In einer letzte Woche vorgestellten Studie von Eytan Bakshy ergibt sich ein überraschendes Resultat: Die Nutzung des Internets, speziell sozialer Netzwerke wie Facebook, führe nicht wie zuvor behauptet zu einseitiger Information aus den immer gleichen Quellen. Im Gegenteil bekämen Nutzer ein breiteres Spektrum an Nachrichten zu Gesicht.
In den letzten Jahren erfreuten sich die Theorien der „Echo Chamber“ und der „Filter Bubble“ von Eli Pariser großer Beliebtheit. Sie besagen, dass Internetnutzer sich immer mit Informationen aus den gleichen Quellen versorgen und andere Sichtweisen nicht zulassen würden. „Intelligente“ Algorithmen in Suchmaschinen und sozialen Netzen wie Googles PageRank oder Facebooks EdgeRank, die dem Nutzer nur die Informationen anzeigen, die für ihn von Interesse sind, würden diesen Prozess unterstützen. Auf lange Sicht führe dies zu einer Aufspaltung der (digitalen) Gesellschaft in kleine, abgeschottete Interessengruppen.
Die neue Studie wirft ein neues Licht auf die Rolle der sozialen Medien bei der Nachrichtenrezeption: Durch die Manipulation der Facebook-Newsstreams von 125 Millionen Usern war es möglich, eine „Blindstudie“ durchzuführen. Dazu wurde die Facebook-Gemeinde in zwei Gruppen aufgespalten: In der Kontrollgruppe wurde nichts verändert, während in der Timeline von Usern der eigentlichen Testgruppe etwas seltener Nachrichten von Personen angezeigt wurden, die weniger oft in Kontakt zur jeweiligen Testperson standen. So wurde beobachtet, wie sich Nachrichten aus externen Quellen (also Weblinks) durch das Facebook-Netz verbreiten.
Es stellte sich heraus, dass in der Regel die meisten Nachrichten, die ein User liked oder kommentiert, diejenigen sind, die aus dem engeren Freundeskreis stammen. Das ist an sich nicht überraschend. Es stellte sich aber heraus, dass Facebook-Nutzer fast genauso gerne Links von weiter entfernten Freunden weitergeben. Da aber die meisten Facebook-Nutzer weniger „enge Freunde“ als „entfernte Bekannte“ haben, verbreiten sich neue Sachverhalte über Facebook schneller und effizienter als zuvor angenommen.
Die Studie wurde mit Einverständnis und in Zusammenarbeit mit Facebook durchgeführt. Vor allem die schiere Größe der Testgruppen macht dieses Experiment einzigartig: 250 Millionen Menschen nahmen über sieben Wochen lang daran Teil – und merkten es nicht einmal. Beobachtet wurde die Verbreitung von über 75 Millionen externen Links. Das wirft auch ein neues Licht auf die Manipulierbarkeit sozialer Netzwerke – wer garantiert, dass die Bewertungsalgorithmen immer neutral oder zum Besten des Users agieren?
Mal schauen, was die nächste Studie zum Thema sagt. Die kommt dann vielleicht wieder zum gegensätzlichen Ergebnis.