Die Reise der Pinguine: Linux in Mannheim

Es hat sich in deutschen Stadtverwaltungen herumgesprochen: Linux ist ein sicheres und zuverlässiges Betriebssystem für Behörden. Die Empfehlungen des Bundesministeriums und der EU-Kommission, auf Freie Software zu setzen, ebneten den Weg um ein Vielfaches. Während jedoch die Stadt München in einem langwierigen Unterfangen komplett auf das alternative Betriebssystem umstellen will, ist man in Mannheim sanfter und nichtsdestotrotz zügiger. In einer beispiellosen Aktion werden derzeit bei der so genannten „sanften Migration“ zunächst die Infrastruktur wie die Server und erst ganz zum Schluss die PCs der Enduser, also der Angestellten in der Verwaltung umgestellt.

Damit werden 3 700 Arbeitsplatz-PCs, 110 Server und 150 Fachanwendungen „migrieren“, also bald unter Linux laufen. Den Anfang macht im Herbst diesen Jahres die Synchronisationssoftware für mobile Medien wie PocketPC, Blackberry und Palm, die auf die Oracle Collaboration Suite (OCS) umgestellt wird. Gleichzeitig sollen bis zum Jahreswechsel die Anmelde-, Datei- und Druckdienste zentral über einen Linux-Server gesteuert werden. Das Portal der Stadt mannheim.de ist bereits auf eine XML-Plattform unter Linux gewechselt, damit sich die Bürger auch von ihrem Mobiltelefon oder PDA aus Informationen von der Webseite laden können.

Die Entscheidung der Behörden kommt nicht von ungefähr. Als Microsoft Ende letzten Jahres ankündigte, den Support für sein System Windows NT einzustellen, fiel die Wahl auf ein alternatives Betriebssystem. Die Stadt Mannheim will nun vor allem „Wahlfreiheit“, „Flexibilität und mehr Sicherheit“. Als Nebeneffekt wird die Kostenersparnis durch die wegfallenden Software-Lizenzen angegeben.

Aber auch neue Arbeitsdynamiken verlangten nach einer passenden Struktur: „Starre hierarchische Abläufe werden von Prozessen abgelöst. Mitarbeiter arbeiten immer häufiger in Team- und Projektstrukturen. Diese neuen Strukturen müssen in der IT-Umgebung abbildbar sein“, sagt IT-Experte Gerd Armbruster von der Stadt. Als Partner für die Migration hat sich Mannheim den leistungsfähigen Konzern IBM ausgesucht.

Du möchtest mehr kritische Berichterstattung?

Unsere Arbeit bei netzpolitik.org wird fast ausschließlich durch freiwillige Spenden unserer Leserinnen und Leser finanziert. Das ermöglicht uns mit einer Redaktion von derzeit 15 Menschen viele wichtige Themen und Debatten einer digitalen Gesellschaft journalistisch zu bearbeiten. Mit Deiner Unterstützung können wir noch mehr aufklären, viel öfter investigativ recherchieren, mehr Hintergründe liefern - und noch stärker digitale Grundrechte verteidigen!

Unterstütze auch Du unsere Arbeit jetzt mit deiner Spende.

Unterstütze auch Du unsere Arbeit jetzt mit deiner Spende.