten Empfehlungsebene ist nach unserer Recherche „Lockdown“, erschienen im Verlag eines Mannes, den der Verfassungsschutz als Rechtsextremisten einstuft.

      Gleichwohl kann man „Corona Fehlalarm?“ als problematisch bezeichnen. Sein Autor ist nicht „nicht per se als Verschwörungstheoretiker einzustufen“, wie die Psychologin Pia Lamberty dem SPIEGEL sagte. „Aber: Indem sich die Wissenschaftler mit den Verschwörungstheoretikern gemein machen, etwa indem Bhakdi sich von Jebsen interviewen lässt, verleihen sie ihnen die Legitimation der Wissenschaft“ (Quelle: https://www.spiegel.de/netzwelt/web/corona-verschwoerungstheorien-und-die-akteure-dahinter-bill-gates-impfzwang-und-co-a-2e9a0e78-4375-4dbd-815f-54571750d32d).

      Den Autor dieses Buches kann man auch deshalb als problematisch erachten, da er – wie Correctiv darlegt – unbelegte Behauptungen verbreitet: https://correctiv.org/faktencheck/2020/06/19/impfung-gegen-covid-19-sinnlos-sucharit-bhakdi-stellt-unbelegte-behauptungen-auf.

      1. Es darf bei der Bewertung eines Menschen nicht wichtig sein, wer die Fragen stellt. Wichtig ist der Inhalt der Fragen und vor allem die Antworten. Das umstrittene Correctiv kommt aufgrund eines 16-minütigen (!) Interviews zum Fazit, dass Aussagen von Bhakdi teilweise unbelegt bleiben oder zu pauschal sind. Was (wenig überraschend) beweist, dass dieses Interview-Format für so ein komplexes Thema ungeeignet ist. Zu einer Bewertung von Bhakdis Aussagen und seiner Person wäre das Buch heranzuziehen und deshalb ist die Empfehlung auch richtig. Die eigene Meinung sollte man sich am Ende selbst bilden und nicht durch das Correctiv oder die Bildzeitung bilden lassen.

        Generell sollten wir damit aufhören, Menschen mit einer Kontaktschuld zu belegen. „Du hast mit XY geredet, nun bist du verbrannt“ ist eine fragwürdige, gefährliche Ideologie, die nur dazu dient, die Gesellschaft zu spalten und conträre Meinungen auszugrenzen. Wem die Fragen von Ken Jebsen nicht passen, der soll Bhakdi eben selbst interviewen.

      2. Ich sehe das genauso wie der Leser Michael. Das Buch „Corona Fehlalarm?“ hat nichts mit „Verschwörungen“ zu tun, sondern ist ein fundiertes Sachbuch von Wissenschaftlern (und die Wissenschaft lebt vom Diskurs).

        Wenn Sie schreiben „Der Autor des Buches, Sucharit Bhakdi, steht Verschwörungserzählungen mindestens offen gegenüber, immerhin ließ er sich im April diesen Jahres vom Verschwörungsideologen Ken Jebsen interviewen.“ und das im Zusammenhang mit all dem wirklich unfassbaren Unsinn an Büchern, die Sie auflisten, dann ist das für mich schlimm. Das ist genau die Form von Geraune und Verdächtigungen, die – mutmaßlich – Inhalt der anderen hier aufgelisteten Büchern ist.

        1. Auch Amazon kann nur Vorschläge machen für Bücher, die verlegt werden. Es ist unbegreiflich, dass z. B. ein Autor wie Gerard Menuhin seine offenkundig verfassungsfeindllichen holcaustleugnenden Schriften mit normaler ISBN veröffentlichen kann.

  4. Real und aktuell ist Amazons Jobangebot für eine:n Intelligence Analyst, ‚to track down‘ interne und externe Firmenkritiker. Wurde zwar schnell gelöscht, aber das Internet Archive war schneller.

    Tweet von Russ & Stacy Mitchell:
    https://twitter.com/thememoryhole2/status/1300867485478969345

    Amazons ‚Global Security Operations‘ (GSO) & ‚Global Intelligence Program (GIP)
    https://web.archive.org/web/20200901153123/https://www.amazon.jobs/en/jobs/1026060/intelligence-analyst

  5. Soll hier einer inhaltlichen Debatte über Themen die z.B. von Robert F. Kennedy Jr. oder Sucharit Bhakdi benannt werden ausgewichen werden, indem pauschal von „Verwörungstheorien“ gesprochen wird? Das wäre ja ganz und gar unwissentschaflich.

  6. Es ist absolut nachvollziehbar dass Amazon zuerst die Bücher vorschlägt die sich am besten verkaufen. Da unter der ersten Trefferliste zwei Spiegel-Bestseller sind, sehe ich da kein Problem. Alles richtig gemacht. Was die Autoren wollen ist Zensur, das ist erstens an sich bedenklich und von seiten Netzpolitik.org natürlich um so mehr! So stellt man sich nur selbst ins Abseits

  7. Em, Die „Flache Erde“ ist docn keine Ververschwörungs-Theorie in diesem Sinne.
    Es geht da nur um die dialektische Konfrontration, ja den Diskussions-Spass, „wie könnte man einen unumstößlichen physikalischen Sachverhalt vielleicht doch widerlegen“ oder umgekehrt
    „welche Beweise finde ich, das das nicht stimmen kann, wie reagieren die anderen“.
    Sie glaube doch nicht ernsthaft, das es Menschen gibt die wirklich daran glauben?
    Das ist doch offensichtlich nur ein Spass/Hobby sehr intelligenter Leute.
    Es ist reine Unterhaltung.

  8. Zur „flachen Erde“ und deren Einordnung neben Holo-Caust und Corona-Leugnern:

    Es gibt auch die Verschwörungs-Theorie, das es Bielefeld überhaupt nicht gibt, dass das alles ein groß angelegter Fake ist.
    Da wurden, genauso ernsthaft Pro und cons für und gegen die Existenz von Bielefeld angeführt.
    Es war natürlich ein Spass, wobei….hm, sind Sie ganz sicher das es Bielefeld gibt? Waren Sie schon mal da? Sicher das das wirklich Bielefeld war?
    Etc.

    Ich denke, „Flach Erdler“ und Corona-Lügner in einem Atemzug zu nennen geht garnicht,
    verniedlicht Corona-Lügner.

  9. War der Algorythmus von Amazon nicht bahnbrechend, weil er einfach die Produkte empfohlen hat, die andere Leute gekauft haben?
    Somit könnte ich verstehen, dass man immer weiter in den Sumpf gezogen wird.
    Wenn du ein Buch kaufst, kaufst du bestimmt auch andere aus dem gleichen Metier.

  10. Nun ja, jemand der VT-Literatur sucht, findet diese bei Amazon leicht und bekommt dann basierend auf seinen Vorlieben weitere Vorschläge. Aus Unternehmenssicht nur konsequent und auch wenn ich die Leute, die den Quatsch glauben und dafür auch noch Geld ausgeben, für Spinner halte, halte ich nichts davon, den Zugang zu solchen legalen Büchern zu verwehren. Ich finde es eher erschreckend, dass offenbar viele Menschen der Ansicht sind, Meinungen, die nicht mit ihrer eigenen übereinstimmen, sollten nicht öffentlich zugänglich sein (oder zumindest nicht so leicht).
    Eine offene, liberale Gesellschaft muss verschiedene Meinungen, auch unsinnige, aushalten.

    1. Der Algorithmus ist sooooo toll, dass ich nicht nur immer wieder die Produkte vorgeschlagen bekomme, die ich schon lange gekauft habe, sondern „Andere die X kauften auch …“
      genau die Sachen angeboten bekomme, die ich für jmd. mitbestellt habe, die eigentlich überhaupt nicht zu X passen…also bieten die mir meine eigene Bestellung an. (Vermutlich weil niemand ausser mir X gekauft haben…)

    2. Es geht ja nicht darum die Bücher zu verbieten (bzw. Deren Verkauf) aber dass sie offensichtlich gepusht werden, ist zu kritisieren. Verschwörungen sind keine Meinung über Fakten, etwa wie Du und ich einen Sachverhalt beurteilen. Bei Verschwörungstheorien werden wiederlegbare Behauptungen eingesetzt um Ängste und Radikalisierung zu erzeugen. Wenn wir uns das Grundgesetz zum Thema Meinungsfreiheit anschauen steht dort sinngemäß: Man darf seine Meinung frei äußern, sofern man nicht mit Lügen andere Menschen (die Jugend) gefährdet.
      Darf ich somit sagen, Corona sei nicht gefährlich?
      So wie ich das sehe, legen wir die Meinungsfreiheit diesbezüglich sehr großzügig aus.

  11. Ähnliche Ergebnisse wie hier zu Amazon gab es auch zu Youtube: https://taz.de/Verschwoerungstheorien-auf-YouTube/!5540029/

    Die großen Plattformen (Amazon, Youtube, Facebook,…) machen einfach gutes Geld mit Verschwörungstheorien und rechtsradikalen Gehetzte. Die Algorithmen sind nicht darauf trainiert, korrekte/sachliche Inhalte zu erkennen oder Nutzer direkt zu ihrem Ziel zu bringen, sondern so lange wie möglich an die Plattform zu binden. Provokante Inhalte erreichen mehr Leute, als sachlich nüchterne.

    Dadurch versumpfen die Plattformen schnell mit Verschwörungstheorien und rechtsradikalem Gehetzte – selbst wenn man ausschließlich und gezielt nach seriösen Inhalten sucht vermüllen sie einem die Suchergebnisse. Ich würde mir für die Plattformen einen Negativfilter wünschen, der diese Inhalte standardmäßig ausfiltert. Wer den Mist sehen will, soll in die entsprechende Kategorie gehen und nicht die ganze Plattform versauen.

  12. Es gibt in Internet/Twitter Kreisen den alten Spruch: Haters gonna hate.
    Und auf Amazon gezogen: Hyperkapitalisten werden nicht aufhören ans Geld verdienen zu denken.

    Viele Leute erstaunt das, aber es exisitert kein Amazon Redaktionsteam das Buchvorschläge kuratiert, sondern eine massive MachineLearning Infrastuktur versucht ausschließlich(!) den Umsatz zu steigern. Es gibt wahrscheinlich ein paar manuelle Einflußnahmen klar illegale Inhalte aus dem Programm zu nehmen und nicht mehr vorzuschlagen, aber das ist es dann auch.

    Amazon regiert hier nur auf lokale Gesetzgebung (wenn überhaupt), ansonsten wird vorgeschlagen oder verkauft, was Umsatz bringt.

    Und wer im Jahre 2020 das für kritikwürdig hält, hat die letzten 15 Jahre verschlafen.

  13. Mir fehlt hierbei eine Handlungsempfehlung. Soll man Amazon kritische E-mails schreiben? Eine Campact-Aktion starten? Die Rechtsradikalen hätten bei ihren Themen schon einen Shitstorm ausgelöst. Mich macht es ein bisschen ratlos, das zu lesen und praktisch nichts machen zu können.

  14. Also wie man von „der redet mit Ken Jebsen“ zu „der ist nicht glaubwürdig“ kommt, kann ich garnicht nachvollziehen! Ich mein, optimalerweise will Ken hier einen Diskurs führen und redet mit jemandem, der explizit nicht seiner Meinung ist. Wenn man jetzt unterstellt, dass Ken das nicht tut, weil der prinzipiell nur mit Leuten redet, die seiner Meinung sind, dann bekommt man auch nur, dass Ken glaubt, dass Sucharit Bhakdi ein Verschwörungstheoretiker ist. Allerdings sehe ich nicht, warum man ihm das glauben sollte, wenn man sonst denkt, dass Ken an ganz viel Unfug glaubt. Ein moralische Verpflichtung, eine Einladung zum Interview mit irgendwem abzulehnen, sehe ich nicht.

    Der andere Punkt, dass man bei Amazon zu einfach an Quatsch kommt, ist spannender. Hier kann man fast sagen, dass Amazon Journalismus betreibt. Also so eine Art von Informations-Aggregation, keine eigene Recherche. Und die Auswahl der Information besteht hier aus „was sich am besten verkauft“. Amazon ist quasi die Bildzeitung als Buchhändler. Das ist natürlich spannend, weil es keinen Grund gibt zu glauben, dass Amazon einem Wahrheit oder sowas liefern will. Aber es verstärkt natürlich die Echochamber.

  15. Ist mir auch bereits aufgefallen.
    Tja Vollidioten, denn wessen Umsatz steigt denn massiv, wenn die Leute aus Angst vor Ansteckung nicht in Läden gehen sondern im Netz shoppen…?
    Wenn es nun mehr wahnhafte gestörten Soziopathen gibt, die propagieren es gebe kein Sars-CoV-2 und die daraus resultierende Krankheit Covid-19 und deshalb wieder vermehrt die Läden aufsuchen, ist das ein Schuß durchs eigene Knie für amazon.

    Interessant ist auch, dass seit einigen Monaten viele negative rezenssionen nicht mehr einsehbar sind, man sieht wohl dass es so und so viel 2 Sterne Bewertungen gibt, klickt man aber darauf erscheint keine einzige.

    *Hüstel*amazon*zerschlagen*hüstel*boykott*jetzt!

  16. Auch wenn ich Amazon nur noch sehr selten bemühe, bin ich vor Kurzem bei einer Suche auf QAnon-Produkte gestoßen. Darunter sind nicht nur abstruse Bücher, sondern auch T-Shirts, Bandanas, Aufkleber, also alles was der gemeine Verquerdenker für sein gruseliges Weltbild benötigt. Ich habe dies bereits 2mal bei Amazon moniert, bekomme aber lediglich die üblichen Blabla-Antworten aus Textbausteinen, aus denen erkennbar ist, dass meine Beschwerde gar nicht wirklich gelesen geschweige denn ernst genommen wird (das gilt allerdings heutzutage für das Gros der Unternehmen. Zum In-die-Tischplatte-beißen!). Ich bleibe dran. Vielleicht hilft ja auch, wenn viele weitere Anfragen/Beschwerden eingehen. Eine Petition wäre zwar auch eine Möglichkeit. Inzwischen gibt es inzwischen so viele davon, dass ich selbst oft nur noch mit den Augen rolle und wegklicke.

  17. Eine Ergänzung sei gestattet:

    Wie kommen eigentlich alle die Bücher überhaupt in den Amazon Katalog?
    Sitzt da eine Kommission und entscheidet das?
    Bei über 300 neuen Büchern arbeitstäglich in Deutschland: Wohl kaum.
    (Im Jahr 2019 sind rund 70.400 Buchtitel auf dem deutschen Markt neu erschienen!)

    Vermutlich kein Allgemeinwissen:
    Amazon (wie viele andere Anbieter) bezieht diese Information vom “ Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) “ naütrlich vollautomatisch. D.h. sobald es jemand „schaft“ eine ISBN zu bekommen und ein Eintrag in den der VLB erscheint er auch bei Amazon!

    Vielleicht gibt es ein interessates Ergebnis mal bei der VLB nachfragen,
    was die gegen diese unerwünschte, irreführende Litetatur tun?

    Mal sehen ob auch diese Ergänzung gelöscht wird….

  18. Es ist erhellend, wie schnell aus dem Beitrag herausgelesen wird, Netpolitik.org wolle die Bücher zensieren und verbieten. Mich würde durchaus interessieren, woher dieser Beißreflex kommt.

    Der Beitrag kritisiert nicht direkt, dass Amazon die Bücher generell verkauft. Es wird auch nicht unmittelbar gefordert, die Bücher zu depublizieren. Das müsste Amazon – und darauf verweist der Beitrag – eigentlich ohnehin selbst tun, wenn es sich an seine eigenen Regeln halten würde.

    Kritikpunkt des Beitrags ist der Empfehlungsalgorithmus, der Kunden ohne Not mit Verschwörungsliteratur in Kontakt bringt. Natürlich ist es nicht verboten, die Bücher zu verkaufen. Ich kann auch in einer Buchhandlung die entsprechenden Titel bestellen. Aber wenn ich bei Hugendubel in der Wissenschaftsecke ein Sachbuch in die Hand nehme, kommt nicht sofort eine aufgeregte Buchhändlerin und hält mir ein Buch aus der Aluhutecke unter die Nase.

    Früher gab es in den Buchhandlungen ein leicht nach Patschuli und Lavendel müffelndes Esoterikregal, in dem sich all diese schillernden Bücher sammelten. Das konnte man gezielt ansteuern oder eben gezielt vermeiden – je nach eigener Entscheidung des Kunden.

    1. Nun, der Artikel ist sicherlich nicht verfasst worden, weil die Autoren bis zum Stichtag soundsoviel Hundert Wörter abliefern mussten.
      Sondern offensichtlich stören sich die Autoren an den Empfehlungen, die Amazons Algorithmus erzeugt.
      Würden sie sich auch daran stören, wenn das Kapital, den „Kommenden Aufstand“ oder alle Bände der Digedags empfohlen würden?
      Schwerlich.

      Es stört die Autoren also, dass Bücher empfohlen werden, die die Autoren für falsch, verschwörerisch, rechtslastig, …. was auch immer halten.
      Und sie empfinden diese Empfehlungen als ein Skandal, über den berichtet werden muss.

      Was an diesen Empfehlungen ist denn skandalös?
      Die Bücher sind nicht verboten, sie verstossen also nicht gegen die Verfassung oder geltendes Recht — allerdings proagieren sie Dinge, die den Autoren zuwider sind.

      Dass die Autoren soviel Energie in die Recherche über einen in einer Demokratie vollkommen normal sein sollenden Vorgang stecken — dass nämlich Menschen im Rahmen der Grundrechte und geltenden Gesetze Bücher verfassen und veröffentlichen, die nicht von 100% des Publikums für gut befunden werden — und diesen skandalisieren, legt den Verdacht sehr nahe, dass den Autoren eben dieser Vorgang als unzulässig erscheint und Publikationen, die nicht die Zustimung der Autoren finden von Amazon zumindest nicht empfohlen werden sollen.

      Offensichtlich gehen die Autoren auch davon aus, dass nicht wenige Menschen aufgrund der Empfehlunegn derartige Publikationen erwerben — was sie wohl verhindern möchten. Wiederum nur aus dem Grunde, dass die Autoren diese Publikationen unschön finden.

      Was Ihr Beispiel mit dem Esoterik-Regal betrifft: was, bitte schön, ist denn bei Amazon anders? Wer wird denn gezwungen, diese Empfehlungen anzusehen oder gar zu kaufen?

      Was für ein Menschenbild steckt denn hinter dem Bedürfnis, diese Empfehlungen abzustellen?
      Doch offensichtlich eines, dass den Menschen misstraut, sie verdächtigt, ihnen Finsteres unterstellt.

      Nun ist der Zeitgeist unübersehbar autoritär und einer des Verdachts, des Missstrauens und der Unterstellungen — nichtsdestotrotz ist es nach wie vor nicht verboten, auch kruder Meinung zu sein und die seltsamen Publikationen z.B. des Kopp-Verlages zu kaufen und zu lesen.

      Ein deutlicher Drang nach Verbot und Kontrolle aber ist der Unterton, den offensichtlich ganz viele Leser in Artikeln wie diesem hören und sich davon, ganz gleich, wie sehr sie in ihrer Weltsicht mit den Autoren übereinstimmen mögen, bedroht fühlen.

  19. Liebe Leute,
    danke für die Analyse. Natürlich ist Amazon eine ‚Radikalisierungsmaschine‘ wie Youtube und Facebook. Das zu sagen, hat nichts mit Zensur zu tun. Aber ihr tut euch keinen Gefallen undifferenziert Impfgegner*innen mit Verschwörungstheoretiker*innen mehr oder weniger gleichzusetzen. Natürlich sind viele Impfungen sinnvoll (Polio, Tetanus, etc.). Aber es gibt auch umstrittene Impfungen (wie die gegen Gebärmutterhalskrebs) – also bitte nicht alle in einen Topf. Hier gibt es auch Interessen der Pharmaindustrie. Ich frage mich schon, warum ich eine vier- oder sechsfach-Impfung bekommen MUSS, wenn ich nur gegen Tetanus geimpft werden möchte.
    Gruß, Lachmoeve

    1. Das großgeschriebene MUSS kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen: Mir hat der Arzt einmal eine zweifache Impfung vorgeschlagen. Das habe ich abgelehnt und bin dann nur gegen Tetanus geimpft worden. So etwas wie ein „Impfzwang“ ist mir noch überhaupt nicht begegnet.

  20. Die Rechten sehen die Welt von den Linken dominiert, die Linken von den Rechten.
    Beide wünschen sich ein autoritäres System, das Gedanken, Äusserungen, Bücher vorsortiert, damit der Rest der Menschheit ja nicht auf falsche Ideen kommt.

    Die Vorstellung, dass die allermeisten Menschen durchaus selber denken können und Freiheit von Gedanken, Äusserung und Information für richtig, wichtig und sinnvoll halten, ist für solcherlei Aktivisten entweder unverständlich oder gar gefährlich.

    Ja, es gibt bei Amazon Bücher, die unappetitlich, unsinnig, verdreht sind.
    Nein, diese Bücher sind nicht illegal.
    Nein, man muss die Menscheit nicht vor diesen Büchern schützen.

    Was genau ist das Ziel dieses Artikels? Sich drüber zu echauffieren, dass es tatsächlich Menschen gibt, die andere, gar unschöne Dinge denken? Die, horrbile dictu, die Unverschämtheit haben, bei Amazon Bücher zu kaufen, die unschöne Dinge enthalten?

    Sollen, damit die Autoren in ihrer offenbar von schrecklichen Dingen bedrohten kleinen Welt ruhig schlafen können, all diese bösen Bücher von Amazon verschwinden?
    Dazu bräuchte es wohl eine gesetzliche Grundlage, die dem Konzept der liberalen Demokratie mehr Schaden zufügte als all diese Bücher — und die Idee, dass die Grundrechte in Gefahr sind, geradezu bestätigte.

    Wenn man sich aus der alarmistischen Weltsicht für einen Moment herausbegibt, wird man feststellen, dass die Welt mitnichten davon untergeht, dass der Kopp-Verlag bei Amazon sein Geschwurbel verkaufen darf, sondern dass die ganz grosse Mehrheit der Bevölkerung durchaus vernünftig denkt und handelt — mit Sicherheit auch viele, die Bücher des Kopp-Verlags kaufen.

    Die Bürger für entweder zu dumm zu halten oder deren eigenes Denken für zu gefährlich war einer der Glaubenssätze der DDR, die entsprechend versucht hat, Informationen, Äusserungen und Gedanken zu kontrollieren.
    War’s erfolgreich?

  21. Wird jetzt ernsthaft darüber diskutiert, dass Amazon ein Buch über die flache Erde vorschlägt, wenn man gezielt danach sucht?
    Gleiches gilt für die Holocaust-Lüge. Ich kann das doch nicht gezielt suchen und erwarten, dass ich unter dem Begriff ein fundiertes Geschichtsbuch über die damilige Zeit vorgeschlagen bekomme. Letztlich hat Amazon genau das geliefert, wonach gesucht wurde. Wer etwas anderes erwartet hat, sollte sich selbst hinterfragen und nicht versuchen, etwas offensichtliches als bahnbrechende Neuenteckung zu vermarkten. Augenscheinlich sollte mit diesem Bericht auch wieder nur unbegründet gegen einen Komerzriesen gehetzt werden, ähnlich wie es die Verschwörungstheoretiker aktuell machen. Finde ich keine Beweise, bastel ich mir welche zurecht.

  22. Wenn man bei Amazon „Erde – Kugel“ eingibt erhält man skandalöserweise keinen Buchvorschlag, in dem die Kugelgestalt der Erde vertreten wird. Wie denn auch. Aus gutem Grund gibt es solche Bücher nicht, da es sich erstens nicht lohnt, über eine so gut belegte Tatsache ein Buch zu schreiben, und zweitens zum Verständnis der Belege für die Kugelgestalt der Erde etwas mathematisches und naturwissenschaftliches Verständnis erforderlich wären, das bei den Flacherdlern und Bibelgläubigen einfach nicht vorhanden ist.

  23. Hier meine Ergänzung,

    ich lese Ihre Amazon- Recherche und verstehe gut was sie da anprangern.
    Komisch, schlimm finde ich nur, dass diese von Ihnen „aufgefdeckten Fakten“
    schon lange bekannt sind, aber NIEMAND greift ein. Nicht die Politik noch andere
    rechtliche Schritte werden ernsthaft auf die Art verfolgt, dass die EIGENTLICHEN – Vorgaben
    zu 99 % oder sagen wir 97% eingehalten werden.
    Dieser Umstand zeigt, wie wenig Einfluss Politik auf einen global Player mit einer Macht ausgestattet ist, die weit über die Macht von Länderpolitik hinausgeht.
    Ihre Recherche ist sicher gut und wichtig, aber eben auch zu sagen, dass es an der Zeit ist,
    GOOGLE, Amazon, Facebook und allen anderen Daten-Fishing – Unternehmen das Handwerk zu legen und globale Leitlinien zu veröffentlichen und diese Regeln so zu installieren, dass die Unternehmen angehalten sind, diese Vorgaben einzuhalten. Es ist eine Frage von WILLEN und politischer Einigkeit, ob so diese Art von Datenmissbrauch unter Strafe gesetzt werden kann, denn es geht hier auch um ein systematisches Untergraben von realen Fakten.

  24. Diese „Fake News“ Debatte wird immer nur von denjenigen Leute angefacht die die Wahrheit für sich gepachtet haben. Dass die Erde eine Kugel ist wurde auch über Jahrhunderte als „Fake News“ betrachtet, was haben wir daraus gelernt? Leider nichts wie dieser Artikel mal wieder eindrücklich zeigt.
    Amazon scheint dagegen schlauer zu sein und maßt sich nicht an die Wahrheit zu kennen, sondern die Vorlieben seiner Nutzer.

    Um das klar zu stellen, im Fall von Hetze usw. endet die Meinungsfreiheit, das kann ich im Fall der Corona Kritiker überhaupt nicht feststellen.

    1. Wo und von wem wurde die Kugelform der Erde über Jahrhunderte für „Fake-News“ gehalten? Diese Behauptung ist eine Erfindung von Nikolaus Kopernikus höchstselbst, der seine eigenen Entdeckungen damit als noch wichtiger heraus heben wollte, als sie auch ohnehin waren. Seit der Antike (5./4. Jh. v. Chr.) hat kein seriöser Wissenschaftler mehr ernsthaft die Kugelform der Erde bezweifelt. Auch unter den christlichen Theologen des beginnenden Mittelalters gab es nur zwei, die aber in dieser Hinsicht nicht ernst genommen wurden.

  25. „Die Amazon-Suche nach „Corona“ – ausgeführt, ohne eingeloggt zu sein – zeigte bei unserem Test gleich mehrere problematische Bücher unter den ersten Suchergebnissen. Auf Platz 1 stand ein Buch mit dem Titel „Corona Fehlalarm?“.“

    Ohne nun auf den Inhalt einzugehen, das Buch ist auf der Spiegelbestellerliste, der Kategorie Sachbuch/Taschenbuch auf Platz 1. Die Relavanz des Suchergebnis ist damit definitiv gegeben.

    https://www.bestsellerliste.de/spiegel-bestseller-taschenbuecher/

  26. Wenn etwas massiv beworben wird, gehe ich meist davon aus, dass auch für die Werbung entsprechend bezahlt worden ist. Irgendein nicht näher bekannter Algorithmus scheint mir als Erklärung allein etwas schwach.
    An den Spiegel-Bestsellerlisten beispielsweise ist m. W. schon vor Jahrzehnten kritisiert worden, sie gäben nicht die tatsächlichen Verkaufszahlen von Büchern wieder, Bestseller würden dadurch manchmal erst gemacht. Und dass im Internet Clicks und Likes gekauft werden können, ist auch nichts Neues mehr. Es könnte wohl gut auch andere Einflussfaktoren auf ein gesteigertes Werbeaufkommen geben. Was mir selbst auf vielen Internetseiten an Werbung zugemutet wird, kann ich oft überhaupt nicht mit meinem eigenen Konsumverhalten in Einklang bringen, es scheint mir völlig willkürlich zu sein. (Amazon besuche ich eher selten.)
    Häufiges Wiederholen setzt vielleicht auf die sog. „Wahrheitsillusion“, vgl.
    https://www.spektrum.de/news/wissen-schuetzt-nicht-vor-der-wahrheitsillusion/1763694

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