Microsoft 365So überwachen Chefs eure Produktivität am Arbeitsplatz

Der Markt für Kontrollsoftware boomt. So bietet der Riesenkonzern Microsoft eine Produktivitätsbewertung für Unternehmen an, für die Microsoft eine Menge Daten sammelt. Kritiker:innen bezeichnen diesen Service als ein „Instrument zur Arbeitsplatzüberwachung“.

Ein Angestellter sitzt vor einem Computer.
Ob der Angestellte wohl gerade produktiv arbeitet? Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Studio Republic

Ganz nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ nutzen einige Firmen Software, um ihre Mitarbeiter:innen zu überwachen. So steht der Riesenkonzern Amazon schon lange für seine drastischen Überwachungsmaßnahmen in der Kritik. Doch nicht nur bei Amazon, sondern auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Deutschland boomt die Beschäftigtenüberwachung. Der US-Konzern Microsoft liefert mit dem sogenannten „Productivity Score“ (Produktivitätsbewertung) ein besonders umfangreiches und einschneidendes Produkt. 

Während der Hersteller behauptet, er würde die Dienstleistung einsetzen, um die digitale Transformation zu beschleunigen, sehen Aktivist:innen und Gewerkschaften darin einen möglichen Verstoß gegen das Recht aus Privatsphäre.

Tausende Daten, acht Kategorien und eine Bewertung 

Die Produktivitätsbewertung ist ein Softwareprogramm für kleine und mittelständische Unternehmen, die das Microsoft-Abonnement „Office 365“ oder „Microsoft 365“ nutzen. Beide Angebote sind web- und cloudbasiert und beinhalten wichtige Büro-Produkte, etwa das Schreibprogramm Word, die Präsentationssoftware PowerPoint und der E-Mail-Dienst Outlook. Microsoft wirbt damit, alle Anwendungen in „einer kostengünstigen Lösung“ anzubieten, was die digitale Zusammenarbeit der Beschäftigten produktiver gestalten solle. Seit Oktober 2020 ist die Produktivitätsbewertung weltweit verfügbar, um die angepriesene Effizienz messen zu können.

Die neue Dienstleistung berechnet den Produktivitätswert eines Kunden-Unternehmens anhand ihrer Abonnement-Nutzung. Dazu misst Microsoft zwei verschiedene Bereiche, nämlich die Beschäftigtenerfahrung und die Technologieerfahrung der Unternehmen. Ersterer untersucht, wie die Angestellten mit den verschiedenen Microsoft-Produkten zusammenarbeiten, etwa ob sie in der Cloud Dokumente freigeben, was laut Microsoft effizienter sei als diese per Mail zu verschicken. Die Technologieerfahrung bewertet die Hardware und Software des Unternehmens, beispielsweise die App-Integrität, also ob Microsoft-Apps auf den Endgeräten installiert sind. Microsoft stellt klar: „Ihre Organisation hängt von zuverlässigen und leistungsfähigen Technologien wie auch von der effizienten Nutzung von Microsoft 365 ab.“  

Dazu sammelt das Programm Daten von den Microsoft-Produkten Skype, Microsoft Teams, OneNote, Word, Excel, PowerPoint und einigen mehr. Die erhobenen Daten werden in acht Kategorien bewertet, etwa der Kategorie Teamarbeit oder Besprechungen, und können dabei maximal 800 Punkte erreichen. Die Punktezahl ist dann der Wert für die Produktivität des Unternehmens. Das Ergebnis kann der Betrieb anschließend mit sogenannten „Peer-Benchmarks“ vergleichen. Das ist ein Durchschnitt aus den Ergebnissen von vergleichbaren Unternehmen. Der Produktivitätswert und der Vergleich mit den „Peer-Benchmarks“ soll dem Betrieb helfen die eigene Leistung zu optimieren.

Der Überwachungsteufel greift zu

Für diese umfassende Bewertung erhebt der Konzern Microsoft sensible Informationen über die Arbeitsgewohnheiten der Mitarbeiter:innen des Kundenbetriebs. Zum Beispiel wie häufig sie den Chat nutzen, wie viele E-Mails sie an welchen Tagen verschicken und wie lange sie ihre Kamera bei Videomeetings aktivieren. Zwar berechnet Microsoft den Produktivitätswert für das ganze Unternehmen, die dazu benötigten Daten stammen aber dennoch von einzelnen Nutzer:innen. Das Programm aktualisiert diese Daten täglich und stellt sie 28 Tage einsehbar zur Verfügung. Doch wer kann auf diese Daten der Produktivitätsbewertung zugreifen?

Nach Angaben des Konzerns haben nur IT-Expert:innen mit einer bestimmten Rolle, etwa ein „Globaler Administrator“ oder „Microsoft Teams-Administrator“ Zugang zu diesen Informationen. Allerdings bleibt es fragwürdig, ob diese Zugangsbarriere hoch genug ist, um vor missbräuchlicher Nutzung zu schützen. Der Konzern bietet zudem die Möglichkeit, den Bereich „Mitarbeitererfahrung“ zu deaktivieren. Sobald er deaktiviert ist, darf Microsoft keine Informationen darüber sammeln, wie die Beschäftigten miteinander interagieren. Außerdem veröffentlicht Microsoft auf der Productivity-Score-Webseite seine Datenschutz-Richtlinien – vermutlich um Datenschutz-Bedenken abzumildern. 

Die Überwachung der Beschäftigten bewegt sich dennoch im rechtlichen Graubereich. Zwar gibt es kein eigenständiges Gesetz zum Beschäftigungsdatenschutz im Unternehmen, aber Deutschland bestimmt mit dem Bundesdatenschutzgesetz welche Beschäftigtendaten die Arbeitgeber verarbeiten  dürfen. Außerdem setzen der Betriebsrat und die individuellen Rechte der Arbeitnehmer:innen, etwa das Persönlichkeitsrecht, der Überwachung Grenzen. Netzpolitik.org hat bereits letztes Jahr über den rechtlichen Rahmen der digitalen Kontrolle von Beschäftigten aufgeklärt. Zwei zentrale Aspekte sind, dass Mitarbeiter:innen immer ihre Einwilligung geben müssen und, dass keine anlasslose Überwachung ohne Verdachtsmomente stattfinden darf.

Privatsphäre versus Produktivität?

Gewerkschaften und Jurist:innen sehen in dem Produkt aber genau das: eine digitale Überwachungsmaßnahme der Unternehmen. So meint die IG Metall gegenüber netzpolitik.org:

Bei allen technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt oder geeignet sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen, haben Betriebsräte ein zwingendes Mitbestimmungsrecht. Vor dem Hintergrund der Herausforderungen, denen sich die Betriebe und Unternehmen momentan stellen müssen, ist es geradezu fahrlässig, den Fokus auf die Kontrolle der Beschäftigten zu legen. Es zeigt sich darin außerdem ein Führungsverständnis von vorgestern. Moderne Führung setzt auf Eigenverantwortung, nicht auf Kontrolle durch beispielsweise Software.

Der Rechtsanwalt Christian Velten ist auf Arbeitsrecht und Datenschutz spezialisiert. Ein besonders problematischer Aspekt der Produktivitätsbewertung ist für Velten, dass viele Unternehmen damit abhängig von dem Riesenkonzern und seinen Produkten sind. Er sagt gegenüber dem Spiegel: „Microsoft wird Unternehmen früher oder später in die Cloud zwingen“. Schließlich ist das Paket „Microsoft Office“ im vergangenen Jahr die meistgenutzte Büro-Software in Deutschland – und zwar mit ganzen 85 Prozent. Diese Zahl ermittelt zumindest eine Untersuchung des Dienstes Statista.

Die Produktivitätsbewertung kann diese Monopol-ähnliche Stellung noch verstärken. Immerhin fließt die Kategorie „Microsoft 365 Apps-Integrität“ in die Rechnung mit ein, die berücksichtigt, wie viele Microsoft-Produkte auf den Geräten der Mitarbeiter:innen installiert sind und genutzt werden. Möchte ein Unternehmen einen möglichst hohen Wert in dieser Kategorie erzielen, sollte es alle Microsoft 365-Apps benutzen. Das verstärkt nicht nur die Abhängigkeit des Unternehmens zu dem Riesenkonzern, sondern erschwert auch alternativen Cloudspeicher und Büro-Software sich auf dem Markt durchzusetzen. 

Dabei steht zur Debatte, ob die erhobenen Daten überhaupt aussagekräftig sind, um die Produktivität der Beschäftigten zu beurteilen. Schließlich gibt es so einige plausible Gründe, warum eine Mitarbeiter:in nicht die Kamera bei einem Meeting aktiviert oder eine Weile keine Mails oder Chat-Nachrichten schreibt. Sie hatte möglicherweise direkten oder telefonischen Kontakt mit ihren Kolleg:innen. Kritik kommt auch von Rechtsanwält:innen. Auf dem Blog datenschutzticker.de heißt es: „[Wenn] Angestellte mitbekommen, dass sie untereinander verglichen werden, führt das zu einer größeren Stressbelastung und kann letztlich die Produktivität verringern.“

Boomfaktor Corona   

Durch die Corona-Pandemie wechselten viele Beschäftigte von ihrem vorherigen Arbeitsplatz in das Home-Office. Dieser Wechsel erwies sich für den Softwarekonzern Microsoft als sehr profitabel – denn die Arbeit im Home-Office erfordert, dass die Kolleg:innen digital miteinander vernetzt sind. Der Cloud-Service des Riesenkonzerns ist besonders gewinnbringend. Microsoft hat im vergangenen Quartal ein Plus von 21 Prozent erwirtschaftet und übertrifft damit sogar die Erwartungen von Finanzexpert:innen.   

Die Produktivitätsbewertung entstand allerdings nicht wegen der Pandemie-Situation, sondern wurde als Konzept zum ersten Mal im Jahr 2019 von Microsoft vorgestellt. Mit der Pandemie hat das Konzept neuen Aufschwung bekommen. Jared Spataro, Vizepräsident von Microsoft 365, hat im Oktober 2020 in einem Blogbeitrag angekündigt, dass der „Productivity Score“ nun global verfügbar sei. Er meint:

Wir müssen die digitale Transformation von der Kunst zur Wissenschaft machen. (…) Lassen Sie uns einen Blick darauf werfen, wie die Produktivitätsbewertung Ihren Mitarbeiter:innen heute und in Zukunft zum Erfolg verhelfen kann.

Er betont in dem Beitrag auch, dass der Productivity Score kein Instrument zur Arbeitsüberwachung sei. Das sehen Datenaktivist:innen anders. Der österreichische Programmierer und Aktivist Wolfie Christl hatte auf Twitter heftige Kritik gegen die neue Dienstleistung von Microsoft ausgelöst. Christl bezieht sich in seinem Thread auf das Promotions-Video von Microsoft 365 zu dem Productivity Score. Er bezeichnet diesen als „ein vollwertiges Instrument zur Arbeitsplatzüberwachung“.

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Inzwischen hat Christl eine umfangreiche Studie veröffentlicht, die Methoden digitaler Kontrolle am Arbeitsplatz dokumentieren. Weitere Kritiker:innen schließen sich ihm an und warnen vor digitaler Überwachung und Eingriffe in die Privatsphäre. Ein Detail verrät, was eine breite Gruppe von Leuten denkt: Ein Microsoft-365-Werbevideo auf YouTube mehr Dislikes als Likes. 

Unzureichender Datenschutz

Der US-Konzern hat auf diese Datenschutz-Kritik reagiert und kündigte an, eine Änderung in der Datenerhebung vorzunehmen: Microsoft möchte Kategorien des Bereichs „Mitarbeitererfahrung“ auf Unternehmensebene zusammenfassen und damit verhindern, dass Rückschlüsse auf einzelne Beschäftigte gezogen werden können. Das ist zwar ein erster Schritt zu anonymisierten Daten, Datenschützer:innen halten ihn aber für unzureichend. Schließlich ist es sehr schwer solche Rückschlüsse zu verhindern, wie Heise berichtet

So drastisch diese Produktivitätsbewertung auch klingen mag, sie ist nur ein Teil der Kontrollsoftware-Industrie, die durch die Corona-Pandemie einen Aufschwung erlebte. Die Pandemie bietet für Unternehmen eine gute Gelegenheit, ihre Kontrolle durch Überwachungstechnologie auszuweiten und ihr schnelles Handeln mit dem Krisenstatus zu rechtfertigen. 

Eine zweiteilige Studie von Getapp untersucht den aktuellen Stand der Mitarbeiter:innenüberwachung von KMU in Deutschland. Sie belegt, dass etwa die Hälfte der Befragten angeben, erst seit der COVID-19 von ihren Arbeitgeber:innen mit Überwachungstool kontrolliert zu werden. Insgesamt geben 21 Prozent der Mitarbeiter:innen an, dass ihr Unternehmen Überwachungssoftware nutzen – die Manager sprechen hingegen von 38 Prozent. Das deutet darauf hin, dass einige Unternehmen ihre Arbeitnehmer:innen ohne deren Einwilligung mit Software kontrollieren – schließlich geben 13 Prozent der Beschäftigten an, nicht zu wissen, ob sie überwacht werden.

Klar ist, dass nur ein geringer Anteil der Mitarbeiter:innen die Überwachung aus eigenem Willen heraus akzeptiert hatten. Die Mehrheit der Befragten fühlte sich unter Druck gesetzt und äußerte große Bedenken bezüglich ihrer Privatsphäre. Die Zahlen zeigen, dass die digitale Überwachung von Beschäftigten zunimmt – und damit die Kritik vor möglichen Datenschutzvergehen.  

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24 Ergänzungen

  1. Mein Arbeitgeber ist MS Großkunde und hat zB Datenhaltung in Europa und persönliche Datenhaltung in Deutschland als Vertragsbestandteil. Der deutsche Betriebsrat lehnt kategorisch jegliche Überwachungsmaßnahme/Monitoring ab und macht sich damit bei den anderen nicht direkt beliebt (warum, ist doch effizienter?).

    Das Ganze funktioniert gut, aber ab und zu macht mal die Admin bei MS Fehler und wir bekommen als Mitarbeiter gesammelte Monitoringelemente in einer email, die aber laut Vertrag nicht exisitieren (und Auszüge aus emails, die MS nicht entschlüsseln kann, usw.)

    Aber mit der FDP in der Regierung werden wir ja endlich bekommen: Digital first, Bedenken second.

        1. Super schlecht recherchiert und pure Meinungsmache. Kein Konzern in Deutschland lässt diese Überwachung (mittels Graph) zu. Jede einzelne KBV regelt diese Daten und Punkte mehr als eindeutig.

          1. Ist klar. Nur weil es nicht legal ist, wird es nicht gemacht.

            So ein Quatsch.

            Was soll da schlecht recherchiert sein? Das wird von Microsoft so angeboten.

          2. „Kein Konzern“ – schon mal MS selber befragt?

            Die Erfassung und Verarbeitung der Daten ist – wenn nicht aufwendig abgeschaltet – immer im Betrieb. MS möchte dir jetzt den Zugriff darauf extra verkaufen.

      1. Ich neige ja auch ein bisschen zum Idealismus, aber Arbeitsumgebungen die Office365 komplett ausschließen – firmenweit – kann man zumindest in meiner Industrie (Kommunikation) mit der Lupe suchen.

        Der Trend geht zur Cloud – weil das interne Verantwortlichkeiten so schön durch Verträge ersetzt – und iE gepusht wird (ratet mal von wem?).

        Es gibt aber einige Firmen die selektiv bei MS bestellen und eben die Monitoring/Big Data Anwendungen absichtlich nicht verwenden und die Tür zuhalten.

    1. „Das Ganze funktioniert gut, aber ab und zu macht mal die Admin bei MS Fehler und wir bekommen als Mitarbeiter gesammelte Monitoringelemente in einer email, die aber laut Vertrag nicht exisitieren (und Auszüge aus emails, die MS nicht entschlüsseln kann, usw.)“

      Sollte das so stimmen: Was sagen denn die zuständigen Datenschutzbeauftragten dazu? (Also sowohl die/der im Betrieb, als auch der/die des Bundeslandes?)

        1. Aber auch „Fehler“ können bestaft werden. Vorsatz ist nicht nötig.
          Ich könnte mir allerdings denken, dass manches Bundesland Datenschutzbeauftragte ernannt hat die einfach sehr, sehr wirtschaftsfreundlich agieren. So wie in Irland eben.

  2. Für Leute, die ihre Arbeitszeit haupsächlich mit den Microsoft-Produkten verbringen, scheint die Überwachung auf jeden Fall gravierend zu sein. Glücklicherweise für mich verwende ich die meiste Zeit das gute alte Emacs und hege die Microsoft-Produkte in die Sandbox ein, die die Web-Browser bieten.

    Ich bin jedoch auch einer von zwei globalen Admins und kann noch mehr tun. Dieser Artikel ist ein Weckruf, die Abschaltung der „Personenerfahrungen in die Wege zu leiten[0]. Bisher war der Produktivitätsscore nie ein Thema. Entweder es läuft gut oder ich werde ein Fass öffnen und Begehrlichkeiten wecken. In letzterem Fall sollte ich ernsthaft nachdenken, ob ich dem Allgemeinen Engstrand’schen Imperativ folgen will:

    „Lebe stets so, dass du nie einen Arbeitgeber brauchst, der Überwachung benutzt.“

    Dieser und in gewissen Maße obige Spezielle Imperativ haben jedoch auch einen fatalen Fehler, nämlich dass er nicht von allen Arbeitern befolgt werden kann. Während ich als Entwickler die Möglichkeit habe, viele unterschiedliche Äcker zu beackern, ist die wirtschaftliche Mobilität in anderen Bereichen viel stärker eingeschränkt. Die Lage verschlechtert sich zudem mit der Zeit immer nur. Wenn also nicht gerade eine Flucht auf einen Bauernhof gemeint ist, kann dem Imperativ nur bedingt gefolgt werden.

    [0] https://docs.microsoft.com/de-de/microsoft-365/admin/productivity/privacy?view=o365-worldwide#capability-to-opt-out-of-people-experiences

  3. Für Interessierte: Die Zonar-Studie, gegen die Zalando versuchte zu klagen und erfolglos war:
    https://www.researchgate.net/publication/336513640_Ratings_als_Arbeitspolitisches_Konfliktfeld_Das_Beispiel_Zalando_Study_der_Hans-Bockler-Stiftung_Nr_429

    Für noch mehr Hintergrund: Einer der Autoren der Studie zeigt im Podcast auf, wie sich Zalandomitarbeiter – darunter auch Führungskräfte – wirklich fühlten:
    https://futureyourculture.podigee.io/5-neue-episode

    Allgemein würde ich mir von Netzpolitik bei solchen Artikeln mehr Querverweise wünschen, die das Thema in Gruppen einordnen – hier: Überwachung / Überwachungsanbieter / Algo – da z.B. verwandte Themen wie Proctorio (Überwachung von Schülern und Studenten) von vielen Lesern sonst nicht gefunden werden.

  4. Im Bild zu dem Artikel einen iMac zu zeigen und dann im Text ausschliesslich auf die Funktionen bei Microsoft 365 einzugehen ist auch etwa schräg

  5. Auch wenn der Artikel grundsätzlich auf eine wichtige Problematik hinweist, ist er dennoch in Teilen schlampig recherchiert und geschrieben.
    Der folgende Satz ist Unsinn: „Zwei zentrale Aspekte sind, dass Mitarbeiter:innen immer ihre Einwilligung geben müssen und, dass keine anlasslose Überwachung ohne Verdachtsmomente stattfinden darf“. Das steht auch nicht in dem Heise-Artikel, auf den verlinkt wird. Es werden dort 3 mögliche, nebeneinander stehende(!) Rechtsgrundlagen der Verarbeitung personenbezogener Daten genannt. Die Einwilligung kann(!) eine sein. Im Arbeitsverhältnis ist die Einwilligung allerdings in den seltensten Fällen als Rechtsgrundlage geeignet, schon gar nicht bei Überwachungssoftware. An Stelle der Einwilligung kann es aber eben auch andere Rechtsgrundlagen für die Verarbeitung personenbezogener Daten geben – auch für Funktionen, die zur Überwachung geeignet sind.

    1. Hallo Peter, der Satz verlinkt auf einen Artikel von Haufe. Ich habe zwei der drei Aspekte genannt, erstens dass die Datenverarbeitung erforderlich ist und zweitens eine Einwilligung vorliegt, da mir diese „zentral“ erscheinen. Der dritte Grund, nämlich im Falle möglicher Straftaten, erscheint mir in diesem Zusammenhang nicht besonders nennenswert, da zur Aufdeckung oft eine veränderte Rechtsgrundlage vorliegt.

  6. Bei dem Hinweis auf den Betriebsrat musste ich laut lachen.
    Die wenigsten KMU haben einen Betriebsrat. Das wäre ja Kommunismus und würde zum Untergang der Wirtschaft führen!
    Falls die Mitarbeiter:innen doch mal wagen, einen BR wählen zu wollen, hagelt es Mobbing und Entlassungen. Wenn 60% der Belegschaft befristet, geleast, in Minijobs oder „Selbstständige“ sind, ist noch nicht einmal mehr das nötig.

    Diese Kriterien für „Effizienz“ sind doch Bullshit! Wer brav Microsoft-Produkte kauft und sich von deren Goodwill bezüglich Safety/Security/Privacy abhängig macht, ist „besser“? Als Unternehmer:in würde ich mir dreimal überlegen, ob ich meine geschäftlichen Daten in die Klaut lege: Industriespionage aus USA, China, Russland inclusive.

    Gesuchte Fachkräfte können sich einen Arbeitgeber suchen, der sie nicht überwacht. Zigtausende Bürosklaven haben diese Marktmacht nicht. Hier auf (nichtexistierende) Betriebsräte zu verweisen, ist schon arg zynisch.
    Hier ist der Gesetzgeber gefragt. Aber dort liebäugelt man ja lieber mit Staatstrojanern, Pegasus, Predictive Policing, Gesichtserkennung blabla.

  7. Die Dokumentation bezieht sich ausschließlich auf MS365 Produkte und sagt rein garnix über die Produktivität aus. Dies sind als Nutzungsscore der genannten Software zu sehen und nicht als Überwachung – auch wenn MS in der Mail irgendwas von Produktivität schreibt.

    Hier wird viel Terz um nix gemacht!

    1. Stimmt, sehe ich auch so…die kommerzielle Cockie-Kacke, Handy-Apps, ist doch viel schlimmer als eine IT-Infrastruktur auf Windows basierten Systemen und die Nutzung der Bürosoftware. Ein AG kann sich doch gegenüber AN verpflichten keine Leistungs- und Verhaltensüberwachung zu nutzen, egal was Systeme in die Cloud beamen. Manche Daten sind notwendig, um fehlerhafte Nutzung, weiter Entwicklungspotentiale zu ermitteln und klar MS wird Entwicklungen von Apps einstellen, wenn sie nicht lukrativ genutzt wurden, auch legitim ist, wenn Unternehmen auf Umsatz und Produkte schauen müssen (AN wollen ja arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten). Banken wissen, wann ich was, wann, wo kaufe, in den Miesen oder Mio bin. Amazon, Lieferando, Mietroller wissen, was ich nutze, was mir schmeckt, was mir gefällt. So gesehen ist das Arbeiten mit Bürosoftware weniger Überwachung und mögliche Eingriffe in meine Persönlichkeitsrechte als meine Nutzung von irgendwelchen Cloud-Diensten im alltäglichen Leben.

  8. Tätigkeiten die vollständig mit solchen Tools erfasst werden können, kann man in der nächsten Ausbaustufe auch gleich ganz durch den Kollegen Computer erledigen lassen – meinte der Softwareentwickler (ich). Ob das dann in seinen umfangreichen Konsequenzen als „gut“ oder „schlecht“ bewertet wird, darüber muss irgendwann die Auseinandersetzung stattfinden. Dann sind wir aber wieder in Diskussion zur Umsetzbarkeit der „Star-Trek“ Gesellschaft, bzw anderer Utopien/Dystopien – Es bleibt spannend.
    Die arbeitsrechtliche Dimension ist an diesem Punkt dann eher zu vernachlässigen. Dabei würde ich auf das Beispiel des gültigen Urheberrecht/Leistungsschutzrecht verweisen, seit die (einfache) Möglichkeit zur digitalen Vervielfältigung von Werken besteht.

  9. Ganz einfach, Eingriff in die Persönlichen Rechte machen Mitarbeiter unglücklich – unglückliche Mitarbeiter sind nicht Produktiv auch wenn der Score bei 100 stehen sollte.

  10. Schon der Titel ist einfach reisserisch und nicht seriös, denn nicht alle Chefs bzw. alle Unternehmen machen das! Nirgends darf man Menschen alle über einen Leisten schlagen! Auch nicht bei den Vorgesetzten.
    Speziell finde ich zudem: Mitarbeiter die eine Kollegen haben, welcher die Situation ausnützt und sie es dann ausbaden müssen, nerven sich über den Chef weil er nichts dagegen macht. Der Chef wiederum darf nichts machen, weil er ohne Beweis einem Mitarbeiter nichts unterstellen darf und in dieser Berichterstattung geht das einfach unter. Hauptsache man kann sich über Wirtschaft beklagen. In Wirklichkeit ist die Wahrheit weder schwarz noch weiss.

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