Dieser Artikel ist mehr als 20 Jahre alt.

Kambodscha: Freie Software auf khmer

Konkurrenz für Microsoft: Das Open Forum in Cambodia lässt Freie Software in die Landessprache übersetzen. Wie AsiaMedia berichtet, arbeitet die nicht-staatliche Organisation bei der „Khmer Open Software Initiative“ mit der Regierung zusammen und testet im Moment ein Office-Paket: OpenOffice.org 2.0 Beta ist bereits auf khmer erhältlich, hinzu kommen der Browser Firefox, auf khmer genannt „Mekhala“…

  • Markus Beckedahl

Konkurrenz für Microsoft: Das Open Forum in Cambodia lässt Freie Software in die Landessprache übersetzen. Wie AsiaMedia berichtet, arbeitet die nicht-staatliche Organisation bei der „Khmer Open Software Initiative“ mit der Regierung zusammen und testet im Moment ein Office-Paket: OpenOffice.org 2.0 Beta ist bereits auf khmer erhältlich, hinzu kommen der Browser Firefox, auf khmer genannt „Mekhala“ und das E‑Mailprogramm Thunderbird unter dem Namen „Moyura“. Die kambodschanische Regierung möchte nach eigenen Aussagen das Monopol von Microsoft sprengen und die Verbreitung der Landessprache Khmer auf Computern unterstützen. Ein langwieriges Unterfangen, gestaltet sich doch die Technisierung nicht einfach: In dem Entwicklungsland besitzt nur ungefähr jeder tausendste Einwohner einen PC.

Die nicht-staatliche Organisation Open Forum in Cambodia gründete sich vor elf Jahren in Phnom Penh, um die Einwohner in ihrer Meinungsbildung in sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen zu unterweisen und in dessen Folge die Zivilgesellschaft zu stärken. Die Initiative des Open Forum in Cambodia ist ein wichtiger Schritt für die kambodschanische Gesellschaft, in der die Mehrheit der Bevölkerung außer khmer keiner weiteren Sprache mächtig ist. Dementsprechend schwierig sind die Bedingung bei Computerkursen, bei denen sich die Lernwilligen nicht nur ein Betriebssystem,
sondern auch noch seine Anwendung in einer fremden Sprache beibringen müssen. Gerade für die junge Generation vom Land könnte das laut AsiaMedia eine Chance auf bessere Jobs in den Städten sein, ohne sich teure Englischkurse leisten zu müssen. Auch wehren sich die Kambodschaner gegen den Einsatz von
Microsoft-Programmen in Ämtern und Behörden, da diese bislang nur auf englisch erhältlich sind.

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


Veröffentlicht

Kategorie

Schlagwörter

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

2 Kommentare zu „Kambodscha: Freie Software auf khmer“


  1. In Kambodscha gibt es quasi an jeder Strassenecke Internet Cafes, jedenfalls in allen Städten > 10k Einwohner. Sobald die Schule zuende ist werden die von den Uniformierten geentert und Gunbound gespielt. Mit ~2000Riel ( ca. 50 Cent ) pro Stunde scheint dies auch für die Einheimischen günstig zu sein. Ein Linux hab ich dort allerdings nirgendwo finden können, auch wenn es in den Buchläden Bücher zum Thema in Landessprache gab.


  2. […] Vergangene Woche war ich als Trainer in Manila / Philippinen auf dem 1. FOSS@Work Conference-Workshop. Dort traf ich Noy Shoung, der für die Regierung in Kambodscha arbeitet und dort die Freie Software Strategie des Landes mit entwickelt hat und betreut. Seinen Vortrag über Lokalisierung und über die Beweggründe Kambodschas fand ich so interessant, dass ich gleich ein Interview mit ihm aufgenommen habe. Leider versagte die Batterie meiner Kamera nach einer Minute, so dass dieses Interview nur in Audioform verfügbar ist. Über Freie Software in Kambodscha hatte ich schonmal vor einem Jahr geschrieben. Das Land hat 14 Millionen Einwohner, die Amtssprache ist Khmer und das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt bei etwas mehr als 300 $. Der Zugang zu Informationstechnologien wird als sehr bedeutend für eine nachhaltige Entwicklung angesehen. Nur was soll man machen, wenn Microsoft diesen Markt als unbedeutend ansieht und für eine Lokalisierung der eigenen proprietären Produkte 30 Millionen Euro veranschlagt? Kambodscha wollte das Problem selbst lösen, dabei auch noch Lizenzkosten sparen und startete mit der Lokalisierung von Freier Software in die eigene Landessprache. Noy Shoung veranschaulichte das Problem, indem er bereits lokalisierte Versionen von OpenOffice zeigte. Die Icons konnte ich zwar noch erkennen, aber sonst sah alles für mich “chinesisch” aus. Und den Einwohnern von Kambodscha geht dies mit englischer Software genauso. Gut, dass es Freie Software und die notwendigen Übersetzungstools wie KBabel gibt. Viel ist schon übersetzt, aber noch mehr steht an. Mittlerweile gibt es auch eine eigene Tastatur, die an Khmer angepasst wurde. Irgendwo hab ich noch ein Foto von einer Tastatur rumliegen, das poste ich mal nachträglich. In meinem Workshop über Collaboration Tools konnte ich Noy Shoung für Plone begeistern. Plone bietet eine Unicode-Unterstützung und kann deswegen auch relativ leicht lokalisiert/übersetzt werden. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis Plone dann mal in Khmer verfügbar ist. […]

Dieser Artikel ist älter als 20 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.