Technologie

USA: Mal eben das eigene AR-15-Halbautomatik-Gewehr zusammenbauen? Der „Ghost Gunner“ macht’s möglich

Lower Receiver für AR-15 CC BY-SA 2.0 via flickr/simonov

Dass die besondere Position der Amerikaner in Bezug auf ihre Schusswaffen zu den Staaten gehört wie der Cheeseburger und Thanksgiving, ist wohl hinlänglich bekannt. Trotz lockerer Gesetze, die den Schusswaffenverkauf regeln, hat eine „Ghost Weapon“, also eine Waffe, die weder irgendwo registriert noch nachverfolgbar ist, genau aus diesen Gründen Anreize geschaffen, sich eine solche zu besorgen. Zwar darf man Geisterwaffen weder verkaufen noch kaufen, wohl aber selbst herstellen. Dies passiert auch schon, so kann man mit einer Ständerbohrmaschine sowie mit einem 3-D-Drucker den einzigen Teil einer Waffe herstellen, den man nicht legal erwerben kann: den „Receiver“ (Wiki).

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Für die Herstellung eines AR-15-Halbautomatik Gewehrs wird ein so genannter „Lower Receiver“ benötigt. Alle anderen Teile der Waffe sind legal in den USA zu erstehen, ohne Seriennummern. Beim Receiver handelt es sich um ein Stück Metall oder wahlweise auch Hartplastik, das eine Verbindung von Lauf, Schaft, Griff und Magazin herstellt. Es ist das Kernstück jeder Handfeuerwaffe, und genau aus diesem Grund auch das einzige, welches in den USA nicht legal, ohne Seriennummer erworben werden darf. Allerdings kann man einen „80% lower“ legal anonym erwerben. Das ist ein fast fertiger Receiver, bei dem noch einige Bohrungen und Kanten fehlen, damit er einsetzbar ist.

In einem Artikel, der bei wired erschienen ist, versucht der Redakteur diesen „80% lower“ zu einem funktionsfähigen „Lower Receiver“ zu vollenden und somit erfolgreich eine Geisterwaffe, in diesem Fall eine AR-15, herzustellen. Vor allem zu diesem Zweck gibt es in den Staaten jetzt den „Ghost Gunner“ zu kaufen. Eine 1500 Dollar teure „computer-numerical-controlled“ (CNC)-Fräse, die das kinderleichte Fertigen eines „Lower Receiver“ ermöglichen soll. Praktischerweise braucht man bei der Online-Bestellung der Fräse nur eine Adresse angeben. Da das Bezahlen auch mit Bitcoins funktioniert, kann man so völlig anonym in den Besitz der Maschine kommen und folglich auch völlig anonym die Geisterwaffe herstellen.

Der Redakteur versuchte, mit den drei angesprochenen Methoden Ständerbohrmaschine, 3-D-Drucker und Ghost Gunner einen funktionsfähigen „Lower Receiver“ herzustellen. Schnell stellte sich heraus, dass die mit Abstand simpelste und effektivste Variante der Herstellung den Einsatz eines Ghost Gunners impliziert.

I installed DDCut [ein Windows-Programm zur Herstellung eines Lower Receiver] and found that for its primary purpose of finishing a lower receiver, the Ghost Gunner is absurdely easy to use—mostly because I was never given the chance to make any choices. Once DDCut began running the AR-15 file and cutting into my 80 percent-lower receiver, my only interaction with the software was clicking “next” through a 22-step set of instructions and then doing things to the aluminum part that the software told me to do.

Noch vor einem Test der zusammengebauten Waffe bestätigte ein Waffenfachmann dem Autor, dass nur der vom Ghost Gunner hergestellte „Lower Receiver“ zum Zusammenbau der Waffe geeignet ist. Die dann fertiggestellte AR-15 schoss wie eine kommerziell hergestellte Waffe.

Es war zwar schon vor Erfindung des Ghost Gunner möglich, den „Lower Receiver“ herzustellen und somit eine Geisterwaffe zusammen zu bauen, jedoch ist es jetzt noch einmal sehr viel leichter geworden. Jedem Amerikaner ist es jetzt grundsätzlich möglich, auch ohne jegliches handwerkliches Geschick, seine eigene Geisterwaffe zu bauen. Den Autor hat das AR-15, inklusive aller Teile, 2.272 Dollar gekostet.

When this story published, the Ghost Gunner still sat in a storage room of WIRED’s office a few blocks away. It’s ready to make another lower Receiver at any time. And Defense Distributed has already sold more than a thousand of their gun-making boxes, each one a tiny, easy-to-use, anarchic rifle factory. In other words, to paraphrase the rifleman’s creed again, this ghost gun was mine. But there will be many like it.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
28 Kommentare
  1. Und wo ist die Relevanz bezüglich Netzpolitik versteckt?
    Entspricht der Artikel der Kommunikationslinie von netzpolitik.org?
    What is your intention, Adrian?

      1. Ist eine schuld von 3D-Druckern und fehlender 3D-Drucker-Regulierung, dass solche Spinner jetzt Waffen nachbauen oder liegt der Fehler im Waffen-Fanatismus und der mangelhaften Waffen-Regulierung der Amis?

        Andere würden sagen: Netzsperren und DRM für Drucker könnten sowas verhindern, anstatt darauf zu schauen, dass alle weiteren Einzel-Bauteile frei erhältlich sind.

      2. Auch der 3D-Drucker ist ein red herring. Die 80% lower receiver sind frei im normalen Handel, die Bearbeitung erfolgt mit einer spanabhebenden Maschine oder zur Not manuell, alles ganz altmodisch, mechanisch belastbar und vollstaendig offline machbar.

      3. Die Diskussion ist eine voellige Lachnummer. Mit Lauf, Kammer, Verschluss und Abzugsgruppe kann jeder mittelmaessige Handwerker eine Waffe zusammenbauen.

        Ansonsten geht es da auch nicht um „mehr Waffen“, denn in den entsprechenden Staaten hat man ohnehin freien Zugriff. Es geht um „unregistrierte Waffen“.

  2. Nunja, dass die USA ein kaputtes Waffengesetz haben, duerfte allgemein bekannt sein?

    In den meisten anderen Laendern seind die wesentlichen Teile einer Waffe bereits reguliert, nicht nur der relativ einfach zu erstellende lower receiver. Der online-Bezug ist ein red herring, das ist ja alles frei und unregistriert handelbar.

  3. Ja immer feste den Glauben an „From my cold dead hands“ aufrecht erhalten dann rollt der Dollar und der Ami ist glücklich mit seinem Second Ammendment. Mehr Waffen braucht das Land. Pfft

      1. Die gibts ja nur, weil die Lehrer nicht bewaffnet sind. So ist zumindest die offizielle Argumentation der National Riffle Association.
        Und wenn dann mal ein überarbeiteter Lehrer durchdreht müssen die Schüler halt auch bewaffnet werden.
        Dann kann ja nichts mehr schief gehen.

  4. Was ist Freiheit?
    Freiheit heisst seine Meinung frei äussern zu dürfen, auch im Netz.
    Freiheit heisst Zugang zu Informationen zu haben, besonders im Netz.
    Freiheit heisst beliebig schnell fahren zu dürfen.
    Freiheit heisst, sich (und seine Freiheiten, s.o.) verteidigen zu können – suche „Why good people should be armed“.

    1. Freiheit heißt das Recht zu haben, meinem fünfjährigen Sohn eine Knarre zum Geburtstag zu schenken, mit der er dann wahlweise mich, sich selbst oder sein kleines Geschwisterchen erschießt, ja?

      Ich bin sehr glücklich über das Gewaltmonopol des Staates. Guck Dir mal die Statistiken zu Schusswaffentoten in U.S. und Deutschland an. Dass unser Staat gerade nach und nach zum Polizeistaat mutiert, ist ein anderes Problem und lässt sich nicht durch liberalere Waffengesetze beheben. Dar Staat hat immer die dickere Wumme. Kann man am Beispiel USA auch sehr schön nachvollziehen.

      1. Freiheit geht einher mit Verantwortung. In den USA (daher kommt das vorgestellte Tool) wird durchaus diskutiert, ab welchem Alter und in welcher Form man Minderjährige an Feuerwaffen heranführen soll/darf. Dort wird viel Wert gelegt auf Ausbildung und richtigen Umgang mit Waffen. Auch darauf wird im angegebenen Clip eingegangen.

      2. Sorry, die USA bekommen noch nicht mal die Ausbildung und richtigen Umgang mit Waffen fuer ihre Polizeikraefte hin. Das ist im Kontext „Fuehren einer Waffe im Alltag“ wesentlich mehr als „auf dem Schiessstand weder sich selbst noch andere aus Versehen umbringen“.

  5. Ich finde ja viel interessanter, was man mit dem „Ghost Gunner“ sonst noch alles fräsen könnte. Eine eigene CNC-Fräse für 1500 $? Dagegen stinkt doch jeder 3D-Drucker ab. Endlich Rapid Prototyping für zu Hause. Ist das Ding in Deutschland legal erhältlich? Oder fällt das unter das Kriegswaffenkontrollgesetz?

  6. @Markus Beckedahl: Was der Artikel hier so wirklich zu suchen hat, ist mir noch nicht klar …
    Dieser hier erweckt auf mich den Eindruck, dass man einfach nur eine übliche, sehr konträre Diskussion lostreten möchte. Netzpolitisch ist da nicht so viel dran, außer dass das Gerät mit einem Computer bedient werden kann und mittels digitaler Daten gesteuert wird.
    So etwas können CNC-Fräsen aber bisher auch schon.

    Für gewöhnlich lese ich hier gerne mit, aber solche Artikel mit dazugehörigen Kommentaren von einem Teammitglied (!= Autor des Artikels – weiß ich), der dann gleich mal ein „Spinner die Waffen nachbauen“ und von „Waffen-Fanatismus“ enthält enttäuschen mich dann doch ein wenig. Sonst geht es doch auch wenig einseitiger …
    Die meisten sind gegen freien Waffenbesitz – mit guten und schlechten Argumenten – nur macht das die Gegenseite doch nicht gleich zu Spinnern.

  7. Das „Basteln“ eigener Tools ist letztlich eine Grassroot Aktivität. Seit es möglich ist 3D-Drucker erschwinglich zu bauen, kann man das als Grassroot Technologie bezeichnen.
    So attraktiv das sein mag, so bedrohlich ist das für ganze Branchen. Was also liegt näher, um dieser neuen Basis-Technologie ein nur kurzes Aufleben zu erlauben? Man macht es schlecht und stellt es als Bedrohung für Leib und Leben dar. Wie gut dass sich Buzzwords nicht abnutzen. Warum nicht gleich behaupten, 3D-Drucker sind Massenvernichtungswaffen? Sie müssen nicht mal in Containern herumgefahren werden sondern finden Platz in jedem Kinderzimmer. Wer erstellt ein Powerpoint für die UN-Vollversammlung?

  8. Der Artikel ist sehr wohl relevant!

    Neben dem zweifelhaften Ansinnen jeden US-Bürger in die Lage zuversetzen eine Waffe selbst herstellen zu können, wirft der Artikel indirekt die spannenden Fragen der näheren Zukunft auf:

    Wie soll zukünftig überhaupt realistisch ein Patentschutz aufrecht erhalten werdem können?
    …Und was ist überhaupt in diesem Zusammenhang eine RaubKopie?

    Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis Google, Amazon und Co. sogenannte Fertigungs-Clouds aufbauen. Dort kann man sich dann in Baugrößen beschränkt, aus verschiedenen Kunststoffen durch 3D Druck und Metallen durch 3D Lasersintern, quasi Beliebige Produkte vollautomatisiert fertigen und zuschicken lassen. Man wählt aus einem CAD-Katalog die gewünschten Konstruktionsdaten oder lädt eigene hoch. Damit wird nach den Daten und dem Stromnetz nun auch die Fertigung dezentralisiert und demokratisiert!
    Wenn ich mir für mein Auto so ein Ersatzteil erstelle…Ist das dann legal? Wer soll sowas kontrollieren?

    Ich denke Patente gehören folgerichtig auf die Müllhalde der Geschichte…Ebenso wie der Begriff Kunstbegriff Geistiges Eigentum…..

    1. Die Begriffe „dezentralisiert und demokratisiert“ im Zusammenhang mit „Fertigungsclouds“ bei den absolut gewinnorientiert und zentral betriebenen „Google, Amazon und Co“ zu verwenden waere eine nette Ironie. Ist aber wohl eher traurig, auch angesichts der zu erwartenden Muster(sic!)erkennungsfaehigkeiten und Datenauswertungen dort.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.