Letzte Woche verkündete Mark Zuckerberg, der Gründer und CEO von Facebook, eine ganze Reihe von neuen Funktionen für seine Plattform. Spiegel Online fasst es so zusammen:
Alle Fotos, alle Videos, alle gelesenen Bücher, jedes selbstgekochte oder im Restaurant eingenommene Essen, überhaupt alle Lebensereignisse in einer Art Endlos-Steckbrief vereint, unten die Geburt, oben die Gegenwart – das ist Facebooks neue Vision von der eigenen Rolle im Leben seiner Nutzer.

Zuckerberg hofft, dass die Nutzer detaillierte Aufzeichnungen über jeden Aspekt ihres Lebens auf Facebooks Servern hinterlassen. Als Nutzer wirst du diese Informationen mit deinen „Freunden“ teilen. Aber letztendlich entscheidet immer Facebook, wer darauf Zugriff hat. (Probiert doch einfach mal, die Daten, die euer soziales Netzwerk ausmachen, aus Facebook zu exportieren und anderswo zu nutzen.)
Das mag ein recht bequemer weg für die einzelne Nutzerin sein, ihre Umgebung auf dem neuesten Stand zu halten. Doch der Effekt summiert sich: Facebook wird quasi sein eigenes Internet.
Aber eben gerade nicht wie das Internet. Das Internet ist dezentralisiert. Facebook dagegen ist einer dieser „walled gardens“, von denen wir gehofft hatten, dass sie mit dem (un)seligen AOL endgültig verschwunden seien.
Facebook ist radikal zentralisiert. Das Internet ist radikal dezentralisiert: Es gibt keinen zentralen Punkt, an dem es kontrolliert und zensiert werden kann.

John Gilmore sagte 1993, dass das Internet „Zensur als technischen Defekt interpretiert und drum herum routet“. Dasselbe sollten wir auch tun.
Es gibt zahlreiche Projekte, die dasselbe wie Facebook (und noch sehr viel mehr) leisten. Der radikale Unterschied ist, dass die Kontrolle bei den Nutzern liegt, nicht bei den Betreibern. Dahinter steckt die grundlegende Idee Freier Software: Jeder Nutzer soll in die Lage versetzt werden zu kontrollieren, was der Computer da treibt.
Im Fellowship Wiki der Free Software Foundation Europe haben wir eine lange Liste solcher Projekte zusammen getragen. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie dezentral arbeiten. Jetzt seid ihr dran. Probiert sie aus. Seht, ob ihr etwas zu einem dieser Projekte beitragen könnt. Wenn euch keins davon gefällt, baut selbst ein neues; stellt nur sicher, dass es auch mit den anderen reden kann. Wenn du ein Projekt kennst, das noch auf der Liste fehlt, schreib es dazu.
Tu dir selbst einen Gefallen und fange noch heute an, wenigstens eins dieser Projekte zu nutzen. Das bist du dir schuldig.
Denn aus Facebooks Sicht bist du nicht der Kunde. Du bist das Produkt.
(Danke an Torsten Grote für die Bilder!)