Überwachung

3sat Kulturzeit: Big Brother 2.0

In der 3sat Mediathek findet sich ein Bericht zum EU-Überwachungsprojekt Indect.

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Bald schon könnte jeder im Internet Ziel einer Überwachung werden. „Indect“ heißt der Albtraum vom Polizeistaat. Die EU forscht an Programmen, die „abnormales Verhalten“ erkennen. Indect soll auf aggressive Stimmen und gewalttätige Mimik in Videos und Bildern reagieren. Wer im Netz auffällt, soll durch die Verknüpfung mit Überwachungskameras, Handy-Ortung und unbemannten, vernetzten Flugzeugen auch im öffentlichen Raum flächendeckend ausspioniert werden können.

Hier geht es lang zur Mediathek. Update: Dank an „infotisch audimax“ für den YouTube-Link:

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19 Kommentare
  1. für was diese deppen alles geld haben. und in unserem kindergarten müssen die eltern die räume streichen, weil kein geld da ist.

    man sollte sie alle so in den ars.h treten, dass ihnen das überwachen der bevölkerung endgültig vermiest ist.

    welcher politiker sitzt den da in den gremien der beteiligten firmen und kassiert kräftig mit? wäre ein fall für wikileaks.

  2. Wenn man sich vergegenwärtig wie umfassend INDECT werden soll, dürfte inzwischen auch klar sein, was einer von mehreren Gründen sein könnte dafür daß man auf EU-Ebene jetzt wohl doch an der Vorratsdatenspeicherung festhalten will. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann wäre die VDS in so einem Überwachungssystem ein unverzichtbarer Bestandteil.

  3. wenig hoffnung habe ich eh nicht. wenn man sich anschaut, wie geduldig die väter die HADOPI-strafen in frankreich schön brav überweisen….

    SWIFT,ELENA,ePers,ACTA,websperren,VDS,QTKÜ…hab ich was vergessen? egal…..läuft alles in eine richtung. nur dass ich das noch mit meinen steuergeldern finanziere, kotz mich dermassen an.

    aber ich bin normalverdiener und mich würden sie in der schweiz oder leichtenstein nach dem puls fragen, wenn ich dort vorstellig werde.

  4. Auffälliges Verhalten in der Öffentlichkeit erkennen? Ist das möglich? Muss man jetzt immer vorsichtig sein, dass man sich nicht auffällig verhält? Oder wird gerade das durch eine solche Ankündigung gerade bezweckt?

    … Vielleicht wäre es auch besser, das genaue Gegenteil zu machen: einen allgemeinen Aufruf zu auffälligem Verhalten in der Öffentlichkeit — damit das Erkennen nicht möglich wird!

  5. @akf

    Das ist doch genau der Punkt: „auffälliges Verhalten“, was ist das schon? Wie soll man das definieren? Und: selbst wenn man es halbwegs schlüssig definiert (wobei ich bezweifle daß das möglich ist), kann man es so in Tracking-, Pattern Matching- und sonstige Algorithmen übersetzen, daß „verdächtiges“ wirklich trennscharf von „unverdächtigem“ Verhalten unterschieden wird?

    Das schlimme daran sind die hiermit verbundenen „Chilling Effects“ in der Bevölkerung. Der Normalbürger wird sich überall dort wo er dann überwacht wird (öffentlicher Straßenraum, Internet, Telefongespräche, E-Mail-Verkehr etc etc) ständig denken „tu jetzt nix was dich verdächtig macht“. Man hat sozusagen ständig das Gefühl, nicht nur überwacht zu werden, sondern muß auch Angst haben, daß Computersysteme einem verdächtiges Verhalten „andichten“. Kam es bei der Vorratsdatenspeicherung noch auf menschliches Ermessen an bei der Auswertung von Datensätzen, überlässt man die Vorentscheidung darüber dann nur noch Maschinen. Was in gewisser Weise sogar noch schlimmer ist als die DDR in ihrer Endzeit, wo, wie man damals gemunkelt hat, hinter jedem Bürger je ein IM stand der ihm über die Schulter geschaut hat.

    Soweit mir bekannt, findet sich das Chilling Effects-Argument sogar in der Begründung des BVerfG zum Vorratsdatenspeicherungs-Urteil, wo ausdrücklich darauf hingewiesen wird daß durch eine ständige Speicherung elektronischer Verkehrsdaten beim Bürger das Gefühl der permanenten Überwachung aufkommt.

    INDECT wäre gewissermaßen eine Vorratsdatenspeicherung auf Speed, eine gigantische Überwachungs- und Einschüchterungsmaschinerie, die noch 100x schlimmer wäre, auch und gerade in ihren chilling effects, als es die VDS bereits war. Ein vollautomatisierter Blockwart.

  6. @Andreas Genau deswegen meinte ich das mit dem allgemeinen Aufruf zu auffälligem Verhalten durchaus ernst. Das funktioniert leider nur, wenn viele dabei mitmachen. Zu versuchen sich bewusst unauffällig zu verhalten, ist schwierig. Sich bewusst auffällig zu verhalten, kann hingegen richtig Spaß machen.

    Auffälliges Verhalten heißt dabei aber nicht einfach nur wild rumtanzen (obwohl das sicher auch Spaß macht). Sondern lasst mal euer Gepäck etwas stehen, schaut euch verstohlen um, beobachtet mal Leute über einen gewissen Zeitraum — man kann sich auch absprechen, sich zu verfolgen, oder spielt mit euren Kindern „Spion gegen Spion“ auf öffentlichen Plätzen…

    Ziel ist natürlich nicht Verbrechen zu vertuschen, sondern den Aufbau von Überwachungsmaßnahmen zu vereiteln.

  7. Tjanün… Passenderweise ist das Originalvideo aus „rechtlichen Gründen“ (lt. @3sat twitter) auch schon wieder aus der offiziellen 3sat-Mediathek entfernt. ZAP!

  8. Interessant ist ja, wenn man sich mal die Rechtfertigung auf der INDECT-Webseite ansieht:

    http://www.indect-project.eu/

    „INDECT is a research project. The list of objectives DOES NOT include ANY kind of global monitoring of ANY society.

    The INDECT methodology imposes:

    1. First, detecting specific crimes [Liste von Straftaten] and, only then,

    2. Second, detecting specific criminals standing behind the detected crimes.“

    Allerdings irgendwelche unaufgeklärten Straftaten liegen doch immer vor, man wäre also ständig damit beschäftigt mittels des Systems Täter zu suchen. Außerdem könnte man argumentieren, dass die negativen psychologischen Effekte ubiquitärer Überwachungssysteme mit zentraler Datenauswertung auch dann auftreten, wenn diese nicht ständig aktiviert sind, denn das ist für den Bürger ja nicht so einfach ersichtlich.

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