Öffentlichkeit

Warum Drohnen uns als Gesellschaft fordern

Schöner Drohnenkrieg: Zukünftige Einsätze sollen sich an Völker- und Menschenrecht orientieren. Über die Praxis gewordenen außergerichtlichen Hinrichtungen durch Militärs und Geheimdienste der USA verliert die Deklaration kein Wort.
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Quelle: dronewars.net

Über Drohnen (gemeint sind in diesem Artikel ausschließlich fern-gesteuerte, teil-autonome Waffensysteme) zu schreiben könnte so einfach sein – und ist es für die meisten. Der geneigte Autor überlegt sich vorher kurz welcher der beiden Rhetoriken er sich bedienen möchte, dazu ein paar populäre Quellen, Halbwissen und fertig. Leider sehen die meisten Artikel über Drohnen – bzw. Drohnen Kampfeinsätze – so aus. Die ‚positive‘ Rhetorik: Drohnen sind effizient, da sie weniger Kosten verursachen, als vergleichbare herkömmliche Einsätze. Drohnen sind sicher, da der Pilot selbst nicht in Gefahr ist. Drohnen sind nützlich, da sie „3D Jobs“ (dirty, dangerous, dull) erledigen. Drohnen sind gezielter und präziser da weniger Zivilisten sterben, als bei konventionellen Einsätzen.


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Die ’negative‘ Rhetorik: Der Einsatz von ‚Kampf-Drohnen‘ ist unethisch, da sich der Angreifer selbst nicht in Gefahr begibt. Dadurch wird die Hemmschwelle für einen Kampfeinsatz herabgesetzt, da Kosten und Risiko geringer wurden, wodurch es häufiger zu Einsätzen kommt. Krieg wird zum Videospiel, da die Piloten ihre Drohnen per Joystick und Bildschirm aus sicherer (emotionaler) Entfernung lenken. Drohnen sind unmenschlich, da sie längst nicht so präzise sind, wie behauptet. Drohnen verletzen die Rechtsstaatlichkeit, da dem ‚Ziel‘ durch die Tötung eine ordentliche Gerichtsverhandlung verwehrt wird.

Beide Rhetoriken sind einseitig und unkritisch. Dieser Artikel versucht einen Weg zu finden, um als Gesellschaft über Drohnen informiert und konstruktiv zu reden. Denn eines muss klar sein: Drohnen werden nicht verschwinden, sondern häufiger eingesetzt werden. In jedem Einsatz, jeder Streitkraft, jeder Nation. Gerade deswegen sollte man eine kritische, informierte gesellschaftliche Debatte anstreben, wie man diese Technologie regulieren will. Dies ist ein erster Versuch.

Drohnen und US amerikanische Politik

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Quelle: New America Foundation

Wenn man über Drohnen schreibt, schreibt man fast unweigerlich auch über den Einsatz von Kampf-Drohnen durch die USA. Die USA nutzen vor allem in Pakistan (Waziristan), Yemen und Somalia Drohnen zur Aufklärung und dem ‚gezielten Töten‘ (targeted killing) Terrorverdächtiger. Laut New America Foundation gab es seit 2004 rund 360 Drohnen-Einsätze. Hierbei wurden 2044 bis 3377 Menschen getötet, davon 258 bis 307 Zivilisten. Laut dem Bureau of Investigative Journalism gab es in Pakistan etwa 371 Einsätze, bei denen 2505 bis 3584 Menschen getötet wurden, hiervon waren 407 bis 925 Zivilisten. US Senator Lindsey Graham hatte Anfang des Jahres sogar von insgesamt (Pakistan, Yemen, Somalia) 4700 Toten gesprochen. Warum diese unterschiedlichen Zahlen?

Während die Drohnen-Einsätze in Yemen und Somalia durch das US Militär durchgeführt werden, koordiniert bisher der US amerikanische Auslandsnachrichtendienst CIA (Central Intelligence Agency) alle Einsätze in Pakistan, die dadurch der Geheimhaltung unterliegen. Somit werden weder offizielle Statistiken veröffentlicht, noch gibt es Stellungnahmen. Einsätze, Personal, Ziele, alles unterliegt der Geheimhaltung. Daher beruhen alle Statistiken, z.B. vom Bureau of Investigative Journalism oder der New America Foundation, auf Zeugenaussagen und Berichten. Das ist jedoch bei weitem nicht die einzige Schwierigkeit mit den US Drohnen-Einsätzen.

Die USA sagen, dass sie im Krieg (bewaffneter Konflikt) mit al-Qaida, Taliban und anderen Gruppierungen sind – dies wird durch die Rhetorik des „War on Terror“ bekräftigt. Dies wirft die Frage auf, ob ein Staat mit einer ideologischen Gruppierung überhaupt im Krieg sein kann. Weiterhin werden die Einsätze, wie erwähnt, nicht durch das Militär sondern dem CIA ausgeführt – CIA ist jedoch nicht Teil des Militärs. Außerdem wurden seit 2010 vermehrt ‚Signature Strikes‘ durchgeführt, bei denen Terrorverdächtige getötet werden, obwohl deren Identität nicht geklärt wurde. Letztlich sind zum einen fadenscheinige Begründungen und Rechtfertigungen, zum anderen völlige Intransparenz die Hauptgründe, weswegen die Vereinten Nationen Anfang des Jahres Untersuchungen zur Rechtmäßigkeit der US Drohnen-Angriffe eingeleitet haben.

Dies sind jedoch Fragen US amerikanischer Politik und sollten nicht den Diskurs über Drohnen bestimmen. Natürlich ist es wichtig zu klären, inwieweit diese Einsätze legitim sind und sich an internationale Menschenrechte und die Genfer Konventionen halten. Zur Zeit werden beide Debatten jedoch vermischt. Bisher wird vor allem über den Einsatz von bewaffneten Drohnen durch die USA zur Verfolgung ‚terroristischer Gruppierungen‘ in Pakistan, Yemen und Somalia gesprochen. Eine grundsätzlichere Debatte müsste jedoch über den Einsatz teil- und voll-autonomer bewaffneter Drohnen geführt werden. Letzteres ist wesentlich schwieriger und fordert uns als Gesellschaft.

Mythen sind wenig hilfreich

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Quelle: gizmag.com

Mark Bowden, Amerikanischer Schriftsteller, hatte letzte Woche in The Atlantic einen lesenswerten Artikel über Drohnen geschrieben. Bowden versuchte zwischen Pro und Kontra abzuwägen und weder in ‚positive‘ noch ’negative‘ Rhetorik zu verfallen – das ist ihm teils gelungen. So räumt Bowden zu Beginn mit dem Mythos auf, dass Drone Operators letztlich ein Videospiel spielen würden. Vor allem in den vergangenen Jahren gab es einige akademische Aufmerksamkeit für Drohnen-Piloten und ihre Psyche. Es ist richtig, dass sie selbst nicht in Gefahr sind und das Geschehen „nur“ über Bildschirme und Lautsprecher erfassen. Jedoch ist es falsch zu glauben, dass sie es dadurch nicht als real wahrnehmen würden. So belegen mehrere Studien, dass bei Drohnen-Piloten posttraumatische Belastungsstörungen teils häufiger auftreten, als bei Soldaten vor Ort.

Virtual war, it seems, is less virtual than would appear at first glance. This conclusion is strengthened by the growing realisation that drone operators suffer as high, and possibly higher, rates of post-traumatic stress disorder (PTSD) as soldiers engaged in battle as a result of exposure to high-resolution images of killing, including the details of casualties and body parts that would never be possible to capture with the human eye.

Dies hat mehrere Gründe: Die Piloten müssen eine Vielzahl von Sensoren und Kameras gleichzeitig beobachten und auswerten. Ein Großteil der Aufklärungsarbeit ist extrem monoton, gleichzeitig müssen die Piloten ständig aufmerksam sein, um nicht wichtige Ereignisse zu übersehen. Drohnen-Piloten leisten Aufklärung, Tötung und Schadensreport (battle damage assessment) – was zuvor durch unterschiedliche Einheiten geleistet wurde. Durch hoch-auflösende Kameras sind sie so wesentlich näher am Geschehen, als z.B. Kampfjet-Piloten. Da sie ihr Ziel teils über Wochen beobachten und verfolgen ist die emotionale Belastung – in diesem Aspekt – eher mit der eines Scharfschützen zu vergleichen. In den USA kommt erschwerend hinzu, dass die Drohnen-Piloten Abends nach Hause gehen und somit einen ständigen Wechsel zwischen Kriegsgeschehen und Familie haben, was zu zusätzlicher Belastung führt. So sind für Soldaten im Einsatz der Zusammenhalt der Truppe, die gemeinsamen Erlebnisse und die resultierende emotionale Bindung wichtige Eckpfeiler für die psychische Verarbeitung des Kriegsgeschehen – dies fehlt den Drohnen-Piloten.

On the one hand this means that all of the usual stresses of home life are added to the stresses of work and combat. On the other hand it means constantly moving back and forth between ordinary civilian life and military combat on a daily basis. For those who do experience combat stress, there is little chance that they would find comfort and shared understanding among the civilian population, and there are many powerful cultural forces within the military that would prevent them from discussing it with military colleagues.

Dadurch erklären sich teils die widersprüchlichen Gefühle des interviewten Drohnen-Piloten in Bowdens Artikel. Obwohl er tausende Kilometer weit weg ist, ist er durch die Kameras und Sensorik ‚hautnah‘ dabei – und trotzdem sicher. Außerdem fühlt es sich intuitiv ‚falsch‘ für ihn an, dass er so viel Macht hat obwohl er so weit weg ist.

But this was a weird feeling. You feel bad. You don’t feel worthy. I’m sitting there safe and sound, and those guys down there are in the thick of it, and I can have more impact than they can. It’s almost like I don’t feel like I deserve to be safe.

Die Bedenken, dass durch den Einsatz von Drohnen Krieg zum Video-Spiel würde, dadurch Töten leichter fällt und öfter geschieht scheinen zumindest nach heutigen Untersuchungen nicht belegbar. Drohnen scheinen für die menschliche Psyche eher ein Paradoxon darzustellen: Man sieht, hört und fühlt, als wäre man direkt im Geschehen und doch ist man weit weg in Sicherheit. Es fühlt sich falsch an, dass man demjenigen, den man tötet, nicht gegenübersteht.

Die unmenschliche Waffe

The drone is effective. Its extraordinary precision makes it an advance in humanitarian warfare. In theory, when used with principled restraint, it is the perfect counterterrorism weapon. It targets indiscriminate killers with exquisite discrimination. But because its aim can never be perfect, can only be as good as the intelligence that guides it, sometimes it kills the wrong people—and even when it doesn’t, its cold efficiency is literally inhuman.

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Quelle: defence.gov

In dieser teils ‚positiven‘ oder optimistischen Rhetorik Bowdens stecken einige wichtige Punkte in Bezug auf Kriegsführung mittels Kampf-Drohnen. Bowden folgt hier der Argumentation, dass Drohnen „effizienter“ würden, wenn die Geheimdienst- und Aufklärungsarbeit besser wird. Patrick Lin, Direktor der Ethics + Emerging Science Group der California Polytechnic State University, hatte in einem anderen Artikel bei The Atlantic darauf hingewiesen, dass Drohnen auch „zu effizient“ werden können. Dann nämlich, wenn sie eine höhere Genauigkeit als 25% haben – deswegen wurde z.B. der Einsatz von Gift verboten.

Bowden spricht noch einen anderen Effekt an, der mittlerweile auch wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten hat. Kampf-Drohnen können bei der Bevölkerung im Kriegsgebiet ein Gefühl der Ohnmacht auslösen, da es keine Soldaten gibt, gegen die sie ihre Wut und ihren Ärger richten können. Gerade in den betroffenen pakistanischen Gebieten lebt die Bevölkerung unter ständiger Angst, da sie wissen (und hören), dass Drohnen alles überwachen. Der Einsatz von Drohnen kann daher extrem nachteilige Effekte für den agierenden Staat haben. Im Falle der USA gehen einige Forscher daher sogar von einem negativen Effekt aus: Durch exzessiven Einsatz von Kampf-Drohnen hilft die USA den entsprechenden extremistischen Gruppierungen bei der Rekrutierung neuer Mitglieder.

Relatedly, we already hear criticisms that the use of technology in war or peacekeeping missions aren’t helping to win the hearts and minds of local foreign populations. For instance, sending in robot patrols into Baghdad to keep the peace would send the wrong message about our willingness to connect with the residents; we will still need human diplomacy for that. In war, this could backfire against us, as our enemies mark us as dishonorable and cowardly for not willing to engage them man to man. This serves to make them more resolute in fighting us; it fuels their propaganda and recruitment efforts; and this leads to a new crop of determined terrorists. (Patrick Lin)

Letztlich stellt die Kampf-Drohne unser bisheriges Verständnis von Krieg in Frage. Ist es noch ‚Krieg‘, wenn eine Partei gar keine menschlichen Verluste in Kauf nehmen muss?

Eine informierte Debatte

Die Rüstungsunternehmen sind auf dem besten Wege voll-autonome Waffensysteme herzustellen – die öffentliche Debatte steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Oft wird sie sehr einseitig, naiv oder polemisch geführt (wie so oft). Wie wollen wir als Gesellschaft mit Kampf-Drohnen umgehen? Was denken wir über voll-autonome Waffensysteme? – Die Vereinten Nationen haben hierzu eine Meinung. Die Debatte sollte losgelöst von US amerikanischer Politik und ihren Problemen geführt werden. Sehen wir Drohnen als simple Technik, die zum Guten und Schlechten eingesetzt werden kann?

Drohnen an sich sind weder gut noch schlecht, das geht meines Erachtens nach in der aktuellen Debatte unter. Es kommt immer darauf an, wie sie eingesetzt werden und ob ihr Einsatz die Einhaltung des geltenden Völkerrechts erleichtert oder erschwert. (Thilo Marauhn)

Oder sehen wir mehr in dieser Technik? Sehen wir sie als Teil einer Entwicklung und unvereinbar mit einem demokratischen Rechtsstaat? Bisher hat die Bundeswehr noch keine Drohnen für den Kampfeinsatz, jetzt ist Zeit zum diskutieren und Gedanken machen – zum Meinung bilden. Denn die voll-autonomen Waffensysteme stehen vor der Tür und warten nicht, bis wir uns geeinigt haben.

Viel schwieriger wird die Frage, ob wir sehenden Auges auf eine Situation zusteuern, in der die Entscheidungen über Leben und Tod von Maschinen getroffen werden. (Thomas Wiegold)

[Nachtrag] Interessante, neue Anlaufstelle über (nicht nur) soziale Aspekte von Drohnen ist die ‚Drone U‚ Plattform (in Kooperation des Open technology Institutes der New America Foundation) – samt Podcast bei Soundcloud.

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29 Kommentare
  1. Denn eines muss klar sein: Drohnen werden nicht verschwinden, sondern häufiger eingesetzt werden.
    Diese deterministische Haltung gepaart mit dem Von-oben-herab-Ton „Die anderen reden ja ideologisch verbohrt“ macht es nicht gerade leicht, sich mit dem Text anzufreunden.

    1. ‚Von oben herab‘ liegt mir ziemlich fern – falls das so rüberkommt: Sorry, war nicht beabsichtigt. Ausschlaggebend für den Artikel war eher der frust über viele bisherige Artikel und die öffentliche Diskussion (zumindest in weiten Teilen).

      Bzgl. ‚Drohnen werden nicht verschwinden‘: Das ist weniger deterministische Haltung, als vielmehr nüchterne Erkenntnis.

      http://www.upi.com/Business_News/Security-Industry/2012/04/12/114B-annual-growth-in-UAV-expenditures/UPI-12181334228007/

      Kampf-Drohnen haben viele Vorteile für das Militär und diesen gegenüber steht zur Zeit eine eher diffuse Skepsis der Bevölkerung. Ich sehe bisher nicht, dass aufgrund dessen Rüstungskonzerne den boomenden Markt verlassen werden. Ganz im Gegenteil.

  2. Sorry schonmal für den plug, aber nicht nur auf dem Atlantic in den fernen USA wird über die ethische Dimension der Drohnen gestritten:

    sicherheitspolitik-blog.de

    Hier haben wir – weder einseitig noch naiv oder polemisch – einige deutsche Beiträge versammelt, deren Inhalt ich hier jetzt nicht wiederkäuen möchte :)

  3. Klasse Beitrag, vielen Dank!

    Wenn ich irgendwo was von Drohnen lese, blätter ich inzwischen fast immer gleich weiter, weil ich es auch so sehe, dass die Debatte von den meisten Beteiligten klar einseitig geführt wird. Und getreu dem Motto „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ lese ich dann lieber gar nicht, als mir schöngefärbte oder aus dem Kontext gerissene Zahlen um die Ohren hauen zu lassen.

    Leute (oder zumindest die meisten), die über das Thema schreiben, sollten einen Disclaimer drübersetzen „Ja, ich habe ‚Warum Drohnen uns als Gesellschaft fordern‘ gelesen und verstanden“. :-)

  4. Ein Aspekt wurde übersehen: ist der Drohnensteuermann ein Kombattant. Und wie lange? Nur während seiner Schicht von 8 bis 17 Uhr? Oder auch danach, im Schlafzimmer mit seiner Frau, daneben die 2 bis 8 jährigen Kollateralschäden. Oder sind die Opfer (Feinde), die ja zurückschießen könnten, per se Terroristen? Lauter ungeklärte Fragen. Aber wichtige.
    Kann mein Nachbar in Ramstein (Ami) ein Drohnenpilot sein und damit ein Kombattant? Und ich und meine Kinder zulässige Kollateralschäden?

    Ojeh, je mehr man nachdenkt, desto unklarer alles.

    1. Es wäre auch interessant zu wissen, was der Drohnenpilot darüber denkt. Die erhöhte PTSD Rate lässt darauf schließen, dass es auch für den Piloten gar nicht so einfach ist zwischen Kombattant und Zivilist zu wechseln und eine enorme Belastung darstellt.

      Dadurch dass das Programm bisher der CIA unterliegt, können allerdings keine unabhängigen Studien durchgeführt werden. Somit muss man sich auf die sehr unausgewogenen und verzerrten Studien der CIA stützen. Das ändert sich hoffentlich, wenn in den kommenden Jahren Drohnen Einsätze dem Militär unterliegen. (in den USA)

  5. Kampfdrohnen haben keine ethische Berechtigung. Basta.
    Da gibt es nichts zu diskutieren. Wer geistig gesunder Mensch will denn „hohe Effizienz“ beim Töten? Dann können wir auch clean H-Bombs benutzen, die machen zwar noch etwas mehr Sachschaden aber sind äußerst Effizient. Da Hemmschwellen abgebaut werden, es geht hier nicht nur um den Operator, sondern gerade auch um die Einsatzleitung die Missionen aufträgt, egal wer das sein mag, haben wir irgendwann fliegende Killer herumschwirren. Judge Dredd Gerechtigkeit oder wie?
    Es gibt jede Menge sinnvolle Anwendungen für zivile Drohnen, gerade im Bereich der Forschung, aber nicht eine ethisch vertretbare als Waffe. Wer das befürwortet … ach, denkt euch doch selbst was das für … Menschen … sind.

    1. Seh ich auch so. Was gerne übersehen wird ist, wos hinführt … zur vollautomatischen Tötung. Vielleicht wird noch das Ziel vom Operator markiert, aber dann wird der Bildschirm ausgeschaltet und die Drohne erledigt den Rest. Wir sollten uns auf die Abwehr von Kampfdrohnen spezialisieren, zB mit Kampfdrohnen ;) nein, natürlich Raketen, Störsendern etc.

    2. Das technologisch fortschrittlichere Volk kann ganze fremde Völker auslöschen ohne das diese sich wehren könnten-> und es sind keine Aliens im Spiel. Adolf hätte sich gefreut…
      Ganz tolle Aussichten :(

    3. Bzgl. ‚keine ethische Berechtigung‘:
      Ist es für den Betroffenen wirklich SO unterschiedlich, ob sein Haus durch Smart-Bombs eines Kampfjets zerstört wird, oder eine Hellfire abgefeuert von einer Drohne? Beide wurden aus großer Distanz abgefeuert. Bei beiden ist der Soldat für den Betroffenen außer Reichweite. Beides kann völlig „verdeckt“ geschehen, ohne ersichtlichen Grund oder Warnung.

      Ich sehe Kampfdrohnen nicht als revolutionär, sondern – wie andere schon gesagt haben – als Wegbereiter für voll-autonome Waffensysteme. Diese sind (nach meiner jetzigen Einschätzung) ethisch nicht vertretbar.

    4. Zivildrohnen haben keine ethische Berechtigung. Basta.
      Da gibt es nichts zu diskutieren.
      Die werden doch nur von Spannern und Big Brother benutzt, Hemmschwellen werden abgebaut, irgendwann haben wir die autonome Totalüberwachung, bla…

      Was sagst du, die Diskussion über eine Technologie einzig auf illegale Anwendungen zu reduzieren ist unseriös und riecht irgendwie nach CSU im Bierzelt? Hmmm…

  6. Die Verwendung von Drohnen wird immer als feiger Handlung angesehen. Mit dem Blutzoll wird immer die Wichtigkeit einer Sache bemessen. Beim Krieg wurde die Sache immer über den Menschen gestellt, vom Einzelnen wurde immer gefordert, dass er sich für die Sache opfert. Mit der feigen Einsatz der Drohne demonstriert der Handelne auch immer, dass er es nicht schafft eine relevant große Gruppe Menschen für die Sache hinter sich zu bringen. Wenn jemand eine Drohne im Kampf verwendt, gibt er sich nicht als Kombattant zu erkennen. Das heisst, er nimmt seine eigene Zivilbevölkerung als Schutzschild seinen Kampf.

  7. Wenn mans nur auf die Bundeswehr bezieht, ist eine Diskussion eigentlich überflüssig. Die Bundeswehr (Minister) will nur unbemannte Flugzeuge _mit_ Zulassung für den regulären Flugbetrieb über Deutschland/Europa (warum auch immer). Ein Zulassungsverfahren für den regulären Flugbetrieb von unbemannten Flugzeugen über Deutschland/Europa wird es noch viele Jahre _nicht_ geben (da technisch völliges Neuland). Keine Zulassung, keine Flieger.

  8. Vielen Dank für den Artikel.
    Eine kleine Frage habe ich noch (Völkerrecht ist nicht so meine Stärke). Wo kommt diese 25% „field mortality“-Regel her? In Lins Artikel finde ich auch keine Quelle. Oberflächliche Recherche lässt mich auf das SIrUS-Project stoßen, in einer Zusammenfassung der Ergebnisse des roten Kreuz steht dort allerdings (neben vielen anderen Dingen) was von 22% field mortality.

    http://www.icrc.org/eng/resources/documents/misc/57jq36.htm

    Woher die völkerrechtliche Verbindlichkeit für die Handlungsempfehlungen von SIrUS kommen soll, ist mir bisher völlig unklar. Gibt es dazu Urteile oder Verträge oder irgendwelche juristischen Aufsätze, die man kennen sollte?

    Vielen Dank im Vorraus.

    1. Da warst du auf dem richtigen Weg. Patrick Lin hatte es in seinem Artikel etwas weiter ausgeführt:

      „Even if we could solve these problems, there may be another one we’d then have to worry about. Let’s say we were able to create a robot that targets only combatants and that leaves no collateral damage–an armed robot with a perfectly accurate targeting system. Well, oddly enough, this may violate a rule by the International Committee of the Red Cross (ICRC), which bans weapons that cause more than 25% field mortality and 5% hospital mortality. ICRC is the only institution named as a controlling authority in IHL, so we comply with their rules.“

      http://www.theatlantic.com/technology/archive/2011/12/drone-ethics-briefing-what-a-leading-robot-expert-told-the-cia/250060/

      Primärquelle hab ich ad hoc nicht. Schau mich aber um.

  9. Ich frage mich, ob man in dieser Diskussion überhaupt objektiv sein kann. Einige Probleme wurden hier angesprochen. Doch wo ist der Vorteil?

    Eigene Soldaten werden nicht getötet. Das ist gut. Doch die Anzahl ziviler Opfer steigt.

    So sieht die Realität aus: http://www.zeit.de/2013/23/drohnen-zivile-opfer-pakistan-afghanistan/komplettansicht

    Was ist mit den Thesen:

    Je perfekter computergestützte Waffensysteme werden, um so mehr stellen sie unsere Legitimität in Frage. David gegen Goliath, wer hat hier die Befürworter auf seiner Seite?

    Je perfekter computergestützte Waffensysteme werden, um so mehr nähern sie sich Massenvernichtungswaffen. Die aber gehören geächtet.

    Je perfekter computergestützte Waffensysteme werden, um so mehr Menschen werden getötet. Es gibt keinen Nachweis, dass die Anzahl ziviler Opfer nicht wenigstens proportional steigt. Das Gegenteil ist zu erwarten.

    Je perfekter computergestützte Waffensysteme werden, um so leichter ist es auch Zielpersonen zu töten. Abgesehen davon, dass auch im Kriegsfall eine Gerichtsverhandlung bei einer Exekution vorgeschriebenen ist, wir bomben – natürlich falsche – Idole weg. Wie kann man annehmen, dass der Nachfolger weniger schädlich, weniger fanatisch ist? Das Gegenteil dürfte der Fall sein.

    Je perfekter computergestützte Waffensysteme werden, um so mehr sinkt die Notwendigkeit Alternativen zu bedenken.

    Je perfekter computergestützte Waffensysteme werden, um so mehr Geld wird in die Rüstungsindustrie fließen. Es wäre zu überlegen, was geschähe wenn man Geld in Höhe des US-Kriegshaushalts in Aufbaumaßnahmen, in Bildung, Infrastruktur investieren würde. Es wäre zu überlegen ob die zu erwartenden Gewinne nicht die Kosten weit überproportional decken könnten.

    Ich könnte ewig so weiter machen. Objektiv fallen mir keinerlei belastbare Gründe für Drohnen ein. Ist das nun der Beleg, dass meine Rhetorik einseitig ist? Mag sein.

    Doch dann frage ich mich was besser ist: Staatliche Propaganda (Die EU redet von einer Verteidigungsindustrie, was mit bewaffneten Drohnen unvereinbar ist) oder das bewusste Eintreten für die Menschenrechte und Würde und Recht auf Leben?

    1. Bzgl. Anstieg ziviler Opfer: Das stimmt nicht ganz. Wenn du dir die Grafik oben anschaust, dann ist die Anzahl ziviler Opfer seit 2012 stetig zurückgegangen – sowohl in den Statistiken der New America Foundation, als auch des TBIJ: 2011: 74 strikes (52-146 civ), 2012: 47 strikes (4-42 civ), 2013: 17 strikes (0-4 civ) Quelle: http://www.thebureauinvestigates.com/2012/01/11/obama-2012-strikes/
      Man muss sich auch überlegen, wie viele Opfer es gegeben hätte, wenn mit konventionellen Methoden vorgegangen wäre…

      Bzgl. Zeit-Artikel: So sieht „die Realität“ in Wasiristan aus, was an der Art und Weise liegt, wie die USA Drohnen einsetzen und ihren „War on Terror“ führen. Das sollte nicht als Beispiel dafür genommen werden, „Das passiert, wenn eine Streitkraft Drohnen einsetzt.“

      Bzgl. WMD gehören verächtet: Absolut. Deswegen könnten die ICRC Regelungen den Drohnen (zum Glück!) zum Verhängnis werden.

      Bzgl. mehr zivile Opfer: Wie erwähnt, Statistiken aus Pakistan und Yemen zeigen das Gegenteil. Zumindest 2012 und 2013 gingen die ziv. Opfer zurück. Mehr Drohnen bedeutet nicht automatisch mehr zivile Opfer. Mehr ‚Signature Strikes‘ und ‚Töten auf Verdacht‘ allerdings schon. Man sollte hier nicht US Politik mit ‚Drohnen-Einsatz an sich‘ gleichsetzen.

      Bzgl. Töten ohne Gerichtsverhandlung: Gebe ich dir vollkommen recht. Es gibt mittlerweile auch einige Stimmen (u.a. Mark Bowden) die sagen, dass der exzessive Gebrauch von ‚Signature Strikes‘ der USA, Al-Qaida und Taliban bei der Rekrutierung geholfen haben könnte.

      Bzgl. keine Notwendigkeit für Alternativen: Sehe ich nicht so. Wie Patrick Lin u.a. anmerken, können UAVs nur einen sehr bestimmten Bereich übernehmen. Man wird immer Soldaten/Menschen brauchen, um die Akzeptanz der Bevölkerung zu gewinnen.

      Bzgl. mehr Geld in Rüstung: Das liegt nicht an den Drohnen sondern diese Frage ist so alt, wie die Menschheit. Die Wikinger hätten auch ihre Langhäuser verbessern können, statt Drachenboote zu bauen…

      1. Eine kompetente und sachliche Antwort. Ich muss leider meist zustimmen.

        Ich will dennoch darauf Hinweisen:

        CIA strikes – Obama 2012
        Total CIA drone strikes 47
        Total reported killed: 229-400
        Civilians reported killed: 4-42
        Children reported killed: 1-2
        Total reported injured: 111-172

        Pro strike sind 5-8 Menschen gestorben. Bei jedem 10. bis nahezu jedem(!) Angriff sind Zivilisten getötet worden. Der Anteil getöteter Kinder lieg bei bis zu 1%! Bei jedem Angriff gab es mehr als zwei Verletzte. Über die schwere der Verletzungen kann ich nur Vermutungen anstellen. Ein Auge verloren etwa?

        Und das spiegelt nur einen kleinen Teil der Angriffe, nur die der CIA wieder.

        Ich sehe gute Gründe anzunehmen, dass sich diese Zahlen mit besserer Technik, insbesondere durch mehr Autonomie der Waffensysteme nicht verbessern werden. Ein (lange nicht der Einzige) simpler Grund ist, dass die USA samt ihrer Verbündeten als Weltenpolizei trotz massiver technischer Waffenüberlegenheit bisher immer vollständig versagt hat. Muss ich die Ereignisse aufzählen?

  10. Ist Feigheit kein Problem? Wenn irgendwann ein Knopfdruck ausreicht (ist heute schon realistisch), dann fühlt sich niemand mehr verantwortlich. Das Wesentliche ist zu erschreckend, um es auszusprechen: Effizienz über alles. Die Menschheit erfindet Waffen gegen die Menschenwürde. mal wieder.

  11. Guter Aufschlag, sollte man mal fortsetzen mit genauerer Betrachtung von einzelnen Aspekten. Die Frage des autonomen Tötens z.B. ist ja hier noch gar nicht richtig angepackt worden. „Kill Decision“ von Daniel Suarez malt da auch nur ein sehr spezifisches SciFi-Szenario.
    Mark Bowden ist übrigens nicht Schriftsteller, sondern Journalist. Von ihm ist das sehr lesenswerte Buch über den US-Einsatz in Somalia „Black Hawk Down“ (die Verfilmung ist auch gut, bringt aber wie immer nicht die Hälfte rüber).

  12. Ich finde diesen Artikel überhaupt nicht ausgewogen.

    Die Entscheidung einen Menschen zu töten muß immer eine ethische Entscheidung sein. Maschinen (z.B. autonome Drohnen) können keine ethischen Entscheidungen treffen, da sie keine Verantwortung übernehmen können und die Verantwortung liegt immer beim Menschen.

    Es geht nicht darum wie effizient oder billig oder sicher Drohnen sind. Auch nicht um deniability, algorithmische Zielfindung und Völkerrechts Prozentzahlen.
    Es geht darum, das Töten in einen menschlichen Kontext zu setzen, in dem ein Mensch Entscheidung trifft für die er dann die Verantwortung trägt.

    Wenn jemand ein Dutzend Menschen tötet und am Abend nicht mehr sicher ist, ob das wirklich alles Kämpfer waren, wie er es in seinen Bericht schrieb, dann finde ich eine psychologische Reaktion angemessen und nicht das Problem.

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