Kommunale Transparenz: Alternative Ratsinformationssysteme für Moers und Bochum

Der folgende Artikel ist ein Beitrag von Ernesto Ruge, Initiator der Initiative OpenRuhr.

Um auf kommunaler Ebene politisch informiert zu bleiben, lohnt sich ab und an ein Blick in das lokale Ratsinformationssystem, in welchem die kommunale Ratsarbeit digital organisisert und dokumentiert wird. Doch diese Systeme sind häufig für Verwaltungsbeamte konzipiert und für Bürger schwer nutzbar. Aus diesem Grund wurden Portale wie frankfurt-gestalten.de und offeneskoeln.de veröffentlicht und seitdem konsequent weiterentwickelt. Auf diesen Seiten können die Dokumente der Kommunen leicht nach Stichwörtern und Themen durchsucht und durch Nutzung von Ortsangaben auf einer Karte dargestellt werden.

Die Initiative OpenRuhr gründete sich im April 2013 mit dem Ziel das Portal auch für andere Städte anzupassen und weiter zu entwickeln. Seit dem steuerte die Initiative etliche Patches bei und veröffentlichte, in Zusammenarbeit mit der Open Knowledge Foundation Deutschland, das alternative Ratsinformationssystem OpenRuhr:RIS für Moers und Bochum.

Die Stadt Moers ist bereits jetzt mit einem eigenen Datenportal Vorreiter in Bereich offener Daten und Verwaltungstransparenz. Die Einführung des alternativen Ratsinformationssystems hat die Kommune zum Anlass genommen, alle ab dem 1. Juli im Ratsinformationssystem eingestellten Daten unter eine Creative Commons Lizenz zu stellen. Weiterhin erklärte sie sich bereit Verantwortung für ungeklärte Urheberrechtsfälle zu übernehmen. Bei der Ausweitung von OpenRuhr:RIS auf weitere Stadtverwaltungen hoffen wir auf eine ähnlich gute Zusammenarbeit und freuen uns auf offene Partner in der Verwaltung.

Wir möchten es auch nicht bei Moers und Bochum belassen. Ziel ist es, mittelfristig ein Ratsinformationssystem für das gesamte Ruhrgebiet zu entwickeln – das langfristig deutschlandweit nutzbar wäre und die Informationen über eine einzige Schnittstelle abrufbar bereitstellt. OpenRuhr:RIS soll einerseits für mehr Transparenz sorgen, andererseits aber auch ganz praktisch zeigen, warum offene Daten gerade auch in der Kommune eine richtig gute Idee sind.

 

 

Im Ruhrgebiet werden alle Ratsinformationssysteme der größeren Hersteller eingesetzt, weswegen wir für ganz Deutschland kommunale Transparenz programmieren können – aber dies werden wir mit unserem kleinen Entwickler-Team nicht schaffen. Kurzum: wir brauchen Hilfe von Entwicklern, die Lust haben, das Projekt mit zu erweitern und die Scraper an andere Städte und Systeme anzupassen sowie neue interessante Oberflächen zu entwickeln (z.B. eine Oberfläche für eine ganze Region – Poltik endet nicht an Stadtgrenzen). OpenRuhr wird für die Weiterentwicklung einen Hackday veranstalten, jedoch ist alle eingesetzte Software OpenSource – wir freuen uns somit über Patches. Für die Entwicklung gibt es eine Mailingliste. Interessierte können sich für den openRuhr Newsletter anmelden.

Doch auch im Bereich alternativer Ratsinformationssysteme ist OpenRuhr:RIS nur der Anfang. Zur Zeit werden die Daten umständlich mit Scrapern abgegriffen, die recht mühsam programmiert werden müssen. Viel einfacher wäre der Abruf mittels einer offenen standardisierten Schnittstelle (API). Hierzu wurde von Marian Steinbach der Standard OParl entwickelt, welcher zur Zeit von den Ratsinformationssystem-Anbietern implementiert wird. Bei Veröffentlichung der neuen Ratsinformationssysteme mit OParl-Standard-Unterstützung ab Herbst 2013 können die Kommunen zeigen, dass sie offene Standards und offene Daten unterstützen.

Doch auch dabei ist die Unterstützung der Netz-Community gefragt: Der Wille ist gerade auf kommunaler Ebene oft da. Aber gleichzeitig herrscht Unsicherheit vor dem Neuland. Was fehlt, sind Informationen, Beratung und Menschen, die es einfach anpacken und Aufklärungsarbeit leisten.

Disclaimer: Daniel Dietrich ist Vorsitzender der Open Knowledge Foundation Deutschland.

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