Kultur

Fake-PM weist zu Guttenberg kommerziellen Ghostwriter nach

Ein schönes Beispiel für einen kleinen (und sehr wahrscheinlichen) Medienhack gab es eben auf Twitter und Facebook zu bewundern. Dort wurde rasch von vielen ein Link zu einer Pressemitteilung der Firma Stylometris Inc. verteilt. Diese schrieb, dass die Dissertation von zu Guttenberg „mit großer Sicherheit“ von einem „akademischen Ghostwriter“ verfasst wurde und dass man dies „mittels moderner Textanalyse“ entdeckt habe. Klang erstmal nachvollziehbar, wo immer mehr konkrete Plagiatsfälle von vielen Medien und kollaborativ im GuttenPlag-Wiki gefunden werden.

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Nur: Bei Google findet man nur diese eine Pressemitteilung der Firma und sonst nichts, die Domain wurde laut whois heute angemeldet und dabei wurde ein Domain-Proxy-Dienstleister genutzt, so dass man nicht genau weiß, wer sie angemeldet hat. Und unter der angegebenen Adresse Friedrichstr.171 findet sich die Deutschen Bureau AG, die gerne für Weitersendungen genutzt wird.

Trotzdem wird diese Meldung immer noch weiter verteilt.

Hier ist die Pressemitteilung dazu:

PRESSEMITTEILUNG v2011-02-17

– Stylometris Inc. untersucht Doktorarbeit: Nutzte zu Guttenberg einen Ghostwriter? –

Die Stylometris Inc. untersuchte die Doktorarbeit „Verfassung und Verfassungsvertrag: Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ von Karl-Theodor zu Guttenberg. Mittels moderner Textanalyse erfolgte ein Abgleich mit Schriften, die bereits Gegenstand von Titelerschleichungen waren.

„Wir können mit großer Sicherheit sagen, dass zu Guttenberg einen akademischen Ghostwriter nutzte,“ erläutert Torben Klaus, Geschäftsführer der Stylometris Inc. (DACH). „Es liegen deutliche Ähnlichkeitswerte zu einem bekannten Betrugsfall vor. Leider wurde unsere Untersuchung erschwert, da wir zunächst in großem Umfang plagierte Textstellen entfernen mussten. Wir bieten der Universität Bayreuth unsere Unterstützung an.“

In Zusammenarbeit mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt Stylometris Inc. computergestützte Verfahren für forensische Linguistik. Schwerpunkt bildet die sog. Stilometrie (engl. Stylometry). Diese statistische Methodik eignet sich zur Identifikation anonymer Autoren.

Stylometris Inc. bietet Dienstleitungen für Unternehmen und staatliche Stellen. Die Niederlassung Berlin berät Kunden im deutschprachigen Raum (DACH). Im Auftrag von Hochschulen prüft Stylometris Inc. wissenschaftliche Texte, wie Dissertations- und Habilitationsschriften.

Stylometris Inc. (DACH)
Friedrichstrasse 171
D-10117 Berlin
dach@stylometris.com

Pressekontakt:
Johanna Dorian
presse@stylometris.com

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37 Kommentare
  1. Eine Strategie von Guttenberg-Freunden, um Verwirrung zu stiften und auch andere Vorwürfe in den Ruch des Fakes zu bringen? Ach, Guerilla-Strategie, Du unberechenbares Biest!

    1. Jeder zweitklassige Hobbypsychologe kann an der Mimik Gutenbergs ablesen, dass er lügt während er sagt: „und sie enthält fraglos Fehler“.
      Denn statt aufrichtiger ernsthafter Mimik zeigt er unbewusst, dabei ein Lachen. Fraglos stimmen hier Aussage und Mimik nicht überein. Die Schlüsse darauf muss jeder selbst ziehen. Hier liegt offenbar ein Widerspruch vor, der meines Erachtens darauf hindeutet, dass es sich hier nicht um ein paar Fehler handelt, sondern um ganz großen Beschiss, von dem Gutenberg weiß es aber nicht zugeben will.
      Vergleiche bei Minute 3:39:
      http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=6517094

  2. #1 Das Polemik von Leuten wie Günter Krings und Dobrindt ist einfach peinlich. Am Rücktritt kommt Guttenberg nicht vorbei aber die stiften einfach dreist Verwirrung und beschimpfen den politischen Gegner und betroffene Akademiker. Dabei hält sich zum Beispiel die SPD sehr bedeckt, weil der Fall so eindeutig ist.

    Peinlich, peinlich für die Christdemokraten. Man fühlt sich an die alten Einheits-Kanzler-Kriecher erinnert.

    Und dann das ZDF. Wie kann einer wie Wolfgang Herles so einen riesigen Unsinn reden, und dann auch noch von einer „Lichtgestalt“ sprechen, wo sind wir denn?
    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/20/0,3672,20,00.html?dr=1

    Man dachte immer, so etwas wie FOX News ginge in Deutschland nicht, aber die lügen einfach dreist drauf los und denken und verarschen die Teile der Bevölkerung, die nie an der Hochschule waren. Gibt es eigentlich noch Menschen in unserem Lande, die zu Werten stehen? Die wissen doch alle, dass Guttenberg zurücktreten muss, weil sein Fehler absolut untragbar ist.

  3. Die Blaublütigen müssen doch sparen, wo sie doch nicht mehr wie früher Wegzölle verlangen dürfen. War wohl ein billiger Ghostwriter. Meine Häme hält sich in Grenzen, Guttenberg ist eh unfähig und ein Doppelnull-(also NUR Doppelnull)-Agent der USA.

    gruß

  4. hm, jetzt will ich aber schon wissen wer dahinter steckt um auf die Motivation schließen zu können.
    Privatperson würde ich mal ausschließen. Ne andere Partei?
    Es ist schon fast schade das man das so schnell als Fake entlarvt hat. Damit ist leider keine Reaktion von Guttenberg mehr zu erwarten, die damit vielleicht social engineerd werden sollte. :)

  5. Schade, wuerde schon gern wissen wer dsa jetzt war. Dann könnte man erahnen was der Hintergedanke war.

    Privatperson würde ich ausschließen, ne andere Partei vielleicht? Auf jedenfall schon fast schade das es so schnell aufgedeckt wurde. Somit kann man leider keine brauchbare Reaktion von Guttenberg mehr erwarten. Und vielleicht war das ja die Intention, das er sich dadurch verplappert oder so. Wäre ein netter social engineering hack gewesen :)

  6. Als ich das las, dachte ich an die Redewendung „Angriff ist die beste Verteidigung“.

    Selber einen oben drauf setzen, um aufzuzeigen, dass man eigentlich nur das Opfer ist.

  7. Wer von Euch hat denn (schon mal) eine Dr.-Arbeit geschrieben oder in Angriff genommen?
    Dann möge sie/er hier kurz wiedergeben, wie das mit dem zitieren von und den fußnoten und den quellenangaben so läuft oder laufen sollte.
    danke – wegtreten – ohne meldung ab

  8. @17 Jadzia

    „Dann möge sie/er hier kurz wiedergeben, wie das mit dem zitieren von und den fußnoten und den quellenangaben so läuft oder laufen sollte.“

    Kumpel von mir hat seine Hausarbeit nach diesen Regeln verfasst. Kann ja nicht so schwer sein.

  9. Wer hätte das gedacht, dass unser Saubermann Guttenberg nicht einmal seine eigene Doktorarbeit schreibt. Das sagt uns viel darüber wie er sonst so arbeitet. Ich bin wirklich gespannt was das für Konsequenzen nach sich ziehen wird.

  10. natürlich hatte er einen ghostwriter:

    theorie 1: er schreibt die doktorarbeit selber, klaut an 30 stellen (http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Plagiate), unterschreibt die ehrenwörtliche erklärung die arbeit selber angefertigt zu haben und zitate korrekt ausgewiesen zu haben (§8 der promotionsordnung jura bayreuth) und veröffentlicht sie dann noch freiwillig über einen verlag. wäre sehr sehr dämlich.

    theorie 2: er stellt einen ghostwriter ein, dieser klaut die arbeit zusammen (weil er die deadline nicht halten kann, oder weil er es einfach nicht besser kann) und gibt sie guttenberg. der ghostwriter wäre geradezu bescheuert, wenn er nicht copy&paste machen würde, weil guttenberg sich nie über ihn beschweren kann. er muss eher angst haben, dass der ghostwriter nicht noch geld nachfordert und ansonsten an die presse geht. klingt doch viel realistischer.

  11. Schön,daß es solche Blogs wie die hier gibt !

    Der Mann und diese „Demo“ Demokratie wird noch als Fußnote enden ;),wenn das so weiter geht.

    Lieber FREIHERR,beweisen Sie endlich mal Charakter und treten Sie freiwillig zurück!

    Ein Hoch auf das freie Internet(t) :)

    Gruß,Hennes van Aken

  12. @17 Man kann es natürlich so langatmig und umständlich formulieren, wie in dem von #20 verlinkten Dokument meiner alten Verbildungsstätte.

    ‚et jeht abba auch simpler:
    Schreibe und argumentiere so, daß jeder Punkt jederzeit mit den einfachen Mitteln der Logik nachvollziebar ist. Du brauchst Deinen Kopf nur für Deine eigenen Ideen hinhalten, also versichere Dich bei möglichst vielen Teilen Deiner Arbeit der schon publizierten Zustimmung von Kollegen – ’siehe‘ oder ’siehe auch‘ bzw. ‚vergleiche‘, jeweils gefolgt von Angaben über Fundstellen (Autor, Titel, Ort**, Jahr, Seite; bei anderen Medien als Büchern wird’s ein wenig komplexer*) zum Argument, Gedankengang oder Fakt. Bei wörtlicher Übernahme (dann aber richtig, einschließlich Schreibfehlern) Gänsefüßchen, ähem, An- und Ausführung dran und wiederum die Angaben über die Fundstelle/Quelle. That’s all.

    Wie der Fall PlaGutti mal wieder zeigt, ist es im Wissenschaftsbetrieb einfach nur dumm, wenn man nicht mit offenen Karten spielt und sich mit fremden Federn schmückt.Auch im preußischen Wissenschaftsbetrieb, der wesentlich größere Speichellecker- und Senioritätsfaktoren einschließt als z.B. dessen angelsächsische Konkurrenz.

    So long & macht’s einfach besser.

    *Besonderheiten, wie die „korrekte“ Platon-Zitation, lassen wir hier mal beiseite. Solche und ähnliche Dinge betreffen einfach zu wenige Menschen im – global gesehen – kleinen Kreis der Akademiker.

    ** Verlagsangaben sind etwas für Zweiter-Bildungsweg-Professoren.

  13. Was bei Guttenberg angeschoben wurde,
    müßte normaler weise eine Lawine verursachen.
    Das Geschäft mit dem Doktortitel wissen alle.
    Wer macht sich die Arbeit alle Doktórtitel in Politik und Wirtschaft zu untersuchen?
    Was glaubt ihr wieviel Schummler darunter sind?
    Zittern nun alle Doktoren?
    Oder wissen sie ,kein Mensch macht sich so viel Arbeit.
    Warum also will man nur einen vorführen?
    Das riecht gewaltig nach Rache?

  14. Hätte ich auch nur ein Zitat in meiner Bachelorarbeit vergessen – mir wäre der Titel sofort aberkannt worden, genauso wie alle darauf aufbauenden (Master etc.) Zusätzlich müsste ich jetzt wohl mit Schadenersatzforderungen meines Arbeitgebers rechnen.

    Warum wird das Verfahren bei zu Copyberg jetzt also nicht abgekürzt und der Mann gleich rausgeworfen? Gleiches Recht für alle. Erbärmlich, wie sich CDU/CSU/FDP verhalten – es geht ja um keine Unschuldsvermutung, es ist ja bereits offensichtlich und nachgewiesen. Ich bin gespannt, wie die Uni Bayreuth reagiert.

  15. @29 – Wieso Preußen? Bayreuth ist doch tiefstes Bayern. Selbst der weiss-blaue Filz kann das nicht decken. Ich höre die schon wieder in ihrer ganzen Überheblichkeit über die Hochschulen anderer Bundesländer herziehen.

    Nicht nur muss Guttenberg zurücktreten, auch sein Professor Hähnel, nunmehr 70 Jahre, ist eigentlich erledigt. Da ihnen aber gewisse preussische Prinzipientreue abgeht, wird sich das gewiss in Bayern mauscheln lassen.

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