Kultur

Daniel Schmitt steigt bei Wikileaks aus (Update)

Spiegel-Online verkündet mit Verweis auf ein Interview im kommenden Spiegel, dass der deutsche Wikileaks-Sprecher Daniel Schmitt bei Wikileaks ausgestiegen ist. Daniel Schmitt enthüllte gleichzeitig seine wahre Identität und dass er im realen Leben Daniel Domscheit-Berg heißt. Er begründet seinen Ausstiegt mit unüberwindbaren Meinungsverschiedenheiten mit Julian Assange, dem medialen Kopf hinter Wikileaks.

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„Wir alle hatten in den letzten Monaten wahnsinnigen Stress. Es sind Fehler passiert, was in Ordnung ist, solange man daraus lernt. Dafür muss man sie sich aber eingestehen. Vor allem scheint das Vertrauen verlorengegangen zu sein, dass wir an einem Strang ziehen.“ […]

Streit gab es wohl auch um die Ausrichtung und Strategie. Daniel kritisierte, dass Wikileaks sich vor allem „auf die großen Projekte konzentriert habe und dabei kleinere, nationale Dokumente vernachlässigt worden seien“.

Schmitt sagte zum SPIEGEL: „Ich habe mehrfach versucht, das anzustoßen, aber Julian Assange hat auf jede Kritik mit dem Vorwurf reagiert, ich würde ihm den Gehorsam verweigern und dem Projekt gegenüber illoyal sein.“ Darüber sei es zum Zerwürfnis mit Assange gekommen, auch andere Mitarbeiter seien unzufrieden: „Da gibt es eine Menge Unmut, und einige werden wie ich aussteigen.“

Mal schauen, wie es mit Wikileaks jetzt weitergeht. Zumindest in Deutschland gibt es keinen offiziellen Ansprechpartner mehr und mit dem laufenden Verfahren gegen Julian Assange in Schweden ist dieser auch erstmal medial etwas außer Gefecht gesetzt. Die Kriegskasse von Wikileaks dürfte mittlerweile gut gefüllt sein und auch die Reputation ist da, aber wenn einige aus dem eher kleinen internen Basis-Team ausfallen, könnte Wikileaks weitere administrative Probleme bekommen.

Update: Der Wikileaks-Twitteraccount twitterte gerade:

„Spiegel report Schmitt resigned which is misleading. Schmitt was suspended a month ago.“

Übersetzung: Die Information des Spiegel, dass Schmitt zurückgetreten ist, ist irreführend. Schmitt wurde vor einem Monat beurlaubt.

Klingt ja nicht gerade sympathisch vom Wikileaks-Account, der vermutlich von Assange betrieben wird. Apropos „vor einem Monat“: Da gestand Schmitt/Domscheid-Berg gegenüber News.de Fehler bei Wikileaks ein und distanzierte sich von der dämlichen Verleumdungs-Verschwörungstheorie, wonach irgendwelche Geheimdienste hinter der Sex-Affäre von Julian Assange stehen würden. Vielleicht führte das ja dazu, dass das Wasser übergelaufen ist und er deswegen „beurlaubt“ wurde. Passt ja zu der Aussage von ihm im Spiegel-Interview, dass Assange ihm vorgeworfen habe, den Gehorsam zu verweigern und illoyal zu sei.

Eine bessere Kommunikationsstrategie für Wikileaks wäre es wohl gewesen, Daniel Schmitt / Domscheid-Berg einfach viel Glück auf seinem weiteren Lebensweg zu wünschen und ihm kurz für die Lebenszeit zu danken, die dieser unentgeltlich in den Aufbau des Projektes investiert hat. Das machen wir dafür und sagen: Danke!

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
90 Kommentare
  1. @Markus: Hatte mich nicht richtig ausgedrückt. Ich meinte, ob seine Entscheidung wohl richtig ist.

    @Freedom Fighter: Das mit dem Gehorsam klingt schon krass.

    1. @Uvo: Er wird sich das überlegt haben. Und da jetzt seine mittelfristige Jobperspektive weggefallen ist, macht es für ihn sicher Sinn, mit wahrer Identität aufzutreten, die Rpeutation mitzunehmen und damit einen neuen Job zu finden.

  2. @markus 5:

    könnte es sein, dass Daniels Gründe für die Offenbarung seines „Realnames“ eher ein „die Tür zu Wikileaks ist damit entgültig zugeschlagen“ darstellt?

  3. @Idealist

    Genau das dachte ich mir auch. Damit gibt es kein Zurück mehr. Das interne Zerwürfnis wird also heftig gewesen sein. Sehr schade, auch, weil Geheimdienste oft die Strategie fahren, Gruppen durch interne Unstimmigkeiten und Streitereien zu sprengen. Zumindest von der damaligen Stasi sind da etliche Fälle dokumentiert, wie sowas abläuft. Ich wünsche beiden, Daniel und Julian, viel Erfolg auf ihrem weiteren Weg.

  4. Schade, dass Systeme, Parteien, Projekte immer dann, wenn sie außen Erfolg haben, ihren Laden innen nicht zusammen halten können. Im Juli 2010 hätte das Projekt fast jeden denkenden Menschen auf der Welt als Unterstützer haben können ! Dann kam der schwarze Tag: irgendwelche sicher zu recht gekränkten Mitarbeiterinnen werden von einem weltweit heimatlosen, sicher nicht besonders einfühlsamen, einsamen, schon für den Nobelpreis gehandelten attraktivem Typ in ihrer Seele und Person beleidigt, das Projekt W. ist nicht stark genug, die laufen zur Polizei, das Ganze geht sofort an den Express und bis in jede Bloggerstube… Und anstatt da das Projekt wieder zusammenhält ( menschlich, nicht nur mit den tausend vernetzten Rechnern ) , und eine Kommunikationsstrategie fährt – ruft J : ich kenne die nicht, der Geheimdienst wars.. Und alle wissen: das ist glaubhaft ! Absolut ! Aber nicht alles, was glaubhaft ist, stimmt. Und wenn dann statt sich zusammenzuraufen, erst Schmitt suspendiert wird ( klingt ja absurd für so ein Projekt ) und nun das ganze Projekt dergestalt ist, dass Unsicherheit und Risiko nicht mehr auszuschliessen sind…wer soll da noch geheime Papiere hinsenden ? Schade, wirklich schade… wie sie ( und da ist es egal ob die Julian Anhänger oder die Schmitt Protagonisten ) DIESEN Vertrauensverlust wieder hinbekommen wollen, ist mir schleierhaft. Trauriger Gruss – FA

  5. Daniels Identität hätte mit ein wenig Mühe jeder herausbekommen. Insofern hat er richtig gehandelt und jetzt einen Schlussstrich gezogen.
    „Gehorsam“ gehört nicht zum Aufgabenbereich irgendwelcher demokratischer Organisationen.
    Es ist ihm hoch anzurechnen, dass Daniel noch so lange loyal blieb.
    Gute Arbeit! Solche Organusationen, wie Wikileaks braucht die Demokratie. Auch ich sage Danke!

  6. „und distanzierte sich von der dämlichen Verleumdungs-Verschwörungstheorie, wonach irgendwelche Geheimdienste hinter der Sex-Affäre von Julian Assange stehen würden.“ – Was genau ist an der Theorie eigentlich so dämlich? Habe ich was verpaßt?

      1. @fragend & Markus:
        Der Verschwörungsvorwurf steht einfach im Raum, oder? Weder bewiesen noch unbewiesen.

        Nun zur Frage, ob der Vorwurf dämlich ist: Ein solches Vorgehen von Geheimdiensten, unliebsame Personen oder ein unliebsames Projekt durch persönliche Diskreditierung zu zerstören, ist vollkommen plausibel und vielfach geschehen. Ob dies in diesem Fall geschehen ist, lässt sich nicht beantworten. Dämlich ist diese Überlegung demnach nicht.

    1. Möchte mich der Frage anschließen. Ohne Argumente ist mir eine solche Aussage zu drastisch.

      Selbst wenn es auch nur im Bereich des Möglichen wäre, ist es doch schon lange nicht mehr dämlich.

  7. Bitte Vorsicht mit Schlussfolgerungen! Ich gehe Mal davon asis, dass die Wenigsten von uns Einblick in die echte Situation interne Situation im Hause Wikileaks haben…

    Die von „Daniel Schmitt“ dem Spiegel gegenüber gemachte Aussage, dass Julian Assange „auf jede Kritik mit dem Vorwurf reagiert, ich würde ihm den Gehorsam verweigern“, ist eben die Aussage eines Aussteigers – der nun (freiwillig oder nicht) nicht mehr für Wikileaks aktiv ist.

    Wie Kommentator Nr.14/Holger richtig schreibt, ist es so, dass „Geheimdienste oft die Strategie fahren, Gruppen durch interne Unstimmigkeiten und Streitereien zu sprengen.“
    Ich meine: wir als Außenstehende wissen nichts über die internen Dynamiken, den auszuhaltenden Druck oder die nötigen Strategien, um solch ein Projekt wie Wikileaks stabil und am Leben und Funktionieren zu halten.

    Zudem agiert Wikileaks im Geheimdienst-Umfeld und muss daher auch mit zunehmendem Einfluss mehr und mehr selbst wie ein Geheimdienst denken und handeln – allein schon, um wirksam und am Leben zu bleiben.

    Ich würde da nicht auf die Aussage einer einzelnen Person bauen – zudem, wenn diese Person Wikileaks verlassen hat.

    Und wissen wir denn, ob nicht auch Julian Assange nur ein Gesicht für die Öffentlichkeit ist? Ich halte Wikileaks für professionell genug, um die echte aktive Planungs-Gruppe im Hintergrund und aus der Schusslinie zu halten …

  8. Personalfragen interessieren mich voll garnicht…

    Danke hin oder her: schade dass netzpolitik.org ein urteil anmaßt ohne echte Fakten zu haben.

    „Der da hat das und das gesagt und gemacht, wirklich!!“ ist Boulevardjournalismus.

  9. @fragend & Markus:
    Der Verschwörungsvorwurf steht einfach im Raum, oder? Weder bewiesen noch unbewiesen.

    Nun zur Frage, ob der Vorwurf dämlich ist: Ein solches Vorgehen von Geheimdiensten, unliebsame Personen oder ein unliebsames Projekt durch persönliche Diskreditierung zu zerstören, ist vollkommen plausibel und vielfach geschehen. Ob dies in diesem Fall geschehen ist, lässt sich nicht beantworten. Dämlich ist diese Überlegung demnach nicht.

    1. @all: Ich fand das mit der Verschwörungstheorie von Anfang an für ein Ablenkungsmannöver, von eigenen Fehlern abzulenken. Und ich fand auch, dass es offensichtlich war. Was genau in Schweden vorgefallen ist, weißman nicht genau. Aber je mehr ich darüber gelesen habe, klang es immer realistischer, dass Julian Assange Spaß mit ein paar Frauen hatte, deren Gefühle dabei verletzt hat und diese dann dank scharfer schwedischer Frauenrechte zurückgeschlagen haben und sich das durch Boulevardpresse noch etwas aufgeschaukelt hat. Wenn das real war/ist, wäre es souveräner gewesen, einen Fehler einzugestehen, anstatt sofort die Geheimdienst-Keule zu schwingen, di, wie man ja hier sehen kann, von vielen sofort geglaubt wird, weil sie ja so plausibel ist.

  10. @Markus

    Ich meinte nicht was nicht logisch oder logisch ist, sondern was so dämlich an der Theorie ist.

    Wikileaks arbeitet in einem Umfeld in dem es nur natürlich ist, dass sie großes Interesse der Geheimdienste wecken. Geheimdienste, woher auch immer, sind bekannt dafür Desinformationen zu verbreiten bzw. Menschen zu diskreditieren. Das Assange schuldig ist, ist nicht bewiesen, dass Gegenteil natürlich auch nicht.
    Also woher kommt die Gewissheit, die Geheimdiensttheorie als dämlich zu bezeichnen?
    Ist es nicht vernünftiger abzuwarten und erstmal keine Möglichkeit auszuschließen?

    1. @Fragend: Siehe meinen letzten Kommentar. Natürlich verwenden Geheimdienste solche Sachen, aber in diesem Fall scheint es etwas anders gewesen zu sein und es hat den Anschein, als hätte Julian Assange diese Aussage genutzt, um von eigenen Fehlern abzulenken und eine Nebelkerze in eine andere Richtung zu werfen. Und was ich schade daran finde, ist, dass die Glaubwürdigkeit von Wikileaks durch solche Aktionen unnötig Schaden trägt.

  11. sorry markus aber das klingt aufgrund der größtenteils an Personen ausgerichteten Argumenten alles zu sehr nach BILD und zu wenig nach nem politischen Blog.

    Macht Wikileaks in ihrem Betätigungsfeld einen Fehler: nehmt es auseinander, desto detaillierter, desto informativer.

    Aber welche tatsächliche Relevanz haben der Ausstieg des einen aus dem Projekt oder die Allüren und Frauengeschichten des anderen?

    Es gibt meines wissens nach nur viel geschwurbel, ein Interview aber keine unumstößlichen Fakten aus diesem (eigentlich ja vollkommen unwichtigen!) Bereich

    Und selbst wenns die gäbe und die auch wirklich jemand ernsthaft wissen wollte: wie weit geht das? Gibts bald Berichte über etwaige Bettgeschichten der Führungsriege von Greenpeace oder über Assanges bevorzugte Unterhosenfarbe?

    Was tut das ganze zur Sache?

    1. @edgar: Bettgeschichten von Greenpeace Führungsgeschichte und Assanges bevorzugter Unterhosenfarbe interessieren uns nicht. Wenn einer der zentralen Personen aus einem Netzpolitik-relevanten Projekt aussteigt, interessieren die Hintergründe schon.

  12. Aber im Journalismuss müssen dann auch ebenjene ordentlich recherchiert und mit Fakten belegt werden, oder nicht?

    Tut mir leid. Aber meiner Meinung nach trägt die Glaubwürdigkeit von Wikileaks durch genau DIESE Art von Geschmacksverirrung im Journalismus Schaden davon.

    Trotzdem weiterhin danke für euren Blog, man kanns nicht immer jedem Recht machen.

  13. @Markus

    OK, es hat für dich den Anschein, wozu ich mir erlauben möchte zu bemerken, dass dies auch eine andere Schlußfolgerung deinerseits nicht ausschließt und die Wertung „dämlich“ selbst nach deiner jetztigen Interpretation ein grober Trugschluß sein könnte.
    Einmal ganz abgesehen davon, dass wie schon gesagt – nichts, egal in welcher Form, bewiesen ist.

    1. @fragend & Edgar: Lest mal das verlinkte Interview mit Daniel Schmitt zu einem Zeitpunkt, wo er vermutlich noch Pressesprecher war:

      Schmitt: […]Aber eines unserer größten Probleme im Moment ist, dass es zu viele Gerüchte gibt. Deswegen werde ich nicht spekulieren, was dahinter stecken könnte.

      News.de: Ein isländischer Kollege von Ihnen hat von einer Verleumdungskampagne gesprochen.

      Schmitt: Ich bin sehr vorsichtig mit solchen Aussagen. Auch wenn wir Anfang der Woche einen Hinweis bekommen haben, dass wir mit komischen Tricks rechnen müssen, ist nichts bewiesen. Wir müssen vermeiden, Sachen hochzubauschen, die faktisch nicht belegbar sind. […]

      Deswegen hab ich „dämlich“ verwendet.

  14. hallo, vielleicht klingt es im moment etwas an den haaren herbei gezogen, aber womoeglich ist das nur „gespielt“, dieser ganze streit zwischen wikileaks und daniel. gruende? vielleicht daniel aus der schusslinie zu bringen?! um den geheimdiensten ein gefuehl des sieges zu geben? der druck war sicherlich nicht gerade gering. ich kann mir ausserdem nur schwer vorstellen, das jemand der so viel blut und schweis ins projekt investiert hat, einfach so, mir nichts dir nichts, so aufhoeren kann.
    denke daniel wird dann von ausserhalb „feden“ ziehen oder was auch sonst so…
    ist aber nur eine theorie. abwegig ? wird sich noch zeigen ;)

  15. Es ist sehr vernünftig „vorsichtig mit solchen Aussagen“ zu sein. Da stimme ich mit Schmitt überein. Nur auch klar ist das Assange weiß, was war oder eben auch nicht, insofern darf er, da er als Person angegriffen wurde auch klar Stellung beziehen.
    Es wäre unmenschlich jemanden bei einem so schwerwiegendem Vorwurf zu verweigern – Stellung zu beziehen.

  16. @Christoph

    Ich hoffe du meinst nicht Elvis und 2Pac ;)

    Spass beiseite der letzte Kommentar von Dir stimmt. Wenn ich es auch für mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für unmöglich halte.

  17. @Fragend

    das mit dem tod ist natuerlich nicht wortwoertlich gemeint ;)

    ich kann es auch erstmal nicht wirlich glauben, ich erinner mich an ein zitat (23):

    nichts ist so wie es scheint

  18. @Fragend: Assange bezieht aber keine Stellung (was in man in einem laufenden Verfahren nachvollziehen kann), sondern wirft – mutmaßlich – mit Nebelkerzen.

    Und das, sorry, nun auch wahrlich nicht zum ersten Mal. Man kann das als Taktik sehen, als Versuch, sich nicht angreifbar zu machen, in dem man soviel Spin generiert, dass ein heimlicher Zugriff für die – selbstverständlich! – allgegenwärtigen Dienste (von denen sich Schmitt, siehe oben, weit weniger bedroht sah) unmöglich/schwieriger wird.

    Man sollte nur aufpassen, nicht auf seiner eigenen Verschwörungstheorie hängenzubleiben, wie ein Junkie auf einem schlechten Trip. Gerade, wenn man einer Organisation vorsteht, die sich Transparenz & Wahrheit auf die Fahnen geschrieben hat.

    Auch wir können nicht hinter die Köpfe der Beteiligten schauen (Wobei Daniel übrigens kein Unbekannter ist, s.a. den Blogeintrag von RA Stadler), aber das Gefühl, dass Assanges Ego für Wikileaks nicht nur förderlich ist, war hier schon häufiger zu lesen.

  19. @ Markus

    Zum jetzigen Zeitpunkt ist kein tragfähiger Anhaltspunkt dafür bekannt, der den Schluss zulässt, dass Geheimdienste die privaten Angelegenheiten des mitunter exzentrisch agierenden Assange arrangiert haben könnten. Insbesondere die westlichen Dienste, die ein Motiv hierzu haben können, sind in diesem Metier eher unbegabt. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33243/1.html

    Zwar kann man die Frage stellen, warum die schwedische Staatsanwaltschaft damit an die Öffentlichkeit ging und ob diese Verbreitung einen politischen Hintergrund hat. Eine Kausalität der Dienste auf Assanges aktuellen Probleme ist nach Stand der Dinge eher unwahscheinlich

  20. man kann doch nicht ernsthaft von einer organisation, die geheime regierungsdokumente veröffentlicht, verlangen, dass sie demokratisch und transparent ist!?
    ziemlich naiv.
    (Weiterhin sollte man, wenn man den Kampfbegriff Demokratie in den Mund nimmt, spezifizieren was man für eine Ausgestaltung von Demokratie meint – sofern man ernsthaft diskutieren möchte. Wenn alle einen für 4 Jahre wählen und sein Geschwätz Gesetz ist kann man das auch Demokratie nennen.)

  21. @ Jörg-Olaf-Schäfers

    Wenn Assange sagt man will ihm was anhängen, ist das für mich eine sehr klare Stellungnahme, nämlich die, dass er seine Unschuld beteuert und wie du schon erwähntest absolut ausreichend während eines laufenden Verfahrens.
    Außerdem möchte ich hier nicht in die Ecke eines Verteidigers für Assange gedrängt werden, ich bin lediglich ein großer Freund des Prinzipes, dass man solange unschuldig ist bis das Gegenteil bewiesen wurde.
    „Das Gefühl, dass Assanges Ego für Wikileaks nicht nur förderlich ist“, ist in diesem Zusammenhang übrigens herrlich irrelevant.
    Und das es „hier schon häufiger zu lesen war“ auch.
    Letzters übrigens ohne die allgemeine Leistung von netzpolitik schmälern zu wollen, denn ohne netzpolitik wäre die deutsche Bloglandschaft um einiges ärmer.

  22. @Fragend:

    “Das Gefühl, dass Assanges Ego für Wikileaks nicht nur förderlich ist”, ist in diesem Zusammenhang übrigens herrlich irrelevant.

    Das sehe ich anders. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob Wikileaks neutral agiert und idealerweise auch transparent agiert (oder es zumindest anstrebt) – oder ob die Verantwortlichen zulassen, dass jemand eine politische Agenda verfolgt (Die Schnittfassung von „collateral murder“, bzw. die US-Lastigkeit, wenn du ein Beispiel brauchst) oder gar das Vertrauen in die Plattform für private Interessen instrumentalisiert.

    Und das es “hier schon häufiger zu lesen war” auch.

    Schau, das ist mir einfach wichtig. Nicht, weil ich recht gehabt haben will oder nun Genugtuung empfinden würde, sondern weil mich wirklich erschrocken hat, wie bereitwillig und unkritisch die Wikileaks-Legende bisher aufgenommen wurde.

    Und das von einer Community, die sich sonst gerne als Sperrspitze der Informationsgesellschaft sieht. Der eigentliche Witz ist doch: Assange hat es gerade zu meisterhaft geschafft, die Medien in einer Form zu instrumentalisieren, die Wikileaks zu entzaubern vorgibt (Kleines Detail am Rand: SpOn feiert sich noch heute für den gemeinsamen Scoop, der nüchtern gesehen mit einem doch eher überschaubaren Erkenntnisgewinn verbunden war).

    Man könnte lachen, wenn es nicht so absurd und traurig wäre. Und das völlig unabhängig vom aktuellen Verfahren.

  23. @Jörg-Olaf-Schäfers

    Ich, obwohl Teil der „Speerspitze der Informationsgesellschaft“, möchte mir einfach keine endgültige Meinung anmaßen und halte es für falsch durch die Persönlichkeit Assanges Rückschlüsse auf strafrechtlich relevante Vorgänge zu ziehen.

    @RA Kompa

    In dieselbe Kategorie fällt auch die Aussage „des mitunter exzentrisch agierenden Assange“.

  24. Die leute sollten Herrn Julian Assange in den Hintern treten und das Projekt neu unter neuem Namen aufbauen oder einfach übernehmen und gut ist.
    Julian Assange wird mittlerweile einfach nur noch größenwahnsinnig, mehr nicht. Und dann noch so einen Tweet zu schreiben(der mittlerweile schon wieder gelöscht ist…) zeigt das er genauso ein totalitärer Spinner wird, wie gegen er mit seinen Leuten ankämpfen wollte.

    Fazit: Wikileaks neugründen, ohne JA, und OHNE öffentliche Personen auftreten, wie am Anfang. Das mit der Zeit überhaupt soviel Medien Geplärre von JA, und zumindest ganz selten(was ja noch OK ist und dann wenigstens nicht mit echten Namen) von Daniel Schmitt, war ja kaum auszuhalten!

  25. @ markus, zu deinem zitat in kommentar nr. 34: die tatsache daß man das so interpretieren kann wie du es getan hast, genau das ist das problem, kein wunder dass ansange das evtl. als illoyal empfunden hat.

    also meinst du wirklich, schmitt würde eine aussage machen, die beeinhaltet – und wenn auch nur indirekt: julian ansage hat gelogen?

    schmitt schätze ich ein als einen großen verfechter von wiki-leaks, bzw. von der idee an sich (ich wills mal ganz deutlich sagen, er hat sich wirklich den arsch aufgerissen für diese sache, soviel ist jedem klar der sich ein bißchen mit seinem werdegang in diesem projekt befaßt hat). ich bin sicher, er würde nichts sagen, das dem projekt schadet.

    der kopf eines projekts, welche person das auch immer gerade ist, ist immer die zielscheibe nr. 1, wenn es darum geht, ein projekt schlecht zu machen. es folgt daraus, julian ansage anzugreifen, ist eine sehr gute strategie um das ganze projekt anzugreifen. darum wäre es von schmitt sehr unklug, sich vor ein mikro zu stellen und zu sagen (indirekt): alles nur hysterie von ansage.

    daher denke ich, du hast ihn vielleicht mißverstanden. ich glaube, er hat versucht klarzumachen, daß er es für unklug hält, zu gerüchten stellung zu beziehen. (als gerücht bezeichne ich hier alles, was nicht bewiesen ist – dazu mehr am schluss).

    hätte er eindeutig stellung bezogen, wäre das tatsächlich problematisch gewesen: wenn man A sagt, muß man auch B sagen und erläutern, was man denn für alternative erklärungen hat. wo das hinführt kennt wohl jeder – man ist nur noch eine rechtfertigungs-maschine und redet sich im zweifelsfall um kopf und kragen, weil alles was man sagt erst recht gegen einen verwendet wird, *vor allem* wenn man keinerlei beweise hat, was bei gerüchten ja naturgemäß der fall ist. das ist dann immer ein gefundenes fressen für die gegner, besser ist daher, man äußert sich zu gerüchten *überhaupt nicht*. außer in der form, wie schmitt das getan hat: man sagt, daß man dazu nichts sagen will.

    besser wäre aber gewesen, er hätte es in die dafür vorgesehene formel „kein kommentar“ gepackt, anstatt in einen so mißverständlichen satz. er hat das sicher gesagt um das gesamte projekt wikileaks zu schützen, doch es kommt in der wirkung nicht unbedingt so rüber, sondern kann sogar gegenteilig rüberkommen wie man an deiner interpretation sieht.

    (wobei ich noch in erinnerung rufen möchte, daß dies alles vom spiegel kommt. ich traue diesem blatt nicht. wer weiß, was schmitt wirklich gesagt hat, insgesamt. ich hoffe er äußert sich demnächst mal wieder in einen podcast o.ä.).

    jedenfalls: wenn *du* das schon so auffaßt, das statement von schmitt, wie muß das dann erst bei ansage rüberkommen? daß der typ momentan mega-paranoid ist, ist nicht wirklich verwunderlich. und sowas führt dann zu genau den vertrauensproblemen, von denen schmitt spricht: da wird dann jede nicht-zustimmung gleich als verrat gewertet (wer nicht für mich ist, ist gegen mich).

    ich sage nicht, daß es ok ist, ich versuche nur zu verstehen was da passiert sein könnte, und ich denke die hatten da einfach ein deftiges kommunikationsproblem. wenn dann auch noch so worte wie „gehorsam“ fallen (wobei, wie gesagt: spiegel…), dann is eh alles vorbei.

    für mich sieht das so aus als sei j. ansage inzwischen so neben der kappe, daß er gar nicht mehr peilt wer freund und wer feind ist. und seien wir ehrlich, die meisten menschen sind schon mit viel geringeren problemen überfordert als mit denen, die jemand in der position eines j.a. zur zeit hat. da kann auch ein schmitt nicht mehr helfen, und auch keine anderen noch so wohlmeinenden helfer, da kommt es irgendwann zur eskalation. die haben wir aber noch nicht gesehen, die steht noch aus.

    noch zu den vergewaltigungsvorwürfen: allein an dem hick-hack (ermittlung- doch keine ermittlung -bla) siehst du, daß die sachlage mitnichten eindeutig ist, und ich finde es nicht sehr fair daß du unterstellst an den mißhandlungs-vorwürfen sei wohl was dran. versteh mich nicht falsch, es gibt keine pflicht zur fairness, jeder darf parteisch sein! (ich werde es auch gleich :-) )

    aber es gibt nun mal wirklich nichts einfacheres, als „vergewaltigung“ zu schreien wenn man jemand schlecht machen will – das läßt sich nämlich mitunter sehr schlecht beweisen und etwas von dem dreck, der da geworfen wird, bleibt immer hängen, sehr praktisch. hinzu kommt, daß es wirklich ein verdammt seltsamer zufall war, daß so ein vorwurf gerade jetzt kam. klar, solche zufälle gibts. du kannst völlig recht haben mit deinem eindruck. ich hab halt einfach ein anderes bauchgefühl. auf mich wirkt j.ansange einfach nicht wie jemand, der für mich als frau gefährlich oder auch nur unangenehm werden könnte, allerdings „kenne“ ich ihn auch nur aus videos (also = gar nicht), daher kann ich auch völlig falsch liegen. (und ja, um die frage gleich vorweg zu nehmen: bisher lag ich in 90% der fälle richtig bei meiner einschätzung ob oder ob nicht ich einen mann besser meiden sollte.) wer weiß schon was da wirklich war, und ob überhaupt. es gibt ungefähr so viele möglichkeiten zwischen mann und frau, sich mißzuverstehen, wie es männer und frauen gibt…

    und zuletzt noch an die „bild“-vorwürfler: ist wohl lang her daß ihr die bild gelesen habt, wenn ihr diesem artikel hier bild-niveau bescheinigt ;-). alle die so nach fakten schreien sollten bedenken daß menschliches handeln zu ungefähr 150% aus emotionen besteht… darum ist es legitim sich mit der menschlichen seite von wikileaks auseinanderzusetzen: wikileaks BESTEHT aus menschen.

    1. @annie: Ich hab zu keinem Zeitpunkt das Wort Vergewaltigung verwendet. Wie ich schon geschrieben habe, deutet mittlerweile das meiste daraufhin, dass Julian die Herzen von zwei Frauen gebrochen hat, die daraufhin wütend geworden sind und in Schweden gibt es sehr gute Frauenrechte, so dass man aus der Geschichte wahrscheinlich einfach einen Vorwurf in Richtung sexuelle Belästigung konstruieren kann, zumal da wohl noch ein verlangter Aids-test eine Rolle spielen soll. Aber darum gehts eigentlich nicht in meinem Beitrag.

      Was mich etwas verärgert hat, ist das Statement auf Twitter, wie man Daniel abserviert hat.

  26. Es ist ja auch nicht ganz ohne, dass seine Frau als deutsche Lobbydirektorin für eine amerikanische Firma in Deutschland arbeitet und als Teil ihrer Lobbyarbeit Wikileaks erklärt und promotet und ihr Privatleben zum Gegenstand ihrer Interessenvertretung macht. Insbesondere liegt ein Konflikt der Interessen vor, wenn diese Firma selbst Opfer (oder Verursacher?) von „geleakten“ Dokumenten ist. Eigentlich wäre das schon Grund genug gewesen für den Rücktritt.

    Einen noch besseren Grund liefert freilich Wikileaks selbst mit der leichtfertigen Veröffentlichung von militärischen Geheimnissen, parteiischen Kampagnen („collateral murder“) und der überzogenen Selbstdarstellung von Assange. Auch im Fall der Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange hat „Daniel Schmitt“ sehr besonnen und professionell reagiert. Ich denke, dass es die beste Entscheidung ist, und jetzt der Schlamm spritzen wird. Da muss er einfach durch, sich wegducken, die Anerkennung für seinen Beitrag wird dadurch nicht geschmälert. Ich wünsche ihm auch, dass die Regierungen fremder Staaten ihn und seine Frau und Kollegen in Ruhe lassen mögen.

  27. Erstaunlich, dass «Daniel Schmitt» überhaupt bereit war, die One-Man-Show von Assange so lange mitzutragen … schade, dass Assange das Wikileaks-Projekt selbst begräbt, indem er tragfähige Strukturen und Transparenz nicht zulässt.

  28. Hallo!
    Es macht sich seit ein paar Monaten der Eindruck breit, dass es tatsächlich im Betriebsgefüge von Wikileaks Differenzen gibt, welche von der für die Seed-Phase nützlichen „Global-Big-Story-Action“ zu der stärkeren Regionalisierung tendieren.
    Dies ist in einigen Jahren ein klarer Entwicklungsprozess gewesen.

    Zu den Mutmaßungen:
    Es gibt auch zahlreiche Private Dienste (nicht nur von großen Konzernen oder anderen offiziellen Institutionen), welche teils genauso wie staatliche Dienste agieren.
    Bleibt immer zu hoffen, dass die dort Tätigen in einer Struktur sind, welche sie reflektiert und ausbremst – es geht sehr schnell, extrem zu reagieren (einschließlich Mord).
    Es gibt auch gezielt-kontra-produktiv-agierende Fans, die um gewisse Prozesse zu beschleunigen, den Kollaps ihres heiligen Produktes in kauf zu nehmen bereit sind.

    Hier geht es um die Glaubwürdigkeiten, die Sicherheiten und es wird irgendwo im Text behauptet, dass es eben nichts bringt Assange zu töten, da der Apparat Wikipedia dadurch nicht verschwindet, wer mehr Englisch kann als ich:
    http://alphavilleherald.com/2010/09/why-is-jeanne-whalen-stonewalling-on-her-wikileaks-story.html
    denn der Google-Translater ist recht-mäßig.

    Wikileaks ist nicht so kompliziert wie es häufig erscheint.
    Es stehen irgendwo Email-Adressen, der Twitter oder es gibt Eingabe-Formular-Web-Adressen. Nach erstem Beschnuppern. Verzögerung. Wenn sich ein Informand als realistisch darstellt (wie dies entschieden wird, dürfte egal sein!), bittet man ihn um Originale, nach Möglichkeit Papier (spezielles von des zu-leakenden Instituts), DVD oder gar betriebseigene Computerteile (eher nur im militärischen Bereich).
    Dann wird die „gegnerische Seite“ möglichst anonym angefüttert – abchecken ob diese Informationen dort für Nervosität sorgen. Erst wenn dieses Manöver erfolgreich abgeschlossen ist, wird das Netzwerk für die Veröffentlichung vorbereitet.

    Es macht Sinn, einen „Vorstandsvorsitzenden“ zu haben, mit etlichen „Pressesprechern“ zu arbeiten, aber es ist nicht zwingend notwendig.
    Wikileaks kann durchaus, entweder (wie ich es bisher verstanden habe) Super-Transparent mit den relevanten Führungspersonen in der Öffentlichkeit stehen oder es hält die Öffentlichkeitsarbeiter als Abstandhalter hin.
    Jedenfalls benötigt das globale Wikileaks maximal 170 interne Mitarbeiter, besser sind unter 50!
    Da kommen dann schnell Engpässe auf, also benötigt man ausgelagerte Dienste.

    Wikileaks ist jetzt global bekannt – es muss jetzt regionalisieren, sonst verliert es seine Glaubwürdigkeit.
    Genial wäre eine maximal-multilinguale Strategie, die müsste aber eher mit GlobalVoice kombiniert sein, denn sollte Wikileaks zu teuer werden oder zu sehr von regelmäßigen Hypes abhängig sein, droht es selbst zur Ursache von Fälschungen zu werden.

  29. Irgendwie geht hier ja gerade völlig unter, wie viel Wikileaks Julian Assange zu verdanken hat. Im Vergleich zu ihm wirkt Daniel Schmitt (Daniel Domscheit-Berg) blass. Mal abgesehen von seinem Know-How, ist Julian photogen und charismatisch. Und wer meint, das dürfe keine Rolle spielen, der ist naiv.

    @ markus

    [blockquote]Wie ich schon geschrieben habe, deutet mittlerweile das meiste daraufhin, dass Julian die Herzen von zwei Frauen gebrochen hat, die daraufhin wütend geworden sind und in Schweden gibt es sehr gute Frauenrechte, so dass man aus der Geschichte wahrscheinlich einfach einen Vorwurf in Richtung sexuelle Belästigung konstruieren kann, zumal da wohl noch ein verlangter Aids-test eine Rolle spielen soll.[/blockquote]

    Was soll denn an Gesetzen sehr gut sein, wenn sie es einer Staatsanwaltschaft ermöglichen, Rufmord an jemandem zu begehen, auf den die Frauen wütend sind, weil er ihre Herzen (möglicherweise) gebrochen hat? Und warum passiert das so kurze Zeit nach der Veröffentlichung der »Kriegs-Tagebücher«? Warum wird die Staatsanwältin ausgetauscht? Dass die Geheimdienste die Frauen auf Julian Assange angesetzt haben, ist unwahrscheinlich. Wenn du das meinst, hast du recht. Dass sie aber Druck auf die Staatsanwaltschaft ausgeübt haben, halte ich für sehr wahrscheinlich. Sich von Julian Assange in dieser Situation abzuwenden, seinen Rücktritt zu fordern, Daniel Schmitt zum besseren Whistleblower hochzustilisieren, die großen Projekte mit Hinweis auf die Wichtigkeit der kleinen Projekte abzuwerten, ist wirklich erbärmlich. Die großen (sensationellen) Projekte lenken doch erst die Aufmerksamkeit auf die kleinen.

    1. Wikileaks braucht keine mediale Aufmerksamkeit. Wikileaks muss nur still und heimlich existieren, für jeden zugänglich und vollkommen unangreifbar sein.

  30. @NGC280 Das war der Plan, ja. Insbesondere wollte man eine bessere Finanzierungsbasis aufbauen.
    Wenn allerdings jeweils eine grosse Pause zwischen den Leaks herrscht und nichts weniger sensationelles veroeffentlicht wird, so entsteht der Eindruck, dass das Publikumshoch nicht genutzt wird und man sich stattdessen darauf konzentriert die Spannung fuer die naechste Enthuellung aufzubauen.

    Hier kommentierte jemand, dass Wikileaks mit wachsenden Gegnern sich selbst wie ein Geheimdienst verhalten muss, um sich und die Quellen weiterhin schuetzen zu koennen. Das sehe ich nur teilweise genauso. Urspruenglich ist Wikileaks ein Hackerprojekt, dann eine Aktivistengruppe und letztlich auch ein Pressemedium. Der Geheimdienstanteil stellt liegt lediglich im Kommunikationsbereich, was Technik als auch Organisation betrifft.
    Es steht dem nichts entgegen transparent ueber die eigene Finanzierung zu sein, also Flusswege der Spendengelder und den Fahrplan fuer die zukuenftigen Ausgaben der Oeffentlichkeit bereitzustellen.
    Auch wenn viele Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor Geheimdiensten getroffen werden muessen, Geheimniskraemerei vor der Oeffentlichkeit bietet nur eine groessere Angriffsflaeche fuer die unzaehligen Gegner und heizt die Unsicherheit im eigenen Lager auf.
    Genauso wird das uebliche Ziel der Hacker, freie und transparente Information anzubieten, missachtet. Kein Wunder, wenn sich dann einige mit dem Medienzirkuss unzufrieden zeigen, frei nach der Sensationsstrategie der privaten Mediengiganten, die schon immer als Vorbild fuer Korruption angesehen wurden.

    Nach vielen Erklaerungen, man arbeite an der Veroeffentlichung der finanziellen Struktur, nahm ich an, dass das Geldpolster vor allem fuer moegliche Gerichtsverfahren gespart wird und man u.U. auch fuer das naechste Jahr vorsorgen moechte. Doch bei den hohen Mengen an Einnahmen bei gleichzeitig nach bisherigem Wissensstand geringen aber auch undurchsichtigen Ausgaben, ist auch bald das Ende der Geduldsprobe erreicht. Hinzu kommen mehrere Veroffentlichungen auf cryptome.org von angeblichen Insidern, die nur noch mehr Oel ins Feuer schuetten.

    Wikileaks hatte schon immer eine skeptische Natur, so aber auch deren Nutzer. Das Projekt spielt mit Sprengstoff auf vermientem Terrain und es gibt nur wenige Wege das Vertrauen der Aussenstehenden zu gewinnen, welches das wichtigste Gut ist, wenn man eine Ideologie verbreiten will.
    Begutachtet man die oeffentlichen Auftritte von Assange in diesem Jahr als auch die Informationen ueber die Innenpolitik bei Wikileaks, kommt man nur zum Schluss, dass Schmitt recht hat und Wikileaks bisher aus Fehlern nicht lernt.
    Assange mag ein wichtiger Teil des Projekts zu sein, insbesondere wegen seiner Maertyrerrolle fuer die Medien, doch er selbst sagte, er fuehre Wikileaks zur Selbststaendigkeit, um es spaeter verlassen zu koennen, was jetzt passiert sich dem Gegenteil aus.

  31. Achja, zum Thema Vertrauen: selbst mit Originaldokumenten kann man Einseitigkeit bewirken, was allerdings kaum bemerktbar bleibt, solange man keine weitere Informationen ueber die Herkunft und Zusammenhang hat, als von dieser einen Partei veroeffentlicht wurde.
    Es ist also sehr wichtig, nur wegen Angst vor etwas mehr Oeffentlichkeit in einigen Bereichen, sich nicht zu diskreditieren.
    Paranoia ist ein gutes Schutzmittel, doch wie es heisst: Zu wenig und zu viel, verderben jedes Spiel!

  32. @ Jörg-Olaf Schäfers

    Man sollte nur aufpassen, nicht auf seiner eigenen Verschwörungstheorie hängenzubleiben, wie ein Junkie auf einem schlechten Trip. Gerade, wenn man einer Organisation vorsteht, die sich Transparenz & Wahrheit auf die Fahnen geschrieben hat.

    Ein eher unpassender Vergleich. Mir ist auch nicht klar, wo auf einmal Transparenz und Wahrheit herkommen. Wikileaks ist und bleibt ein „multi-jurisdictional public service designed to protect whistleblowers, journalists and activists who have sensitive materials to communicate to the public.“ Da müsste man schon erklären, wo o.g. Kategorien herstammen.

    Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob Wikileaks neutral agiert und idealerweise auch transparent agiert (oder es zumindest anstrebt) – oder ob die Verantwortlichen zulassen, dass jemand eine politische Agenda verfolgt

    Warum ist das schlecht? Verfolgt netzpolitik.org nicht auch eine politische Agenda? Deine Worte wenden sich gegen dich.

  33. Daniel Schmitt sollte einfach ein alternatives Wikileaks aufbauen. Konkurenz belebt das Geschäft. Mund abputzen und weiter.

    Letztlich geht es uns allen doch nicht um Wikileaks. Es geht um die Struktur, die Wikileaks möglich macht. Politische Transparenz kann nicht durch eine einzige zentrale Instanz gefördert werden. Der Feind der Macht ist dezentral.

  34. jaja. Gut gemacht nsa . Teile und herrsche. Alte geheimdiensttechnik zur zerstoehrung legaler gruppierungen. Man saehe misstrauen und diffamiere in der oeffentlichkeit. Frage mich nur warum die wikileakers das nicht durchschauen. Hm.vielleicht schon erfolgreich unterwandert? Wuerde mich nicht wundern. Misstrauen ist wie ein schleichendes gift.

  35. Was ich hier aus den Beiträgen und auch dem Artikel herauslese, ist ein Misstrauen gegenüber jeder Art von Führung und ein Übermaß an Vertrauen in Demokratie und Transparenz. Absolute Demokratie in einer Organisation wie Wikileaks ist der beste Weg, sie zu zerstören. Julian Assange ist eine Führungspersönlichkeit. Und mich interessiert an der Sexaffäre nur, ob oder wie souverän er mit der Affäre umgeht. Es handelt sich aber um ein laufendes Ermittlungsverfahren. Wie viel Transparenz erwartet ihr eigentlich? Transparenz und Geheimnisausplauderei – das ist ein Widerspruch in sich. Solange Wikileaks Informationen nicht verfälscht, interessiert mich nicht einmal, ob der Fokus auf bestimmte Informationen gelenkt wird. Letztendlich betrachte ich die Affäre nur dann nicht als Julians Privatangelegenheit, wenn sie ein Angriff auf Wikileaks ist. Aber gerade dann solidarisiere ich mich mit ihm. Wenn sie aber kein Angriff auf Wikileaks ist, sondern er sich sexueller Übergriffe schuldig gemacht hat, dann mag er vielleicht als Sprecher für Wikileaks nicht mehr geeignet sein, aber es mindert nicht das Vertrauen, dass ich ihn setze. D. h. ich erwarte keinen fehlerlosen Menschen an der Spitze von Wikileaks, sondern nur einen, dem das Projekt eine Herzensangelegenheit ist, der kompetent ist und der beides der Öffentlichkeit zu vermitteln weiß. Ich arbeite in der Filale eines großen Unternehmens, in der etwa 250 Leute beschäftigt sind. Ganz normale Leute. Glaubt hier jemand, von denen hätte schon mal jemand was von Wikileaks gehört? Nein, haben sie nicht. Sie nutzen das Internet höchstens, um in Online-Shops einkaufen zu gehen. Dass es so etwas wie Netzpolitik gibt, davon wissen sie rein gar nichts. Sollten sie aber. Und deswegen braucht eine Organisation wie Wikileaks derzeit eine charismatische Persönlichkeit wie Assange, und zwar selbst dann, wenn diese Person kein Heiliger ist.

  36. @NGC280 Also Transparenz und Geheimnisausplauderei stehen nicht im Widerspruch zueinander. ;)
    Assange mag eine Fuehrungspersoenlichkeit sein, doch seine tatsaechliche Position ist in einem Beirat. Die Oeffentlichkeit identifiziert ihr Vertrauen in Wikileaks mit ihm. Das war gewollt und der Grund jemanden der Aussenwelt preiszugeben.
    Fuer das Opfer, das Assange gebracht hat und die investierte Arbeit, die Wikileaks viel weiter gebracht hat, sieht er sich in einer besonderen Machtposition. Das mag auch eine Zeit lang richtig sein, doch wird ihm nun selbst mangelde Kommunikation und Auffrichtigkeit innerhalb der Organisation unterstellt, sofern man den indirekten Aussagen von Daniel Schmitt im Spiegel vertrauen kann.
    Laufende Gerichtsverfahren oder angebliche Informationsverfaelschungen stelle ich ausser Acht. Das gehoert in die Boulevardmedien.

    Was Kritiker vor allem wuenschen ist die Transparenz bei der Handhabung der Spendengelder. Das sind keine kleine Summen mehr, die derzeit laut bisherige Informationen nicht verwendet werden, waehrrend weiterhin um groessere Spenden geworben wird ohne einen angemessenen Grund zu liefern.
    Die Oeffnung der Finanzierungsplaene bietet keine Angriffsflaeche fuer etwaige Gegner, sondern fuellt nur das halb-leere Glas von Vertrauen wieder auf.
    Bisher war es immer Daniel Schmitt, der ueber eine hoehere Transparenz in der Zukunft in den Interviews gesprochen hat ohne das was passiert ist. Diese Hoffnungsquelle ist nun nicht mehr Teil des Projektes.

  37. @NGC280: Eine Solidarisierung mit Assange wg. eventuell ungerechtfertigter Verfolgung ist eine Sache. Sich hinzustellen und zu sagen, dass hinter allem die Geheimdienste stecken, nur weil er der Meinung ist, eine andere.

    Wikileaks sollte sich lieber drauf konzentrieren, Dinge zu leaken. Wo sind denn die Leaks? Afghan War Diaries war eine umfassende Beschreibung des Alltäglichen in Afghanistan, als historisches Material bedeutsam, gewürzt mit einigen neuen Dingen.

    Collateral Murder war ebenfalls krass.

    Aber wenn man sich anschaut, was Wikileaks in den letzten Monaten getan hat, wird der Eindruck erweckt, dass eigentlich nicht besonders viel passiert. Wo sind denn die Leaks? Da wurden zu den USA in November – Dezember letzten Jahres mehr geleakt als im gesamten 2010.

    Wenn man da nur noch den grossen Krieg gegen die USA führt (metaphorisch) und der CIA und dem DOD ans Bein pinkeln will, was passiert dann mit den Bereichen, wo man tatsächlich etwas bewirkt hat? So wie Island, oder Kenia?

    Dazu die skurrilen, nicht weiter erklärten Forderungen nach mehr Geld, mit dem „Need 700.000 $ for next harm minimization“…

    Der hysterische Umgang mit den Nötigungsvorwürfen, plus jetzt das geschmacklose Nachtreten bei Daniel Schmitt…

    All das hat zumindest mein Bild von Wikileaks nicht positiv beeinflusst.

    Weniger Fernsehauftritte und mehr Arbeiten würden wohl einigen Leuten da wirklich ganz gut zu Gesicht stehen.

  38. Der nick oben sollte sd nicht ss sein ^^

    @_Flin_
    Den letzten Satz wuerde ich nicht so stehen lassen. Ich nehme schon an, dass alle vollbeschaeftigt sind mit Ihrer Arbeit. Assange ist fuer diese Fernsehauftritte da. Den Frust ueber mangelde Kommunikation mit der Oeffentlichkeit sollte man nicht mit unbegruendeten Vorwuerfen auslassen.
    Wir wissen ja nicht was der Grund fuer die fehlenden Publikationen ist.

  39. Also Transparenz und Geheimnisausplauderei stehen nicht im Widerspruch zueinander. ;)

    Ja, das war ungeschickt formuliert. War mir selber auch aufgefallen. Sagen wollte ich, dass derjenige, der Geheimnisse ausplaudert, sich selbst nicht völlig transparent machen kann, wenn er will, dass ihm weitere zur Ausplauderei bestimmte Geheimnisse zugetragen werden. Und natürlich ist Wikileaks ein Geheimdienst, also ein Dienst, der auf der Suche nach Geheimnissen ist, um sie weiterzugeben. Im Falle von Wikileaks nicht an machtvolle Auftraggeber – Regierungen oder Unternehmen – sondern an die Völker. Und natürlich muss sich Wikileaks schützen. Das geht meiner Ansicht nach nur, indem Wikileaks einen Teil der eigenen Strukturen geheim hält. Dass das schadet, glaube ich nicht, ganz im Gegenteil. Geheimnisse machen den Geheimnisträger interessant und attraktiv und diejenigen, die an den Geheimnissen interessiert sind, neugierig. und zwar nicht nur neugierig auf die persönlichen Geheimnisse des Geheimnisträgers. Ob der Geheimnisträger moralisch handelt, ist in Bezug auf seine Attraktivität zwar nicht unwichtig, aber es sollte nicht überbewertet werden.

    Die Geheimnisse des Geheimnissträgers ändern auch nichts am Wert der Informationen, die er der Öffentlichkeit übergeben hat. Dass die Informationen nicht nur von Wikileaks selbst auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden sollten, ist doch wohl klar, oder?

    Im Übrigen wage ich zu sagen, dass sich von uns hier kaum einer vorstellen kann, welchem Druck die direkten Mitarbeiter von Wikileaks ausgesetzt sind. Die Ressourcen staatlicher Geheimnisse lassen sich mit denen von Wikileaks kaum vergleichen. Da stehen sich zwei ungleiche Gegner gegenüber. Und in der Krise, als die ich diese Sexaffäre mitlerweile bezeichen würde, sind interne Machtkämpfe und Transparenz über diese Machtkämpfe völlig unangebracht. Informationen über diese Machtkämpfe in die Öffentlichkeit zu tragen, ist nicht loyal gegenüber dem Projekt. Daniel Schmitt hat den falschen Zeitpunkt gewählt, um mit seiner Kritik an Wikileaks an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich gehe davon aus, dass er sich dem Projekt immer noch verbunden fühlt, auch wenn er ausgestiegen ist. Der Ausstieg und die (temporäre) Suspendierung schließen sich schließlich nicht aus, sondern der Ausstieg kann die Folge einer temporären Suspendierung gewesen sein. Aber derzeit schadet Daniel Schmitt dem Projekt mehr, als er ihm nützt.

  40. Was mich wundert, ist: Findet es hier niemand vollkommen deplaziert, dass Herr Domscheit-Berg zum Spiegel rennt, um mit maximaler Aufmerksamkeit seinen Rücktritt zu erklären?

    1. @Tharben: Warum nicht, wenn man ein solches Forum nutzen kann. Das Wikileaks-Blog stand ihm ja nicht mehr zur Verfügung und Zugriff auf seine Mails dort hat er wohl seit einem Monat auch nicht mehr, um seine Kontakte zu informieren. Insofern ist doch der Spiegel ein geeignetes Forum mit breiter Wirkung.

  41. In der Printausgabe von Der Spiegel ist das ganze Interview veroeffentlich, was einiges klarer darstellt.
    Hier auch veroeffentlicht:
    http://cryptome.org/0002/schmitt-spiegel.htm

    @Tharben Liest man das ganze Interview wird es deutlicher, dass Daniel Schmitt Druck auf Assange ausueben moechte, damit er mehr mit seinen Mitarbeitern kommunitiert.

    @NGC280
    Die Gerichtsverfahren gegen Assange und Wikileaks haben wenig mit den internen Komplikationen gemein. Wie Daniel Schmitt es aussagt und ich selbst schlussfolgern wuerde, geht es bei den Problemen bei Wikileaks nicht um Machtkaempfe, sondern Meinungsdifferenzen ueber das derzeitige und zukuenftige Konzept, dem Wikileaks folgen moechte.

  42. @markus: Na das mein ich ja grade, maximale Öffentlichkeitswirksamkeit. Es riecht ein wenig nach Selbstdarstellung, denn ordentlich begründen kann man wohl kaum, dass dies dem Projekt Wikileaks helfen würde.

  43. @NGC280
    Die Gerichtsverfahren gegen Assange und Wikileaks haben wenig mit den internen Komplikationen gemein. Wie Daniel Schmitt es aussagt und ich selbst schlussfolgern wuerde, geht es bei den Problemen bei Wikileaks nicht um Machtkaempfe, sondern Meinungsdifferenzen ueber das derzeitige und zukuenftige Konzept, dem Wikileaks folgen moechte.

    Das mag ja sein, aber Wikileaks ist Feind jedes Staates und jedes Unternehmens, die etwas zu verbergen haben, und spätestens seit der Veröffentlichung des Collateral-Murder-Videos unter Druck. Manche dieser Staaten und Unternehmen, die über viel größere Ressourcen verfügen als Wikileaks, hat Wikileaks sich sogar zum Todfeind gemacht. Und einen Teil der Aggression und des Misstrauens geben die Mitglieder der Gruppe im Sinne eines Machtkampfs aneinander weiter. Aber vielleicht finanziert Wikileaks ja von einem Teil des der Organisation zur Verfügung stehenden Kapitals in professionelle psychologische Betreuung? Wahrscheinlich nicht, oder? Jedenfalls ist das kein Zufall, dass die Spannungen innerhalb von Wikileaks jetzt zutage treten. Würde das nämlich alles ganz sachlich diskutiert werden, würden die sich gerade mit ihrem Kinderkram nicht selbst zersemmeln, sondern wenigstens nach außen hin Geschlossenheit demonstrieren. Natürlich wäre es schön, wenn es mehr als ein oder zwei Wikileaks gäbe. Aber es müssen keine tausend sein. Ich schrieb in einem anderen Beitrag bereits, dass Wikileaks denjenigen, die im Internet weniger zuhause sind als wir hier, nicht bekannt ist, auch wenn sie ab und zu im Fernsehen erwähnt werden. Gäbe es jetzt tausend solcher digitalen Robin-Hoods, wäre es viel schwieriger auch nur den Namen eines einzigen ins Gedächnis derjenigen Leute einzupflanzen, denen das Internet fremd ist. Deswegen hoffe ich sehr, dass Wikileaks nicht wegen überzogener Forderungen nach Transparenz und Vorurteile über denjenigen, der Wikileaks bisher in der Öffentlichkeit sehr gut vertreten hat, zugrunde geht. Jemand wie Daniel Schmitt hat jedenfalls nicht die Aura eines digitalen Robin Hoods (der im Übrigen von mir aus gerne die Herzen von Frauen brechen darf, solange er dabei keine Gewalt anwendet. Diese Formulierung hat mich besonders an Markus’ Kommentar gestört. Entweder Julian Assange hat Frauen missbraucht oder nicht [was an meiner Meinung über ihn im Moment übrigens nichts ändert, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, über dessen Hintergründe keiner von uns genau informiert ist], aber ein Gesetz, das reine Herzensbrecherei strafverfolgt, ist ganz sicher kein sehr gutes Gesetz.)

  44. Da ich gerade das Interview im Spiegel mit Daniel Domscheit-Berg lese, sei hier nachgetragen, dass er selbst sagt, dass er von Assange vor vier Wochen suspendiert worden sei. D.h. also, rein vom Ablauf her stand die „Suspendierung“ Domscheit-Bergs vor seinem Rücktritt von Wikileaks.

    Die entscheidende Stelle als Zitat aus dem aktuellen Spiegel:

    SPIEGEL: Warum machen Sie nicht beides?
    Schmitt: Das hätten wir gern getan, aber leider sind wir in einer Sackgasse. Ich habe mehrfach versucht, das anzustoßen, aber Julian Assange hat auf jede Kritik mit dem Vorwurf reagiert, ich würde ihm den Gehorsam verweigern und dem Projekt gegenüber illoyal sein. Vor vier Wochen hat er mich suspendiert – als Ankläger, Richter und Henker in einer Person. Seither habe ich beispielsweise keinen Zugriff mehr auf meine WikiLeaks-Mail. Damit bleibt viel Arbeit liegen, andere Helfer werden blockiert. Ich weiß, dass niemand aus unserem Kernteam damit einverstanden war. Aber das scheint keine Rolle zu spielen. WikiLeaks hat ein strukturelles Problem. Für mich ist das nicht länger zu verantworten, deshalb verlasse ich das Projekt.

    Auf einem anderen Blatt steht natürlich, wie dieses Vorgehen zu werten ist.

  45. Kurze Zeit, nachdem Daniel Schmitt bei Wikileaks aufgeschlagen ist, wechselte 2008 seine jetzige Ehefrau zu Microsoft Deutschland (Berlin) und bekleidet seitdem dort den Posten als „Director Government Relations bei Microsoft Deutschland“.
    .
    Über _diesen_ bemerkenswerten zeitlichen und tatsächlichen Ablauf kann man ja auch mal in Ruhe nachdenken.
    .
    Ich glaube nicht, dass alle Gründe für Daniels Abgang von Wikileaks auf dem Tisch sind. Da stehen meines Erachtens noch Fragen im Raum.
    .
    Derzeit erscheint Wikileaks nicht in besonders gutem Licht.

  46. Derzeit erscheint Wikileaks nicht in besonders gutem Licht.

    Vielleicht, weil plötzlich jeder glaubt, besonders qualifiziert als Beleuchtungstechniker zu sein.

  47. Abwarten..
    Ich denke auch das nichts so ist wie es auf den ersten Blick scheint.
    Aber der Unmut vieler, und die Nachfrage nach unverdrehtem Wissen um Mißstände ist allgegenwärtig.
    Wir wissen das nicht nur das Angebot Nachfrage schafft.
    Umgekehrt ist es auch so!

  48. Wenn hier einige meinen, schlauer als interne Wikileaks-Mitarbeiter zu sein, indem sie sich darüber unterhalten, woran Wikileaks „zerbricht“, dann verstehe ich sie nicht.
    Woher wisst ihr, wie es mit der Kommunikation innerhalb Wikileaks aussieht? Die einzigen Beweise dafür, dass es Kommunikationsprobleme gibt, kommen doch von jemandem, von dem man nicht genau sagen kann, ob er dem Projekt nicht vielleicht verletzt den Rücken kehrt.

    Man kann davon ausgehen, dass wir nicht einen Bruchteil von dem wissen, was sich tatsächlich bei Wikileaks abspielt, und dass wir es da mit hochqualifizierten Mitarbeitern zu tun haben, die allesamt fähig sind, mit Problemen umzugehen.
    Habt doch alle mal ein wenig Vertrauen.

    Zu den Vergewaltigungsvorwürfen: Was Julian Assange in seiner Freizeit macht, ist seine Sache. Ich persönlich glaube nicht, dass Julian Assange so dumm wäre, ausgerechnet jetzt, wo die ganze Welt auf Wikileaks blickt, solch eine Tat zu begehen. Ich glaube auch nicht, dass ein Geheimdienst dahintersteckt. (Ich denke aber, wenn ich an seiner Stelle wäre, hätte ich wahrscheinlich auch den Geheimdienst im Visier.) Ich denke, dass sich einige verletzte Frauen an ihm rächen wollten, und meinen Glückwunsch, das haben sie auch geschafft. Dass XXX (Name nachträglich gelöscht), eine der Frauen, eine Frauenrechtlerin ist, ist meiner Meinung nach höchst verdächtig.

    Ich habe mich einige Monate ziehmlich intensiv in große Teile des Materials eingearbeitet, von und über Wikileaks.
    Natürlich stellen sie manche Dokumente so dar, dass man schon eine vorgefertigte Meinung hat (zum Beispiel bei collateral murder). Aber mit dieser Meinung haben sie einfach Recht.

    Ich finde es äußerst bemerkenswert, dass JA sein komplettes Privatleben in den Medien ausgebreitet sieht und trotzdem weitermacht. Dass er nicht einknickt und aufgibt. er mag exzentrisch sein, aber er bleibt seiner ideologie treu.
    Und in einen solchen Mann habe ich einfach volles Vertrauen.

    1. @Medax: Meinst Du nicht, dass die Formulierung

      Dass XXX (Name nachträglich gelöscht), eine der Frauen, eine Frauenrechtlerin ist, ist meiner Meinung nach höchst verdächtig.

      etwas komisch rüberkommt? So von wegen, wer so eine Meinung vertritt, wirkt auch höchst verdächtig?

  49. Achja, und wenn Daniel Schmitt solche Vorwürfe gegen Wikileaks groß rausposaunt, hat Assange vielleicht recht, wenn er sagt, Schmitt verhalte sich illoyal.

  50. Okay, die Formulierung war etwas unglücklich.

    Sie sollte die Meinung vertreten, die sie vertreten möchte.
    Ich wundere mich nur über den Zusammenhang, da sie auf ihrer Website u.a. schreibt

    „..sorge dafür, dass dein opfer genauso leidet, wie es dich hat leiden lassen!..“

    Das deutet für mich einfach darauf hin, dass sie einen Rachefeldzug im Auge hatte, als sie Assange anzeigte. Dass sie eine Frauenrechtlerin ist, spielt da für mich irgendwie mit rein.

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