#Appletoo Mitarbeiterkampagne prangert Diskriminierung und interne Datenschutzprobleme an

Apple steht derzeit nicht nur von außen in der Kritik. Mit der Kampagne #Appletoo wenden sich Mitarbeiter:innen gegen Diskriminierung und machen den Umgang des Unternehmens mit der Privatsphäre seiner Beschäftigten öffentlich.

Die Felsformation Tokangawhā / Split Apple Rock vor der Küste Neuseelands
Der Tokangawhā, auch Split Apple Rock genannt, beweist das der massivste Fels nicht unzerstörbar ist. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Pablo Heimplatz

Unter #Appletoo haben Mitarbeiter:innen vergangene Woche eine Kampagne gegen Fälle von Diskriminierung und Missbrauch innerhalb des Konzerns gestartet. „Zu lange hat sich Apple der öffentlichen Kontrolle entzogen“, heißt es auf der Webseite der Initiative. Intern seien alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

„Wir haben mit unseren Führungskräften gesprochen. Uns an das Personalbüro gewandt. Es im Rahmen der betrieblichen Verhaltensregeln versucht. Nichts hat sich geändert“, so das Statement weiter. Ein von Appletoo veröffentlichter Brief an CEO Tim Cook kritisiert auch den internen Umgang mit der Privatsphäre:

Wenn wir über Apples Gesundheitsdienste Urlaub oder eine Unterkunft beantragen, werden wir gebeten, Apple und allen Apple-Vertretern umfassende persönliche medizinische Informationen für einen Zeitraum von zwei Jahren zur Verfügung zu stellen.

Gläserne Angestellte

„Apples Richtlinien zum Datenschutz und zur Geräteverknüpfung sorgen auch dafür, dass wir, wenn wir einen Rechtsantrag einlegen, riskieren, dass in unsere Privatsphäre eingegriffen wird“, schreibt Appletoo. 

Ein Beispiel dafür, wie Apple die Privatsphäre der eigenen Mitarbeiter zugunsten der Kunden opfert, ist das sogenannte „Dogfooding“. Damit wird die Praktik großer Konzerne bezeichnet, Beta-Versionen zunächst durch die eigenen Mitarbeiter testen zu lassen. Das Problem bei Apple: die Apple-ID. Mitarbeiter haben hiervon, wie andere Nutzer auch, nur eine. Über diese laufen folglich nicht nur die Tests neuer Programme, sondern auch sämtliche private Vorgänge.

Jacob Preston, ein früherer Angestellter Apples, berichtete The Verge von seinem Fall. Preston wurde nach seiner Einstellung angehalten, seinen Arbeitsaccount über seine private Apple-ID laufen zu lassen. Als er drei Jahre später kündigte, musste er auch den Firmenlaptop zurückgeben. Die hierauf gespeicherten Daten, darunter private Dokumente etwa zu Krediten, durfte Preston nicht löschen

Streng vertraulich

Die Chefetage Apples dürfte über die Kritik aus den eigenen Reihen wenig begeistert sein. Ende August hatte die Unternehmensführung einen Slack-Kanal, in dem sich Angestellte über faire Gehälter austauschen wollten, verboten. Appletoo sagt zum Kommunikationsgebaren des Konzerns:

Die Kultur der Geheimhaltung ist für viele Mitarbeiter von Apple eine undurchsichtige, unüberwindbare Mauer.

Mit diesem Umstand seien schwarze, indigene und aus anderen Gründen marginalisierte Beschäftigte unverhältnismäßig stark konfrontiert, kritisiert die Website die Unternehmenspraxis weiter.

„Slack-Kanäle werden zur Abwicklung der Geschäfte des Unternehmens zur Verfügung gestellt und müssen die Arbeit, die Ergebnisse oder die Mission der Abteilungen und Teams von Apple fördern“, erklärte wiederum ein Vertreter von Apples Personalabteilung laut The Verge. Alles andere widerspreche den Slack-spezifischen Nutzungsbedingungen des Konzerns.

Ausnahmen gäbe es zwar unzulässig seien jedoch „Slack-Kanäle für Aktivitäten und Hobbys, die nicht als Apple Mitarbeiter-Clubs oder „Vereinigungen für diverse Netzwerke“ („Diversity Network Associations“) anerkannt sind.“ Das Unternehmen setzt diese Regel allerdings selbst nicht konsequent um: Gruppen zu Themen wie „lustige Hunde“ oder „Dad-Jokes“ sind erlaubt und zählen jeweils mehrere Tausend Mitglieder. Schon im Juli hatte Apple hingegen Slack-Kanäle geschlossen, in denen Mitarbeiter:innen mehr Home Office gefordert hatten.

Aussage gegen Aussage

Apple präsentiert sich gerne als vielfältig. Die Vermutung, das Unternehmen nutze seine Richtlinien zur Benutzung von Slack, um intern unliebsame Diskussionen zu unterbinden, liegt jedoch nahe. Dass der Konzern zudem mehrere Umfragen über gendergerechte Bezahlung blockierte, stützt diesen Eindruck. Die Befragung zu Gehältern findet sich deswegen auch auf der Appletoo-Website.

Bereits 2016 versprach Tim Cook, Apples CEO, Gehaltsunterschiede zu beseitigen. Angestellte sprechen allerdings weiterhin von rund fünf Prozent Differenz bei der Bezahlung von Männern und Frauen.

Einen Rechtsstreit zur Frage, warum der Austausch über Bezahlung nicht erlaubt ist, Tierfotos zu verschicken allerdings schon dürfte Apple nicht gewinnen. In den USA dürfen sich Arbeitnehmer:innen über die IT-Infrastruktur ihres Arbeitgebers zu arbeitsrechtlichen Fragen austauschen. Diese Regelung hatte die Obama-Administration eingeführt, andere Technik-Konzerne wie Google versuchten bereits, gegen diese Arbeitnehmerrechte zu lobbyieren.

Öffentlichkeit erzeugt mehr Druck 

Appletoo ist Teil der lauter werdenden Forderungen von Beschäftigten der Tech-Branche nach mehr Gerechtigkeit und Gleichbehandlung. An der Kampagne zeigt sich außerdem, dass Apples Mitarbeiter:innen zunehmend ihre Taktik ändern. Offene Briefe, im Zweifel an Medien durchgestochen, sind dabei ein Mittel, den Druck auf das Unternehmen zu erhöhen.

Diese Strategie war im Fall von Apple in der Vergangenheit bereits erfolgreich. Im Mai entließ der Konzern den Ingenieur Antonio Garcia Martinez. Angestellte Apples hatten sich in einem offenen Brief an die Unternehmensführung gewandt. Das Schreiben zitierte misogyne und rassistische Aussagen aus Garcia Martinez Buch und forderte dessen Entlassung.

Kritik auch auf anderen Feldern

Der Druck auf Apple nimmt nicht nur intern zu. Neben den Versuchen, die Monopolstellung Apples zu zerschlagen, gibt es auch immer wieder Vorfälle beim Datenschutz. Gemeinsam mit Google muss sich Apple demnächst vor Gericht für Verletzungen der Privatsphäre durch Sprachassistenten verantworten. Eine entsprechende Klage wurde von einem kalifornischen Gericht in großen Teilen zugelassen. 

Vorgeworfen wird Apple dabei über Siri Nutzer:innen ohne deren Wissen abgehört und Unterhaltungen aufgezeichnet zu haben. Die Klage schildert die Umstände:

Diese Gespräche fanden in ihrer Wohnung, in ihrem Schlafzimmer und in ihrem Auto sowie an anderen Orten statt, an denen die Klägerinnen Lopez und A. L. allein waren oder berechtigter Weise erwarteten Privatsphäre zu genießen.

Apple verkündete erst vor wenigen Tagen ein geplantes iMessage-Feature sowie das Vorhaben, künftig Fotos nach CSAM („child sexual abuse material“) zu durchsuchen, zu verschieben. Maßgeblich für diese Entscheidung war offenbar die Welle heftiger Proteste, wie Apple indirekt in einer Mitteilung bestätigte. Selbst die eigenen Mitarbeiter:innen äußerten sich kritisch zu den Plänen. Diskutiert haben die Angestellten ihre Befürchtungen bezüglich Apples Scan-Vorhaben übrigens auch – in einem firmeneigenen Slack-Kanal.

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