Kultur

Meme, Veranstaltungen, Kunst, Museen, Remixe, Musik, Internetphänomene, Computerspiele und Archive.

  • : Post-Privacy Mockumentary – Operation Naked
    Post-Privacy Mockumentary – Operation Naked

    dataHeuteNächste Woche Montag Nacht läuft im ZDF die Mockumentary „Operation Naked“ von Mario Sixtus. In der rund 50 Minuten langen fiktionalen Geschichte geht es um eine technologische Entwicklung in Form einer Datenbrille mit Gesichtserkennungs-Software, die zu einer gesellschaftlichen Diskussion führt. Das ist interessant, weil eine mögliche Entwicklung skizziert wird. Und auch zeigt, dass es schwerfallen könnte, solche Technologien zu verbieten, weil sie sofort als Open Source – Versionen erscheint und von einer Community weiter entwickelt wird.

    Mir ist diese Utopie aber trotzdem zu nah am Post-Privacy-Gedanke dran und leider werden Datenschützer mit ihren berechtigten Anliegen in dieser Mockumentary nur als Kriminelle dargestellt, die was zu verbergen haben. Hier wäre die Chance gewesen, die Debatte darum so differenziert darzustellen, wie sie laufen könnte. Aber trotzdem ist der Film sehenswert, alleine für die Nachstellung der medialen Debatte, die mit einer Produktshow durch das halbe ZDF-Abendprogramm einlädt.

    Lustig sind auch die vielen Anspielungen auf bekannte Personen aus der Internet-Welt, von der Person, die Gesichter nicht erkennen kann, über den Datenschützer, der stark Manfred Spitzer ähnelt bis hin zu einer an Jens Best angelehnte Figur, die an seine Google Streetview-Befreiungsaktion erinnert (und ihm auch äußerlich sehr ähnlich ist).

    Letztendlich bin ich nicht davon überzeugt, dass es so kommen wird, wie Mario Sixtus es in „Operation Naked“ vorzeichnet. Und ich glaube nicht, dass die Welt dann eine bessere wäre. Aber der Film bietet eine gute Möglichkeit, die technologische Entwicklung sowie einen gesellschaftlichen Umgang damit im Spannungsfeld zwischen Transparenz und Privatsphäre zu diskutieren. Und das dürfte auch das Anliegen von Mario Sixtus gewesen sein.

    Mario Sixtus beschreibt auf zdf.de seine Motivation:

    “Operation Naked” hat zwei Hauptpersonen: die Berliner Start-Up-Gründerin Michelle Spark, die eine Datenbrille mit Gesichtserkennung auf den Markt bringen will – und die Technologie selbst, die diese Brille antreibt. Wir erleben in “Operation Naked” zum einen, wie Michelle Spark als Unternehmerin von der Politik und von den Medien gefeiert und umworben wird – zumindest so lange bis kritische Stimmen laut werden und die Stimmung in der Bevölkerung zu kippen droht. Andererseits sehen wir, wie diese Technologie eine Eigendynamik entwickelt, wie sie damit beginnt, die Gesellschaft zu verändern und sich dabei naturgemäß nicht die Bohne um Politik, Medien oder die Volksmeinung schert – fast so wie ein freigelassener Virus. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Digitalisierung für unsere Gesellschaft und für unser aller Leben noch einige Überraschungen mitbringen wird, an die wir jetzt noch gar nicht denken – weil wir sie uns nicht vorstellen können. Und genau so fest bin ich davon überzeugt, dass dieser Prozess keine Pause- oder gar Stopp-Taste besitzt. Es fängt alles gerade erst an. Der Film “Operation Naked” ist ein Produkt dieser Überzeugung.

    „Operation Naked“ läuft im Rahmen des Kleinen Fernsehspiels heute nächste Woche Montag Nacht um 23:55 im ZDF. Und findet sich bereits in der Mediathek. Das besondere ist zudem, dass der Film Netzkultur-freundlich unter der Creative COmmons CC-BY-NC-SA-Lizenz steht. Demnächst wird man ihn auch runterladen und remixen können.

    15. Februar 2016 23
  • : Laura Poitras: „I was seriously scared“
    Die Dokumentarfilmerin Laura Poitras. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.en">CC BY 4.0</a>, via <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Poitras_2012_hi-res-download_3.jpg">Wikimedia</a>
    Laura Poitras: „I was seriously scared“

    Das US-amerikanische Magazin Vogue hat ein längeres Porträt über Laura Poitras veröffentlicht, die Regisseurin der Oscar-prämierten Snowden-Dokumentation Citizenfour. Dafür hat die Journalistin Sara Corbett mehrmals die Filmemacherin in New York getroffen, wo sie nach einigen Jahren in Berlin nun wieder wohnt.

    Besonders interessant sind ihre Aussagen zu der Zusammenarbeit mit Edward Snowden. Poitras berichtet, wie sie beim ersten Kontakt mit Snowden dachte, dass es sich um eine Falle der Geheimdienste handelt und erst über einen längeren Zeitraum Vertrauen zu ihm aufbauen musste. Da Poitras schon vorher einige regierungskritische Dokumentationen über die US-Sicherheitspolitik nach den 9/11-Anschlägen gedreht hatte, war sie dutzende Male an Flughäfen verhört und festgehalten worden.

    Um sich vor staatlicher Überwachung zu schützen, zog Poitras um, hörte auf, ein Handy zu benutzen und schränkte die Kontakte zu Freunden ein. Sie rechnete während ihrer Zusammenarbeit mit Snowden damit, unter Umständen ins Gefängnis zu kommen und gesteht ein, dass sie damals große Angst vor den ungewissen Konsequenzen hatte:

    ‚In retrospect, a lot of people think, Oh, the Snowden story is a great story that any journalist would want to get ahold of,’ she says. ‚But it didn’t feel that way then. I was seriously scared.’

    Am 5. Februar eröffnet im Whitney Museum of American Art in New York die Solo-Ausstellung „Laura Poitras: Astro Noise“ welche sich unter anderem mit Massenüberwachung, dem „War on Terror“ und dem Gefängnis Guantánamo Bay auseinandersetzt.

    28. Januar 2016 6
  • : Viertausendhertz – Ein neues Podcast-Label aus Berlin
    Viertausendhertz – Ein neues Podcast-Label aus Berlin

    Mit Viertausendhertz haben Marie Dippold, Hendrik Efert, Christian Grasse und Nicolas Semak jetzt ein Label für AutorInnenpodcasts gegründet. Darunter findet sich der Podcast Systemfehler, den wir bereits mit seiner Erstausgabe vorgestellt haben. Für den Elementarfragen-Podcast hat Nicolas Semak unseren Ulf Buermeyer über seinen Beruf als Richter interviewt. Hier findet sich die MP3.

    Viertausendhertz ist ein Label für AutorInnenpodcasts. In unseren Produktionen verbinden wir Spannung, Information und Unterhaltung mit inspirierendem Sound. Die Leidenschaft für die weite Welt des Hörbaren und das Erzählen von Geschichten sind unser Antrieb. Übrigens: Töne mit einer Frequenz von 4000 Hertz nimmt das menschliche Ohr besonders intensiv wahr.

    27. Januar 2016
  • : Theater trifft Aktion – Ein Update zum Verhältnis von darstellender Kunst und Aktivismus
    Theater trifft Aktion – Ein Update zum Verhältnis von darstellender Kunst und Aktivismus

    Anfang November luden das Theater Dortmund und die Heinrich Böll Stiftung nach Dortmund, um im Rahmen eines Workshops über „Theater trifft Aktion“ Aktivisten und Theater-Künstler zusammen zu bringen und über das Verhältnis von darstellender Kunst und Aktivismus zu diskutieren. Dazu gibt es jetzt ein eBook mit zwölf Texten, das hier heruntergeladen werden kann.

    Am Rande der Dortmunder Premieren trafen sich unter der Überschrift „MOBILIZE! Theater trifft Aktion – Neue Bühnen der Subversion“ 30 Aktivist/innen, Theaterkünstler/innen, Journalist/innen und Kurator/innen zu einem Arbeitstreffen und suchten gemeinsam nach Antworten und Praktiken. Aus der Begegnung entstand dieses „Update zur Verbindung von politischem Aktivismus und Darstellender Kunst“.

    Die Texte der zwölf Autor/innen, allesamt Teilnehmende des Dortmunder Treffens, spannen den Bogen von den Interventionen anlässlich der Pariser Klimakonferenz über die Seenotrettung vor Lesbos bis hin zum Odengesang am Staatstheater Mainz gegen eine Kundgebung der AfD. Unser Update ist kein Manifest, sondern eine kritische Würdigung des laufenden Experiments: „Theater trifft Aktion“.

    27. Januar 2016 1
  • : 45. Netzpolitischer Abend am 2. Februar in Berlin
    45. Netzpolitischer Abend am 2. Februar in Berlin

    Wie immer am ersten Dienstag im Monat findet am 2. Februar der mittlerweile 45. Netzpolitische Abend in der c‑base Berlin statt.

    Das Programm besteht dieses Mal wahrscheinlich aus fünf Vorträgen:

    • Peter Schaar: Datenschutz in Europa: Was bringt die EU-Datenschutzreform? Welche Auswirkungen hat das Safe Harbour-Urteil des Europäischen Gerichtshofs?
    • Shopnokothok: Die Verfolgung von Bloggern in Bangladesch
    • Ben Wagner & Thomas Dullien: Quadratur des Kreises? Menschenrechte, Überwachungstechnik & Wassenaar
    • Arne Semsrott: Frag den Bundestag – Wie wir gemeinsam die Aktenschränke des Bundestags befreien (angefragt)
    • Nana Karlstetter & Marie Gutbub: Einladung zum Logan CIJ Symposium

    Die c‑base befindet sich in der Rungestraße 20, 10179 Berlin. Der Einlass ist wie immer ab 19 Uhr, los gehts um 20 Uhr. Für alle, die nicht vor Ort dabei sein können, gibt es einen Live-Stream. Der Eintritt ist frei.

    Die Aufzeichnungen der Januar-Ausgabe sind bereits online verfügbar.

    26. Januar 2016
  • : Romantik gegen Überwachung: Lichtermeer-Demo in Wien
    Romantik gegen Überwachung: Lichtermeer-Demo in Wien

    Wolltet Ihr auch schon immer mal einen Geheimdienst mit Photonen besprenkeln? Da böte sich der neue Inlandsgeheimdienst von Österreich an: Zu einem Lichtermeer gegen Überwachung ruft der AK Vorrat Österreich für den 23. Januar 2016 in Wien auf. Der Protest richtet sich gegen das österreichische Polizeiliche Staatsschutzgesetz, eine Art „Blankoscheck“ für Überwachung mit nur rudimentärer parlamentarischer Kontrolle über den Staatsschutz.

    Das Gesetz passierte jüngst den österreichischen Innenausschuss ohne Änderungen, obwohl neben dem AK Vorrat auch Organisationen wie der Österreichische Rechtsanwaltskammertag, die Richtervereinigung und der Österreichische Journalisten-Club zahlreiche Einwände vorgebracht hatten. Auch alle vier Oppositionsparteien lehnen das Gesetz ab und verlangen die Ausweitung der parlamentarischen Kontrolle.

    Mittlerweile unterzeichneten mehr als 27.500 Menschen bei „https://www.staatschutz.at“ die Petition gegen das Gesetz. Was sie sich nicht bieten lassen wollen:

    „Österreich bekommt einen neuen Geheimdienst.“

    Los geht es ab 18:30 Uhr auf der Landstraßer Hauptstraße, das Lichtermeer soll dann gegen 18:45 Uhr an der Kreuzung Landstraßer Hauptstraße zum Rennweg erstrahlen.

    Auf nach Wien zum Photonisieren! Und bitte macht Bilder.

    21. Januar 2016 2
  • : Das Internet ist kein egalitärer Raum: Ingrid Brodnig über Hate Speech und Wut im Internet
    Ingrid Brodnig auf der re:publica 2015
    Das Internet ist kein egalitärer Raum: Ingrid Brodnig über Hate Speech und Wut im Internet

    Das Thema Hate Speech und Wut im Internet beschäftigt in Deutschland mittlerweile auch das Justizministerium. Montag diese Woche begrüßte Gerd Billen, Staatssekretär im Justizministerium, im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung „die von Facebook in Berlin vorgestellte ‚Initiative für Zivilcourage Online’ “. Dem wachsenden Druck auf Plattformbetreiber etwas gegen Hate Speech zu unternehmen stehen Sorgen um zunehmend private Rechtsdurchsetzung gegenüber. In diesem Beitrag geht es um die Frage, wie sich die Aggression auf die öffentliche Debatte und unsere Demokratie auswirkt und wie darauf reagiert werden kann.

    Der folgende Gastbeitrag wurde verfasst von Ingrid Brodnig, Autorin („Der unsichtbare Mensch“) und Redakteurin des österreichischen Nachrichtenmagazins profil, dort für die Berichterstattung über digitale Themen zuständig. Der Beitrag ist die schriftliche Fassung ihres Vortrags im Rahmen des 2. Netzpolitischen Abends AT in Wien (siehe auch Videoaufzeichnung). Wir veröffentlichen den Beitrag mit ihrer freundlichen Genehmigung.

    Ich möchte mit einem Satz aus einer Studie anfangen. Wissenschaftliche Studien sind meist nicht sonderlich knackig oder leicht verständlich formuliert. In diesem Fall ist das aber anders: Es handelt sich um eine brandneue Studie. Italienische und amerikanische Forscher haben sich angesehen, wie Informationen online genutzt und geteilt werden. Sie haben 32 Seiten auf Facebook analysiert, die sich mit Verschwörungstheorien beschäftigen, und sich alle ihre Posts in den vergangenen fünf Jahren angesehen. Ebenso haben sie 35 Facebook-Seiten ausgewertet, die sich mit Naturwissenschaft beschäftigen. Ich lese eine Grunderkenntnis aus dieser Studie vor:

    „User tendieren dazu, sich in Communitys mit dem selben Interesse zu aggregieren, was zu einer Verstärkung des ‚Confirmation Bias’ führt, zur Abgrenzung und zur Polarisierung. Dies schadet der Informationsqualität und führt zu einer starken Vermehrung von voreingenommenen Sichtweisen geschürt durch unbelegte Gerüchte, Misstrauen und Paranoia.

    Es ist also messbar, dass wir ein Problem im Internet haben. Wir können bereits eine Polarisierung und Zersplitterung der Öffentlichkeit wahrnehmen. Die Forscher sprechen von „homogenen und polarisierten Clustern“. Diese Cluster, also Menschenansammlungen auf verschiedenen Seiten, haben eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung der Welt. Wie sehr diese Wahrnehmung auseinandergehen kann, erleben wir derzeit auch in der Flüchtlingsdebatte.

    Die Forscher beschreiben eine Diskussionskultur, bei der sich User hauptsächlich unter Gleichdenkenden austauschen – zumindest ist das auf Facebook so, wie die Studie nahelegt. Die Erkenntnisse bestätigen die These von der „Echokammer“, also digitalen Räumen, in denen wir hauptsächlich jene Information teilen und konsumieren, die unserer Weltsicht entspricht.

    Jetzt werden sicher manche sagen: Na und, war das nicht immer schon so? Haben Menschen nicht immer schon jene Nachrichten gelesen, die ihre Meinung bestärken (früher zum Beispiel in der Parteizeitung)? Ist da denn etwas Neues dran? Die Antwort lautet Ja.

    Die Struktur des Internets verstärkt die Möglichkeiten, Gleichdenkende zu finden. Sicher konnte ich früher auch schon Informationen über Verschwörungstheorien erahmten, wenn ich zum Beispiel eine Abonnentin des Ufo-Verlags war. Der Ufo-Verlag heißt heute Kopp-Verlag. Und ich konnte auch bei manchen Veranstaltungen Gleichdenkende treffen: Nur es war deutlich schwieriger.

    Oft ist diese Fragmentarisierung, die möglich wurde, bequem: Ich mag es, wenn mir Netflix Serien vorschlägt, die mir gefallen könnten. Oft ist das angenehm. Doch mitunter wird das problematisch. Generell halte ich es bereits für bedenklich, wenn wir in einer Demokratie wenig Kontakt mit Andersdenkenden haben und uns abschotten. Mit Sicherheit ist das aber bei Verschwörungstheorien ein Problem, wenn sich gewisse unbelegbare Erzählungen verfestigen: Etwa dass Impfen Autismus fördert. Oder die Erzählung, dass die Erde in Wahrheit viel größer ist, es mehr Kontinente gibt als bekannt – und die Dinosaurier auch noch leben (eine meiner Lieblingsthesen). Eine derartige Abschottung führt dazu, dass Menschen für uns nicht mehr erreichbar sind – also für uns „andere“, die mit wissenschaftlichen Thesen versuchen, die Welt zu verstehen. Diese User sitzen in ihrer Echokammer und man hört aus der Ferne die Rufe: Lügenpresse, Lügenpresse!

    Diese Abschottung erklärt in meinen Augen auch Phänomene wie Pegida. Ich bezweifle, dass das Internet hauptverantwortlich ist für die Gräben in der Gesellschaft oder das allgemeine Misstrauen gegen Politik und Medien. Wohl aber ist es wie ein Katalysator, der gesellschaftliche Entwicklung schneller vorantreibt.

    Einige gesellschaftliche Entwicklungen haben wir vielleicht zu lange nicht gesehen – auch im Internet. In der Frühzeit des Web gab es die Hoffnung, dass die pure Existenz der digitalen Kommunikation zu einer aufgeklärten Debatte führt. Der Sozialwissenschaftler Howard Rheingold schrieb im Jahr 1992 folgendes:

    Da wir einander nicht sehen können, können wir auch keine Vorurteile über andere bilden, bevor wir gelesen haben, was sie mitteilen wollen: Rassenzugehörigkeit, Geschlecht, Alter, nationale Abstammung und die äussere Erscheinung werden nur bekannt, wenn jemand diese Merkmale angeben will.

    Diese Passage spiegelt wider, was lange geglaubt wurde: Dass im Internet alle gleichberechtigt sein würden, weil ihre äußerlichen Merkmale nicht sichtbar sind. Und dass Menschen endlich auf Augenhöhe miteinander diskutieren. Das war eine sehr schöne Vorstellung, dass online das bessere Argument siegt. Doch diese Vorstellung ist großteils nicht Realität geworden.

    Im Gegenteil: Online werden häufig jene belohnt, die aggressiv sind. Dazu eine weitere Studie, die das aufzeigt. Sie wurde von den Wissenschaftlern Daegon Cho und Alessandro Acquisti von der Carnegie Mellon University erstellt.

    Die beiden Forscher analysierten 75.000 Postings von südkoreanischen Medienseiten. Sie sahen sich unter anderem an, welche Postings die meisten Likes erhielten. Zur Erklärung: In vielen Zeitungsforen kann man Uferkommentare bewerten. Man kann auf Plus oder Minus klicken, auf „Rot“ oder „Grün“ oder auf „gefällt mir“ und man signalisiert damit, ob einem ein Beitrag gefallen hat. Die Forscher werteten das aus und sahen:Postings mit Beschimpfungen erhielten mehr Likes.

    Das muss man sich einmal durch den Kopf gehen lassen: Ist ein Kommentar untergriffig oder mit Beleidigungen gefüllt, kriegt er wahrscheinlich mehr Likes. Das ist ein menschlicher Faktor, der dazu führt, dass die Schreihälse oft mehr wahrgenommen werden. Hinzu kommen technische Faktoren: In einer von Algorithmen sortierten Medienrealität wird derjenige, der viele Likes erhalten hat, noch mehr Menschen eingeblendet. Das heißt, eine Kombination aus menschlichen und technischen Faktoren hilft jenen, die besonders ruppig formulieren. Dies erklärt vielleicht auch, warum Heinz-Christian Strache der sichtbarste österreichische Politiker auf Facebook ist.

    Das Internet ist meines Erachtens sehr wohl eine Erfindung, die eine fairere Debatte möglich machen könnte. Nur das passiert nicht automatisch. Zu lange gab es diesen Glauben, dass alle im Netz die selben Chancen haben. Aber stimmt das? Haben Zurückhaltende die gleichen Chancen wie Aufdringliche? Haben Frauen die gleichen Chancen wie Männer? Haben spröde Politiker die gleichen Chancen wie Populisten?

    Einer der größten Mythen rund um das Internet ist, dass es automatisch ein egalitärer Raum ist. Es fehlen Sicherheitsmechanismen, zum Beispiel eine strikte Moderation, die eine egalitäre Debatte in vielen Räumen erst ermöglicht.

    Ich gebe dafür oft folgendes Beispiel: Seit den Neunzigerjahren haben sich Foren nicht maßgeblich verändert. Jeder weiß, wie ein Internetforum aussieht. Der neueste Kommentar ist in der Regel ganz oben. In den Anfangstagen des Internets ergab das Sinn – da gab es oft auch nicht so viele Wortmeldungen. Da war man schon froh, wenn man sieben Wortmeldungen im „Gästebuch“ vorzuweisen hatte. Das ist heute anders: Heutzutage können unter einem Artikel im Standard 1000 Postings erscheinen. In einer solchen Situation werden chronologisch gereihte Kommentare problematisch, denn sie nützen den Rüpeln.

    Wenn jemand heute ein Zeitungsforum aufsucht und hundert Mal seine Meinung postet, ist er hundert Mal an erster Stelle prominent sichtbar. Bin ich aber weniger aufdringlich, lese den Artikel und denke mir, “diesen einen Aspekt sollte man noch ergänzen”. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich das nur einmal poste und dementsprechend nur einmal ganz oben sichtbar bin. Aber ist die Meinung von jemandem, der nur einmal postet, wirklich hundert Mal weniger relevant als die Meinung desjegen, der einfach alle anderen niedertextet?

    Ich glaube nicht. Wohl aber können wir genau dieses Verhalten auf vielen Webseiten beobachten – und häufig kommt auch noch eine aggressive Tonalität einzelner User hinzu, die andere verstummen lässt. Diese ziehen sich aus der Diskussion zurück.

    Nun ist die Wikipedia 15 Jahre alt geworden, ich las neulich eine interessante Zahl dazu: Eine interne Umfrage aus dem Jahr 2011 fand heraus, dass nur einer von zehn Helfern der Wikipedia eine Frau ist. Nur jeder zehnte Wikipedianer ist eine Frau. Erst vor wenigen Wochen brächte der Atlantic einen interessanten Artikel über den Umgang mit Frauen auf Wikipedia. Die Autorin schrieb über das Verhalten mancher Userinnen:

    Um zu verhindern, dass sie Ziel von Belästigungen werden, nutzen manche Wikipedianerinnen geschlechtsneutrale Pseudonyme und vermeiden es, bei ihrem Usernamen irgendeine persönliche Information anzuführen.

    Das ist doch erschütternd, dass Frauen verheimlichen, dass sie eine Frau sind – damit ihnen gegenüber niemand unangenehm wird. Das ist der Zustand des Internets im Jahr 2016, mehr als ein Vierteljahrhundert, nachdem das World Wide Web erfunden wurde. Ich wurde eingeladen, um über Hate Speech und Wut im Netz zu sprechen. In meinen Augen sind zwei der größten Probleme die bereits genannten: Erstens die Polarisierung, dass sich Menschen abspalten von den anderen – von der „Lügenpresse“ oder den lügenden Wissenschaftlern – und sich mit obskuren Quellen radikalisieren. Und zweitens, dass aggressive Postings extrem sichtbar sind, während nuancierte Wortmeldungen oft gar nicht so sichtbar aufscheinen.

    Wie gesagt: Das Internet ist zum jetzigen Zeitpunkt kein egalitärer Raum. Das Skurrile daran – das war nie böse gemeint. Die Gründe dafür sind sogar wohlmeinend. In vielen digitalen Debatten gibt es seit Anbeginn des Internets das Bestreben, bloß keine Meinung zu sanktionieren, also eine möglichst sanktionsfreie Rede zuzulassen. An sich ein edles Bestreben!

    Nur ist offensichtlich, dass das diese Strategie nicht immer funktioniert. Wenn ich jede Meinung egalitär behandle, setzen sich jene durch, die sich groß fühlen, wenn sie andere klein machen. Wenn ich jede Art der Aussage egalitär behandle, gebe ich einer Lüge gleich viel Gewicht wie einer belegbaren Aussage.

    Ich will ein Beispiel geben für die Niederträchtigkeiten, die in die öffentliche Debatte eingekehrt sind. Es ist wahrscheinlich einigen bekannt:

    Auf Facebook kursierte vergangenen Herbst ein Foto von Eva Glawischnig, der Chefin der österreichischen Grünen. Daneben das angebliche Zitat von ihr: „Schutzsuchende müssen das Recht haben auf Mädchen loszugehen! Alles andere wäre rassistisch Flüchtlingen gegenüber!“ Es wird also behauptet, Eva Glawischnig fände die Vergewaltigung von österreichischen Mädchen in Ordnung. Das Bild verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Internet. Es wurde tausende Male geteilt und die Grünen gehen davon aus, dass derartige Sujets von mehr als hunderttausend Österreichern gesehen wurde.

    Natürlich ist dieses Zitat ein Fake. Nichtsdestotrotz glauben viele User, dass die Aussage echt ist. Sie posteten in Rage sehr verletzende Dinge. Sie forderten zum Teil sogar, dass Eva Glawischnig vergewaltigt wird, schrieben Kommentare wie: „dann nehmt euch gleich diese Tante vor als glänzendes Beispiel“. Oder: „stell dich hin, dann können die ja auf dich losgehen!“

    Die Grünen gehen nun juristisch gegen diese Sujets vor. Ich finde das gut, wenn es zunehmend ein Bewusstsein unter Politikern und Richtern gibt, welche Formen von Hate Speech kursieren. Es ist auch deswegen richtig, gegen derartige Fälschungen vorzugehen, weil sonst User glauben: Das hat die betroffene Person wirklich gesagt.

    Es ist eben ein Irrtum, das im Internet jede Stimme und jeder User gleich schützenswert ist:

    • Eine Diskussionskultur, bei der Frauen konstant als „Schlampe“ oder als „naive Göre“ abgestempelt werden, ist nicht schützenswert.
    • Eine Diskussionskultur, in der Verschwörungstheorien gleichrangig mit wissenschaftliche Fakten behandelt werden, ist nicht schützenswert.
    • Eine Diskussionskultur, wo – wenn man all dies anspricht – der Aggressor dem Opfer sagt, „lass dir hat eine dickere Haut wachsen“, die ist nicht schützenswert.

    Die Debatte darüber ist schon stärker geworden. Meines Erachtens müssen wir diese Probleme aber so lange ansprechen, bis wir richtig gute Antworten darauf haben. Bisher haben wir zumindest ein paar Ideen.

    Was könnte man tun?

    Die letztgültige, stets funktionierende Lösung gibt es bisher nicht, wohl aber ein paar Ansätze. Ich glaube, müssen wir das Diskussionsniveau heben und eine klare rote Linie ziehen. Das bedeutet, dass Webseitenbetreiber und Onlinemedien mehr Verantwortung für die Tonalität übernehmen müssen – und möglichst schimpfwortfreie Räume schaffen.

    Diese schimpfwortfreien Räume sind nicht nur eine Frage des Geschmacks. Es geht hier nicht darum, ob man eine dünne Haut hat. Schimpfworte haben eine Wirkung. Das legte eine Untersuchung der University of Wisconsin nahe.

    Diese Forscher haben einen Blogeintrag zur Nanotechnologie verfasst, der wirklich sehr ausgewogen war. Darin wurden die positiven Seiten und negativen Seiten der Nanotechnologie beschrieben – und darunter fand man auch Postings. 1100 Amerikaner haben diesen Beitrag gelesen und darunter auch die Kommentare gelesen. Nur die eine Hälfte las Postings, in denen zwar lebhaft diskutiert wurde – aber ohne Schimpfworte. Und die andere Hälfte las die selben Postings, nur waren da noch Schimpfworte eingeflochten. Dort stand dann in die Richtung: „Und wer das nicht versteht, ist ein Idiot.“

    Die Forscher verglichen, wie diese zwei Gruppen über Nanotechnologie dachten. Und sie nennen ihre eigenen Ergebnisse „verstörend“. Die Gruppe, die die Schimpfworte gelesen hatten, lehnten plötzlich das Thema Nanotechnologie wesentlich stärker ab. Die waren dem deutlich negativer gegenüber eingestellt als die Gruppe, die keine Schimpfworte gelesen hatte.

    Das legt den Schluss nahe: Ich kann rein mit Aggression, nicht mit Argumenten eine Debatte kaputtmachen. Natürlich hat das weitreichende Konsequenzen: Wenn ich rein mit Schimpfworten eine Debatte kaputtmachen kann, dann schauen wir uns nur an, was mit dem Feminismus passiert. Unter den Zeitungsartikeln, die den Feminismus behandeln, hagelt es regelrecht Schimpfworte. Sollten dort ähnliche Effekte wie beim Text zur Nanotechnologie eintreten, dann haben wir ein Problem.

    Auch aus solchen Überlegungen gibt es Medien wie das Bloggingimperium „Gawker“, das das Kommentarsystem schon stark verändert hat. Dort werden nicht mehr die neuesten Beiträge angezeigt, sondern Beiträge auf die der Autor des Textes irgendwie reagiert hat, damit interagiert hat. Vielleicht hat der Autor dies für andere empfohlen oder darauf geantwortet. Das ist ein Versuch, jene Beiträge hervorzuheben, die für die anderen User am interessantesten sind – und nicht immer die lautesten User.

    Zum einen sollten wir auf einen respektvollen Ton achten – allein schon, um es denen nicht ganz so einfach zu machen, die schlichtweg mit Schimpfworten daherkommen. Zweitens glaube ich auch, dass wir dies stärker kommunizieren müssen, dass nicht jede Wortmeldung inhaltlich gleich viel Gewicht hat.

    Gerade rechte Verschwörungsblogs sind recht unterhaltsam, weil sie gerne vom Begriff der „Wahrheit“ sprechen. Ein bisschen Wahrheitsfindungskultur täte dem Internet tatsächlich gut – also einfach nachzurecherchieren, was stimmt und was nicht und wie lässt sich das belegen? Was hat mich zum Ergebnis meiner Recherche geführt? Auch traditionelle Medien können hier noch wesentlich transparenter offenlegen, woher sie eine Information haben. Das passiert oft nicht. Es ist aber auch sehr gut, dass Blogs diese Funktion zunehmend miterfüllen. Zum Beispiel das Blog Kobuk, das Medien kontrolliert. Oder auch der Verein Mimikama, der die Facebook-Seite „Zuerst denken – dann klicken“ betreibt: Die zeigen oft auf, dass Beiträge gefälscht sind, dass kürzlich nicht eine 75-jährige Schwedin brutalsten von Flüchtlingen vergewaltigt wurde und ein Bild dies anschaulich zeigt – sondern dass dieses Bild schon älter ist und aus Südafrika stammt.

    Sehr oft sind diese Fälschungen überprüfbar: Wir brauchen eine Diskussionskultur, bei der die Grundsätze des logischen Denkens und des fairen Diskutierens wieder mehr geachtet werden. Eine, wo Verschwörungstheorien nicht auf die gleiche Ebene wie belegbare Ergebnisse gestellt werden.

    Dazu ein Beispiel. Wenn zwei Diskutanten auf einer Bühne stehen und der eine sagt: „Die Evolution hat es nie gegeben, Gott hat die Erde geschaffen.“ Und die andere Person sagt: „Doch! Die Evolution hat es gegeben, denn diese und jene wissenschaftlichen Überlegungen und Messungen haben uns zu dieser Erkenntnis geführt.“ Dann ist die Antwort nicht, wie es manchmal heißt, „irgendwo dazwischen“. Die richtige Antwort ist nicht automatisch der Mittelpunkt zwischen zwei entgegengesetzten Meinungen. Doch eine derartige Sichtweise erlebt man mitunter in den sozialen Medien – da heißt es mitunter in den Kommentaren: „Von diesen argen Geschichten liest man so oft. Da wird schon was dran sein.“

    So etwas nennt man übrigens „false balance“, es ist ein Irrglaube, dass es ausgewogen ist, dass der Mittelpunkt zwischen zwei Standpunkten automatisch die Wahrheit widerspiegelt. Es ist nicht ausgewogen, eine wissenschaftlich belegbare Aussage und eine wissenschaftliche nicht belegbare Aussage auf die gleiche Ebene hebe.

    Dass sich manche User in verschwörungsaffine Räume zurückziehen, das wird wohl nur schwer zu verhindern sein. Wahrscheinlich ist es nicht verhandelbar. Aber zumindest können wir schauen, dass wir die seriöseren Räume, die Räume, wo eben nicht nur die verschwörungstheorieaffinen User unterwegs sind, wieder etwas mehr mit Fakten und weniger mit Emotion füllen.

    Die öffentliche Debatte wird derzeit zu sehr von rhetorischen Nebelgranaten abgelenkt – das ist sowohl offline als auch online der Fall. Doch gerade im Netz hätten wir eine große Chance: Hier können wir verlinken, hier können wir Aussagen häufig doch recht leicht überprüfen oder gar – wenn man transparent vorgeht – sogar aufzeigen, wo man eine Information her hat. Wenn wir das in Zukunft stärker tun, lassen wir uns vielleicht nicht mehr so leicht ablenken. Ich glaube jedenfalls, eine andere digitale Diskussionskultur muss möglich sein.

    19. Januar 2016 89
  • : „Projekt Hacktivismus“: BKA befragt Unternehmen nach Shitstorms und digitalen Angriffen
    „Projekt Hacktivismus“: BKA befragt Unternehmen nach Shitstorms und digitalen Angriffen

    Vor drei Jahren startete das Bundeskriminalamt (BKA) das „Projekt Hacktivismus“ (in manchen Veröffentlichungen auch als „Projekt Hacktivisten“ bezeichnet). Zusammen mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz, dem Verteidigungsministerium und dem „Nationalen Cyber-Abwehrzentrum“ soll das Projekt ein „Verständnis der Bedrohungslage sowie des Gefährdungspotenzials“ des Phänomens liefern. Ziel sei laut dem BKA eine „klare begriffliche Abgrenzung“ gegenüber ähnlichen phänomenologischen Strömungen herzustellen.

    Zunächst führte das BKA eine sogenannte Hellfeld-Studie durch. Eine eher willkürliche Literaturstudie trug Veröffentlichungen aus dem deutschsprachigen und angelsächsischen Raum zusammen und versuchte eine begriffliche Abgrenzung hinsichtlich „Cyber“-Phänomenen, darunter „Cybercrime“, „Hacking“, „Cyberterrorismus“, „Cyberwar“. Vorgeschlagen werden Maßnahmen, um vor allem jugendliche ErsttäterInnen mit drakonischen Maßnahmen abzuschrecken.

    Nun hat das BKA auch seine Dunkelfeldstudie zu „Hacktivisten“ veröffentlicht (Download beim BKA hier). Die Delinquenten werden darin folgendermaßen definiert:

    Anders als finanziell motivierte Hacker veröffentlichen Hacktivisten aus ideologischen Gründen bspw. gestohlene Daten wie Zugangspasswörter, persönliche und vertrauliche Informationen, E‑Mail-Adressen usw. im Internet. Hacktivistische Aktivitäten müssen nicht in jedem Fall strafrechtlich relevant sein. Da bei dem zum Hacktivismus unabdingbaren Einsatz von Online-Tools jedoch häufig Systeme manipuliert und/oder Daten ausgespäht werden, werden in solchen Fällen verschiedene Straftatbestände erfüllt (§ 303 a StGB (Datenveränderung), § 303 b StGB (Computersabotage), § 202 a StGB (Ausspähen von Daten), § 202 b StGB (Abfangen von Daten).

    971 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen haben einen Fragebogen ausgefüllt, die Rücklaufquote betrug damit 21% der ursprünglich Angeschriebenen. Von Interesse war, inwiefern digitale Infrastrukturen der Teilnehmenden bereits von „Aktivismus, Shitstorms, Hacktivismus und digitalen Angriffen“ betroffen waren. Das BKA wertet die Ergebnisse als repräsentativ.

    364 befragte Unternehmen waren bereits Opfer von einem oder mehreren digitalen Angriffen, hier erlebten insbesondere größere Unternehmen mehrere Angriffe. Einrichtungen, die schon öfters Ziele digitaler Angriffe waren, wurden auch schon mehrmals Opfer von Hacktivismus. Es lässt sich festhalten, dass alle Angriffsformen (aktivistische, Shitstorms, digitale Angriffe) sowohl mit Hacktivismus als auch untereinander korrelieren.

    Von 971 antwortenden Einrichtungen gaben 35 an, in der Vergangenheit bereits mehrmals Opfer von Hacktivismus geworden zu sein und 45 gaben an, einmal von Hacktivismus betroffen gewesen zu sein. D. h. insgesamt wurden 80 Einrichtungen in den letzten Jahren ein- oder mehrmals Opfer hacktivistischer Aktivitäten, wobei größere Einrichtungen eher und auch häufiger von Hacktivismus betroffen waren als kleinere. 818 Einrichtungen konnten keine hacktivistischen Angriffe ausmachen (ggf. könnten diese stattgefunden haben, wurden aber nicht bemerkt bzw. als sonstiger Systemausfall/-fehler gewertet).

    Als „aktivistische Aktionen“ im digitalen Raum gelten laut dem BKA „Demonstrationen, Bedrohungen und Sachbeschädigung“. Auf Seiten der Behörden seien hiervon außer den Firmen vor allem Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung betroffen. Beispiele nennt die Studie nicht. Während größere Firmen mit mehreren Standorten außer „Aktivismus“ auch mit Shitstorms konfrontiert gewesen seien, erlitten kleinere Firmen mehr Sachbeschädigungen.

    bka_hacktivismus_shitstorms

    Die Erhebung bleibt unpräzise, um welche Angriffe oder Sachbeschädigungen es sich gehandelt haben soll. Unternehmen oder Einrichtungen, die Ziele digitaler Angriffe geworden sind, seien meist auch von Shitstorms betroffen gewesen.

    Unternehmen, die bereits Opfer von Shitstorms waren, waren auch eher von einem oder mehreren hacktivistischen Angriffen betroffen. Die Nutzung sozialer Medien begünstigt die Betroffenheit von Shitstorms. Diese auf der Hand liegende Verknüpfung konnte hier auch empirisch belegt.

    Insgesamt lässt sich festhalten, dass Aktivismus, Shitstorms, Hacktivismus und digitale Angriffe untereinander und miteinander korrelieren, d. h. Einrichtungen, die von dem einen Phänomen betroffen waren auch viel eher von einer oder mehrerer der anderen Varianten betroffen waren.

    Die Studie errechnet eine Häufigkeit von 8%, dass Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in Deutschland Ziel von Hacktivismus werden. Es bestehe „ein positiver Zusammenhang zwischen der Betroffenheit von Aktivismus und der Betroffenheit von Hacktivismus“. Wegducken hilft: Unter den Einrichtungen, die „keinen Hacktivismus erlebt haben“, nutzt die Mehrheit laut dem BKA keine sozialen Medien.

    Besonders gravierend ist das Phänomen jedoch nicht: So ließe sich laut dem BKA feststellen, „dass es sich bei Hacktivismus weder im Hellfeld noch im Dunkelfeld um eine signifikante Bedrohung mit ausgeprägtem Schadenspotenzial handelt“.

    19. Januar 2016 5
  • : 32C3 zum Nachschauen: Gated Communities
    Sim-Karte vom 32c3, Zugangvoraussetzung zum internen GSM-Netz via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/fossasia/23814523850/">Hong Phuc FOSSASIA</a>
    32C3 zum Nachschauen: Gated Communities

    Im dritten Teil unserer Reihe der 32C3-Vortragsempfehlungen geht es um Gated Communities, Thema und Titel des 32. Chaos Communication Congress.

    Gated Communities sind zugangsbeschränkte Gruppen, Plattformen oder Foren jeglicher Art. Im Internet finden sich viele davon, wobei die Zugangsbeschränkung technischer Art sein kann, etwa wenn eine Anmeldung auf einer Internetseite nötig ist; genauso kann es aber auch das Know-How sein, das den Zugang zu bestimmten Themen erst ermöglicht. Das Internet ist aber auch selbst eine Gated Community, schließlich ist ein Internetzugang sowie eine gewisse Medienkompetenz Grundvoraussetzung, um das Internet nutzen zu können und so Teil der Community zu werden. Problematisch können Gated Communities nicht nur für die Ausgeschlossenen, sondern auch für die Mitglieder sein. Dies ist dann der Fall, wenn zum Beispiel Filterblasen die Wahrnehmung verzerren, weil die Zugangsbeschränkung nur Ähnliche oder Ähnliches durchlässt.

    Ende Dezember letzten Jahres fand in Hamburg der 32. Chaos Communication Congress statt, von dem wir mehrfach berichtet haben. Bei weit über einhundert gehaltenen Vorträgen zu Technik‑, Politik‑, Kunst- und Gesellschaftsthemen ist es äußerst schwer zu entscheiden, welche sehenswert sind. Daher werden wir in den nächsten Tagen einige Vorträge thematisch sortiert vorstellen.

    Die hier empfohlenen Vorträge sind, mit Ausnahme des ersten Vortrags, auf Englisch gehalten worden, aber auch mit einer deutschen Simultan-Übersetzung zum Download in der CCC-Mediathek verfügbar.

    Lessons learned: Freifunk für Geflüchtete

    Der Chaos Darmstadt e. V. versucht innerhalb der „Initiative Freifunk“, Geflüchteten in Unterkünften Zugang zum Internet zu ermöglichen. Der Chaos Darmstadt e. V. hat bei der Umsetzung mit Parteien, Landräten und Bürgermeistern zusammengearbeitet und berichtet von sehr unterschiedlichen Erfahrungen. In dem Vortrag geht es aber nicht nur um Politik und Verwaltung, sondern auch um das Problem der geringen Bandbreite, vor allem in den ländlichen Gebieten. Ein interessanter Vortrag mit dem Appell, es dem Chaos Darmstadt e. V. nachzumachen, einschließlich motivierender Anekdoten aus der Erfahrung der Initiative.

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    Dieser Vortrag ist auf Deutsch in der CCC-Mediathek als Stream und Download verfügbar.

    A new Kid on the Block

    In dem Vortrag von Katharina Nocun geht es um Soziale Netzwerke als die neuen Gatekeeper unserer Zeit. Die Vorteile sozialer Netzwerke sind unbestreitbar, ganz im Gegensatz zu ihren Monopolstellungen, wie es etwa bei Facebook der Fall ist. Katharina Nocun erklärt die Vorteile des dezentral aufgebauten Netzwerkes Diaspora* und erklärt, ob und wie es eine Chance hat, sich gegen Facebooks Omnipräsenz durchzusetzen.

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    Dieser Vortrag ist in der CCC-Mediathek auf englisch und deutsch als Stream und Download verfügbar.

    What is the value of anonymous communication?

    Die Benutzung des Anonymisierungsnetzwerkes Tor bringt leider immer auch Einschränkungen mit sich, zum Beispiel die Captcha-Abfragen beim Aufrufen mancher Internetseiten. So verhindert die Nutzung von Tor den Zugang zu einigen Communities. Ein Beispiel dafür ist, dass das Schreiben für Wikipedia nicht komplett anonym und nur sehr bedingt über Tor möglich ist. In dem Vortrag geht es um die Vor- und Nachteile der Anonymität im Internet, einer Studie folgend, in der gefragt wurde, welche unterschiedlichen Sichtweisen Wikipedia-Autoren und Tor-Nutzer darauf haben.

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    Dieser Vortrag ist in der CCC-Mediathek auf englisch und deutsch als Stream und Download verfügbar.

    Internet Landscapes

    Der Künstler Evan Roth beschäftigt sich in seinen Werken und Aktionen mit verschiedensten Aspekten von Internet, Technik und damit in Zusammenhang stehenden sozialen Phänomenen. Seine Werke machen Technik und Internet auf verschiedene Arten sicht- oder erfahrbar. In dem Vortrag stellt er einige der vergangenen Aktionen vor, beispielsweise wie er mit einem selbst gebastelten Google-Streetview-Auto durch Berlin fuhr und auf unterschiedliche Weise versuchte, Reaktionen der Passanten zu provozieren. Hauptthema des Vortrags sind aber die „Internet Landscapes“. Ähnlich wie Trevor Paglen reiste Evan Roth an die Küstenorte, an denen Internet-Kabel verlaufen. Dort machte er unter anderem Landschaftsfotos und Aufnahmen mit einem Gerät für selbsternannte Geisterjäger. Evan Roth stellt seine Bilder aber nicht einfach aus, sondern präsentiert die Aufnahmen in einer Weise, die sie in einen Zusammenhang mit dem Abgebildeten oder dem Prozess der Aufnahme stellen: Für die Landschaftsfotos schaute er zum Horizont, für den Geisterdetektor senkte er den Blick auf das Gerät. Die Aufnahmen wurden in einer Austellung hinterher übereinander angeordnet, sodass die Besucher beim Anschauen der Bilder eine ähnliche Bewegung machten. Evan Roth hält einen unterhaltsamen und faszinierenden Vortrag über die sichtbare und unsichtbare Infrastruktur des Internets und die vielen unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten.

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    Dieser Vortrag ist in der CCC-Mediathek auf englisch und deutsch als Stream und Download verfügbar.

    14. Januar 2016 5
  • : Hackerkultur in Deutschland vs. den USA: Ähnliche Anfänge, unterschiedliche Entwicklungen
    Hackerkultur in Deutschland vs. den USA: Ähnliche Anfänge, unterschiedliche Entwicklungen

    Elliot Williams hat auf Hackaday ausführlich über die Hackerkulturen in Deutschland und den USA geschrieben. Im ersten Teil, »A Tale of Two Countries«, thematisiert er die ähnlichen Anfänge der jeweiligen Hackerkulturen und beschreibt, wieso die US-amerikanische in den 1990er Jahren eine Wende erlebte und daraus deutlich geschwächt hervorging. Im zweiten Teil, »Rise of the CCC and Hackerspaces«, nimmt er sich der Geschichte des CCC an und verdeutlicht, warum dieser in Medien, Gesellschaft und Politik eine bedeutende und anerkannte Rolle einnimmt. Zudem geht Williams der Frage nach, was US-amerikanische Hackerspaces von den deutschen lernen können und wie sie sich zukünftig besser vernetzen können.

    The article that sparked me to write this is titled „Why Hackers are so Important for Society.“ You know why, and I know why; because we take things apart and think about how they work on a fundamental level: from consumer electronics to encryption protocols. But imagine reading that headline in an American newspaper.

    German hackers have enough respect that the German government frequently takes testimony from representatives of the Chaos Computer Club (CCC) on matters of IT security, electronic voting machines, data freedom, and similar areas of expertise. The press, and not just the computer press, comes to the CCC when they have a story to check out. The Pirate Party, founded at the c‑base hackerspace in Berlin, actually got enough votes to have representation in four German state parliaments in 2012, and a single representative in the EU parliament. While it’s certainly not the case that every German would say “hackers” are a force for good, their media presence and overall political and societal impact is orders of magnitude better than in the USA.

    How this came to pass, and what it could suggest for US hacker society, is worth thinking about. I don’t claim to have all the answers; part of this essay is an attempt to open up a dialog by comparison. But it’s important to think about why US hackers are marginalized, or why German hackers are (almost) normal members of society, especially while the views of the tech-savvy are increasingly needed in public debate.

    13. Januar 2016 1
  • : Chelsea Manning über die Schriften von Aaron Swartz
    Chelsea Manning über die Schriften von Aaron Swartz

    Aaron_Swartz-BuchGestern jährte sich der Tod von Aaron Swartz zum dritten Mal. Als Aktivist für Meinungs- und Informationsfreiheit hatte Swartz sich unter anderem gegen die umstrittenen US-Gesetzesentwürfe SOPA und PIPA, und für Open Access und Open Goverment engagiert.

    Bei The New Press erschien nun eine Sammlung von Schriften, die Aaron Swartz zu unterschiedlichen Themen verfasst hatte: »The Boy Who Could Change the World: The Writings of Aaron Swartz«. Elliot Harmon stellte das Buch bereits auf der Seite der EFF vor, gestern formulierte die inhaftierte Whistleblowerin Chelsea Manning ebenfalls einige Gedanken zu Swartzs Schriftsammlung und zur Bedeutung seiner Arbeit:

    The most powerful and idea-provoking section — contained in new material introduced by this book — is a lengthy multi-part essay on the way the U.S. Congress works. He carefully, yet humorously, analyzes every single step of our profitable, gridlocked, an intractable political process.

    I feel like the world abandoned Aaron in his time of need. I feel like the world — myself included — took Aaron for granted. He intelligently and thoughtfully challenged everything and everyone: software companies, corporations, multimedia conglomerates, governments, and even modern school systems! Yet, in his final challenge — we only stood on the sidelines and rooted for him, waiting for him to win again. Instead, he lost. Then, we lost.

    If Aaron had lived even a few decades longer, he really have could have changed the world, far surpassing the ways in which he already has. All is not lost though. With a little faith and a little luck, we still can.

    So… what are we going to do?

    12. Januar 2016 15
  • : 32C3 zum Nachschauen: Safe Harbor, Netzneutralität & EU-Fails
    Das CCH in Hamburg (Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a> by t--h--ss via <a href="https://www.flickr.com/photos/------------------------------/23912833751/">flickr</a>)
    32C3 zum Nachschauen: Safe Harbor, Netzneutralität & EU-Fails

    Ende Dezember letzten Jahres fand in Hamburg der 32. Chaos Communication Congress statt, von dem wir mehrfach berichtet haben. Bei weit über 100 gehaltenen Vorträgen zu Tech‑, Politik‑, Kunst- und Gesellschaftsthemen ist es äußerst schwer zu entscheiden, welche sehenswert sind. Daher werden wir in den nächsten Tagen einige Vorträge thematisch sortiert vorstellen – heute empfehlen wir drei Vorträge, die sich mit netzpolitischen Ereignissen in der Europäischen Union befassen.

    Die hier empfohlenen Vorträge sind alle auf Englisch gehalten, aber bis auf den Ersten auch mit einer deutschen Simultan-Übersetzung zum Download in der CCC-Mediathek verfügbar.

    Avoiding kernel panic: Europe’s biggest fails in digital policy-making

    Kirsten Fiedler und Walter van Holst geben in ihrem 45-minütigen Vortrag einen Überblick über die größten netzpolitischen Fehlentscheidungen in der EU in den vergangenen Monaten. Die beiden machen deutlich, dass dies nicht nur an personellen Fehlbesetzungen (Stichwort Oettinger), der mangelhaften Berichterstattung aus Brüssel und grundlegenden strukturellen Problemen beim Aufbau der EU-Institutionen liegt, sondern auch an mangelnder öffentlicher Beteiligung.

    Ein empfehlenswertes Video für alle, die sich fragen, wie es zur Fluggastdatenspeicherung und der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung kommen konnte. Um zukünftig besser informiert zu sein und schlechte netzpolitische Entscheidungen zu verhindern, lohnt es sich daher, die digitale Bürgerrechtsorganisation European Digital Rights mit einer Spende oder einer Newsletter-Abonnierung zu unterstützen.

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    Der Vortrag ist in der CCC-Mediathek als Download und Stream verfügbar.

    Safe Harbor

    Hinter der Safe-Harbor-Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs steckt überraschenderweise vor allem eine Person: der österreichische Jurist Max Schrems. In seinem Vortrag auf dem 32C3 erklärt er, wieso er Facebook verklagt, welche rechtlichen Schritte er dazu gehen muss(te) und welche politische und juristische Bedeutung die Abschaffung des Safe-Harbor-Abkommens hat.

    Wer mehr wissen möchte: Im Rahmen des #netzrückblicks haben wir ein Interview mit Max zu Safe-Harbor und der EU-Datenschutzreform geführt.

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    Der Vortrag ist in der CCC-Mediathek auch mit einer deutschen Simultan-Übersetzung als Download und Stream verfügbar.

    Net Neutrality in Europe

    Thomas Lohninger ist regelmäßiger Autor bei netzpolitik.org und der wohl beste Experte zu Netzneutralität in Europa. In seinem Vortrag fasst er zusammen, wie es zum neuen Netzneutralitäts-Gesetz der Europäischen Union kam und wieso der erbitterte Kampf um ein freies und gerechtes Internet für alle noch nicht verloren ist. Außerdem erläutert er in den 30-Minuten, wie die Kampagne savetheinternet.eu organisiert wurde und gibt allgemeine Tipps für erfolgreiche Lobby-Arbeit auf EU-Ebene.

    Spoiler: Es liegt nun an der europäischen Regulierungsstelle BEREC, die genauen Leitlinien auf Basis der Richtlinie zu erarbeiten. Zwanzig Tage lang wird es im Juni diesen Jahres die Möglichkeit für die Zivilgesellschaft geben, Kommentare und Wünsche an BEREC zu äußern – die letzte Chance, unsere Netzneutralität zu retten!

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    Der Vortrag ist in der CCC-Mediathek auf Englisch und mit deutscher Simultan-Übersetzung zu finden.

    7. Januar 2016 1
  • : 100 Jahre Science Fiction
    100 Jahre Science Fiction

    Im Feuilleton der FAZ hat Dietmar Dath auf hundert Jahre Science Fiction zurück geblickt: Hundert Jahre Übermorgen.

    Im Januar 1916 sah ein experimentierfreudiger und mit Lügengeschichten beschäftigter Prophet namens Hugo Gernsback sehr genau eine Literatur voraus, die nie von gestern ist: Science-Fiction.

    4. Januar 2016 1
  • : KR387: Chaos Communication Congress 2015
    KR387: Chaos Communication Congress 2015

    In der Folge 387 des Küchenradios spaziert Philip Banse lange über den Chaos Communication Congress 2015 und trifft dabei Menschen, die ihm ins Mikrofon erzählen, was sie vor Ort tun. Das gibt einen schönen Überblick fürs Ohr, was man vor Ort vielleicht verpasst oder übersehen hat.

    DocPhil und ajuvo treffen Menschen, besuchen Projekte an ihren Tischen und werfen einen Blick hinter die Kulissen dieser recht eigenwillig organisierten Veranstaltung.

    Auf der Küchenradio-Seite kann man sich den Podcast auch mit Bildern dazu anhören.
    Hier ist die MP3 (186 MB).

    4. Januar 2016
  • : 44. Netzpolitischer Abend am 5. Januar in der c‑base Berlin
    44. Netzpolitischer Abend am 5. Januar in der c‑base Berlin

    Wie immer am ersten Dienstag im Monat findet am 5. Januar, also morgen, der mittlerweile 44. Netzpolitische Abend in der c‑base Berlin statt.

    Das Programm besteht dieses Mal aus drei Vorträgen:

    • Christina Dinar: Besorgte Bürger im Netz
    • Robert Wilde: Industrie 4.0 braucht Gewerkschaft 4.0
    • Alexander Sander: Netzpolitischer Jahresrückblick der DigiGes

    Die c‑base befindet sich in der Rungestraße 20, 10179 Berlin. Der Einlass ist wie immer ab 19 Uhr, los gehts um 20 Uhr. Für alle, die nicht vor Ort dabei sein können, gibt es einen Live-Stream. Der Eintritt ist frei.

    4. Januar 2016
  • : #netzrückblick 32C3 – der vierte Tag
    <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0 </a>via <a href="https://www.flickr.com/photos/------------------------------/23912833751/">flickr/t–h–s</a>
    #netzrückblick 32C3 – der vierte Tag

    Der 32c3 schließt seine Pforten. Doch seine Community präsentiert sich am gestrigen, letzten Tag des Hackerkongresses erneut im Öffnungsprozess: Jede Menge Denk- und Rechenleistung floss in diesem Jahr darein, „Gated Communities“, also abgeschottete Sphären der Exklusivität, zu überwinden. Die viertägige Veranstaltung endete mit dem Appell, die erdrückenden Herausforderungen als Teil einer gesamten Gesellschaft anzunehmen und sich ihnen zu stellen, statt sich abzukapseln, zurückzuziehen und die eigene Community gegenüber dem bedrohlichen Äußeren zu verschließen.

    Die Herausforderungen sind nicht geringer geworden, zu dem Ergebnis kommen Rop Gonggrijp und Frank Rieger am Ende ihrer Retrospektive „Ten years after ‚We Lost The War’ „. Doch der Abschlusstag hatte auch für solche TeilnehmerInnen etwas zu bieten, die vor zehn Jahren noch nicht auf dem Kongress waren.

    In den frühen Morgenstunden fand die szenische Lesung der nsaua-Protokolle statt und ist nun als Video verfügbar. Auf den Punkt gebracht wurden hier die tragischen und komischen Höhepunkte einiger Mitschriften aus dem Geheimdienstuntersuchungsausschuss. In wenigen ausgewählten Dialogen machte dieses dokumentarische Hörspiel die Absurditäten, Grenzen und Chancen bei der Arbeit im NSA-Untersuchungsausschuss erfahrbar – all das, was sonst immer tief in unseren Protokollen schlummert, oder das, was bei den Zeugenvernehmungen eben nicht gesagt wird.

    Presseberichte

    Zeit-Online greift die Zukunftsvision von Frank und Rop auf: Reparaturarbeiten am Raumschiff Erde:

    „Niemandem nützt der Streit, wer der beste Programmierer oder welche die beste Linux-Distribution ist“, sagt Gonggrijp. Die Szene solle stattdessen weiterhin andere gesellschaftliche Akteure integrieren. Eine Möglichkeit sehen die beiden darin, Beweise zu sammeln. Beweise, wie sie Snowden öffentlich machte. Diese müssten korrupten politischen Systemen vorgehalten werden. Dass sich dadurch sehr schnell etwas ändere, glauben die beiden jedoch nicht. Rieger und Gonggrijp betonen, dass es eine Errungenschaft des CCC sei, Hacker, Künstler, Journalisten und Aktivisten zusammengebracht zu haben. Darauf seien sie stolz.

    golem.de kritisierte den abschließenden Appell an die Hacker-Community:

    Man könne durchaus Dinge verändern, wenn man nicht reinem Wunschdenken verfalle. Das klang sehr nach Zweckoptimismus und Durchhalteparolen. Denn auch den Hackern dürfte inzwischen klar sein: Politische Verhältnisse lassen sich nicht einfach durch eine bessere Technik verändern. Eine bessere Krypto schützt nicht alleine vor mehr Überwachung. Neue Beteiligungstools machen die Welt noch nicht von selbst demokratischer. Wer wie Rieger so tief dem politischen System misstraut, dürfte darin wenig Möglichkeiten für Veränderungen sehen.

    Das Hamburger Abendblatt (dpa) stellte unter dem Titel „Hacker – die Typen mit Kapuzenpulli sind die Guten“ fest:

    Auf dem Kongress gab es die verbreitete Sorge, dass Terrorangst und Sicherheitsdenken eine freie Entwicklung der digitalen Gesellschaft massiv einschränken. Zum Schluss aber überwog Aufbruchstimmung.

    Süddeutsche.de „Diese Frau will Facebook überflüssig machen“:

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    Zur Datenschutzerklärung von TED

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    Ebenfalls bei der Süddeutschen wird überlegt, was die Zukunft für den Congress selbst bringen wird: „Gated Communities“ – ein treffendes Motto. Die Türen im Netz sind geschlossen:

    Es gibt deshalb Club-Mitglieder wie den langjährigen CCCler Volker Birk, einen Bürgerrechtler, die das Wachstum kritisch sehen: „Wir sind nicht ausschließlich gut darin, groß zu sein.“ Da wirkt es wie ein Symbol, dass die Clubwebseite unter der Last der Besucher während des Kongresses dauernd zusammenbricht. Funktioniert die intransparente Struktur und das Prinzip der Freiwilligkeit weiterhin? Auch in einem Club mit Tausenden Mitgliedern, Millionen Euro an Kosten und Einnahmen pro Jahr und mit der Verantwortung, für eine demokratische Gesellschaft, für Bürger- und Menschenrechte in einer digitalen Welt einzustehen? Darüber wird auch im Club debattiert. Dringlicher aber ist: Wo soll man im nächsten Jahr tagen? Gesucht wird ein sehr, sehr großes Gebäude.

    31. Dezember 2015 3
  • : #netzrückblick: 32C3 – der dritte Tag
    <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode“>CC BY 2.0</a> via flickr/<a href=“https://www.flickr.com/photos/------------------------------/23400752393/“>t--h--s</a>
    #netzrückblick: 32C3 – der dritte Tag

    Am dritten Tag des 32. Chaos Communication Congress haben die Berichte über den Kongress abgenommen, dabei ging es hier munter weiter. Der Kongress ist für heute noch nicht vorbei, aber wir fangen schonmal mit der Zusammenfassung an und geben ein paar Tipps für den letzten Tag.

    Der Talk von Markus über unseren vermeintlichen Landesverrat ist mittlerweile online. Unsere Hoodies und Shirts kamen gestern übrigens sehr gut an, für die Spenden wollen wir uns hier nochmal bedanken. Leider hatten wir nicht mehr alle Größen ausreichend da, nächstes Mal sind wir hoffentlich besser vorbereitet.

    Heute Abend um 00:15 in Halle 2 findet die Lesung aus unseren Protokollen des NSA-Untersuchungsausschusses statt. Die möchten wir euch natürlich wärmstens Empfehlen. Anna und Constanze werden zusammen mit cbass und Felix die schönsten, absurdesten und lustigsten Momente aus dem Ausschuss vorlesen. Felix ist eine Hälfte des Podcasts „Technische Aufklärung“ in dem auch cbass regelmäßig auftritt. Geeignet ist das Ganze natürlich genauso für die, die schon im Ausschuss waren, wie für die, die es noch nicht geschafft haben.

    Presseberichte

    Spiegel Online: Hacker auf Klassenfahrt:
    In dem heutigen Spiegel-Artikel wird der Kongress als Klassenfahrt beschrieben. Eigentlich keine große Sache, würde der Artikel nicht bemängeln, es gäbe zu wenig Politik und Debatte hier auf dem Kongress. Ein bisschen einseitig werden die klassischen Klischees ausgepackt und der Kongress als Selbstbeweihräucherung abgetan. Schade, statt über die Auswahl der genannten Vorträge eine gewisse Irrelevanz des Kongresses zu suggerieren, hätte der Spiegel auch einfach den Fahrplan verlinken können.

    Man feiert sich selbst, johlt aber auch bei den Seitenhieben auf den Innenminister (dessen Frage, ob er die Krisennummer des CCC bekommt, in ein lustiges Elektrolied gemischt wird), oder den designierten BSI-Chef („Cyberclown“). Das war es dann auch mit dem Polit-Quatsch.

    Deutschlandfunk: Liebenswürdig und doch politisch

    Der 32. Chaos Communication Congress in Hamburg zeigt: Der Chaos Computer Club ist längst von einem Hackerverein zu einer Nichtregierungsorganisation gewachsen, die die Bürgerrechte in der Digitalen Welt verteidigen will, kommentiert Manfred Kloiber. Dabei erhalte er sich eine unbekümmerte Leichtigkeit.

    Heise I: Verschlüsselung gängiger RFID-Schließanlagen geknack:

    Schlechte Nachrichten für alle, die ihren klassischen Haus- oder Büroschlüssel durch eine Chipkarte ersetzen wollen oder dies bereits getan haben: Die zugehörigen RFID-Transponder für einschlägige elektronische Schließsysteme könnten teils „trivial einfach“ geklont werden.

    Heise II: Innovation Center Vila Nova Esperança – ein Makerspace in der Favela:

    Auf dem Chaos Communication Congress in Hamburg hat Miguel Chaves über den Aufbau eines Makerspaces in der Favela Vila Nova Esperança im brasilianischen São Paulo berichtet. Der Space heißt „Innovation Center Vila Nova Esperança“ (ICVNE) und wurde im letzten Jahr aufgebaut.

    Heise III: Red Star OS – ein Betriebssystem für eine Diktatur:

    Das von der nordkoreanischen Regierung herausgegebene linuxbasierte Betriebssystem Red Star OS hat mit seinem unbeholfenen Versuch, die Oberfläche von Windows und MacOS X nachzuahmen, in den vergangenen Jahren vor allem für Heiterkeit gesorgt. Doch eine nähere Analyse zeigt: Das System ist ein Werkzeug eines totalitären Überwachungsstaates.

    Golem: Die Milchmädchenrechnung des Fredy Künzler

    Wie hoch sind die wirtschaftlichen Kosten durch lange Ladezeiten im Internet? Der Schweizer Internetunternehmer Fredy Künzler von Init7 hat dazu eine eigene „Milchbüechlirächnig“ aufgestellt.

    Vorschau

    Für den letzten Tag haben wir bereits in unseren Netzpolitischen Programmempfehlungen einige Tipps verlinkt, zwei davon stellen wir hier nochmal vor:

    12:45 Uhr, Saal 1: Crypto Wars Part II – Regierungen wollen immer öfter sicherer und vertraulicher Kommunikation an den Kragen. Die „Bösen“ sollen nicht verschlüsselt kommunizieren dürfen, aber dabei würde sichere Kommunikation für uns alle sterben. Quellenschutz für Journalisten würde bei digitaler Kommunikation unmöglich, und Aktivisten auf aller Welt müssten um ihre Sicherheit fürchten.

    17:15 Uhr, Saal 1: Predicting Crime in a Big Data World – Immer mehr Daten werden von Strafverfolgungsbehörden zur Bekämpfung von Verbrechen gesammelt. Dabei wird nicht nur die Unschuldsvermutung aufgehoben, sondern die Algorithmen zur Auswertung der Datenhaufen wirken selbstverstärkend auf Klischees und tragen zur Vorverurteilung von Personen bei, die zu sogenannten „Risikogruppen“ gehören.

    29. Dezember 2015 4
  • : #netzrückblick: 32C3 – der zweite Tag
    Das CCH in Hamburg (Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a> by t--h--ss via <a href="https://www.flickr.com/photos/------------------------------/23912833751/">flickr</a>)
    #netzrückblick: 32C3 – der zweite Tag

    Der zweite Tag des 32. Chaos Communication Congress ist noch nicht ganz vorüber, aber wir werfen schon mal einen Blick auf die bisherigen Presseberichte und haben ein paar Empfehlungen für den morgigen, dritten Tag zusammengestellt.

    Mittlerweile ist der Vortrag von Anna über den NSA-Untersuchungsausschuss vom ersten Congress-Tag als Aufzeichnung verfügbar – wir empfehlen ihn allen, die wissen wollen, wieviele tausende Seiten Akten bisher angelegt wurden und was die wichtigsten Erkenntnisse der letzten eineinhalb Jahre waren.

    Heute Nachmittag hat dann unser Chefredakteur Markus Beckedahl in einer knappen halben Stunde die Landesverrat-Ermittlungen vor einem vollen Saal 1 zusammengefasst (Aufzeichnung) und unsere Forderungen vorgestellt: Unter anderem eine Reform des Begriff „Staatsgeheimnis“, ein Whistleblower-Gesetz, das seinen Namen verdient, sowie ein Ende der Massenüberwachung und der Vorratsdatenspeicherung.

    Absolut empfehlenswert ist auch die Plakatausstellung im Erdgeschoss bei der Garderobe mit den Zeichnungen von Stella Schiffczyk. Sie zeichnet seit April dieses Jahres die Zeug*innen im NSA-Untersuchungsausschuss, weil dort die Aufnahme von Bild und Ton nicht gestattet ist.

    Presseberichte

    NDR: Hacker verteilen Lob und Tadel für Regierung

    Frank Rieger vom Chaos Computer Club macht sich vor allem Sorgen um die Sicherheit der vielen Vorratsdaten. „Wir wissen eigentlich, dass es gegen einen gezielten Angriff mit staatlichen Ressourcen momentan keine Möglichkeiten gibt, so große Datenbestände die bei so vielen unterschiedlichen Providern liegen, effektiv zu sichern“, sagt er. Man könne davon ausgehen, dass ausländische Geheimdienste hinter diesen Daten her wären.

    Golem: Aktivisten geben Netzneutralität noch nicht verloren

    In der Debatte um die Netzneutralität haben Netzaktivisten im Oktober eine schwere Niederlage erlitten. Doch sie wollen weiterkämpfen und setzen auf die EU-Regulierungsbehörde und eine öffentliche Konsultation im kommenden Sommer.

    Zeit Online: Das Zensurbesteck moderner Autokraten

    Es sind keineswegs nur die Regierungen von China, Nordkorea und dem Iran, die Inhalte und Websites vor ihren Bürgern und Besuchern verstecken wollen. So etwas passiert auch mitten in Europa und praktisch allen anderen Ecken der Welt. Zu welchen Mitteln Staaten dabei greifen, wie Zensur sichtbar gemacht und wie sie umgangen werden kann, ist ein wichtiges Thema auf dem 32. Chaos Communication Congress (32C3) in Hamburg.

    Spiegel Online: Hacker knackt Onlinebanking-App

    Mithilfe von zwei Apps soll man alle Bankgeschäfte auf dem Handy erledigen können, inklusive Berechnung der Transaktionsnummer (TAN). Ein junger Hacker hat das Verfahren nun zum zweiten Mal überlisten können. Auf dem Hacker-Kongress desChaos Computer Clubs zeigt er am Montag, wie leicht das System anzugreifen ist.

    Spiegel Online: Sicherheitslücke im Brustkorb

    Marie Moe hatte keine Wahl, welches Gerät man ihr einbaut. […] Als sie wieder aufwachte, trug sie einen Herzschrittmacher, wie üblich ein Modell, das die Ärzte ausgesucht haben. Die 37-jährige Norwegerin hat in Informationssicherheit promoviert, sie weiß um Sicherheitslücken in Software und Hardware, die finden sich schließlich fast überall. Und nun fragt sich Moe seit Jahren, wie sicher eigentlich dieses eine Gerät in ihrer Brust ist. […] Sie fand heraus, dass ihr Leben nicht nur von dem Schrittmacher selbst, sondern von mehreren Geräten abhängt und dass ihr Schrittmacher auch von außen ansteuerbar ist.

    futurezone: Junghacker als Antwort auf Quantencomputer

    Quantencomputer, in Chips versteckte Überwachungstechnik, Netzsperren: An allen Ecken und Enden scheint das Ideal eines selbstbestimmten und freien Lebens in der digitalen Gesellschaft in Gefahr. „Die Stimmung ist schon etwas gedrückt, wir sind in einem Tal“, sagt Frank Rieger, einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), am Montag in Hamburg.

    Sicherheitslücken bei Systemen zur Zugkontrolle

    Süddeutsche Zeitung: Wer schützt Züge vor Hackern?

    Da die Welt immer vernetzter wird, werden Systeme an Internet oder Mobilfunknetz angeschlossen, die nie dafür gedacht waren. Signale und Weichen etwa, die Züge steuern, wurden früher mechanisch betrieben. Heute werden sie elektronisch gesteuert und damit ein mögliches Einfallstor für Hacker.

    Heise: Automatische Zugsicherung und vernetzte Bahntechnik im Hackervisier

    Vor Sicherheitslücken in vernetzten Systemen zur automatischen Zugkontrolle (ATC), in computer-basierten Stellwerken sowie anderer im Eisenbahnwesen verstärkt eingesetzter Informations- und Unterhaltungstechnik hat die russische Hackergruppe Scada Strangelove gewarnt, die sich auf Industrieanlagen spezialisiert hat.

    Vorschau

    Für den dritten Tag haben wir bereits in unseren Netzpolitischen Programmempfehlungen einige Tipps verlinkt:

    11:30 Uhr, Saal 1: „Nach bestem Wissen und Gewissen“ – Floskeln in der Politik – Mahas Vorträge zu sprachlichen Floskeln gehören seit mehreren Jahren zu unserem Pflichtprogramm. Dieses Jahr wird er mit Kai Biermann politischen Redestrategien nachgehen und Zitate zu aktuellen Themen auseinandernehmen. Mit dabei: Vorratsdatenspeicherung, der „Kampf gegen Terror“ und Landesverrat.

    18:30 Uhr, Saal 1: 10 years after ‚We Lost The War’ – Vor zehn Jahren haben Rop und Frank auf dem Congress einen Talk gehalten, in dem sie eine düstere Zukunft vorhergesehen haben. In diesem Jahr werden sie darauf eingehen, was sich bewahrheitet hat, was anders gekommen ist und was uns in den nächsten zehn Jahren in Sachen Überwachung und Digital Rights erwarten könnte.

    00:15 Uhr, Saal 2: Grundrechte gelten nicht im Weltall! – Die Sitzungen im NSA-Untersuchungsausschuss grenzen nicht selten an Realsatire und des öfteren wünschen wir uns auf der Besuchertribüne Popcorn. Das könnt ihr auf dem 32c3 gerne mitbringen, wenn Constanze, Anna und noch einige andere die denkwürdigsten, witzigsten und gleichzeitig traurigsten Stellen aus den Protokollen auf der Bühne darstellen werden.

    28. Dezember 2015
  • : #32C3: Die Atmosphäre – so fühlt sich der Congress an
    <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode“>CC BY 2.0</a> via flickr/<a href=“https://www.flickr.com/photos/------------------------------/23368569303/“>t--h--s</a>
    #32C3: Die Atmosphäre – so fühlt sich der Congress an

    Neben einem Blick auf die großen Themen und Vorträge auf dem #32C3 wollen wir die schöne Atmosphäre hier nicht außen vor lassen. Auch wenn sich das kaum auf einzelne Begebenheiten herunterbrechen lässt, versuchen wir hier einen kleinen Einblick in das Congress-Leben zu geben – wohlwissend, dass die Wahrnehmung durchaus verschieden sein mag.

    Die Vorträge

    Da die Vorträge mehr Interessenten haben als die Säle Plätze, wird vor Beginn „defragmentiert“: Wer neben einem freien Platz sitzt, hebt die Hand. So finden Suchende auch noch eine Sitzgelegenheit. Nach Vortragsbeginn hören viele konzentriert zu: Durch die hohen Lehnen ist zwar nicht zu sehen, wer einen Laptop auf dem Schoß hat oder mit dem Smartphone beschäftigt ist. Bei einem weiten Blick in das Publikum fällt jedoch auf, dass nur wenige ihre Köpfe gesenkt haben. Unruhig wird es meist erst wieder, wenn der Vortrag zu Ende ist und die Fragerunde beginnt. Dann stehen viele bereits auf und machen sich auf zu ihrem nächsten Ziel. Das ist bei dem großen Angebot verständlich, es sollte aber bedacht werden, dass das immer auf Kosten der Redner geht.

    Die Workshops

    Die Workshops finden in den Hallen, Fluren und Gängen statt. Viele runde Tische sind belegt mit Hardware jeglicher Art und verschiedensten Schildern, Bannern und Displays, die Auskunft geben über die Gruppe, den Verein oder die Organisation die an dem Tisch sitzt. Dies sind die Assemblies, die ständigen Vertretungen der einzelner Gruppen. An Workshops wird alles angeboten zwischen klassischer Crypto-Party, Nähen, Hardware-Hacking oder politischen und sozialen Debatten.

    Die Assemblies

    Wesentlicher Bestandteil des Kongresses ist das Netzwerken. In den Assemblies werden Ideen und Projekte vorgestellt, besprochen und weiterentwickelt. Verschiedenste Gruppen mit unterschiedlicher Herkunft treffen sich, teilweise zum ersten, teilweise zum zehnten Mal. Menschen beugen sich zu dritt über Bildschirme, diskutieren Möglichkeiten und Herangehensweisen oder basteln an Hardware, Platinen und deren Steuerung.

    An den Rand setzen

    Zum Kongress gehört aber auch das Herumirren, Herumsitzen und Quatschen. Gängige Sätze sind: „Wo geht es als Nächstes hin?“, „Ich hol’ noch schnell ’ne Mate!“ oder „Der Vortrag über XY ist in einer halben Stunde in Saal 2.“ Bei der Pause zwischendurch sind die Sitzgelegenheiten und der Fußboden sehr willkommen. Dann wird in Ruhe überlegt was noch ansteht, welcher Vortrag noch besucht wird und welcher doch lieber weggelassen wird. Die Vorträge werden alle aufgezeichnet und können auch später noch angeschaut werden.

    Hunger und Durst

    Die vielen Stände mit Essen und Trinken lassen keine Wünsche offen. Mögliche Sattmacher sind Hotdogs, Waffeln, Crèpes, Brezeln, Pommes und Burger, Vegetarische Gerichte und vieles weitere. Alternativen zur Mate sind die Kaffeestände, vorzugsweise die mit Siebträgermaschine. Das Gebäude muss also nur zum Schlafen verlassen werden, wobei manche Hartgesottene auch darauf verzichten und sich in den Hallen ein Plätzchen zum Dösen suchen. Doch nicht nur nachts, sonder auch zwischendurch kann es mal gut tun für einen Moment die Augen zu schließen.

    Auch mal Stehenbleiben

    Empfehlenswert ist ein entspannter Streifzug durch die vielen Hallen und Gänge. Dabei lassen sich prima Dinge entdecken. Etwa die Pantomime-Gruppe, 3D-Drucker, die Rohrpost oder ein unverhofftes Gespräch. Nicht zu vergessen sind die Dekorationen, die vielen bunten Lichter, die Spielereien und die Kuriositäten die hier entdeckt werden können und auch maßgeblich zur Stimmung beitragen.

    Entspanntes Miteinander

    Die Gänge und Flure atmen mit den Zyklen der Vorträge Menschen ein und aus. Dabei bleibt es aber immer angenehm rücksichtsvoll. Hektik hat wenig Chancen auf dem Kongress. Wer etwas mehr Ruhe braucht ist jedoch gut beraten sich von den Eingängen der Säle zu entfernen oder an einem der „Shared Tables“ Platz zu nehmen. Ist ein Platz gefunden verschwimmen die Geräusche umher zu einem ruhigen Gemurmel, so lässt es sich zur Ruhe kommen, selbst konzentriertes Arbeiten ist dann kein Problem mehr.

    Fremde Sprachen

    Die meisten Vorträge werden auf Englisch und Deutsch gehalten, auf den Fluren kamen dann noch weitere Sprachen hinzu: Immer mal wieder waren auch spanische und französische Gesprächsfetzen zu hören. Ausbaufähig ist die Zahl internationaler Gäste und Teilnehmer natürlich trotzdem. Sprachprobleme in den Vorträgen sollte es deshalb trotzdem nicht geben: Für alle, die möchten, gibt es Übersetzungen, übertragen auf einer Radiofrequenz. Generell ist die Barrierefreiheit gut ausgebaut. Wer etwa Probleme mit dem Hören hatte kann den Vorträgen trotzdem folgen, denn es gibt Bildschirme auf denen live mitgeschriebene Untertitel angezeigt werden.

    28. Dezember 2015
  • : #32C3: Ausstellung der Live-Aquarelle aus dem #NSAUA
    #32C3: Ausstellung der Live-Aquarelle aus dem #NSAUA

    nsaua-stella-ausstellung-32c3

    tl;dr: Geht zur Garderobe ins Erdgeschoss!

    Seit April zeichnet Stella Schiffczyk die Zeugen des NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages, weil die Aufnahme von Bild und Ton in den Sitzungen nicht gestattet ist. Es freut uns sehr, dass sie uns seitdem ihre Aquarelle zur Illustration der Liveblogs auf netzpolitik.org zur Verfügung stellt.

    Noch viel mehr freut es uns, dass eine Auswahl ihrer Schnellskizzen samt Kurzbeschreibung der Zeugen (oft vom BND) in Form einer Plakat-Ausstellung auf dem 32. Chaos Communication Congress (32C3) ausgestellt wird.

    Die Plakatausstellung befindet sich noch bis zum Ende des 32C3 in der Garderobe im Erdgeschoss des cch.

    nsaua-stella-32c3-intro

    Aus der Intro:

    Wie bringt eine Entdeckung von fragwürdigen Selektoren Nahrichtendienste in Erklärungsnot? Wie werden Matadaten zu perfidem Kanonenfutter im Geheimen Drohnenkrieg? Warum sind Politiker und Industrie als Selektoren widerrechtlich aktiv geschaltet?

    Die Snowden-Leaks haben die Aufarbeitung und Recherche in Gang gegracht; seit dem Frühjahr 2014 hat der Deutsche Bundestag einen Untersuchungsausschuss zur NSA-Affäre eingesetzt. Der Ausschuss ist nun dabei, die Hintergründe der Ausspähungen durch ausländische Geheimdienste in Deutschland aufzuklären.

    Die hier folgenden Illustrationen sind während der Zeugenanhörungen im Untersuchungsausschuss entstanden. Die Informationen stammen von netzpolitik.org (Livelog aus dem Ausschuss), Technische Aufklärung (dem Podcast zum NSA-Untersuchungsausschuss) sowie eigenen Mitschriften.

    Vielen Dank an Stella! Als freischaffende Künstlerin versteckt sie sich oft hinter dem Pseudonym Veith Yaeger, so auch auf Twitter.

    Bereits gestern hat Anna über die Arbeit es Untersuchungausschusses einen Vortrag (Recording) gehalten und der Podcast Technische Auklärung im Rahmen einer Livesendung einen Blick hinter die Kulissen geworfen. In der Nacht vom Dienstag (29.12) auf den Mittwoch (30.12) halten Constanze und Anna eine szenische Lesung von Zitaten aus dem Ausschuss ab.

    28. Dezember 2015