Nachdem der Sprecher der Initiative Urheberrecht kürzlich überaus positive Worte für den Berichtsentwurf zum EU-Urheberrecht von Piratin Julia Reda gefunden hat, kommen von Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels und Chef des Buchhändlers Osiander, überraschend deutliche Worte zum leidigen Thema Kopierschutz bei E‑Books. Im Buchreport-Interview identifiziert er in „hartem Kopierschutz“ das zentrale Hemmnis für die Verbreitung von E‑Books:
Wo liegen die Bremsklötze im sich formierenden digitalen Geschäft?
Der harte Kopierschutz, an dem viele Verlage trotz aller Appelle auch aus den Reihen des Börsenvereins immer noch festhalten, ist ein enormes Hemmnis, das Amazon und Apple direkt in die Hände spielt. Bei Osiander beschäftigen sich zwei bis drei Mitarbeiter ausschließlich damit, am Telefon Kunden beim Download zu beraten. Bei anderen Händlern sieht es wohl nicht anders aus. Auch beim Kulanzdownload müssen sich die Verlage bewegen. Wenn ein Kunde aufgrund des Kopierschutzes Schwierigkeiten hat, seinen Download durchzuführen, nur weil er kein Technikexperte ist, ist das nicht hinnehmbar.
Besonders bemerkenswert ist, dass diese Antwort auf eine allgemeine Frage nach Bremsklötzen kommt. Ergänzen ließe sich vielleicht noch die grundlegende Absurdität, dass Kopierschutz zahlende Kunden schlechter stellt als jene, die sich illegale Kopien besorgen.
Leider wird nicht genauer ausgeführt, wo die Grenze zwischen hartem und weichem Kopierschutz verlaufen soll. Vermutlich ist aber mit „weichem“ Kopierschutz eine bloße Markierung mittels digitaler Wasserzeichen gemeint, die Weitergabe und Formatumwandlung nicht behindert.
[Update, 04.02.2015]
Im Nachgang zu obigen Interview hat der Buchreport eine Online-Befragung gestartet. In der nicht-repräsentativen Befragung sprach sich die überwältigende Mehrheit ebenfalls gegen harten Kopierschutz aus:
An der Umfrage haben auch Endkunden teilgenommen, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränkt. Doch auch wenn nur Antworten aus dem Handel bzw. den Verlagen berücksichtigt werden, zeigt sich ein klares Meinungsbild: 90% sind gegen den Kopierschutz.
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