Zwei aktuelle Beiträge des ZDF – Frontal21 vom 22. Juli und ZDFzoom vom 23. Juli – beschäftigten sich mit der fragwürdigen Arbeitsweise der SCHUFA, deren Umgang mit privaten und sensiblen Daten und den Folgen für den Einzelnen. Dabei handelt es sich bei dem Frontal21-Beitrag um eine verkürzte Form des ZDFzoom-Films, beide sind von Andreas Baum.
Immer wieder kann es zu Fehleinträgen bei der SCHUFA oder anderen Auskunfteien kommen, die Betroffenen das Leben schwer machen. Schließlich braucht man heutzutage für so ziemlich alles eine SCHUFA-Auskunft – ob Mieten einer Wohnung, Kreditaufnahme oder Eröffnen eines Bankkontos. Werden die Daten, die aus öffentlichen Registern und von Vertragspartnern übermittelt werden, durch die SCHUFA geprüft? Ein in den Beiträgen vorkommender, anonymer Insider sagt: Nein.
„Wenn man online was melden will, dann braucht man das nur auszuwählen, und nach ein paar Klicks ist das dann in den SCHUFA-Datensätzen der Betreffenden gespeichert.“
Dass sich dabei auch gravierende Fehler einschleichen, wundert den Insider nicht, denn selbst bei äußrst brisanten Negativmeldungen müssen Belege nicht an die SCHUFA übermittelt werden.
Es findet also keine Überprüfung der Tatsachen statt – diese Praxis wurde dem ZDF von der Schufa bestätigt. Diese verweist darauf, nicht gesetzlich zur Vorabprüfung verpflichtet zu sein.
Auch die Berechnung der Scores ist völlig intransparent, wie ein Vertreter einer Auskunftei gegenüber ZDFzoom erklärt: Natürlich wollen wir unser Geschäftsgeheimnis nicht offenlegen. Es handelt sich eben nicht um eine gemeinwohlorientierte Einrichtung, sondern ein Unternehmen im Dienste des Kapitals. Mit den Auskünften wollen sie Geld machen.
Die Videobeiträge führen noch weitere Extrembeispiele auf, wie fürchterlich schief es laufen kann, wenn falsche Daten bei der SCHUFA nicht überprüft und gelöscht werden. Laut eines Gutachtens im Auftrag des Bundesministeriums für Verbraucherschutz von 2009 waren 45% der SCHUFA-Datensätze veraltet, unvollständig oder falsch. Aber die Verantwortung für Fehler wird immer den Vertragspartnern zugeschoben, die für Richtigkeit und Aktualität zuständig seien.
Alles in allem mit dem üblichen Sensationalismus ausgestattet, wecken die Beiträge ein erschreckendes Bewusstsein dafür, in welch intransparenten Verhältnissen mit den Daten hantiert wird – die sich auf alle Lebensbereiche auswirken können. Ein Zustand, der so in Deutschland nicht länger akzeptiert werden kann. Kritiker fordern schon länger eine gesetzliche Überprüfungspflicht für die SCHUFA und auch eine Offenlegung der Score-Berechnungen von Auskunfteien. Es kann nicht sein, dass Bürger sich nicht gegen diese hoheitliche Bewertung ohne nachvollziehbar Grundlage wehren können.
