Überwachung

Die Geister, die sie riefen: NSA half, Olympische Spiele in Griechenland zu überwachen, und blieb einfach da

Immer mit am Start: Die NSA - CC BY-NC-ND 2.0 via flickr/kkazantzoglou

Ein Teilnehmer der Olympischen Spiele 2004 war die NSA. „The world will be watching, and so will NSA!“ lautet das Motto aus den Snowdendokumenten, die nun von Spiegel und The Intercept veröffentlicht wurden. Sie half zusammen mit der CIA dem griechischen Geheimdienst EYP dabei, Kommunikationsleitungen abzuhören und auszuwerten:

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NSA will gather information and tip off the EYP of possible terrorist or criminal actions.

Dass das nicht der erste Einsatz der NSA bei Olympischen Spielen war, ist klar, denn Großveranstaltungen sind für viele immer eine willkommene Gelegenheit, Überwachungsmaßnahmen auszurollen. Es wird erwähnt, dass man seit den Spielen 1984 [sic!] in Los Angeles mitmische, es sei primär um Terrorismusabwehr gegangen. Doch bei den Spielen in Griechenland sah die Situation etwas anders aus, „viel komplizierter“, wie die NSA selbst sagt.

Zum einen natürlich die Zusammenarbeit mit dem griechischen Geheimdienst, zum anderen aber auch die Lage Griechenlands. Es wurde ein Team aus zehn Analysten nach Griechenland geschickt, über einen Monat, bevor die Spiele begannen. Man verschaffte sich Zugang zu Mobilfunknetzen und Datenkabeln, sorgte dafür, dass die gesammelten Daten in die USA zur Auswertung gingen und wo eine offene Kooperation nicht möglich war, sorgte die Abteilung Tailored Access Operations (TAO) für Zugang durch die Hintertür.

Für die griechische Regierung war die „Hilfe“ der US-Spione zum gegebenen Zeitpunkt willkommen. Eine Quelle von The Intercept sagte:

The Greeks identified terrorist nets, so NSA put these devices in there and they told the Greeks, OK, when it’s done we’ll turn it off. They put them in the Athens communications system, with the knowledge and approval of the Greek government. This was to help with security during the Olympics.

Aber die Geister, die die griechische Regierung rief, wurde sie nicht mehr los. Denn die Struktur, die einmal aufgebaut war, wollte die NSA nicht mehr aufgeben und nur ein Teil wurde nach Ende der Olympischen und Paralympischen Spiele abgeschaltet, um den Eindruck zu erwecken, man halte sich an die Abmachungen. Statt mutmaßlichen Terroristen standen nun andere im Interessensmittelpunkt der Aufklärung: Griechische Regierungsmitglieder, Politiker und Journalisten.

Das gebrochene Versprechen der NSA flog auf, als 2005 bei Vodafone Malware gefunden wurde, die Anzeichen auf die US-Botschaft in Athen enthielt. Der Fall wurde als „Griechisches Watergate“ bekannt. Mit den aktuellen Veröffentlichungen dürfte klar sein, wo die Malware herkommt. Man könnte jetzt, wie der Spiegel folgert, davor warnen, dass ähnliches passieren könnte, wenn die deutsche Olympiabewerbung für 2024 erfolgreich ist. Andererseits aber auch naiv, denn die Überwachungsinfrastruktur der NSA in Deutschland ist schon heute bestens ausgebaut.

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