Dass die besondere Position der Amerikaner in Bezug auf ihre Schusswaffen zu den Staaten gehört wie der Cheeseburger und Thanksgiving, ist wohl hinlänglich bekannt. Trotz lockerer Gesetze, die den Schusswaffenverkauf regeln, hat eine „Ghost Weapon“, also eine Waffe, die weder irgendwo registriert noch nachverfolgbar ist, genau aus diesen Gründen Anreize geschaffen, sich eine solche zu besorgen. Zwar darf man Geisterwaffen weder verkaufen noch kaufen, wohl aber selbst herstellen. Dies passiert auch schon, so kann man mit einer Ständerbohrmaschine sowie mit einem 3‑D-Drucker den einzigen Teil einer Waffe herstellen, den man nicht legal erwerben kann: den „Receiver“ (Wiki).
Für die Herstellung eines AR-15-Halbautomatik Gewehrs wird ein so genannter „Lower Receiver“ benötigt. Alle anderen Teile der Waffe sind legal in den USA zu erstehen, ohne Seriennummern. Beim Receiver handelt es sich um ein Stück Metall oder wahlweise auch Hartplastik, das eine Verbindung von Lauf, Schaft, Griff und Magazin herstellt. Es ist das Kernstück jeder Handfeuerwaffe, und genau aus diesem Grund auch das einzige, welches in den USA nicht legal, ohne Seriennummer erworben werden darf. Allerdings kann man einen „80% lower“ legal anonym erwerben. Das ist ein fast fertiger Receiver, bei dem noch einige Bohrungen und Kanten fehlen, damit er einsetzbar ist.
In einem Artikel, der bei wired erschienen ist, versucht der Redakteur diesen „80% lower“ zu einem funktionsfähigen „Lower Receiver“ zu vollenden und somit erfolgreich eine Geisterwaffe, in diesem Fall eine AR-15, herzustellen. Vor allem zu diesem Zweck gibt es in den Staaten jetzt den „Ghost Gunner“ zu kaufen. Eine 1500 Dollar teure „computer-numerical-controlled“ (CNC)-Fräse, die das kinderleichte Fertigen eines „Lower Receiver“ ermöglichen soll. Praktischerweise braucht man bei der Online-Bestellung der Fräse nur eine Adresse angeben. Da das Bezahlen auch mit Bitcoins funktioniert, kann man so völlig anonym in den Besitz der Maschine kommen und folglich auch völlig anonym die Geisterwaffe herstellen.
Der Redakteur versuchte, mit den drei angesprochenen Methoden Ständerbohrmaschine, 3‑D-Drucker und Ghost Gunner einen funktionsfähigen „Lower Receiver“ herzustellen. Schnell stellte sich heraus, dass die mit Abstand simpelste und effektivste Variante der Herstellung den Einsatz eines Ghost Gunners impliziert.
I installed DDCut [ein Windows-Programm zur Herstellung eines Lower Receiver] and found that for its primary purpose of finishing a lower receiver, the Ghost Gunner is absurdely easy to use—mostly because I was never given the chance to make any choices. Once DDCut began running the AR-15 file and cutting into my 80 percent-lower receiver, my only interaction with the software was clicking “next” through a 22-step set of instructions and then doing things to the aluminum part that the software told me to do.
Noch vor einem Test der zusammengebauten Waffe bestätigte ein Waffenfachmann dem Autor, dass nur der vom Ghost Gunner hergestellte „Lower Receiver“ zum Zusammenbau der Waffe geeignet ist. Die dann fertiggestellte AR-15 schoss wie eine kommerziell hergestellte Waffe.
Es war zwar schon vor Erfindung des Ghost Gunner möglich, den „Lower Receiver“ herzustellen und somit eine Geisterwaffe zusammen zu bauen, jedoch ist es jetzt noch einmal sehr viel leichter geworden. Jedem Amerikaner ist es jetzt grundsätzlich möglich, auch ohne jegliches handwerkliches Geschick, seine eigene Geisterwaffe zu bauen. Den Autor hat das AR-15, inklusive aller Teile, 2.272 Dollar gekostet.
When this story published, the Ghost Gunner still sat in a storage room of WIRED’s office a few blocks away. It’s ready to make another lower Receiver at any time. And Defense Distributed has already sold more than a thousand of their gun-making boxes, each one a tiny, easy-to-use, anarchic rifle factory. In other words, to paraphrase the rifleman’s creed again, this ghost gun was mine. But there will be many like it.
