Generell

Raus aus Skype

Am Montag wird Microsoft seinen Windows Live Messenger einstellen, und alle Nutzer geschlossen zu Skype verschieben. Nachdem Microsoft Skype vor zwei Jahren für sagenhafte 8,5 Milliarden Dollar aufkaufte, dürfte dieses Vorgehen als Versuch verstanden werden die eigenen Nutzerzahlen mit Nachdruck in die Höhe zu treiben.

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Zum Glück gibt es eine bessere Lösung. Wem seine Freiheit wichtig ist, der kann bei dieser Gelegenheit auf Kommunikationssysteme umzusteigen die auf Offenen Standards wie Jabber (XMPP) basieren, anstatt sich zu Skype migrieren zu lassen. Das Extensible Messaging and Presence Protocol (XMPP) ist ein Offener Standard und als solches ein weit verbreitetes Protokoll im Internet. Der Standard wird von der unabhängigen XMPP Standards Foundation verwaltet, und kann von jedermann ohne Restriktionen umgesetzt werden.

Damit haben Nutzer echte Wahlfreiheit, welche Software sie verwenden wollen, und welchen Servern sie vertrauen wollen. Gerade was die Wahrung der Privatsphäre, das Abhören der Kommunikation oder auch die Datensammelwut angeht, hat Skype zu Recht einen schlechten Ruf. Anstatt sich von einem zentral kontrollierten System ins nächste verschieben zu lassen, möchten wir den Nutzern Mut machen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, und sich auf Freie Software und Offene Standards einzulassen.

Wer XMPP noch nicht nutzt, sollte das kalte Wetter am Wochenende zur Gelegenheit nehmen, den Schritt in die Freiheit zu tun.

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34 Kommentare
  1. Das Problem dabei ist allerdings, das XMPP sehr unzureichend Audio/Videotalks umsetzt. Es gibt zwar Jingle und Anwendungen wie Jitsi, teilweise in Verbindung mit ZRTP und SRTP, jedoch ist die Umsetzung doch nicht sonderlich benutzerfreundlich. Hinzu kommt, dass es alles andere als einwandfrei funktioniert.

    1. Bei Jitsi hat sich einiges Getan. Webcam-Chat reizt mich jetzt nicht so, aber VOIP funktioniert mit Jitsi auf Windows ganz gut, ohne das ich viel konfigurieren musste.

      In Linux funtioniert Webcam-Chat und VOIP eigentlich fast mit den meisten gängigen Clients ganz gut.

      Nachrichtenarchivierung ist seit XEP-0313 und XEP-0136 im Grunde auch kein Problem mehr, so kann man seine Chats über XMPP die man am PC begonnen hat Nahtlos ohne Informationsverlust auf dem Smartphone weiterführen.

  2. da ich selber seit langem einen jabber server betreibe, kann ich schon sagen das der aufruf gut und richtig ist aber das problem ist doch der aufwand.

    skype ist sozusagen plug and play, man installiert es und es funktioniert.

    die xmpp server und clients, sind alles andere als einfach zu konfigurieren was media streaming angeht. bis man dort audio/video zum laufen bekommt, fallen einem gerne schon mal einige haare aus.

    wäre es mir lieber alle würden xmpp benutzen? ja.

    ich kann aber gut verstehen warum alle skype nutzen. es funktioniert eben auf anhieb.

    1. Mir ist aufgefallen, dass vieles, das aus der Linux-Welt kommt, mit möglichst vielen manuellen Einstelloptionen daherkommt – ohne dass abgewogen wurde, ob diese Einstellungen Sinn ergeben oder ob es vielleicht nur wenige funktionierende Einstellungskombinationen gibt. ;) Dabei wäre es kein Problem, das zu automatisieren und/oder auf logische Einstellmöglichkeiten zu beschränken, wie z.B. Apple das auch tut. Man könnte ja weiterhin über Konfigurationsdateien manuelle Einstellungen vornehmen, sollte das für Spezialanwendungen nötig sein. ;)

      1. Das scheint leider an deinem begrenzten Fassungsvermögen und Kenntnis der Materie zu liegen.

        Die von dir kritisierten manuellen Einstellungsoptionen sind geschrieben, um so einfach wie möglich zu funktionieren. Das heißt nicht, dass sie so kompatibel oder so verständlich wie möglich sind. Du hast eben nur alle Optionen in der Übersicht.

        Apple ist was Stabilität, Lauffähigkeit und Konfigurierbarkeit angeht seit 10 Jahren schon nicht mehr maß.

  3. @noop kann ich voll und ganz zustimmen. ich kann es ums verrecken nicht vestehen, warum die umsetzung von audio/video in den clients noch schon längst verstärkt angegangen wird. bei vielen clients läuft audio/video nur unter linux und dergleichen. auch sonst hat xmpp saugute features die vor allem auch die benutzung an verschiedenen geräten verbessern könnten wie XEP-0313 (history auf server speichern und synchonisieren) oder XEP-0313 (verschickte nachrichten auf allen angemeldeten ressourcen anzeigen) usw. Wären solche features in den Clients besser integriert müssten wir uns über so Mist wie Skype, Whatsapp und Konsorten eigentlich keine Gedanken mehr machen.
    Der Verbreitung stände ansonsten nichts mehr im Wege, da man inzwischen ja schon fast mit jedem Mail-Account einen Jabber-Account geschenkt bekommt. Zumindest meine ich, dass man bei Gmail, Gmx und einigen anderen Anbietern der Jabber-Account passend zur eMailadresse schon dabei ist. Wenn man das eventuell bei der Installation oder erstem Programmstart berücksichtigen würde, wäre das einrichten des Kontos und das Finden seiner Freunde auch kein Problem mehr. (Wenn man den Mailaccount bei den Anbietern eh schon hat, dann sollten irgendwelche Privatssphäreprobleme für die Leute eh keine Hürde sein.)

  4. Das ist wieder so ein typischer Nerdartikel, ohne das jetzt abwerten zu wollen. Ich und eine Handvoll meiner Freunde würden das hinbekommen auf XMPP umzusteigen. Aber für Oma Erna und User die tlw. noch nicht mal wissen, wo der Ausschalter an ihrem Gerät ist, ist das nichts. Der Erfolg von Skype und Whatsapp (Lustiger Funfact am Rande: meines Wissens benutzt whatsapp XMPP, aber ohne Möglichkeit über Drittserver mit ihren Benutzern zu kommunizieren) liegt in ihrer Einfachheit. Anschalten, Account wird (halb)-automatisch erstellt, Kommunikationspartner werden aus dem Adressbuch ermittelt, Zack fertig ist der (Video-)Chat mit Freund John DAU aus Montreal, Kanada. Und genau aus diesem Grund werden sich nicht-daukompatible Lösungen nicht durchsetzen. Es fehlt einfach das Anfangsmomentum, wo sich soviele dazu entscheiden dies oder jenes Social Network/Kommunikationstool zu nutzen, weil es ja X oder Y auch schon nutzt.

  5. @Sebastian nicht nur deines Wissens, sondern in der Tat benutzt Whatsapp xmpp, genauso wie Facebook, das Apple-Ding und zig andere ähnliche Anbieter in dem Gebiet (ICQ/AIM benutzt inzwischen auch XMPP).
    Accounterstellung und Freundefindung könnte zumindest für Leute ohne Ahnung einfacher gemacht werden. Wie gesagt, „dank“ Google, Gmx und dergleichen besitzt ja schon ein Großteil der Leute einen Account.
    Stellt sich nur die Frage ob man es in Kauf nehmen wöllte, dass das Adressbuch durchsucht werden sollte um nach XMPP-Accounts der Bekannten zu suchen.
    Aber selbst ohne das ganze wäre es nicht so kompliziert die JID eines Bekannten von Hand wo einzutragen. Sieht ja genauso aus wie eine eMail-Adresse und das bekommen die Leute ja auch beim Mails schreiben hin.

    Das größte Manko liegt einfach noch an den Clients, die nicht „simpel“ genug sind um Audi/Video-Telefonie und Gruppenchats zu machen. Und eine riesige Chance an Benutzer zu kommen hat man beim Wankeln von Whatsapp leider leider verpasst :(
    Und leider glaube ich nicht, dass jetzt wo MSN eingestellt wird viele Nutzer übrig bleiben, die eh nicht schon bei anderen Diensten wie Skype/Facebook unterwegs sind und somit schon ihre Alternativen haben.
    Also Leute, macht nicht nur die Server cooler, damit uns andere die Benutzer einsperren mit unserer Technik, sondern baut auch coole Clients damit man die Leute nicht dazu Prügeln muss etwas offenes zu benutzen!

  6. ich zitiere mal:
    https://plus.google.com/+KristianK%C3%B6hntopp/posts/JFi8Gu8xLV7

    da das einzige, was bei XMPP portabel funktioniert, Presence und der Chat ist (falls man nicht das falsche Unicode Zeichen sendet und den verwendeten Server damit spontan abschießt oder so was).

    Andere Dinge, die Skype ab Werk macht (eine PKI aufbauen, Verbindungen jeder Art grundsätzlich immer verschlüsseln, Adressbücher automatisch refreshen und up-to-date halten, sinnvoll durch Firewalls tunneln, Filetransfer, Videocall, Screen Sharing) funktionieren bei XMPP grundsätzlich nur optional, nicht interoperabel, nur mit einem Haufen Setup-Aufwand, der die Fähigkeiten von Nicht-IT-Nutzern übersteigt und auf eine Weise, die einen unwillkürlich fragen läßt, was für Nerds das überhaupt sein mögen, die so was nutzen.

    Das als Alternative darzustellen zeigt auch nur, daß die betreffenden Personen die Problem nicht verstanden haben, das Skype löst.

    1. Nein, Leute, sorry: IHR habt es alle nicht verstanden: Statt
      Das als Alternative darzustellen zeigt auch nur, daß die betreffenden Personen die Problem nicht verstanden haben, das Skype löst.
      muss es heißen:
      Die Personen, die die dargestellte Alternative bashen, haben das Problem nicht verstanden, das Skype IST. Denn:
      Es geht eben verdammt nochmal nicht darum, den einfachsten Weg zu gehen, sondern mal für 2cent nach vorne zu denken.
      Bitte, hier liest doch keiner mit, der nicht aus folgenden Worten einen klaren Satz formulieren kann:
      Quantencomputer - 80 Exabyte pro Monat - CIA-Tochter In-Q-Tel

      Nur damit wir uns nicht falsch verstehen:
      Ich kann sämtliche Kritik am informatischen status quo sofort unterschreiben. Es ist ein Graus! Interoperabilität, Filetransfer, Videofonie, Pseudofreiheit wegen Big Playern, die DAUs Adressbücher zu fressen wollen. In denen ich stehe, verdammt. Meine Domain, mein server…

      Aber die Reaktion darauf darf doch nicht #mimimi sein!
      Wir haben es in der Hand. Statt zu jammern, dass die FOSS solutions nicht ausse Pötte kommen, vielleicht einfach mal die richtigen Leute flattrn?

      1. Ja, sehr schön. *lach* Dann bring du doch etwas heraus, das nicht Skype ist und zur Abwechslung funktioniert… wo man nicht Informatik für studiert haben muss, damit es funktioniert. Denn Überraschung: Nicht jeder hat es studiert und selbst ich, obwohl ich mich schnell in schwierige Dinge reinfuchsen kann, habe dieses XMPP noch nicht eingestellt bekommen, geschweige denn dass ich dann irgendwelche Gesprächspartner hätte :D

        Willkommen in der Realität – wo sichere Kommunikations nichts bringt, wenn man sie nicht nutzen kann und es keinen zum Kommunizieren gibt… ;D

  7. Mal ganz im Ernst, damit echte Menschen „freie Software“ akzeptieren, muss die pseudo-elitäre Frickelscheiße ein Ende haben. Sobald auch nur im marginalstem Umfang technisch-esoterisch Einstellungen vorgenommen werden müssen, und ich rede hier bereits von Klicki-Bunti-GUI, dann ist so ein Tool faktisch verbrannt. Und dass die erwachsengewordenen Nerds die „freien“ Protokolle dann in vernünftig bedienbare, kommerzielle Software gießen (die dann aber nur über deren Server läuft), ist halt nur der konsequente Bitchslap für die Elitehax0rz.

    1. So siehts halt einfach mal aus.
      Meine Erfahrung mit dem Großteil der Open Source Software ist einfach, dass es nur für Bastler taugt. Ich nutze Linux, gerne auch Jabber, inklusive Webclient… aber das ganze Zeug ist so kompliziert zum Laufen zu bekommen, dass ich das nur als „Profi“ hinbekomme.
      Meine Freundin, die durchaus weder blöd noch lernresistent oder DAU-mäßig unterwegs ist, sich aber einfach nicht dafür interessiert, sich stundenlang vor den PC zu setzen damit er läuft, nutzt es einfach nicht.
      Verstehe ich irgendwo. Auch wenn irgendwas irgendwie besser ist als etablierte Systeme, wenn letztere mit einem Klick besser funktionieren kann man das Nutzern nicht verkaufen.

  8. |a href=“https://netzpolitik.org/2013/raus-aus-skype/#comment-487822″ title=“@12: Dieses.“

    Ich würde mich nicht unbedingt als computerisch unbedarft beschreiben. Als ich mehrere Tage lang versucht hatte nach |a href=“https://jitsi.org/“ title=“Jitsi“/XMPP umzuziehen, bin ich und alle die mit testen mussten, fast ausgerastet. Immer ist was nicht übertragen worden, eingefroren oder abgestürzt. Ende vom Lied: wir haben immer noch Skype.

    1. Man braucht evtl etwas Geduld beim einrichten, aber bei mir läuft nun alles Einwandfrei und die Mühe hat sich gelohnt. Bei mir und Familie und nächsten Freund läuft Skype nun nicht mehr. Es lohnt sich evtl auf der Mailing-Liste von Jitsi nach Hilfe zu fragen, wenn man auf Probleme stößt. Anders können die nicht erfahren, was noch nicht funktioniert und wo der Schuh drückt.

      1. Ich weiß ehrlich nicht woran es lag. Ich habe die Einstellungen von Jitsi selbst hoch und runter durchprobiert, IP-Filter/Firewall oder gar Verschlüsselung dabei abgeschalten, Accounts angelegt bei verschiedenen Protokollen. Aber es hat nie eine funktionierende Verbindung mit Ton und Bild aufgebaut. Im Jitsi-IRC hat nie jemand geantwortet, auf der Mailing-List gabs eine Person, die angeboten hat zu helfen, hat dann aber nicht mehr geantwortet. Bei der zweiten Mail-Anfrage gabs gar keine Reaktion. Beim CCC bin ich auch nicht weitergekommn, weil die Mitglieder hauptsächlich mit ihrem eigenen Zeug und Kiffen beschäftigt waren und ich eine Abneigung gegen letzteres hege. Danach hab ich’s aufgegeben, weil ich ganz einfach keine Ideen mehr hatte.

  9. Skype zu verdammen ohne Alternativen zu nennen ist wirklich unsinnig …

    XMPP mag ein offener Standard sein, aber offene Systeme, wie Skype ersetzen können, gibt es schlicht und einfach nicht. «Offen» allein genügt nicht als Merkmal, im Gegenteil, «offen» ist nett, aber eben noch keinerlei Funktionalität und häufig sogar ein Warnzeichen im Bezug auf fehlende Ergonomie und/oder Funktionalität.

  10. Ich kann den kritischen Kommentatoren nur zustimmen! Alternativen, die man (selbst als technisch versierte Person) zum Laufen kriegt, gibt es nicht.

  11. Wenn es nicht praktisch ist, wird es nicht genutzt, Punkt.

    Nach 8 Jahren VoIP Standart in XMPP hätte man vieleicht doch mal eine praktische Lösung finden können. Stattdessen kommt eine Sammlung von 23 Clients, die ein Anweder durchprobieren, installieren und einrichten soll, um dann festzustellen, dass man in der hälfte der Fälle VoIP nicht zum laufen bekommt.

    Das typische „Dann schreib es doch selber, wenn du Probleme damit hast“ aus der Open Source Szene führt meistens dazu, dass praktische VoIP Programme fast nur von Firmen geschrieben werden …

    … und das ist nur Audio, von Video will ich jetzt gar nicht reden.

  12. Der Titelname ist auch berechtigt, weil von wegen 3 Jahre lang offener Skype-Lücke, die MS absichtlich nicht fixt, damit jeder, ausdrücklich JEDER Internetnutzer, der sich bisschen auskennt, die IP der des eingeloggten Skype-Accounts rausfinden kann, einfach nur ein Witz.

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