Tagesschau.de hat ein Interview mit dem Journalisten und Buchautor Tobias Jaecker über „Verschwörungstheorien im Internet: Eindeutig, scheinbar schlüssig – und kaum zu widerlegen.“
tagesschau.de: Viele Verschwörungstheoretiker argumentieren, man werde „ja wohl noch mal fragen dürfen“.
Jaecker: Natürlich ist es ein zutiefst menschliches Bedürfnis, nach einleuchtenden Erklärungen zu suchen. Aufklärung und Kritik sind selbstverständlich richtig und wichtig. Bei Verschwörungstheorien handelt es sich aber um das glatte Gegenteil: Es sind selbsterfüllende Prophezeiungen.
tagesschau.de: Was zeichnet diese Theorien aus?
Jaecker: Entscheidend ist ihre geschlossene Form: Die zentrale Frage nach dem Täter und den Schuldigen steht immer vorher fest. Darauf aufbauend werden ausgeklügelte Begründungszusammenhänge konstruiert. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass Verschwörungstheorien oft widersprüchlich sind: Willkürlich herausgegriffene Fakten dienen als „Beweise“. Zufälle werden bestritten. Alles, was in die Theorie nicht hineinpasst, wird unterschlagen oder als „Propaganda“ abgetan. So werden komplexe Vorgänge auf eine simple und überschaubare Story reduziert.