Kultur

Wir, die Netz-Kinder

Patrick Beuth und Andre Rudolph haben für Zeit-Online einen wirklich lesenswerten Text des polnischen Dichters Piotr Czerski übersetzt, der unter der CC-BY-SA-Lizenz steht: Wir, die Netz-Kinder.

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UPDATE: Hier gibt es den Text auch zum Anhören.

Wir, die Netz-Kinder

Es gibt wohl keinen anderen Begriff, der im medialen Diskurs ähnlich überstrapaziert worden ist, wie der Begriff „Generation“. Ich habe einmal versucht, die „Generationen“ zu zählen, die in den vergangenen zehn Jahren ausgerufen worden sind, seit diesem berühmten Artikel über die sogenannte „Generation Nichts“. Ich glaube, es waren stolze zwölf. Eines hatten sie alle gemeinsam: Sie existierten nur auf dem Papier. In der Realität gab es diesen einzigartigen, greifbaren, unvergesslichen Impuls nicht, diese gemeinsame Erfahrung, durch die wir uns bleibend von allen vorangegangenen Generationen unterscheiden würden. Wir haben danach Ausschau gehalten, doch stattdessen kam der grundlegende Wandel unbemerkt, zusammen mit den Kabeln, mit denen das Kabelfernsehen das Land umspannte, der Verdrängung des Festnetzes durch das Mobiltelefon und vor allem mit dem allgemeinen Zugang zum Internet. Erst heute verstehen wir wirklich, wie viel sich in den vergangenen 15 Jahren verändert hat.

Wir, die Netz-Kinder; die mit dem Internet und im Internet aufgewachsen sind, wir sind eine Generation, welche die Kriterien für diesen Begriff gleichsam in einer Art Umkehrung erfüllt. Es gab in unserem Leben keinen Auslöser dafür, eher eine Metamorphose des Lebens selbst. Es ist kein gemeinsamer, begrenzter kultureller Kontext, der uns eint – sondern das Gefühl, diesen Kontext und seinen Rahmen frei definieren zu können.

Indem ich das so schreibe, ist mir bewusst, dass ich das Wort „wir“ missbrauche. Denn unser „wir“ ist veränderlich, unscharf, früher hätte man gesagt: vorläufig. Wenn ich „wir“ sage, meine ich „viele von uns“ oder „einige von uns“. Wenn ich sage „wir sind“, meine ich „es kommt vor, dass wir sind“. Ich sage nur deshalb „wir“, damit ich überhaupt über uns schreiben kann.

Erstens: Wir sind mit dem Internet und im Internet aufgewachsen. Darum sind wir anders; das ist der entscheidende, aus unserer Sicht allerdings überraschende Unterschied: Wir „surfen“ nicht im Internet und das Internet ist für uns kein „Ort“ und kein „virtueller Raum“. Für uns ist das Internet keine externe Erweiterung unserer Wirklichkeit, sondern ein Teil von ihr: eine unsichtbare, aber jederzeit präsente Schicht, die mit der körperlichen Umgebung verflochten ist.

Wir benutzen das Internet nicht, wir leben darin und damit. Wenn wir euch, den Analogen, unseren „Bildungsroman“ erzählen müssten, dann würden wir sagen, dass an allen wesentlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben, das Internet als organisches Element beteiligt war. Wir haben online Freunde und Feinde gefunden, wir haben online unsere Spickzettel für Prüfungen vorbereitet, wir haben Partys und Lerntreffen online geplant, wir haben uns online verliebt und getrennt.

Das Internet ist für uns keine Technologie, deren Beherrschung wir erlernen mussten und die wir irgendwie verinnerlicht haben. Das Netz ist ein fortlaufender Prozess, der sich vor unseren Augen beständig verändert, mit uns und durch uns. Technologien entstehen und verschwinden in unserem Umfeld, Websites werden gebaut, sie erblühen und vergehen, aber das Netz bleibt bestehen, denn wir sind das Netz; wir, die wir darüber in einer Art kommunizieren, die uns ganz natürlich erscheint, intensiver und effizienter als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Wir sind im Internet aufgewachsen, deshalb denken wir anders. Die Fähigkeit, Informationen zu finden, ist für uns so selbstverständlich wie für euch die Fähigkeit, einen Bahnhof oder ein Postamt in einer unbekannten Stadt zu finden. Wenn wir etwas wissen wollen – die ersten Symptome von Windpocken, die Gründe für den Untergang der Estonia, oder warum unsere Wasserrechnung so verdächtig hoch erscheint – ergreifen wir Maßnahmen mit der Sicherheit eines Autofahrers, der über ein Navigationsgerät verfügt.

Wir wissen, dass wir die benötigten Informationen an vielen Stellen finden werden, wir wissen, wie wir an diese Stellen gelangen und wir können ihre Glaubwürdigkeit beurteilen. Wir haben gelernt zu akzeptieren, dass wir statt einer Antwort viele verschiedene Antworten finden, und aus diesen abstrahieren wir die wahrscheinlichste Version und ignorieren die unglaubwürdigen. Wir selektieren, wir filtern, wir erinnern – und wir sind bereit, Gelerntes auszutauschen gegen etwas neues, besseres, wenn wir darauf stoßen.

Für uns ist das Netz eine Art externer Festplatte. Wir müssen uns keine unnötigen Details merken: Daten, Summen, Formeln, Paragrafen, Straßennamen, genaue Definitionen. Uns reicht eine Zusammenfassung, der Kern, den wir brauchen, um die Information zu verarbeiten und mit anderen Informationen zu verknüpfen. Sollten wir Details benötigen, schlagen wir sie innerhalb von Sekunden nach.

Wir müssen auch keine Experten in allem sein, denn wir wissen, wie wir Menschen finden, die sich auf das spezialisiert haben, was wir nicht wissen, und denen wir vertrauen können. Menschen, die ihre Expertise nicht für Geld mit uns teilen, sondern wegen unserer gemeinsamen Überzeugung, dass Informationen ständig in Bewegung sind und frei sein wollen, dass wir alle vom Informationsaustausch profitieren. Und zwar jeden Tag: Im Studium, bei der Arbeit, beim Lösen alltäglicher Probleme und wenn wir unseren Interessen nachgehen. Wir wissen, wie Wettbewerb funktioniert und wir mögen ihn. Aber unser Wettbewerb, unser Wunsch, anders zu sein, basiert auf Wissen, auf der Fähigkeit, Informationen zu interpretieren und zu verarbeiten – nicht darauf, sie zu monopolisieren.

Zweitens: Die Teilnahme am kulturellen Leben ist für uns keine Beschäftigung für den Feiertag: die globale Kultur ist der Sockel unserer Identität, wichtiger für unser Selbstverständnis als Traditionen, die Geschichten unserer Ahnen, sozialer Status, die Herkunft oder sogar unsere Sprache. Aus dem Ozean der kulturellen Ereignisse fischen wir jene, die am besten zu uns passen, wir treten mit ihnen in Kontakt, wir bewerten sie und wir speichern unsere Bewertungen auf Websites, die genau zu diesem Zweck eingerichtet wurden und die uns außerdem andere Musikalben, Filme oder Spiele vorschlagen, die uns gefallen könnten.

Einige dieser Filme, Serien oder Videos schauen wir uns gemeinsam mit Kollegen an, oder aber mit Freunden aus aller Welt, unser Urteil über andere wird oft nur von einer kleinen Gruppe von Menschen geteilt, denen wir vielleicht niemals persönlich gegenüberstehen werden. Das ist der Grund für unser Gefühl, dass Kultur gleichzeitig global und individuell wird. Das ist der Grund, warum wir freien Zugang dazu brauchen.

Es bedeutet nicht, dass wir Zugang zu allen kulturellen Gütern verlangen, ohne dafür zahlen zu müssen – obwohl wir das, was wir selbst schaffen, meistens einfach nur in Umlauf bringen. Wir verstehen, dass Kreativität – trotz der zunehmenden Verbreitung von Technologien, mit denen jeder Mensch Film- oder Musikdateien in einer Qualität erstellen kann, die früher Profis vorbehalten war – immer noch Anstrengungen und Investitionen erfordert. Wir sind bereit zu zahlen, aber die gigantischen Aufschläge der Zwischenhändler erscheinen uns ganz einfach als unangemessen. Warum sollten wir für die Verbreitung von Informationen zahlen, die schnell und perfekt kopiert werden können, ohne den Wert des Originals auch nur um ein Jota zu verringern? Wenn wir nur die reine Information bekommen, verlangen wir einen angemessenen Preis. Wir sind bereit, mehr zu zahlen, aber dann erwarten wir auch mehr: eine interessante Verpackung, ein Gadget, höhere Qualität, die Option, es hier und jetzt anzuschauen, ohne warten zu müssen, bis die Datei heruntergeladen ist. Wir können durchaus Dankbarkeit zeigen und wir wollen den Künstler belohnen (seit Geld nicht mehr aus Papier besteht, sondern aus eine Reihe von Zahlen auf einem Bildschirm, ist das Bezahlen zu einem eher symbolischen Akt geworden, von dem eigentlich beide Seiten profitieren sollen), aber die Verkaufsziele irgendwelcher Konzerne interessieren uns kein bisschen. Es ist nicht unsere Schuld, dass ihr Geschäft in seiner traditionellen Form nicht mehr sinnvoll ist und dass sie, anstatt die Herausforderung zu akzeptieren und zu versuchen, uns mit etwas zu erreichen, das uns mehr bietet als wir umsonst haben können, entschieden haben, ihre veralteten Lösungen zu verteidigen.

Noch etwas: Wir wollen nicht für unsere Erinnerungen bezahlen. Die Filme, die uns an unsere Kindheit erinnern, die Musik, die uns vor zehn Jahren begleitet hat: In einem externen Netzgedächtnis sind sie einfach nur Erinnerungen. Sie hervorzurufen, sie auszutauschen, sie weiterzuentwickeln, das ist für uns so normal wie für euch die Erinnerung an Casablanca. Wir finden im Netz die Filme, die wir als Kinder gesehen haben und wir zeigen sie unseren Kindern, genauso wie ihr uns die Geschichte von Rotkäppchen oder Goldlöckchen erzählt habt. Könnt ihr euch vorstellen, dass euch jemand deswegen anklagt, gegen ein Gesetz verstoßen zu haben? Wir auch nicht.

Drittens: Wir sind es gewohnt, dass unsere Rechnungen automatisch bezahlt werden, so lange unser Kontostand es erlaubt. Wir wissen, dass wir nur ein Online-Formular ausfüllen und einen Vertrag unterschreiben müssen, den uns ein Kurier liefert, wenn wir ein Konto eröffnen oder den Mobilfunkanbieter wechseln wollen. Dass sogar ein Kurztrip auf die andere Seite von Europa inklusive Stadtrundfahrt innerhalb von zwei Stunden organisiert werden kann. Deshalb sind wir, als Nutzer des Staates, zunehmend verärgert über seine archaische Benutzeroberfläche. Wir verstehen nicht, warum wir für die Steuererklärung mehrere Formulare ausfüllen müssen, von denen das zentrale mehr als einhundert Fragen beinhaltet. Wir verstehen nicht, warum wir einen festen Wohnsitz (absurd genug, so etwas überhaupt haben zu müssen) erst förmlich abmelden müssen, bevor wir uns an einem anderen anmelden können – als könnten die Behörden diese Sache nicht auch ohne unser Eingreifen regeln.

In uns steckt nichts mehr von jener aus Scheu geborenen Überzeugung unserer Eltern, dass Amtsdinge von überaus großer Bedeutung und die mit dem Staat zu regelnden Angelegenheiten heilig sind. Diesen Respekt, verwurzelt in der Distanz zwischen dem einsamen Bürger und den majestätischen Höhen, in denen die herrschende Klasse residiert, kaum sichtbar da oben in den Wolken, den haben wir nicht. Unser Verständnis von sozialen Strukturen ist anders als eures: Die Gesellschaft ist ein Netzwerk, keine Hierarchie. Wir sind es gewohnt, das Gespräch mit fast jedem suchen zu dürfen, sei er Journalist, Bürgermeister, Universitätsprofessor oder Popstar, und wir brauchen keine besonderen Qualifikationen, die mit unserem sozialen Status zusammenhängen. Der Erfolg der Interaktion hängt einzig davon ab, ob der Inhalt unserer Botschaft als wichtig und einer Antwort würdig angesehen wird. Und da wir, dank Zusammenarbeit, ständigem Streit und dem Verteidigen unserer Argumente gegen Kritik das Gefühl haben, dass unsere Meinungen einfach die besseren sind, warum sollten wir dann keinen ernsthaften Dialog mit der Regierung erwarten dürfen?

Wir fühlen keinen religiösen Respekt für die „demokratischen Institutionen“ in ihrer derzeitigen Form, wir glauben nicht an ihre unumstößliche Rolle, wie es diejenigen tun, die alle „demokratischen Institutionen“ als Denkmäler betrachten, die sie selbst bauen und die zugleich für sie selbst gebaut werden. Wir brauchen keine Denkmäler. Wir brauchen ein System, das unsere Erwartungen erfüllt, ein transparentes und funktionierendes System. Und wir haben gelernt, dass Veränderung möglich ist: dass jedes in der Handhabung umständliche System ersetzt werden kann und ersetzt wird, durch eines, das effizienter ist, das besser an unsere Bedürfnissen angepasst ist und uns mehr Handlungsmöglichkeiten gibt.

Was uns am wichtigsten ist, ist Freiheit. Redefreiheit, freier Zugang zu Informationen und zu Kultur. Wir glauben, das Internet ist dank dieser Freiheit zu dem geworden, was es ist, und wir glauben, dass es unsere Pflicht ist, diese Freiheit zu verteidigen. Das schulden wir den kommenden Generationen, so wie wir es ihnen schulden, die Umwelt zu schützen.

Vielleicht haben wir noch keinen Namen dafür, vielleicht sind wir uns dessen noch nicht vollständig bewusst, aber wahrscheinlich ist das, was wir wollen, eine wahre und tatsächliche Demokratie. Eine Demokratie, wie sie sich vielleicht nicht einmal eure Journalisten erträumt haben.

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64 Kommentare
  1. Ein sehr guter Text.
    Ja, er fasst recht gut zusammen, was „wir“ verspüren angesichts der Bürokratie, des Urheberrechtsmissbrauchs und vielen anderen Repressalien welche uns die auferlegen möchten, welche noch nicht verstanden haben, was das Netz ist.

    Johannes

    1. Wer seid „ihr“? Den Wunsch, ein Kind zu sein, verspüre ich definitiv nicht. Und zwar unter Einschluß der Kategorie „Netz-Kind“. Kinder sind Wesen von begrenzter Einsicht, die beausichtigt und betreut werden. Auch sonst mißfällt mir dieser Text, sowohl in seiner gesamten peinlich pathetischen Anmutung wie auch im Detail.

      „Wir sind es gewohnt, dass unsere Rechnungen automatisch bezahlt werden, so lange unser Kontostand es erlaubt.“ Daß man sich vergewissern möchte, ob die Rechnungen auch betragsmäßig in Ordnung sind, ist ein dem Netzkinde offenbar fremder Gedanke.
      „Dass sogar ein Kurztrip auf die andere Seite von Europa inklusive Stadtrundfahrt innerhalb von zwei Stunden organisiert werden kann.“ Ich brauche, wenn ich es möchte, keine zwei Stunden, um meine physische Präsenz in ein sogenanntes Reisebüro zu verlagern und dort sowas auszuschen und zu buchen. Das geht dann sogar ganz ohne Internet. Naja, von Kindern kann man eben noch keinen umfassenderen Überblick erwarten.

      Und man kann auch ganz ohne „Netzkind“ zu sein, am bestehenden Urheberrecht vielfältige Defekte ausmachen. Die Repressionsmöglichkeiten eines Netzes lassen sich sogar besser erkennen, wenn man noch den Vergleich mit einer netzlosen Gesellschaft und den „analogen“ Repressions- und Überwachungstechniken hat. Der Facebook-Revolutionär ist die zeitgemäße Steigerung des Bahnsteigkartenkäufers.

      1. Das Reisebüro bucht für dich dann aber auch übers Internet. Während du noch da sitzt.

        Das war vor einigen Jahren auch noch anders und deutlich langwieriger.

      2. „Kinder sind Wesen von begrenzter Einsicht, die beausichtigt und betreut werden.“

        Falsch…
        Kinder sind die letzten Menschen die Ihrer wahren Natur treu geblieben sind. Kinder haben die Gabe, Dinge als das zu erkennen was sie sind. Kinder sind „neutral“ in Ihrer Sicht auf die Welt.

        Das Kinder irgendwelche „Wesen begrenzter Einsicht“ sind ist auch nur ein Meinungsmonopol das geschaffen wurde um Menschen besser „formbar“ zu machen.

        Kinder sind moralisch und kulturel noch so ungeprägt das sie uns oft unverblühmt die fehler unserer gesellschaft aufzeigen. Nur nimmt sie niemand ernst… sind ja nur „begrenzte wesen“ die man kontrollieren, formen und steuern muss.

        Sonst werden da noch „kriminelle“, „faule“ oder gar „dumme“ Menschen draus…

  2. Was für ein sagenhaft guter Text. Das fasst mein ganzes derzeitiges Gefühl auf diesem Planeten ganz gut zusammen! Der Text ist fast schon ein Manifest – nicht etwa einer Generation, sondern einer Denkrichtung und Lebenswirklichkeit bei der Generationszugehörigkeit ungefähr soviel ausmacht wie ein Staubkorn in der Wüste.

    „On the Internet nobody knows you are a dog.“ – or which generation you are… http://en.wikipedia.org/wiki/On_the_Internet,_nobody_knows_you're_a_dog

    Großartig, was dieser Mann da geschireben hat.

  3. „Was uns am wichtigsten ist, ist Freiheit.“
    Ah, eine Gruppe Gauck-Fans :-)

    Neben vielen richtigen sich verändernden Gesellschaftsphänomen wird in dem Artikel viel religiöser Unsinn erzählt.
    „Wir sind im Internet aufgewachsen, deshalb denken wir anders.“

    Das kann man nachvollziehen, dass wenn man im Router oder der Glasfaser wohnt, dass das dann das Denken verändert. Das Problem ist, dass da keiner lebt. Helmut Kohl hat auch nicht in der Ortsvermittlungsstelle oder dem Telefonnetz gelebt, weil er seine korrupten Geschäfte über Telefon abgewickelt hat.

    Es gib keine Genration, die vollständig mit dem Internet aufgewachsen ist und heute studiert. Vor 20 Jahren hatten wie 1992. Da war Microsoft noch vier Jahre davon entfernt, das Internet auch zu akzeptieren. Da herrschte AOL, Compuserve und MSN. Und BTX, Gruss an Wau Holland in den Himmel!“

    Ich nutze das Internet seit 1988. Seit dem hat sich das Internet dramatisch verändert. Mit ihm auch die Gesellschaft. Aber es ist eine Halluzination, das auf eine bestimmte Generation zu beschränken. Manche nutzen es mehr, manche weniger, kaum noch welche gar nicht. Aber Netz-Kinder sind eine Illusion, ein Hoax.

    in der Pathos-Sülze von der „wahren Demokratie“ kann man sich besoffen träumen udn übersehen, dass die Reaktion nicht schläft. Die schlimmsten Dummbacken nutzen genauso wie die Gauckschen Freiheitsträumer. Wenn sei sich zusammenrotten, um mit ACTA die Bürger zu plüdenr, nutzen sie ebenfalls das Internet. Die Agenten der Reaktion sind ausgeschickt, um den Rest zu zermürben: Die Altmaiers, Bäars und andere Blender, die von Freiheit säuseln und in deren Fraktionen dann die übelsten Rabauken ihre Politik durchprügeln wollen.

    Wenn Kriminelle in Deinem Staat oder in Ägypten (mit deutscher Technologie) die Ausspähsoftware auf den Rechner zaubert, den Traffic zur Tarnung nach USA schickt, auf die Gesetze Deiner „wahren Demokratie“ scheisst, um die Nazis besser decken zu decken und sie zu hunderten finanziert und Trauer bei den Opferfeierlichkeiten heuchelt, dann nutzt er auch das Internet. Wie Du.

    Komm runter von Deinem Generation-Trip, Deiner Netz-Kinder-Lyrik. Es gibt viel Arbeit. Blöde, dumme Maloche. Da leistet Markus tausende gute Beiträge. Aber trunkene Kinder-Lyrik gefährdet uns nur. Get real. (Und überlege Dir das noch mal, ob es eine gute Idee ist, Rechnungen so lange automatisch zu bezahlen, wie Geld auf dem Konto ist. Ich habe genau deswegen Paypal-gekündigt, weil da andere in mein Konto griffen, die da nichts zu suchen hatten (und weil Paypal die Spenden für wikileaks nicht operieren wollte).

    Wie sacht der Westfale? Nix für ungut :-)
    Oder polnsich: Jeszcze Polska nie zginęła!

    1. Bin zwar erst 24, aber danke für deinen Text, den kann ich nur /signen.

      Das Geschwafel von „Netzbürger“ geht mir wirklich auf den Senkel, obwohl ich mit PCs aufgewachsen und seit ’99 auch online bin. Das Internet bzw. alles was auch dazu gehört, ist Teil des Lebens, aber doch nur ein kleiner. Es wird zur Kommunikation und zum Austausch benutzt, aber mein Leben findet größtenteils „draußen“ statt, auch wenn ich beruflich und privat oft online bin. Wie gesagt, es ist keine neue Sphäre oder Metaebene, es ist eine Technologie bzw. viele Technologien.

    2. @Jan Dark: Tut mir leid, aber ich verstehe den Text anders als du. Du schreibst: „Komm runter von Deinem Generation-Trip“, aber der Autor distanzierst sich doch am Anfang des Textes sehr deutlich vom dem „strapazierten“ Begriff. Er sagt, er habe in den letzten 10 Jahren 12 Generationen gezählt und will damit zeigen, dass das Wort hier nicht richtig ist. „Du schreibst Es gib keine Genration, die vollständig mit dem Internet aufgewachsen ist“, und bist damit auf der Seite des Autors. Jedoch ist dir das, wie ich glaube, nicht bewusst.
      Außerdem tust du so, als würde der Autor das Internet glorifizieren, aber wenn er schreibt „Wir sind es gewohnt, dass unsere Rechnungen automatisch bezahlt werden…“, dann ist das nur eine Beschreibung des Verhaltens von einer breiten Masse, die er „wir“ nennt, aber er wertet dies nicht in Bezug auf Sicherheit. Er will nur sagen, dass das in keinem Verhältnis zur „archaischen Benutzeroberfläche“ des Staates steht und meint damit die Papierbürökratie.
      Ich finde, dass dein Kommentar nur als sehr negative Kritik getarnt ist, aber dass deine Argumente gar nicht gegen die des Autors stehen. Dir gefällt nur die Form des Textes nicht. Du sagst, er sei sülzig und realitätsfern, aber was hast du denn gegen „Freiheitsträumer“?

    3. Bist Du sicher, dass wir über den gleichen Artikel von Piotr sprechen? In meinem steht:
      „Wir, die Netz-Kinder; die mit dem Internet und im Internet aufgewachsen sind, wir sind eine Generation, welche die Kriterien für diesen Begriff gleichsam in einer Art Umkehrung erfüllt.“
      Piotr und sein Wir, die Netz-Kinder grenzt sich als Generation ab. Weitere Bürger werden als Analoge ausgegrenzt. Altersrassistisch inkludiert er in sein „Wir“ nur die, die mit dem Internet aufgewachsen sind (und in Routern und Glasfasern wohnen, wie immer das auch gehen mag, was er halluziniert).

      Freiheit ist gut und wichtig. Wenn Freiheitsträumer wie Gauck mir das Lied der großen Freiheit trällern, dann ist das für mich schlimmer als ein Horrorfilm von Spielberg oder King: der Freiheitsträumer wollte seine Söhne in der DDR-Diktatur einsperren anstatt sie in die Freiheit nach Deutschland zu lassen. Da ist der Sprung vom überzogenen Pathos zur Heuchelei ein winziger. Seit Gauck ist die Freiheitsheuchelei negativ belegt.

      Das Internet, die Eisenbahn, der elektrische Strom sind wunderbare Technologie. Aber es ist Kokelores, bestimmte Alterskohorte gegen andere abzugrenzen wie Piotr es in meiner Version des Textes tut, wenn genau sichtbar ist, dass das eben nicht mehr passiert.

  4. Ich teile die Skepsis des Begriffes Generation. Wenn ich mal überlege welche Altersgruppen sich zu mehr als 80% mit dem Text identifizieren können, würde ich sagen, da findet man überall welche.
    Und wenn ich weiter überlege, wie viele von den <30 Jährigen das hier unterschreiben wollen würden, wäre ich auch eher pessimistisch.

    PS: Ich hab schon wieder Probleme über https zu kommentieren.

  5. ACK.

    Gute Bilder und Metaphern. Gute Zusammenfassung. Trotz kleinerer Ungenauigkeiten. Wir finden uns wieder und gut beschrieben, aber der Text richtet sich ja eigentlich an die „Alten“. Lesen die den auch? Erreicht die Zeit damit die eigentliche Zielgruppe?

    Schon mein Vater würde nur verständnislos gucken. Der hat auch schon vor 15+x Jahren immer ratloser geschaut als das mit dem Internet anfing. Es bleibt inhaltlich vieles zu tun, und dazu eine Daueraufgabe: „Der Erfolg der Interaktion hängt einzig davon ab, ob der Inhalt unserer Botschaft als wichtig und einer Antwort würdig angesehen wird.“ – glücklicherweise dreht sich das immer mehr dahin.

    1. Ich bin 62, aber dennoch nicht die phantasierte „eigentliche Zielgruppe“ – auch die „Alten“ sind sehr verschieden,
      – wie man an deinem Vater und mir sehen kann, der die Diskussion hier „liest“ und anregend findet.
      Bleibt zu ergänzen: auch eine (Alt-) „68er-Generation“ hat es so nie gegeben, außer zu Propagandazwecken.

  6. @ Jan Dark: Ja, Du bist ja ein gar lustiger Knilch. Du hast also die gesamte Weisheit in einer Person vereint, die uns allen so fehlt, richtig? Aussagen wie „Ich nutze das Internet seit 1988.“ sollen uns das doch verdeutlichen, nicht wahr? Schöner Versuch hier zu Trollen, so mit Begriffen wie „Pathos-Sülze“, „Kinder-Lyrik“, und so weiter.

    Eines ist sicher, auch im Internet der Zukunft oder wie immer es in 10, 50 oder 100 Jahren heißen wird, wird es Trolle wie Dich geben. Und man wird immer wieder seinen Kindern & Erwachsenen beibringen müssen: „Don’t feed the Trolls.“

  7. Das enthält mir eindeutig zu viel Verklärung und Selbstbeweihräucherung, beinahe als würde man der Geburt eines besseren Menschen beiwohnen.

    Viele der aufgeworfenen Aspekte scheinen mir schlichtweg Wunschdenken zu sein: Etwa eine natürliche Medienkompetenz als emergentes Phänomen der Auseinandersetzung mit dem Netz. Schön wäre es ja. (Und nein ich spiele nicht auf Twitter vs. Gauck vs. Twitter an.) Die hochwichtige globale Kultur, die besser ist als die schnöde lokale Kultur, ist letztlich auch Zitat und Amalgam vieler lokaler Kulturen (mancher würde sagen, eigentlich doch nur einer einzigen, nämlich der US-amerikanischen Popkultur). Viele Kinder des Netzes, die den Konzernen eine Absage erteilen und es lieber mit dem Künstler halten, werfen ersteren trotzdem wieder das Geld in den Rachen, wenn nur der Internetmarktplatz bequem genug eingerichtet ist. Und wenn Facebookwände und Twitterströme miteinander sprechen, mag die Botschaft vielleicht entscheidender sein als die soziale Stellung des Senders, aber an ihrer Verbreitung sind Multiplikatoren beteiligt. Diese Hubs im Netzwerk stellen vielleicht keine Hierarchie da, sind aber als Filter und Meinungsmacher dennoch eine Form der persönlichen oder institutionellen Machtkonzentration. Davon abgesehen, dass in der realen Welt Hierarchien vermutlich auch eher wie Netzwerke funktionieren, zumindestens über gewisse Stufen hinweg.

    Ich will dem Internet nicht seine Alleinstellung bei der Massenvernetzung von Körpern und Informationen oder sein transformatives Potential absprechen. Aber besoffen von der eigenen Großartigkeit ist der falsche Gemütszustand, um sich dem implizit für unterevolviert befundenen Bevölkerungsrest zu erklären. Den Seitenhieb auf die Web 2.0-igkeit der geschilderten Lebenswirklichkeit der Netzkinder spare ich mir dann mal.

    1. Wobei ich zumindestens nochmal die Einschränkung anfügen möchte, dass dieser Text aus einem anderen kulturellen Zusammenhang stammt. Ich kenne die Situation in Polen nicht. Würde ich sie kennen, wäre es immerhin möglich, dass ich die Dosierung an positiver Selbstdarstellung im Text als passender empfinden würde oder besser verstehen könnte.

  8. Ich stimme Saleh zu. Nach der Hälfte habe ich aufgehört um kurz darauf dann doch noch zu Ende lesen und meine Meinung zu bestätigen:
    jeder der sich damit identifiziert und nun etwas besser von sich denkt ist zu leicht darauf reingefallen.
    Aber interessant zu sehen, wie jemand einem Meinungen aufdrücken kann indem man genug „wir“ und Komplimente in nen Text einbaut

  9. @Piotr Czerski, @Jan Dark, @Thomas Müller: Egal wer diesen Text wie diskutiert: er ist gut und drückt einige Aspekte aktueller Missverständlichkeiten in starken Bildern aus. Piotr Czerski ist Dichter. Wenn er Sozialwissenschaftler wäre, hätte er den Text möglicherweise anders geschrieben. Warum sagt Jan Dark: „get real“? Er hätte auch sagen können: „Bleib auf dem Teppich.“. Meinungsfreiheit ist auch die Freiheit der anderen Meinung. Einfach mal drüber nachdenken!

    1. @stefan
      Ich lass dem Piotr seine Meinung ja. Ich kopiere sie nicht, ich raube sie nicht, ich lösche sie nicht. Aber ich bewerte sie und sage, wo nach meiner Meinung sie falsch ist oder irreal.

      Streckenweise liest sich das Manifest wie ein religiöses Glaubensbekenntnis in tiefer Verzückung. Kann man ja machen. Die 68er fanden den Guru in Poona und freies Ficken schön. Manche.

      Aber manche Aussagen sind schlicht weg falsch. Hier die Kinder des Netzes, dort Ihr die Analogen? Vor 20 Jahren gab es in Polen kein Internet, das man mit der Muttermilch hätte einsaugen können. Die Zahlen sagen auch, dass es so gut wie keine Deutschen mehr gibt, die nicht irgendwas mit dem Internet machen. Da gibt es kein schwarz-weiss. Der Bezug auf die Generation birgt das Risiko des Altersrassismuses. Wir haben da extra Gesetze gemacht, um jemanden nicht wegen seines Alters zu diskriminieren.

      Wenn Peter Altamaier twittert, dann ist nicht entscheidend, ob er sein Bahnticket im Internet bestellt und ausdruckt wie Piotr (als Bundestagsabgeordneter braucht mit seiner Bahncard100 eh nur die Platzreservierung), sondern entscheidend ist was er sagt. Ob er uns in twitter beheuchelt, damit sein Fraktionskollege uns über den Tisch ziehen kann, oder ob er es ernst meint.

      Und mit dem get real meine ich auch, dass nicht nur die Internet-Muttermilch-Kinder im Internet leben, sondern auch die bösen Erwachsene. Schwerkriminelle Drecksäcke, die von Staaten angeheuert werden, schreiben bösartige Trojaner wie Stuxnet udn versuche tausende Rechner im Iran damit, um hinterfotzig einen Kriegsgrund zu konstruieren, um das Öl zu rauben. Das sind auch keine Analogen.

      Wenn auf Facebook der arabische Frühling tobt, dann reiben sich in Deutschland kriminelle Erwachsene die Hände ob der schönen Umsätze, die sie mit den arabischen Terrorregimen machen, damit die im Internet mit Spionagesoftware, die Regimegegner (die Kinder des Internet) aufspüren zu können, um sie einzusperren, zu foltern, zu töten. Wir liefern Panzer, damit die Saudis in Bahrein die Menschen niederschiessen können, die sich im Internet zusammenrotten und auf die Strasse ziehen.

      „Die Teilnahme am kulturellen Leben ist für uns keine Beschäftigung für den Feiertag“
      Ich frag mich da, wo sein Referenzpunkt ist? Polen in der Panje? Das ist doch längst nicht nur für die Kinder des Internets so, sondern für die Erwachsenen auch. Millionen Menschen in Deutschland downloaden sich bei kinox.to kulturell hochwertige Serien wie „Sex in the City“ oder „Desperate Housewives“ herunter. Sieben Tage die Woche.

      Im Grunde ist der Piotr wütend über die Zähigkeit einiger weniger, die gegen die Mehrheit sind und verpackt das in einen religiösen, altersrassistischen Kontext, mit dem er mehr ausgrenzt als vorwärtskommt. ACTA, VDS, Bundestrojaner, Staatsterrorismus am rechten Rand, CDU, SPD, das sind ganz schwierige Sache und harte Arbeit.

      Ich fand die Sanyassins mit ihrer freien Liebe auch immer ganz toll und die hatten auch gute Diskotheken, aber nicht jeder wollte sich bei uns ausbeuten lassen, um dem Bagwhan seine Rolls-Royce zu erwirtschaften.

      In einigen Jahren wird es keine Leute mehr geben, die stolz darauf sind, angeblich mit dem Internet große geworden zu sein. Das wird dann für die so normal wie Telefon, Autos oder Tempotaschentücher sein. Aber die Bösen wird es dann immer noch geben, die den Guten Böses wollen.

      Am Rande: Casablanca ist auch im Netz. Und für meine Mutter habe ich noch kurz vor ihrem Tode ein paar Don-Camillo-Filme gesaugt. Bis zu den Peter-Alexander-Filmen hat sie es leider nicht geschafft und ich musste das“Weisse Rössl am Wolfgangsee“ alleine anschaun. Man muss nicht versuchen, Differenzen aufzubauen, wo keine sind. Dann vergeudet man nur seine Kraft, die man für was schönes verwenden könnte.

  10. Schön, wenn diese Freiheit verantwortlich genutzt wird. Am Rest arbeiten wir noch! Freimeinungsäußerung sollte immer auch den Respekt vorm Anderen beinhalten! Zu oft wird da noch einfach „los gepöbelt“ in einer Art – wie man Menschen auf der Strasse niemals ansprechen würde – weil es einem DORT peinlich wäre. Naja – ok – ich könnte es doch ausweiten: Auch im TV wird uns derweilen, hin und wieder – eine gewisse Pöbelkultur als chic vorgelebt. Zu hören? Ausreden lassen? Oder auch das Gegenteil: den Anderen einfach garnicht erst zu Wort kommen lassen ….. Ja wir Kinder im Netz können überall noch viel lernen und uns weiterentwickeln.

  11. Das Ganze klingt wirklich gut, wird aber daran scheitern, dass die Umsetzung der Ideen ein kollektives Mindestmaß an Intelligenz verlangt, das flächendeckend nicht vorhanden ist.

    1. Da muss ich hinterfragen: Was heißt flächendeckend und was heißt Intelligenz in dem hier behandelten Thema?

      Wenn alle Menschen in der Bundesrepublik „flächendeckend“ Zugang zum Internet haben (und es wird in sehr naher Zukunft nur noch sehr wenige weiße Flecke geben) dann steht der Flächendeckung nichts mehr im Weg.
      Eine andere Frage wird es wohl sein, wie sich der Anteil der Internetnutzer entwickeln wird. Die Studie „Digitale Gesellschaft“ zeigt m. E. allzu deutlich, dass immer noch mehr als 50 % der Bevölkerung in der Bundesrepublik mit dem Internet gar nichts oder nur sehr wenig „am Hut“ haben. Diesem Teil der Bevölkerung zu vemitteln, welche Bedeutung das Netz hat und haben wird, dürfte der weitaus schwierigere Teil sein.

      Wir hier in Unterfranken arbeiten jedenfalls mit unserem Projekt „Internet für alle“ daran, den Älteren die notwendige Kompetenz im Umgang mit Computer und Internet zu vermitteln. Dass wir damit nicht alleine stehen zeigt z.B. das Projekt „Lokale Online-Gemeinschaften älterer Menschen initiieren und moderieren“ in NRW.

  12. Ich mache mindestens ein mal pro Woche eine Liebeserklärung ans Netz, weil ich mich amüsiert oder wieder einmal eine tolle Entdeckung gemacht habe. Ich finde den Text herrlich pathetisch schön und die ewigen Realitäts- uns Wahrheitssucher in den Kommentar naiv. Wir sind Menschen, wir dürfen und müssen emotional sein, das ist unsere Wahrheit. Wir beurteilen alles nach Wohl- und Unwohlbefinden auch wenn wir vermeintlich rational denken.
    Danke für diesen schönen Text!

    1. Wenn jemand den Text als zu überschwänglich oder pathetisch empfindet, ist das auch eine emotionale Reaktion. Die rationale Auseinandersetzung hilft dabei, den eigenen Empfindungen auf den Grund zu gehen.

  13. So abwegig wie manche den Text finden ist er nicht.

    Warum gehen zehntausende Menschen auf die Straße um gegen etwas zu demonstrieren, was genau diese Freiheit einzuschränken versucht?

    WIR!! werden jeden Tag mehr und das macht den Oberen erschreckend viel Angst, was man ja an den Reaktionen gut sehen kann. Wir kämpfen mit Kopf und ohne physische Gewalt und wenn wir genug sind, wird sich die Welt grundlegend ändern.

    Ich hab auch nichts gegen eine Elite, aber es muss sich im Rahmen halten und der unstillbaren Gier muss Einhalt geboten werden. Allerdings ist diese Gier auch ein Garant für die Änderung. Du kannst die Unterschicht mit Almosen bei Laune halten, aber die Mittelschicht, die durch diese Gier in die Untere abrutscht, wird es sich halt niemals gefallen lassen auf Dauer.

  14. Der Text ist ja nett zu lesen, aber Homebanking macht jetzt keinen zum Netz-Kind und besonders erstrebenswert ist es auch nicht. Man merkt zwar, dass diese Digital Native Geschichte furchtbar in Mode gekommen ist, aber viel mehr als „Guckt mal was die im Internet machen und halten es auch noch für normal“ ist der Text auch nicht. Klar, jeder findet ihn gut, der mal nach einem Kochrezept gegoogelt hat.

    Mein Text dazu

  15. Sehr gelungenes Essay! Vor allem im Anbetracht der unzähligen Pamphlete zu diesem Thema. Doch möchte ich darauf hinweisen, das der Begriff „Demokratie“ in den letzten Jahren ebenso überstrapaziert wurde, wie auch das postulieren von „Generationen“… Demokratie ist ein politisches System und keine Weltanschauung, welche die Generation „Netz-Kinder“ wohl mehr miteinander verbindet als das politische Establishment. Wir reagieren auf „Das Netz“ viel mehr wie die Primaten in 2012 auf den Monolith. Daher ist es auch keine Frage der „Generation“ sondern eine Antwort auf unsere Wahrnehmung.

    Grüsse
    V.

  16. Erinnerst mich an die „unabhängigkeitserklärung des cyberspace“ von 96 . prinzipiell guter Text, nur muss man aufpassen nicht ideologisch zu werden, die spielerische Sachlichkeit war und ist einer der wichtigsten Grundpfeiler der „Nerdkultur“ und wird langsam von den schreienden Massen auf Twitter zerrieben….

  17. Hier ist es mal wirklich gelungen, eine altbekannte Stilform aus dem Printjournalismus 1:1 ins Online-Medium zu übertragen: die Bleiwüste!! /Ironie aus.
    Nee, aber wirklich Leute, dass ich als „alter Print-Journalist“ Euch so etwas sagen muss — zumal es schade um den guten Text und Inhalt ist: Wie wär’s mit Zwischenüberschriften oder (Multimedial ;-) Bilder?

    Viele Grüße aus Pfaffenhofen
    Micha

  18. Im Durchschnitt ist die Mehrheit der Netzler 25 bis 40 Jahre alt. Das Wort „Netzkinder“ ist mir zuwider, da es eine Abgrenzung bedeutet, die es gar nicht gibt. Aufgewachsen mit dem Netz kann ich noch gelten lassen, aber im Netz finde ich lachhaft. Die mittlere Altersschicht ist jedenfalls diejenige, welche in der Lage ist, das Netz verantwortlich zu nutzen. Vor allem eigenverantwortlich. So manchen angeblichen „Netzkindern“ möchte man zur Abstinenz raten, da sie oftmals nicht in der Lage sind, mit dem Medium umzugehen. Datenschutz, Bildung (auch politische Bildung), technische Kenntnisse etc. sind für manche „Netzkinder“ Fremdworte.

    Es reicht nicht aus, daß sich „Netzkinder“ auf Facebook entblöden und dann meinen, sie seien sowas wie kompetent.

    Sie sind es meistens nicht.

  19. Nachsatz:

    Im Gegensatz zu den „Aufgewachsenen“ haben sich die „Reingewachsenen“ eine kritische Distanz zum Medium Internet bewahrt.

    Diese Distanz ist wertvoll und absolut notwendig.

  20. Auch ich gehöre nicht zu den mit dem Internet “Aufgewachsenen”, sondern zu den “Reingewachsenen”. Mir fällt schon noch auf, dass es durchaus Lebensgrundlagen und Kultur gibt, die nicht oder nur sehr locker mit dem Internet verknüpft sind. Insgesamt finde ich den Artikel aber sehr repektabel, da er ein aktuelles Lebensgefühl mit seinen verschiedenen Facetten beschreibt.

  21. Wenn ich so ein Geschwaller lese wie:

    „Wir benutzen das Internet nicht, wir leben darin und damit. Wenn wir euch, den Analogen, unseren “Bildungsroman” erzählen müssten, dann würden wir sagen, dass an allen wesentlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben, das Internet als organisches Element beteiligt war. Wir haben online Freunde und Feinde gefunden, wir haben online unsere Spickzettel für Prüfungen vorbereitet, wir haben Partys und Lerntreffen online geplant, wir haben uns online verliebt und getrennt.“

    …dann weiß ich jedenfalls, mit welchen Schwachmaten man es zu tun hat. Kinder. Wobei ich mich immer Frage, wo die Eltern sind. Wo sind die Erzieher und Verantwortlichen?? Was haben Kinder im Internet verloren, solange es Kinder sind? Gar nichts!

  22. „Für uns ist das Internet keine externe Erweiterung unserer Wirklichkeit, sondern ein Teil von ihr: eine unsichtbare, aber jederzeit präsente Schicht, die mit der körperlichen Umgebung verflochten ist.“

    Junge mit Nick „Gastbeitrag“: Gehe mal zum Psychiater. Dein Beitrag beinhaltet ein vollständiges Krankheitsbild.

    Ein Werkstück für Medizinstudenten, denen ich das heute zugeleitet habe.

  23. Das Internet ist ein Spiegel unserer Gesellschaft.
    Die „Netzkinder“ begegnen uns ja auch auf der Strasse, mit Knöpfen im Ohr, gar nicht mehr wahrnehmend, was real alles um sie herum passiert.
    Die meisten sogenannten „Netzkinder“, welchen alters auch immer, konsumieren die Angebote im Netz, sei es „Lady Gaga“ oder die neuesten Modetrends von irgendeinem von den all übergreifendem Medien, angepriesenem „Star“!

    Hier mein Essay zu diesem Thema

    Nur ein Klick entfernt…

    Ich bin der Meinung, daß „Freundschaft“ oder „Freund“ auf derartigen Plattformen, völlig an Bedeutung verloren, ja sogar inflationäre Ausmaße angenommen hat.
    Nach ein paar oberflächlichen Mails ist man dann mit einem Klick befreundet….
    Wo soll es denn auch herkommen dieses so plötzliche Vertrauen?
    Wenn wir in der heutigen, schnelllebiegen Zeit, häufig nicht mal in der Lage sind im realen Leben unsere Freundschaften zu pflegen?
    Geschweige denn, Neue zu erlangen….
    Die Gepflogenheiten im Internet sind ein gutes Beipiel dafür, und letztendlich auch ein Spiegel der Konsumgesellschaft.
    Ja, wir konsumieren Freunde und wenn wir sie nicht mehr brauchen, oder wir uns in irgendeiner Form übervorteilt fühlen, sind wir auch wiederum nur einen Klick entfernt, diese zu beenden.
    Echte Freundschaft baut sich nur langsam auf, denn gerade im Netz, da man ja sein Gegenüber nicht sieht, ihn in der Regel halt auch nicht kennt, kommt es schnell zu Missverständnissen.
    Die Bedeutung mancher idiomatischen Redewendungen, feiner Ironie, Sarkasmus, oder gar zynische Anmerkungen, werden oft falsch interpretiert oder eben manchmal auch nicht einmal bemerkt.
    Missverständnisse resultieren allein schon daraus, daß das sofortige „Feedback“ eines geschriebenen Wortes, dieses in der Realität häufig auch durch körperliche Gesten unterstützt wird, im I-Net halt nicht gegeben ist.

    Ein Blick sagt mehr als tausend Worte…

  24. Als Metapher für das Netz taugt vielleicht noch am ehesten eine Gewitterwolke, die sich ständig verändert und abundzu mal Entladungen hervorbringt. Aber selbst das triffts nicht annährend. Das Netz sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Vielfalt, Kollektivität und Individualität, Freiheit und Repression, Informationsvielfalt und -einschränkung, Meinungserweiterung und -zementierung uvm.. Das Internet ist teilweise ein Spiegel der Realität, für Manche eine Art zweite Realität, verflochten mit der „analogen“. Aber globaler, vielleicht eine Skizze von einer möglichen globalen (realen) Gesellschaft.

    Der Text mag schön klingen, unterschreiben würde ich ihn nicht, dazu ist er zu einseitig, zu ausgrenzend, zwei Dinge die meinem Bild des Netzes komplett entgegenstehen. Das Einzige wirklich richtige ist, dass es soetwas wie eine „Generation“ nicht gibt.

  25. Summa Summarum ein sehr Interessanter Text, er ist wunder subjektiv Formuliert gut gibt den Eindruck eines „globalisierten Individualisten“ (Großartiger Neologismus) gut wieder. Den Generationen Begriff durch den Dreck zu ziehen, und den Artikel noch „die Netz Kinder“ zu nennen zeigt das der Titel sehr durchdacht gewählt ist. In einen Kinderbegriff kann man so ziemlich alles hineininterpretieren was einen zur momentanen Anti Acta Bewegung einfällt: Unerfahrenheit, Fehlende Reife und mangelndes Verständnis, aber auch Zielstrebigkeit, Lerneifer und den Mut an einer Frage nachzuharken.

    Der Text an sich an einigen Stellen schon arg melanchonisch, aber ich denke das mach auch dessen Reiz und Aktuallität deutlich. Ich persönlich denke das der Autor einige Stellen mit der Rosa Roten Bille kaschiert. („Rechnungen automatisch bezahlt werden, so lange unser Kontostand es erlaubt.“) auf andere Stellen, wie zum Beispiel das Säulenmodell über Leistung und Geistige Freiheit ist er wiederum tiefgreifend und logisch-objektiv (“ Wir-Begriff“) herangegenagen.

    Man kann den Autor jetzt für verrückt und übertrieben halten,
    oder die Leute, welche den Autor für verrückt und übertrieben halten als Idioten, Vertändnisslose oder gar Verschwörungstheoretiker halten.
    Defakto hat der Blogger sein Netzziel erreicht, er hat zu Diskuss und Kommunikation angeregt. Dafür Meinen persönlichen Respekt.

    zu meiner Persönlichen Meinung: Gegen Acta sein ist In, und jeder andere Mensch, der versucht objektiv darüber zu urteilen sollte es lieber Lassen. Denn, wenn wir ehrlich sind: Welcher Generationenkonflikt wurde je durch objektives Handeln einer Gesellschafft beigelegt?

    1. echt süß von dir, dieser pseudo-intellektuelle erguss.
      du solltest aber, wenn du kurz vorher auf wiki gefundene begriffe,
      wie Neologismus verwendest, den restlichen text in korrektem deutsch verfassen. es wird nicht nachgeharkt, sondern nachgehakt. ganz zu schweigen vom ersten satz. der ist echt der hammer und ein wirklicher legasteniker-leckerbissen. meine hochachtung. aber:
      „… auf andere Stellen … herangegenagen.“ ist mein favorit. ;)
      wäre dies teil einer klausur, wäre es bestimmt eine glatte 6.

      schönen tag gehabt haben noch dir ;)

  26. Schwarz-Weiß-Malerei. Ich kann es nicht mehr hören: „Wir im Netz sind gut. Die außerhalb oder nur so halb im Netz sind die Schlechten.“

    Den Schlusssatz streiche ich sowieso, nicht nur, weil ich Journalist bin.

    Irgendwo mitten im Text kam diese Passage, die nicht deutlicher für die Überheblichkeit dieser selbst ernannten Generation Internet sein könnte: „In uns steckt nichts mehr von jener aus Scheu geborenen Überzeugung unserer Eltern, dass Amtsdinge von überaus großer Bedeutung und die mit dem Staat zu regelnden Angelegenheiten heilig sind. Diesen Respekt, verwurzelt in der Distanz zwischen dem einsamen Bürger und den majestätischen Höhen, in denen die herrschende Klasse residiert, kaum sichtbar da oben in den Wolken, den haben wir nicht. Unser Verständnis von sozialen Strukturen ist anders als eures: Die Gesellschaft ist ein Netzwerk, keine Hierarchie …“

    Wer das geschrieben hat, hat wirklich keinen Plan. Insbesondere meine Eltern aber auch ich, sind noch auf ein Amt marschiert und haben uns dort mit der so genannten staatlichen Autorität im direkten (persönlichen) Gespräch auseinandergesetzt. (Meinem Vater, das war noch in der DDR, wurde ob seines Widerspruchs gegen einen Bescheid Haft angedroht, was wohl nur auf Grund des vermittelnden Charmes meiner Mutter abgewendet werden konnte …) Naja, das klingt nun arg altbacken, und ganz bestimmt hätte der polnische Autor ohne all diese Umwälzungen in den vergangenen 22 Jahren einen freien Zugang zum Netz.

    Sorry für diese politische Inkorrektheit. Aber teilen Sie dem Autor vielleicht mit, dass es möglich sein könnte, dass er viele Menschen verletzt. Vielleicht sollte er mal mit einem Solidarnosc-Mitglied sprechen. Und nicht so verdammt ahistorisch sein. Was der Autor hier als Errungenschaft seiner Generation preist, gab es in seinem Umfeld schon vor etwa dreißig Jahren. Ganz ohne Netz.

    Ich liebe das Web. Ob die Zeiten durch das Web besser geworden sind, weiß ich nicht.

    Eines weiß ich aber: In zehn Jahren (vielleicht eher) wird die heutige Internet-Generation genau so belächelt werden wie wir (die „Ganz-kurz-vor-dem-Internet-Generation“) heute belächelt wird.

    Und wahrscheinlich wird man auch sie erbärmliche Spießer nennen.

  27. Sehr guter Text!

    Die Welt wurde nicht besser mit dem Internet, sie hat sich aber gravierend dadurch verändert und wird das in absehbarer Zukunft noch tun!

    Die „Kinder des Netzes“ werden nicht verstanden bzw sie verstehen nicht die Leute, die das Netz als neues Phänomen wie Autos und Radio betrachten.

    Internet ist eine grundlegende Kulturtechnik nach der Sprache und der Schrift! Und wie die zwei vorherigen Techniken das Leben verändert haben (in Handel, Wissenschaft, Religion, Politik, Kunst etc.), so tut es auch diese.

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