Datenschutz

Pseudonym ist besser

Seit letztem Jahr wissen wir, dass Blogger unter Pseudonym für glaubwürdiger gehalten werden, seit diesem Jahr, dass Kommentatoren mit Pseudonymen besser sind. Jedenfalls wenn man den jeweiligen Untersuchungsergebnissen glaubt.

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Ob das was mit geringerem Sendungsgbedürfnis und dem Zurücknehmen-können der eigenen Person zu tun hat? Die Zahlen der Firma Disqus geben darüber leider keine Auskunft. Allerdings liefert ein anderer Mechanismus eine nette Alternativhypothese: Klarnamensidentifikation war gleichbedeutend mit Über-Facebook-eingeloggt-sein. Schreiben Personen, die sich bei anderen Diensten über Facebook einloggen, im Schnitt weniger intelligente Kommentare? Man möchte es nicht ausschließen. Ebensowenig wie die Vermutung, dass die Kommunikation innerhalb von Facebook intelligenter wird wenn der Datenschutz verbessert und Pseudonyme zugelassen werden.

Weitere Kritikpunkte hat Spiegel Online aufgeführt:

Da Disqus aber nicht erklärt, wie genau gewichtet und ausgewählt wurde, ist bei der Interpretation der Ergebnisse aber Vorsicht geboten. Auch ist nicht klar, wie die Zahlen überhaupt zustande kamen: Die Infografik suggeriert, dass Daten aller 600 Millionen Disqus-Nutzer erhoben wurden; ein Nutzer kann aber mehrmals als Unique User auftauchen, etwa indem er oder sie abwechselnd anonym, pseudonym und mit Klarnamen postet.

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8 Kommentare
  1. Die Studie, auf die sich der erste Satz bezieht, stammt (ich hab deinen Artikel gelesen) von 2006 – da waren Blogs grade erst aufgekommen! Das kann man m.E. für heute nicht übernehmen.

    Dass Kommentatoren mit Pseudonymen „besser“ sind, würde ich aus den Disqus-Zahlen NICHT schließen. Angegeben werden sogenannte „Quality-Signale“ – nämlich

    -> wie oft ein Kommentar geliked bzw.
    -> wie oft auf ihn geantwortet wird.

    Kann man DARAN wirklich erkennen, wie GUT er ist?

    Aus meiner Blog-Erfahrung verwenden Trolls in aller Regel Pseudonyme – gleichzeitig fordern sie oft deutlich mehr Reaktionen heraus als sachliche Kommentare. Das dann als „Quality-Signal“ zu verstehen, finde ich SEHR diskussionswürdig: auch hier ist MASSE nicht gleich GUT!

    (Eine Aufschlüsselung in „likes“ versus „Kommentarzahl“ gibt die Seite leider nicht her!)

  2. Zum letzten Satz im Spon-Zitat: Das ist ja kein Problem, denn auch wenn das eine signifikant große Gruppe von Personen so täte – also so viele, dass die der Untersuchung zugrunde liegende Datenmenge von solchen Leuten abhinge – würde das die Ergebnisse auch nur bestätigen.

  3. Ich vermute mal dass Leute die nicht im Klarnamen schreiben, freier sind bei dem was sie schreiben. Sie sind unabhängig von jeglichen gesellschaftlichen Vorurteilen.

    Genau dies macht diese häufig sympatischer. Selbiges gilt ebenso für die Kritiker jener.

    Bei intelligenten Menschen kann ich mir auch nicht vorstellen dass diese nicht in der Lage sind solche Autoren einzuschätzen. Allerdings birgt dies auch wieder Gefahren in sich wenn es sich um labile Menschen handelt. Im allgemeinen Zeichnen sich für mich Menschen mit Nickname nur dann aus wenn diese sich nicht vollends hinter diesen verstecken müssen, sondern dann auch irgendwann interna ihren eigentlichen Namen Preis geben.

  4. Ich gebe ClaudiaBerlin vollkommen Recht mit ihrer Einschätzung. Das sehe ich sehr ähnlich. Es mag sein, dass Jemand, der sich in der Deckung eines Pseudonyms glaubt, sich leichter tut mit Rants. Es mag sein, dass das von (ähnlich gepolten?) Anderen besonders gemocht wird. Hier spielt wohl die reichlich schnoddrige Ausdrucksweise der Helden einiger US-Amerikanischer TV Serien eine Rolle. Diese geradezu zwanghafte Coolness führt aber noch lange nicht zu qualitativ hochstehenden und intelligenten Beiträgen.

    Allerdings war Masse vs. Klasse schon seit jeher ein Thema im Internet und ganz besonders in Blogs. Aufmerksamkeit war und ist die Währung. Wenn man also Qualität mit Erfolg gleich setzt, dann ist da vermutlich schon was dran an dieser Statistik.

  5. Also generell bin ich lieber unter Pseudonym unterwegs. Ich war aber auch schon in einer (mitlerweile geschlossenen) Klarnamen-Community unterwegs und muss sagen, dass dort meiner Meinung nach meist sehr intelligente (auch politische) Diskussionen in alle möglichen Richtungen geführt wurden, die mitunter auch mal ziemlich hitzig ausfallen konnten. Zugegeben war dort aber auch das Durchschnittsalter ungewöhnlich hoch. Ich habe mich dort durch den Klarnamen nicht wirklich eingeschränkt gefühlt. Was allerdings durchaus der Fall war und was ich sonst nirgends so erlebt habe: Dass einige Leute sehr fix bei der Hand waren, anderen mit dem Anwalt zu drohen, wenn ihnen die eine oder andere Aussage nicht gepasst hat (ich wüsste aber von keinem Fall, wo es dann auch wirklich zum Äußersten gekommen ist).

  6. Bescheuert finde ich ja Blogs, auf denen mensch nicht mehr kommentieren kann ohne sich zu authentifizieren oder einen Account bei livefyre oder ähnlichen Services zu machen.

  7. Claudia: Ein Troll-Beitrag ist zwar trollig, aber wenn er provozieren möchte und das erreicht hat er offensichtlich eine gewisse (Troll)Qualität erreicht.
    Auf Rumpöbelei mit Rechtschreibfehlern folgen weniger Diskussionen als auf eine gelungene Polarisierung.

    Und ja, ich denke auch, dass Blogs vom (anonym) kommentieren leben. Pseudonym auf jedenfall, im besten aber sogar noch anonym. Fixmbr geht mit positivem Beispiel voraus.

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