Überwachung

32C3: Ten years after ‚We Lost The War‘

Foto: CC BY 2.0 by Florian Kleiner via flickr

Auf dem 22. Chaos Communication Congress (#22C3) 2005 hatten Rop Gonggrijp und Frank Rieger mit „We Lost The War – Welcome To The World of Tomorrow“ ihre vielbeachtete dystopische Vision einer überwachten Welt präsentiert.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Zehn Jahre später haben die beiden auf dem diesjährigen Congress eine Bilanz ihrer Vorhersagen gezogen. Dabei wagten sie auch einen Blick auf mögliche Entwicklungen der nächsten fünf bis zehn Jahre.

We Lost The War (2005)

Der Vortrag von Frank und Rop aus dem Jahr 2005 entstand unter dem Eindruck der Ereignisse nach 9/11: Klimawandel, neue Kriege und gewaltsame Konflikte, die Einführung von biometrischen Pässen, erlahmende westliche Demokratien und die stetige Weiterentwicklung von Überwachungstechnologie.

Viele hatten den damaligen Vortrag missverstanden: Für sie war er eine demotivierende Kapitulationserklärung, aber Frank und Rop wollten ihn als einen Weckruf verstanden wissen, wie Rieger in einem Blogpost schreibt. Statt zu resignieren und sich zurückzuziehen, sollten Hacker*innen und Aktivist*innen aktiver werden und (weiter) gegen Überwachung, Zensur und für ein freies Netz kämpfen.

In der Bilanz haben sich zum einen inzwischen einige der Vorhersagen aus 2005 bestätigt: Die massenhafte Überwachung ist spätestens seit Snowden öffentlich bekannt und gewaltsame Konflikte haben zu einem gewaltigen Anstieg von Flucht und Vertreibung geführt. Zudem bedroht die Unfähigkeit von Regierungen, aus dem Klimawandel bereits heute zu lernen, die Welt stärker als je zuvor. Zum anderen haben Frank und Rop dazu beigetragen, dass sich Menschen aus der gesamten Welt gegen staatlichen und private Überwachung, Zensur und Menschenrechtsverletzungen engagieren.

Ten Years After (2015)

Sie hatten ihren diesjährigen Talk als Rückschau und Evaluierung der Vorhersagen und Aufforderungen aus 2005 angekündigt. Gleich zu Beginn stellten Frank und Rop dar, dass sie immer noch keine Schönfärberei der Realität betreiben wollen. Gleichzeitig gebe es aber keinen Grund, in Depression zu verfallen, denn gerade eine Community wie auf dem 32C3 sei der potentielle Ursprung von kreativem Widerstand.

Auch im diesjährigen Vortrag nahm der Klimawandel und seine Folgen für die Menschheit großen Raum ein. Die beiden Vortragenden erinnerten das Publikum daran, dass bisher kein anderer lebenswerter Planet in unser Nähe gefunden wurde. Reiner Technik-Optimismus helfe nicht mehr weiter, stattdessen seien konkrete Veränderungen notwendig. Wir alle müssten Verantwortung übernehmen.

The core of the hacker culture is breaking stuff and fixing things. This planet, if you can say so, is our spaceship and it really needs fixing. This is something where we see that the hacker community can do much more. […] There is a lot of stuff to do for technology minded people, for communities with capabilities like we have to help these people.

Die Aufgabe der 32C3-Community sei es, die (technischen) Möglichkeiten für politische Veränderung zu schaffen und zu erhalten. Für Aktivist*innen auf der ganzen Welt seien Open-Source-Software und Verschlüsselungstechnologien enorm wichtig. Hacker*innen seien in der Lage die nötige kreative Infrastruktur für den Kampf um politische Freiheit, Privatsphäre und gegen Überwachung zu schaffen. Als Beispiel nennt Rop jene Aktivist*innen, die auf dem Balkan Flüchtlinge und deren Helfer*innen mit einem Internetzugang versorgen. Davon brauche es viel mehr.

Dabei helfen könnten neue Allianzen, wie sie auf dem Congress entstehen. Denn neben Hacker*innen fänden sich dort auch politische Aktivist*innen, Journalist*innen und Künstler*innen. Dies sei die Stärke der gesamten Community, die noch viel mehr genutzt werden sollte.

Obwohl also Frank und Rop für die Zukunft „rough times“ prophezeien, ist das noch lange kein Grund, keinen Spaß mehr bei der Sache zu haben: „The surf is good when the waves are getting bigger“ – sagen die beiden und schaffen damit das Motto für die Kämpfe der kommenden Jahre.

8 Kommentare
  1. Obwohl also Frank und Rop für die Zukunft „rough times“ prophezeien, ist das noch lange kein Grund, keinen Spaß mehr bei der Sache zu haben: „The surf is good when the waves are getting bigger“ – sagen die beiden und schaffen damit das Motto für die Kämpfe der kommenden Jahre.

    Vom Zeitgeist her gesehen ist die Spaßgesellschaft am Ende. Krieg, Vertreibung und Tod haben wieder in unsere Gegenwart gefunden, Spaß daran haben nur Söldner und jene, die sonst daran verdienen und dabei einen fetten und warmen Ar!sch haben.
    Martialische Metaphorik bringt ein paar Sekunden Applaus am Ende eines Vortrags, doch publiziert bläst er den nötigen Wind in die Segel jener, die sich das Zerreiben unserer Wertegemeinschaft auf die Fahnen geschrieben haben.
    Machen wir uns nichts vor. Der Ausblick real ist bedrohlich. Begriffe wie Utopie oder Dystopie verharmlosen auf gefährliche Weise. Spaß hält nicht lange an, der darauf folgende Erst aber wohl.

    1. @Habo
      … streunt wie ein Vierbeiner durch die Kommentare und hebt öfters das Hinterbein.
      Markiert mit ein paar Spritzern sein Revier: Habo war here.
      Die Duftmarken ziehen sich wie ein übel riechender Schleier durch den Blog.

  2. Möglichkeit*innen, Communitierende….

    Wie lächerlich netzpolitik.org geworden ist. Cuck-Seite.

    Obacht: Jetzt kommt noch „Du musst ihn ja nicht lesen“, tja, so kann man sich auch seine Leserschaft vergraulen.

    Nicht die tägliche Östrogen-Injektion vergessen. cis scum.

  3. Gut zusammengefasst. Meine Anmerkungen: etwas mehr Humor hätte dem Vortrag gutgetan. Die Behauptung, es gäbe keinen Winter mehr, erweist sich nach einem kurzen Blick aus dem Fenster als danebengegriffen, wiewohl an der Schuld der Ölindustrie was dran ist. Rop scheint außerdem zu glauben, dass alle Psychopharmaka Beruhigungsmittel seien? Irgendwie war Teil 1 besser. Mal schauen, was in 10 Jahren kommt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.