Kultur

Facebook und der Schwanzhund

Peter Glaser hatte ein Hundebild gebloggt, das im Kopf vieler Menschen sicherlich zweideutige Assoziationen auslösen könnte. Mit Verweis auf Loriot hat er das Bild mit Schwanzhund betitelt. Facebook fand das anstössig und so musste sich Peter Glaser verwarnen lassen. Daraufhin hat er einen wunderbaren Text geschrieben, der die Absurdität der Aktion nochmal gebührend beschreibt: Facebook und der Schwanzhund.


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Das Geschäftsmodell von Facebook besteht nicht darin, eine neue soziale Öffentlichkeit zu schaffen, wie viele irrtümlich glauben. Der Raum, in dem die 800 Millionen Facebook-Nutzer sich bewegen, ist keine Öffentlichkeit – es ist der Verfügungsbereich von Privatunternehmen. Und die haben das Hausrecht, wie in einer Kneipe oder in einem Einkaufszentrum. Sie können mich rausschmeißen, wenn ihnen meine Nase nicht passt oder mich gar nicht erst reinlassen. An der diktatorischen Kultur des Türstehertums kann man sich schon seit längerem an die wachsende Willkür der neueren Zeit adaptieren.

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14 Kommentare
  1. Ein Grund mehr, soziale Netzwerke wie FB nicht zu nutzen. Der detaillierte Blick in die AGBs, die mehr nach einer „Du hast zu tun, was wir Dir sagen Bibel“ entsprechen, sollte einen davon abhalten, Mitglied zu werden.

    Ich verstehe die ganze Aufregung aber dennoch nicht, denn wir haben es in der Hand, wer unsere Daten bekommt. Also, mehr unter realen Leuten sein, als sich durch die US Behörden ausspionieren zu lassen und dann noch zu meckern. Ich nutze das Internet schon lange, aber meine Skepsis gegenüber den Datensammlern und Finger-hoch-Zeigern ist gestiegen.
    P.S.
    „es ist der Verfügungsbereich von Privatunternehmen “ kann ergänzt werden mit „Sicherheitsbehörden, Militär und korrupten Politikern.“

  2. Ich habe ähnliche Erfahrungen in einem anderen Portal gemacht.
    Ich hatte ein Foto von einem Ballon, der einen Allerwertesten, allerdings mit Stringtanga bekleidet, eingestellt.
    Der war der Betreiberin aber ein Dorn im Auge, so das ich gebeten wurde in wieder rauszunehmen.
    Sehr freundlich von ihr mich darauf hinzuweisen, immehin besser ihn gleich zu löschen.
    Was mir nur ganz allgemein auffällt, ist die neue Prüderie, die mehr und mehr überall Einzug hält.
    Auch im Netz, vor allem bei den amerikanischen Seiten und Portalen, egal welchem Genre oder Coleur zugehörig.
    Aber auch bei uns macht sich dieses Phänomen immer mehr breit.
    Ich erinnere mich da an Zeiten….lächel

  3. mümümümümü, ich will mit den anderen kindern auf dem spielplatz spielen, ich find den aufpasser und seine regeln aber doof, mümümümümü.

    selber schuld.

  4. Ich finde den Grundton in ambees Kommentar, der sehr vielen auf Futurezone gleicht, sehr bemerkenswert:

    Mittlerweile verbringen sehr viele Menschen sehr viel Zeit ihres Lebens in „privaten“ Räumen wie etwa Facebook oder beispielsweise Einkaufszentren. Der öffentliche Raum ist privat geworden – wie es so schön in Herrn Glasers Artikel heißt. Immer mehr Raum unseres Lebens wird von privaten Firmen erschlossen – um eben auch immer mehr Möglichkeiten Geld zu verdienen zu erschließen. So weit so bekannt.

    Das wirklich bemerkenswerte daran ist, mit welcher Gleichgültigkeit die dort herrschenden Regeln für völlig natürlich – quasi gottgegeben – gehalten werden.

    Demonstranten werden aus Flughäfen und Shoppingmalls herausgeprügelt? „Mümümümü. Ist doch völlig klar. Das hier ist ein privater Raum. Ihr müsst euch dem Hausherrn beugen. Selber Schuld.“

    ch bin gespannt wie das in ein paar Jahren aussieht, wenn es quasi keine öffentlichen Räume mehr gibt weil alles privatisiert wurde.

    Meinungsfreiheit? Das Recht zu demonstrieren? Klar, das dürfen wie noch zu hause vor der weißen Wand. Aber nicht im Internet und auch nicht draußen auf der privatisierten Straße. Ist doch logisch. Ist doch alles privat. Der vorauseilende Gehorsam das natürlichste der (privaten) Welt.

    1. „Der öffentliche Raum ist privat geworden“

      facebook und einkaufszentren waren noch nie öffentlich. wer sich dort hineinbegibt musste sich schon immer an die dort aufgestellten regeln halten.

      ich habe auch noch nirgends eine öffentliche straße gesehen die privatisiert wurde. ich habe meinen internetanschluss auch nicht bei facebook, sondern bei einem provider der mich die straßen benutzen lässt die ich will.

  5. Besser, man kastriert alle Jungs zu ihrem eigenen Schutz – und möglichst vor dem Einsetzen des Schamhaarwachstums. Nicht auszudenken, welche Traumata da einsetzen könnten. Ruinierte Seelen.

  6. Das Internet wird in Länder aufgeteilt. Mit Schranken Passkontrollen und Aufenthaltsgenehmigungen.
    Wenn man von Facbook-Land nach Google-Land will, wird man an der Grenze gewarnt „sie verlassen Facebook“ und in Google-Land wird man nach seinem Pass gefragt „Login“. Wenn man keinen Pass hat hat man zu machen Einrichtungen keinen Zutritt.
    An eigenen Währungen wird ja schon eifrig gearbeitet.
    Schöne neue Welt.

  7. Tja, und wieder!
    Ihr wollt es ja praktisch so.
    Löscht einfach euren Account wenn euch das nicht passt. Wie dumm sind denn eigentlich Menschen, wenn sie sich an das richten, was ihnen einer vorschreibt, nur damit sie “mitspielen” dürfen.
    Gott sei Dank! habe ich schon von klein an gelernt, ICH zu sein.
    Die Leute lassen sich echt alles gefallen von Fazzebook, nur weil sie “drin” sein wollen.

  8. Tja, was die Prüderie betrifft: Man sollte nicht vergessen, dass die grossen „Social Medien“ unter amerikanischer Federführung betrieben werden und dazuhin noch mehr oder weniger Monopolisten sind. Und da wundert es natürlich nicht, dass 9-jährige im Knast landen und „Schwanzhunde“ geächtet werden……

  9. Es ist doch immer wieder schön, wenn FB-User was lernen. Wobei sie aber nicht die Konsequenz ziehen, nämlich den Rückzug.

    Da sollte der Bedauernswerte dran arbeiten.

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