Linkschleuder

Zur BPK-Debatte: Der kleine Unterschied – Ahnung und Haltung

Constanze Kurz hatte gestern über Kritik an der Arbeit von Tilo Jung in der Bundespressekonferenz geschrieben. In den Kommentaren kommen natürlich die in Kommentarspalten übliche Kritik und Vorurteilen an JournalistenTM bzw. den Öffentlich-Rechtlichen Sendern ausführlich zu Wort, vor allem da Fefe uns verlinkt und seine Leser nun hier kommentieren.

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Eine andere Perspektive auf den Konflikt um Tilo Jung, der in der Bundespressekonferenz nach etwas anderen Regeln spielt als die eingefahrenen Traditionen, hat der Journalist Falk Steiner gebloggt: Der kleine Unterschied: Ahnung und Haltung.

Und genau hier sind wir wieder bei Tilo. Denn der sitzt nun seit gut einem Jahr öfter in der Regierungspressekonferenz, filmt dort “seine” Fragen und Antworten und veröffentlich diese danach. Manche seiner Fragen sind hilfreich, weil sie relativ undiplomatisch und direkt sind. Aber: sie sind in aller Regel auch ohne jede ernsthafte Vorbereitung gestellt. So kommt es regelmäßig vor, dass Tilo mehrfach Dinge fragt, die zwei Tage vorher in epischer Breite bereits behandelt wurden. Nur hat Tilo sie dann nicht im Video, weil er da mal nicht da war (was häufiger so ist). Oder: er hat sie einfach nicht nachgelesen, alle Protokolle sind im Nachhinein allen Mitgliedern mit Fragendennamen, ohne den Namen des Fragenden auch den beim Bundespresseamt akkreditierten Journalisten auf cvd.bundesregierung.de und auch ganz öffentlich zugänglich. Tilo stellt also sehr viele Fragen, häufig sind einige davon bereits beantwortet.

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21 Kommentare
  1. Nehmen wir mal an, dass die auf Twitter geposteten Äußerungen stimmen und der Journalist seine Kritik tatschlich so gesagt hat, wie sie dort steht. Dann ist es im Kern völlig egal, ob Tilo Jung sich vorbereitet oder nicht, denn das hat der Journalist als vermutlich sprachgewandter Schreiber so nicht kritisiert. Er sagte sinngemäß „Du stellst Fragen, die keinen interessieren“. Er sagte nicht „Mach Deine Arbeit und recherchiere erst mal, dann müsstest Du diese Frage hier nicht stellen“. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied.

      1. Also ist Tilo Jung einfach nur ein schlechter Journalist. Und Inkompetenz kann gehörig auf den Sack gehen. Dann von einem anderen Journalist, z.B. von der ARD, zu erwarten, dass dieser dem inkompetenten Journalist, Tilo Jung, aufzeigt dass dieser inkompetent ist, während der inkompetente Journalist, Tilo Jung, glaubt die wichtigen Fragen zu stellen, die alle anderen nicht stellen, ist ein bischen viel verlangt.
        Dieser Versuch drückt sich wohl dadurch aus, dass sich der ARD Journalist in seiner Ansicht nicht alleine sieht, und dies Tilo Jung mitteilt.

        Es ist einfach unglaublich schwierig jemanden inkompetenten aufzuzeigen dass er inkompetent ist.

  2. Tilo füllt nun mal eine Lücke. Es wäre sehr viel einfacher, wenn die BPK regelmäßig aufgezeichnet werden würde und damit alle Fragen und Antworten bekannt würden. Damit könnten Interessierte den Originalton hören und nicht nur das, was die Journalisten daraus machen.

      1. Vielleich bin ich ja blind und hab was übersehen, aber auf der Seite der bpk komm ich ohne mitgliedschaft nicht an die protokolle oder? Und so wie deren text klang muss man zumindest Blogger oder so sein? Wenn ich falsch liege bitte einfach n link zu den protokollen drunter

    1. Ich finde es wichtig, zumindest Auschnitte der Konferenz auch „live“ per Kamera gefilmt zu sehen.

      Diese Gesichter – Todesverachtung.

      So möchte ich von meinem schlimmsten Feind nicht angeschaut werden.

      1. Bleibt nur zu hoffen, dass er bei ernsthaften Anfragen an die Pressestellen, bei denen er dann Termindruck hat, diese sich nicht an ihn erinnern und sich Zeit lassen mit dem antworten. ;-) (Hier im Lokalen ließ man eine Onlinezeitung schonmal auflaufen, die gerne viel fragte aber auch skandalisierte wo es nur ging.)

  3. Danke an Markus für dieses Update.
    Was der ARD-Journalist da gesagt hat spiegelt übrigens NICHT die Meinung aller seiner Kollegen wider. Deswegen finde ich es ziemlich daneben, dass nach der Meldung von Frau Kurz der Eindruck erweckt wurde, die ARD habe Jung blöd angemacht.
    Der ARD-Mann hat nämlich viele Kollegen – und sie alle machen einen Job von dem sehr, sehr viele der Anti-ARD-Kommentatoren tagtäglich profitieren. Dass wir in diesem land eine zum Teil sehr hoch entwickelte Debatte über so ziemlich jedes Thema führen können ist auch der Arbeit der öffentlich-rechtlichen Sender zu verdanken.

  4. Danke das ihr hier den Kommentar von FS eingestellt habt.

    Ich halte von beiden Journalisten eine Menge. Ich halte aber die Reaktion von FS diesmal für falsch. Ich kann ihn verstehen, ich bin auch ab und an genervt von TJ — dass ist aber richtig so. Es braucht beide Arten von Journalismus (frech/laut/nerven und genau/hartnäckig/etwas angepasster und vernetzter) um eine große Menge von Informationen zusammen zu tragen.

    Das Word „Haltung“ bei „Ahnung“ mit zu zitieren ist sehr gefährlich und ich empfinde es für diesen Zusammenhang als Totschlagargument. Selbstdarstellung passt viel besser. Warum gleich so tief in die schwammige Rhetorikkiste andere Leute greifen, Falk?

    Es kann aber auch sein das auch FS dem Establishment schon etwas zu nahe gekommen ist oder ein leichter Anflug von Neid. Komischerweise kann ich mir Küppersbusch und Jung gut vorstellen, dass selbe Format mit Falk S. nicht. Es gibt als verschiedene Typen von Journalisten und das ist auch gut so. ™.

    Falk: Setzt euch doch beide noch mal vor den Kühlschrank unterhaltet euch und macht ein paar Notizen … ohne Kamera. Es geht nämlich wirklich nicht darum was man sieht … ich würde gerne lesen was ihr so für Gedanken über Haltung, Selbstdarstellung, Group-Think und Establishment so zu sagen habt. Es muss nicht immer alles Video sein, aber ab und an auch nett, gerade in der BPK … da zeigt sich mehr im Minenspiel als man schreiben kann …

    1. TLDR; Falk hat recht wenn er sagt das TJ andere Journalisten nervt. Er hat Unrecht, wenn er sagt das es damit aufhören/sich besser vorbereiten soll. „Gleiche“ Journalisten braucht niemand. Und ich denke, alle Beteiligten werden einen Weg finde es besser zu machen.

      PS: Die meisten Journalisten stellen leider dumme Fragen, die guten kommen eh immer erst später im Interview, wenn man sich auf einander eingespielt hat. Dafür ist auf einer BPK meist keine Zeit … aber das macht es auch spannend.

      Weniger schmerzlos für die gut bezahlten Doktoren auf dem Podium muss es eigentlich nicht werden … weil wenn die Stellvertreter schicken … kommt vielleicht auch mal mehr heraus als nur Standardphrasen ;)

    2. Mir ist nicht klar, wie die Kontrastierung von zwei Arten von Journalismus als „frech/laut/nerven und genau/hartnäckig/etwas angepasster und vernetzter“ gedacht ist. Was haben Genauigkeit und Hartnäckigkeit mit Angepaßtheit und Vernetztheit zu tun? Und warum kann man nicht gleichzeitig frech und genau sein? Oder nervend und hartnäckig? Gerade diese beiden Punkte hätte ich eigentlich für ziemlich synonym gehalten.

  5. „ohne jede ernsthafte Vorbereitung“ ist zunächst einmal eine Unterstellung.
    „in epischer Breite bereits behandelt“ mag ja sein. Es ist nur die Frage, für welche Zielgruppe die Frag in epischer Breite behandelt wurde oder ob die Frage überhaupt wirklich aus der Sicht der Zielgruppe beantwortet wurde.

    Falk Steiner macht es sich wesentlich zu einfach. Wenn die Bildzeitung allen Quatsch schreiben darf und Politikerinterviews bekommt, dann darf Tilo genau das Selbe. Wenn ein Fragesteller nicht antworten will („das habe haben wir schon diskutiert“), dann geht das sicher in Ordnung. Wenn sich ein Kollege aufregt, dann ist das aber eine ganz andere Sache. Dieser Kollege sollte sich fragen, ob er denn auch an Tilos Publikum gedacht hatte. Denn genau das ist ein Problem der ARD.

  6. Ganz grundlegend wichtig ist, dass weiterhin möglichst intensiv über Formen, Perspektiven und das Selbstverständnis des Journalismus diskutiert und gestritten wird. Das hat schon immer die eigentlichen Themen noch viel stärker beleuchtet und – wir erinnern uns – die Blogs im deutschen Sprachraum zu dem wichtigen, die öffentliche Meinung lenkenden Medium schlechthin gemacht. Wie wäre es mit einer Podiumsdiskussion, welche Fragen bei der Bundespressekonferenz einen richtig guten(TM) Journalisten auszeichnen? Oder vielleicht eine Konferenz? Man sollte über die Keynotespreaker in länglichen Blogbeiträgen diskutieren – und nicht nur Journalisten untereinander, nein, am besten vielleicht sogar Journalisten jeweils mit sich selbst. Das wird die Medienlandschaft revolutionieren!

  7. Äh wat is?!! Was für Vorteile gegenüber Journalisten?

    1. Der Beruf ist NICHT geschützt das heißt man muss weder ne Ausbildung dazu machen noch studieren. Jeder kann sich Journalist neben und auch kann man für weit über 100 Euro legal Presseausweise kaufen.

    2. Lest mal lieber das Buch GEKAUFTE JOURNALISTEN und quatscht dann weiter

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