Kultur

#netzrückblick 32C3 – der vierte Tag

CC BY 2.0 via flickr/t–h–s

Der 32c3 schließt seine Pforten. Doch seine Community präsentiert sich am gestrigen, letzten Tag des Hackerkongresses erneut im Öffnungsprozess: Jede Menge Denk- und Rechenleistung floss in diesem Jahr darein, „Gated Communities“, also abgeschottete Sphären der Exklusivität, zu überwinden. Die viertägige Veranstaltung endete mit dem Appell, die erdrückenden Herausforderungen als Teil einer gesamten Gesellschaft anzunehmen und sich ihnen zu stellen, statt sich abzukapseln, zurückzuziehen und die eigene Community gegenüber dem bedrohlichen Äußeren zu verschließen.


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Die Herausforderungen sind nicht geringer geworden, zu dem Ergebnis kommen Rop Gonggrijp und Frank Rieger am Ende ihrer Retrospektive „Ten years after ‚We Lost The War‘„. Doch der Abschlusstag hatte auch für solche TeilnehmerInnen etwas zu bieten, die vor zehn Jahren noch nicht auf dem Kongress waren.

In den frühen Morgenstunden fand die szenische Lesung der nsaua-Protokolle statt und ist nun als Video verfügbar. Auf den Punkt gebracht wurden hier die tragischen und komischen Höhepunkte einiger Mitschriften aus dem Geheimdienstuntersuchungsausschuss. In wenigen ausgewählten Dialogen machte dieses dokumentarische Hörspiel die Absurditäten, Grenzen und Chancen bei der Arbeit im NSA-Untersuchungsausschuss erfahrbar – all das, was sonst immer tief in unseren Protokollen schlummert, oder das, was bei den Zeugenvernehmungen eben nicht gesagt wird.

Presseberichte

Zeit-Online greift die Zukunftsvision von Frank und Rop auf: Reparaturarbeiten am Raumschiff Erde:

„Niemandem nützt der Streit, wer der beste Programmierer oder welche die beste Linux-Distribution ist“, sagt Gonggrijp. Die Szene solle stattdessen weiterhin andere gesellschaftliche Akteure integrieren. Eine Möglichkeit sehen die beiden darin, Beweise zu sammeln. Beweise, wie sie Snowden öffentlich machte. Diese müssten korrupten politischen Systemen vorgehalten werden. Dass sich dadurch sehr schnell etwas ändere, glauben die beiden jedoch nicht. Rieger und Gonggrijp betonen, dass es eine Errungenschaft des CCC sei, Hacker, Künstler, Journalisten und Aktivisten zusammengebracht zu haben. Darauf seien sie stolz.

golem.de kritisierte den abschließenden Appell an die Hacker-Community:

Man könne durchaus Dinge verändern, wenn man nicht reinem Wunschdenken verfalle. Das klang sehr nach Zweckoptimismus und Durchhalteparolen. Denn auch den Hackern dürfte inzwischen klar sein: Politische Verhältnisse lassen sich nicht einfach durch eine bessere Technik verändern. Eine bessere Krypto schützt nicht alleine vor mehr Überwachung. Neue Beteiligungstools machen die Welt noch nicht von selbst demokratischer. Wer wie Rieger so tief dem politischen System misstraut, dürfte darin wenig Möglichkeiten für Veränderungen sehen.

Das Hamburger Abendblatt (dpa) stellte unter dem Titel „Hacker – die Typen mit Kapuzenpulli sind die Guten“ fest:

Auf dem Kongress gab es die verbreitete Sorge, dass Terrorangst und Sicherheitsdenken eine freie Entwicklung der digitalen Gesellschaft massiv einschränken. Zum Schluss aber überwog Aufbruchstimmung.

Süddeutsche.de „Diese Frau will Facebook überflüssig machen“:

Ex-Piratin Katharina Nocun greift auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs die „gated communites“ im Internet an. Vor versammelter Hackergemeinde träumt sie von einem alternativen Netzwerk.

Ebenfalls bei der Süddeutschen wird überlegt, was die Zukunft für den Congress selbst bringen wird: „Gated Communities“ – ein treffendes Motto. Die Türen im Netz sind geschlossen:

Es gibt deshalb Club-Mitglieder wie den langjährigen CCCler Volker Birk, einen Bürgerrechtler, die das Wachstum kritisch sehen: „Wir sind nicht ausschließlich gut darin, groß zu sein.“ Da wirkt es wie ein Symbol, dass die Clubwebseite unter der Last der Besucher während des Kongresses dauernd zusammenbricht. Funktioniert die intransparente Struktur und das Prinzip der Freiwilligkeit weiterhin? Auch in einem Club mit Tausenden Mitgliedern, Millionen Euro an Kosten und Einnahmen pro Jahr und mit der Verantwortung, für eine demokratische Gesellschaft, für Bürger- und Menschenrechte in einer digitalen Welt einzustehen? Darüber wird auch im Club debattiert. Dringlicher aber ist: Wo soll man im nächsten Jahr tagen? Gesucht wird ein sehr, sehr großes Gebäude.

3 Kommentare
  1. Eine Möglichkeit sehen die beiden darin, Beweise zu sammeln. Beweise, wie sie Snowden öffentlich machte. Diese müssten korrupten politischen Systemen vorgehalten werden.

    Snowden hat Material abgegriffen, dass mehrere Festplatten füllte. Das war publiziert wurde füllt nicht einmal einen USB-Stick. Wenige „Qualitätsjournalisten“ sitzen auf Ed’s Fundus und rücken nichts mehr heraus. Sie haben Bücher geschrieben und Ruhm erlangt. Aber sie haben uns mit einem Filtrat abgespeist.
    „Gated Communities“, also abgeschottete Sphären der Exklusivität beschreibt auch jene Journalisten.

  2. Im verlinkten SZ-Artikel heißt es:

    Piratin Katharina Nocun greift auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs die „gated communites“ im Internet an. Vor versammelter Hackergemeinde träumt sie von einem alternativen Netzwerk.

    Irgendetwas stimmt hier nicht: Entweder „Ex-Piratin“ oder „Piratin“. Wo liegt der Fehler, bei der SZ oder bei Euch?

  3. Wo soll man im nächsten Jahr tagen? Gesucht wird ein sehr, sehr großes Gebäude.

    Na, im BER, wo sonst:
    Einen besseren Ort für noch mehr Chaos als den noch nicht fertiggestellten Hauptstadtflughafen müsste man sonst wirklich mühsam suchen. Das wären vermutlich auch die ersten Einnahmen aus Vermietung die der BER zu dem Zeitpunkt dann je erwirtschaftet hätte.

    Die Akustik dürfte allerdings miserabel dort sein und ohne eine funktionierende Heizung könnte man das vermutlich auch vergessen. Aber 12000 Passagiere per Bahn zum BER schaffen… da müsste die Deutsche Bahn nicht mehr trockenfahrten machen. haha!

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