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FCC Studie: ‚Letzte Meile‘ nicht zwangsläufig Flaschenhals für Datenverkehr

Quelle: www.samknows.com

In einer US Amerikanischen Studie, die den Datenverkehr in 16 ISP-Netzwerken von rund 10.000 Routern untersucht hat, wird dargelegt, dass die berühmte ‚letzte Meile‘ vom ISP zum Kunden nicht notwendigerweise der Flaschenhals und somit die Ursache für ‚Datenstau‘ (hohe Latenzen und langsame Übertragungsgeschwindigkeiten) sein muss.


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Quelle: www.samknows.com
Quelle: www.samknows.com

2010 hat die amerikanische Federal Communications Commission (FCC) eine 4-jährige Langzeitstudie gestartet, mit dem Ziel, ein besseres Verständnis bzgl. Ausbau, Geschwindigkeit und ‚Datenstau‘ auf der ‚letzten Meile‘ zu bekommen. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen SamKnows wurden dazu 10.000 Router in Unternehmen und privaten Haushalten installiert, die sich insgesamt auf 16 ISP-Netze verteilen. Die Router sind mit einer speziellen Firmware ausgestattet, die in regelmäßigen Abständen Latenz- und Datendurchsatz-Tests durchführt.

Nun haben Daniel Genin und Jolene Splett vom National Institute of Standards and Technology einen ersten ‚Zwischenbericht‘ verfasst und die bisherigen Daten analysiert. Dabei kamen ein paar interessante Erkenntnisse zutage.

  • Netzwerküberlastungen sind unterschiedlich zwischen Kabel- und DSL-Prodivdern
  • Etwa 1/3 der Netzwerküberlastungen bei DSL-Providern treten nicht in der ‚letzten Meile‘ auf.
  • Nur ein Bruchteil der Netzwerküberlastungen bei Kabel-Providern liegen in der ‚letzten Meile‘.
  • Die Ursache für die meisten Netzwerküberlastungen, unabhängig ob Kabel- oder DSL-Anschluss, scheint nicht in der ‚letzten Meile‘ zu liegen.

Taken at face value these numbers seem to suggest that a significant amount of congestion, especially for cable connections, occurs deeper in the network, perhaps, in the “middle mile” or even farther, where the ISP connects to the “public Internet”. This is somewhat contrary to the popular belief that the edge is more congested than the core. (Quelle: Studie S. 6)

Wie jede Studie, hat auch die der FCC Limitationen. Zusätzlich muss man bedenken, dass man die Erkenntnisse aus den US amerikanischen Netzwerken nicht 1:1 auf die deutsche Infrastruktur übertragen kann. Ein Indiz dafür ist schon in den erreichten ‚realen‘ Bandbreiten zu finden. Während in der amerikanischen Studie die DSL-Provider die realistischere Einschätzung bzgl. ‚realer‘ Geschwindigkeit gegeben haben, ist in Deutschland genau das Gegenteil der Fall:

In this data set, DSL broadband provided connections on average delivering download speeds above 80% of the assigned speed tier more than 80% of the time. By contrast, a significant fraction of cable connections received less than 80% of their assigned speed tier more than 20% of the time. (Quelle: Studie S. 5)

So schreibt die Bundesnetzagentur in ihrer diesjährigen Studie, in der sie die „bis zu“-Taktik der Internetprovider kritisierte, dass nur ein Bruchteil der DSL-Kunden die vermarktete „bis zu“-Geschwindigkeit wirklich erreicht hatten. (Wir berichteten)

Die geringsten Abweichungen von der vermarkteten Download-Datenübertragungsrate traten bei Kabelanschlüssen auf.

Und das Wirtschaftsministerium merkte an:

Die Unternehmen stehen nun in der Pflicht, die Versorgung ihrer Kunden ihren vertraglichen Zusagen entsprechend zu verbessern oder zumindest im Vertrag deutlich zu machen, welche Bandbreiten tatsächlich erreicht werden können.

Hier scheint es also zunächst einen systemischen Unterschied in der Infrastruktur zwischen Deutschland und den USA zu geben, wodurch die (vorläufigen) Ergebnisse nicht direkt Rückschlüsse auf Deutschland zulassen. Warum ist es also dann so interessant? ISPs argumentieren immer wieder, dass aktives Netzwerkmanagement nötig ist, um Netzwerküberlastungen der ‚letzten Meile‘ zu verhindern. Gleichzeitig veröffentlicht kein Provider Netzwerkdaten bzgl. Auslastung, Latenz, etc. für sein eigenes Netzwerk mit der Begründung, dass es entweder ein Dienstgeheimnis sei, oder dies aus Datenschutzgründen nicht möglich sei. Somit weiß man schlichtweg nicht, ob das Problem wirklich an der ‚letzten Meile‘ liegt.

Genau hier setzt die FCC Studie an und bringt zumindest ein erstes, kleines Licht ins Dunkel. (Die amerikanische Cooperative Association for Internet Data Analysis fordert seit Jahren mehr Offenlegung der Nutzungsdaten seitens der ISPs) Und unter diesem Licht sind die ersten Erkenntnisse der Studie interessant, da sie die stoische Aussage der Provider, die letzte Meile sei der Flaschenhals und deswegen braucht es aktives Netzwerkmanagement, nicht bestätigt.

In the meantime, the results from Genin and Splett should give ISPs something to think about. At the very least, they might want to consider making their traffic data public so that everyone, including the ISP’s themselves, can benefit from the greater insight this should produce.

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