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Na also, geht doch

Manchmal macht eine Regierung einfach mal was richtig. Die Regionalregierung des Baskenlandes in Spanien hat beschlossen, dass mit Steuergeldern entwickelte Programme in Zukunft als Freie Software veröffentlicht werden sollen.

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Das Gesetz passiert gerade die letzten formalen Hürden. Wenn Organisationen des öffentlichen Sektors Computerprogramme entwickeln lassen, landen die ab jetzt auf einer extra dafür aufgesetzten Website, und stehen unter einer freien Lizenz.Dort kann sie jeder herunterladen und anschliessend verwenden, verstehen, verbreiten und verbessern – wie sich das eben für Freie Software gehört.

Dieses regionale Verzeichnis steht in Verbindung mit anderen spanischen Regionen, die das Gleiche machen – Andalusien, Extremadura, Katalonien und einige andere. Eine Verbindung zum europäischen Gegenstück Joinup kommt hoffentlich auch bald. Bevor eine Behörde eine Neuentwicklung in Auftrag gibt, kann sie so schauen, ob es die entsprechende Software nicht schon irgendwo anders gibt. Das spart Geld und Zeit, und bedeutet nebenbei auch, dass Behörden dank Offener Standards leichter zusammen arbeiten können.

So weit, so vernünftig. Ich hatte vor ein paar Monaten die Gelegenheit, den Gesetzentwurf zu kommentieren, und kann nur sagen: So schwer ist das nicht.

Und was sagen die betroffenen Firmen dazu? Die freuen sich. Als ich vor knapp zwei Jahren im Baskenland unterwegs war, sagte mir ein örtlicher Software-Unternehmer: „In Andalusien haben die schon so ein Gesetz. Die Firmen dort kriegen jede Menge Aufträge, und werden immer besser und größer. Wenn wir dieses Gesetz nicht auch kriegen, nehmen die uns die Butter vom Brot.“ Inzwischen hat die Regierung erkannt, dass Freie Software ein Motor für die regionale Hightech-Industrie ist.

Also, liebe Bundesregierung, liebe Länder: Ab wann kriegen wir die Programme, für die wir bezahlt haben?

(Mehr Details bei El País auf Spanisch)

Update: Nicht nur Deutschland, auch andere Länder haben noch einen langen Weg vor sich. In Großbritannien hat die Regierung die Öffentlichk,eit ausführlich zu Freier Software und Offenen Standards befragt, und damit eine beachtliche Lobbyschlacht angezettelt. Wir von der Free Software Foundation Europe haben unsere Antworten auf die Konsultation vor ein paar Tagen eingereicht. (Vollversion, .pdf)

 

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8 Kommentare
  1. Ich glaub nicht, dass ich Telekom und Co. freiwillig der Lächerlichkeit preis geben. Da wird dann irgendwas von Untergang des Abendlandes oder so ein Käse kommen.

  2. Das ist eine absolut prima Idee … Wir Steuerzahler zahlen die Software doch sowieso; vielleicht können sogar „Hobby“-Programmierer die Verwaltungssoftware optimieren; mal gespannt, was aus dieser Idee wird …

    Danke und Gruß,
    Stephan

  3. Ich arbeite im Moment als Angestellter einer deutschen Softwarefirma an einer Software für den schweizer Staat.

    Wenn diese Software nach schweizer Gesetz als freie Software veröffentlich werden müßte, könnte ich in Zukunft für andere Firmen oder direkt für die Schweiz an der Wartung der Software arbeiten. Heute muß ich, wenn ich das tun will, bei meiner jetzigen Firma angestellt bleiben. Meine angesammelten Spezialkenntnisse über unsere Software werden so durch das Urheberrecht auf dem Arbeitsmarkt entwertet.

    Angestellte Urheber werden durch das Urheberrecht nicht begünstigt, sondern, genau wie die Nutzer, benachteiligt. Nur die leztendlichen Besitzer der Verwertungsrechte haben einen Vorteil, das sind aber meist Firmen, insbesondere Verlage, keine Urheber.

    Ich finde die letzten Pressemitteilungen der Piraten nach dem Tenor „Kreative, wir müssen reden.“ in diesem Sinne grotesk. Es muß gar kein Ausgleich zwischen Urhebern und Nutzern gesucht werden, die sitzen ohnehin schon im selben Boot. Das Problem ist die per Gesetz verankerte Monopolstellung von Verlagen.

    Diese Initiative ist genau der richtige Ansatz, um das System aufzubrechen, und ich Hoffe, daß sie sich international als Standard etabliert.

  4. Na klar, die Idee ist gut und Grundsätzlich zu unterstützen aber…

    Schaut Euch mal an, was mit den aus Steuergeldern und Gebühren produzierten Beiträgen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten passiert.
    Solange eine Politik sowas zuläßt, wird sich in Deutschland nichts in der Richtung bewegen :(

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