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Urheberrecht: Professor droht Student mit Klage

Ein übliches Problem an Universitäten betrifft die klausurrelevante Literatur. Vom Professor als unerlässlich für das Bestehen der Klausur gepriesen, müssen die Studierenden sie sich auf Gedeih und Verderb besorgen. Manchmal (hab ich gehört) wird das Problem elegant durch Scans der Literatur, die im zugangsbeschränkten Online-Bereich der Universität den Studierenden bereitgestellt werden, gelöst.


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Anders sieht die Sache meist aus, wenn der Professor das Buch selbst geschrieben hat. Dann wird die ISBN-Nummer brav ins Heft diktiert, und danach schon an der nächsten Auflage gearbeitet, die natürlich „radikale Neuerungen“ hat, damit die gebrauchten Bücher nicht an nachfolgende Semester verkauft werden.

Roger Vogel, Student der Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig, hat die beiden Fälle durcheinander gebracht:

Für eine Klausur erlaubt der Journalistikprofessor Marcel Machill die Verwendung seines Buchs „Medienfreiheit nach der Wende“. Dieses war nach einigen Wochen jedoch vergriffen, die 20 Exemplare der Unibibliothek sind längst ausgeliehen. […] Roger Vogel scannte dieses und ein weiteres Buch ein und stellte diese seinen Kommilitonen im Internet zur Verfügung. Professor Machill ließ das angeblich nicht auf sich sitzen und teilte die Urheberrechtsverletzung dem Verlag mit. Nun soll Roger Vogel 1.000 Euro Anwaltskosten zahlen. Warum der Professor den Studenten nicht kontaktierte, um das Problem aus der Welt zu schaffen, ist nicht bekannt.

Obwohl oft gefürchtet, treten solche Fälle viel seltener ein, als die rechtliche Lage es vorsieht. Aber wenn, dann zeigt sich umso bitterer, wie Wissenschaftsverlage zum Krebsgeschwür der Bildung und Lehre geworden sind, die auf einer durch die öffentliche Hand finanzierten Forschung basieren. Professor Machill stellt hingegen lapidar fest:

Ich habe keine Lust, meine Zeit mit irgendwelchen Studenten zu vertändeln.

Und das ist wohl auch die Einstellung, die man als Machill haben muss.

[Radiobeitrag dazu vom lokalen Uni-Radio Leipzig (mp3)]

54 Kommentare
  1. Und das ist wohl auch die Einstellung, die man als Marchill muss.

    Irgendwie fehlt da was. Ansonsten: Zustimmung. Wenn man keine Zeit mit Studenten „vertändeln“ will, hat man als Prof definitiv den falschen Job.

  2. Aber auch das Gegenteil kommt oft genug vor:
    Meine Profs und deren Assistenten haben oft genug darauf hingewiesen, dass man auf \gigapedia\ oder durch \sinnvolles herumhören bei Kommilitonen\ an elektronische Versionen der Lehrmaterialien kommt, die sie benötigen, aber nicht zugänglich machen können.

    Hier ist ein unbedingtes Umdenken dringend erforderlich und ich hoffe dass PIRATEN und progressive Teile der Grünen und evtl sogar FDP da in den nächsten Jahren für ein Umdenken sorgen.

  3. Die Geschichte ist ein wunderbares Beispiel für so vieles, was an deutschen Hochschulen falschläuft…
    – Ein Prof, der seine Zeit nicht mit Studenten vertändeln will (hat ihm mal einer gesagt, daß er hauptamtlicher HochschulLEHRER ist? Und überhaupt, Medienwissenschaft und Vertändeln von Zeit sind doch eigentlich Synonyme.)
    – Ein Seminar bzw. eine Klausur, die allein auf dem aufbaut, was der Prof als wissenschaftliches Hobby hat (Paßt natürlich gut zum vorherigen Punkt)
    – Aber dann natürlich nicht dafür sorgen, daß die STudierenden zugriff auf die prüfungs- und ansonsten wohl wenig- relevante Literatur haben. Wenn es ihn sosehr interessiert, daß die Leute lesen, was er geschrieben hat, warum stellt der dann das Buch nicht selbst online? Etwa weil er damit keine Tantiemen verdient? Peinlich und beschämend, so was, eine Schande für die ganze akademische Zunft.

  4. Wäre es nicht mal eine Frage ob man Universitäten in iherer jetzigen Form im Internetzeitalter überhaupt noch braucht ?

    Die Vorlesungsinhalte könnte man ohnehin im Buch nachlesen.

    Der klassische Sinn und Zweck einer Universität war es 1.) einen Raum für die wissenschaftliche Diskussion zur Verfügung zu stellen. 2.) zugriff auf wissenschaftliche Literatur über die Univesitätsbibliothek zu gewährleisten. 3.) Soziale Kontakte Knüpfen die einem nach dem Studium beruflich voran bringen.

    Dies kann jedoch auch zunehmend über das
    Internet geschehen. Von daher ist anzunehmen das sich die Bedeutung der Univesität insgeasmt ändern wird (auch wenn sie nach wie vor unverzichtbar bleibt).
    Der streit um solche Urheberrechtsdinge ist da wohl nur eine vorläufige Auswirkung.

  5. Es geht auch anders, ich darf da mal die Bibliothek meiner Universität lobend erwähnen, die seit längerem Semesterapparate nur noch in Moodle als PDF zur Verfügung stellen.

    Ok, Bücher des Professors der die Vorlesung hält sind selten dabei. Wobei die Professoren häufig genug Vorabversionen weiterhin als Lernstoff zu Verfügung stellen.

    Des Weiteren kann man sich mit dem Präsenzexemplar an einen Buchscanner der Bib setzen. Hierbei akzeptiert man allerdings die Nutzungsordnung und scannt nur für den eigenen Gebrauch.

    Dem Studenten kann man übrigens ebenfalls vorwerfen, warum er sich denn nicht mit dem Professor in Verbindung gesetzt hat, bevor er die Inhalte ins Internet stellte.

    Was bei dem Artikel auch nicht klar ist: Hat Vogel das Werk nur seinen Kommolitonen zur Verfügung gestellt oder generell ins Internet?

    Die Aussage mit dem vertändeln ist allerdings bezeichnend.

  6. »Ich habe keine Lust, meine Zeit mit irgendwelchen Studenten zu vertändeln.«

    Bitte was? Was für ein arroganter Arsch! Solche Leute haben an Unis gar nichts zu suchen.

  7. »Ich habe keine Lust, meine Zeit mit irgendwelchen Studenten zu vertändeln.«

    Naja, ziemlich abgehoben – das ist wahrscheinlich wieder so einer, der es in der realen Wirtschaft nicht gebracht hat und sich nun um so mehr etwas „einbildet“ …

    Professoren, die ihren Job aus Überzeugung machen, reden nicht so ein dummes Zeug.

  8. Noch schöner finde ich die Variante, dass ein Prof. ein Buch über seine Vorlesung schreibt und anschließend einen Antrag auf Zuweisung von Studienmitteln (Studiengebühren) abgibt.

    Von diesen Studienmitteln kauft er seinen Studenten dann ein paar hundert Exemplare seines Buchs, die das dann das ganze Semester über verwenden dürfen. Im Jahr danach gibt es eine rechtschreibkorrigierte Neuauflage, die natürlich wieder hundertfach aus Studiengebühren gekauft werden muss.

    Ich hätte den Mann ja wegen Untreue hochkant rausgeworfen. So wie es aussieht, kommt er damit aber tatsächlich durch. Selbstredend wird das ganze auch noch so verkauft, dass der Student von den Studiengebühren profitiert, weil damit ja Literatur gratis zur Verfügung gestellt werden kann. Tatsächlich profitieren aber nur Verlag und Prof auf Kosten der Studenten.

  9. Jaja, der feine Herr Dr. Machill. Ein guter, alter Bekannter. Sei es als Suchmaschinenexperte oder als Projektleiter Medienpolitik der Bertelsmann Stiftung:

    »Die Internet-Entwicklung gibt ihm
    [dem Internet-Nutzer] unweigerlich die
    Kontrolle darüber, welche Informationen und
    Inhalte ihn wann und wie erreichen. Das neue
    Medium ist nicht mehr auf Vermittler wie Verlage, Sender, Zeitungen oder die Musikindustrie angewiesen. Im Internet wird eine ‚Massenkommunikation‘ von Individuum zu Individuum möglich. Auf diese Entwicklung hin zur Nutzerkontrolle sind wir bisher nicht vorbereitet. Wir müssen neue Regulierungsmechanismen entwickeln.«

    Dr. Marcel Machill, Jens Waltermann: Verantwortung im Internet, Selbstregulierung und Jugendschutz, Seite 9f.; Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2000

  10. Ist der Mann tatsächlich Professor, sprich: hat er promoviert oder ist nur angestellte Lehrkraft mit einer Professur?
    Aber wie dem auch sei, so ein Statement ist unter aller Kanone und zeugt von einer falschen Berufsauffassung

    1. Ein Professor hat nichts damit zu tun, ob man promoviert hat. Durch Promotion erlangt man den akademischen Titel \Doktor\, \Professor\ hingegen ist ein Amt und kein akademischer Titel.
      Es gibt in Deutschland also nur \richtige Professoren\ und keine \Angestellten mit einer Professur\. Und selbst wenn es die gäbe, hätte eine Promotion damit nichts zu tun, wenn überhaupt wäre das die Habitilitation, aber auch ohne die ist man ein richtiger Professor.

      Die Habitilitation ist eine rein formale Feststellung der Lehreignung und ebenfalls kein akademischer Titel und auch keine Voraussetzung für eine Professur.

      https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Professor
      https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Promotion_(Doktor)
      https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Habilitation

  11. Den Prof hochkant rauswerfen. So wichtig kann der gar nicht sein. Da gibts bestimmt andere, die mindestens ähnlich sinnvolle Gebiete bearbeiten und sich nicht zu schade für Studierende sind, ohne die ihr Beruf gar nicht existieren würde.

    Scheint mir aber symptomatisch zu sein für das Selbstverständnis vieler Profs, die sich für den Nabel der Welt halten.

  12. Positives Gegenbeispiel: Ein Lehrbeauftrager meiner Universität stellt für die Besucher einer bestimmten Vorlesung sein Buch kapitelweise zur Verfügung. Er vertraut darauf, dass seine Studenten das Buch nicht weiterverteilen (wobei das Risiko eher gering sein dürfte, weil ein Nischenthema).

  13. Vielleicht schiebt der Mann nur Frust, weil bei keiner Elite-Privat-Uni ungekommen ist, wo die Studenten die Creme-dela-Creme der Leistungselite von morgen sind, und sich jeder zehn Bücher von ihm pro Semester kaufen könnte. Nicht solche – sagt man das eigentlich noch? – langhaarigen Gammler und Ausdiskutierer.

  14. der ist doch vorzüglich geeignet für den posten des kulturstaatsministers, wie lange hat naumann noch?

    regulieren will er ja schon, weil zu individuum zu individuum eine „massenkommunikation“ stattfinden kann.

    das sind doch geradezu vorbildiche voraussetzungen für den einsatz in der verblödungskuppel in berlin.

    und jede wette: einen besseren prof wirds auch geben.

  15. „Ein übliches Problem an Universitäten betrifft die klausurrelevante Literatur. Vom Professor als unerlässlich für das Bestehen der Klausur gepriesen, müssen die Studierenden sie sich auf Gedeih und Verderb besorgen.“

    Immer diese unzulaessigen Verallgemeinerungen. Das das bei Geisteswissenschaftlichen Sachen, wo man die Meinung und Ansichten des Pruefers wiedergeben muss gang und gaebe ist kann ich mir gut vorstellen. War ja bei Deutschaufsaetzen in der Schule nicht anders.
    Aber in naturwissenschaftlichen Bereich, speziell bei den Ingenieuren ist sowas nur sehr schwer um zu setzen, weil es eigentlich zu allen Sachen multiple Veroeffentlichungen gibt.
    Aber es ist da auch Gang und Gebe das der Prof. natuerlich sein Buch anpreist (wenn er denn eins hat) und seine Vorlesung stark danach ausrichtet. Und das er sein Buch auch entsprechend anpreist.

  16. @Heiko:

    Wer eine Professur hat, ist faktisch immer auch promoviert. Auf eine Professur wird man nur berufen, wenn man habilitiert ist oder etwas Vergleichbares vorweisen kann, was wiederum eine Promotion voraussetzt.

    Daraus ergibt sich aber nicht automatisch, daß nicht auch Dummschwätzer und Flachpfeifen auf einem Lehrstuhl landen können…

  17. Natürlich ist es total lächerlich, dass ein Hochschullehrer sich bei seinen Prüfungen so sehr auf sein eigenes Buch stützt. Und tatsächlich ist die fachliche Eignung als Hochschullehrer des Herrn Machill … sagen wir mal zumindest etwas fragwürdig.

    Allerdings kann man grundsätzlich schon von einem Journalistik-Studenten erwarten, dass er die Grundzüge des Urheberrechts kennt. Ich meine, wir hatten gerade diese endlose Google-Books-Debatte. Jeder Hinz und jeder Kunz hat sich darüber aufgeregt, dass die bösen Amis einfach so Bücher eingescannt und ins Netz gestellt haben. Und ich finde, diese zwei Punkte (unsympathischer Prof und Fehlverhalten des Studenten) muss man da schon separat betrachten.

    Was ich einfach toll finde, ist dass bei dem Studenten (zu hören im Mephisto-Interview) offenbar überhaupt kein Unrechtsbewusstsein herrscht. Der Prof habe ihn beim Verlag „denunziert“. Und das eigene Verhalten war ein „notwendiges Übel“… Na, dann werden ihm die Gerichte schon recht geben. Klar.

    Natürlich ist das alles nicht die feine Art, wie der Prof hier vorgeht. Aber der große Skandal ist das ganze jetzt nun auch wieder nicht.

    1. Ich finde durchaus, dass das ein Skandal ist. Wenn das Buch für eine Klausur zur Vorbereitung notwendig ist und eine so geringe Auflage hat, dass es nicht alle Studenten bekommen können – und das muss der gute Herr Machill wissen, es ist immerhin seine eigene Publikation – dann kann er sich nicht beschweren, wenn Kopien die Runde machen. Wie soll man sich denn sonst auf die Prüfung vorbereiten? Sicher ist der Student rechtlich gesehen im Unrecht, und sicher ist gerade der Punkt, dass er es ungeschützt ins Web geladen hat problematisch. Aber als Prof und Autor hier gleich zum Verlag zu rennen, statt den Studenten kurz anzumailen? Was sind denn das für Methoden?! Zumal 0,00 Euro Schaden entstanden sind – keiner der herunterladenden Studenten hatte die Möglichkeit, das Buch stattdessen zu kaufen.

      Es ist eine Schande für einen Professor, so mit Kommilitonen umzugehen. Und der Idee der Wissenschaften sicherlich nicht entsprechend. Und als Professor dann noch einen oben drauf zu setzen und zu sagen, man wolle seine Zeit nicht mit Studenten verplempern – das ist ein Skandal – jedenfalls für die Uni Leipzig.

  18. … wenn profs wegen der forschungsgelder von gewissen stiftungen in den unibetrieb geholt werden, wo man sie nicht mehr loswird, weil sie sich selbst zum chef erklärt haben…

  19. @Stefan Rö:

    Es geht nicht darum, dass der Student rechtswiedrig gehandelt hat und auch nicht um sein Unrechtsbewusstsein.
    Vielmehr geht es um die radikale Vorgehensweise des Professors. Selbst wenn der Student Inhalte unerlaubt veröffentlicht, gibt es keinen Grund sofort die Justiz einschzuschalten. Mallich hätte problemlos die Entfernung der Inhalte erwirken können ohne einen Studenten auf diese Weise bloßzustellen.
    Ein einfaches Gespräch hätte sicherlich ausgereicht. Selbst dann hätte man sich auf eine Uhrhebrrechtsabgabe einigen können, die dem Sachverhalt angemessen wäre. Aber nein, der Prof muss ohne Vorwarnung den Knüppel rausholen und kräftig losschlagen…

    Außerdem:

    1. Es handelt sich um eine winzige Auflage. Der mögliche finanzielle ist lächerlich gering.
    Der Kreis der potenziellen Interessenten lässt sich an zwei Händen anzählen.

    2. Jeder Student weiss, dass das Vorgehen dieses Studenten tägliche Praxis an jeder Uni ist. Ohne kopierte Texte wäre der Arbeitsalltag nicht zu bewältigen. Das schließt auch Texte ein die nicht in einem Reader veröffentlicht wurden.

    3. Die Studenten dürften in der Bibliothek Kopien erstellen aber keinen Zugriff auf Kopien haben, die online verfügbar sind?
    Und das obwohl sie ansonsten ihre Prüfungsleistung nicht erbringen können da das Buch nicht verfügbar ist? Skurill!

    Ich hoffe, dass dieser Prof möglichst schnell von der Uni entfernt wird! Solch ein Verhalten ist untragbar und behindert den Uni-Betrieb enorm. Weg mit ihm von der Uni!

  20. Wow.

    > Master of Public Administration (MPA)

    Respekt. Ein mit Glanz und Gloria ausgezeichneter Bewusstseinsverdreher als Propagandaproxy für betriebssystemfreie Studentendarsteller. Und wir wundern uns über ganze Heere von mental äußerst vernachlässigten … naja, nur so ein wirrer Gedanke, ist ja schließlich nur ein Einzelfall.

  21. War bei uns an der FH bei einem Dozenten leider auch gang und gäbe…

    Vielleicht sollte man noch anmerken, dass das ne interne staatliche Einrichtung war und das Skript grausam schlecht. Das „Werk“ hatte also außerhalb unserer Einrichtung keinerlei Relevanz und es war auch kein Verleger im Spiel.

    Da musste man das auch gar nicht ins Netz stellen, da haben schon Privatkopien gereicht, um von ihm die Polizei auf den Hals zu bekommen…

  22. Schade, erstens hätte ein Prof. die Sache auch anders regeln können, er ist Lehrender und vermittelt in dieser Eigenschaft nicht nur fachliche Inhalte, sondern ggf. auch Werte.

    Aus meiner Juristenausbildung von anno Tobak kenne ich allerdings auch noch Profs. die ihre „originellen“ Ansichten in jeder Klausur wiedererkennen wollten, wehe man hatte deren Argumentationskanon nicht drauf und sei er auch noch so praxisfern und irrelevant, man mußte ihn kennen.

    Wie wohltuend waren demgegenüber Leute wie Prof. Werner Sarstedt, ehem. Präsident des 5. Strafsenat des BGH. Der nahm Studenten nicht nur ernst, sondern diskutierte mit ihnen wenn nötig bis zum Abwinken um auch den letzten Winkel einer Argumentation auszuleuchten und … ja, er gab sich ab und zu – allerdings nur in wenigen Fällen – auch mal geschlagen. Das war akademische Lehre vom Feinsten.

    Zu nennen wäre auch Prof. Uwe Wesel, auch er ein Prof. der in Studenten zuerst einmal jemanden mit eigenen Ansichten und Werten sh, auch wenn er – der Prof. – diese vielleicht nicht teilte. Dafür war ja der akademische Diskurs mit den Studenten da, den man nicht „von oben herab“, sondern auf Augenhöhe führte.

    Aber solche Leute mit Charisma, unendlicher Ahnung und dem inneren Drang Studenten etwas beibringen zu wollen sind wohl in heutiger Zeit eher die verschwindende Ausnahme.

  23. Man muss hier ganz klar zwischen zwei Sachverhalten trennen.

    Zum einen das Verhalten des Studenten, das eindeutig falsch war, allerdings aufgrund der Beweggründe legitim erscheint.

    Auf der anderen SEite steht jedoch ebenfalls das eindeutige Fehlverhalten eines Profs,das zwar legal aber keinesfalls legitim erscheint.In diesem Artikel fehlt leider, dass Prof. Machill sein Buch zudem als Hilfsmittel zur Klausur zugelassen hat. Allerdings nur originale. Jeder Student hätte sich das Buch demnach sowieso noch kaufen müssen. Im letzten Semester hat der besagte Prof. durch seine Fragen verdeutlicht, dass in Zukunft die Klausur nur noch gut zu bestehen sein wird, wenn man das Buch zur Hand hat. Es wurde präzise Zahlen und Definitionen abgefragt, die keineswegs durch das bloße Lesen des WErkes hätten behalten werden können. Demnach bewegt Prof. Machill die über 300 Studenten dazu sein Buch zu kaufen. Zudem muss noch gesagt werden, dass es sich keineswegs um ein Standardwerk handelt. Der Bezugs zur Vorlesung ist eher gering.

    Leider ist es nicht so einfach einen Prof., sollte er sich als unfähig bewiesen haben, wieder loszuwerden. In den meisten Fällen sind der Unileitung und dem Institut die Hände gebunden. Prof. Machill hat leider im rechtlich zulässigen Rahmen gehandelt und braucht die Sache jetzt nur aussitzen.

    Wissenschaft sollte noch immer der Gesellschaft dienen. Inwieweit dieser Prof.auch nur irgendjemandem außer sich selbst dient, bleibt fraglich.

    Allerdings möchte ich nochmal den Aufruf unterstützen, ihm doch eine Email zu schreiben und ihn eventuell auch zum Rücktritt aufzufordern. Zumindest sollte er merken, dass nicht nur betroffene sein Verhalten missbilligen

  24. also ich kenne es auch nur so, dass Professoren ihre Skripte auf verschlüsselten Seiten ihren Studenten zugänglich machen. Andere haben das „okay“ an bis zu 5 Studenten vollständige Werke zu verteilen („Freundeskreisklausel“) wenn sie selbst daran beteiligt waren und geben den Studenten unter der Hand den Tip, sich doch einfach auszutauschen.
    Die große Mehrheit meiner Dozenten ist absolut gegen diesen urheberrechtlichen Quatsch und findet, dass er ihre Lehre und das Lernen der Studenten nur behindert.
    (etwaige Parallelen zu der Erkenntnis dass mangelnder Urheberschutz in D-Land zur Blüte der „Dichter und Denker“ gesorgt haben kann sind durchaus vorhanden)

    Glücklicherweise haben wir in unserer Bib mit vielen Verlagen eine Partnerschaft, so dass sich viele Werke und Fachzeitschriften als EBook von zu Hause aus lesen lassen. zumindest in den naturwissenschaftlichen Fakultäten ist das so.

    Und nein, solch ein egozentrisches Verhalten ist mir auch in den Geisteswissenschaften nicht untergekommen. Die sind zumeist darauf bemüht, Sachverhalte von verschiedenen Seiten zu beleuchten und gehen gerne auf Diskurse ein. Scheint mir eher ein Problem der „lukrativen Studiengänge“ wie WiWi/BWL/VWL/Medizin/Journalismus oder allem anderen, was mit Geld zu tun hat, zu sein.

    Und Auswendiggelerne von Zahlen oder einer einzigen Herangehensweise ist keiner akademischen Ausbildung würdig und kontraproduktiv. Verstehen > Fakten!

  25. Ist doch ein guter und sehr beliebter Nebenerwerb, das mit den Büchern. Ob es gut ankommt, muss ein Dozent selbst beurteilen.

    Dass sich allerdings ein Professor, zudem einer, der ein Studienfach lehrt, das von Kommunikation geprägt ist, als sozial derart inkompetent erweist, ist bemerkenswert.

    BTW: Kann man mittlerweile denn nicht an manchen Unis die Dozenten bewerten?

  26. @Latrinum: An der Uni Leipzig kann man immer mal wieder Veranstaltungen bewerten. Da neben Multiple-Choice-Antworten auch Textkommentare möglich sind, kann man auch seine Ansichten über den jeweiligen Prof kundtun. Ich weiss allerdings nicht inwiefern diese Ergebnisse ernstgenommen werden bzw. ob der Prof über die Durchführung dieser Evulation entscheiden kann. Ansonsten: meinprof.de

    Und generell:

    Ich wundere mich über die Kommentatoren, die das Vorgehen als gerechtfertigte Konsequenz einer Rechtsverletzung sehen. Selbstverständlich ist Machill rein formal im Recht. Doch wie würden wir den Rechtsstaat pervertieren wenn wir jede Kleinigkeit zu Anlass nehmen würden um unsere Mitmenschen zu verklagen?

    Die Justiz sollte stets nur die letzte Instanz einer Auseinandersetzung sein. Deshalb streben viele Richter in weniger bedeutenden Fällen eine außergerichtliche Einigung an und fragen auch zu Beginn des Prozesses ob dieser Weg gegangen wurde. Ich bin mir also nicht sicher ob diese Klage vor einem Gericht bestand hätte. Aber aus Angst vor weitaus höheren Kosten stimmen viele Beschuldigte einem Vergleich bzw. einer Unterlassungserkärung zu.
    Somit erinnert mich das Vorgehen in diesem Fall eher an die unrühmliche Strategie der Musikindustrie: Überhöhte Abmahngebühren + absolut willkürlich festgesetzter Streitwert.

    Ich komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

  27. Da freu ich mich doch über meine Uni (NL).
    Bei uns ist es den Profs explizit verboten ihre eigenen Bücher als Lehrmaterial zu verwenden. Damit sind solchen verdrehten Anreizen ein Riegel vorgelegt…

  28. @Bernd (40)

    Also das Bloßstellen hat der Student ja wohl selbst erledigt. Er hat den Fall ja offenbar an die Medien gebracht, weil er sich komplett zu unrecht verfolgt fühlt. Und es stimmt ja nicht, dass Machill den armen Jungen gleich verklagt hat. Der Student hat offenbar eine (außergerichtliche) Abmahnung bekommen und musste eine Unterlassungserklärung abgeben – und musste natürlich die Kosten für den Anwalt zahlen. Außerdem hat nicht der Professor abgemahnt, sondern der Verlag. Das klingt natürlich trotzdem wahnsinnig fies und ungerecht – und sicher hätte Machill dem Jungen auch einfach sagen können: Hör mal, nimm das raus. Klar wäre das alles menschlich besser und netter gewesen. Statt dessen hat er seinem Verlag gesagt: Da ist was von uns online, kümmert euch mal drum.

    Und es ist ja nicht so, dass die anderen Studenten keinen Zugriff auf das Buch gehabt haben. Zwei Bände standen ja offenbar als Präsenzexemplare in der Uni-Bibliothek. Da hätten sich alle buchlosen Studenten ja offenbar ihre Kopie ziehen können. Dafür zahlen die Studenten mit jeder Kopie Tantiemen an die VG Wort. Und es ist einfach mal was ganz anderes, ob man sich in der Bibliothek ein Buch kopiert oder es dort einscannt und für alle Welt (und eben nicht nur für Studenten) ins Netz stellt.

    Davon abgesehen sind offenbar im Ursprungsartikel einige Fehler. Das Buch ist nämlich nicht vergriffen, sondern war nach Verlagsangaben nur eine Woche nicht lieferbar. Wie gemein. Lasst uns gleich alle Bücher einscannen, die eine Lieferfrist von mehr als 24 Stunden haben. Das ist moralisch in jedem Fall gerechtfertigt – und gewissermaßen studentische Notwehr.

    Um es noch einmal klar zu sagen: Ja, der Prof hat sich menschlich betrachtet wie A… verhalten. Aber gerade von einem angehenden Journalisten darf man auch etwas mehr Gefühl für Urheberrecht und geistiges Eigentum anderer und ein wenig Selbstkritik erwarten.

  29. @Stefan Rö

    das buch war länger als eine woche nicht käuflich zu erwerben, aber die teilnehmer des moduls, in dem es pflichtlektüre war/ist, mussten damit eine hausaufgabe (textreferat) abliefern….und bei über 300studis im modul helfen 2 präsenzexemplare (eins zur fernleihe freigegeben) auch nicht viel weiter….

    interessanter weise kann man das buch aber bei paperC online komplett und kostenlos lesen, das hat der herr professor aber nicht den studenten verraten…..

  30. Schwieriges Thema.
    Ich persönlich bin der Meinung, dass Publikationen fachlicher Natur, zumal wenn sie im Zweifel aus staatlich geförderter Forschung stammen, Studierenden kostenlos zugänglich gemacht werden sollten.
    Sogar Microsoft betreibt ein Programm, bei dem immatrikulierten Studierenden ausgewählter Hochschulen kostenlos Software zur Verfügung gestellt wird.
    Die Realität läuft aber oft in die andere Richtung. Die Studierenden müssen Studiengebühren bezahlen, während von staatlicher Seite immer mehr an den Hochschulen gekürzt wird. Das wirkt sich meist direkt auf die Universitätsbibliotheken aus, die in der Folge weniger Exemplare eines Buches anschaffen. Dementsprechend sehen sich mehr Studierende mit der Situation konfrontiert sich das Buch kaufen (obwohl sie weniger Geld haben, s.o.) oder anderweitig besorgen zu müssen.
    Früher gab es bei uns mal so etwas, dass sich „Hörerschein“ nannte. Damit konnte man in ausgewählten Buchläden das entsprechende Buch, wenn man die Vorlesung gehört hat, wesentlich billiger erwerben.
    Wieso ist so etwas in der Art heutzutage nicht möglich, nur auf digitalem Wege?

  31. @Stefan Rö (45):

    Ich bin immer von folgenden Tatsachen ausgegangen:

    – Das Buch war nicht ausreichender Anzahl für die Studenten vorhanden. Zu der Zeit war eben kein Exemplar vorhanden um sich auf die Prüfung vorzubereiten. Anmerkung: Konnten die Studenten wissen ab wann das Buch wieder verfübar ist? Theoretisch ja, aber war es tatsächlich so?

    – Der Prof hat den Verlag informiert ohne vorher ein Gespräch mit dem Studenten geführt zu haben (die Konsequenzen dieser Aktion waren absehbar -> juristische Schritte)

    – Der Prof ist schon mehrmals bei Studenten sowie anderen Unimitarbeitern negativ aufgefallen. Man schau sich unter anderem die Bewertungen auf meinprof.de an.

    – Du hast recht. Von einer Klage zu sprechen war vorschnell. Bisher war es eine Abmahnung + Verzichtserklärung – acuh nicht ganz billig für einen Studenten.

    ———————————————–

    Das Verhalten des Studenten war unüberlegt – keien Frage. Dazu wäre es allerdings nie gekommen wenn der Prof von sich aus die Inhalte online verfügbar gemacht hätte, was mittlerweile alltäglich ist.

    Es ist gut, dass du mich im Detail korrigierst. Doch das ändert nichts an daran, dass solch ein Mensch nicht an einer Uni unterrichten dürfen sollte. Über das formale Recht müssen wir nicht diskutieren. Dort ist Machill eindeutig im Recht.

    Von dem Juristischen abgesehen ist Machill destruktiv. Er zerstört das Vertrauensverhältnis zwischen Student und Professor. Er geniesst die Privilegien seiner Position aber erfüllt seine Bringschuld nicht – nähmlich eine gute Lehre.

    Es geht nicht nur darum, dass ich sein Verhalten persönlich abstossend finde, sondern darum, dass er offensichtlich ungeeignet für eine Professur ist. Mir tun seine Studenten leid.

    Übrigens: Ich habe mir sagen lassen, dass der Dekan durch die Blume sagte er wolle Machill gerne entfernen, habe aber dazu nicht die rechtlichen Möglichkeiten. Was soll man mehr dazu sagen…

  32. Ich weiß von der Sache, weil ich jemanden kenne , der bei dem besagten Professor Vorlesungen hatte und ich finde das Verhalten des Mannes einfach naiv. Ja, genau – naiv. Denn nun wissen ziemlich viele, wie sie bei dem Prof. stehen. Die Studenten sind dem ja scheinbar schlicht und einfach egal, da ja er nicht mit denen tändeln möchte. Ich finde so ein Typ dürfte einfach nicht Professor sein, bedauerlicherweise kann fast jeder Hans Professor werden (jaja, mit Doktortitel etc.), aber wie die sozialen Kenntnisse etc. sind, ist in diesem Fall völlig egal und da liegt einfach der Fehler, dass nämlich viele Professor oder Professorin sind, obwohl sie sozial nicht viel bzw. nichts taugen.
    Naja, dieser Machill wird sich schon selber in den Arm mit der Sache geschossen haben, denn wer wird bei ihm nun studieren? Für mich wäre das ein Grund es zu belassen und stattdessen eine andere Uni zu suchen. Vor allem finde ich sowieso recht fraglich, dass ein Professor sein Buch als Pflichtlektüre machen darf und so die Studenten ganz schön abzockt. Irgendwie ist da doch der Wurm drin und die Uni sollte sich viellt. mal überlegen, wie dies zukünftig gehandhabt werden soll.

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