Wo der Hammer hängt – Ein Kommentar zur Jauch-Sendung zum Interview mit Edward Snowden

Die Jauch-Sendung vom gestrigen Abend rund um das Interview mit Edward Snowden zeigte, wie Überwachungskritiker und Befürworter der Überwachungsprogramme aneinander vorbeireden. Hoffnung, dass die Geheimdienste in absehbarer Zeit in ihre Schranken verwiesen werden können, konnte man aus der Sendung nicht mitnehmen.

Die drei Teilnehmenden, die die Überwachungsprogramme kritisieren, machten keine gute Figur. Sie waren wenig in der Lage, die aus anderen Talkshows zu dem Thema sattsam bekannten Argumente des ehemaligen US-Botschafters in Deutschland und eines Angestellten der “Bild” aus dem Springerverlag kontern und entkräften zu können. Die beiden letztgenannten dagegen schienen eine Agenda zu haben, welche Argumente und welchen Spin sie in der Sendung loswerden wollten.

Es hätte wenigstens etwas spannend werden können, wäre wirklich über die Inhalte der Ausschnitte von dem Interview mit Snowden gesprochen worden. Aber wen kann es überraschen, dass Günther Jauch nicht in der Lage scheint, so ein Gespräch zu leiten? Seine Redaktion brachte obendrein auch noch Interviewausschnitte durcheinander und verwirrte das Gespräch damit noch mehr.

Doch wäre die mehr oder minder einzig wirklich neue Information aus dem gesamten Interview, die auch als Ausschnitt bei Jauch gesendet wurde, nicht eine wirkliche Diskussion wert gewesen? Snowden deutete eine weitere Enthüllung an, obwohl er betonte, dass Journalisten letztlich darüber entscheiden müssten (Transkript des Interviews, etwa nach der Hälfte):

Was ich sagen kann, ist, dass wir wissen, dass Angela Merkel von der National Security Agency überwacht wurde. Die Frage ist, wie logisch ist es anzunehmen, dass sie das einzige Regierungsmitglied ist, das überwacht wurde. Wie wahrscheinlich ist es, dass sie das einzige bekannte deutsche Gesicht ist, um das sich die National Security Agency gekümmert hat? Ich würde sagen, es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass jemand, der sich um Absichten der deutschen Regierung sorgt, nur Merkel überwacht und nicht ihre Berater, keine anderen bekannten Regierungsmitglieder, keine Minister oder sogar Angehörige kommunaler Regierungen.

Die Schlussfolgerung klingt plausibel – ist hierzulande darauf noch niemand gekommen? Man kann jedenfalls gespannt sein, was in nächster Zeit dazu veröffentlicht werden wird.

Letztlich ging der Punktsieg bei Jauch klar an den Ex-US-Botschafter John Kornblum; der als erfahrener Diplomat seine rhetorische Klaviatur beherrscht, Register zu ziehen weiss und sich bei diversen Dingen immer 100-prozentig sicher ist. Er dürfte den höchsten Wortanteil gehabt haben und machte am Ende deutlich, wo der Hammer hängt (ab Minute 50):

Wie soll ein Land wie die Bundesrepublik mit dieser Technologie in der Zukunft umgehen, welche Partner hat man? Wenn sie die Vereinigten Staaten nicht als Partner haben, ja gut, dann brauchen sie es nicht; dann müssen sie sehen, wie sie selber mit der Technologie umgehen. … Das Argument ist: Die Technologie ist schon zu dem Punkt gekommen, das höchst wahrscheinlich die amerikanische Regierung das alles nicht kontrolliert hat … Wenn das der Fall ist, sind die Chancen, dass die Bundesregierung das kontrollieren kann oder die Italienische noch viel weniger … Es gibt tatsächlich das Bedürfnis nach neuen politischen Konzepten wie das funktioniert, aber einfach die praktische Wahrheit ist, dass das Zentrum für diese Konzepte wahrscheinlich ewig die Vereinigten Staaten sein werden. Damit müssen Sie leben.

Das dürfte in etwa Kern der Ansage sein, die die deutschen Regierung von den US-Regierung bekommen hat. Und dass die Bundesregierung sich dafür entschieden hat, damit zu leben, ist offensichtlich.

28 Kommentare
  1. Thomas Wallutis 27. Jan 2014 @ 9:16
  2. Freudes Mundsieg 27. Jan 2014 @ 10:47
    • Lorenz Matzat 27. Jan 2014 @ 11:16
    • dot tilde dot 27. Jan 2014 @ 15:50
  3. jauche Grube 27. Jan 2014 @ 12:23
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