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iCommons Summit Part 1

Endlich komme ich in Rio mal zum bloggen. Am Montag Abend bin ich erfolgreich nach 20 Stunden Reisezeit gelandet und war erstmal etwas irritiert. Es war nämlich dunkel. Meint man eigentlich nicht, wenn man am Vorabend des längsten Tag des Jahres aufbricht, um an den Strand und zur Sonne zu fliegen. Aber hier ist ja die andere Seite der Weltkugel und so erlebte ich die leicht bizarre Situation, dass es um 18 Uhr dunkel ist und trotzdem tropische Temperaturen. Mittlerweile hab ich mich daran gewöhnt, wenngleich man sich um ein paar Stunden Sonne beraubt fühlt.


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Dafür ist die Copacabana quasi um die Ecke meines Hotels. Noch näher als bei mir zuhause der nächste Bäcker. So hab ich gestern erstmal einen Teil des Tages am Strand verbracht. Nachdem ich mich erstmal an den Jetlag gewöhnt hatte. Mit anderen Worten, ich war als einer der ersten am Strand, morgens um 7:30 Uhr, was Berliner Mittagszeit war. Nach ein paar Stunden rumliegen und mir einen kleinen Sonnenbrand auf der Nase abholen wurde es mir aber zu langweilig und ich schaute mir mal die Gegend an. Die Brasilianer sind ja etwas merkwürdig. Erstmal gibt es überall (!) Fernseher. Aber zur besten WM-Zeit werden nicht etwa die Fussballspiele übertragen, sondern irgendwelche Telenovelas. Dafür gibts überall Brasilien-Devotionalien. Zuerst fragte ich mich ja, ob das Touri-bedingt ist und diese das ganze Jahr zu haben sind. Aber anscheinend gibts hier zur WM den aus Deutschland bekannten Sylvestereffekt (Wo nach Weihnachten für wenige Tage Chinaböller-Läden aus dem Boden gestampft werden). Und was man nicht alles in brasilianischen Farben kaufen kann! Auf jeden Fall mehr als man sich so vorstellt. Ich muss nochmal mehr Fotos machen, allerdings wird man auch ständig davor gewarnt, jegliche Unterhaltungselektronik öffentlich zu zeigen, um nicht Opfer eines Verbrechens zu werden.

Abends hab ich erstmal Henrik aus Dänemark getroffen, der 60 Kilo Free Beer aus Kopenhagen mitgebacht hat. Das Free Beer, was unter dem Namen Vores Oel hier schonmal beschrieben wurde. Also ein Bier, wo das Rezept und das Brand unter einer freien Creative Commons Lizenz steht (und Guarana enthält). Das gibts jetzt seit letzter Woche in einer neuen Edition, soll noch besser schmecken und ich bin aufs Wochenende gespannt, wo ich es endlich probieren kann. Mit Henrik mach ich auf jeden Fall noch ein Podcast-Interview in den nächsten Tagen zum Free Beer.

Später haben wir noch Hermano Vianna getroffe, einen sehr interessanten brasilianischen Anthropologen, der uns hier die brasilianische Kultur(-politik) näher brachte und uns bei einem tollen brasilianischen Essen viele Hintergrundinfos gab. Sehr spannend, ich mag ja Musikkultur. Leider hatte ich aus Sicherheitsgründen meinen MP3-Recordern nicht dabei, ihn hätte ich sehr gerne zu verschiedenen Themen befragt. Aber das hole ich mal per Mail nach. Lustigerweise ist Hermanno auch Kurator des Musikprogramms des Copa de Cultura Projekts, was gerade in Berlin im Haus der Kulturen der Welt stattfindet. Und wir wollten ihn eigentlich zur nächsten Wizards of OS Konferenz zum Schwerpunkt „Brasil, the Open Source Nation“ einladen, aber er hat im September leider andere Pläne.

Heute ist dann Arbeit angesagt und ich friere mir gerade in Sommerkleidung und Sandalen nicht nur die Füsse ab. Die Klimaanlage in dem dunklen Hotelkonferenzraum, wo gerade der NGO-in-a-Box Workshop stattfindet, simuliert gerade erfolgreich einen Winter. Draussen ist tatsächlich Winter, aber das bedeutet hier nur, dass es nicht regnet und nicht ganz so heiss ist. Auf jeden Fall sind es gerade sehr spannende Diskussionen mit 13 Personen aus vier verschiedenen Kontinenten. Ich war natürlich pünktlich heute morgen und konnte mir erstmal lustige Bemerkungen über pünktliche Deutsche anhören. Der Rest kam dann im Laufe der ersten Stunde. Jetzt geht es gerade um Themen wie Citizen Journalism, Paticipatory Media, Open Content und wie Freie Software dazu genutzt werden kann. Ein wenig kann man dem Workshop im iCommons-Wiki folgen.

Die Sonne werde ich den nächsten Tagen leider kaum zu sehen bekommen. Kein Wunder, wenn es hier um 17 Uhr dunkel wird und man bis dahin im Hotel in Räumen ohne Fenstern sitzt. Morgen werde ich mir auf jeden Fall die passende Kleidung anziehen. Um 15:30 Uhr wird der Workshop zu Ende sein. Um 16 Uhr Ortszeit gibts nämlich das Brasilien-Spiel und das bedeutet Ausnahmezustand. Alle Geschäfte schliessen und die ganze Nation soll vorm Fernseher sitzen. Da bin ich mal gespannt. Bisher haben die Brasilianer ja nicht besonders tollen Fussball gezeigt.

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