Wie wirbt die Deutsche Telekom für die Abschaffung der Netzneutralität? Das ist in der Regel relativ intransparent und findet hinter verschlossenen Türen statt. Heute hatten wir ein schönes Beispiel im Briefkasten, was an eine andere Zielgruppe gerichtet war. Im Kundenmagazin der Weberbank, einer Privatbank für Vermögende, durfte der Telekom-Sprecher Philipp Blank einen Gastbeitrag schreiben. Und dort wird endlich mal unverblümt erklärt, dass ein „staatlich diktiertes Einheitsnetz“ von der Deutschen Telekom nicht erwünscht ist. Er meint damit Netzneutralität!
Aber eine weitere Info ist auch lesenswert: Das mit den Überholspuren wird schon nicht so schlimm für die Kleinen! Denn wenn diese eingeführt werden, kann man sich locker mit „ein paar Prozent Umsatzbeteiligung“ eine solche Überholspur bei der Deutschen Telekom kaufen.
Ein beliebtes Argument dagegen lautet: Gesicherte Qualität können sich nur große Internetunternehmen leisten. Die kleinen bleiben auf der Strecke. Dabei könnte sich eine Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent jedes Unternehmen leisten. Und das wäre ein fairer Beitrag für die Nutzung der Netzinfrastruktur, auf der Internetdienste beruhen. Denn die Netzbetreiber stehen vor einem Dilemma, dass sie Milliarden in die Infrastruktur investieren sollen, ihre Umsätze aber schrumpfen – vor allem weil die Regulierung bisher ihren Schwerpunkt auf günstige Preise gesetzt hat.
Das ist doch mal ein prima Argument für die Einführung. Als Start-up kann man dann gleich noch einen Juristen für die Verhandlungen mit unterschiedlichen Telkos auf dem europäischen Markt in den Businessplan schreiben, um nicht gegenüber der Konkurrenz benachteiligt zu sein. Dazu muss man doch nur „ein paar Prozent“ vom Umsatz für die Deutsche Telekom & Co reinrechnen. Und sicher auch für Telefonica. Und Vodafone. Und die anderen.
Und wenn eine Open-Source-Community das neue Killer-Protokoll für eine offene, dezentrale und datenschutzfreundliche Kommunikationsmethode gefunden hat, dann wird das leider nichts mit der Überholspur. Im Zwei-Klassen-Netz kostet der Premiumzugang halt Umsatzbeteiligung. Muss man verstehen.
Der Gastbeitrag schließt dann auch mit der Warnung vor dem Kommunismus, also dem heutigen weitgehend „staatlich diktiertem Einheitsnetz“ mit Netzneutralität:
Sicher hat das Internet als Informationsmedium eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Es muss frei, offen und ohne Diskriminierung bleiben. Die Debatte muss sich also um grundsätzliche Spielregeln drehen. Ein staatlich diktiertes Einheitsnetz darf aber nicht dabei herauskommen.
Sachdienliche Hinweise zu den Werbemethoden zur Abschaffung der Netzneutralität durch unsere Telko-Lobby nehmen wir über die üblichen Wege immer gerne an.