Kultur

Laura Poitras: „I was seriously scared“

Die Dokumentarfilmerin Laura Poitras. CC BY 4.0, via Wikimedia

Das US-amerikanische Magazin Vogue hat ein längeres Porträt über Laura Poitras veröffentlicht, die Regisseurin der Oscar-prämierten Snowden-Dokumentation Citizenfour. Dafür hat die Journalistin Sara Corbett mehrmals die Filmemacherin in New York getroffen, wo sie nach einigen Jahren in Berlin nun wieder wohnt.


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Besonders interessant sind ihre Aussagen zu der Zusammenarbeit mit Edward Snowden. Poitras berichtet, wie sie beim ersten Kontakt mit Snowden dachte, dass es sich um eine Falle der Geheimdienste handelt und erst über einen längeren Zeitraum Vertrauen zu ihm aufbauen musste. Da Poitras schon vorher einige regierungskritische Dokumentationen über die US-Sicherheitspolitik nach den 9/11-Anschlägen gedreht hatte, war sie dutzende Male an Flughäfen verhört und festgehalten worden.

Um sich vor staatlicher Überwachung zu schützen, zog Poitras um, hörte auf, ein Handy zu benutzen und schränkte die Kontakte zu Freunden ein. Sie rechnete während ihrer Zusammenarbeit mit Snowden damit, unter Umständen ins Gefängnis zu kommen und gesteht ein, dass sie damals große Angst vor den ungewissen Konsequenzen hatte:

‚In retrospect, a lot of people think, Oh, the Snowden story is a great story that any journalist would want to get ahold of,‘ she says. ‚But it didn’t feel that way then. I was seriously scared.‘

Am 5. Februar eröffnet im Whitney Museum of American Art in New York die Solo-Ausstellung „Laura Poitras: Astro Noise“ welche sich unter anderem mit Massenüberwachung, dem „War on Terror“ und dem Gefängnis Guantánamo Bay auseinandersetzt.

6 Kommentare
  1. Bei allem Arangement duch die beiden sehe ich persönlich einen komplett gegensätzliche Bewegung nach den Enthüllungen. Ganz nach dem Motto wir wurden erwischt, nun drehen wir so richtig auf. Man kann das faszinierend in der Automobilindustrie sowie bei den altbekannten Machthabern Microsoft, Apple, Google und Co. sehen. Sie rüsten auf zur ultimativen Datensammlung überall zu jeder Zeit in jeder Lebenslage. Konsequenzen der Enthüllungen gab es bis dato nicht. Deutschland hat sich in der Industrie 4.0 vollkommen den USA verkauft und somit seine Bürger und Unternehmen.

    Es ist ein Trauerspiel aber rein logisch kann das nun nur noch an die Wand fahren und uns benachteiligen in jedweder Lebenslage.

    1. In der Tat, die völlige Konsequenzlosigkeit der Aufdeckung noch so großer Skandale ist kennzeichnend für unser Biedermeier 2.0. Früher reichte mal die illegale Überwachung eines einzigen Bürgers (Klaus Traube), um einen Innenminister zu Fall zu bringen (Werner Maihofer). Und eine Bundesjustizministerin (Sabine Leutheusser-Schnarrenberger) trat aus Protest gegen ein Überwachungsgesetz zurück, das im Vergleich zu heutiger Gesetzeslage und Überwachungspraxis geradezu putzig harmos war.

      Der zentrale Unterschied zu den, immerhin in dieser Hinsicht „goldenen“, 80ern ist allerdings die stumpfe Apathie der überwältigenden Mehrheit unserer Mitbürger. Und damit sind keineswegs nur die Ich-habe-nichts-zu-verbergen- Simpel gemeint. Auch die wohlinformierten und intelligenteren Exemplarer reagieren auf die Grundrechtserosion nur mit schlaffem Schulterzucken.

  2. Zwiespältige Person diese Frau Poitras.
    …war sie dutzende Male an Flughäfen verhört und festgehalten worden.
    …sie rechnete damit, ins Gefängnis zu kommen, große Angst.
    …die Filmemacherin in New York getroffen, wo sie nach einigen Jahren in Berlin nun wieder wohnt.
    New York ist demnach jetzt sicherer und alles wieder in Butter.
    mfg R.K.

    1. ne, sie wird jetzt nicht mehr bei jeder Gelegenheit von den Offiziellen kontrolliert; siehe die Story vom Flughafen, wo sie nun Promi-Bonus hat und quasi „normal“ durch die Kontrolle gehen kann obwohl der Computer Alarm schlägt. Weil: Die hat nen Oscar, die kenne ich!

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