Kultur

Das Internet ist kein egalitärer Raum: Ingrid Brodnig über Hate Speech und Wut im Internet

Ingrid Brodnig auf der re:publica 2015

Das Thema Hate Speech und Wut im Internet beschäftigt in Deutschland mittlerweile auch das Justizministerium. Montag diese Woche begrüßte Gerd Billen, Staatssekretär im Justizministerium, im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung „die von Facebook in Berlin vorgestellte ‚Initiative für Zivilcourage Online'“. Dem wachsenden Druck auf Plattformbetreiber etwas gegen Hate Speech zu unternehmen stehen Sorgen um zunehmend private Rechtsdurchsetzung gegenüber. In diesem Beitrag geht es um die Frage, wie sich die Aggression auf die öffentliche Debatte und unsere Demokratie auswirkt und wie darauf reagiert werden kann.


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Der folgende Gastbeitrag wurde verfasst von Ingrid Brodnig, Autorin („Der unsichtbare Mensch„) und Redakteurin des österreichischen Nachrichtenmagazins profil, dort für die Berichterstattung über digitale Themen zuständig. Der Beitrag ist die schriftliche Fassung ihres Vortrags im Rahmen des 2. Netzpolitischen Abends AT in Wien (siehe auch Videoaufzeichnung). Wir veröffentlichen den Beitrag mit ihrer freundlichen Genehmigung.

Ich möchte mit einem Satz aus einer Studie anfangen. Wissenschaftliche Studien sind meist nicht sonderlich knackig oder leicht verständlich formuliert. In diesem Fall ist das aber anders: Es handelt sich um eine brandneue Studie. Italienische und amerikanische Forscher haben sich angesehen, wie Informationen online genutzt und geteilt werden. Sie haben 32 Seiten auf Facebook analysiert, die sich mit Verschwörungstheorien beschäftigen, und sich alle ihre Posts in den vergangenen fünf Jahren angesehen. Ebenso haben sie 35 Facebook-Seiten ausgewertet, die sich mit Naturwissenschaft beschäftigen. Ich lese eine Grunderkenntnis aus dieser Studie vor:

„User tendieren dazu, sich in Communitys mit dem selben Interesse zu aggregieren, was zu einer Verstärkung des ‚Confirmation Bias‚ führt, zur Abgrenzung und zur Polarisierung. Dies schadet der Informationsqualität und führt zu einer starken Vermehrung von voreingenommenen Sichtweisen geschürt durch unbelegte Gerüchte, Misstrauen und Paranoia.

Es ist also messbar, dass wir ein Problem im Internet haben. Wir können bereits eine Polarisierung und Zersplitterung der Öffentlichkeit wahrnehmen. Die Forscher sprechen von „homogenen und polarisierten Clustern“. Diese Cluster, also Menschenansammlungen auf verschiedenen Seiten, haben eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung der Welt. Wie sehr diese Wahrnehmung auseinandergehen kann, erleben wir derzeit auch in der Flüchtlingsdebatte.

Die Forscher beschreiben eine Diskussionskultur, bei der sich User hauptsächlich unter Gleichdenkenden austauschen – zumindest ist das auf Facebook so, wie die Studie nahelegt. Die Erkenntnisse bestätigen die These von der „Echokammer“, also digitalen Räumen, in denen wir hauptsächlich jene Information teilen und konsumieren, die unserer Weltsicht entspricht.

Jetzt werden sicher manche sagen: Na und, war das nicht immer schon so? Haben Menschen nicht immer schon jene Nachrichten gelesen, die ihre Meinung bestärken (früher zum Beispiel in der Parteizeitung)? Ist da denn etwas Neues dran? Die Antwort lautet Ja.

Die Struktur des Internets verstärkt die Möglichkeiten, Gleichdenkende zu finden. Sicher konnte ich früher auch schon Informationen über Verschwörungstheorien erahmten, wenn ich zum Beispiel eine Abonnentin des Ufo-Verlags war. Der Ufo-Verlag heißt heute Kopp-Verlag. Und ich konnte auch bei manchen Veranstaltungen Gleichdenkende treffen: Nur es war deutlich schwieriger.

Oft ist diese Fragmentarisierung, die möglich wurde, bequem: Ich mag es, wenn mir Netflix Serien vorschlägt, die mir gefallen könnten. Oft ist das angenehm. Doch mitunter wird das problematisch. Generell halte ich es bereits für bedenklich, wenn wir in einer Demokratie wenig Kontakt mit Andersdenkenden haben und uns abschotten. Mit Sicherheit ist das aber bei Verschwörungstheorien ein Problem, wenn sich gewisse unbelegbare Erzählungen verfestigen: Etwa dass Impfen Autismus fördert. Oder die Erzählung, dass die Erde in Wahrheit viel größer ist, es mehr Kontinente gibt als bekannt – und die Dinosaurier auch noch leben (eine meiner Lieblingsthesen). Eine derartige Abschottung führt dazu, dass Menschen für uns nicht mehr erreichbar sind – also für uns „andere“, die mit wissenschaftlichen Thesen versuchen, die Welt zu verstehen. Diese User sitzen in ihrer Echokammer und man hört aus der Ferne die Rufe: Lügenpresse, Lügenpresse!

Diese Abschottung erklärt in meinen Augen auch Phänomene wie Pegida. Ich bezweifle, dass das Internet hauptverantwortlich ist für die Gräben in der Gesellschaft oder das allgemeine Misstrauen gegen Politik und Medien. Wohl aber ist es wie ein Katalysator, der gesellschaftliche Entwicklung schneller vorantreibt.

Einige gesellschaftliche Entwicklungen haben wir vielleicht zu lange nicht gesehen – auch im Internet. In der Frühzeit des Web gab es die Hoffnung, dass die pure Existenz der digitalen Kommunikation zu einer aufgeklärten Debatte führt. Der Sozialwissenschaftler Howard Rheingold schrieb im Jahr 1992 folgendes:

Da wir einander nicht sehen können, können wir auch keine Vorurteile über andere bilden, bevor wir gelesen haben, was sie mitteilen wollen: Rassenzugehörigkeit, Geschlecht, Alter, nationale Abstammung und die äussere Erscheinung werden nur bekannt, wenn jemand diese Merkmale angeben will.

Diese Passage spiegelt wider, was lange geglaubt wurde: Dass im Internet alle gleichberechtigt sein würden, weil ihre äußerlichen Merkmale nicht sichtbar sind. Und dass Menschen endlich auf Augenhöhe miteinander diskutieren. Das war eine sehr schöne Vorstellung, dass online das bessere Argument siegt. Doch diese Vorstellung ist großteils nicht Realität geworden.

Im Gegenteil: Online werden häufig jene belohnt, die aggressiv sind. Dazu eine weitere Studie, die das aufzeigt. Sie wurde von den Wissenschaftlern Daegon Cho und Alessandro Acquisti von der Carnegie Mellon University erstellt.

Die beiden Forscher analysierten 75.000 Postings von südkoreanischen Medienseiten. Sie sahen sich unter anderem an, welche Postings die meisten Likes erhielten. Zur Erklärung: In vielen Zeitungsforen kann man Uferkommentare bewerten. Man kann auf Plus oder Minus klicken, auf „Rot“ oder „Grün“ oder auf „gefällt mir“ und man signalisiert damit, ob einem ein Beitrag gefallen hat. Die Forscher werteten das aus und sahen:Postings mit Beschimpfungen erhielten mehr Likes.

Das muss man sich einmal durch den Kopf gehen lassen: Ist ein Kommentar untergriffig oder mit Beleidigungen gefüllt, kriegt er wahrscheinlich mehr Likes. Das ist ein menschlicher Faktor, der dazu führt, dass die Schreihälse oft mehr wahrgenommen werden. Hinzu kommen technische Faktoren: In einer von Algorithmen sortierten Medienrealität wird derjenige, der viele Likes erhalten hat, noch mehr Menschen eingeblendet. Das heißt, eine Kombination aus menschlichen und technischen Faktoren hilft jenen, die besonders ruppig formulieren. Dies erklärt vielleicht auch, warum Heinz-Christian Strache der sichtbarste österreichische Politiker auf Facebook ist.

Das Internet ist meines Erachtens sehr wohl eine Erfindung, die eine fairere Debatte möglich machen könnte. Nur das passiert nicht automatisch. Zu lange gab es diesen Glauben, dass alle im Netz die selben Chancen haben. Aber stimmt das? Haben Zurückhaltende die gleichen Chancen wie Aufdringliche? Haben Frauen die gleichen Chancen wie Männer? Haben spröde Politiker die gleichen Chancen wie Populisten?

Einer der größten Mythen rund um das Internet ist, dass es automatisch ein egalitärer Raum ist. Es fehlen Sicherheitsmechanismen, zum Beispiel eine strikte Moderation, die eine egalitäre Debatte in vielen Räumen erst ermöglicht.

Ich gebe dafür oft folgendes Beispiel: Seit den Neunzigerjahren haben sich Foren nicht maßgeblich verändert. Jeder weiß, wie ein Internetforum aussieht. Der neueste Kommentar ist in der Regel ganz oben. In den Anfangstagen des Internets ergab das Sinn – da gab es oft auch nicht so viele Wortmeldungen. Da war man schon froh, wenn man sieben Wortmeldungen im „Gästebuch“ vorzuweisen hatte. Das ist heute anders: Heutzutage können unter einem Artikel im Standard 1000 Postings erscheinen. In einer solchen Situation werden chronologisch gereihte Kommentare problematisch, denn sie nützen den Rüpeln.

Wenn jemand heute ein Zeitungsforum aufsucht und hundert Mal seine Meinung postet, ist er hundert Mal an erster Stelle prominent sichtbar. Bin ich aber weniger aufdringlich, lese den Artikel und denke mir, “diesen einen Aspekt sollte man noch ergänzen”. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich das nur einmal poste und dementsprechend nur einmal ganz oben sichtbar bin. Aber ist die Meinung von jemandem, der nur einmal postet, wirklich hundert Mal weniger relevant als die Meinung desjegen, der einfach alle anderen niedertextet?

Ich glaube nicht. Wohl aber können wir genau dieses Verhalten auf vielen Webseiten beobachten – und häufig kommt auch noch eine aggressive Tonalität einzelner User hinzu, die andere verstummen lässt. Diese ziehen sich aus der Diskussion zurück.

Nun ist die Wikipedia 15 Jahre alt geworden, ich las neulich eine interessante Zahl dazu: Eine interne Umfrage aus dem Jahr 2011 fand heraus, dass nur einer von zehn Helfern der Wikipedia eine Frau ist. Nur jeder zehnte Wikipedianer ist eine Frau. Erst vor wenigen Wochen brächte der Atlantic einen interessanten Artikel über den Umgang mit Frauen auf Wikipedia. Die Autorin schrieb über das Verhalten mancher Userinnen:

Um zu verhindern, dass sie Ziel von Belästigungen werden, nutzen manche Wikipedianerinnen geschlechtsneutrale Pseudonyme und vermeiden es, bei ihrem Usernamen irgendeine persönliche Information anzuführen.

Das ist doch erschütternd, dass Frauen verheimlichen, dass sie eine Frau sind – damit ihnen gegenüber niemand unangenehm wird. Das ist der Zustand des Internets im Jahr 2016, mehr als ein Vierteljahrhundert, nachdem das World Wide Web erfunden wurde. Ich wurde eingeladen, um über Hate Speech und Wut im Netz zu sprechen. In meinen Augen sind zwei der größten Probleme die bereits genannten: Erstens die Polarisierung, dass sich Menschen abspalten von den anderen – von der „Lügenpresse“ oder den lügenden Wissenschaftlern – und sich mit obskuren Quellen radikalisieren. Und zweitens, dass aggressive Postings extrem sichtbar sind, während nuancierte Wortmeldungen oft gar nicht so sichtbar aufscheinen.

Wie gesagt: Das Internet ist zum jetzigen Zeitpunkt kein egalitärer Raum. Das Skurrile daran – das war nie böse gemeint. Die Gründe dafür sind sogar wohlmeinend. In vielen digitalen Debatten gibt es seit Anbeginn des Internets das Bestreben, bloß keine Meinung zu sanktionieren, also eine möglichst sanktionsfreie Rede zuzulassen. An sich ein edles Bestreben!

Nur ist offensichtlich, dass das diese Strategie nicht immer funktioniert. Wenn ich jede Meinung egalitär behandle, setzen sich jene durch, die sich groß fühlen, wenn sie andere klein machen. Wenn ich jede Art der Aussage egalitär behandle, gebe ich einer Lüge gleich viel Gewicht wie einer belegbaren Aussage.

Ich will ein Beispiel geben für die Niederträchtigkeiten, die in die öffentliche Debatte eingekehrt sind. Es ist wahrscheinlich einigen bekannt:

Dieses Zitat ist erfunden (Quelle: Screenshot Grüne Österreich)
Dieses Zitat ist erfunden (Quelle: Screenshot Grüne Österreich)

Auf Facebook kursierte vergangenen Herbst ein Foto von Eva Glawischnig, der Chefin der österreichischen Grünen. Daneben das angebliche Zitat von ihr: „Schutzsuchende müssen das Recht haben auf Mädchen loszugehen! Alles andere wäre rassistisch Flüchtlingen gegenüber!“ Es wird also behauptet, Eva Glawischnig fände die Vergewaltigung von österreichischen Mädchen in Ordnung. Das Bild verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Internet. Es wurde tausende Male geteilt und die Grünen gehen davon aus, dass derartige Sujets von mehr als hunderttausend Österreichern gesehen wurde.

Natürlich ist dieses Zitat ein Fake. Nichtsdestotrotz glauben viele User, dass die Aussage echt ist. Sie posteten in Rage sehr verletzende Dinge. Sie forderten zum Teil sogar, dass Eva Glawischnig vergewaltigt wird, schrieben Kommentare wie: „dann nehmt euch gleich diese Tante vor als glänzendes Beispiel“. Oder: „stell dich hin, dann können die ja auf dich losgehen!“

Die Grünen gehen nun juristisch gegen diese Sujets vor. Ich finde das gut, wenn es zunehmend ein Bewusstsein unter Politikern und Richtern gibt, welche Formen von Hate Speech kursieren. Es ist auch deswegen richtig, gegen derartige Fälschungen vorzugehen, weil sonst User glauben: Das hat die betroffene Person wirklich gesagt.

Es ist eben ein Irrtum, das im Internet jede Stimme und jeder User gleich schützenswert ist:

  • Eine Diskussionskultur, bei der Frauen konstant als „Schlampe“ oder als „naive Göre“ abgestempelt werden, ist nicht schützenswert.
  • Eine Diskussionskultur, in der Verschwörungstheorien gleichrangig mit wissenschaftliche Fakten behandelt werden, ist nicht schützenswert.
  • Eine Diskussionskultur, wo – wenn man all dies anspricht – der Aggressor dem Opfer sagt, „lass dir hat eine dickere Haut wachsen“, die ist nicht schützenswert.

Die Debatte darüber ist schon stärker geworden. Meines Erachtens müssen wir diese Probleme aber so lange ansprechen, bis wir richtig gute Antworten darauf haben. Bisher haben wir zumindest ein paar Ideen.

Was könnte man tun?

Die letztgültige, stets funktionierende Lösung gibt es bisher nicht, wohl aber ein paar Ansätze. Ich glaube, müssen wir das Diskussionsniveau heben und eine klare rote Linie ziehen. Das bedeutet, dass Webseitenbetreiber und Onlinemedien mehr Verantwortung für die Tonalität übernehmen müssen – und möglichst schimpfwortfreie Räume schaffen.

Diese schimpfwortfreien Räume sind nicht nur eine Frage des Geschmacks. Es geht hier nicht darum, ob man eine dünne Haut hat. Schimpfworte haben eine Wirkung. Das legte eine Untersuchung der University of Wisconsin nahe.

Diese Forscher haben einen Blogeintrag zur Nanotechnologie verfasst, der wirklich sehr ausgewogen war. Darin wurden die positiven Seiten und negativen Seiten der Nanotechnologie beschrieben – und darunter fand man auch Postings. 1100 Amerikaner haben diesen Beitrag gelesen und darunter auch die Kommentare gelesen. Nur die eine Hälfte las Postings, in denen zwar lebhaft diskutiert wurde – aber ohne Schimpfworte. Und die andere Hälfte las die selben Postings, nur waren da noch Schimpfworte eingeflochten. Dort stand dann in die Richtung: „Und wer das nicht versteht, ist ein Idiot.“

Die Forscher verglichen, wie diese zwei Gruppen über Nanotechnologie dachten. Und sie nennen ihre eigenen Ergebnisse „verstörend“. Die Gruppe, die die Schimpfworte gelesen hatten, lehnten plötzlich das Thema Nanotechnologie wesentlich stärker ab. Die waren dem deutlich negativer gegenüber eingestellt als die Gruppe, die keine Schimpfworte gelesen hatte.

Das legt den Schluss nahe: Ich kann rein mit Aggression, nicht mit Argumenten eine Debatte kaputtmachen. Natürlich hat das weitreichende Konsequenzen: Wenn ich rein mit Schimpfworten eine Debatte kaputtmachen kann, dann schauen wir uns nur an, was mit dem Feminismus passiert. Unter den Zeitungsartikeln, die den Feminismus behandeln, hagelt es regelrecht Schimpfworte. Sollten dort ähnliche Effekte wie beim Text zur Nanotechnologie eintreten, dann haben wir ein Problem.

Auch aus solchen Überlegungen gibt es Medien wie das Bloggingimperium „Gawker“, das das Kommentarsystem schon stark verändert hat. Dort werden nicht mehr die neuesten Beiträge angezeigt, sondern Beiträge auf die der Autor des Textes irgendwie reagiert hat, damit interagiert hat. Vielleicht hat der Autor dies für andere empfohlen oder darauf geantwortet. Das ist ein Versuch, jene Beiträge hervorzuheben, die für die anderen User am interessantesten sind – und nicht immer die lautesten User.

Zum einen sollten wir auf einen respektvollen Ton achten – allein schon, um es denen nicht ganz so einfach zu machen, die schlichtweg mit Schimpfworten daherkommen. Zweitens glaube ich auch, dass wir dies stärker kommunizieren müssen, dass nicht jede Wortmeldung inhaltlich gleich viel Gewicht hat.

Gerade rechte Verschwörungsblogs sind recht unterhaltsam, weil sie gerne vom Begriff der „Wahrheit“ sprechen. Ein bisschen Wahrheitsfindungskultur täte dem Internet tatsächlich gut – also einfach nachzurecherchieren, was stimmt und was nicht und wie lässt sich das belegen? Was hat mich zum Ergebnis meiner Recherche geführt? Auch traditionelle Medien können hier noch wesentlich transparenter offenlegen, woher sie eine Information haben. Das passiert oft nicht. Es ist aber auch sehr gut, dass Blogs diese Funktion zunehmend miterfüllen. Zum Beispiel das Blog Kobuk, das Medien kontrolliert. Oder auch der Verein Mimikama, der die Facebook-Seite „Zuerst denken – dann klicken“ betreibt: Die zeigen oft auf, dass Beiträge gefälscht sind, dass kürzlich nicht eine 75-jährige Schwedin brutalsten von Flüchtlingen vergewaltigt wurde und ein Bild dies anschaulich zeigt – sondern dass dieses Bild schon älter ist und aus Südafrika stammt.

Sehr oft sind diese Fälschungen überprüfbar: Wir brauchen eine Diskussionskultur, bei der die Grundsätze des logischen Denkens und des fairen Diskutierens wieder mehr geachtet werden. Eine, wo Verschwörungstheorien nicht auf die gleiche Ebene wie belegbare Ergebnisse gestellt werden.

Dazu ein Beispiel. Wenn zwei Diskutanten auf einer Bühne stehen und der eine sagt: „Die Evolution hat es nie gegeben, Gott hat die Erde geschaffen.“ Und die andere Person sagt: „Doch! Die Evolution hat es gegeben, denn diese und jene wissenschaftlichen Überlegungen und Messungen haben uns zu dieser Erkenntnis geführt.“ Dann ist die Antwort nicht, wie es manchmal heißt, „irgendwo dazwischen“. Die richtige Antwort ist nicht automatisch der Mittelpunkt zwischen zwei entgegengesetzten Meinungen. Doch eine derartige Sichtweise erlebt man mitunter in den sozialen Medien – da heißt es mitunter in den Kommentaren: „Von diesen argen Geschichten liest man so oft. Da wird schon was dran sein.“

So etwas nennt man übrigens „false balance„, es ist ein Irrglaube, dass es ausgewogen ist, dass der Mittelpunkt zwischen zwei Standpunkten automatisch die Wahrheit widerspiegelt. Es ist nicht ausgewogen, eine wissenschaftlich belegbare Aussage und eine wissenschaftliche nicht belegbare Aussage auf die gleiche Ebene hebe.

Dass sich manche User in verschwörungsaffine Räume zurückziehen, das wird wohl nur schwer zu verhindern sein. Wahrscheinlich ist es nicht verhandelbar. Aber zumindest können wir schauen, dass wir die seriöseren Räume, die Räume, wo eben nicht nur die verschwörungstheorieaffinen User unterwegs sind, wieder etwas mehr mit Fakten und weniger mit Emotion füllen.

Die öffentliche Debatte wird derzeit zu sehr von rhetorischen Nebelgranaten abgelenkt – das ist sowohl offline als auch online der Fall. Doch gerade im Netz hätten wir eine große Chance: Hier können wir verlinken, hier können wir Aussagen häufig doch recht leicht überprüfen oder gar – wenn man transparent vorgeht – sogar aufzeigen, wo man eine Information her hat. Wenn wir das in Zukunft stärker tun, lassen wir uns vielleicht nicht mehr so leicht ablenken. Ich glaube jedenfalls, eine andere digitale Diskussionskultur muss möglich sein.

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89 Kommentare
  1. Toller rekletierter Beitrag, Danke! Nur die Endthese teile ich nicht. Ich glaube nicht, dass das Internet je ein Ort sein kann, indem Meinungen und Thesen reflektiert zur Steigerung des Geimeinwohls ( mir fällt kein anderer Begriff ein….) beitragen werden. Das Gegenteil ist der Fall. Das Internet schafft mit der leichten Möglichkeit, sich einen Mob anzuschließen, und Digitale Pranger durchzuführen, etc. etc. einen enormen druck auf handelnde Politiker. Diese bewegen sich selbst darin, viele zwischenzeitlich nicht ganz freiwillig, sonder aus dem Druck heraus, dass Sie darauf angewiesen sind, wiedergewäjlt zu werden. Das beginnt in den kleinen Kreisverbänden, und geht bis ins Europa Parlament. Meine Endtehse ist eher, dass über gesetzliche Einschränkunden der Sozial Media Aktivitäten von Politikern gesprochen werden sollte. Das klint aktuell wohl etwas absurd. Aber Twitter, facebook und halte ich für eine Gefahr der demokratischen Meinungsbildung. Auch ist der Gedanke des “ Counter Speech“ schlicht auch eine weitere ( ungewollte !) Zwangseinbindung von Menschen an facebook und co. Und so ganz nebenbei, erhöht das Engagement dier „Counterspeech“ menschen den Umsatz, und deren daten werden zwangserfasst. So wird Enagagement zwnagskommerzailisiert.

  2. Ich glaube, die Analyse greift zu kurz und schadet dem Internet.
    „Es fehlen Sicherheitsmechanismen, zum Beispiel eine strikte Moderation, die eine egalitäre Debatte in vielen Räumen erst ermöglicht.“
    Das nennt man Zensur und ist in Deutschland eigentlich unerwünscht. Im Usenet gab es schon vor dreissig Jahren moderierte und unmoderierte Gruppen. In den unmoderierten kam es dann zu „Flame Wars“. Die Empfehlung da war dann nicht Zensur, sondern das Tragen eines „Asbest-Anzugs“ „smile“-Emoticon Solche Effekte lernt man nicht kennen, wenn man auf wenige Facebookgruppen fixiert ist.
    Wenn auf Facebook Straftaten begangen werden (z.B. Volksverhetzung), dass ist das rechtsstaatliche Verfahren, dass man Strafanzeige erstattet, dem Beschuldigten rechtliches Gehör einräumt und einen ordentlichen Richter entscheiden lässt, ob tatsächlich eine Straftat vorliegt. Was der Justizminister dagegen vorschlägt, ist ein Abbau des Rechtsstaates: dem beschuldigten wir das rechtliche Gehör verweigert und juristische Laien bei Facebook sollen entweder wegen der Straftat zensieren und löschen oder sich mit Sittenwächter in Iran oder China zum Umgangston äußern („strikte Moderation“). In den USA dagegen wird die freie Meinungsäußerung nachh der US-Verfassung so hoch eingeschätzt, dass Kekse-essende udn Cola-Trinkende linke Freaks schon vor Jahren Hitlers „Mein Kampf“ verbreiteten, während in Deutschland die bayerische Landesregierung strikt durchmoderierte mit Copyright-Vorwänden.
    Verschwörungstheorien: der russische Geheimdienst brachte Ende des 19. Jahrhunderts zur Diskreditierung der Juden die geheimen Protokolle der Weisen von Zion auf Basis eines französischen Romans in Umlauf (siehe „Roman“ „Der Friedhof von Prag“ von Umberto Eco.), was eine Londoner Zeitung aufdeckte. Hitler aber übernahm Teile davon für seine judenfeindliche Propaganda, so dass die Deutschen sich überreden ließen, 6 Mio Juden (und 25 Mio Russen) zu ermorden. Und kein einziges Bit Internet dabei. Wenn man also Phänomene hat, die innerhalb und außerhalb des Internets statt finden, ist es falsch , sie nur innerhalb des Internets zu beobachten.
    Pegida ist also kein Internetphänomen sondern ganz normale deutsche Tradition, wie wir sie auch in den 1920er Jahren beobachten konnten, als der öffentliche Diskurs sich radikalisierte und in den 1930er Jahren sich die Hugenbergpresse als nützliche Trompete an den rechten Rand anschleimte. Zur Rolle der Presse und der dort stattfindenden Manipulationversuche hat übrigen der Semiotiker Uberto Eco einen neuen „Roman“ mit dem Titel „Nullnummer“ veröffentlicht.
    Nimmt man nun noch die Systemtheorie von Niklas Luhmann dazu, dass Gesellschaft nur auf Kommunikation basiert, dann hat das Aufkommen des Internets natürlich eine große Veränderung bewirkt. Es wird heute vieles sichtbar, was früher für Forscher nur in der Dunkelziffer existierte. Veränderungen ind er Relation Hellziffer-Dunkelziffer sagen aber nichts über das Ausmaß des Problems aus.
    In einer Demokratie und einem Rechtsstaat wird es auch weiterhin so sein, dass Straftäter vorher wissen müssen, was strafbar ist und was sie an Strafe erwarten. Den Rechtsstaat aber kann man nicht auf Laien bei Facebook verlagern, wie es die absterbende Presse mit ihrer „strikten Moderation“ seit Jahren macht udn dadurch immer schneller stirbt.
    „Das bedeutet, dass Webseitenbetreiber und Onlinemedien mehr Verantwortung für die Tonalität übernehmen müssen – und möglichst schimpfwortfreie Räume schaffen.“
    Ach, wieder der Ruf nach Zensur? Wie sollen wir dann prollende Politiker behandeln, die Mitbürger „Arschloch“ oder „Pack“ nennen? Einfach wegzensieren, aus dem öffentlichen Raum verbannen, im Fernsehen nicht zeigen? Das ist m.E. naiv und schadet in seiner Einseitigkeit nur dem Internet.
    In einer Zeit, wo der Staat Bayern Herrn Mollath für verrückt und gefährlich erklärt und ihn sieben Jahre in eine Klapsmühle inhaftiert, nur um die Schwarzgeldschiebereien bei der Hypovereinsbank zu vertuschen, ist es absurd, nach mehr Zensur zu rufen, zumal selbst die Innenrevision der HVB feststellte, dass die Vorwürfe von Mollath stimmten.
    Man wird wohl den zweifellos zunehmenden Unflat eher mit gutem Beispiel begegnen müssen, als mit Zwangsmaßnahmen, die im Zweifelsfall nur das zensierte Medium töten und nicht die Ursache des Unflats.
    Letzter Punkt: Frauen dürfen sich als solche nicht erkennen geben. Das ist kein Problem des Internet sondern tief verwurzelt in christlich abendländischer Kultur. Seit hunderten von jahren wird berichtet, dass Frauen sich in Männerkleidung tarnen. Ein Beispeil war zuletzt im Neujahrs Sherlock (die Leichenbeschauerin).
    Auch in Afghanistan ist das üblich wie Emma berichtet.
    http://www.emma.de/thema/frauen-maennerkleidung
    Das hat nicht das geringste mit Internet zu tun.
    Letztlich noch zu den Verschwörungstheorien: es ist schwerrer geworden, sich Autorität zu erarbeiten. Aber wenn sich der Staat beim Lügen erwischen lässt und selbst die Wissenschaft mit zahlreichen Dissertationsbetrügern auffällt, dann ist das nicht alleine ein Problem des Internets. Im Gegenteil: jeder muss sich selber sein Urteil bilden, was aber durch einfacheren Zugang zu Informationen leichter geworden ist. Man muss nicht daran glauben, dass die katholische Kriche ex cathedra urteilt, die Erde sein eine Scheibe, von Guttenberg ein exzellenter Wissenschaftler oder dass seit 5:45 Uhr „zurück“geschossen wird.
    Man wird die Dinge wohl relaxter angehen müssen als mit bürgerlich Hysterie über böse Wörter :-)

    1. Achja, Flamewars…..*schmacht*

      Da würden die heutigen Internetnutzeer sofort nach Hinrichtugn schreien!
      Wer glaubt, das Youtube-Kommentare oder bestimte Foren „problematisch“ sind, der hat im Internet / www noch gar nichts erlebt!!!

      Wider den SAFE SPACES!

    2. Wolfgang, die ganzen Zensoren und vielfaltsfeindlichen „Hater“-Hater sollte man einfach „Digitale Bürgerwehr“ nennen, dann werden sie eh verboten! :)

      Ich verstehe das nicht, man sieht den Schmutz im Internet doch nur, wenn man ihn sucht! Warum palieren die ganzen Welt-Verbesserer nicht nicht einfach gepflegt untre sich im Leser-Forum von schoener-leben.de?

      Wozu der Missionarsdrang? Missionierede GutmenschInnen finde ich in etwa so erquicklich und rational wie missionierende Pfaffen. Erst rennen sie wie wild in den Dschungel und dann jammern sie, dass die Wilden dort sich wie Wilde benehmen!

      Aber ok, wenn es die ganzen Spiesser nicht gäbe, dann hätte ich ja keinen, von dem ich mich subkulturell distanzieren könnte.

    3. Ja, digitale Bürgerwehr ist der treffende Ausdruck :-)

      Ich musste gerade an meinen letzten Flamewar auf Twitter denken. Ich hatte mich tatsächlich mokiert, dass ich es für schlechten politischen Stil hielte, wenn man mit der Ankündigung, nackte weibliche Brüste zeigen zu wollen für Journalisten, Politik für Flüchtlinge machen würde. Da das aber „Frauenrechtlerinnen waren“ habe ich mir einen Shitstorm eingefangen, den ich in Asbest (mittlerweile auch verboten) tapfer ertrug :-)

      Meist bin ich aber fassungslos, wie penetrant das Bisschen Grundrechte, das wir haben, auf dem angeblichen Altar der Höflichkeit einfach über Bord geworfen werden und eine verfassungsfeindliche Vorzensur gegen die Werte der westlichen Zivilisation gefordert wird, als wenn wir im walled Garden der chinesischen kommunistischen Diktatur wären. In irgendwelchen Hinterzimmern sollen nach nicht nachvollziehbaren Prozessen irgendwelche Menschen entscheiden, was in die Welt darf und was nicht.

      Und die Regierung macht so lange Druck auf Facebook, bis die hunderte von Zensoren einstellt, die dann am deutschen Strafrecht vorbei Beiträge wegen Volksverhetzung löschen sollen, Beweismittel löschen, dem angeblichen Täter das rechtliche Gehör verweigern und kein Richter entscheiden darf, ob es wirklich Volksverhetzung war. Es ist schon erstaunlich, wie viel Hass auf den Rechtsstaat da im Umlauf ist mit Neusprech und Schönsprech. Täter werden dann durch löschen vor der Bestrafung geschützt weil die zivilen Hilfssheriffs Hass auf Rechtsstaat haben. Absurd.

      Als ich letzte Woche einen Politiker fragte, der auch mehrere angebliche Volksverhetzungen verortet hatte, ob er denn Strafanzeige erstattet habe, wand er sich raus, in dem er Facebook aufrief bei Löschungen wegen Volksverhetzung auch Strafanzeige zu erstatten (und die Beweismittel aufzuheben statt zu vernichten als Beihilfe zur Strafvereitelung) .

      1. In der tat ist eine Strafverfolgung der Hater auf FB fast nicht möglich. Macht Dich mal bei Ermittlern schlau, weshalb. Ist mir hier zuviel text für hinreichend bekanntes.

      2. Ja, ja. Ich habe einen Bundestagsabgeordneten gefragt, der tönte, dass er da Kommentare gesehen hätte, die den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllten. Da er Volljurist ist, habe ich gefragt, ob er Strafanzeige gestellt hat. Hat er nicht. Aber er meinte Facebook müsse löschen. Und dann meinte er, Facebook müsse Strafanzeige erstatten, wenn es wegen Volksverhetzung löschte. Absurdes Theater und Privatiserung des Rechtsstaates.
        1998 habe ich meine erste Strafanzeige online erstattet und eine freundliche Mail von der Polizei München dazu bekommen. Deinen Kulturpessimimus , dass unsere Strafverfolgungsbehörden zu blöd seien, teile ich nicht. Auch nicht, dass dann Hilfssheriffs eine Bürgerwehr aufstellen müssten, um Sitte, Anstand und Moral durchzusetzen, halte ich für Unsinn. Pegiada-likes Staatsbashing.
        Hating ist übrigens keine Straftat. Was soll man da auch verfolgen? Das ist Quatsch. Man darf bei uns aus tiefsten Herzen hassen. Solange man dabei keine Straftaten begeht, ist das völlig egal.

      3. Quatsch, das scheitert an formalen Dingen. Wer beweist, dass die Person die auf Facebook schreibt “ Flüchtlinge in die Gaskammer“ wirklich die Person ist, für die Sie sich ausgibt ? Wie soll die Beweissicherung gehen, wie der der Zugriff auf die Datenbanken ? Um diese und andere ( ist mir echt zuviel text, macht Dich wirklich jenseits Deiner Kamnpflinie selbst bzgl. formalen schlau ) Formalitäten im Sinne der Strafverfolgung lösen kann, wären wiederrum Maßnahmen nötig, die hier bei den Nerds wieder abgelehnt werden. Das arrogante Dumm Gelaber nervt echt langsam. ZU jeden Thema sagen zu können,was man NICHT will aber, aber keinerlei Vorschläge zur Lösung im Pedo, ist echt erbärmlich.

      4. Ich will mal vom Ton absehen, gegen den sich der Hauptartikel wendet :-)
        Aber wir haben beim Zugangserschwerungsgesetz gesehen, dass das BKA gelogen hat, als man sagte, dass man im Ausland keine Löschung hin bekäme und deshalb die Polizei Recht sprechen müsste statt eines Richters. Als dann tatsächlich mal versucht wurde, im Ausland zu löschen, stellte sich heraus, dass nach zwei Wochen 96 % des Drecks weg war, statt schön wie Ursula von der Leyen für ihr Klientel wollte einfach die Kinderpornos im Netz zu lassen und schön mit rotem Vorhang zu markieren.
        Schon vor 20 Jahren habe ich ohne die Möglichkeiten der Polizei Hacker, die in meine Rechner einbrechen wollten, persönlich indentifiziert in Berlin, Jülich und Australien.
        Es macht keinen Sinn, die Polizei hier als blöd hintzustellen, um der Zensur das Wort zu reden. Das sollte mit dem Zugangserschwerungsgesetz auch gemacht werden. Nach Wegfall des Gestezes ist der Kinderpornodreck auch mehr weg, als Ursula von der Leyen, CDU, wollte.
        Es wäre daher vielleicht angemessener, Dich mit der Realität vertraut zu machen, statt mit unflätiger Wortwahl Deine moralischen Vorstellungen gegen den Rechtstaat und gegen die Demokratie durchdrücken zu wollen.

        Wenn man keine Böcke hat, den Rechtsstaat zu organisieren, ist es keine Alternative, auf ihn zu verzichten und das Faustrecht einzuführen. Weil man das so wird, wie das, gegen das man angeblich vorgeht.

    4. Die Kommentare hier zeigen sehr gut, wie recht die Autorin hat. Schon schreit jeder „ZENSUR, ZENSUR“, ohne zu wissen, was das wirklich heisst, denn das Recht auf freie Meinungsäußerung besagt lediglich, dass ich für meine Meinung (solange sie nicht im Gesetz festgelegten Grenzen widerspricht) äußern darf ohne dafür rechtsstaatlich belangt zu werden. Ich darf also im Internet durchaus ein Arschloch sein, ohne dafür vom STAAT belangt zu werden. WENN jetzt aber ein Seitenbetreiber entscheidet, dass er/sie meine Arschlochkommentare auf seiner Seite nicht haben will, ist es sein/ihr gutes Recht. Da kann ich noch so lange heulen, dass ich ja zensiert werde, es stimmt aber nicht. Ich bin lediglich als Arschloch enttarnt worden. Denn, wer seine Meinung nicht mittewilen kann ohne dabei andere verbal anzugreifen, der sollte vielleicht einfach das Maul halten. Wie meine Großmutter schon immer sagte: Wer nichts nettes zu sagen hat…“ Hier jetzt den „linksversifften GutmenschInnen“ vorzuschreiben, sie sollten sich in ihre eigene „Glücksbärchiebubble“ zurückziehen hat das Thema des Artikels nicht begriffen. Das Internet ist nicht der Wilde Westen, egal wie sehr man sich das wünschen mag, und sos ehr ich auch für ein freies unzensiertes Internet bin, so sehr gestehe ich auch jedem das recht zu, eine bestimmte Tonart nicht auf seinen eigenen „Vier Wänden“ zu dulden. DENN, und ich wiederhole mich, Zensur ist, wenn Meinungen unterdrückt werden, Zensur ist nicht wenn Beleidigungen und hate Speech unterbunden werden. Und wers eine Meinung nicht ohne Beleidigungen oder persönliche Angriffe formulieren kann, muss sich nicht wudnern, wenn da Gegenwind kommt, der im besten Fall dazu führt, dass man von der Diskussion ausgeschlossen wird. das war auch vor dem Internet schon so. Wenn ich jemanden in meinem Sozialkreis nicht haben will weil er die Atmosphäre durch seine Worte vergiftet, schmeisse ich ihn raus. Punkt.

      1. Ja, ja. Wir hatten die Diskussion auf dem Bundestagspetitionsserver auch. Da hat ein durchgeknallter Administrator seinem Geschmack Luft gemacht und hunderte von Kommentaren einfach gelöscht. Es ging um das Zugangseraschwerungsgesetz (vulgo Websperren wegen Kinderpornografie, die Ursula von der Leyen und der Ziercke vom BKA partouut nicht löschen wollten, sonder sie für ihr Klientel weiter einfach vorhalten wollte. Dafür sollten dann aber alle Webzugriffe alle Bürger in Deutschland permanent überwacht werden, damit man mit roten Schildchen auf die Existenz des Drecks hinweisen sollte).
        Der wirre Administrator verschwand nach dem Wochenende und die Bürger konnten wieder frei von Geschmackverirrungen ihre Petiotionen diskutieren. Aber in Neusprech formuliert man das mit Unflatbegriffen natürlich anders :-) Ist schon klar :-)
        Die chinesische Regierung übt in Neusprech auch keine Zensur aus: sie schützt ihre Bevölkerung.
        „Die chinesische Regierung gibt offiziell vor, nicht anders als viele andere Länder auch, die Bevölkerung vor schädlichen Inhalten (Gewalt, Pornografie, Kriminalität) zu schützen“
        https://de.wikipedia.org/wiki/Internetzensur_in_der_Volksrepublik_China
        Aber es ist so wie beiden Bomben, die wir auf syrische Kinder werfen, wenn wir ihre Städte unbewohnbar machen: Wir sind die Guten! Wir kämpfen für Freiheit und Demokratie!

      2. „WENN jetzt aber ein Seitenbetreiber entscheidet, dass er/sie meine Arschlochkommentare auf seiner Seite nicht haben will, ist es sein/ihr gutes Recht.“

        Das gilt aber auch umgekehrt, „WENN jetzt aber eine SeitenbetreiberIn entscheidet, dass er/sie beliebige Kommentare auf seiner Seite haben will, ist es sein/ihr gutes Recht“ und ihr Moralapostel habt nicht zu motzen und den Betreiber nicht zu Änderungen zu nötigen.

        Ihr könnt euer eigenes virtuelles Haus mit eigenem Hausrecht aufmachen. Zwingt euch ja keiner dort hinzugehen. Wem die Fratzenkladde nicht gefällt, der muß ja nicht mitmachen.

        Richte Dir einen eigenen Diaspora Server ein und schon hast Du Ruhe, Du bist dann halt in digitaler Diaspora! :)

    5. Man hätte diesen Kommentar zum Artikel machen sollen. Wer ins Internet (auch Facebook) geht, geht auf die Straße und dort bin ich dafür verantwortlich wie ich mit dem umgehe was ich dort sehe, höre und sage.
      Ich habe das Recht, jeden anzuzeigen der Recht bricht und dann haben sich die Behörden darum zu kümmern und niemand anderes. Es ist das Problem des Staates den Rechtsbrechern habhaft zu werden und das ist dann wieder eine ganz andere Geschichte. Zensur im Internet ist wie das Reden auf der Strasse zu verbieten.

      1. Es geht hier immernoch nicht um Zensur! Es geht darum Menschen das Recht einzuräumen in ihrem eigenen Garten Unkraut zu jäten ohne dass sich ein selbstverliebter Mob bildet der gleich „Zensur, zensur“ schreiht, weil sie sich (unberechtigter Weise) in ihrer „Freien Meinungsäußerung“ beschränkt fühlen (was wie von mir bereits dargelegt völliger Schwachsinn ist). Ich bin es langsam wirklich leid das jedesmal wenn davon gesprochen wird die rechte Scheisse aus dem Internet zu tilgen, davon gesprochen wird dass irgendwessen „freie Meinungsäußerung“ eingeschränkt wird. Wenn ich auf der Straße höre wie gehetzt und beleidigt wird mache ich auch den Mund auf, selbst wenn ich dann Gefahr laufe für meinen „Zensurversuch“ aufs Maul zu kriegen. So Mancher wiegt sich mit dem was er im Internet, wo ihn niemand dafür zu Rechenschaft ziehen kann (Anonymität, Mangel physischer Kopräsenz), so von sich gibt in einer zu großen Sicherheit… man KANN im Internet in den entsprechenden Kreisen, ALLES sagen, egal wie menschenverachtend, abstoßend oder hetzerisch das ist. Das ist ein problem, welches die ganzen „Zensur-Schreier“ nicht sehen wollen, die Zensur einfach schlicht damit verwechseln, dass Seitenbetreiber für sich beanspruchen einem Arschloch die Tür zu zeigen. https://xkcd.com/1357/

      2. @Toji: Es ist kein Problem, wenn ein Seitenbetreiber sein selbstgewähltes Hausrecht durchsetzt, es ist vielmehr das Problem, dass ihr Moralapostel Seitenbetreibern euer moralinsaures Neusprech-Hausrecht vorschreiben wollt.

        Dann ist es aber kein Hausrecht mehr, sondern eure Vorschrift. Verstehst Du das Problem?

  3. Ich verstehe, wie ihre Ausführungen Sinn machen in Bezug auf die „Neuankömmlinge“ im Internet, die es nur hier her geschafft haben, weil die Eintrittsbareierren mittlerweile so gering sind. Meine Befürchtung ist jedoch, das Politiker (und die Autorin?) meinen, man müsste dem ganzen Internet eine gewisse Diskussionskultur auferlegen.

    Wenn man so will haben die „Ureinwohner des Netz“ ihre eigene Kultur, die von Außenstehenden nicht verstanden wird. Sollten Posts von Open Source Legende Linus Torvaldes gelöscht werden, wenn sie Aussagen, wie die folgenden, beinhalten ?

    * Of course, I’d also suggest that whoever was the genius who thought it was a good idea to read things ONE F*CKING BYTE AT A TIME with system calls for each byte should be retroactively aborted. Who the f*ck does idiotic things like that? How did they noty die as babies, considering that they were likely too stupid to find a tit to suck on?

    oder

    * Whoever came up with „hold the shift key for eight seconds to turn on ‚your keyboard is buggered‘ mode“ should be shot.

    oder

    * A lot of people still like Solaris, but I’m in active competition with them, and so I hope they die

    (Quelle: https://en.wikiquote.org/wiki/Linus_Torvalds)

    Wikiquotes liefert in diesem Zusammenhang noch ein weiteres passendes Zitat von Linus:
    „Because if you want me to „act professional“, I can tell you that I’m not interested. I’m sitting in my home office wearing a bathrobe. The same way I’m not going to start wearing ties, I’m *also* not going to buy into the fake politeness, the lying, the office politics and backstabbing, the passive aggressiveness, and the buzzwords. Because THAT is what „acting professionally“ results in: people resort to all kinds of really nasty things because they are forced to act out their normal urges in unnatural ways. „

    1. Korrekt. Irgendjemand hat im Verlauf ihrer Ausbildung vergessen der Autorin den Begriff der Meinungsfreiheit zu erklären und inhaltlich nahezubringen.

      „Es ist eben ein Irrtum, das im Internet jede Stimme und jeder User gleich schützenswert ist“

      Die Autorin sollte mal ein paar BVerfG Urteile zur Meinungsfreiheit lesen, es ist halt jede Meinung erst mal gleich frei und gleichwertig als Ausdruck der sie äußernden Persönlichkeit.

      Aber so ist das wohl, wenn Soziologen auf eine Rockerparty wie das Internet kommen, wo alle bei Lichterkette nur an Licher-Kette denken! Prost! Pech, falsche Adresse, weitergehen, es gibt im freien Netz nichts für Berufskritiker zu sehen!

      Liebe arrogante Sozial- und Geisteswissenschafts-N00bs, baut euch halt euer eigenes Ponyhof-Netz auf und dann ists auch gut! Und keine Sorge, ausser euch geht da eh keiner hin, da bleibt ihr schön gepflegt alleine. Der Bär tanzt natürlich nicht in eurem Zoo, der will frei sein. Neht am besten Diaspora dafür als Grundlage, da ist der Name schon Programm!

      Wer das gute alte Sex, Drugs and Rock’n Roll Internet disst, der ist selbst ein kulturloser Hater! F***t euch doch selbst ins Knie, ihr WeicheierstöckInnen, SchattenparkerInnen, WarmduscherInnen und maulenden Myrten, to whom it may concern! Und den Flame-Stiefel hier kann sich anziehen, wem er passt!

      Schönen Abend weiterhin! :)

      1. Meinst du das ernst? Dann ist jetzt meine Meinung, dass deine doch ziemlich unreflektiert ist. Jeder darf seine Meinung haben, gleichwertig sind sie nicht.

      2. Es geht doch nicht um ein „Ponyhof-Netz“. Es geht um eine Diskussionskultur, die ohne Moderation manchmal völlig danebengeht. An welcher Stelle fordert Frau Brodnig denn die Abschaffung des Internet?

  4. Damit sind dann auch alle Ideen einer crowd bzw Schwarmintelligenz hinfällig denn wenn es nur eine unzahl von Echokammern gibt die sich untereinander ablehnen bzw gar bekämpfen dann gibt es dieses für eine „Schwarmintelligenz“ notwendige Gemeinschaftsgefühl im Internet gar nicht.

    Man erinnere sich da nur an den Untergang der Piratenpartei, hunderte kleine Grüppchen die sich gegenseitig im Shitstorm zerfleischt haben, die endloss flamewars der Linux Anhänger verschiedener Distributionen untereinander usw. Durch nicht öffentliche Plattformen wie Facebook wird dieser Effekt freilich noch verstärt was wohl auch dazu beiträgt das die Heftigkeit der Konflikte zunimmt.

    In der klassischen Welt wird die Gemeinschaft durch die gleichgeschalteten Massenmedien erzeugt, z.B. indem über Zeitungen, Radio, Fernsehen nur demokratische Weltbilder verbreitet werden und Hetzer und Fanatiker keinen Platz für ihre Meinungen erhalten. Im Internet findet diese Gleichschaltung nicht statt, hier kann eben auch jeder Nazi, Verschwörungstheoretiker oder ISIS Terror Symphatisant seine Inhalte einem Millionen Publikum vorführen. Die Folge ist eben das durchgeknallte bis totalitäre Ideen wieder auf mehr Zuspruch stoßen als dies in einer demokratisch kontrollierten Medienlandschaft bisher der Fall war.

    Ich würde sogar sagen das diese Tendenz im Zweifelsfall Demokratiegefährdend ist, die Filterbubles und Echo Kammern müssen aufgebrochen werden um die Entstehung von geschlossenen Weltbildern zu verhindern, ansonsten passiert mit der Gesellschaft irgendwannmal das was mit der Piratenpartei passiert ist.

    1. Seltsam, wie sich beim Linux Nerd Verschwörungstheorie in vernünftige Gedanken mischt. Also: gleichgeschaltete Massenmedien sind ein Merkmal von Diktaturen. Derzeit sind einige Länder auf dem Weg in solche totalitären Zustände: Russland, Ungarn, die Türkei, neuerdings Polen. Bei uns würde Gleichschaltung drohen, wenn Afdisten und Pegidisten an die Macht kämen und eine durchgeknallte LaPenne-Karikatur wie Tatjana Festerling wirklich mit der Mistgabel auf Andersdenkende losginge und davon nicht nur fabulierte.
      In der Demokratie gibt es keine Gleichschaltung – was man daran sieht, wer da so alles auf verantwortungsloseste Weise Menschen gegeneinander aufhetzt, ohne dass seine Publikationen verboten würden. Die größten Papier-Lügenpressen rotieren im Auftrag von Kopp, Sezession & Co., doch der mit Abstand größte Umschlagplatz für bösartige Erfindungen ist natürlich das Web.
      Was demokratische Medien einander ähnlich macht, ist ein gewisser Grundkonsens. Und der stützt sich in den meisten Fällen auf Faktenwissen, Erfahrung, ethisch fundierte Abwägungen sowie Respekt vor anderen Sichtweisen und Weltanschauungen.

      1. Ich geb zu, der Begriff „Gleichschaltung“ war sehr unpassend, hätt ich anderst formulieren sollen.

        Es geht darum das in der klassischen Medienlandschaft, Rundfunk, TV, Zeitungen usw eben eine Redaktionelle Ausrichtung erfolgt die dafür sorgt das Radikale, Spinnerkram usw eben ausgeschlossen wird und keine Erwähnung findet. Im Internet findet diese Kontrolle eben nicht mehr statt so das Extremismus einen breiteren Nährboden hat als in der analogen Medienlandschaft.

        Ein Problem das irgendwie gelöst werden muss, und zwar möglichst ohne Zensur und Überwachung eben indem man immer alternative Informationen in die bubbles einstreut um zu verhindern das sich Gruppen zu sehr in eine Richtung radikalisieren.

    2. Nerdy, es gibt nicht nur „einen Schwarm“, so wie es auch nicht nur ein Volk, ein Reich,einen Verführer, ein Betriebssystem und eine einzig wahre Programmiersprache gibt! :)

      Es gibt viele Schwärme, Soziologen nennen solche Anhäufungen von ähnlich interessierten Menschen Gruppen, größere auch gerne Subkulturen. Seit wann ist Vielfalt ein Problem?

  5. YouTube leidet für mich auch extrem unter der selbstgeschaffenen Filterbubble.
    Google weiß mittlerweile ziemlich genau, dass ich mich für politisches Kabarett, Rechtsextremismus und religiösen Fundamentalismus interessiere. Aber wenn ich mal nichts dergleichen sehen möchte, macht YouTube es mir unmöglich, vernünftige Inhalte zu finden – ich muss vorher wissen was ich sehen will, damit ich es gezielt suchen kann. Manchmal will ich mich aber einfach nur inspirieren lassen. Ja, ich will tatsächlich „Zappen“, aber YouTube bietet mir diese Möglichkeit nicht. Und auch wenn ich fest davon überzeugt bin, dass das typisch lineare Fernsehen in relativ kurzer Zeit zur Randerscheinung verkommen wird im Angesicht von VoD, ist fehlendes Zapping ein echter Nachteil im Streamingbereich. YouTube bietet zwar ganz oberflächlich die Trends an. Die sind aber unerträglich: Außer Let’s Play, Schminktipps und Besoffene auf Partys ist nichts zu finden – was einen nebenbei bemerkt echt bedenklich stimmt bzgl. der Interessenslage junger Menschen.

    Hier muss auf jedenfall noch etwas geschehen. Sonst ist die Filterbubble ja unsichtbar, aber bei YouTube komme ich mir vor, als würde ich in einer Glaskugel sitzen aus der ich verzweifelt versuche auszubrechen, aber YouTube lässt mich nicht.

    1. Ich sag dir, was YouTube dir auf der Startseite anbietet, wenn du deine Filterblase resettest: „Let’s Play (aber nur Minecraft), Schminktipps und Besoffene auf Partys.“ Ach und die Clips eines Musikvideoanbieters, der regelmäßig am Meisten zahlt für den Startseitenplatz.

      Das ist wohl der Rückzug in ein homogenes Grüppchen, das aus kommerziellem Interesse anschließend auf alle Anwesenden ausgebreitet wird.

  6. Vieles von dem ist richtig. Allerdings fehlt jene entscheidende Kleinigkeit die eine überzeugende Erklärung, oder besser noch eine überzeugende Rechtfertigung für die Einschränkung der Meinungsfreiheit überzeugend darstellt!
    Als Gefahr, wird eine unbewiesene Isolierung der „gefährdeten User“ dargestellt, noch dazu werden die zusätzlichen ebenfalls verstärkend wirkenden sonstigen Informationsquellen wie z.B. das Fernsehen, unzulässig ausgeblendet bzw. kleingeredet. Ja es mag sein, dass sich andere, wegen meiner auch fragwürdige Meinungen und Überzeugungen leichter verfestigen, ja es mag sein, dass sich daran „Pseudo-Verantwortliche“ stören, aber letztendlich geht es um unser aller Freiheit!
    Die Abwägung zwischen einem Szenario, dass man so schon in George Orwell’s „Nineteen eighty-four nachlesen konnte, und dem Anspruch auf Freiheit und Selbstbestimmung bleibt in dem Kommentar hinter einem notwendigen Maß zurück.
    Mit ein paar Spinnern, Hetzern, Hasspredigern kann ich leben, mit der „ThoughtPolice“, die meine Meinung als „CrimeThink“ erklären kann, nicht!

    Dazu etwas Aktuelles:
    Noch gestern hieß es bei #hartaberfair, eine politische Einflussnahme gibt es nicht!
    Schon merkwürdig wie die Tatsachen manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Hintergrundinformationen versehen werden. Auf der einen Seite passieren selbst erfahrenen Journalisten wie Anja Reschke, Claus Kleber und Co. immer wieder „Zufällige“ Berichte, denkwürdige Formulierungen, gefälschte Videoberichte etc. die, wie sollte es auch anders sein, dem „Aktualitätsdruck“ geschuldet sind, auf der anderen Seite spielt dieser ansonsten allgegenwärtige „Aktualitätsdruck“ bei der Berichterstattung zu #kölnhbf irgendwie gar keine Rolle. Selbst der #hartaberfair Faktencheck macht mehr als deutlich, wie wenig objektiv, ausgewogen und ehrlich selbst eine Prüfung von #Tatsachen verlaufen kann.
    Gerne wird den Social Media Plattformen und damit auch den Usern die #Nachrichtenkompetenz, was immer das auch sein mag, abgesprochen. Schließlich verfügen nur „professionelle Medien“ über die dafür notwendige, teure und angeblich zur Wahrheit verpflichtete Infrastruktur. #Zweifler, das Superlativ dazu, folgt man dem Profi Claus Kleber, lautet #Nazi, werden alternativlos in die Ecke der ungebildeten, dummen, unmündigen Bürger gestellt. Klar, auf Nachfrage des Allmächtigen Herrn Plasberg hat sich Herr Kleber dafür bei ihm entschuldigt. Komisch, während der Sendung wurde Herr Gauland noch vehement hinterfragt, ob er seine Falschbehauptung auch gegenüber den Demonstranten zurückgenommen hat, diese Frage stellte sich für Claus Kleber wohl zu keinem Zeitpunkt, obwohl er immerhin mit seinem Kommentar ein Millionen Publikum manipulierte, während es sich bei Herrn Gauland ja lediglich um ein paar verwirrte Pegida Demonstranten handelte. Ist dass ausgewogen, ist dass unparteiisch, ist dass objektiv, ist dass professionelle öffentlich-rechtliche Berichterstattung?

    Eine „Befähigungsprüfung“ wird gerade jetzt auf Facebook in Form einer #MeinungsPolizei umgesetzt
    Der Bürger wird sich demnächst, folgt man der zuvor beschriebenen Logik, einer Wahlberechtigungsprüfung unterziehen müssen, denn bei soviel Dummheit wird eine Überprüfung seiner Wählerkompetenz unausweichlich sein. Schließlich gilt es sich mit allen Mitteln einer ungeliebten politischen Alternative zu entledigen.

    Ich appelliere an alle Journalisten, werden oder bleiben Sie #Zweifler, lassen Sie das George Orwell Szenario nicht weiter voranschreiten!

    In Zeiten wie diesen, muss ich mich immer wieder an meine Deutschlehrerin erinnern…

    Wer aktuell die Nachrichten, die Talkshows und Presseberichte verfolgt, der hat zwangsläufig ein Déjà-vu…
    Geht es nur mir so?

    @Anja Reschke spricht bei #hartaberfair von „Zufällen“ in den deutschen Nachrichtenformaten, @Heiko Maas führt eine „Meinungspolizei“ für #Facebook ein, @Claus Kleber macht aus #Zweiflern #Nazis….
    So arbeiten also Journalisten, für sie sind Nachrichtenfälschungen ein legitimes Mittel um #Facebook zum Ort von „Verbrechen“ zu machen. #Facebook ist Gefährlich, weil du Dinge liest und erfährst die niemand auf ihre Richtigkeit überprüft hat…
    Also nach guter #GeorgeOrwell Sitte, nicht von den Medien, ääähm der „#ThoughtPolice“ – der „#MeinungsPolizei“ geprüft wurden.

    Aus „Nineteen eightyfive“ by George Orwell
    „Only the Thought Police mattered.“
    „The Ministry of Truth–Minitrue, in Newspeak [Newspeak was the official language of Oceania.“
    „They were the homes of the four Ministries between which the entire apparatus of government was divided. The Ministry of Truth, which concerned itself with news, entertainment, education, and the fine arts. The Ministry of Peace, which concerned itself with war. The Ministry of Love, which maintained law and order. And the Ministry of Plenty, which was responsible for economic affairs. Their names, in Newspeak: Minitrue, Minipax, Miniluv, and Miniplenty.“
    http://gutenberg.net.au/ebooks01/0100021.txt

    „Leser von Orwells „1984“ werden zweifeln, dass man mit der Methode „THINKPOL (Thought Police) contra CRIMETHINK (thoughtcrime)“ den vom Minister angestrebten „inneren Frieden unserer Gesellschaft“ und den „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ sichern kann…
    Freilich, es kommt darauf an, was man unter „Frieden“ und „Zusammenhalt“ und „unserer Gesellschaft“ versteht.
    In „Newspeak“, der neuen Sprache, an der man in Orwells Romanwelt arbeitet und die bis zum Jahr 2050 die alte völlig ersetzen soll, gibt es derartige Wörter gar nicht mehr und Texte wie der folgende aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung lassen sich in diese Sprache auch nicht mehr adäquat übersetzen:

    WE HOLD THESE TRUTHS TO BE SELF-EVIDENT, THAT ALL MEN ARE CREATED EQUAL,
    THAT THEY ARE ENDOWED BY THEIR CREATOR WITH CERTAIN INALIENABLE RIGHTS,
    THAT AMONG THESE ARE LIFE, LIBERTY, AND THE PURSUIT OF HAPPINESS.
    THAT TO SECURE THESE RIGHTS, GOVERNMENTS ARE INSTITUTED AMONG MEN,
    DERIVING THEIR POWERS FROM THE CONSENT OF THE GOVERNED.
    THAT WHENEVER ANY FORM OF GOVERNMENT BECOMES DESTRUCTIVE OF THOSE ENDS,
    IT IS THE RIGHT OF THE PEOPLE TO ALTER OR ABOLISH IT, AND TO INSTITUTE NEW GOVERNMENT…

    Was einer Übertragung noch am nächsten käme, wäre laut Orwell die Zusammenfassung der ganzen Passage in dem einen Wort: CRIMETHINK.

    http://gutenberg.net.au/ebooks01/0100021.txt
    Orwells „1984“ mit dem Anhang über „Newspeak“ – eine „unverzichtbare“ Lektüre“

  7. Dieser Artikel scheitert auf mehreren Ebenen.
    Wenn die Autorin von Internet spricht, meint sie World Wide Web. Um dann von einem Phänomen zu sprechen, welches sich auf eine noch kleinere Unterkategorie beschränkt: Social Media.
    Egalität im Netz kann sinnvoll nur auf die technische Ebene bezogen werden, also wenn es um Netzneutralität geht. Oder, wenn man von der Egalität der handelnden Subjekte spricht. Das hat aber nichts mit dem „Internet“ zu tun, sondern mit der Aufklärung.
    Selbst im wissenschaftlichen Diskurs, also einem diskursiven Raum, der, die von der Autorin skizzierten notwendigen Eigenschaften einer „gelungenen Diskussionskultur“ längst als notwendige Bedingung implementiert hat, ist empirisch längst aufgezeigt, dass sich neue Erkenntnis selten qua Argument verbreitet, sondern vielmehr die veralteten Ansichten mit den, sie Lehrenden aussterben.
    Schon ihr Begriff von Sprache ist grundlegend falsch. Sprache dient nicht singulär der Aushandlung von Erkenntnis. Die Sprechakttheorie hat das schon vor sehr langer Zeit gezeigt. Sprechen/Schreiben ist immer auch soziales Handeln. Sprache kann die Welt nicht abbilden wie sie ist und das ist auch nicht der Sinn von Sprache. Verschiedene qualitative Dimensionen von Aussagen können also auch nicht ausschließlich an den Wahrheitswerten von Aussagen bemessen werden.
    Wenn von Diskursen (auch im „Internet“) gesprochen wird, sollte der relationale Charakter von Sprache und die damit einhergehenden sozialen (Handlungs-)Dimensionen nicht komplett außer acht gelassen werden, oder genauer, es sollte nicht behauptet werden, Qualitäten von Aussagen ließen sich durch Elimination sozialer Implikationen steigern. Mir scheint dem ein überkommener Idealsprachbegriff zu Grunde zu liegen.
    Dieser Beitrag schadet der Debatte mehr, als er nützt.
    Wer glaubt, Diskurs „im Internet“ von Diskurs in „der Welt“ trennen zu können, hat noch immer nicht verstanden, was „das Internet“ ist, oder glaubt, es wäre kein Teil „der Welt“.
    Die technische Ebene des Netzes schafft tatsächlich eine Egalität für Information, nämlich dahingehend, dass (mit allen sprachlichen bedingten Implikationen) Information nach Jahrhunderten der notwendigen Hierarchisierung zur Wiederauffindbarkeit (und sei es nur alphabetisierte Ablage) und somit leichterer Kontrolle des Zugangs zur Information, durch eine horizontale Ordnung von Information durch Taggen/Etikettieren ergänzt wurde. Die Möglichkeit Information horizontal zu organisieren und wiederauffindbar zu machen beschreibt einen kategorischen Medienwandel, der auch reziprok auf soziale Beziehungen rückkoppelt.

    1. Ich weiß nicht, auf wie vielen Ebenen der Kommentar von Dom.i.nik scheitert, auf jeden Fall scheitert er an seinem theorieverquast-technikratischen Soziologendeutsch. All das im Netz, was an sozialer Interaktion (alias Gespräch zwischen Menschen) NICHT in die Kategorie „Social Media im Web“ fällt, kann man getrost als quantité négligeable bezeichnen.

  8. „Im Gegenteil: Online werden häufig jene belohnt, die aggressiv sind“

    Das ist kein neuer Effekt und wird z.B. in der Politik oft und sehr erfolgreich gemacht. Nur das medium ist jetzt ein anderes udn die Basis, weil individueller, breiter.
    Somit wird auch die Anzahl der „Agressiven“ breiter und die Wahrnehmung derer höher, weil man direkt angesprochen wird.

    „Das bedeutet, dass Webseitenbetreiber und Onlinemedien mehr Verantwortung für die Tonalität übernehmen müssen – und möglichst schimpfwortfreie Räume schaffen.“

    Nein müssen sei nicht. Verantwortung geht immer mit Kompetenz einher. Und die Kompetenz liegt hier beim Verfasser.
    Was nämlich passieren würe: diejenigen, die keine „Belohnung“ für ihre Diskussionsführung bekomen, erschaffen einen neuen abgegrenzten Raum, in dem sich sich dann ihre Belohnung holen.
    Die anderen werden das Schimpfen über die „Ungkeichbehandlug“ anfangen und im schlimmsten Fall eine gesetzliche Umsetzung dieser Forderung erarbeiten.
    Und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Denn ich kann meinen Blog, mein Forum auch z.B. nach Großbritannien oder die USA verlegen, in denen Meinungsfreiheit viel höher gewertet wird als in DE.

    Das Problem bleibt bestehen.

    Eine Erhöhung des Diskussionsniveaus ist sehr wünschesnwert und das Prüfen vin Gesagtem heute viel einfacher, als noch vor vielen, vielen Jahren.
    Übrigens: dieses Problem kenne ich in dieser Art nicht, als es mit dem Internet angefangen hatte.
    Man hate eine Art Vorfilter: technisches Wissen und Geld.

    Will ich diese Zeiten zurück? NIEMALS! Denn erst der massenhafte Zugang hat gezeigt, welche absurden Dinge in der Realität existieren.

    Und DARIN sehe ich das eigentliche Problem: viele wollen DAS nicht wahrhaben!

    1. Ein sinnvoller Beitrag. Im Gegensatz zu manchen hier, die mit Schlagworten um sich zu werfen, hältst du dem Artikel etwas Eigenes entgegen. Bevor ich also selbst in den Verdacht gerate, hier keine Diskussion zu wollen und alle niederzureden, gehe ich darauf ein:

      „Was nämlich passieren würe: diejenigen, die keine „Belohnung“ für ihre Diskussionsführung bekomen, erschaffen einen neuen abgegrenzten Raum, in dem sich sich dann ihre Belohnung holen.“

      -> unbedingt, auf diese Leute kann ich gern verzichten.

      Das mit den Schimpfworten ist nochmal eine andere Sache. Es kommt halt drauf an. An der Idee, dass man Absurdes nun einfach besser sehen kann, ist sicher etwas dran. Den selbstverstärkenden Effekt gibt es sicher auch.

    1. Noch mal eine Auseinandersetzung mit dem Beitrag, so wie es sich gehört. Ich kann da weder einen wissenschaftlichen Anspruch, noch einen gesunden Menschenverstand oder technischen Hintergrund erkennen. Was jetzt, facebook, Internet, Flüchtlinge, Verschwörung, Minderwertigkeitsgefühle, likes, usa, Wikipedia, neue Diskussionskultur, Frauen, überhaupt und so. Na ja. Wer fb als wesentlichen Teil seines Lebens ansieht, damit diesen Anbieter erst zu dem macht, was er ist, der soll dann auch bitte schön damit leben und nicht versuchen, die Schuld bei anderen zu suchen.

  9. Hallo,

    ich möchte nur eines anbringen: Wer an der ungefählichkeit von Impfungen zweifelt, möge sich doch bitte mal mit den zahlreich vorhandenen Impfgeschädigten zu einem Gespräch zusammensetzen. Ich stelle mich gerne zur Verfügung, da ich selbst Geschädigter bin und schon Leute kennenlernte, die wegen der Kinderlähmungsimpfung in den Rollstuhl gezwungen wurden, den sie zudem nur noch mit einem Joystik steuern konnte!

    Kritische Informationen zum Thema sind leider in der Mainstreampresse fast völlig ausgeblendet. Das führt dann zur Situation, dass die Schweizer sich recht locker über den Tisch ziehen liessen, als sie über den Impfzwang an der Urne abstimmten. Und nun haben wir den Salat, eine im Gesetz verankerte Stigmatisierung von Leuten, die der verdammten Pharmamafia in Basel nicht vertrauen will.

    In Deuschland ist das Impfzwangthema ja auch gerade aktuell. Da ihr darüber nicht selbst befinden könnt, wage ich mal zu behaupten, dass euch bald dasselbe Schicksal blüht wie den Schweizern, Grund genug, mein Mitgefühl auszudrücken.

    Liebe Grüsse,
    Garuda

    1. Ja und?
      Was hat das jetzt mit diesem Beitrag zu tun?
      Niemand – der etwas von dem Thema versteht – behauptet, Impfungen seien ungefährlich. Nur ist das Risiko eines Schadens ungleich geringer als die Folgen einer Nicht-Impfung.
      Und es würden wesentlich mehr Leute im Rollstuhl sitzen, wenn nicht gegen Kinderlähmung geimpft werden würde.
      Grüße an die „Impfleugner“ von der „Pharmamafia“

  10. Ich schlage folgenden Feldversuch vor:

    In der Wikipedia mit einem neutralen Namen anmelden und sachlich und hoeflich Feminismus- bzw. Genderkritik in den entsprechenden Artikeln unterbringen damit diese auch mal ansatzweise neutral werden (z.B. beim „Gender Pay Gap“). Also nicht in der Form „Gender Pay Gap _ist_“ mit einem minimalen Absatz „Kritik“, welcher auch noch sofort relativiert wird, sondern richtig neutral: „Gender Pay Gap ist ein politisches Schlagwort mit welchem behauptet wird“.

    Wer das versucht, warne mich bitte vor, ich werde ab dann erstmal mein Internet ausschalten. Den Strom am besten auch, wenn ich mir das recht ueberlege.

      1. Es hat doch lediglich knapp 7 Stunden gedauert, bis bens darauf einen hasserfüllten, herablassenden Kommentar auf diesen Artikel verfasst hat. Der Feldversuch war also noch nichtmal nötig.

  11. Der Sachverhalt ist ungeheuer schwierig, weil wir die Folgen der saalschlachtartigen Debatten noch gar nicht überschauen. Ob die Zunahme (rechts-)populistischer Bewegungen in Europa damit zusammenhängt, ist auch nicht klar. Dass wir es mit einer Destabilisierung der Demokratien (aber auch der Diktaturen!) zu tun haben, hört man immer öfter (interessant fand ich dies hier: http://www.bloombergview.com/articles/2015-12-28/democracy-s-destabilizer-tmi ) oder auch diesen Beitrag in der Wahington Post neulich (https://www.washingtonpost.com/opinions/mark-zuckerberg-could-spend-45-billion-on-undoing-facebooks-damage/2015/12/10/4b7d1ba0-9e91-11e5-a3c5-c77f2cc5a43c_story.html) .
    Die Debatte muss geführt werden. Aber vielleicht doch etwas vorsichtiger? Das bedeutet: mehr Fragen stellen, weniger Antworten geben (es gibt eine offene Plattform, die erstaunlich frei von „Schimpfworten“ geblieben ist – Quora. Das Geheimnis scheint zu sein, dass dort überraschende Fragen gestellt und beantwortet werden müssen – vielleicht sind “ eingeschränkt eloquente Menschen“ auch dadurch charakterisiert, dass ihnen keine überraschenden oder wichtigen Fragen einfallen?).
    Daher möchte ich ein paar Fragen ergänzen.
    1. Stimmt es, dass das WWW oder Social Media bestimmten gesellschaftlichen Gruppen erleichtert sich abzuschotten und gegenseitig aufzuschaukeln? Es scheint einerseits so zu sein, andererseits gibt es nirgendwo weniger Möglichkeiten sich geistig einzumauern, als im Internet. Das Netz reißt ständig Mauern ein, springt einfach drüber. Daher ist das Netz auch der größte und unerbittlichste Korrekturmechanismus, den die Menschheit in ihrer prinzipiellen Neigung zur Ignoranz jemals hatte. Es ist sagenhaft, wie das Netz binnen Stunden alles zerpflückt, was zu zerpflücken ist. Daran kommen z.B. auch Rechtsradikale oder „Pegidisten“ nicht vorbei, weswegen die sich schon sehr weit in Eigenbereiche zurückziehen müssen, um ungestört ihrer rechten Hetze oder rechten Melancholie (auch so etwas gibt es) frönen zu können (typischer Dialog mit Journalisten: „Darf ich Sie etwas fragen?“ – „Nein.“) Auf den offenen Plattformen, namentlich Facebook, fliegen dagegen jedem sehr schnell seine Dummheiten um den Kopf. Dieses Herumtoben sieht ungeheuer hässlich aus, praktisch finden aber auch dort Klärungsprozesse statt uoder werden angestoßen. Sie schreiben: „Wohl aber ist (das Internet) wie ein Katalysator, der gesellschaftliche Entwicklung schneller vorantreibt.“ Genau das ist auch meine Vermutung schon seit längerer Zeit. Es ist schwer, Beispiele dafür zu finden (etwas findet sich hier: https://plus.google.com/+FritzIversen/posts/WNQfuHdmMPt ) , möglicherweise sind die enormen weltweiten Fortschritte der Schwulenbewegung in den letzten 15 Jahren ein anderer Fall von „Diskussionsbeschleunigung“. Diese Beispiele würden in Frage ziehen, dass die Menschen sich im Netz unversöhnlich polarisieren – tatsächlich finden nach meiner Beobachtung extrem viel mehr Kontakte zwischen ehedem völlig abgekapselten Milieus statt als je zuvor. Die Leute bündeln sich da zwar stärker, aber niemand entgeht den Debatten, egal wie sachlich oder blöd die gerade sind.
    2. Ist Agressivität unbedingt schlecht? Überraschende Frage … ich bin mir aber einfach nicht sicher. Wenn agressive Posts mehr Likes kriegen, heißt das ja auch, dass mehr Menschen sich emotional in ein Thema involvieren und Stellung beziehen. Es bleibt dann im Netz nicht aus, dass sie auch die Gegenstellungnahmen wahrnehmen, auch Gegenargumente. Wer sich abschotten will, ist in Sopcial Media einfach an der völlig verkehrten Stelle – der muss sich hinter Schloss & Riegel privatisieren. Logischerweise gibt es immer einen Rest, der weiterhin auf seiner Borniertheit beharrt und das Brett vor dem Kopf nicht hergeben will. Ein großer Teil ist aber auch „liquide“ und wird mit der Zeit abgewogener im Urteil. Ich *vermute*, dass die meisten Netz-Teilnehmer eher liquide als verhärtet sind und sich daher in den Debatten die Gewichte ständig etwas verschieben, aber das wäre einmal auszuforschen.
    3. Wieweit ist überhaupt Text für die übertriebene Aufregung zuständig? Wo kommt die „Energie“ her , sich in die Debatten zu werfen? Bei den Antifeministen und männlichen Chauvinisten hat sie ja wenig mit dem Netz und mutmaßlich viel mit Psychologie, Umbrüchen in der Gesellschaft, Unterlegenheitsgefühlen, kommunikativer und emotionaler Ohnmacht gegenüber schlaueren Frauen etc etc zu tun. Darüber kann man sich ärgern, davor kann man sich ängstigen – der Witz ist aber, dass der männliche Chauvinismus sich im Netz so laut und „klar“ zeigt, dass er peu a peu geschreddert werden kann. Etwas, was psychologisch so tief drin sitzt, verschwindet natürlich nicht binnen zwei Jahren, aber im Netz – und hauptsächlich dort! – wird es nach und nach aufgerieben, immer wieder umgeälzt und zermahlen (teilweise primitiv reflektiert, aber es entkommt niemand seinen Widersprüchen, derzeitig gerade die reaktionären Chauvinisten, die sich so entschieden gegen sexistische Vorfälle aufregen wollen, dass sie zum ersten Mal überhaupt darüber nachdenken, welche Formen von Sexismus schon lange nicht mehr tolerabel sind – plötzlich ahnt da jemand etwas). Ein anderer Aspekt sind überigens Bilder, die möglicherweisse politisch viel gefährlicher „argumentieren“, als das Worte je könnten, weil ihr emotionaler Subkontext viel direkter und diskussionsfreier psychische Reaktonen hervorruft (siehe hier dazu etwas zu Nachrichtenbildern in TV, die erstaunlich „zurückgeblieben“ sind hinter den heutigen Möglichkeiten: https://goo.gl/bcbGIx )
    Zum Schluss ein allgemeines Wort zu Ihrem Beitrag: Es ist ein wunderbarer Beitrag zur Diskussion. Ich habe das Gefühl bzw. die Vermutung, dass sie in einigen wichtigen Aspekten die Dinge nicht richtig sehen, d.h. ich habe Zweifel, aber jeden Punkt, den Sie ansprechen, steht dringend zur Diskussion an. Das Netz verändert definitiv die bislang gewohnte Politologie der Demokratien (aber nicht nur dieser!), der Bereich der 4. Gewalt funktioniert heute völlig anders als vor 25 Jahren, und weder hat schon irgend jemand begriffen, wie das jetzt genau läuft noch wo es hinführen kann. Auch schlimme Befürchtungen sind leider denkbar.

    1. Spann den Bogen mal noch eine wenig weiter. Unsere politische Welt ist heute weitestgehend sozialdemokratisiert, 1968 hat sich durchgesetzt und ist nach dem langen Marsch durch die Instanzen das neue Establishment.

      Aber ist das denn nun schon das Ende der Entwicklung? Können wir jetzt alles andere verbieten, bloß weil ja „Das Ziel“(tm) erreicht ist?

      Endet damit die Geschichte? These – Antithese – Synthese…

      „Wir“ haben gewonnen, alle Antithesen verbieten? Ist es das was wir wollen?

      https://www.youtube.com/watch?v=DNiCVkutB3k

  12. Echt bitter hier zu lesen, dass die Motivation einiger Kommentare wohl vorallem darin begründet ist, dass die Autorin eine Frau ist. Mir gehen die ganz kleinen Egos von Netzmännern echt auf den keks. Steht mal wieder auf von Euren Stühlen, esst in der Küche anstatt den Burger vor dem Bildschirm zu futtern, ud geht aufs Klo, anstatt einen eimer zum reinpinkeln am PC stehen zu haben.

    1. Hat ja nicht lange gedauert, bis jemand die Sexismus-Keule auspackt und meint, die Autorin beschützen zu müssen, weil sie eine Frau ist.

      Aber vor wem? Ich weiß, dass du großen Hass gegen „Netzmänner“ verspürst, die für dich nur knapp über Neandertalern stehen, aber wo siehst du diese denn, „bens“? Für welchen Kommentar hier war es denn relevant, „dass die Autorin eine Frau ist“?

    2. Anne Wizorek, „Weil ein #Aufschrei nicht reicht“: „Solche Attacken sollen die Betreffenden zum Schweigen bringen. Ziel ist, sie mit so viel Hass zu überschütten, dass sie es am Ende bereuen, sich öffentlich geäußert zu haben.“

      I rest my case.

    3. Nur weil die Autorin eine Frau ist, darf man(n) also nicht unterschiedlicher Meinung sein? Soweit ich das sehe, bleiben die Argumente der Kommentatoren auch dann gültig, wenn man sich den Autor einfach mal als Mann vorstellt. Aber hetzen macht natürlich auch mehr Spaß als auf die Gegenargumente einzugehen.

    4. Ach bens,
      bitte benutze doch mal die Suchfunktion und suche nach Frau in den Kommentaren. Vor Deiner kleinen Hasstirade kommt der Begriff nur 3 mal vor. Jedesmal aber nicht in Bezug auf die Autorin.
      Bitte gehe noch mal in Dich, und versuche herauszufinden, woher Dein Hass kommt :-)

    5. Oder habe ich dass missverstanden?
      Sollte das ein kreativer Kommentar zum Beitrag mit dem Beispiel eines zu löschenden Hassbeitrages sein?
      Manchmal findet ich die Ironie nicht, auch wenn ich sie suche :-)

  13. Man kann wie von der AutorInn angeregt darüber nachdenken mehr zu zensieren, aber Menschen die in der Schule einmal Lernten eine Nachricht nicht nur bei Quelle A zu betrachten sondern sich alternative Quellen anzuschauen haben die meisten der Geschilderten Probleme nicht.
    Es sind eher die Menschen anfällig, die nie gelernt haben nicht nur auf Netzpolitik etwas zu einem Thema zu lesen sondern auch auf alternativen Seiten im Idealfall auf Seiten die von Menschen erstellt worden die bekannter maßen konträr zur eigenen Meinung stehen, oder nicht erkennen das sich schlichtweg einige einen Jux machen rüde und falsch zu argumentieren, in einen Meinungssog zu geraten und blind-links zu folgen.
    Bringt das wieder den Menschen bei und viele Probleme lösen sich dann von selbst auf.
    Es ist immer leicht auf Facebook gegen Pädophile zu liken. nur wer sich mal -gedanken darüber macht warum das blonde Kind im Weizenfeld den rechten Arm gen Sonne streckt erahnt von wem das posting initiiert wurde oder aber diejenigen die nicht blind liken sondern erst-einmal z.B. einen blick auf den Ersteller des postings werfen erkennen das sie eigentlich gerade likes an rechte Stimmenfänger verteilen mit dem Vorsatz etwas gutes beizutragen für die Kinder.

    Menschen sollten von frühster Kindheit an lernen das eine Aussage nicht gleich unumstößlich ist und es mehr als eine Informationsquelle gibt die man zuvor gesichtet haben sollte bevor man anfängt sich seine eigene Meinung zum Thema zu bilden und erst recht zu äußern.
    Das würde viel mehr bringen als stumpf mal wieder etwas Freiheit weg-zu zensieren.
    Jeder Depp könnte drauf kommen bei dem Beispiel der „Grünen“ Politikerin das es ein fake ist, meiner Meinung nach sogar eine lustige, sarkastisch bitter böse, wenn man nicht gleich entrüstet dagegen argumentiert, sondern sich erst-mal ein wenig schlau-machen würde über besagte „Grünen“ PolitikerInn.
    Ich glaube wir haben auch einen Namen für das was wir brauchen anstelle von Zensur, es nennt sich Medienkompetenz und die gehört breit-flächig unters Volk verteilt, anstatt immer neue Wege zu erfinden die Redefreiheit zu zensieren und die Menschen in ihrem handeln einzuschränken bis irgendwann außer arbeiten und unabänderlichen dingen wie scheißen, fressen, saufen und sterben nichts anderes mehr erlaubt ist.
    Leider ist aber so vieles Neuland bei uns seit so vielen Jahren schon und es soll ja wirklich Menschen geben die sich einen Anführer wünschen der das Denken übernimmt u8nd es werden immer mehr je einfacher es wird im Internet Fuß zu fassen. Aber nicht jetzt den letzten Gedanken aufgreifen und die -eintrittshürde wieder erschweren das wäre ebenso der falsche Ansatz wie Zensur.

    Es ist halt schwer Horden von Menschen Medien und Sozialkompetenz beizubringen im Neuland das uns allgegenwärtig umgibt und dem mangelnden Interesse an Bildung (nicht gleichbedeutend mit korrekter Anwendung von Grammatik), Sozialarbeit und Toleranz, trotzdem ist es meiner Meinung nach der einzige gangbare weg hat man Interesse an einer feien demokratischen Gesellschaft.

    1. Es ist halt schwer Horden von Menschen Medien und Sozialkompetenz beizubringen im Neuland das uns allgegenwärtig umgibt und dem mangelnden Interesse an Bildung (nicht gleichbedeutend mit korrekter Anwendung von Grammatik), Sozialarbeit und Toleranz einer verfehlten Bildungspolitik, trotzdem ist es meiner Meinung nach der einzige gangbare weg hat man Interesse an einer feien demokratischen Gesellschaft.
      Natürlich könnte man auch Argumentieren nach Jahrzehnten des Sparkurses bei Bildung und Sozialem erntet man in Zeiten wo es jedem Hinter-wäldler möglich ist seine Meinung mit der Welt zu teilen den Erfolg der verfehlten Politik.
      Es ist nur Logisch darauf nicht mit einer besseren Bildungspolitik zu antworten sondern mit Zensur.

  14. Schräg. Der Beitrag ist doch kein Plädoyer für die Einschränkung der Meinungsfreiheit, wie manche Kommentare erahnen lassen! Es geht lediglich „um die Frage, wie sich die Aggression [im Internet] auf die öffentliche Debatte und unsere Demokratie auswirkt und wie darauf reagiert werden kann.“
    Frau Brodnig stellt heraus, dass es zwar ein paar Ansätze aber keinesfalls eine stets funktionierende Lösung gibt.
    Beschimpfungen sind nun mal eine Form der Agression und natürlich ist Moderation (!= Zensur) eine Möglichkeit der Reaktion, oder nicht?
    Als weitere Formen der Lösung werden ein verändertes Kommentarsystem, eigene Achtsamkeit in Bezug auf respektvollen Umgang und die Präsentation belegbarer Ergebnisse genannt. Mit Sicherheit sind das nicht die einzigen Möglichkeiten aber das wird ja auch nicht behauptet.

    Wie diese Analyse dem Internet schaden kann (Wolfgang Ksoll) oder wie dieser Beitrag auch nur der Debatte schaden kann (Dom.i.nik) ist mir nicht klar. Allein die Vielzahl an Kommentaren zeigt doch wie die Debatte befruchtet wird?
    Ich sehe auch nicht den Teil, in dem die „‚Thought Police‘, [eine] Meinung als ‚Crime Think‘ erklären“ soll (derblauweisse). Keine der analysierten Reaktionen beinhaltet staatliche Kontrolle / Zensur.

    In diesem Sinne: https://xkcd.com/1357/

    1. Anders Bengtsson ja du hast recht aber dennoch formiert sich doch gerade um facebook und twitter herum ein Lager angeführt von Politikern die lieber zensieren wollen als den fehler in verfehlter Sozial-,Medien- und Bildungspolitik zu suchen. Die Art der mir möglichen Artikulation ist der Grad meiner Bildung und erworbener erfahrungen. Daher sollte der Ansatz Medienkompetenz lauten und nicht wie es gerade wieder einmal ausschaut mehr Zensur und Kontrolle.
      für mich lass sich das schon nach einem händeringenden versuch zu erklären warum, wieso alle so „Böse“ sind und es wird klar von nicht schützenswerten Räumen gesprochen die man im umkerschlus wie erschafft? Mit Zensur. Wohingegen mein anstaz war anstat etwas zu Zensieren erstmal die Ursachen zu erkennen die Meinermeinung nach in fehlender Medienkompetenz zu suchen ist die man am einfachsten frühzeitig in der Schule erwerben kann/können sollte.
      Der Kommentar bezog sich übrigens nicht nur auf den Artikel direkt sondern indirekt auch auf die Medienberichter der vergangenen Wochen zu dem Thema.
      „Der Beitrag ist doch kein Plädoyer für die Einschränkung der Meinungsfreiheit, wie manche Kommentare erahnen lassen!“ Nein? Trotzdem wird händeringend nach Lösungen gesucht die aber in oben genannter verfehlter jahrzenhtelanger Politik liegen…

      „Ich sehe auch nicht den Teil, in dem die „‚Thought Police‘, [eine] Meinung als ‚Crime Think‘ erklären“ soll (derblauweisse). Keine der analysierten Reaktionen beinhaltet staatliche Kontrolle / Zensur.“
      Staatliche Kontrolle / Zensur in ermangelung an alternativen Vorschlägen im Plädoyer die logische Konsequenz werden oder?

  15. Leider erweckt die Autorin (aus ihrer Sicht als Frau vielleicht verständlich?) im Artikel den Eindruck, das Internet bestünde aus Männern, die Frauen beleidigen.

    Jeder, der viel Zeit im Internet verbringt, weiß, dass dort Männer Männer beleidigen (absolute Mehrzahl der Fälle) und Frauen Männer und Frauen Frauen. Das Geschlecht ist in den allermeisten Fällen absolut irrelevant und sollte nicht immer wieder herangezogen werden, um aus Streitereien Sexismus zu konstruieren – was bezeichnenderweise ja auch nur dann gemacht wird, wenn ein Mann eine Frau beleidigt / kritisiert, nicht umgekehrt.

    Zu Wikipedia und den Frauen, die sich angeblich neutrale Pseudonyme suchen:
    Kann ich nicht bewerten, da ich nicht bei Wikipedia bin, aber ich selbst musste mir in Blog-Kommentaren schon mehr als einmal einen Frauennamen geben, um überhaupt zu Geschlechterthemen freigeschaltet zu werden. Ich lade auch alle Frauen ein, auf Twitter mal unter einem Männernamen / -avatar mit Feministinnen zu diskutieren.

    Also: beide Seiten haben ihre Probleme und wir sollten aufhören mit dieser Opfer = Frauen = Opfer Gleichung. Sie entspricht nicht der Realität.

  16. Ich finde es persönlich schwierig, genau jenes zu vermischen, was eigentlich grundsätzlich anderen Ursprungs zu sein scheint. Auf der einen Seite wird in diesem Artikel betont, dass Schimpfwörter von kolportierten Rüpeln einigen Kommentaren untergemischt sind. Auf der anderen wird ein System gezielter Diffarmierungen gedeutet und als gegeben angeführt. Ich sehe hingegen für einen Vergleich, für die Komplettierung des einen oder anderen oder auch für die Steigerung des einen zum anderen nicht die Möglichkeit: Beleidigungen hinsichtlich einer personifizierten Präsenz sind anderen Ausmaßes als solche, die Abseits von Sinn und Thema angehäuft werden.
    Ich finde die Anführungen sehr sehr schwierig vor dem Sachverhalt des Schutzes, weil eben Wissenschaft subjektiv ist und mir Toleranz eher in den Sinn gelangt. Natürlich mögen viele Inhalte ganz und gar negativ aufstoßen, aber es ist schwierig Wissenschaft zu objektivieren. Natürlich erachte ich es als problemtaisch, Diffarmierungen gegenüber Grundwerten zu begehen. Aber es ist genau das, was das Internet gegenüber anderen Medien gewichtet: Nämlich die Optionen zum Wechsel des Mediums, der Kanäle und der Moderation. Für eine gesunde Demokratie sind selbst solche, diffarmierenden, Inhalte normal. Der Begriff des Schutzes steht für mich deshalb abseits des Themas.
    Die Zensur des Internets ist ebenso woanders auszumachen, da es technische sowie abstrakte Zensur gibt. Wenn ein Internetgremium, eine -organisation oder eine Behörde reguliert, bewertet oder darlegt, erscheint Zensur als dunkles Eigenleben des Mediums. Aber genau das ist eben Macht und Ausübung dergleichen und nicht etwa Gutdingen von Zuständigen.

    Freundliche Grüße

  17. Ich finde es hochgradig ironisch, wie unter diesem sehr guten Artikel – in dem wissenschaftliche Studien zitiert werden – sich genau das gleiche Trauerspiel abzeichnet, das im Artikel selbst beschrieben wird.
    Die ersten Kommentare werden auf Netzpolitik zuoberst angezeigt. Darin findet sich kaum eine Auseinandersetzung mit dem Artikel, aber ganz viel FUD, was die Moderation von Kommentarspalten angeht. Mit dem üblichen, lächerlichen „Zensuuuur!“-Geschreie – dabei ist Moderation von Kommentarspalten niemals Zensur. Zensur wäre es, wenn der Staat (!) dich davon abhalten würde, deine Meinung öffentlich zu äußern. Aus dem Recht auf öffentliche Meinungsäußerung folgt nicht, dass du das Recht hast *überall* veröffentlicht zu werden, dass dich *jeder* lesen muss. Solange noch andere Stellen existieren, wo du das tun kannst – und dank sozialer Netzwerke und Blog-Anbietern ist das nun wirklich kinderleicht – findet keine Zensur statt, besonders nicht wenn der Staat gar nicht tätig wird. Ich betreibe auch einen Blog und hab kein Problem damit, Kommentare die mir nicht gefallen und die vom Artikelinhalt ablenken zu löschen. Die im Artikel genannten Studien rechtfertigen dieses Vorgehen: egal wie viel ein Kommentar auf die Materie eingeht, sobald die Stimmung der Kommentatoren unfreundlich ist, lehnen dadurch Leute den Artikel stärker ab. Warum sollte ich diese emotionale Manipulation durch Kommentatoren zulassen? Ich schieß mir doch nicht selbst in den Fuß.

    Es gibt zahlreiche Möglichkeiten in Deutschland, die eigene Meinung kund zu tun und das wird sich auch so bald nicht ändern. PEGIDA und andere Rassisten schreien ja auch immer, sie würden zensiert – dabei wird überproportional über sie Bericht erstattet, nur eben nicht so hörig, wie sie es sich wünschen. Eigen- vs. Fremdwahrnehmung, nech.

    Zensur findet also offensichtlich nicht statt. Stattdessen verteidigen Menschen damit allen ernstes das Recht darauf, sich wie ein Arschloch zu verhalten. Gerade in der Nerdszene findet man das oft. Ich kann Linus Torvalds‘ technischen Fähigkeiten und Leistungen gut finden und ihn aber gleichzeitig kritisieren, wie er mit Menschen umgeht. Was da oben in Kommentaren von anon passiert, ist astreine Verteidigung toxischen Verhaltens, das ganz konkret anderen Menschen schadet.

    Und die Nerds folgen wie Schäfchen und lassen sich dafür einspannen. Sie sind immer ganz groß, wenn es um Kritik an kompleen Systemen außerhalb geht. Aber eine Reflektion über die shortcomings der eigenen Communities, und dass dort echte Probleme auftreten? Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass die verboten sind. Ja mehr noch, wer diese Kultur kritisiert wird immer wieder zum eigentlichen Outsider deklariert, der da so eingreift.

    Die Nerdszene wird sich schlicht selbst abschaffen und irrelevant machen, wenn das so weitergeht. Es haben inzwischen so viele Menschen erkannt, dass die Freiheit eines Menschen eben dort aufhört, wo die der anderen anfängt; wo man diese z.B. durch Hasskommentare beeinträchtigt. Gebetsmühlenartig wird wiederholt, man solle sich ja einfach ein dickeres Fell anschaffen und gut is – natürlich sagen das vor allem privilegierte Personen, die niemals erleben mussten, wie krass bedrohlich sich so etwas anfühlt. Von den gleichen Menschen, die lautes Bohei gegenüber der Verhalten verändernden Kameraüberwachung machen, wird negiert, dass scheiße zu anderen Menschen sein und sie auf Twitter bedrohen eben auch Verhalten verändert. Harassment beschneidet die Meinungsfreiheit tatsächlich.

    Wenn die Nerds in der Usenet-„Kultur“ feststecken bleiben, passiert der Fortschritt eben ohne sie. Wer mitmischen will, muss die Probleme ernst nehmen, auch dann wenn Herr Nerd sie selbst nicht erlebt. Sonst macht sie sich selbst in puncto Internet bedeutungslos, denn die Zukunft des Internets wird dann eben von anderen gebaut.

    1. Wenn die Nerds in der Usenet-„Kultur“ feststecken bleiben, passiert der Fortschritt eben ohne sie. Wer mitmischen will, muss die Probleme ernst nehmen, auch dann wenn Herr Nerd sie selbst nicht erlebt. Sonst macht sie sich selbst in puncto Internet bedeutungslos, denn die Zukunft des Internets wird dann eben von anderen gebaut.

      Nö. Es wird (wie immer) genau andersrum sein: Die Nerds werden den Internetnachfolger bauen und die ersten Nutzer sein. Und die anderen werden nachziehen.

      1. Das ist das Problem, die maulenden Myrthen werden uns auch noch ins finsterste Darknet nachdackeln, weil die Party dann halt dort stattfindet und dann dort „mehr Licht“ und „besseres Benehmen“ einfordern. :)

        Und uns weiter mit juristischem Hickhack ohne Hintergrundkennisse auf Wikidingsda Niveau belästigen. Eine „Ausstrahlungswirkung der Grundrechte in das Zivilrecht“ (, so natürlich auch des Zensurverbotes,) fordert man halt nur ein, wenn es einem in den Kram passt, weil man sich mal wieder irgendwie diskriminiert fühlt, wenn dann selbst dissen will, dann stört der Grundrechtsscheiss ja nur…

        Hat Linus auf der LKML selbst das Hausrecht? Klar. Darf er es ausleben? Nein, dann mault Myrthe und bestreitet sein Hausrecht! Selbes Spiel mit Facebonk, dürfen die libertär moderieren? Nein, dann weint Myrthe solange dem Mass die Ohren voll, bis der die auffordert ohne Not (US Recht) die liebe Myrthe zufriedenzustellen… :)

    2. „Mit dem üblichen, lächerlichen „Zensuuuur!“-Geschreie – dabei ist Moderation von Kommentarspalten niemals Zensur. Zensur wäre es, wenn der Staat (!) dich davon abhalten würde, deine Meinung öffentlich zu äußern.“
      „Zensur findet also offensichtlich nicht statt.“
      Tja, nur sind die, die „Zensur“ schreien, vielleicht ein bisschen hellsichtiger.
      Natürlich ist es keine Zensur im Sinne der Definition „Zensur durch den Staat“.
      Vater Staat ist ja auch nicht blöde, er lagert die Zensur einfach aus. Da werden dann Initiativen gegründet wie die „Initiative für Zivilcourage Online“, die dann die „Drecksarbeit“ für Vater Staat machen.
      Dann wird das Internet ein ganz, ganz doller „safe space“ und alles wird gut.

    3. Volle Zustimmung.

      Ich würde mich gern aus der Anonymität heraus für den Tonfall hier entschuldigen.

      Ich halte auch wenig von Zensur, bin Darknetfan und auch gleichzeitig Fan einer gepflegten Diskussionskultur, wie man sie selbst in den hintersten Winkeln des Wild-West-Internet findet, bin dagegen absolut kein Fan von den Pegidioten und Haßgeiferern, die aktuell überall Bestätigung finden, umgehe gern das Waten im ungefilterten Müll, fand den Artikel sinnvoll, sehe darin nicht einmal beim Versuch, ihn böswillig zu lesen, einen Angriff auf irgendwelche Meinungsfreiheit. Niemand hier will euch das Recht nehmen, im Müll zu waten und wer sich gegenseitig mit selbigem bewerfen will, kann das auch weiterhin tun.

      @Redaktion, Ein Kommentarsystem, bei dem der am Besten mahlt, der zuerst und am lautesten seine scheiß-unreflektierten Knee-Jerk-Reaktionen vorträgt ist tatsächlich unzulänglich. Die Kommentarkultur hier stößt mich regelrecht ab. Habt ihr mal darüber nachgedacht, Reddit zum Vorbild zu nehmen? Da gibt es auch unschöne Ecken, aber ein System mit Bewertungen, Editierbarkeit und eventuell auch Moderation (gasp! Zensur! Pfui!) hat dem aktuellen Modell einiges Voraus.

      So flame me.

    4. Noch was, @Natanji, du siehst das Nerdtum zu monolithisch. Man kann sehr wohl und mit der gleichen Berechtigung gegen Kameraüberwachung und gegen Harassment sein. Keine Ahnung, ob die Zensur-Rufer hier mit ihrem Verhalten repräsentativ sind oder ob einige es außerhalb der Kommentarfunktion hier nicht doch deutlich differenzierter sehen.

  18. Wer hilft mir!? Ich kann in dem Artikel nichts finden, was es nicht auch ohne oder ausserhalb des Internets so geben würde, ausser der größeren möglichen Reichweite und dem Verlust von Deutungshoheiten.

    1. Ja, das ist mit das Problem von Ideologen und dem Internet: es fördert den ganzen Wahnsinn einer Gesellschaft zutage.

      Und DAS können sehr viele nicht ab, weil sie sich in Selbstbestätigungsgruppen gegenseitig schön den Rücken streicheln.

  19. Im Standard-Forum sind nur Head-Beiträge chronologisch sortiert. Sobald man auf ein Posting antwortet, erscheint das neue Posting unter dem beantworteten. Ich gehe außerdem davon aus (und ich poste regelmäßig dort und zwar schon seit Jahren), daß Postings mit rüdem Ton oder etwa Beschimpfungen eher Antwortpostings sind. Die Schlußfolgerung der Autorin ist in diesem Fall daher nicht richtig.

  20. Wenn wir als Souverän über unseren Staat allen Menschen erlauben, im weltweit offenen Internet Sites zu betreiben, dann hat der nicht nur Rechte (angebliches Hausrecht ohne Immobilie, Durchsetzung von persönlichem Geschmack, Zensur anderer Meinungen, die eigentlich über Meinungsfreiheit in der Verfassung geschützt weren :-), sondern bisweilen auch Pflichten. Er muss zum Beispiel auch Löschen, wenn ein Richter ihn auffordert. Auch wenn das seinem Geschmack gar nicht passt und er ganz anderer Meinung ist.
    Ein Beispiel aus der Realität: Taxis. Wir haben strenge Regularien, wer alles Taxifahrten anbieten darf (Gebiet, Eignung des Fahrers, des Fahrzeugs usw.). Dann kann er fast machen, was er will. Aber er hat auch eine Beförderungspflicht. Er hat in seinem Taxi kein Hausrecht, wo er nur Leute mitnehmen kann, die nach seinen ethischen, moralischen, sexuellen, hormonellen, sprachlichen, finanziellen Präferenzen seiner Meinung nach gut zu ihm passen. Er hat eine Beförderungspflicht. Wobei die individuellen Beförderungsbedingungen durch staatliche Verordnungen geregelt werden. (Also alles, was UBER nicht wollte, die wollten ihre eigenen Regulierungen schaffen ohne Personenbeförderungsschein, ohne Mindestlohn, ohne Zulassung der Fahrzeuge als Taxis, ohne ärztliche Untersuchung für Taxis :-) Man kann es versuchen. Werden es sich die Bürger gefallen lassen?

  21. „Dass sich manche User in verschwörungsaffine Räume zurückziehen, das wird wohl nur schwer zu verhindern sein. Wahrscheinlich ist es nicht verhandelbar.“

    GEHTS NOCH? Ich werd mich wohl dorthin bewegen dürfen wo ICH will. Und wenn ich wo zensiert werde, werde ich eben von genau dort weggehen. Ich bin doch nicht blöd und stell mich freiwillig in einen Kreis wo mir der Mund verboten wird.

    Das Internet ist kein Kinderspielplatz. Es ist kein Zwangskuschelzoo. Wer es nicht verträgt, konträre Aussagen zu verkraften, hat eben Pech. Toleranz heisst nicht, Dinge die man sowieso cool/nett/leiwand findet die von der Norm abweichen zuzulassen. Toleranz bedeutet eben genau die Dinge die mit dem eigenen Weltbild kollidieren, zuzulassen.

    Hate Speech ist ein heikles Thema. Direkte Aufrufe zur Gewalt gehören geahndet.
    Aber NIEMAND wird mir jemals vorschreiben, meinen Gefühlen nicht Ausdruck verleihen zu dürfen, seien sie positiv oder negativ. Wenn ich der Meinung bin daß die Welt ein besserer Platz ohne eine Frau Glawischnig wäre, dann werde ich diese Meinung äussern, verteidigen und sie mit jedem Zensurversuch noch lauter hinausschreien.

    Redefreiheit und Meinungsfreiheit bedeutet nämlich daß JEDE Rede/Meinung legitim ist, egal wie konträr oder massenuntauglich. Die Autorin klingt genau wie dieses SJW Gesindel das mit Doppelmoral und falschem Rechtsverständniss die freie Diskussion und Kreativität zu untermauern versucht um eine Rosa Welt zu kreieren, die die „offene Diskussion“ will (aber bitte nicht diese oder diese Meinung vertreten weil das ist gaga) – wie war das noch mit dem Confirmation Bias?

    Wie der Spruch nunmal geht: „You sure talk a lot of shit, but i will give my life defending your right to say it“

  22. Oh jeh, die Kommentare. Erstmal vielen Dank für den Beitrag der Autorin. Als Teil der Diskussion finde ich ihn sehr gut in den einzelnen Strängen belegt und sehr angenehm, unaufgeregt formuliert. Ich finde den Text sprachlich sehr leicht verständlich und weit entfernt von „Soziologen-Deutsch“ (kann ich mir nur schwer vorstellen).
    Trauriger weise belegen die Kommentare, die ich in ihrer Länge, Aggressivität, Absurdität, dem-sich-nicht-einlassen schon nach wenigen Minuten nicht mehr ertragen konnte, dann auch gleich einen guten Teil der im Text erwähnten Punkte. Als hätte sich jemand eine bösen Scherz erlaubt.
    Und es hat mir tatsächlich die Lust verhagelt substantielleres zu versuchen beizutragen.

    Eines doch kurz. Das gleichberechtigte Diskutieren in einer Gruppe, noch schwerer in einer Gruppe wechselnder Mitglieder, ist eine soziale Fertigkeit, die immer wiederkehrende, teils aufwendige Arbeit des Erlernens, Übens und des Aufmerksam-Seins benötigt. In anonymisierenden Medien muss zu dem noch auf erleichternde sprachlose Methoden (z.B. Gesten) verzichtet werden, und jeder Kommentar vokalisiert werden. Moderator_innen können dabei helfen selbst gesetzte Regeln und Wünsche einzuhalten. Es gäbe viele Möglichkeiten hier ein Hierarchiegefälle, dass als Zensur oder Unterdrückung empfunden werden könnte, zu vermeiden.

    1. Ohne, daß ich etwas mit Soziologie am Hut hätte: Wer so in den Kreis plautzt, darf sich beim Ruf nach Moderation gern selbst an die Nase fassen.
      Das mit dem „Soziologendeutsch“ bezog sich wohl auf diesen Beitrag: Dom.i.nik 19. Jan 2016 @ 16:45. Eigentlich relativ leicht zu erkennen, wenn man sich nicht durch vorgefasste Meinung selbst beschränkt.
      .
      Wer es schafft, sich selbst in halbwegs zivilisierter Art zu bewegen, hat meist wohl wenig Grund, nach der „höheren Macht“ zu rufen.
      Ich bin der Meinung, daß auch anständiges Benehmen abfärben kann.

    2. Tja das ist halt die self fulfilling prophecy, dass wenn Menschen mit einer anderen Meinung nur aggressiv, absurd und lernunwillig sind, dass man das nicht erträgt, und sich deswegen nicht mehr inhaltlich mit ihnen auseinandersetzen muss. Dann kommen auch solche Sätze, wie: „Und es hat mir tatsächlich die Lust verhagelt substantielleres zu versuchen beizutragen.“ dabei heraus, um zu kaschieren, dass man auch gar nichts substantielles hätte.
      Jede Moderation ist Zensur, weil sie davon ausgeht, dass es „bessere“/“schlauere“ Menschen gibt, als die „schlechten“/“blöden“. Und jeder Freiheitsliebende, der das nicht einsehen will und dagegen sich wehrt, ist dann natürlich auch „schlecht“ und “ blöd“ und gehört zensiert, tschuldigung „moderiert“.

    3. Ich weiss, was du meinst. Mich nervt die Kommentar(un)kultur hier auch, sie ist das Schlechteste an Netzpolitik.org. Befördert durch eben jenes unmoderierte Belohnen des frühen, lauten und ostinaten Brüllers.

      (* dickes fell aus Kevlar überziehend *)

  23. Herzlichen Dank für die Analyse und Darstellung, die ich voll teile, aber hier noch ergänzen möchte. Ich habe auch Howard Reingold gelesen und war begeistert über die Möglichkeiten des Internet. Innerhalb meiner Arbeit im Rechenzentrum einer Hochschule und als ich das usenet und Mailinglists für die Studierenden erkundete, sprach ich mich bereits für Moderation aus. Moderation bedeutet für mich nicht „Zensur“, sondern Förderung von Weisheit, Wissenschaft und Vernunft. Und dieses, mein Begehr wurde insbesondere deshalb sabotiert und in „die Tonne“ gestampft, weil ich eine Frau war/bin und das Internet von Männern dominiert war, die scheinbar ihre Mutter-Kind-Beziehung noch nicht aufgearbeitet hatten. Sie schrien „Zensur!“ und es wurde weiterhin die schlechte Aufhebung der autoritären Persönlichkeit praktiziert.

    Aber nicht nur Feminist*innen warnten vor „Technopatria“, sondern auch Joseph Weizenbaum, u.a. in „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft“. Nun ist es Stephen Hawking ( http://www.heise.de/newsticker/meldung/Stephen-Hawking-warnt-Menschheit-vor-selbstverschuldetem-Untergang-3075237.html ) der Warnungen ausspricht. Internet und www kommen aus dem militärindustriellen Sektor und dienen in ersten Instanz dem Krieg, d.h. dem kapitalistischen Patriarchat. Deshalb ist nicht nur der Krieg – wie ihn Lothringer und Virilio in „Der reine Krieg“ beschrieben haben, allgegenwärtig, sondern auch der Cyberwar bishin zum Einsatz von Killer-Drohnen. Und auf der zivilgesellschaftlichen Ebene laufen die Angriff u.a. mittels #exploit.

    Ohne historische Gesellschaftsanalyse kann mensch die Technologie und die Kommunikations(un)kultur nicht begreifen und imho sieht meine Analyse düsterer aus, als die, die Hawking beschrieben hat. Da ich in alten newsnet-Zeiten (ich stamme aus der Wau-Holland-Generation) auch mit dem „Unabomber-Manifesto“ konfrontiert war (es wurde in vielen linken und anarchisten Foren gepostet), habe ich es eben wieder mal gelesen, u.a. Kapitel „Technologie und Freiheit“ ( http://www.equinox-net.de/wp/wp-content/downloads/unabomber.pdf ). Vielem darin stimme ich zu. Allerdings bin ich keine Anarchistin und habe einen anderen Freiheitsbegriff, wie hier ( http://twi.sh/xlb ). Terrorismus kann niemals ein Mittel im Kampf für Freiheit und Menschenlichkeit sein, sondern ist ein Akt der Verzweifelung. Hoffnungslosigkeit und Verzweifelung sind jedoch Charakteristika des gegenwärtigen globalen Amoklaufes des Patriarchats, inkarniert im IS sowie der Angst- und Panikmache der patriarchalen Medien. Diese verfolgen eine Politik der sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Ein Rückblick auf den Bürgerkrieg in Jugoslawien, jetzt Ex-Jugoslawien, lässt uns erahnen, was nun Kern-Europa bevorbesteht, wenn nicht …

    1. „Und dieses, mein Begehr wurde insbesondere deshalb sabotiert und in „die Tonne“ gestampft, weil ich eine Frau war/bin…“
      Woran merkt frau sowas?

      1. Ich war in den Mailinglists früher oft doppelt m/w. Und konnte dadurch mehr erfahren, was die Jungs so gegen Frauen losließen. Nichtsdestotrotz habe ich mich dagegen ausgesprochen, Leute/Trolle und selbst Sexisten rauszuwerfen.

      2. Liebe Alinka,
        .
        danke für die Antwort und gleich noch die Bitte um Entschuldigung, wegen der unpräzisen Fragestellung. Mich interessierte weniger der Weg der Information, sondern der Sinn oder Wortlaut.
        Hat da also ein Kerl geschrieben: Die Idee ist zwar gut, aber sie kommt von ner Frau und ist daher abzulehnen. oder Alinka kann ich nicht leiden und daher kann ich selbst ihrer besten Idee keine Zustimmung geben.

    2. „Moderation bedeutet für mich nicht „Zensur“, sondern Förderung von Weisheit, Wissenschaft und Vernunft.“
      Schönes Neusprech. :-)
      In China sieht man das genau wie Du. Da spricht man auch nicht von Zensur, sondern Schutz der Bevölkerung. Auch herrlichstes Neusprech in Reinkultur:
      „Die chinesische Regierung gibt offiziell vor, nicht anders als viele andere Länder auch, die Bevölkerung vor schädlichen Inhalten (Gewalt, Pornografie, Kriminalität) zu schützen:
      „Im Kampf gegen den Terrorismus und andere kriminelle Akte haben alle Staaten das Recht, zur Wahrung der Sicherheit des Staates und der Interessen seiner Bürger Inhalte bestimmter Internetseiten zu filtern. Und ich denke, alle Länder sind im Begriff, eben das zu tun.““
      https://de.wikipedia.org/wiki/Internetzensur_in_der_Volksrepublik_China

      Wenn Du aus der Wau Holland-Generation bist, dann erinnerst Du Dich sicher auch an die Zensur im RUS (Rechenzentrum Uni Stuttgart) von Barbara Rust und anderen. Da gelangte plötzlich das Wort Sex im Usenet auf den Index. Das ging so weit, dass Gruppen, in denen Frauen über die Libido-Nebenwirkungen der Pille diskutierten, im RUS zensiert waren. Das war frauenfeindliche Weltflucht durch Frauen. In einem Netz, das 50% der Bandbreite für kostenlose Pornografie verballert. Mini-Walled-Gardens als Hatespeach gegen Frauen? Die Verschwörungstheorien über Frauenfeindlichkeit sind ob solcher Zensurtaten von Frauen nicht glaubwürdig.

      Weizenbaum, Hawkings: Ja, es ist abendländische Kultur, vor der Zukunft zu warnen. Einer der berühmtesten im deutschsprachigen Raum war 1643 Andreas Gryphius mit seinem „Es ist alles eitel“:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Vanitas
      Was lernt es uns? Wenig. Weizenbaum war nun mal frustriert, dass er mit seiner Elizea das „Imitation Game“ nicht bestand, was die KI mächtig frustierte (übrigens hervorragender Film mit Benedikt Cumberbatch).

      Dein Abgleiten auf den IS und den Terror geht m.E. vollständig in die Irre. In Deutschland sollte seit 1945 niemand erfahren mit mit Hitlers Agitprop in „Mein Kampf“ Millionen von Deutschen agitiert wurden, um 25 Mio Russen und 6 Mio Russen zu ermorden. Noch heute meint man in walled gardens Kommentare drum legen zu müssen, weil der fürsorgliche Staat an die Souveränität seine Souveräns nicht glaubt. Aber linke Spinner in den USA, die Kekse essen und Cola trinken, war die Meinungsfreiheit, die ihre Verfassung garantiert, wichtiger als die zwanghafte Kontrolle anderer. So konnte man schon immer „Mein Kampf“ im Internet unzensiert und unkommentiert downloaden.

      Nach dem Flop von My Lai, wo eine unabhängige Presse Kriegsverbrechen dokumentierte und öffentlich erzählt, wurden die embedded journalists erfunden, die schon vor Ort der Militärzensur unterliegen. Nie wieder sollte die Wahrheit nach draußen dringen. Whistle Blower kommen in den Knast oder werden versucht zu kriminalisieren, um die Bevölkerung zu schützen. So wird dann besser das militärische Versagen kaschiert, dass den NATO-Kriegen in Jugoslawien, Afghanistan, Syrien, Irak, Libyen, Bali zu Grunde leigt. Nirgends wird mit dem Werfen von Bomben auf Zivilisten (Kunduz) und dem Ermorden von Kindern mit feigen Bomben aus der Luft der Terror bekämpft. Im Gegenteil: durch diese brutale Gewalt von uns wächst der Terror. Wir haben ja bei den Ermittlungen gegen netzpolitik.org gesehen, wie weit der tiefe Staat geht, um seine kriminellen Machenschaften zu vertuschen. Zum Schutz der Bevölkerung, wie auch der Bundesinnenmister Terrorhysterie schürt mit erfundenen Bedrohungen wie in München, Braunschweig und Hannover.

      Hier sind die gewünschten walled gardens Gift und tödlich für die Opfer unserer Gewalt. Die Wahrheit wird sich dennoch den Weg ans Licht bannen, trotz vieler Versuche sie als Schutz der Bevölkerung zu zensieren. Und die bescheuerten Verschwörungstheorien über Flugzeugabgase oder Pharmaprobleme sind weniger gefährlich, als die Spinnereien unserer Beamten wie beim BND in der Erfindung von Massenvernichtungswaffen im Irak 2003.

      Es ist immer verlockend, andere zu zensieren, weil man die Macht dazu hat. Sich in rationalem Diskurs mit anderen auseinanderzusetzen ist immer schwieriger als zu löschen.

      1. Hi Wolfgang, ich halte nicht viel von chinesischen Verhältnissen. China war noch nicht einmal unter Mao kommunistisch. Selbst in den anarchistisch organisierten indignad@s-occupy – asambleas gab’s und gibt’s eine Morderation. Mit guter Moderation läßt sich Zensur (und damit Rausschmiss von Partizipent*innen) verhindern. Hätte ich Deine Replik an mich moderiert – und damit lektoriert – dann wäre sie übrigens leserlicher gewesen und dann hätten noch 6 Millionen Russen den fröFaZ überlebt. Aber ich habe meinen Beitrag auch nicht gut genug Korrektur gelesen. Um so etwas zu verhindern, wäre es schlau, eine Kommentarfunktion mit Vorschaumöglichkeit zu haben…

      2. Ps.: Hätte „gröFaZ“ heißen müssen, hat sich wieder mal der Tippfehlerteufel eingeschlichen … UND: Das Verhängnis dazu begann bereits unter Ebert/Noske, d.h. unter und mit der SPD. Thilo Sarrazin ist darin immer noch Mitglied. Ach ja, sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ wurde auch „zensiert“. Er hatte im Original nämlich „Rassen“ geschrieben, was vom Verlag durch „Ethnien“ ersetzt wurde. Meine Frage: Hätten die deutschen Mainstream-Medien dieses Buch auch so gehypt, wenn Sarrazins „originelle“ Begrifflichkeit geblieben und nicht hinwegretouchiert worden wäre?

      3. Alinka,
        die Chinesen zensieren nicht in der Selbstbeobachtung. Sie schützen die Bürger. So wie Ingrid Brodnig in der Selbstbeobachtung auch nicht zensieren will, sondern nur unmündige Bürger vor dem Sittenverfall beschützen will, wobei sie für sich selbst definiert, was Sitte, Anstand und Moral ist und dazu keinen mühseligen Konsens von einem Gesetzgeber braucht.
        Das Spektrum von unmoderierter Meinungsfreiheit bis zur Zensur ist groß.

        – Es gibt unmoderierte UNSNET-Gruppen, wo auch nicht der Untergang des Abendlandes stattfindet (ohne die selbsternannten Sittenwächter), sondern sich einfach Flamewars totlaufen, wenn sie anfangen langweilig zu werden. Das ist messbar und beobachtbar.

        -es gibt Moderationen, die erst mal Autoren verwarnen, ohne zu löschen
        – es gibt Moderationen, die Teile löschen und den Grund angeben
        – es gibt „Moderationen“, die vor Veröffentlichung selbstherrlich und unkontrollierbar entscheiden, was veröffentlicht wird und was nicht. Solch eine Vorzensur ist bei uns verfassungsfeindlich. Das ist halt so, ich habe das Grundgesetz nicht gemacht :-)
        Wer die verfassungsfeindliche Vorzensur dennoch fordert, darf mit meinem Widerspruch rechnen, dort wo man frei reden kann, und wenn es in dem Folterstaat USA sein muss ;-)

      4. Joffe hat das Problem in der Zeit schön auf den Punkt gebracht:

        „Wenn Polizei, Politik und Medien die Tatsachen schönreden, ja mir „Rassisten“ das Maul verbieten, wie kann ich noch den demokratischen Institutionen trauen? Pegida und Co. sind Geschöpfe und Sprachrohre der Entfremdung. Die frisst sich in die Mitte, wenn das verordnete Gutdenk die Realitäten verdrängt und die Wohlmeinenden den Demagogen zutreibt.“

  24. Das ist ja gruselig. Hab das Gefühl ihr wollt nur rummotzen um irgendwie wichtig zu erscheinen. Aber Leute, das klappt so echt nicht. Irgendwie findet man euch dann eigentlich nur noch scheiße. Klar, man nimmt euch wahr. Ich mein, kein Ding, motz da rum wo’s wichtig wäre. Meinetwegen auch weiterhin mit „ihr kotzt mich alle an“-Haltung. Aber zickt doch nicht da rum wo Leute an den Regeln dieser Kackgesellschaft mit diesen miesen Strukturen was ändern wollen. Ehrlich, voll unterirdisch was ihr hier so abzieht. Oder rafft ihr das einfach nicht, dass grundsätzlich ne ganze Menge falsch läuft in dieser Welt.

  25. Netzhippie sind hier rar, oder?
    In Stuttgart waren auch nur WUTBÜRGER unterwegs, was hat es gebracht?
    Die Stadt sieht aus wie GATTACA.
    Also hier geraten immer mehr in den Strudel, ist euch das schon mal aufgefallen?
    Bei der ESA in Darmstadt fangen sie auch schon außerhalb mit großen Kopfhörern auf den Ohren herumzulaufen. Hört hier überhaupt noch jemand jemandem zu, oder macht jeder nur noch POST IT?
    Sorry, aber das musste ich loswerden.
    Euer IT GIRL SUSI

    1. … und was hatten wir nicht in der Anfangsphase für schöne Visionen von Information->Interaktion->Kommunikation. Ich will die nach wie vor nicht aufgeben und übe mich weiterhin in Optimismus. Wir brauchen einfach viele menschliche Kommunikationsagent*innen. Ich stupse oft Kopfhörerträger in den öffentlichen Verkehrsmitteln an (denn wenn ich sie nur anspreche, hören sie mich ja nicht) und frage sie etwas, beginne ein Gespräch. Das ist oftmals nett und interessant. Probier das doch auch einfach mal aus. :)

  26. Hallo liebes Team von netzpolitik,

    ich kann den Artikel gut nachempfinden und teile Vieles davon. Gerade auf Facebook habe ich viele schlechte Erfahrungen mit ungefilterten Kommentaren, „Hassposts“, gefährlichem Halbwissen und anderen Dingen gemacht. Die User diskutieren oft schlicht über Themen, a) die sie nicht verstehen, b) nicht das nötige Grundlagenwissen von ihnen haben oder c) über die sie einfach nur „trollen“ wollen.

    Das ist anstrengend.

    Deswegen habe ich mir seit heute auch vorgenommen, dort nicht mehr über heikle Themen (Religion, Politik, etc.) zu diskutieren.

    Daher: Hochachtung vor eurem Artikel.

    Lieben Gruß,
    Timo Schöb aus Flensburg

  27. Naja, der Artikel beschreibt die Position eines Menschen, der glaubt im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein, und deswegen nach „Regeln“ ruft, um die „anderen“ zu mäßigen.

    Was für die Autorin eine Beleidigung/Schimpfwort ist, ist für mich vielleicht die exakte Zustandsbeschreibung und umgekehrt – so what? Wer entscheidet das?

    Und dann das Beispiel, das nicht schlechter gewählt hätte sein können, Zitat:
    „Dazu ein Beispiel. Wenn zwei Diskutanten auf einer Bühne stehen und der eine sagt: „Die Evolution hat es nie gegeben, Gott hat die Erde geschaffen.“ Und die andere Person sagt: „Doch! Die Evolution hat es gegeben, denn diese und jene wissenschaftlichen Überlegungen und Messungen haben uns zu dieser Erkenntnis geführt.“ Dann ist die Antwort nicht, wie es manchmal heißt, „irgendwo dazwischen“. Die richtige Antwort ist nicht automatisch der Mittelpunkt zwischen zwei entgegengesetzten Meinungen.“ Zitatende
    Und was ist mit den ganzen Professorinnen und Professoren der Naturwissenschaften, die an Gott glauben? Alles Verschwörungstheoretiker? Alles Lügner? Oder ist die Antwort eventuell doch dazwischen. Ich weiß es nicht, aber im Gegensatz zur Autorin, lasse ich mich nicht zu solchen Diffamierungen wie „nicht schützenswert“ hinreißen.
    ;-) Gemerkt?

    Im Zweifel glaube ich übrigens eher den gottgläubigen und nichtgläubigen Naturwissenschaftlern, die sich mit messbaren Fakten auseinandersetzen, als den Sozialwissenschaftlern, die sich mit merkwürdigen Studien zu Problemen beschäftigen, deren Existenz für mich nicht bewiesen ist.

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