Das Bundesland Nordrhein-Westfalen plant den vom Bundeskriminalamt (BKA) programmierten Staatstrojaner „Remote Communication Interception Software“ (RCIS mobile-Version 2.0) einzusetzen. Auch für die Online-Durchsuchung werde das Land Nordrhein-Westfalen auf die vom BKA zur Verfügung gestellte spezifische Software zurückgreifen.
Das geht es aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage des grünen Abgeordneten Matthi Bolte-Richter hervor. Durch die Beschaffung der Software RCIS 2.0 sollen für das Land NRW keine Kosten entstehen, da die Software vom BKA kostenfrei zur Verfügung gestellt würde. Weil RCIS Version 1.0 aber nur Skype auf Windows abhören kann, arbeitet das BKA seit mehr als einem Jahr an Version 2.0. Damit sollen auch Smartphones wie Android und iPhones infiziert und Messenger-Apps wie WhatsApp und Signal mitgelesen werden können. Geplant ist, diese Erweiterung noch in diesem Jahr fertig zu programmieren und für den Einsatz freizugeben, berichteten wir im Juli dieses Jahres.
In der Antwort der Landesregierung heißt es, dass der Staatstrojaner nicht extra auf seine Rechtmäßigkeit geprüft werde, weil das BKA versichere, dass die Software nach geltendem Recht entwickelt wurde. Die Landesbeauftragte für den Datenschutz werde aber in eine Prüfung einbezogen, sobald die Software zur Verfügung stehe.
„Staatstrojaner wieder abschaffen“
Matthi Bolte-Richter interpretiert die Antwort der Landesregierung so, dass vom BKA noch immer keine adäquate Software zur Verfügung stehe. Er sagt: „Die Konsequenz kann nur lauten, den Staatstrojaner wieder abzuschaffen. Er ist als Masseninstrument unverhältnismäßig und steht auf verfassungsrechtlich wackeligen Füßen.“
Die Software Fin Fisher hingegen will die Landesregierung derzeit nicht nutzen. Dieses Produkt sei noch nicht abschließend geprüft, so dass eine Nutzung für das Land Nordrhein-Westfalen derzeit nicht beabsichtigt ist. FinSpy ist immens mächtig und wird als „komplettes Portfolio“ des Hackens beworben. Die Software kann mehr als das Gesetz erlaubt. Aus diesem Grund setzt das BKA FinSpy bis heute nicht ein, obwohl es schon vor fünf Jahren 150.000 Euro dafür bezahlt hat. Mittlerweile hat der Hersteller die Software schon drei mal überarbeitet, die neuste Version wird noch immer auf Rechtmäßigkeit geprüft. Das Bundesinnenministerium hoffte im Juli, FinSpy bald für den Einsatz freigeben zu können.
