Kultur

FAZ-Reportage über Plagiatsjäger

Die FAZ hat eine längere Reportage über einige Macher des GuttenPlag- und Vroniplag-Wikis und ihre Motivation: Jagd auf Plagiatoren – Die Scanner.


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Sie haben die Plagiate bei Karl-Theodor zu Guttenberg entdeckt, bei Veronica Saß und bei Silvana Koch-Mehrin. Aber keiner kennt ihre Namen. Wer sind die Leute, die Deutschlands falsche Doktoren zu Fall bringen?

10 Kommentare
  1. Teilweise Paradox, wenn man überlegt, was ein Aufwand der User betrieben wird, um bestimmte Dinge an die Öffentlichkeit zu bringen und dabei selber keine Informationen über sich herauszurücken. Evtl. verständlich, aber dennoch Paradox.

  2. Nö. D ist eine Neid- und eine Statusgesellschaft. Das passt schon gut zusammen :)

    Aber die Plagiate habe schon eine unterschiedliches Niveau. Auf wenn eine Plagiat ein Plagiate ist, sollte man auf der nach oben begrenzten Guttenberg-Scala etwas unterscheiden.

    Zudem ist es relative leicht wenn alle digitalisiert ist und man nicht sofort wegen Verleumdung verklagt werden kann. So wäre es vermutlich früher gelaufen („Rufschädigung, etc.) und da hat niemand Lust drauf (langwieriger Gerichtskram) .

    1. Na, ist doch klasse, dass jetzt Betrügereien schneller aufgedeckt werden können. Ich als Diplomer sehe jedenfalls nicht ein, warum ich meine Diplomarbeit in mühevoller Kleinarbeit entwickeln soll, wenn c&p-Hengste das mal eben zusammenkopieren und dafür eine gleiche oder bessere Note kriegen. Das ist schlichtweg unfair. Ich sehe die Jäger deshalb nicht als Neidhammel, sondern als Hüter der Gerechtigkeit.

      Mal bei der Gelegenheit, wieso eigentlich der Verweis auf Neid? Zusammenpasten kann ja wohl jeder.

      1. Du hast meinen Kommentar nicht verstanden, dass ist vermutlich meine Schuld. Was ich schreiben wollte, ist, dass beides keinen Sinn macht:

        Das streben nach Status, schlechte Lehrende, ellenlange Arbeiten die Menschen Jahre Ihres Lebens kosten, etc. pp.

        Auch ein Genie kann Formfehler machen. Bei der Wissenschaft kommt es darauf an wissenschaftlich zu arbeiten. In der Form sind kleine Fehler erlaubt, so lange man korrekt zeigen kann, was man will und ggf. wenn man es weiß, die Leute zitiert von denen man was weiß.

        Die meisten heutigen Dr. Arbeiten sind sinnlos, es geht mehr um den Status/das Gehalt. Früher waren die jetzigen Diplomarbeiten (hey, Du bist älter, eh?) Doktorarbeiten, solange sie kurz und knapp etwas Neues mit wenig geklärten und den vielen offenen Fragen beschrieben haben.

        Die heutigen Arbeiten sind fast durchgängig (es gibt überall Ausnahmen) zu 85 % Prozent Zusammenfassungen von dem was vorher war. Das kann man als Vorübung machen, als Arbeit ist das langweilig. Dann lieber eine Literaturstudie zum Thema abgeben und nachher die Arbeit.

        (Disclaimer: Habe etwas bei guttenplag mitgespielt)

  3. Apropos Plagiate. Dieses Blog ist doch ebenso eines. Da man über alle politischen Topoi — auch über jene, die gar nichts mit dem Internet zu tun haben — im Internet bloggen kann, wird von euch jede noch so kleine Nichtigkeit zu „netzpolitisch“ Relevantem aufgeblasen, was zur Folge hat, dass ihr euch für alles und jeden zuständig fühlt. Ihr leidet an Hybris im Endstadium. Ihr solltet euch den Spruch „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ zu Herzen nehmen und gaaaanz kleine Brötchen backen.

  4. Im der Reportage vermisse ich den Herrn Professor Fischer-Lescano und das Institut Solidarische Moderne (ein linker „Think Tank“ gegen „Neoliberalismus“ etc. etc.) Fischer-Lescano war Gründungsmitglied (u.a. mit Andrea Ypsilanti, Katja Kipping von der Linkspartei). Und eben jenem Professor fielen die fehlenden Fußnoten in der Guttenbergschen Doktorarbeit auf.

    1. Und die Tatsache, dass Fischer-Lescano politisch links ist und das Institut Solidarische Moderne mitbegründet hat ändert irgend etwas an Guttenbergs Plagiat?

      1. Ja, natürlich!!1!!11!

        Man fragt sich vielmehr: warum ist es eigentlich niemanden AUSSER Fischer-Lescano aufgefallen?

        Noch zwei cent: dass die Dissertationsschriften mehrerer Leute aus dem konservativ-neoliberalen Bereich der Parteienlandschaft von den sie promoviert habenden Universitäten untersucht und womöglich bemägelt werden, könnte auch damit zu tun haben, daß dort dem Doktorgrad eine wichtige soziokulturelle Bedeutung zugeschrieben wird, welche durchaus als Karrierevoraussetzung zu werten ist. Oder, zu deutsch: wer im Glashaus sitzt, sollte halt in den Keller scheißen gehen – sonst hat er womöglich Zuschauer.
        *scnr*

      2. Es gibt bestimmt lustige Dr.-Netzwerke bei verschiedenen Parteien. Einige Graduiertenkollegs mit eher älteren Studenten aus einer bestimmten Richtung gibt es bestimmt, wenn man mal genauer am sozialen Graphen herumsucht … Ich glaube einige experimentieren damit auch bei vroniplag herum. Fr. Schröder geht auch etwas in diese Richtung.

        So richtig offenlegen kann man diese Seilschaften aber vermutlich nie. Was solls auch? Guttenberg und andere waren auch so für einige Leute vorher als Blender zu erkennen, andere glauben es bis heute nicht …

  5. Die Manie der Plagiat-Macherei, d.h. „abschreiben“ oder „ohne Herkunft nutzen“ ist doch merkwürdig einseitig. Angekündigt wurde, dass alle Bundestagsmitglieder mit Doktor-‚Titel gesichtet werden, aber ich sehe nur wenige – und dabei anscheinend einseitig – damit konfrontiert.
    Wissenschaftliches Arbeiten heißt nach den Regeln, „Neues“ zutage fördern, dabei ist das Zitieren fremden Textes entweder eine Übernahme oder eine Ablehnung (Negativum). Sicher gehört korrektes Zitieren zu den Grundfertigkeiten der Herstellung eines anspruchsvollen Textes oder einer Veröffentlichung, aber vieles in der Journalistenwelt wird gar nicht mit Quellen oder Herkunftsvarianten belegt; die Hintergrund-Information wird ausgeblendet. In der Wirtschaft ist es sogar nicht selten, dass man „gute“ Gedanken eines anderen in der Schublade versch2winden läßt und später als seine eigenen ausgibt.
    Das Merkmal von Plagiaten suchen mit Hile von Computern ist trivial, das Herausfinden von Geistesleistungen – womöglich in der Doktorarbeit – dagegen nicht. Und in der Rangfolge steht das eine vor dem anderen.

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