Dossier zum NSA-Untersuchungsausschuss

Der NSA-Untersuchungsausschuss wurde im März 2014 vom Deutschen Bundestag eingesetzt. Er sollte aufklären, in welchem Ausmaß und in welcher Art und Weise Ausspähungen durch ausländische Geheimdienste der „Five Eyes“ – USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland – in Deutschland stattgefunden haben und welche Rolle dabei die deutschen Geheimdienste und die deutsche Politik einnahmen.

Wir haben den Ausschuss von Anfang an intensiv begleitet und live aus den Sitzungen gebloggt, da die Protokolle der Öffentlichkeit erst nach Abschluss des Ausschusses zugänglich gemacht werden sollen.

Abschlussbericht und Fazit

Drei Jahre Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: Die Aufklärung bleibt Wunschdenken, die Überwachung geht weiter
The german government in the spying scandal. (symbol) Image: <a href=„https://commons.wikimedia.org/wiki/File:See_No_Evil,_Hear_No_Evil,_Speak_No_Evil.jpg“>John Snape</a>. License: Creative Commons <a href=„https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en“>BY-SA 3.0</a>.
Drei Jahre Geheimdienst-Untersuchungsausschuss Die Aufklärung bleibt Wunschdenken, die Überwachung geht weiter

Der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss ist angetreten, die Snowden-Enthüllungen aufzuklären. Das hat er nicht geschafft. Stattdessen hat er herausgefunden, dass auch der BND Recht und Gesetz bricht. Doch die Konsequenz ist nicht das Ende der Massenüberwachung, sondern eine massive Aufrüstung. Ein Kommentar.

21. April 2017
Abschluss des NSA-BND-Ausschusses: Keine Revolte gegen die Geheimdienste
Bundestagsdebatte zum Bericht des NSA-BND-Untersuchungsausschusses vor vielen leeren Sitzen. 28. Juni 2017.
Abschluss des NSA-BND-Ausschusses Keine Revolte gegen die Geheimdienste

In der gestrigen Plenardebatte im Bundestag wurden die in vielen Monaten erlangten Erkenntnisse aus dem NSA-BND-Untersuchungsausschuss denkbar unterschiedlich bewertet. Die Koalition macht sich keine Sorgen um den Schutz der Privatsphäre oder um Wirtschaftsspionage, die Opposition sieht die Massenüberwachung kritisch.

21. April 2017
Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: Wir veröffentlichen den Abschlussbericht – ohne die Schwärzungen
NSAUA-Abschlussbericht im Original (links) und von uns bearbeitet (rechts).
Geheimdienst-Untersuchungsausschuss Wir veröffentlichen den Abschlussbericht – ohne die Schwärzungen

Nach drei Jahren Geheimdienst-Untersuchungsausschuss gibt es jetzt eine offizielle Version des Abschlussdokuments. Darin sind weite Textteile geschwärzt – aber nur oberflächlich. Wir konnten die meisten Schwärzungen rückgängig machen und veröffentlichen eine ungeschwärzte Version des Dokuments.

21. April 2017

Zahlen zum Ausschuss, Teil 1

Von April 2014 bis Juni 2017 fanden 134 Sitzungen statt, 66 davon waren öffentlich.

Es gab 485 Beweisbeschlüsse.

Die Abgeordneten bekamen über 2.400 Aktenordner von Bundesnachrichtendienst, Bundeskanzleramt und anderen Behörden.

Die Vorabfassung des Abschlussberichts, der die Erkenntnisse zusammenfassen und bewerten soll, umfasst 1.822 Seiten.

Unsere wichtigsten Veröffentlichungen zum Ausschuss

Geheimer Prüfbericht: Der BND bricht dutzendfach Gesetz und Verfassung – allein in Bad Aibling
Rechtsfreier Raum? Radome in der BND-Außenstelle Bad Aibling.
Geheimer Prüfbericht Der BND bricht dutzendfach Gesetz und Verfassung – allein in Bad Aibling

Der BND hat die Daten seiner Massenüberwachung illegal gespeichert und muss sie unverzüglich löschen. Das stellt die Bundesdatenschutzbeauftragte in einem geheimen Bericht fest, den wir veröffentlichen. Sie kritisiert schwerwiegende Rechtsverstöße und massive Beschränkungen ihrer Kontrollkompetenz.

21. April 2017
Interne Dokumente zur Weltraumtheorie: Wie sich BND und Kanzleramt vor der Öffentlichkeit fürchteten
Wenn es nach dem BND geht, gelten Grundrechte nicht im Weltall.
Interne Dokumente zur Weltraumtheorie Wie sich BND und Kanzleramt vor der Öffentlichkeit fürchteten

Im August 2013 erfand der BND die Weltraumtheorie, das Kanzleramt akzeptierte sie. Dabei wusste man von Beginn an, dass man sich auf dünnem Eis bewegt. Interne Kommunikation zeigt, wie sehr man sich vor der „kaum zu bestehenden intensiven öffentlichen Diskussion“ fürchtete – zu Recht.

21. April 2017
Geheime Informationen: Wie die Überwachung von BND und NSA in Bad Aibling funktioniert
580 oder 1,3 Milliarden?
Geheime Informationen Wie die Überwachung von BND und NSA in Bad Aibling funktioniert

Der BND überwacht im bayrischen Bad Aibling neben Satelliten auch millionenfach Mobilfunkdaten, unter anderem aus Afghanistan. Das geht aus Informationen hervor, die der Leiter der Dienststelle dem Untersuchungsausschuss vorenthalten hat. Die abgeschnorchelten Daten werden auch nach Selektoren und einem Interessenprofil der NSA durchsucht – und an diese übermittelt.

21. April 2017

Zahlen zum Ausschuss, Teil 2

Es fanden 581 Stunden und 21 Minuten Zeugenbefragungen statt.

In dieser Zeit wurden insgesamt 128 Zeugen angehört.

Die Anhörung 40 weiterer Zeugen war geplant, kam aus unterschiedlichen Gründen aber nicht zustande.

Die kürzeste Sitzung dauerte 40 Minuten, die längste 12 Stunden und 50 Minuten.

Zahlen zum Ausschuss, Teil 3

Wir haben alle Sitzungen begleitet, mit Live-Blogs und Aufarbeitungen.

Unsere Live-Blogs haben insgesamt 5,6 Millionen Zeichen. Das sind 3.700 Normseiten. Oder etwa 34 Mal das Grundgesetz.

Es gab insgesamt 61 Folgen des Podcasts Technische Aufklärung, der den Untersuchungsausschuss begleitet hat.

Während der Ausschusssitzungen haben wir unzählige Flaschen Mate und Tassen Kaffee gebraucht.

BND, Verfassungsschutz und der Drohnenkrieg

Inwiefern waren deutsche Behörden am Drohnenkrieg der USA beteiligt und haben ihnen Informationen geliefert, die auch zur Tötung von Zivilisten geführt haben? Welche Rolle spielt der US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein auf deutschem Boden? Und welche Erkenntnisse erhielt der US-Militärgeheimdienst DIA durch die Befragung von Geflüchteten zusammen mit dem BND?

: BND befragte Geflüchtete zusammen mit den USA und weiß nicht, was mit den Daten passierte
Watch Center des US-Militärgeheimdienstes DIA. Auch Daten des BND wurden für dessen Planungen verwendet.
BND befragte Geflüchtete zusammen mit den USA und weiß nicht, was mit den Daten passierte

Der Bundestag hat das Protokoll der Vernehmung eines Mitarbeiters der Hauptstelle für Befragungswesen veröffentlicht, bei der die Öffentlichkeit nicht dabei sein durfte. Es ging um die Befragung von Geflüchteten durch den BND, die Zusammenarbeit mit dem US-Militärgeheimdienst und die Bedeutung der Daten für den Drohnenkrieg.

21. April 2017
: Informatik-Gutachten: Eine Telefonnummer ist ausreichend, um eine Person mit einer Drohnen-Rakete zu treffen
Kann Mobilfunkgeräte orten und Raketen darauf abfeuern: Drohne der United States Air Force. Bild: <a href=„http://www.swri.org/3pubs/brochure/d16/GeoCom/GeoComBroch.pdf“>Southwest Research Institute</a>.
Informatik-Gutachten: Eine Telefonnummer ist ausreichend, um eine Person mit einer Drohnen-Rakete zu treffen

Zur Lokalisierung einer Person reicht eine Telefonnummer, damit eine Drohne per Fernlenkwaffe gezielt töten kann. Zu diesem Fazit kommt ein Gutachten für den NSA-Untersuchungsausschuss. Geheimdienste und Regierungsparteien haben diese technische Möglichkeit bestritten – und Telefonnummern an die USA gegeben.

21. April 2017
: Die Ramstein-Drohnenbasis und der Nonstop-Krieg
Die Ramstein-Drohnenbasis und der Nonstop-Krieg

Ramstein ist mehr als eine gewöhnliche Militärbasis. Sie ist von zentraler Bedeutung für die Drohneneinsätze, die zwar von den Vereinigten Staaten aus gesteuert werden, aber auf Ramsteins technische Hilfe angewiesen sind. Die deutsche Regierung tut unwissend und hält damit den endlosen Krieg am Laufen.

21. April 2017

Eikonal und Co.

Wie haben der BND und die NSA in Bad Aibling zusammengearbeitet? Wie funktionierte die Ausleitung von Kommunikationsdaten von deutschen Providern? Konnte die Kommunikation Deutscher geschützt werden? Und wie viele Daten gingen aus Deutschland direkt an die USA?

Selektoren

Selektoren lassen sich am ehesten mit Suchbegriffen vergleichen, mit deren Hilfe der BND riesige Datenmengen durchsucht. Es kam ans Licht, dass der BND massenhaft rechtswidrige Selektoren einsetzte – sowohl für die NSA als auch in eigenem Interesse. Deutsche Staatsbürger, hochrangige Politiker befreundeter Staaten, Unternehmen. Erst im Zuge der NSA-Affäre geschah eine Aufarbeitung, viele Selektoren wurden deaktiviert. Die Verantwortung für die Missstände wurde bis zum Ende hin- und hergeschoben.

: Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Die Weisung zum Umgang mit Selektoren war zu geheim“
Die Sachverständigen kurz vor ihren Eingangsstatements. Screenshot: <a href=„http://dbtg.tv/cvid/7034309“>Bundestag TV</a>.
Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Die Weisung zum Umgang mit Selektoren war zu geheim“

Der BND hat Partner in EU, NATO und UNO abgehört. Das gab der Vizepräsident Müller in der 121. Sitzung des Untersuchungsausschusses zu. Vor zehn Jahren wurde eine Spiegel-Journalistin überwacht, aber nur als „Beifang“. Dass Partner-Staaten auch aktiv „gesteuert“ werden, war für Müller nicht vorstellbar.

21. April 2017
: Bundesverfassungsgericht: Regierung muss NSA-Untersuchungsausschuss keine NSA-Selektorenlisten vorlegen. (Update)
Auszug aus der Klageschrift der Opposition zur Herausgabe der 38.000 abgelehnten NSA-Selektoren.
Bundesverfassungsgericht: Regierung muss NSA-Untersuchungsausschuss keine NSA-Selektorenlisten vorlegen. (Update)

Die Bundesregierung muss dem NSA-Untersuchungsausschuss keinen Einblick in die Liste inaktiver NSA-Selektoren gewähren, entschied das Bundesverfassungsgericht. Da Geheimhaltungsinteressen der USA betroffen seien, dürfe die Bundesregierung nicht frei über die Informationen verfügen. Ein Rückschlag für die Aufklärung im Untersuchungsausschuss.

21. April 2017
: Klage der G‑10-Kommission auf Einsicht in Selektorenliste von Verfassungsgericht abgewiesen: nicht klageberechtigt
Bundesverfassungsgericht wird nicht über Selektorenherausgabe an G‑10-Kommission entscheiden – <a href=„https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/“>CC BY-SA 2.0</a> via flickr/<a href=„https://www.flickr.com/photos/mehr-demokratie/7996835698/in/photolist-dbDSDy-cc11rj-cvCPwJ-cvCQS3-bUCQyH-bUCRwX-cvCPJb-3kHYH5-daaBEW-m2upvv-cvCRmC-3kHZ2G-dbDPyS-qUVQ29-cvCR2E-daaBD9-dbDT1Y-cvCQ2S-cL4YxW-3kDwDa-cL3CWS-dbDSa1-dbDSuW-d36DBG-cLvpLh-cL4taw-cvCPj9-cvCQ6A-d36AGb-cvCQD9-daaBx7-dbDNyR-bqYGN-dbDPdX-dbDKUM-dbDKDr-3kDwGR-cvCQbf-3kDwQa-daaBAd-cvCRbC-eRLsUG-cvCQAh-dbDMbi-4UkePj-dbDNVJ-cvCQgN-cvCQrG-dbDJua-d36EAA“>Mehr Demokratie</a>
Klage der G‑10-Kommission auf Einsicht in Selektorenliste von Verfassungsgericht abgewiesen: nicht klageberechtigt

Die G‑10-Kommission ist mit ihrer Klage auf Herausgabe der NSA-Selektorenlisten vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert. Das liegt aber nicht am Gegenstand der Klage, sondern an einer Formalie: Das Bundesverfassungsgericht kommt zu dem Ergebnis, dass die G‑10-Kommission in diesem Fall nicht klageberechtigt ist.

21. April 2017

Zeuge Nr. 1: Edward Snowden

Er hat den Ausschuss erst möglich gemacht: Edward Snowden. Trotzdem wurde Snowden nie vor dem Ausschuss vernommen. Opposition und Regierungskoalition stritten sich bis zum Ende, die Bundesregierung mauerte.

: Müsste die Bundesregierung Snowden an die USA ausliefern? Sie prüft. Und prüft. Und prüft.
Müsste die Bundesregierung Snowden an die USA ausliefern? Sie prüft. Und prüft. Und prüft.

Die Bundesregierung verschleppt die Prüfung, ob Edward Snowden an die USA ausgeliefert werden müsste, sollte er nach Deutschland einreisen. Und selbst die Informationen, die in den letzten Jahren von den USA kamen, hält die Bundesregierung geheim – auf Bitten des US-Justizministeriums.

21. April 2017
: BGH: NSA-Untersuchungsausschuss muss Snowden nicht einladen, weil die Opposition zu klein ist
Minderheitenrechte reichen nicht, um sich gegen die Große Koalition zu stemmen – <a href=„https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/“>CC BY-NC-ND 2.0</a> via flickr/<a href=„https://www.flickr.com/photos/ghost_bear/9345921516/“>ghost_bear</a>
BGH: NSA-Untersuchungsausschuss muss Snowden nicht einladen, weil die Opposition zu klein ist

Der Bundesgerichtshof revidiert den Beschluss, dass der NSA-Untersuchungsausschuss Snowden in Deutschland anhören muss. Die Opposition im Ausschuss habe nicht das Recht, eine Einladung zu erzwingen. Dafür wären 25 Prozent aller Stimmen nötig.

21. April 2017
: Bundesregierung verweigert NSA-Untersuchungsausschuss Informationen zu Vorwürfen gegen Snowden
Die Bundesregierung verschleppt die Klärung der Frage nach Asyl für Edward Snowden seit mehreren Jahren.
Bundesregierung verweigert NSA-Untersuchungsausschuss Informationen zu Vorwürfen gegen Snowden

Im Streit um die Aufnahme Edward Snowdens in Deutschland und eine Befragung vor dem NSA-Untersuchungsausschuss hält die Bundesregierung Informationen zurück. Sie habe mittlerweile ein Schreiben des US-Justizministeriums zu den Strafvorwürfen erhalten, dürfe es aber nicht weitergeben. Bald ist die Zeit für eine Anhörung Snowdens abgelaufen.

21. April 2017

Konsequenzen aus dem Ausschuss – das neue BND-Gesetz

Andere Projekte, die sich mit dem Ausschuss beschäftigt haben

Podcast

Felix Betzin und Jonas Schönfelder haben im Juni 2015 den Podcast „Technische Aufklärung“ gestartet. Reguläre Sendungen informieren über das Geschehen in den öffentlichen Ausschusssitzungen. Darin gibt es neben Statements der Politiker auch eine Auswertungsrunde, in der das Gesagte zusammengefasst, in den Kontext eingeordnet und die Stimmung im Saal wiedergegeben wird. In unregelmäßigen Abständen entstehen auch Sondersendungen, die einzelne Themen ausführlicher behandeln. Das alles ist im Sendungsarchiv zu finden.

Archiv

„Wer kontrolliert Wen?“ ist ein Online-Archiv, das aus Materialien besteht, die im Zusammenhang mit der Arbeit des NSA-Untersuchungsausschusses veröffentlicht wurden. Dazu gehören die Protokolle und Berichterstattung über die einzelnen Sitzungen, parallele zusätzliche Enthüllungen und öffentliche Ereignisse, wie beispielsweise öffentliche Proteste, die sich aus der Arbeit des Ausschusses ergaben oder diese beeinflussten. Alle Materialien in diesem Archiv sind chronologisch sortiert und können über Schlagwörter oder eine Volltextsuche durchstöbert werden.

Zeichnungen

Stella Schiffczyk hat den Ausschuss begleitet und Illustrationen, Schnellskizzen sowie Knetfiguren der Zeugenanhörungen angefertigt. Damit bekommen die Sitzungen, aus denen keine Ton- und Bildaufnahmen angefertigt werden dürfen, ein Gesicht.