Öffentlichkeit

Hate-Speech-Gesetz: „Unausgegorener Gesetzesentwurf auf den letzten Metern vorm Wahlkampf“ (Update)

Das geplante Netzwerkdurchsetzungsgesetz gefährdet elementare Funktionsweisen des Rechtsstaats, kritisiert die Opposition im Bundestag. Eigentliche Probleme wie Hassrede und Fake News würden durch den Entwurf nicht bekämpft. Kritiker warnen vor Zensur.

Justizminister Maas flitzt mit seinem Vorhaben durch die Legislative. (Symbolbild) Public Domain Julia Raasch

Gestern hat die Bundesregierung das Netzwerkdurchsetzungsgesetz beschlossen. Die Regierung plant mit dem Entwurf, Hassrede und Fake News im Internet zu bekämpfen. Die Oppositionsfraktionen im Bundestag warnen vor privatisierten Rechtsdurchsetzung durch Soziale Netzwerke, wie es der Entwurf momentan vorsieht. Ein Kommentar in der Süddeutschen Zeitung fürchtet Zensur.

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Rechtsunsicherheit im Rechtsstaat?

Die Grünen greifen Justizminister Heiko Maas (SPD) direkt an. Bisher sei der Minister nicht ausreichend gegen Hassrede und Fake News im Internet vorgegangen. Der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, sagt gegenüber netzpolitik.org:

Nachdem der Justizminister monatelang außer PR-Aktionen nichts vorlegte, kommt er nun auf den letzten Metern vorm Wahlkampf mit einem unausgegorenen Gesetzesentwurf daher. So sind die aufgezählten Straftatbestände völlig eklektisch mit vielen Lücken und Wertungswidersprüchen zusammengestückelt, daran ändern die jüngsten Ergänzungen im Grundsatz nichts.

Laut von Notz gehören „hochkomplexe Abwägungsfälle zwischen Grundrechten der Meinungsfreiheit und der Persönlichkeitsrechte […] vor Gericht und nicht zwischen drei Privaten geklärt“.

Die Linke weist darauf hin, dass Soziale Netzwerke eben deswegen unter Umständen zu Overblocking neigen könnten. Plattformen löschen dann Inhalte proaktiv, ohne den vorgeworfenen Tatbestand genau zu prüfen. Die netzpolitische Sprecherin der Linken, Halina Wawzyniak, sagt dazu explizit:

Bei der üblen Nachrede und der Verleumdung von Personen wird [die Überprüfung von „offensichtlich rechtwidrigen“ Inhalten] für die sozialen Netzwerke so gut wie unmöglich. Denn bei diesen muss es um Tatsachen gehen, die erweislich nicht wahr sind bzw. um unwahre Tatsachen. Wie soll das ein soziales Netzwerk in der angegebenen Frist prüfen? Diese Regelung wird also dazu führen, dass die Betreiber sozialer Netzwerke auch auf Verdacht löschen werden.

Wie wichtig das Überlassen einer solchen Prüfung den Gerichten ist, untermauert Wawzyniak an einem juristischen Knackpunkt: „Die Betreiber sozialer Netzwerke [unterliegen] zwar einer Informationspflicht […], nicht aber einer sogenannten Rechtsbelehrungspflicht“. Personen, deren Inhalte gelöscht werden oder denen der Zugang zu einem Netzwerk untersagt wird, werden also nicht belehrt.

Medienkompetenz!

Um die von Maas anvisierten Problemfelder wirklich effektiv zu bearbeiten, fordert von Notz Bürger und Gesetzgeber zu mehr aufklärerischer Haltung auf:

Weder der Rechtsstaat noch die milliardenschweren Anbieter dürfen es sich hier zu billig machen. Nicht zuletzt aber kommt es auf aufgeklärte und kritische Nutzerinnen sowie eine wache Zivilgesellschaft im Netz an: Nur so gelingt eine freie und durchaus kontroverse aber nicht hasserfüllte Diskurskultur im Digitalen. Da braucht es Medienkompetenz, Beratungsangebote sowie Transparenz z.B. beim Einsatz von Social Bots.

„Die Justiz muss entscheiden, nicht Facebook“

In einem Kommentar findet Heribert Prantl, Ressortleiter bei der Süddeutschen Zeitung, klare Worte bezüglich den Plänen der Regierung: „Hoheitliche Tätigkeiten“ wie Rechtsprechung dürfen nicht in private Hand fallen. Außerdem sollen keine Äußerungen unterdrückt werden:

Bei alledem aber gilt: Nachrichten dürfen nicht einfach deshalb als Fake oder Beleidigung eingestuft werden, weil sie unliebsam sind. Es darf keine Zensur geben.

Zuvor kritisierten bereits Verbände und Pressevertreter das geplante Gesetz. Durch den Beschluss der Bundesregierung und eine schnelle Notifizierung bei der EU ist nun für Maas der Weg frei, Bundestag und Bundesrat den Gesetzesentwurf vorzulegen. Die Große Koalition im Bundestag will das Gesetz noch vor der Sommerpause beschließen, die Ende Juni beginnt.

Update 17:57: Vertreter der SPD-Bundestagsfraktion kritisieren in einer heutigen Pressemitteilung den Gesetzesentwurf ihres Ministers. Lars Klingbeil und Johannes Fechner betonen die Notwendigkeit eines Richtervorbehalts beim Auskunftsrecht:

Aus Sicht der SPD-Bundestagsfraktion ist ein Auskunftsanspruch bei strafrechtlich relevanten Persönlichkeitsverletzungen mit zwingendem Richtervorbehalt notwendig. Der nun im Entwurf der Bundesregierung vorgesehene Auskunftsanspruch geht weit darüber hinaus. Wir setzen uns daher dafür ein, dass der Auskunftsanspruch […] von einem Richter angeordnet sein muss.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
21 Kommentare
  1. Irgendwelche „Kompetenzen“ sind Wurst. Herzlich willkommen in der DDR. Da sollte man sich auch nur noch über Garten und Fußball unterhalten. Man kann aber hoffen, dass die heutige Einheitspartei am Ende nicht so billig davonkommt, wie die DDR-Bonzen.

  2. Netter Versuch eines Gestrigen die mündigen Bürgen zu entmündigen und sich komplett in die Zeiten der ehemaligen DDR zurückkatapultieren zu lassen. Solche Leute werden dann auch noch mit Steuergeldern bezahlt. Das ist das Bitterste daran finde ich. Wer würde jemand bezahlen der einem immer nur das Schlechteste will und einen aussaugen? Sowas heißt im Tierreich wohl „Parasit“ !

    1. Und Menschen als Tiere zu bezeichnen ist ein üblichen Mittel der Entmenschlichung und ziemlich widerlich, vor allen „Parasit“ als Entmenschlichung hat eine ganz bestimmte Geschichte in unserem Land.

      Man kann auch Kritik üben ohne unnötige Vergleiche und noch viel unnötigere Begriffe.

      1. Menschen (Homo sapiens) sind Säugetiere und Primaten, das ist ein Fakt. Wie Menschen mit Tieren umgehen, spricht eher gegen die Menschen.

        1. Der Mensch (auch Homo sapiens, lat., verstehender, verständiger bzw. weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch) ist nach der biologischen Systematik ein höheres Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenprimaten (Haplorrhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae).

          https://de.wikipedia.org/wiki/Mensch

      2. Ich würde es gar nicht bildhaft darstellen und vergleichen würde ich es mit Vergleichbaren, also anderen Menschen.
        Tut mir Leid, aber es gibt keinen kommunikativen Zwang zu Vergleichen und schon gar nicht, wenn diese entmenschlichen und eine Sprache darstellen, die wir schon mal hatten in Deutschland.

        1. Man kann es mit der Wortklauberei aber auch übertreiben. So wird der Kampf um politisch korrekten Speech zur nur verpönten deutschen Korithenkackerei!

  3. „Vertreter der SPD-Bundestagsfraktion kritisieren in einer heutigen Pressemitteilung den Gesetzesentwurf ihres Ministers.“

    Die Spezialitaet der Spezialdemokraten: an der Regierung sein, nach aussen Oposition spielen, im Endeffekt dafuer stimmen. Links blinken und rechts abbiegen.

  4. Meiner Meinung nach versucht Maas, den Rechtsstaat zu demontieren. Er listet einige Straftatsbestände auf, nach dem Facebook wegen angeblich Strafbarkeit als privater, juristischer Laie statt eines Richters recht sprechen soll. Dabei wird das rechtliche Gehör des Beschuldigten vor der Bestrafung abgeschafft. Antragsdelikte wie Beleidigung, wo nur der angeblich Beleidigte das Recht hat eine Strafverfolgung zu beantragen, werden zu Offizialdelikten, die durch juristische Laien strafverfolgt werden sollen außerhalb der Justiz. Ein Unding in einem Rechtsstaat. Und eine illegale Umgehung des Strafgesetzbuches.
    Schon im Zugangserschwerungsgesetz hatten die gleichen Täter versucht, die Rechtsprechung von der Justiz auf die Polizei zu verlagern. Dabei sollten die Urteile auch noch geheim bleiben und Filterherstellern die Sperrlisten nicht zugänglich gemacht werden für den Jugendschutz. Ein absurder Hass auf das Internet und den Rechtsstaat.
    Ein saubere Lösung wäre, wenn bei Verdacht einer Straftat Anzeige bei Polizei oder Staatsanwaltschaft erstattet wird und ein ordentlicher Richter zügig die Strafbarkeit urteilt, die dann mit staatlicher Gewalt auch zum Vollzug gebracht wird.
    Aber Maas geht es nicht um den Erhalt des Rechtsstaates. Er scheut vielleicht die Kosten. Aber Outsourcing der Rechtsprechung an unqualifizierte Laien ist ein Angriff auf unsere freiheitlich demokratische Grundordnung. So als würde man sagen, ich lasse Law and Order im Straßenverkehr durch Private im Faustrecht erledigen statt den Staat im Rechtsstaat.
    Nach seinem Lügendebakel mit der Vorratsdatenspeicherung ist das Maß für Maas eigentlich voll. Die Groko sollte sich einen Justizminister suchen, der zu unserem Rechtsstaat und unserer FDGO steht und nicht einen, der beides bekämpft.

    1. „Meiner Meinung nach versucht Maas, den Rechtsstaat zu demontieren“
      Ich denke nicht, das dies faktisch gesehen der Fall ist. Rechtssysteme können unterschiedlich ausgestaltet werden. Letztlich kann selbstverständlich auch die Festlegung einer privaten Willkür-Entscheidung in einem bestimmten Anwendungsfall rechtskonform sein, solange die Vorgabe der Anwendung in Form eines, nicht im Prinzip-Widerspruch zu anderen Gesetzen stehenden, Gesetzes vorliegt. Auch die vollständige Auslagerung einer Rechtsentscheidung von den Gerichten in den privaten Sektor/zu einem privaten Entscheider kann in einem Rechtsstatt konform sein.
      Ich denke Sie meinen vielleicht etwas anderes?

  5. Über diese Schiene wurde in Spanien 2015 mit dem „Gesetz zum Schutz der Sicherheit der Bürger“ wieder die Gotteslästerung und die Inquisition eingeführt. Solche Regularien werden sofort genutzt, um private Rechnungen zu begleichen und vom rechten Glauben Abgefallene zu sanktionieren.

    Dort gelten schon das spontane Versammeln, das Fotografieren von falsch abgestellten Polizeifahrzeugen („Respektlosigkeit gegenüber Sicherheitsorganen“) oder das sarkastische Kommentieren der Bekämpfung der formaligen Diktatoren als schwere Vergehen und werden mit Freiheitsstrafen und hohen Geldbußen ausgezeichnet. Verurteilte dürfen sieben Jahre lang kein öffentliches Amt ausüben.

    Die Diskussion darüber geht schon seit 2013 und so wie es vermutet wurde ist es dann auch gekommen. Inzwischen nimmt das thailändische Verhältnisse an.

  6. Ich glaube das eigentliche Problem von Hate-Speech kann man auf einer semiotischen Ebene betrachten. Versuchen wir doch zunächst einmal Hate-Speech zu definieren. Im Kern geht es darum, einen Kommunikationsstil zu pflegen, der ohne zentrale Koordinierung auskommt und stattdessen über Weltdeutungen arbeitet. Dazu ein kleines Beispiel aus dem OpenSource Spiel „OpenRA“ was ein Multi-Player-Echtzeitstrategiespiel ist. Man kann Spieler auf zwei Arten koordinieren: Entweder sagt man „Du da, sichere mal deine Basis ab.“ „Und du, helfe mir mal mit dem Tiberium einsammeln“. Das ist eine klassische zentralisierte Kommunikationsstruktur die topdown funktioniert und wo der einzelne zum Befehlsempfänger degradiert wird. Schaut man sich jedoch einmal die Textnachrichten an, die bei OpenRA und anderen Spielen tatsächlich versendet werden, so wird dort eher mit Ist-Beschreibungen der Wirklichkeit gearbeitet. Das heißt, jemand sagt wie seiner Meinung nach die Welt aussieht „Da kommen gerade Tanks über die Brücke, könnte brenzlig werden“ oder „Der Gegner hält sich im Norden auf“. Gemeinsames Merkmal dieses indirekten Kommunikationsstils ist es, dass er nicht definiert was daraus folgt. Im Grunde kann jeder die Informationen so interpretieren wie er gerne möchte, es werden keine Anweisungen ausgegeben.

    Nach der Sapir-Whorf-Hypothese https://de.wikipedia.org/wiki/Sapir-Whorf-Hypothese unterscheidet die Sprachwissenschaft zwischen einem restringierter Code (das wäre das Beispiel 1) und einem elaborierten Sprachcode (Beispiel 2, ohne explizite Befehle). Was jetzt bei Hate-Speech passiert ist folgendes: Die Leute die im Netz Stimmung machen wollen haben irgendwann erkannt dass man mit dem elaborierten Sprachcode wo nur die Ist-Situation beschrieben wird sehr viel effektiver kommunizieren kann und setzen das Muster jetzt ein. Über eine verzerrte Beschreibung der Realität wird die Deutungshoheit übernommen wodurch man auf primitive Befehle und zentralisierte Kontrolle verzichten kann. Weil das natürtlich in Konkurrenz steht zu offiziellen Deutungsmustern muss Hate-Speech unterbunden werden, damit es nur noch eine Wirklichkeit gibt, in der dann alle das richtige tun.

    1. Du darfst auf dieser Webseite http://www.ip-check.info/ mal den Kontrolletti machen, mal schauen wie gut dein Browser Geheimnisse für sich behalten kann bzw. die von dir eingestellten FakeNews für Webseiten weiterleitet.
      Ja, die Anmeldung ist Absicht und kann mit dem Button „Abbrechen“ Abgebrochen werden!
      Das Schreibe ich hier, weil die meisten schon an dieser Hürde scheitern und nach „Benutzername“ und „Passwort“ Fragen!

  7. (weiter:)
    Für den weiteren Aufguss wird es nötig sein, überhaupt einmal der Wirkweise des
    Diskurses nachzugehen (wertvolle Vorarbeit hierzu bei Jürgen Habermas, aber dort
    wo es brisant wird, macht er sich leider auch aus dem Staub), das ist das einfache menschliche Vermächtnis, zu sich selbst innerlich auf Distanz gehen zu können, wenn Dies-und-Das gedanklich erwogen wird, womit die unterschiedlichsten Positionen gegeneinandergestellt und abgewogen werden können.

    Hierzu tritt die stets mitlaufende Erwartung im Zuge des kommunikativen Handelns, dass diese Bereitschaft zur innerlichen Distanz auch vom jeweiligen Gegenüber eingefordert wird. Mehr noch wird vorausgesetzt, idealerweise, dass ein Gegenüber jederzeit bereit ist, zunächst auch eine kontroverse Position sich zueigen zu machen, bevor man sich auf die Suche nach einer gemeinsamen Position macht.

    Das ist der zentrale Punkt hier, der eine Begründung dafür liefern kann, wie Menschen untereinander die für das jeweilige Auskommen erforderlichen Machtpositionen etablieren und pflegen imstande sind. Man kann hier dem Versant bei der Arbeit zuschauen, gerade, wie bei Kant so schön als Imperativ plausibel gemacht.

    Ein wunderbares Beispiel hierzu mim an der Stelle: Seit Jahrzehnten gibt es das Usenet, es wird als eigener Dienst im Internet geführt (als nntp), ist prinzipiell dezentral und hat von daher keinen Betreiber. Jeder der mitschreibt ist zugleich ein Betreiber.

    Damit lässt sich zugleich wieder zur anderen Fraktion schwenken, die dermaßen auf ihren kleinen Horizont versessen ist, dass so etwas als nicht existent verbucht wird. Tatsächlich haben die Massenmedien im Dunstkreis der politischen Macht es geschafft, die Existenz dieses Mediums über Jahrzehnte hinweg totzuschweigen. Dabei sind ihre Foren, und die kommerziell betriebenen Identifikations-Pools ja wiederum nur ein Abklatsch dieses Vorbilds, via elektrischer Netzwerkerei Konferenzen in Permanenz betreiben zu können.

    Wir sind hier zugleich auch an dem Punkt, wie sich so ein seltsamer Hass vonseiten von redaktionell betriebenen Medien rein pragmatisch erklärt, was dann auch die Blindwütigkeit des abgründigen politischen Gebarens erläutert:

    Auf diskursiver Basis ist Selbstverantwortlichkeit ein praktiziertes alltägliches Gut. Hierin finden die Schilderungen aller nur erdenklichen Widrigkeiten, Hässlichkeiten, Abgründe des Menschlichen und Allzumenschlichen einen Platz in den Abwägungen und Gegenüberstellungen in menschlicher Begegnung. Das wesentliche Detail muss hier mitgedacht werden: Nur durch die permanent praktizierte Lernfähigkeit quer durch alle Gesellschaft bleibt so ein Korpus auch in seiner Symbol- und Sprachwelt wach genug, um auf Änderungen in der Welt mit kritischen Abägungen reagieren zu können.

    Der Ausgang eines Diskurses hingegen ist immer ungewiss, Resultat der steten Reziprozität. Kurz, wenn man vorher weiß, was hinterher herauskommt, dann war es kein Diskurs.

    Man könnte suchen, ob es Vorzüge dessen gibt, stattdessen sein Leben in der permanenten Nabelschau zu frönen … Vielleicht die Lust, sich vor allem dem Machterhalt zu widmen, wahrschleinlich auch, die Welt rundum als garantiert kontrollierbar gestalten zu wollen. Wenn der Diskurs dabei abhanden kommt, landet man eben bei so etwas wie dem hier unternommenen Gesetz. Wenn sehenden Auges den Menschen der offene Diskurs abgegraben wird, landet der gesellschaftliche Korpus unweigerlich bei Verblödung. Per Konsumismus kann man das vielleicht eine Zeitlang kaschieren, aber nicht lange. Es ist ein totalitäres Unterfangen. Aber den Rückfall in feudale Denkmuster haben für andere Lebensbereiche schon andere festgestellt. Gier und Selbstherrlichkeit von sich als auserwählt Wähnenden kann man durchaus als Muster unterstellen.

  8. (störrisches Ding … erster Teil, Unterteil b)
    Aus dem Wechselspiel dieser beiden Positionen wird man herausgreifen müssen, wie
    sich der Versuch der Einmischung der Seite des Narzissmus auswirkt, wenn ganz a
    llgemein jeglicher Diskurs am Gängelband geführt werden soll.

    Man muss das kleine Stück historisch ausgreifen, dass ein Selbstverständnis von Diskurs sonderlich im deutschsprachigen Raum dort arg per Gewohnheit verwirrt wurde, wenn man sich dessen entsinnt, dass die Regulierung der Selbstherrlichkeit von Mandatsträgern, mit den Mitteln von imperativem Mandat, flugs mit Waffengewalt ausgeräumt wurde.

    Anstatt von politischen Räten, die eine ausufernde Selbstherrlichkeit der politischen Mandatare hätten sozusagen erden können, haben wir stattdessen ein übermächtig gewordenes sich einschmeichelndes Finanzkapital, auf dass die Selbstherrlichkeit nie mehr versiegen möchte, zugunsten nun der freundlichen Gönner im Hintergrund.

    Gegenprobe: Im Deutsch ist der Begriff Revolution nachgerade ein Schimpfwort, wenn vollinhaltlich gemeint, im Gegensatz zu vielen Ländern, wo man stolz darauf ist, eine Revolution erfolgreich hinter sich gebracht zu haben. Das zeigt den Stand der ganz alltäglichen Korruption im Denk-Horizont.

    So sehen wir denn hier die Wirksamkeit des politischen Diskurses zweifellos in Richtung Narzissmus ausschlagen.

    1. Eine Zensur findet nicht statt!
      Alles wird sich zum Guten Wenden, also der Weltherrschaft der Rechen und verständnisvollen, die seit 90 Jahren Hilfsprojekte finanzieren, die ihnen viele Profite einfahren und ihr Gewissen beruhigen!

      1. Hatte ja nur vorschlagen wollen, eher Tucholsky zu folgen, nicht den Kakao, durc
        h den man gezogen wird, auch noch auslöffeln wollen, was in dem Fall nicht ganz
        trivial ist, Entschuldigung als bitte für die Länglichkeit, aber so mit falsch v
        erstandener Wissenschaftlichkeit, Semiotik dort, wo sie nicht hingehört, schien
        mir doch Anregung genug, wenn tatsächlich hier nur der nackte Narzissmus im Spie
        l ist, erstens vonseiten eines durchgeknallten politischen Personals, das nicht
        mehr in der Lage ist, gravierende Dinge bis zu Ende durchzudenken, bevor eine Ge
        sellschaft als Versuchskaninchen von Machtmissbrauch herhalten muss, und einem g
        roßen Publikum dazu, das Narzissmus als Vorbild für emotionalen Exzess nachäfft,
        mit destruktiven Konsequenzen für dort, wo die Freiheit der Rede dann als halbseidene Klamaukveranstaltung gehandelt wird.

        Diese Gegenüberstellung kann elaboriert erfolgen (und das ist keinesfalls nur das Gegenteil von restringiert, das kann sogar mit restringiertem Code bewältigt werden, wenn genug Übersetzungshilfen im Angebot sind), mit Maßgabe geltender Vernunft und mit angemessenem Verstandesgebrauch, mit Andeutung der bösen Aussichten bei abhandenkommender Diskursfähigkeit, und von mir gegebenen zwei Beispielen, dem einen der Tabuisierung von kritischen Vokabeln, hier seit der Niederschlagung von Räterepubliken (noch eine in jüngerer Zeit hierzu, das war das unsägliche Verbrechen an Libyen von 2011, das war auch eine Räterepublik, ein Horrorgemälde in den Augen eines jeden narzisstisch gelenkten Staatswesens), das andere ein jahrzehntelang bewährtes offenes Diskurssystem, wie es das Usenet darstellt.

        Und nicht dass dann jemand mit neuen seltsamen Verheißungen einen Kakao in den Abgründen von leider nur halb-blöde betriebener Analyse nachläuft, wie etwa im Soros-Kosmos die Rattenpfeifen klingen. Von daher ist Genauigkeit angesagt, wenn man hinschaut, was hier per Gesetz begonnen wurde, kaputtzuschlagen. Das ist eine ernstliche Attacke! Und keiner will es merken, ach wie ist so ein narzisstisches Wunderland doch verführerisch.

        (Vielleicht geht das jetzt durch? Letztens waren auch noch einige Fehler drin, zuviel Bildschirmkonsum, sorry.)

  9. Eine Frage Off-Topic, aber ich muss sie jetzt einfach mal stellen:

    Bitte, erklärt mir warum es so wichtig ist, dass zu Artikeln und Berichten immer ein groß angelegtes und in vielen Fällen unpassendes Symbolbild eingebunden wird? Ich weiß, so ein Aufmacherbild wirkt toll, aber das sprintende Mädchen ergibt im Kontext der Meldung absolut keinen Sinn. Im Gegenteil, es lenkt eher vom Inhalt ab. Und leider ist so etwas immer öfter der Fall, nicht nur bei jeder x-beliebigen Onlineausgabe einer Tageszeitung sondern auch bei seriösen Blogs wie netzpolitik.org.

    Klar, das Internet ist ein optisches Medium und laut Bill Wattersons Calvin erkennt man einen Artikel mit Tiefgang daran, dass Text unter dem Bild abgedruckt ist… aber vielleicht kann mich hier jemand erleuchten?

    Danke im voraus!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.