Seit Juli 2016 darf ich den Bereich „Internet“ im ZDF-Fernsehrat vertreten. Was liegt da näher, als im Internet mehr oder weniger regelmäßig Neues aus dem Fernsehrat zu berichten? Eine Serie.

Wer öffentlich-rechtliche Inhalte in der Wikipedia sehen möchte, der darf sich Creative-Commons-Lizenzen nicht verweigern. Mehr noch, es darf nicht irgendeine Creative-Commons-Lizenz sein, sie muss mit den in der Wikipedia verwendeten, freien Varianten kompatibel sein. Im Rahmen der etablierten Abläufe öffentlich-rechtlicher Anstalten ist die Veröffentlichung von Inhalten unter solchen Lizenzen jedoch bislang nicht vorgesehen.
In den bislang gut zwei Jahren als Mitglied des ZDF-Fernsehrats habe ich in unzähligen Diskussionen und Brieffreundschaften einige Argumente diesbezüglich immer wieder gehört und manche neuen kennengelernt. Unverändert geblieben ist aber meine Überzeugung, dass Wikipedia-kompatible Lizenzierung bestimmter öffentlich-rechtlicher Inhalte sowohl machbar als auch überaus sinnvoll ist. In einer zunehmend nicht-linearen, von großen Plattformen dominierten digitalen Öffentlichkeit gibt es kein besseres Umfeld für öffentlich-rechtliche Inhalte als die gemeinnützige und freie Online-Enzyklopädie Wikipedia.
In einem Vortrag bei der diesjährigen „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz habe ich deshalb die Top-5-Gründe dafür vorgestellt, warum sich öffentlich-rechtliche Anstalten bislang schwer mit freien Creative-Commons-Lizenzen tun. Unüberwindbar sind die Hürden jedoch nicht und, wie an dieser Stelle bereits beschrieben, der Aufwand dürfte sich lohnen:
Ein Verzicht auf offene, Wikipedia-kompatible Lizenzierung bedeutet deshalb auch, auf zunehmend wichtigere Werbe‑, Traffic- und Auffindbarkeitseffekte in digitalen Kontexten zu verzichten. Abseits linearer Verbreitungswege sind Wikipedia-Links einfach (Reichweiten-)Gold wert.
Mein Vortrag endet deshalb auch mit einer Prophezeiung: noch im Laufe der nächsten zehn Jahre werden die Öffentlich-rechtlichen Wikipedianerinnen und Wikipedianer darum bitten, ihre Inhalte in der Wikipedia einzubetten.
zum Vortrag als PDF-Download.
