Creative-Commons-Lizenzen

  • : netzpolitikTV – 1: Verbraucherschutz und Urheberrecht
    netzpolitikTV – 1: Verbraucherschutz und Urheberrecht

    Diese erste Folge von netzpolitikTV wollten wir eigentlich schon letzte Woche online bringen, aber irgendwie verzögerte sich ständig etwas. Nun ist die Folge mit ca. 26 Minuten Länge online und ist als MP4 (60MB) und OGG (80MB) verfügbar.

    In der ersten Folge von netzpolitikTV geht es um die Pressekonferenz der Verbraucherzentrale Bundesverband vom Donnerstag letzter Woche zur Vorstellung der Urheberrechtskampagne und den Abmahnungen von iTunes & Co. Mit dabei sind Interviews mit Patrick von Braunmühl von der VZBV und dem Juristen Till Kreutzer, sowie ein Teil-Mitschnitt der Pressekonferenz, wo die Kampagne und die Beweggründe ausführlich vorgestellt wurden.

    Uns ist klar, dass die Tonqualität teilweise etwas besser sein könnte, aber wir nennen es einfach eine Betaversion und bei den nächsten Folgen gibts dann hoffentlich konstantere Qualität.

    Seit einem Tag wartet der Clip auch bei Google-Video auf eine Freigabe… Ok, nach nur 24 Stunden gibts den Clip jetzt auch bei Google Video. Also mal bei Sevenload eingestellt, die leider überhaupt nicht Linuxkompatible sind. Musste mir gerade per Jabber den Embedded-Code geben lassen, weil deren Service wohl nur auf Windows ausgelegt ist. Kann ich zum jetzigen Zeitpunkt also nicht empfehlen, da gefiel mit der Google Video Player bisher besser.

    19. Juli 2006 21
  • : Sommerliche Übersicht: Video Remixing Tools im Internet
    Sommerliche Übersicht: Video Remixing Tools im Internet

    „… writing with text is just one way to write, and not even the most interesting way to write. The more interesting ways are increasingly to use images and sound and video to express ideas“, hat Lawrence Lessig mal gesagt und damit sicher auch den Tatbestand gemeint, wenn jemand die Patzer von Bush und anderen sampelt und zum erbaulichen Clip online remixt. Das Remixen von Videos, das Mashen hat seine Kreise gezogen. War es letztes Jahr das fröhliche Rekontextualisieren, das ein geposteter, neuer Trailer für Stanley Kubricks „The Shining“ lieferte, lässt das San Francisco International Film Festival dieses Jahr freimütig Hand anlegen. Aus dem eben im Mai dort Gezeigten darf man Neues zusammen schnipseln: Beim Remix-Wettbewerb auf der Webseite kann jeder mit dem Tool Remixer die Festivalsbeiträge ineinander mixen und mit einem neuen Soundtrack versehen. Gebastelt wurde es von Yahoo! Research Berkeley, einer von Yahoo! gesponserten Abteilung an der Uni in Berkeley, die sich seit letztem Oktober hauptsächlich mit dem Phänomen der Social Software und dem Sharen, dem Teilen und Remixen im Web beschäftigt.

    Das Mashen für Hobby-Schneidekünstler geht noch weiter: Was die britischen Sound- und Videotüftler Coldcut mit ihren Video-Mashups schon lange können und die VJs von Eclectic Method jüngst mit dem offiziellen Remix-Trailer für den Tanzfilm mit Antonio Banderas, „Take the lead“, darf jetzt jeder besser machen. Die Bootz von Audiofiles vor ein paar Jahren haben sich gemeinhin eingebürgert, die Remix-Kultur hat schon wieder ein neues Spielpferdchen des Web 2.0: Video 2.0 wird es getauft und schwelgt glücklich in dem gemeinschaftlichen Verwursten von Clips aus der großen Grabbelkiste von Portalen wie YouTube.

    Genauer, jeder der will, ergötzt sich an Open Source und lädt seine Heimvideos auf die Seiten von Eyespot, vSocial oder Grouper. Andere dürfen sie im Einverständnis demokratisch mittels drag&drop zerschreddern und ihren eigenen Lieblingstrack darüber legen. Bei den Möglichkeiten des Schnitts sind die Tools meistens im Moment leider noch nicht ausgereift: Man kann mehrere, aus einer Bibliothek vorgegebene oder auch eigens hoch geladene Clips zur Kette aneinander reihen und sie lediglich an Anfang und Ende ein wenig stutzen. Am Schluss legt man noch ein Liedchen darüber – wenn es denn passt. Ganz so wie bei einer Präsentation in iPhoto, aber online. Die Freunde dürfen sich die ersten Gehversuche in Videoschnitt als Link per RSS-Feed gleich reinziehen. Einzig die versiertere Applikation/Webseite Jumpcut liefert eine kleine, feine Bedienoberfläche für den perfekten Schnitt, komplett mit einer Auswahl an überaus schicken Trash-Effekten und gezauberten Übergängen. Auf der Seite von Jumpcut durfte man bis vor kurzem auch mit diesem fortgeschrittenen Tool den Kinotrailer von Richard Linklaters neuen Sci-Fi „A Scanner Darkly“ remixen. Ganz neu ist die Erweiterung für Filme in anderen Sprachen: DotSub schafft eine Plattform, wo Untertitel für Videos in einer offenen und kollaborativen Weise für andere Sprachkreise zugänglich gemacht werden können. Jeder darf so bei einem englischen Video an den deutschen Untertiteln mitbasteln.

    Doch: Irgendwann gibt es bestimmt eine Art FinalCut-Software für Masher im Netz, solange davor oder danach für etwas geworben wird. Apropos Werbung – kommerziell ausgeweidet wird das Online-Video-Remixen natürlich auch. Bei Eyespot kann man Audiosamples einer bestimmten Band hernehmen, sozusagen als frei verfügbaren Promo-Content. Bei Revver.com winkt sogar Geld, wenn man seine Clips hoch lädt: Das „Revverized video ad“ ist als pixeliges Standbild am Ende des Videos eingebettet und jedes Mal, wenn das Video weiter gepostet und angeguckt wird, soll der Autor Kohle bekommen. So bleibt man nah an der Zielgruppe, wird als Begründung auf den Seiten angegeben. Das war vielleicht nicht das, was Lawrence Lessig meint, wenn er die Freiheit auf den privaten Remix mit der Redefreiheit gleich stellt. Da geht es erstmal um die segensreiche peer production, die unter einer nichtkommerziellen Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht wird. Eine Spielwiese ist Video 2.0 immer.

    18. Juli 2006 3
  • : ClaimID stellt User-Daten unter Creative Commons
    ClaimID stellt User-Daten unter Creative Commons

    ClaimID ist eins von den vielen neuen Startups im Bereich Identitäts-Management, die derzeit mit Higgins, Infocards, der Liberty Alliance und anderen teils konkurrieren, teils kooperieren. ClaimID ist vor kurzem in die public-beta-Phase gegangen, und ich habe mir gerade mal ihre Privacy Policy angesehen. Was lesen meine verwunderten Augen dort?

    ClaimID.com believes that you control your identity information. While our service (the website, its code, our proprietary goods) are copyright, the identity information that you enter into ClaimID.com isn’t. We place a Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 license on your information. You may read this license here. This means that you may do what you want with your identity information. You may remix, retransmit and copy your identity information, among other things as stipulated by the license. At claimID.com we strongly support identity rights and the Creative Commons, and we strongly support your right to use your personal information as you see fit.

    Geht’s noch? Meine Daten gehören immer noch mir. Wie kann eine Firma sich anmaßen, die unter eine CC-Lizenz zu stellen? Damit könnte ja nicht nur ich, sondern auch jeder andere sie weitergeben, remixen (beachte: es ist keine non-derivs-Lizenz!) und verkaufen (ebenfalls: keine non-commercial-Lizenz). Ein typischer Fall von „Wir wollen die Guten sein und benutzen entsprechende Schlagwörter, haben aber nichts begriffen.“ Offenbar sind es ja ganz nette Studenten, die die Firma gegründet haben, keine Corporate Abzocker.
    Am Ende steht dann auch noch der Hass-Satz aller Datenschutz-Policies:

    This Privacy Policy may change from time to time without notice.

    Ich hoffe dennoch, das hier ändert sich ganz schnell. Ich werde denen gleich mal schreiben. Rechtswirksam dürfte so ein Unfug allerdings nicht einmal in den USA sein.

    17. Juli 2006 7
  • : Sonntag beim Zündfunk
    Sonntag beim Zündfunk

    Am kommenden Sonntag Abend, den 16.7., bin ich zwischen 22 und 23 Uhr beim Zündfunk auf Bayern2-Radio in der Sendung „Generator“ zu hören. Thema der Sendung ist „Wir sind alle kleine Sender – Wie das Web2.0 uns verändert“. Der Redaktionsleiter von jetzt.de, Dirk von Gehlen, und der französisch-kanadische Cyberphilosoph Pierre Lévy kommen neben mir in der Sendung zu Wort. Ich bin mal gespannt.

    Die Sendung kann man auch ausserhalb Bayerns via Livestream hören (Leider nur Real und WMA).

    14. Juli 2006 1
  • : Kinderbuch zu DRM: The pig and the box
    Kinderbuch zu DRM: The pig and the box

    Original cover of the book pig and the box

    Endlich hat sich jemand konstruktiv der zweifelhaften kanadischen Kampagne angenommen, Kinder schon pro-DRM zu instruieren, bevor sie die Kreativität unvoreingenommen erfahren können. MCM aus Victoria BC, Kanada schreibt:

    The Pig and the Box is about a pig who finds a magic box that can replicate anything you put into it. The pig becomes so protective of it, and so suspicious of anyone that wants to use it, that he makes people take their copied items home in special buckets that act as… well, they’re basically DRM. It’s like a fable, except the moral of the story is very modern in tone.

    I made the book after hearing how the entertainment industry in Canada is keen on teaching young kids about how to „respect“ copyright. That was a bit heavy-handed, I thought, and otherwise despicable. Preying on small kids, brainwashing them so they believe what you’re doing is honourable and good… Feh. So I wrote this book partly as a response to that venture, to counter-act the confused ideals that young’ns are being exposed to these days. Also, I wanted to write potty humour.

    Das Buch steht komplett unter einer Sampling Plus-Lizenz und kann im englischen Volltext als PDF heruntergeladen werden.

    14. Juli 2006 6
  • : Wizards of OS 4 – Information Freedom Rules
    Wizards of OS 4 – Information Freedom Rules

    Die erste Pressemitteilung zur kommenden WOS4 ist soeben verschickt worden:

    Internationale Konferenz Wizards of OS 4 vom 14.–16. September 2006 in Berlin zu den Themen freie Software und freies Wissen

    Berlin, 10. Juli 2006 – Die digitale Revolution hat die medientechnischen und die Eigentumsvoraussetzungen von kulturellen, künstlerischen und allen anderen Wissenspraktiken tief greifend verändert. Information – und zu einem wesentlichen und wachsenden Teil freie Information – kennzeichnet die Informationsgesellschaft. Kreative Individuen, Netzwerke und kleine Gruppen sind die Pioniere bei der Auslotung der neuen Möglichkeiten. Neue Genres wie Filme, die mit so genannten Game-Engines erstellt werden, neue Formen der kooperativen Berichterstattung unter dem Namen Citizens Journalism und neue Verwertungsformen in der Musikindustrie wie die Netlabels entstehen.

    Die internationale Konferenz Wizards of OS 4 – Information Freedom Rules (WOS 4) wird sich vom 14. bis 16. September 2006 den Themenfeldern freie Software, freie Inhalten und freie Infrastrukturen widmen, wichtige Trends und innovative Projekte aus diesen Themenfeldern präsentieren und zur Diskussion stellen. Ort der Konferenz, zu der mehr als 100 namhafte Wissenschaftler, Techniker, Künstler und Aktivisten sowie über 1.000 Besucher aus aller Welt erwartet werden, ist die Berliner Columbiahalle und der benachbarte Columbiaclub. Ab sofort können sich alle Interessenten auf der Website www.wizards-of-os.org für die Konferenzteilnahme anmelden. Der Preis für alle drei Tage der Konferenz liegt bei 60,00 € (erm. 30,00 €) und 25,00 € (erm. 12,00 €) für einen Tag. Die Konferenzsprache ist Englisch.

    Den Kern der WOS 4 wird die dreitägige Konferenz in der Columbiahalle Berlin mit Vorträgen, Panels, Workshops und Performances bilden. Eingebettet in die Konferenz in der Columbiahalle präsentiert sich dann am Samstagnachmittag in deutscher Sprache die Publikumsveranstaltung „Die Show des freien Wissens“. In der Show werden populär und allgemeinverständlich die Grundlagen und Inhalte von freiem Wissen und freier Software vermittelt. Die Veranstaltung richtet sich explizit auch an ein Publikum ohne Fachkenntnisse. Im Umfeld gibt es weitere Workshops, Filmpro-gramme, Community Meetings und künstlerische Interventionen. So zeigt das Tesla – Berlins Ort für mediale Künste im Podewil – Filme, die im thematischen Schnittfeld von freiem Wissen und Medienkunst situiert sind. Die internationale Freifunkgemeinde wird sich im Club c‑base zusammenfinden. Am Sonntag, 17. September, finden im Erwin Schrödinger-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin weitere Workshops statt.

    Die Schwerpunkte der WOS 4:

    · Netlabels: Die Netlabels zeigen eindrücklich wie die mächtige Verbindung von Produktionswerkzeugen auf dem PC mit dem globalen Vertriebskanal Internet kulturelle Praktiken verändert. Darunter versteht man Online-Labels, die Musik meist als kostenlosen Download zur Verfügung stellen. Von Musikern für Musiker gemacht, verbreiten sie sich explosionsartig, während gleichzeitig die großen Plattenfirmen über ihren Niedergang klagen. Wo diese ihre verbliebe- nen Felle mit Schutztechnologie und Massenklagen retten wollen, lassen jene ihre Musik frei – frei von Kosten, frei weitergebbar und oft auch frei veränderbar.

    · Brasilien: Als „Open Source Nation“ nimmt Brasilien national und international eine Vorreiterrolle bei der Verwirklichung der freiheitlichen Potentiale der digitalen Kultur ein. Die Partnerschaft mit dem brasilianischen Kultur-ministerium und dem Kulturminister Gilberto Gil ermöglicht es der WOS 4, die eindrucksvollsten Zeugnisse dieser Entwicklung vorzustellen.

    · „Die Show des freien Wissens“: Bei früheren WOS-Konferenzen wurde der Wunsch nach Einführungsveranstaltungen und Vermittlung für Neugierige laut. Erstmals wird daher im Rahmen der WOS 4 eine Wissens- Show auf unterhaltsame Weise aufzeigen, wie freies Wissen eigentlich funktioniert, wie es geschaffen und verbreitet wird, wie man es finden und nutzen kann, welche Bedeutung es im Alltag des Einzelnen hat und welche Einstiegsmöglichkeiten es für eine eigene Beteiligung gibt. Die Show richtet sich insbesondere an Schüler und Studenten.

    Die Wizards of OS hat sich mit drei Konferenzen (1999, 2001 und 2004) und mehreren Workshops international als Ort etabliert, an dem auf hohem Niveau spartenüber-greifend über die Grundlagen des kulturellen Schaffens im Digitalzeitalter debattiert wird. Aufbauend auf diesem guten Ruf wird die WOS 4 gemeinsam mit der AG Informatik und Gesellschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, Tesla und weiteren Partnern erarbeitet und richtet sich gleichermaßen an ein Berliner wie an ein inter-nationales Publikum. WOS 4 steht unter der Schirmherrschaft von Bundesministerin Dr. Annette Schavan und wird im Rahmen des Informatikjahres durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), den Hauptstadtkulturfonds und die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

    *** Wizards of OS 4 – Information Freedom Rules ***
    Internationale Konferenz
    14. bis 16. September 2006
    Columbiahalle und Columbiaclub,
    Columbiadamm 13–21, 10965 Berlin

    Mehr Informationen:
    www.wizards-of-os.org

    10. Juli 2006 2
  • : Free Beer as in freedom
    Free Beer as in freedom

    Vor einem Jahr trat das dänische Künstlerkollektiv Superflex an die Öffentlichkeit und präsentierte ein ganz besonderes Getränk. Sie entwickelten ihr so genanntes „Free Beer“, das erste Open-Source-Bier names „Vores Oel“ mit frei zugänglicher Rezeptur, wobei das Rezept und das Branding unter unter einer freien Creative Commons Lizenz veröffentlich wurden . Laut Freebeer.org setzt sich das Open-Source-Bier aus den herkömmlichen Zutaten für klassisches Bier zusammen, allerdings speziell verfeinert mit dem Wachmacher Guarana. Auf dem iCommons-Gipfel in Rio de Janeiro präsentierten sie jetzt die Version 3.0. Diese wurde dort vom brasilianischen Kulturminister Gilberto Gil getestet und als gut schmeckend empfunden.

    Henrik Moltke, Journalist und Sprachrohr der Kunstgruppe Superflex aus Kopenhagen erklärte mir in einem MP3-Interview (welche sich später noch fertig bearbeiten muss): „Natürlich ist das kein Freibier. Es soll dem Free Culture Movement mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Die Grundlage ist das frei erhältliche Rezept, mittlerweile erhältlich in vier Variationen.“ Die erste Version, erzählt Henrik, wurde von einem Hobbybrauer mit Studenten der IT-Universität in Kopenhagen vor ungefähr anderthalb Jahren entwickelt. Superflex hielt damals ein Seminar über geistiges Eigentum und Kunst ab. „Sie suchten nach einer Abschlussarbeit, die die Prinzipien von Open-Source-Software auf ein physisches Projekt anwenden könnte. Das Ergebnis nannten sie ‚Unser Bier‚ („Vores Oel“), ein schweres, dunkles Bier. Ein paar Monate später war es auf einmal in allen Weblogs, die Tageszeitungen nahmen das auf und das Telefon klingelte dauernd in unserem Büro. Wir wollten das Projekt weiter führen in einem quasi Open-Source-Weg“, sagt Henrik. Beim Übertragen der Lizenz muss er aber Einschränkungen machen: „Natürlich kann man nicht wirklich ein Bier selbst frei lizenzieren wie das bei den Open-Source-Lizenzen möglich ist. Nur beim Rezept und dem Branding ist es möglich. Auf ersterem gibt es aber kein Copyright, da Rezepte frei getauscht werden. Jetzt verwenden wir die Creative Commons Attribution-ShareAlike-Lizenz für beides.“

    Die Community half tatkräftig bei der Verbesserung des Bieres mit. Die erste Version war noch sehr allgemein, sagt Henrik. Sie haben E‑Mails von überall her bekommen, die nach mehr Details der Rezeptur gefragt haben. Das jetzige Rezept sei viel technischer und nicht mehr für den Hausgebrauch gedacht. Aber: „Es wird noch eine weitere, einfache Version für Hobbybrauer geben, wobei sich das Bier geschmacklich nicht unterscheidet“, so Henrik.

    Merkwürdig an diesem speziellen Bier ist aber auch der Guarana-Anteil. Das hat eine eigene Geschichte. Henrik erzählt: „Das Guarana kommt von einem vorangegangenen Projekt von Superflex. Die engagieren sich sehr viel bei der Stärkung von lokalen Marktstrukturen. Vorher kreierten sie einen Power-Drink aus Guarana-Bohnen aus einem unabhängigen Kollektiv in Nordbrasilien. Sie importierten die Bohnen direkt und fanden einen eigenen Vertrieb in Dänemark. Das ganze war ein voller Erfolg. Schließlich hinterfragte das Logo eine große brasilianischen Power-Drink-Marke und das Quasi-Marktmonopol, indem es vom Original leicht abgeändert war. Und da Bier eine leicht einschläfernde Wirkung beim Genuss hat, war die Idee, ein leicht wachmachendes Bier herzustellen.“

    Kaufen kann man das Open-Source-Bier vorerst nur in Dänemark: Die erste kommerzielle Version 3a ist in einer 0,75l – Version im eigenen Laden in Kopenhagen für etwa fünf Euro erhältlich und bisher in ein oder zwei spezialisierten Shops. Geplant ist aber auch der Vertrieb über eine dänische Supermarkt-Kette. Gebraut wird es im Moment nur von einer Mikro-Brauerei, die auf aussergewöhnliche Biersorten spezialisiert ist. Aber jede Brauerei wie zum Beispiel Heineken oder Becks kann es herstellen, wenn sie es möchte. „Solange sie die Credits und die Lizenz nicht auf dem Aufkleber vergisst“, merkt Henrik an.

    4. Juli 2006 8
  • : Podcasting-Interview zum Wipo Broadcast-Treaty
    Podcasting-Interview zum Wipo Broadcast-Treaty

    Da die europäischen Podcasting-Verbände letzte Woche eine gemeinsame Erklärung gegen den WIPO-Podcasting-Treaty veröffentlicht haben, nutze ich die Chance, um in Rio von Cory Doctorow eine kurze Message zu genau diesem WIPO-Treaty einzuholen. (MP3 /192 kb/s)

    Die MP3-Datei steht unter einer CC-by Lizenz und es reicht, in einem Podcast auf netzpolitik.org als Quelle hinzuweisen. Und wenn es ein wenig komisch klingt – wir standen auf dem Dach eines Hotels mit Hintergrundgeräuschen. Vor einem halben Jahr hatte ich schonmal Jamie Love von CPTech zu genau diesem Thema (und anderen) befragt und das Interview finde man hier. Gleiches gilt für ein älteres Interview mit Cory Doctorow aus dem letzten Jahr. Remixen ist auch gegen Quellenangabe in Podcasts erlaubt.

    29. Juni 2006 1
  • : iCommons Summit 5 – der Rest
    iCommons Summit 5 – der Rest

    So, ich bin wieder zurück in Berlin, zumindest für kurze Zeit. Der Rückweg war ganz schön anstrengend. Insgesamt 27 Stunden hab ich in zwei vollen Flugzeugen und auf den Flughäfen von Rio, Madrid und Tegel verbracht, mit etwas Schlaf zwischendurch, soweit das überhaupt möglich war. Aber in der letzten Nacht kontne ich wenigstens etwas Schlaf vor dem Wochenende nachholen. Unglücklicherweise regnete es die beiden letzten Tage in Rio – mit Strand war da nichts. Dafür gabs noch ein Brasilienspiel kurz vor dem Abflug und etwas Ambiente drum herum. Dort haben tatsächlich sämtliche Geschäfte um 11 Uhr geschlossen, damit alle Brasilianer um 12 Uhr Mittags das Spiel sehen konnten. Eine gespenstige Atmosphäre. Natürlich liefen die meisten Einwohner und fast alle Touristen in gelben T‑Shirts durch die Gegend. Und direkt nach dem Abpfiff wurden an Strassenkreuzungen Soundsystems aufgebaut und Strassenhändler boten ihre Waren an. Leider gabs bei den Soundsystems nur schlechte Musik. Klang etwas alles ein wenig wie Dieter Bohlen auf brasilianisch – also eher Kirmesmusik. Trotzdem lustig anzusehen. Aber ich kann zu Kirmesmusik echt nicht tanzen – der Beat und die Soundstruktur sind einfach zu schlecht.

    Sonntag Abend ist der iSummit offiziell zu Ende gegangen. Vorher gabs noch das dänische Free Beer auf dem Dach des Hotels mit Sonnenuntergang und dem Strand zu unseren Füssen. Ich hab auf meinem Rechner noch ein Interview mit Henrik Moltke von den Free Beer Leuten, was ich aber noch etwas nachbearbeiten muss. Das gibts also nächste Woche erst. Sonntag ist das Internet auch endgültig zusammen gebrochen und war nicht mehr nutzbar. Deswegen gabs auch nichts mehr gebloggtes aus Rio selbst.

    Am Sonntag morgen war noch ein sehr interessantes Panel zum Thema „Global Commons“. Cory Doctorow erklärte ausführlich, wieso die Electronic Frontier Foundation mit vielen anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen zur WIPO gegangen ist. Zuerst gab es viele Zweifel und Skepsis, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt. Immerhin kostet es sehr viele Ressourcen, bei den vielen Meetings in Genf vor Ort zu sein. Allerdings haben sie ziemlich schnell festgestellt, dass es sehr wichtig ist, den Regierungsvertretern, die meist unbedarft dort sitzen und von vielen Themen keine Ahnung haben, eine alternative Position anzubieten. Eine ähnliche Erfahrung hatten wir als zivilgesellschaftliche Vertreter auch beim UN Weltgipfel zur Informationsgesellschaft gemacht. Bisher gabs dort immer nur die Lobbyisten der Unterhaltungsindustrie, die z.B. oftmals versuchten, Themen, die in den USA nicht durchsetzungsfähig waren, über die WIPO in die nationale Politik zu bringen. Cory nannte das Beispiel der Broadcast-Flag, also der Verschlüsselung von Radioprogrammen. Die Vertreter der Filmindustrie hatten vielen Diplomaten einfach erzählt, dass dies in den USA Recht sei und so waren die Diplomaten über die Alternativmeinungen der Bürgerrechtler überrascht, von denen zu hören, dass Themen wie die Broadcast-Flag in den USA nicht durchsetzungsfähig waren. Auch snd viele Diplomaten froh, von den Bürgerrechtlern Klartext zu hören, was gerade abläuft und nicht immer nur die diplomatisch verklauselierte Sprache, die bei UN-Organisationen zwischen den Regierungsvertretern üblich ist. Ein grosses Problem, aber auch eine Chance, bei der WIPO (und nach meiner Erfahrung nach überall auf UN-Ebene) ist, dass Regierungsvertreter weitgehend autonom handeln. Meist bekommt die Bürokratie zuhause überhaupt nicht mit, was die Gesandten dort überhaupt verhandeln und wie sie entscheiden, wenn sie nicht direkt mit einem Votum ausgestattet wurden. Es bringt also sehr viel, wenn man die Vertreter einzelner Länder von alternativen Positionen auf dem Flur überzeugt. Wenn ich Zit habe, werde ich in nächster Zeit auch mal von der Wipo live berichten. Lust habe ich schon lange, aber alels eine Ressourcenfrage – und zwischendurch muss ich auch mal Geld verdienen, um mir den Luxus dieses Blogs leisten zu können.

    Jimbo Wales brachte danach seinen üblichen „Wikipedia für Einsteiger“-Vortrag mit den bekannten Argumenten und ein wenig Abwechslung. Ein Schwerpunkt war die Zensur in Chian und wie Wikipedia damit umgeht. Eine sehr aktive Wikipedianerin stammt aus Taiwan und schreibt an der chinesischsprachigen Wikipedia mit. Diese wird natürlich zensiert, und auch IRC, der übliche Kommunikationsweg in der Wikipedia wird in China zensiert. Die chinesischen Wikipedianer weichen daher auf Skype aus, um miteinander und mit Taiwan zu kommunizieren. Seitdem Skype auch in einer chinesischen zensierten Variante erschienen ist, tauschen sie Wege aus, an die unzensierte Variante zu kommen – und bisher klappt das immer. Eines der Hauptargumente von Jimbo Wales in seinen Vorträgen ist immer, dass Messer ja wegen ihrer Gefährlichkeit und ihres Designs auch nicht verboten würden – bei Kommunikationstechnologien käme allerdings schnell immer der Ruf nach Zensur und einer Änderung des Designs.

    Nhlanhla Mabaso aus Südafrika hielt seinen Vortrag dann mit einem Handy, um die Bedeutung von mobiler Kommunikation in Afrika zu verdeutlichen. Er forderte, dass die „digital Commons“ auch in der Mobilfunkwelt stattfinden sollte. Sonst hab ich leider morgens wenig mitbekommen von dem Vortrag, weil sein Akzent zu stark war und er keine Folien zum mitschreiben verwendete.

    Danach beschrieb Jamie Love von CPTech (Die sich übrigens bald umbenennen werden, weil CPTech etwas kompliziert klingt. Der neue Name ist besser, aber der ist noch nicht offiziell), wie es zur „Access to knowledge“-Bewegung (a2k) gekommen ist. Man suchte um Jahre 2004 nach einem gemeinsamen Nenner, um all die Kampagnen für Freie Software, Freies Wissen, digital Commons, Patentreform, Net-Neutrality, Open Access, Informationsfreiheits, etc. unter einen gemeinsamen Hut zu bekommen. Und bei einem Brandstorming entstand daraus „a2k“, also „Zugang zu Wissen“. Vorbild ist eine Kampagne von Ärzte oder Grenzen für den Zugang zu Medikamenten, die einen grossen Erfolg im letzten Jahrzehnt hat. a2k ist eine neue soziale Bewegung über alle Ländergrenzen hinweg und das Ziel der Kampagne ist schnell evaluierbar: Gibt es einen Zugang zu Wissen – oder nicht? Im Moment wird Wissen ja immer mehr verschlossen und privatisiert, anstatt die Möglichkeit zur Entwicklung und Innovation zu nutzen – global wie lokal.

    Anschliessend war ich noch im Panel „The public sector commons and building national public domains“. Dort ging es darum, wie man Regierungsinformationen und öffentlich finanzierte Publikationen unter Creative Commons lizenzieren kann und welche Schwierigkeiten dabei auftreten. Das war mässig interessant, zumindest für mich gab es wenig neues zu hören. Es ist oftmals auf einzelne Personen in der Bürokratie ankommt und dass es kompliziert ist, weil die Urheberrechte oft kompliziert geregelt sind. Irgendwie ist das ähnlich bei der Einführung von Freier Software in Behörden.

    Abends nach dem Free Beer Empfang gab es noch ein Konzert mit freier Musik in einem Club in Rio. Zuerst legten Mediasana auf, ein politisches VJ-Projekt aus Rio, die richtig fette BigBeats mit politischen Messages unterlegen. Ich fands richtig cool. Auf deren Webseite finden sich kleinere Videos – leider teilweise als WMV. Fast noch cooler war BNegão, eine sehr populäre brasilianische Band, die ihre Musik unter einer CC-Lizenz veröffentlichen. Vor zehn Jahren hätte man ihre Musik Crossover genannt – war eher ein Mix aus HipHop, Dub, Rock und was weiss ich noch alles. Insgesamt mit sieben Menschen auf der Bühne und das hat richtig gerockt. Ihre Musik findet man als MP3 hier. Anhören lohnt sich und live sind sie noch besser.

    insgesamt war der iCommons Summit richtig lohnenswert. Inhaltlich gibt es zwar auf Konferenzen wie der kommenden Wizards of OS 4 (Termin buch und kommen: 14.-16 September 2006 in Berlin!) mehr Input, aber der Schwerpunkt lag auch eher auf globaler Vernetzung und Menschen zusammen bringen, die in ihren Ländern an ähnlichen Projekten arbeiten. Nächstes Jahr findet der iSummit übrigens in Dubrovnic / Kroatien statt. Das dürfte zumindest für viele Europäer einfacher zu erreichen sein, die nicht wie ich ein Stipendium für Flug- und Hotelkosten bekommen haben. Ich meinte ja spasseshalber, dass ich aus Berlin locker mit dem Fahrrad anreisen könnte. Schön, wenn ich die Zeit dafür hätte. :)

    Montag war noch der zweite Teil des „NGO-in-a-Box Workshop“, den wir in einem Ponto de Cultura in einer Favela in Rio abgehalten haben. Favelas werden die Armenviertel in Brasilien genannt und es war recht eindrucksvoll, mal die Realitäten dort zu sehen. Der Ponto de Cultura, wo wir waren, glich eher einer Ruine. Die Brasilianer erklärten uns, dass es üblich wäre in Brasilien, dass Politiker oft feierlich mit dem Fernsehen neue Kulturzentren eröffnen und dem Projekt nach der nächsten Wahl oder nur wenigen Monaten später den Geldhahn zudrehen. In diesem Ponto de Cultura gab es bisher einen renovierten Raum – die Eingangshalle. Verschiedene Aktive von „eStudio Libre“ bauen jetzt dort ein Linux Schulungszentrum mit alten gebrauchten Computern auf, die sie von Firmen bekommen. Und gleichezitig soll das Gebäude nach und nach renoviert werden. Eigentlich wollte ich von da bloggen, aber der Strom fiel zu oft aus und einmal war mein fast fertiger Eintrag dadurch vernichtet. Als Deutscher rechnet man ja nicht damit, dass das Stromnetz überlastet ist. Auf jeden Fall eine Erfahrung fürs Leben – spätestens nach dem zweiten Zusammenbruch.

    Und hier ist noch ein kleines Video, wie Gilberto Gil das Free Beer probiert:

    Hier klicken, um den Inhalt von video.google.com anzuzeigen.

    29. Juni 2006 2
  • : Schreibrecht 2006 – Wettbewerb
    Schreibrecht 2006 – Wettbewerb

    Auf Telepolis wird ein Schreibwettbewerb eröffnet: „Schreibrecht 2006″.

    22 Jahre nach dem Orwelljahr 1984 hat die einst so bedrohliche Vision ihren Schrecken verloren. Der immerwährende Krieg erinnert an den seit 2001 stattfindenden „War on Terror“, Nachrichten- und Medienmanipulation ist an der Tagesordnung und (versteckte) Kameras sind allgegenwärtig. Doch auch die anderen düsteren Visionen einer Zukunft haben längst ihren Weg in die Gegenwart gefunden und sind (fast) Realität. Wenn Lehrerinnen wegen einer Wahrscheinlichkeit einer Erbkrankheit ihren Arbeitsvertrag nicht bekommen, erinnert dies an „Gattaca“, die Spaß- und Wegwerfgesellschaft kennt man aus „Schöne neue Welt“, die Bestrebungen „antisoziales Verhalten, selbst in Form eines Spuckens auf die Straße zu beenden“, an „Demolition Man“ und die selbständigen Drohnen im Krieg lassen Erinnerungen an „Screamers“ aufkommen. Doch wenn all dies schon normal ist, wie sieht die Zukunft aus? Wird es eine Rückbesinnung auf mehr Freiheit, mehr Bürgerrechte geben oder nimmt das Panopticum zu? Wird Datenschutz eine Rolle spielen oder doch nur „Täterschutz“ sein?

    Auf diese Fragen sucht „Schreibrecht 2006“ eine Antwort.

    Gesucht werden Texte, die nicht über 25’000 Zeichen lang sind. Die Einreichungen per email an schreibrecht@telepolis.de dürfen gerne unter einer nichtkommerziellen Creative Commons-Lizenz stehen. Einsendeschluss ist der 15.07.2006.

    29. Juni 2006 3
  • : iCommons Summit Part 4
    iCommons Summit Part 4

    Heute ist es etwas ruhiger in Rio. Das liegt u.a. daran, dass es gestern Abend ein gemeinsames Essen mit Freigetränken gab, was dazu führte, dass heute morgen erstmal einige Referenten ausfielen. Wir waren pünktlich da, vor allem, wiel unser Hotel mit einem grösseren Geräuschpegel ein auschlafen unmöglich macht. Das erste Panel zum Thema “Towards a bridge between the commons in science, art and innovation” war teilweise interessant. Vor allem James Boyle, der sehr eloquent auf verschiedene Strategien hinwies, wie man in Argumentationsfallen laufen kann, bzw. diese vermeidet, wenn man für eine Commons /Allmende argumentiert. Hier wird ja alles aufgezeichnet und später gibts dazu die passende Aufnahmen. Er sprach einfach zu schnell und mit Akzent, um nach dem ersten Kaffee den Argumentationen bloggend zu folgen.

    Jenny Toomey von der Future of Music Coalition war auch cool, die versuche ich noch, für ein Interview zu bekommen. Aber dann gabs Fussball und wir setzten uns dazu ins Hotelrestaurant, wo man gleichzeitig einen Blick auf einen grossen Fernseher und auf den Strand vorm Fenster werfen konnte. Zum Glück kamen wir pünktlich, um beide Tore mitzubekommen. Später gabs ein Panel zu „Open Business – The Enterprise Commons“, was mich vor allem auch beruflich interessiert. Allerdings hatte ich mir ein wenig mehr davon erwartet. Interessant war die Idee eines „Model Agency Agreement“ in Form einer „Commercial Commons Licence“. Dazu gibts eine ausführliche FAQ und weitere Infos auf der Open Business – Webseite.

    Komplett unpassend fand ich die Präsentation von „my mojay“ aus Südafrika. Die wollen so ein „Virtual Recording Studio“ für Handies und Internet anbieten, womit man Klingeltöne und Musik erstellen kann und das ein wenig Social Software Features aus bekannten Diensten wie last.fm & co integriert. Das Geschäftsmodell dahinter ist, dass es ja einen Mehrwert für die Telkos und Handyhersteller wäre. Was das mit Open Business zu tun haben soll, erschliesst sich mir immer noch nicht. Da könnte man eigentlich fast jedes x‑beliebige Businessmodell, was irgendwie auf Austausch von Daten ausgelegt ist, auch dazu zählen.

    Sonst gabs eine Präsentation von zwei Wissenschaftlern der London School of Economics, wo ich aber erst zum Schluss nach einem verwirrten Mittippen feststellte, dass sie lediglich ihren Studiengang vorstellten und nichts konkretes. Das war vielleicht verwirrend und man hätte es ruhig auch am Anfang mitteilen können. Die Folien bis dahin sahen durchaus interessant aus, wenngleich auch wenig zusammenhängend, was sich aber erst nach 10 Minuten erschloss. Ich musste extra neben mir bei eine nativer Speakerin nochmal nachfragen, ob ich das jetzt richtig verstanden hätte.

    Zum Schluss stellte sich noch das FGV mit seiner Arbeit hier in Brasilien vor. Das ist sowas wie das brasilianische Berkman-Center undmacht interessante Arbeit. U.a. untersuchen sie die Wertschöpfungsprozesse von Tecno-Brega, um das Open Business Modell dahinter zu verstehen. Tecno-Brega hört man hier oft in den letzten Tagen, das ist Funk aus den Favelas und scheint das neue grosse Ding aus der brasilianischen Underground-Musik zu sein. Vor allem anscheinend aus der Stadt Belum im Staate Para. Das interessante dahinter ist, dass es sehr populäre Künstler dieser Musikrichtig gibt, die allesamt keine Plattenfirma haben. Sie releasen ihre Musik nur als MP3, andere mischen diese MP3s mit eigener Musik und daraus entstehen neue Mixe, die wiederum einfach weiterkopiert werden. Strassenhändler verkaufen gebrannte CDs und insgesamt ergibt sich eine äusserst interessante Wertschöpfungskette, wo vieleMenschen unterschiedlich an der Musik verdienen und die Künstler trotzdem davon profitieren und bekannter werden. Das wird alles im Rahmen eines Forschungsprojektes untersucht und ich bin mal auf die Ergebnisse gespannt. Auf der OpenBusiness-Webseite gibt es ein paar Informationen dazu:

    A music scene called Tecno Brega making use of an alternative business model has emerged in the city of Belem in Brazil. This parallel music industry has been active for years and has achieved great success. Several hundred new Tecno Brega records are produced and released every year by local artists, with both the production and distribution taking place outside of the mainstream music industry. The tecno brega model is simple: the music lies outside the realm of traditional copyright and is used as a method of marketing events. Every weekend the “sound system” parties attract thousands of people to the outskirts of Belem to listen to the Tecno Brega music. The parties are advertised by the distribution of the music itself. The numbers are incomplete, but the Belem scene alone brings in yearly revenues of several million US dollars.

    Ansonsten scheint OpenBusiness noch nicht so weit zu sein, wie ich eigentlich dachte. Und vor allem bin ich mit falschen Erwartungen in das Panel gegangen. Das diente erstmal zum kennenlernen der wenigen akademischen Akteure, die sich zum ersten Mal treffen und ich komme ja eher von der praktischen Seite. Aber interessant ist der Ansatz schon. Die Idee dahinter ist, Geschäftsmodelle rund um Creative Commons wissenschaftlich zu untersuchen. Bei der Wizards of OS 4 im September in Berlin wird es auch ein Panel dazu geben.

    Heute Abend gibts Salsa und Samba und ich kann bald keine Caipirinhas mehr sehen. Aber Spass machts trotzdem.

    Update: Kleiner Nachtrag, weil ich mich nach dem bloggen noch mit den OpenBusiness Menschenunterhalten habe. Der „My Mojay“ war wohl eher ein ungeplanter Unglücksvortrag, der von anderer Seite dort untergebracht wurde. Und die beiden von der London Schoolof Ecnomics zeigten einen unzusammenhängenden Mischmasch aus zwei verschiedenen Präsentationen, was eigentlich auch nicht so geplant war.

    24. Juni 2006 1
  • : Podcasting-Interview mit Heather Ford
    Podcasting-Interview mit Heather Ford

    Dieses Interview ist mit Heather Ford, der Geschäftsführerin von iCommons. Sie beschreibt darin, was iCommons ist und was die Ziele des iSummits sind.

    Das Interview ist 8 MB gross, ist mit 96 kb/s codiert und ist 10 Minuten lang.

    24. Juni 2006 1
  • : Podcasting-Interview mit Joi Ito
    Podcasting-Interview mit Joi Ito

    Hier ist ein zwölf Minuten langes Interview mit Joi Ito über iCommons, den iSummit in Rio, seine Video-Podcasting Show in Japan, die im Fernsehen gezeigt wird, die damit verbundenen Rechtediskussionen und über die Frage, wie es um Freie Software in Japan steht.

    Das Interview ist 8 MB gross und mit 96 kb/s als MP3 codiert. OGG gibts später, wenn ich wieder in Deutschland bin.

    24. Juni 2006 1
  • : Podcasting-Interview: eStudio Livre
    Podcasting-Interview: eStudio Livre

    Hier ist ein kurzes sieben Minuten langes Interview mit Alexandre vom eStudio Livre Projekt aus Brasilien über das Konzept der Cultural HotSpots (Ponta de Cultura) und die eStudio Livre Community.

    24. Juni 2006 1
  • : Bound by Law – Comic
    Bound by Law – Comic

    Wo ich gerade in Rio auf dem iSummit James Boyle sprechen höre (Toller Sprecher übrigens), fiel mir nochmal ein, dass ich das wunderbare „Bound by Law“-Comic noch nicht verlinkt hatte. Das Comic ist ein Projekt des Duke’s Center for the Study of the Public Domain, steht unter einer Creative Commons Lizenz und ist auch käuflich erhältlich.

    Bound by Law Cover

    Und das ist die Story:

    A documentary is being filmed. A cell phone rings, playing the “Rocky” theme song. The filmmaker is told she must pay $10,000 to clear the rights to the song. Can this be true? “Eyes on the Prize,” the great civil rights documentary, was pulled from circulation because the filmmakers’ rights to music and footage had expired. What’s going on here? It’s the collision of documentary filmmaking and intellectual property law, and it’s the inspiration for this new comic book. Follow its heroine Akiko as she films her documentary, and navigates the twists and turns of intellectual property. Why do we have copyrights? What’s “fair use”? Bound By Law reaches beyond documentary film to provide a commentary on the most pressing issues facing law, art, property and an increasingly digital world of remixed culture.

    Das Comic gibt es in verschiedenen Varianten online zum Download. Ich hab jetzt nur die hochauflösende PDF-Version mit 16MB Grösse angehängt / verlinkt.

    24. Juni 2006 1
  • : iCommons Summit Part 3
    iCommons Summit Part 3

    Nach all dem anstrengenden Mitbloggen am Morgen gibt es jetzt mal etwas atmosphärisches aus Rio. Das Fussballspiel gestern war leicht beeindruckend. Erstmal leerte sich der Strand ziemlich schnell, als es immer näher an 16 Uhr heranrückte, dem Zeitpunkt, als das Spiel begann. Hatt schon was von einer gespenstigen Atmosphäre, als wir kurz vor 16 Uhr ins Taxi sprangen, um mit einigen Brasilianern in irgendeine Uni zu fahren. Dort gabs das Spiel dann mit ca. 150 brasilianischen Studenten in einer Art Cafe, wobei es eher den Charme einer grösseren Hütte im Wald hatte. Wir wurden erstmal etwas dumm angeschaut, als wir über das Tor der Japaner lachten. Das war aber auch eine komische Situation – man kommt extra nach Brasilien, schaut sich ein Spiel gegen Japan an, alle erzählen einem, wie toll Brasilien Fussball spielt und dann kommen die Japaner und schiessen das erste Tor. Später gabs dann noch ein paar Tore für Brasilien, was immer durch genug Feuerwerkskörper begleitet wurde, vielleicht waren auch Schüsse darunter. Auf jeden Fall ein grosser Krach. Zum Glück haben die auch gewonnen, sonst wäre die allgemeine Stimmung kaputt gewesen. Lustig war auch, bei Toren immer von irgendwelchen wildfremden Brasilianerinnen stürmisch umarmt zu werden, scheint hier wohl dazu zu gehören. Sicherheitshalber bin ich aber mal vergleichbar früh schlafen gegangen, sonst hätte ich nach all dem Alkohol dabei heute einen Hang-Over gehabt.

    Hier gibts übrigens kein Mate-Tee, wie ich dachte, sondern das Getränk der Wahl heisst Guarana und enthält genau Guarana. Kann ich auch mit leben und schmeckt auch gut. Selbst im Hotel haben sie es, wenngleich ich nochnicht die korrekte Aussprache drauf hab und es immer etwas dauert, bis die Kellner meinen Wunsch verstehen. Ohne würde ich aber vermutlich längst nicht so fit sein. Das Internet ist in gewohnter Kongressstimmung – mal funktioniert das WLAN und dann mal wieder nicht. Ich versuche schon seit einiger Zeit, ein 12MB grosses Interview mit Joi Ito hochzuladen, aber das ist wohl hoffnungslos. Dafür gibts ein kurzes Interview mit Lawrence Lessig (5MB / MP3). Nebenbei blogge und podcaste ich noch für die iSummit Konferenzseite.

    Ansonsten sind fehlende Steckdosen ein grosses Problem. Ich verpasse gerade eine interessante DIskussion, weil in dem grösserem Raum ganze vier Steckdosen sind und natürlich alle belegt. Jetzt muss ich halt mal aufladen und verbringe etwas Zeit im Flur. Ein grosses Pluspunkt des iSummits ist sicherlich die Frauenquote. Im Gegensatz zu den üblichen Konferenzen und Veranstaltungen in Deutschland gibt es hier nämlich mehr Frauen als Männer, was meiner Meinung nach die Gespräche in den Pausen auch interessanter macht. (Und die Frauen sind nicht als Freundin ihrer Freunde mitgeschleift worden) Mit dem Alter dürfte ich auch gut im Durchschnitt liegen, weit mehr als die Hälfte der Anwesenden ist zwischen 22 – 35. Insgesamt also alles sehr entspannt, nur von der Sonne und dem Strand hab ich hier in den Kellerräumen des Hotels heute nichts mitbekommen und das wird sich vermutlich bis Montag auch nicht ändern. Aber was solls, insgesamt ist das einer der interessantesten Kongresse, die ich je besucht habe.

    23. Juni 2006 2
  • : iCommons Summit ist in Rio gestartet
    iCommons Summit ist in Rio gestartet

    Der iCommons Summit ist heute morgen offiziell gestartet. In ihrer Begrüssungsrede erklärte Heather Ford, die Geschäftsführerin von iCommons, dass man an den Erfolg des letzten und ersten iCommons Summits mit 80 Menschen im Juni 2005 anschliessen möchte. Zum zweiten Summit, ein Jahr später, sind schon mehr als 250 Menschen aus 49 Ländern erschienen. Mehr als 40 Journalisten und vier Kamerateams berichten zusätzlich zu den vielen Blogs und Podcastern. Heather Ford betonte, dass sich bei diesem Summit alles um erfolgreiche Showcases drehen würde. Vom Freedom Toaster in Südafrika über das Digital Burn Projekt in Grossbritanien bis hin zum Free Beer aus Dänemark, um nur wenige Beispiele zu nennen. in diesem Summit geht es um Kreativität und um Remixing.

    Die Anwesenden wären die Menschen, welche die Wissenssallmende (Commons) aktiv aufbauen: Musiker, Wissenschaftler, Autoren, Künstler, Akademiker, Lehrenr, Politiker und Ingenieure. Heather Ford bedankte sich abschliessend bei der Fundacao Getulio Vargas (fgv) Law School für die Ausrichtung des zwieten iCommons Summits. Renaldo Lemos, Director des Center for Technology & Society at FGV Law School betonte in seiner kurzen Begrüssung, dass Brasilianer besonders für eine Sache geboren würden: Parties zu organisieren. Sow ird es die nächsten drei Nächte verschiedene Arten von Parties geben. Huete eine Dinnerparty, morgen gibts Samba und am Sonntag Abend ein Konzert.

    Danach sprach Nathaniel Stern aus Südafrika, der hie rinegeladen wurde, um mit verschiedenen Medien den iSummit künstlerisch zu begleiten und zu remixen. Seine Rede war etwas schwierig zum mit bloggen, da er mehr rappte und herumhüpfte, als klar zu sprechen. Er betonte die Wichtigkeit von Free Culture Lizenzen, die erst richtig Remixen und Zusammenarbeit ermöglichen. Mit „Nehmt kleine Ideen und macht sie grösser“ beschrieb den Weg, eine Commons aufzubauen.

    Damit war auch das erste Begrüssungpanel beendet und es folgte das nächste mit mehr Prominenz. Lawrence Lessig begrüsste die Anwesenden und war sehr erfreut, dass die aussergewöhnlichsten Menschen der Creative Commons Community hier in Rio zusammen kommen würden, inkl. einiger der grössten Kritiker. Creative Commons gründete die iCommons Bewegung, um eine Trennung zwischen der rechtlichen Schaffung von Lizenzen und dem globalen Communitybuilding hin zu bekommen. Das für viele langweiligste, aber vermutlich wichtigste Thema des letzten Jahres wäre die Debatte um eine Interoperabilität von Free Culture Lizenzen gewesen. Die fehlende Interoperabilität wäre ein Design-Fehler gewesen, vielleicht wären verschiedene Egos oder sonstwas dafür verantwortlich gewesen. Aber das Problem wäre bekannt und es würde die notwendige Infrastruktur gebaut, um das Problem zu lösen.

    Ein weiteres wichtiges Projekt wäre das „public domain wiki (pdwiki)“ aus Kanada. Dort würden die Daten von Autoren in ein Wiki gepackt und Nutzer können Informationen über die Autoren hinzufügen. Damit würde eine Infrastruktur geschaffen, um heraus zu finden, was alles der Public Domain angehört und was noch nicht. Scheint eine Public Domain Registry zu werden.

    Science Commons ist auch im letzten Jahr durchgestartet ud das Ziel dieses „dritten Arms“ von Creative Commons ist die Schaffung eines universellen Zugangs zu Wissen, um die Arbeit von Wissenschaftlern zugänglich für alle Menschen auf der ganzen Welt zu schaffen.

    Mit einem kleinen Witz richtete er Aufmerksamkeit auf die Kritik von Richard Stallman. Dieser hätte kritisiert, dass der CC-Button „Some Rights reserved“ nicht explizit auf die jeweilige Lizenz hinweisen würde und irreführend sei. Normalerweise würde Richard Stallman ja nicht gewinnen, in diesem Fall hätte er sich aber durchgesetzt, betonte Lessig. Es wird also neue Buttons geben, die explizit auf die jeweilige Lizenz hinweisen. Dabei wird es ein Farbmuster geben, welches sich von Rot nach Grün bewegt. Die unfreieste CC-Lizenz wird dabei Rot sein und die freieste Grün. Die Farbspektren dazwischen beschreiben die unterschiedlichen Nutzungsfreiheiten. Dazu werden die Grafiken der Nutzungsfreiheiten auch auf den Buttons zu sehen sein.

    Die CC-Mixter-Plattform wird nächste Woche in einer internationalisierten Version veröffentlicht werden. Viele gute Musik wäre mit dieser Plattform geschaffen worden und vor allem von vielen Menschen weiterentwickelt / geremixed. Lessig´ s Favorit sei Colin Mutchler mit dem Song „My life changed“. Dieser würde in nächster Zeit mit „Premixed – words and music for a free culture“ ein eigenes Album herausbringen. Mit Brian Eno und Pearl Jam hätten berühmte Künstler im letzten Jahr mitgeholfen, die CC-Lizenzen bekannter zu machen.

    Das südafrikanische Freedom Toaster Projekt würde nicht nur nur Freie software zur Verfügung stellen, sondern mittlerweile auch viel Freien Content unter CC lizenziert. Am Ende der Konferenz würde es Free Beer geben, was nach Ansicht Lessigs gut schmecken würde- er musste es schliesslich letzte Woche beim Launch der Lizenzen in Dänemark testen. (Ich habs mittlerweile auch getestet und es schmeckt tatsächlich gut).

    Er stellte verschiedene Firmen vor, die Geschäftsmodelle für CC-Content entwickeln. Scoopt war zuletzt in der Debatte. Die Firma möchte die Rechteverwaltung für kommerzielle Nutzung einfacher machen. Blogger und sonstige Kreative, die Content unter einer Non-Commercial Lizenz schaffen, sollen dafür kompensiert werden, wenn Firmen ihre Werke kommerziell verwerten wollen. Scoopt will dabei Zwischenhändler sein. Eine Firma namens Revver schafft im Moment eine Plattform, wo Künstler ihre Videos online stellen können und die Künstler werden wohl an den Webeeinnahmen betetiligt, welche die Plattform einnimmt. DotSub schafft eine Plattform, wo Untertitel für Videos in einer offenen und kollaborativen Weise für viele Kulturen zugänglich gemacht werden können. Man nehme ein Video, z.B. in englisch, und in Deutschland könnte jeder dabei helfen, die deutschen Untertitel hinzuzufügen. Eyespot schafft eine Plattform, wo man Video-Content im Browser mixen kann. Dabei wird auf Content mit einer CC-Attribution (Namensnennung) Lizenz zurück gegriffen und in den Prozess integriert. Die Plattform ermöglicht jedem, einfach Videos zu remixen.

    Dann sprach er über das das Office-AddOn von Microsoft und dasss dieser Schritt zu begrüssen sei. Das erste Dokument, welches damit eine CC-Lizenz ausgewählt hatte,wäre die Rede von Gilberti Gil gewesen, die dieser im Anschluss halten würde. Cory Doctorow kritisierte im Anschluss in einer Session diesen Schritt, weil damit sein DRM-System unterstützen könnte.

    Er bedankte sich bei Bob Young, einem der Gründer von redhat, der eine Million Dollar gespendet hat und damit erst den grossen iCommons Summit auch ermöglicht hat. Bob Young gab wohl früher auch das Gründungskapital und hat damit einen Anteil an der Arbeit von Creative Commons.

    Eine sehr interessante News war, dass radiobras, eine brasilianische Nachrichtenagentur in den nächsten Tagen die Veröffentlichung ihres gesamten Contents unter der freiesten brasilianischen Creative Commons Lizenzen ermöglichen würde.

    Alle sechs Monate würde man den Erfolg von Creative Commons anhand von Verlinkungen zur CC-Seite messen. 12 Monate nach Start wären es eine Million Links gewesen, nach 18 Monaten schon 1,8 Millionen. Nach 30 Monaten zwölf Millionen und im letzten Dezember schon 45 Millionen. Aber richtig verwundert wäre man jetzt gewesen, wo nach 42 Monaten mehr als 140 Millionen (!) Links bei Google zu finden sei.Man hätte erstmal bei Google nachgefragt, ob die Zahlen stimmen würden und sie wurden von dort bestätigt. Lessig bedankte sich abschliessend für die MIthilfe der Anwesenden, die Idee von Free Culture auf der ganzen Welt weiter zu verteilen.

    Joi Ito, welcher neben unzähligen Vorstandsposten bei unterschiedlichsten Organisationen und Firmen auch den Vorsitz von Icommons inne hat, betonte in seiner Begrüssungsrede, dass wir alle zusammen eine Menge Dinge im Netz anstellen könnten, aber dass es imme rnoch besser sei, sich face2face zu treffen. Im Moment würden wir wieder eine neue Internetblase erleben, aber auch wirkliche Revolutionen. Eine davon wäre das, was man „User Generated Content“ bezeichnet, und hier besonders, was im Moment mit Video-Content und Plattformen wie Youtube passiert. Überall auf der Welt würden alte und neue Medien immer mehr miteinander verschmelzen und konvergieren. Ito berichtete von seiner japanischen Videoblogging-Show, die es jetzt auch im Fernsehen geben würde. Er würde sie immer zuerst im Netz releasen und unter einer CC-Namensnennungs-Lizenz veröffentlichen. Diese Lizenz wäre für eine Übernahme ins Fernsehen am besten geeignet. Viele Fernsehmenschen würden in Japan mittlerweile kapieren, wie das alles funktioniert und würden anfangen, Creative Commons LIzenzen deswegen zu mögen. Ito wies auf den Video-Server im nächsten Raum hin, der von allen mitgenutzt werden könnte und sollte. Zusammen würden wir den ganzen Video-Content der Konferenz remixen können und auch die anwesenden Journalisten soltlen sich überlegen, ob sie nicht beim Teilen und Remixen mitmachen und letztendlich damit auch davon profitieren würden.

    Paulina Urrutia, die Kulturministerin von Chile, verstand ich bei ihrer Rede anschliessend leider nicht, da diese in spanisch gehalten wurde. Anschliessend sprach Gilberto Gil, der Kulturminister von Brasilien ist. In Brasilien würden alte IP-Gesetzgebung existieren und die Regierung hätte angekündigt, diese zu erneuern und würde das auch machen. Die Gesellschaft und Regierung müssten Sorge tragen, die Gesetzgebung in eine Richtung zu ändern, so dass alle davon profitieren würden. Er begrüsste John Perry Barlow, der auch anwesend ist mit den Worten, dass wir ohne ihn und die Arbeit der Electronic Frontier Foundation für ein freies Internet wahrscheinlich nicht hier sitzen würden. Seine Motivation, etwas an der Urheberrechtsgesetzgebung zu ändern, beschrieb Gil mit den Worten, dass er auch ein Teil der Unterhaltungsindustry sei und mit vielem nicht einverstanden sei, was dort für eine Politik betrieben und gefordert würde. Er würde mit seiner Arbeit die globale Unterhaltungsindustrie beienflussen wollen. Dann folgten viele Zitate von portugiesischen Autoren und aus seinen Lieder. Er beschrieb ein Erlebnis, als er jung war und mit einer Rockband und E‑Gitarren auftrat. Damit bekam er ziemlich viel Kritik von den brasilianische Studenten, dass er die Authentizität der brasilianischen Musik verletzten würde. Aber für ihn sei Kultur wie Open Source Software und sie wäre dazu da, neue Sachen auszuprobieren und bestehendes zu remixen.

    23. Juni 2006 3
  • : iCommons Summit Part 1
    iCommons Summit Part 1

    Endlich komme ich in Rio mal zum bloggen. Am Montag Abend bin ich erfolgreich nach 20 Stunden Reisezeit gelandet und war erstmal etwas irritiert. Es war nämlich dunkel. Meint man eigentlich nicht, wenn man am Vorabend des längsten Tag des Jahres aufbricht, um an den Strand und zur Sonne zu fliegen. Aber hier ist ja die andere Seite der Weltkugel und so erlebte ich die leicht bizarre Situation, dass es um 18 Uhr dunkel ist und trotzdem tropische Temperaturen. Mittlerweile hab ich mich daran gewöhnt, wenngleich man sich um ein paar Stunden Sonne beraubt fühlt.

    Dafür ist die Copacabana quasi um die Ecke meines Hotels. Noch näher als bei mir zuhause der nächste Bäcker. So hab ich gestern erstmal einen Teil des Tages am Strand verbracht. Nachdem ich mich erstmal an den Jetlag gewöhnt hatte. Mit anderen Worten, ich war als einer der ersten am Strand, morgens um 7:30 Uhr, was Berliner Mittagszeit war. Nach ein paar Stunden rumliegen und mir einen kleinen Sonnenbrand auf der Nase abholen wurde es mir aber zu langweilig und ich schaute mir mal die Gegend an. Die Brasilianer sind ja etwas merkwürdig. Erstmal gibt es überall (!) Fernseher. Aber zur besten WM-Zeit werden nicht etwa die Fussballspiele übertragen, sondern irgendwelche Telenovelas. Dafür gibts überall Brasilien-Devotionalien. Zuerst fragte ich mich ja, ob das Touri-bedingt ist und diese das ganze Jahr zu haben sind. Aber anscheinend gibts hier zur WM den aus Deutschland bekannten Sylvestereffekt (Wo nach Weihnachten für wenige Tage Chinaböller-Läden aus dem Boden gestampft werden). Und was man nicht alles in brasilianischen Farben kaufen kann! Auf jeden Fall mehr als man sich so vorstellt. Ich muss nochmal mehr Fotos machen, allerdings wird man auch ständig davor gewarnt, jegliche Unterhaltungselektronik öffentlich zu zeigen, um nicht Opfer eines Verbrechens zu werden.

    Abends hab ich erstmal Henrik aus Dänemark getroffen, der 60 Kilo Free Beer aus Kopenhagen mitgebacht hat. Das Free Beer, was unter dem Namen Vores Oel hier schonmal beschrieben wurde. Also ein Bier, wo das Rezept und das Brand unter einer freien Creative Commons Lizenz steht (und Guarana enthält). Das gibts jetzt seit letzter Woche in einer neuen Edition, soll noch besser schmecken und ich bin aufs Wochenende gespannt, wo ich es endlich probieren kann. Mit Henrik mach ich auf jeden Fall noch ein Podcast-Interview in den nächsten Tagen zum Free Beer.

    Später haben wir noch Hermano Vianna getroffe, einen sehr interessanten brasilianischen Anthropologen, der uns hier die brasilianische Kultur(-politik) näher brachte und uns bei einem tollen brasilianischen Essen viele Hintergrundinfos gab. Sehr spannend, ich mag ja Musikkultur. Leider hatte ich aus Sicherheitsgründen meinen MP3-Recordern nicht dabei, ihn hätte ich sehr gerne zu verschiedenen Themen befragt. Aber das hole ich mal per Mail nach. Lustigerweise ist Hermanno auch Kurator des Musikprogramms des Copa de Cultura Projekts, was gerade in Berlin im Haus der Kulturen der Welt stattfindet. Und wir wollten ihn eigentlich zur nächsten Wizards of OS Konferenz zum Schwerpunkt „Brasil, the Open Source Nation“ einladen, aber er hat im September leider andere Pläne.

    Heute ist dann Arbeit angesagt und ich friere mir gerade in Sommerkleidung und Sandalen nicht nur die Füsse ab. Die Klimaanlage in dem dunklen Hotelkonferenzraum, wo gerade der NGO-in-a-Box Workshop stattfindet, simuliert gerade erfolgreich einen Winter. Draussen ist tatsächlich Winter, aber das bedeutet hier nur, dass es nicht regnet und nicht ganz so heiss ist. Auf jeden Fall sind es gerade sehr spannende Diskussionen mit 13 Personen aus vier verschiedenen Kontinenten. Ich war natürlich pünktlich heute morgen und konnte mir erstmal lustige Bemerkungen über pünktliche Deutsche anhören. Der Rest kam dann im Laufe der ersten Stunde. Jetzt geht es gerade um Themen wie Citizen Journalism, Paticipatory Media, Open Content und wie Freie Software dazu genutzt werden kann. Ein wenig kann man dem Workshop im iCommons-Wiki folgen.

    Die Sonne werde ich den nächsten Tagen leider kaum zu sehen bekommen. Kein Wunder, wenn es hier um 17 Uhr dunkel wird und man bis dahin im Hotel in Räumen ohne Fenstern sitzt. Morgen werde ich mir auf jeden Fall die passende Kleidung anziehen. Um 15:30 Uhr wird der Workshop zu Ende sein. Um 16 Uhr Ortszeit gibts nämlich das Brasilien-Spiel und das bedeutet Ausnahmezustand. Alle Geschäfte schliessen und die ganze Nation soll vorm Fernseher sitzen. Da bin ich mal gespannt. Bisher haben die Brasilianer ja nicht besonders tollen Fussball gezeigt.

    22. Juni 2006
  • : Creative Commons und Fedora veranstalten Open-Video-Wettbewerb
    Creative Commons und Fedora veranstalten Open-Video-Wettbewerb

    Der Open-Video-Contest der Creative Commons und Fedora ist eröffnet. Endlich wird es belohnt, das Kino neu zu erfinden!

    Als Hauptgewinn bei dem Wettwerb von Creative Commons und Fedora winkt ein Sony Camcorder in einer speziellen Fedora-Ausgabe. Darüber hinaus erhalten die ersten 150 Einsender je ein Paar Flip-Flops mit Fedora-Aufdruck. Laut den Teilnahmebedingungen sollten die eingesandten Videos nicht länger als 30 Sekunden sein, die Videodatei im OGG-Theora-Format eine Größe von 10 MByte nicht überschreiten. Musik, Bilder oder Videos sollten nur dann genutzt werden, wenn sie frei verwendbar sind oder unter Bedingungen wie der Attribution-ShareAlike Lizenz stehen.

    Einsenden kann man zwischen dem 20. Juni 00:00 Uhr UTC (02:00 MESZ) und dem 20. Juli 00:00 Uhr UTC 2006 per E‑Mail. In der Jury sind unter anderem Alek Tarkowski (Creative Commons), Greg DeKoenigsberg (Red Hat), Max Spevak (Fedora) und Samuel Klein (Wikimedia Foundation, Special Project Committee).

    [via / Markus]

    22. Juni 2006 1
  • : Democracy ‑Die Evolution des Internet-Fernsehens
    Democracy ‑Die Evolution des Internet-Fernsehens

    Democracy ist nicht nur ein Freies und offenes Abspielprogramm und Webbrowser in einem für TV-Sendungen, Videocasts, Podcasts und Audio-/Video-Quellen über BitTorrent, es steckt noch viel mehr in ihm: Durch die Integration von RSS-Feeds kann der Benutzer aus einer Liste mit den verschiedenen Videocast- oder Sendungen von Fernsehsendern auswählen. Die Open-Source-Applikation ist ein Projekt der Participatory Culture Foundation: Diese gemeinnützige Organisation entwickelt und fördert mehrere Freie Video-Sharing- und TV-Projekte im Internet, um bei dem Massenmedium Internet-TV vor allem auch die Meinungsfreiheit online zu garantieren. Ihre Hauptprojekte sind der Player Democracy, die Suchmaschine Videobomb und die Videocast-Software Broadcast Machine. Allesamt werden sie als Freie Software entwickelt, wobei Programmierer aus aller Welt dazu aufgerufen werden, im eigenen Wiki mitzuhelfen und so zur Verbreitung von Tools und Sendungen beizutragen.

    Der so genannte Channel Guide von Democracy bietet derzeit eine Auswahl an 400 verschiedenen Podcast- und anderen Kanälen. Alternativ können einzelne Programme wiederum über die Feeds abonniert und automatisch herunter geladen werden. Als „TV auf dem Desktop“ preist sich Democracy an und hat auch wirklich die Fähigkeiten hierfür. Democracy betont, dass die Clips, Filme und Sendungen auch im Vollbildformat abspielbar sind. Damit die Clips nicht zu viel Platz auf der Festplatte des Rechners einnehmen, wird jedes Video automatisch fünf Tage nach dem Ansehen oder nach einer beliebigen Dauer gelöscht – es sei denn, man möchte es abspeichern und behalten.

    An den Player gekoppelt ist die eigene Suchmaschinenseite Videobomb, „einem demokratischen Spielplatz für Internet-Video“. Als gelungenes Beispiel für eine Web 2.0‑Applikation können Nutzer hier ihre Lieblingsvideos vorstellen und bewerten und sich eigene „Sende-Kanäle“ zusammenstellen. Die Suchmaschine erleichtert das Finden einzelner Videos nach Themen und präsentiert herausragende Clips.

    Der Player ist sowohl für das Windows- wie auch das OSX-Betriebssystem erhältlich und als Beta-Version für die Linux-Distributionen Fedora, Ubuntu und Debian .

    19. Juni 2006 3